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Dienstag, 21. März 2017

Ticino once again...

Am Freitagabend schaute ich zusammen mit den Kindern wie so oft SRF Meteo. Schliesslich galt es, langsam aber sicher zur Besprechung des Wochenendprogramms zu kommen. Ganz aufmerksam fiel das Fazit von meinem Sohn aus: "bei uns schifft es, im Tessin scheint die Sonne. Komm, wir gehen nach Ponte Brolla zwei Tage in die Ferien". Äh ja genau, ziemlich genau so hatte ich mir das vorgestellt! Gut hatten wir anlässlich dieses Fernsehprogramms immer wieder die Geografie der Schweiz geübt. Es ist doch ziemlich bemerkenswert, wenn ein 6-Jähriger beim Meteo komplett selbständig zu einem solchen Fazit kommt. Scheint mir, dass gewisse Charakterzüge meinerseits ziemlich ausgeprägt vererbt wurden.

Noch offene Fragen zum Weekend-Programm? Screenshot von SRF Meteo mit dem Bericht fürs Weekend.
Stellt sich noch die Frage, ob es nicht langweilig wird, schon wieder am selben Ort zu klettern. Aber nein. Die Kinder schätzen sowieso die Routine und die ihnen bereits bekannten Plätze und für mich gibt's im Ostsektor auch noch eine Menge zu tun. Was gibt es besseres, als mit einer motivierten Familie an solche Orte reisen zu können und dabei auch noch sportliche Herausforderungen annehmen zu können. So wird es vermutlich nachvollziehbar, dass ich aktuell ziemlich im Sportkletter-Groove bin. Sich eine lässige Route zu suchen, wo man alles geben muss, um eine Chance zu haben und der Durchstieg nur gelingt, wenn alles perfekt passt, das ist doch echter Fun. 

Rein nominell war ich dieses Mal längst nicht mehr so erfolgreich wie am Weekend zuvor. Das war natürlich auch so zu erwarten und hochzufrieden bin ich trotzdem. Als erstes Ziel stand die Primo Stazione in Ticino (7c) auf dem Programm. Eine lässige Kletterei, welche in einer überhängenden Verschneidung startet und dann in sehr technischer Wandkletterei zum Umlenker führt. Beim ersten Kontakt hatte sich das noch sehr schwierig angefühlt. Es gibt zwar für die Finger einige passable Leisten, jedoch herrscht nur ein schmales Angebot an meist kleinen und rutschigen Tritten vor. Aber als ich dann etwas Zutrauen gefasst hatte, gelang der Durchstieg doch erstaunlich mühelos. So richtig schwierig ist eigentlich nur die Stelle unmittelbar nach Verlassen der Verschneidung, der Rest geht gut, wenn man einmal weiss wie. Und sonderlich pumpig ist es halt nicht.

"Mir stiiged es paar Route vor und ihr chönd euis sichere!". Wer kann seinen Kindern diesen Wunsch ausschlagen... Unschlagbar war dann der Ausspruch beim Klettern "Mann, ich ha tami Seilzug!". Ein kleiner Tipp an alle Eltern (und solche die es werden wollen): man sei sich der Vorbildwirkung seiner Worte stets bewusst ;-)
Insgeheim aspirierte ich auch auf die Fortsetzung Duro Stazione in Ticino (8b). Die Moves über den Zwischenstand hinweg lösen sich dank einem aufgebohrten Griff als machbar auf und man gelangt zum Abschlussdächli. Hier hat man dann einen üblen, seifigen Sloper zu bedienen um dynamisch an einen aufgebohrten Schlitz zu ziehen, von wo das Erreichen des Tops Formsache wäre. Irgendwie ein bisschen unschön - mich hat es schliesslich nicht motiviert und das Projekt wurde zurückgestellt. Also auf in die Schattenjagd (8a), einen der grossen Sportkletterklassiker der Schweiz. Es gilt, sich an einer überhängenden Kante mit vielen rund-rutschigen Griffen, Hooks und meist schlechten Tritten in die Höhe zu schaffen. Es besteht Optimierungspotenzial ohne Ende, scheinbar soll man sogar 3 No-Hand-Rests einbauen können, wovon ich jedoch bei meinen ersten beiden Versuchen keinen einzigen selbständig auffinden konnte. Insgesamt aber ein genialer Challenge, hier werde ich mich mit Garantie wieder versuchen.

Am nächsten Tag war dann bereits Sommer, d.h. die Temperaturen stiegen noch vor dem astronomischen Frühlingsbeginn über 25 Grad. Klar, im Ostsektor liess es sich immer noch prima klettern, für Begehungen am Limit war es aber tatsächlich schon beinahe zu warm. So sicherte ich mir die La Rosa (7b), welche ein paar geniale, bouldrig-pressige Moves bereithält, für den Grad jedoch alles andere als einfach zu bezeichnen ist. In der Schattenjagd noch den roten Punkt zu holen war dann komplett utopisch, also gab's noch etwas Genuss und das Puzzlespiel im Zorn der Götter (7c+). Wow, das ist echt auch eine Perle. Griffig-steiles Ausdauergelände mit einer mittigen Bouldersequenz an Leisten und Slopern und einem heiklen Ausstiegsboulder, wo Knieklemmer, Hooks und alle möglichen Tricks eingesetzt werden wollen. Somit habe ich nun gleich 2 offene Projekte in Ponte Brolla. Aber spätestens in zwei Wochen am 1. April, wenn das Grotto America gleich unter den Felsen öffnet, müssen wir wieder hin - sagen jedenfalls die beiden minderjährigen Programmverantwortlichen in unserer Familie :-)

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