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Sonntag, 23. März 2014

Familienklettern im Tessin

Wir befinden uns zwar mitten in einer Hochdruckperiode, doch just aufs Weekend hin ist eine Front angesagt. Zwar hätte ich durchaus Lust auf eine rassige Tour in Schnee und Eis, doch als mich dann für einen Ausflug wochentags in die Modica Noury verabreden kann, ist die Sache geritzt. Wir fahren mit der ganzen Familie ins Tessin zum Klettern. Da sind Sonne satt und sehr milde Temperaturen angesagt. Wie sich zeigte, wurden sogar die 25 Grad überschritten und damit meteorologisch der erste Sommertag registriert. Derweil waren die Tourenbedingungen tatsächlich bescheiden, somit hatten wir also doppelt recht mit unserer Entscheidung.

Unsere erste Familien-MSL-Tour
Geklettert wurde für die Grossen im Ostsektor von Ponte Brolla. Ein wirklich ganz toller Spot, den ich total erstaunlicherweise nun schon 4 Jahre nicht mehr besucht hatte. Für nicht mehr ganz kleine Kinder ist das auch wirklich ein tolles Gelände, mit Gneisblöcken, Baumstämmen und Palmen durchsetzt, ideal für Abenteuerspiele. Sportlich war es für mich auch ganz ok, das Ziel mit zwei gepunkteten 7c's wieder nach Hause zu fahren habe ich jedoch verpasst. Am ersten Tag hielt ich mich zu lange mit der harten La Rosa Rubata (offiziell 7b, eher 7b+) auf. Zwar schaffte ich es dann noch, die geniale Eroe della Direttissima (7a) zu klettern, für deren Direktvariante Placca Nera (7c) reichte es dann leider nicht mehr. Am zweiten Tag gelang mir zuerst die bouldrig-interessante Upside Down (7c). Währenddessen legte sich unser müder Sohn unter einer Palme schlafen, somit ging mein Aktionsradius leider nicht bis zur Placca Nera rüber und ich musste mich, auch schon etwas angeplättet, mit einem Alzheimer-Onsight der Occidente (7a+) begnügen. Für mehr reichte es dann nicht mehr, denn wir hatten auch noch andere Pläne...

Die Placca di Tegna, super schöne, plattige Gneisklettereien im vierten Grad von erlesener Qualität.
Der wahre Grund für diesen Eintrag sind aber nicht die Sportklettereien mit für mich selber zwar akzeptablen, jedoch nicht herausragenden Leistungen sondern die Tatsache, dass wir bei unserem Aufenthalt die erste Familien-MSL-Tour klettern konnten. Das war durchaus ein Wunschziel fürs 2014 gewesen. Nicht, weil dies nun unbedingt hätte sein müssen, sondern weil ich sicher war, dass dies für alle ein toller Event wäre. So kam es dann auch. Am Samstag war der Sohnemann leider schon zu müde zum Mitkommen und ich kletterte mit der Tochter ein paar dieser sehr schönen Gneisplatten in den Graden 3c und 4a. Am Sonntag war es dann soweit, mit müden Armen pilgerten wir alle nochmals zur Placca di Tegna. Mami ging im Vorstieg, die beiden Kindern stiegen zügig und gekonnt nach, und Papi sorgte als letzter dafür, dass notfalls ein Anschieber zur Stelle war, der Rucksack mit der Trinkflasche jederzeit greifbar, et cetera. Nach zwei Seillängen, auf einem bequemen Band, hielten wir Rast. Alle bestaunten wir die tolle Aussicht auf die Maggia, den Lago Maggiore und den noch tief verschneiten Monte Tamaro und schmunzelten ob der Kinderfrage, ob wir nun schon so hoch oben seien, dass wir unseren Wohnort sehen könnten. Somit war dieser Event ein toller Erfolg und ein grosser Spass für alle. Sicher wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, und insgeheim frage ich mich, wann es soweit sein wird, dass die Kinder dann vorsteigen und monieren "Papi mach doch mal, das ist doch gar nicht schwierig da...". Zuletzt verbleibt noch die Frage, wohin wir das nächste Mal zum Klettern fahren: dienlich zum Entscheid ist da vielleicht die Ticklist aus dem Bergzeit-Magazin...

Bello Ticino!

Kommentare:

  1. Der Helm deiner Tochter schützt - so wie er sitzt - kaum (?)

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    1. Leider richtig! Einen auf einem Kinderkopf optimal sitzenden Helm zu finden ist nicht einfach. Den Nachfolger zum hier abgebildeten Modell haben wir jedenfalls bereits gekauft. Das Thema ist aber nicht ganz einfach, denn damit der Helm keinesfalls rutscht muss man ihn richtig fest anziehen, worauf sich die Kinder dann verständlicherweise über mangelnden Tragekomfort beklagen und den Helm in jeder unbeaufsichtigten Sekunde am liebsten ausziehen. Dies natürlich nicht nur beim Klettern, sondern beim Velofahren genauso. Zum Schluss sei angemerkt, dass das Gefahrenpotential beim Klettern mit diesem Helm auf den Platten von Ponte Brolla minimal war, der suboptimale Zustand also nicht überaus alarmierend.

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