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Montag, 26. Mai 2014

Cheselenflue - Orion (6c+)

Im Melchtal gibt es zahlreiche MSL-Routen, die meist deutlich unterhalb der 2000m-Grenze liegen. Somit bietet sich das Gebiet an, um es früh oder spät in der Saison, bzw. nach einer Schlechtwetterperiode mit Schneefall bis in tiefe Lagen aufzusuchen. Ebenso vermögen die Klettereien meist mit für den Grad ordentlicher Steilheit, prima griffigem Fels und üppiger BH-Absicherung auftrumpfen. Für wenig Aufwand gibt es also viel Genuss und darum möchte ich einen kurzen Bericht der bisher kaum bekannten 5-SL-Tour Orion (6c+, 5 SL) im wenig besuchten Sektor Gamma der Cheselenflue schreiben, bevor sich für mich der Mantel des Vergessens um die Tour hüllt. 

Wandansicht und Topo der Orion im Sektor Gamma an der Cheselenflue
Angereist waren wir im Prinzip, um die sogar noch etwas tiefer gelegene Herausforderung mit dem Namen Tropf Tropf (7b+, 5 SL)) anzunehmen. Diese ist zwar dank ihrer Steilheit selbst bei Regenfällen kletterbar, nach lange anhaltendem Niederschlag und insbesondere bei Schneeschmelze macht die Route aber dann ihrem Namen zu viel Ehre und wird wegen Nässe unkletterbar - ein Umstand, der immerhin schon von der Strasse aus erkennbar war und uns vor unnützem Aufwand abhielt. Leider zierten auch beim Plan B, nämlich der steilen Männer von Memmental (7a+, 5 SL) Wasserstreifen den Fels und wie man es drehte und wendete, die einzige wirklich mit Sicherheit komplett bekletterbare Route in der Gegend war eben die Orion, ansonsten wäre dann ein Besuch irgendwo in einem Klettergarten fällig gewesen.

L1 (5c) ist eher noch als verschärfte Zustiegslänge zur schönen Kletterei zu werten.
Dies wollten wir aber tunlichst vermeiden, denn schliesslich waren wir für eine lange Route angereist. Somit also auf der Stöckalp parkiert, dann erst der Strasse Richtung Frutt gefolgt, um später auf den Wanderweg abzubiegen und diesen kurz darauf an der Stelle in Richtung Bergstation des Skilifts verlassen, wo er zwei charakteristische Kehren schlägt. Ab da geht man mehr oder weniger weglos durch den Wald, der beste Weg ist aber dank üppiger Markierung mit blauen Punkten gut zu finden. Nach einer knappen halben Stunde waren wir am verkrauteten Wandfuss eingetroffen und hatten den mit einem Täfelchen beschrifteten Einstieg bald lokalisiert. Rasch waren wir aufgerüstet, und es konnte um 11.30 Uhr losgehen.

Sieht ja sogar schon richtig gut aus (und ist es auch!): L2, 6b.
L1, 5c: Eher unschöne, nicht total banale Kletterei in etwas brüchiger Verschneidung. Als Zustieg zu werten...
L2, 6b: Anhaltende, technische Kletterei in schönem Fels mit Diagonalschlitzen, fast wie am Gonzen. Interessant!
L3, 6c+: Leicht überhängende Kletterei an Querschlitzen mit Boulder zu Beginn und Kniffelstelle am Ende. Sehr schön!
L4, 6c: Steile Ausdauerkletterei an Querschlitzen, ziemlich homogen und ohne ausgeprägte Crux. Sehr schön!
L5, 6b: Bouldrige Moves über ein Dächlein hinweg, fast die schwerste Einzelstelle der Tour. Kurz, aber gut.

Nun hatten wir nach 3:00 Stunden Kletterei bereits das Top erreicht. Dieses liegt leider mitten in der grossen Wand, allerdings macht die folgende 10m-Bruchzone auch nicht allzu viel Appetit, um hier noch eine Fortsetzung einzurichten. Beide konnten wir uns an einer perfekten Onsight-/bzw. Flash-Begehung erfreuen. Von der Anforderung her hatte es gerade bestens gepasst: immer so fordernd, dass die Konzentration auf jeden Fall aufrecht erhalten werden musste, jedoch auch immer im Komfortbereich, so dass die Adrenalinausstösse hier für einmal auf einem Minimum gehalten werden konnten. Es stand einfach das genussvolle Vorwärtsstreben im Vordergrund, insgesamt also eine prima Route, um sich das Selbstvertrauen für höhere Aufgaben zu holen. 

Kathrin am Moven in L3, 6c+. Die BH-Abstände sind übrigens nicht gar so kurz, wie diese Zoom-Aufnahme suggeriert.
Nach einem High Five am Top waren wir zügig mit 3 Abseilfahrten wieder am Einstieg. Etwas Zeit blieb noch übrig, also stiegen wir noch rasch zum Klettergarten Stöckalp hinauf. Diese gilt durchaus als Major Crag und ist in diversen Auswahlführern vertreten, obwohl er eigentlich weder besonders oft besucht, noch mit 13 Routen besonders gross ist. Die goldfarbene Wand mit den weissen Popcorn-Einschlüssen ist aber wirklich ganz speziell anzuschauen und die leicht überhängenden Wandklettereien scheinen attraktiv. Zur Ouvertüre schritt ich zügig durch die Susibusi (6c+), die nachfolgende Verbindung via den Götterquergang (7a+) ging auch noch, doch im Schlussbouquet des Läckmerli (7c+) versagten dann die Unterarme ihren Dienst. Nanu, Zeitbudget und Kraft waren aufgebraucht, also ab nach Hause!

Facts

Cheselenflue - Orion 6c+ (6a+ obl.) - 5 SL, 140m - Britschgi/Ettlin 2011 - ***; xxxxx
Material: 18 Express, 2x50m-Seile

Eher kurze, aber nette Route in einem wenig besuchten Sektor der Cheselenflue. Nach einer noch wenig einladenden Einstiegslänge wartet anhaltende, interessante und griffige Kletterei im für die Zone typischen Fels mit seinen meist guten Querschlitzen. Die Absicherung ist sehr üppig ausgefallen, man muss eigentlich nie gross über die Haken steigen. Das heisst, mit etwas Ruhen und dem einen oder anderen Silbergriff werden hier wohl die meisten irgendwie zum Ausstieg gelangen. Die Sonne bescheint die nach SE exponierte Route von ca. 8.00-15.30 Uhr.

Am Ende von L4 (6c) ist's bald geschafft, wobei dann in L5 (6b) nochmals eine kleine Herausforderung wartet.
Topo

Im SAC-Kletterführer Zentralschweizer Voralpen Südwest befindet sich ein Topo (Wandfoto mit eingezeichneter Linie, ähnlich wie oben). Mehr braucht es auch nicht, da der Einstieg angeschrieben ist und man sich danach auf dem Weg zum nächsten Bolt unmöglich verirren kann. Ebenso werden im SAC-Führer auch weitere 6 Routen am Wandfuss mit Schwierigkeiten von 4b-6b+ aufgelistet. 

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