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Sonntag, 2. August 2015

Setesdal / Bø - Balu (5c)

Wahrscheinlich gibt es nicht viele 5-jährige Kinder, die wissen was man unter einer Mehrseillängenroute zu verstehen hat. Wenig erstaunlicherweise ist das bei unserer Tochter anders und die Ansage war ganz klar. Sie wolle mit Mama und Papa auf eine ebensolche, möglichst hoch hinauf. Diesem Wunsch wollten wir entsprechen, die Frage war bloss, wie hoch hinaus wir denn wirklich könnten. Wenn Papi eines nicht mag, dann ist es MSL-Touren vor dem Ende abzubrechen. Also planten wir defensiv mit der Route Balu, mit 5 Seillängen im Grad 5a und 280 Klettermetern kein Pappenstiel, aber auch keine Mordstour.

Im Zustieg durchs Unterholz, schwache Wegspuren sind gerade so erkennbar.
Auf dem Zustieg durchs Unterholz gab’s prompt wieder einen kleinen Verhauer, noch kein einziges Mal war uns beim Weg zum Einstieg in diesen Ferien ein sauberer Onsight gelungen. Solche Schwierigkeiten habe ich sonst nie, aber die Pfade in Skandinavien sind wenig ausgetreten und die Beschreibungen oft von der eher vagen Sorte. Bald aber war die Rinne aufgefunden, welche zum etwa 100hm über dem Talgrund liegenden Einstieg hinaufführt. Und flugs waren wir alle da, die Tochter voller Tatendrang. Das Kletterzeug anzulegen und auf den Vorstieg von Papi zu warten war schon fast zu viel verlangt, wenn die Platten doch so lockten. Um 13.30 Uhr ging es los.

Nachstieg über die sauber gewaschenen Platten in L1 (4a).
L1 (3c) und L2 (4a) bieten schöne Plattenkletterei in sauberem Fels. Zeitweise rinnt hier ein Wasserfall, was den Fels schön ausgewaschen hat und Flechtenbewuchs verhindert. Eine Herausforderung wartet dann in L3 (5a). Hier sind schon ein paar glattere Plattenmoves zu vollziehen, und drei Aufschwünge wollen überwunden werden. Wo Erwachsene einfach drüber steigen, stehen Kinder vor einem anspruchsvollen bis unüberwindbaren Boulderproblem. Gut hat der findige Papa einfach eine Schlinge im Haken oberhalb montiert, so lässt sich auch der Überhang ohne Probleme lösen. L4 und L5 (beide 4a) bieten dann nochmals Plattenkletterei, wobei es hier teilweise nun etwas Bewuchs mit Flechten und Moos gibt – trotzdem ist’s immer noch schön und problemlos.

Dieses Stück hier ist der schwerste Abschnitt der Route Balu, bewertet mit dem Grad 5a.
Um 15.15 Uhr nach 1:45 Stunden Kletterzeit war bereits der Ausstieg erreicht. Vor allem die Tochter hatte ein unglaubliches Klettertempo an den Tag gelegt, und war die Platten richtiggehend hinaufgeflogen. Dass die Route nun schon zu Ende sein sollte, sorgte sogar für grosse Enttäuschung. „Papi, chömmer nöd wiiterchlättere bis mer ganz dobe sind?“. Ja, tatsächlich waren wir noch nicht am Ende der Plattenzone angelangt. Mit einem Quergang liessen sich die letzten beiden Seillängen der benachbarten Mogli noch anhängen. L6 (4a) bietet nochmals Plattenkletterei, während ein Steilaufschwung in L7 (5c) dann schon etwas Geschick und oberhalb beherztes Treten verlangt. Ein Vorsteiger, der es dumm anstellt, könnte auch schmerzhaft über den Überhang runterpurzeln.

Schöne Aussichten am Ende von L4 (4a), die Hände braucht's zum Klettern nicht immer. Zumindest für die Kinder...
...für die Grossen sieht's etwas anders aus. Schon erstaunlich, wie behände sich die Kids auf diesen Platten bewegen!
Nach diesen 80 Extrametern gab es oberhalb aber wirklich nur noch Wald und Moos, der Weg in die Tiefe war nun imperativ. Doch selbst die Freude am Abseilen war riesig, zumindest bei der Tochter. Für uns naja, steile Abseilpisten machen irgendwie schon mehr Freude als solch geneigte Platten, wo man ständig Seilpflege betreiben muss. Schliesslich war der Einstieg wieder erreicht, und nach einer Banane als Stärkung wurde der Abstieg in Angriff genommen. Auch diese letzten Meter wurden mit Bravour und Freude gemeistert, so dass wir auf dem Rückweg eine irre stolze Tochter auf der Rückbank hatten. Auch wenn es aus Erwachsenensicht eine einfache Route war, so war es doch eine ganz besondere Tour und ein besonderes Erlebnis, auch für uns. 5 Jahre, 5 (oder eben 7) Seillängen, 5c – darauf kann man aufbauen ;-)

Die letzten Meter zum Top der Nachbarroute Mogli (5c), die noch 80 Extra-Klettermeter hergab.
Facts

Bo / Neverland – Balu 5a (4a obl.) – 5 SL, 280m – Weninger/Arndt 2008 - **;xxx
Material: 2x60m-Seile, 12 Express

Plaisirroute über geneigte Platten, unten in meist sauberem Fels, oben teilweise etwas mit Flechten und Moos bewachsen. Die 60m-Längen sind recht gut mit jeweils 7-10 rostfreien 8mm-Inox-Einschlagankern abgesichert. Das ergibt Hakenabstände von 5-10m, gefährlich ist’s nicht, runterfallen könnte trotzdem hier und da schmerzhaft sein. Wer am Routenende noch nicht genug hat, erreicht mit einem einfachen Quergang die Route Mogli, wo sich nochmals 2 Seillängen mit 80 Klettermetern und einem Finale Furioso (5c) anhängen lassen.

Standplatz-Patent vom Erstbegeher. Nachdem's früher nur 1 Bohrhaken pro Stand gab, werden neuerdings 2 Stück gesetzt. Dies im Abstand von ca. 4cm, so dass mit einem Karabiner gleich beide Ringe eingehängt werden können. In diesem soliden Urgestein mag es die beiden nahe gesetzten BH wohl leiden, trotzdem ist diese Art der BH-Setzung nicht wirklich nach Lehrmeinung.

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