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Mittwoch, 18. Januar 2017

Weisstannental - Doppelsäulenfall (WI4)

Ein kurzer Bericht von einem Tag, der mich zwecks einer Schulung der SAC-Fachgruppe Sanieren & Erschliessen ins Sarganserland führte. Bei dieser ging es um die offensichtlichen Themen und insbesondere gab es eine Ausbildung am Testgerät für Verbundhaken. Nein, ein solches habe ich nun nicht zuhause, aber falls es irgendwo potenziell unsichere Klebebolts zu testen geben sollte, ich kann die nötigen Kontakte schaffen. Anyway, danach blieb noch Zeit für etwas Auslauf. Aufgrund der frostigen Temperaturen wollten wir einen Augeschein im Weisstannental werfen und kletterten schliesslich eine Route im Schmonawald.

Hier geht's los, Blick auf die erste Seillänge am Doppelsäulenfall (WI3+).
Die Situation vor Ort präsentierte sich positiv, auch wenn man sicher noch nicht von Topbedingungen sprechen kann. Auf den meisten Linien ist Eis vorhanden, mancherorts ist dieses aber noch reichlich dünn und gerade in den steileren Passagen zeigt sich meist auch nur röhriges, grümscheliges Eis, welches oft auch noch stark wasserüberronnen ist. Dies übrigens notabene bei Temperaturen von -13 Grad auf dem Autothermometer. Dazu sind die flacheren Passagen meist komplett überschneit und aufgrund fehlender Begehungen auch noch nicht geputzt. Kommt noch hinzu, dass der Bach nicht gefroren ist und dessen Überquerung je nach Route ein mehr oder minder grosses Hindernis darstellt. 

Der noch nicht gefrorene Bach stellt ein Hindernis dar! Auch wenn's nur wie ein Rinnsal aussieht, so knietief ist der schon!
Am besten sahen die Bedingungen eindeutig für den Doppelsäulenfall (WI4) aus. Die Seez liess sich hier mit zwei, drei Hopsern vom einen zum anderen überfrorenen Stein trockenen Fusses meistern. Mit 60m langen Seilen lässt sich die Route gerade in zwei Seillängen erklettern. Die erste davon dürfte rund 80 Grad Steilheit erreichen und derzeit so im Bereich WI3+ anzusiedeln sein. Es folgt ein bequemer Stand links aussen an einem Baum. Die zweite Seillänge beginnt sehr einfach und führt dann über eine Stufe hinauf zur Säule. Hier endeten die Begehungsspuren bei einer Abalakov, uns fiel also die Saison-Erstbegehung zu. Über etwa 8-10m geht's hier senkrecht zur Sache, bei derzeit noch nicht idealen Bedingungen. Links und rechts wäre eine heftige Dusche fällig gewesen, mittig gab's einen trockenen Streifen, wo jedoch erst das wenig solide, luftig gewachsene Eis abgeräumt werden musste. Aktuell ist diese Stelle schwerer als die im Topo angegebene WI4 einzustufen.

Blick auf die zweite Seillänge am Doppelsäulenfall. Der Akteur in der Crux, die derzeit schwerer wie WI4 ist.
Nach einer Stunde Kletterzeit waren wir bereits am Top angelangt. Nun waren es nur wenige Schritte zur Waldstrasse hinauf, über welche man bequem in wenigen Minuten zur Strasse hinunter absteigt. Eine Viertelstunde später waren wir zurück beim Auto angelangt. Tja, nun hätte man eigentlich gleich erneut einsteigen können. Am Hauptfall und auch in den WI3-Routen rechts davon hätte man sicher eine kletter- und absicherbare Linie gefunden. Für uns war die Uhr aber leider bereits abgelaufen und die Heimreise war fällig. Toll aber, dass wir noch Zeit und Gelegenheit gefunden hatten, um die Theorie mit etwas (wenn auch verbundhakenfreier) Praxis anzureichern.

Das wäre das nächste, offensichtliche Ziel, der Hauptfall (WI4). Zur Zeit sind die Bedingungen sicher auch noch nicht optimal. Die flacheren Passagen überschneit, die steileren (insbesondere die Abschlussäule) dünn und noch wenig solide. Wobei, wer's drauf hat kommt hier sicher rauf.
Facts

Weisstannental / Schmonawald - Doppelsäulenfall (D II WI4) - 2-3SL, 110m - ***
Material: 8-10 Schrauben, 60m Einfach- oder Doppelseil

Beliebte Eiskletterei im gerne besuchten Schmonawald, die überdies in der Regel auch noch als einer der ersten Fälle brauchbare Bedingungen aufweist. Eine erste Länge führt im verschärften Genussbereich zu einem bequemen Stand. Die zweite Seillänge beginnt einfach und führt zum Prunkstück der Route, der abschliessenden, knapp 10m hohen Säule. Mit einem Einstieg unmittelbar neben der Strasse, der gegebenen Rückzugsmöglichkeit, dem bequemen Abstieg über die Waldstrasse und der weitestgehenden Absenz von objektiven Gefahren darf man hier sicherlich von einer Plaisir-Eistour sprechen. 

Hier der Doppelsäulenfall in seiner ganzen Pracht, vom Parkplatz aus gesehen.

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