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Sonntag, 14. Dezember 2014

Thai-ai-ai...

Nach meinem Ausflug in die Matterhorn-Nordwand war ich nochmals etwas auf den Geschmack des Projektierens im Klettergarten gekommen. Der warme und trockene November 2014 lud schliesslich dazu ein, man konnte sich ja beinahe uneingeschränkt draussen austoben. Meine Wahl war auf die Thai City (8a) an der Wand im Wald gefallen. Nach etwa 6-7 Sessions und rund 20 Versuchen gelang es mir nun, sie zu punkten... und sie damit wahrscheinlich auch gleich zur Kandidatin für eine Abwertung zu machen. Wenn's der Dettling punktet, dann kann es nicht 8a sein, so scheint mir die Devise zu lauten. Nicht allen meinen bisherigen Routen im achten Franzosengrad war jedenfalls nach meiner Begehung ein langes Weiterleben in ihrem Dasein gegönnt - daran wird es wohl auch liegen, dass die sich jeweils wie verrückt gegen meine Begehung wehren ;-)


Nachdem ich am Weekend zuvor mit der recht strengen Medel-Skitour in den Beinen noch knapp am letzten schweren Zug gescheitert war, öffnete sich nun das Fenster für den Durchstieg. In gewohnter Manier ging's hinauf zur Abschlusscrux, deren Griffe ich langsam auch gescheit festzuhalten gelernt hatte. Und auf einmal hatte ich dann den Sloper nach dem letzten schweren Zug in der Hand. Damit wäre es eigentlich geschafft gewesen, so dachte ich zumindest im Vornhinein. Beim Auschecken oder Fertigklettern nach einem Sturz hatte ich von dort den letzten Zwischenhaken immer souverän eingehängt. Doch nun hing ich da und merkte sogleich, neinnein Marcel, so viel Kraft um hier zu klippen hast du nimmermehr. Das Hauptproblem dabei war, dass dieser Umstand in meinem mentalen Plan ganz und gar nicht vorgesehen war.

Mullerenalp, a magic place! Sicht zum Glärnisch mit dem Vrenelisgärtli 2904m, sowie Wiggis und Rautispitz.
Nach einer ganz kurzen Phase der Beklemmung schnaufte ich dann 3x tief durch. Loszulassen war definitiv keine Option, Klinken ging absolut nicht und somit blieb das Weitersteigen als einzige Möglichkeit. Die abschliessenden Moves sind zwar nicht mehr allzu schwer, aber entkräftet vom Durchstieg und 1-2m über dem letzten Haken stehend bekommt alles eine neue Dimension. Aber es gelang mir, meine Nerven im Zaum zu halten und souverän zum Umlenker durchzusteigen. Mein Herbstprojekt war damit abgeschlossen, grosse Freude und Genugtuung machten sich breit. Doch wie nahe Freud und Leid beim Klettern zusammen liegen können, erlebten wir bald darauf. Nach einem Besuch im Hallenbad des SGU Näfels wurden wir prompt noch Zeugen, wie ein Kletterer vom Top beinahe ungebremst zu Boden stürzte. Zum Glück ging die Sache relativ glimpflich aus, nötig wär's aber dennoch nicht gewesen.


Meinerseits gab es dann am Tag darauf noch einen süssen Dessert. Prophylaktisch hatte ich für eine weitere Galerie-Session abgemacht. Doch nach dem Durchstieg war die Wahl des Kletterziels frei, und da zog es uns eher über den Nebel. Vom Wetter erwartete ich nicht allzu viel, die dicke Jacke, Kappe, Handschuhe und die langen Unterhosen wanderten ins Gepäck. Aber weit gefehlt, die Sonne lachte weitgehend vom Himmel und bescherte uns einen magischen Klettertag auf der Mullerenalp. Dass ich mir dort noch kurzerhand die Begehung der Val Lunga (7c) krallen konnte, das war dann quasi das Marzipanrüebli auf der Torte. Mein Dank geht an alle die dabei waren und mich unterstützt haben, ganz besonders natürlich an den Neni! 

Facts

Hier gibt's mehr zur Wand im Wald, und das ist der Link (scrollen!) zu den Infos über die Mullerenalp.

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