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Mittwoch, 31. Januar 2018

Skitour Zapporthorn (3155m)

Nachdem ich am Vortag am Sparta Boulder Fight die Haut- und Kraftreserven bis auf die letzte Faser ausgereizt hatte, war es zur Erholung wieder einmal Zeit für eine zünftige Skitour. Aufgrund der Problematik der Gleitschneelawinen in tieferen Lagen sowie den Berichten von rumplig gefrorenen Regenrillen und/oder fiesem Bruchharsch-Deckel in den Voralpen schien es mir empfehlenswert, auf höhere Lagen auszuweichen. Weil zudem von Norden auch noch eine Front reindrücken sollte, besann ich mich schliesslich auf ein Ziel an der Südabdachung vom Alpenhauptkamm. Soweit die Ausgangslage - wie die Bilder zeigen, ging schliesslich alles wie erhofft auf.

Rückblick zum Ausgangspunkt San Bernardino, die Passstrasse und das Ca de Mucia sind erkennbar.
Die Tour beginnt unmittelbar beim Südportal vom San-Bernardino-Tunnel, wo man auf die alte Passstrasse abzubiegen hat. Auf dieser noch wenige Hundert Meter weiter, bis zum Campingplatz auf ca. 1680m ist die Strasse geräumt und befahrbar. Man folgt dieser über ca. 3km Distanz bis zur Kehre bei P.1909, unmittelbar nach dem Wägerhaus (Ca de Mucia). Dieser Abschnitt wird mit Pistenfahrzeugen als Winterwanderweg präpariert. Wie es mir schien, war die halbe Südschweiz hier mit ihren Ciaspole auf den Füssen, es waren wirklich Dutzende von Schneeschuhwanderern, welche ich bis zum Abzweig der Strasse überholt hatte. Danach wird's aber schlagartig einsamer. Von weitem war ich mir gar nicht sicher, ob in Richtung Zapporthorn bereits gespurt wäre. Wie sich zeigte, waren aber dann doch 5 Personen vor mir unterwegs - am Vortag war der Gipfel jedoch noch unbegangen geblieben.

Weite Hänge, viel Sonne, Einsamkeit und viele Berge rundherum. Wunderschön!
Das Gelände bis unter den Gipfelstock ist einfach zu begehen. Es warten keine Steilhänge, dafür weitere ~5km Distanz und rund 1100hm Höhengewinn. Die weiten Hänge von Coston de Mucia könnte man als langweilig bezeichnen. Ich fand den Aufstieg in der herrlich weiten, sonnigen und einsamen Landschaft aber als sehr schön. Zum Schluss sind dann doch noch einige Spitzkehren nötig, bis man zur Mündung des Couloirs auf ca. 3040m gelangt. Hier, am Fusse einiger Felsen war es bei Windstille und perfekter Sonneneinstrahlung angenehm warm, ideal für eine Pause und das Skidepot also. Ich entschied mich allerdings, die Skis auf den Rucksack zu schnallen, da das Couloir sehr gut eingeschneit war und mir per Ferndiagnose für eine Abfahrt tauglich erschien. 

Ein solches Foto zu publizieren und zu behaupten, die Tour sei ein grosser Genuss gewesen, das ist ja so in etwa der ziemlich grösste denkbare Widerspruch. Tatsächlich ging am Gipfel ein zügiger Wind, welcher die Vollmontur erforderte. Davor war's jedoch sehr mild und angenehm gewesen.
Obwohl es an sich nicht mehr sehr weit zum Gipfel war, erforderte der Schlussabschnitt dann doch nochmals etwas Einsatz. Zwar war der Schnee recht gut, aber das Gelände ist steil (>45 Grad) und so kam es doch immer mal wieder zum "ein Schritt vor, zwei Schritte zurück". Einmal am Grat angekommen machten sich dann ganz viele Luftmoleküle bemerkbar, welche es offenbar sehr eilig hatten, vom bewölkten Norden auf die sonnige Alpensüdseite zu reisen. Hatte ich die ganze Tour bis dahin in leichter Kleidung absolvieren können, so war von der einen auf die andere Sekunde die Vollmontur gefragt. Immer wieder verblüffend, was der Windchill für Effekte hat. Über weitere Schneehänge und ein paar nur knapp eingeschneite Felsen gelangte ich auf einen ersten Gratgipfel. Zwei Vorgänger hatten hier kehrt gemacht (die anderen Tourengänger bereits beim Skidepot). Ich nahm mir noch die Mühe, zum ca. 100m entfernten (vermutlich) echten Gipfel zu spuren. Mutmasslich befindet sich der höchste Punkt erst ganz westlich - allerdings handelt es sich höchstens um 1-2m Differenz und neue Einblicke gewinnt man auch keine, somit eine eher fakultative Aufgabe.

Die Abfahrt durchaus überzeugend, der nicht allzu tiefe Schnee in diesem Gelände ideal. Hinter der Gipfel.
Nach Genuss des fabelhaften Panoramas machte ich mich auf den Weg zurück. Mit der ganzen Exposition vor Augen fühlten sich die knapp verschneiten Felsen am Gipfelgrat gleich ganz anders an. Heute ging's gut ohne die Eisen und den Pickel (welche ich im Rucksack dabei hatte). Bei schlechteren Bedingungen wird man aber zweifelsohne darauf angewiesen sein. Nach diesem Abschnitt schnallte ich die Skis an die Füsse. Das Couloir liess sich tatsächlich gut befahren - ehrlich gesagt war es jedoch (da steil und eng) weder besonders genussreich und viel schneller war's im Endeffekt auch nicht. Somit war das eher eine Aktion für ein bisschen Nervenkitzel (wobei es mir weder sonderlich exponiert noch gefährlich schien) und um danach notieren zu können, unmittelbar unter dem Gipfel mit den Ski losgefahren zu sein. Die folgenden Hänge von Coston de Mucia machten dann aber sehr viel Freude. Der Schnee war gesetzt und vom Wind gepresst, jedoch durfte man wirklich von gut zu drehendem Pulver sprechen. Eigentlich war's sogar ideal für dieses nicht allzu steile Gelände, in tiefem Neuschnee hätte es weniger Spass gemacht. Die letzten Hänge zur Passstrasse hinunter wiesen dann sogar einen leichten Deckel auf, waren jedoch weiterhin gut fahrbar. Zuletzt ging's zügig auf der gepisteten Strasse, noch immer an vielen Wanderern vorbei, retour zum Ausgangspunkt - dieser Ausflug hatte sich heute sehr gelohnt!

Facts

Zapporthorn (3155m) ab San Bernardino, 1500hm Höhendifferenz und gut 8km Distanz
Ski-Schwierigkeit bis zum Skidepot auf 3040m WS, Couloir mit Ski S oder WS+ zu Fuss
Alpine Ausrüstung (Steigeisen, Pickel) ausser bei idealen Bedingungen meist erforderlich
Fazit: sehr schöne, sonnige, eher flache Tour, ziemlich lang aber bis auf das Couloir unschwierig

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