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Dienstag, 20. Februar 2018

Avers - Trugschluss (WI4+)

Nach der Diedrolux war noch genügend Zeit vorhanden, um eine zweite Route zu klettern. Am Thron waren bereits 3 Seilschaften am werkeln, also fuhren wir weiter ins Tal hinein. Das gemäss Hot Ice attraktivste, uns noch unbekannte Projekt im Tal mit unserer Kragenweite war der Trugschluss, welcher sich links unter der ersten Lezibrücke befindet. Drei von drei Sternen, 120m, "bisher selten begangen". Tatsächlich steht er formidabel da und das erst noch in der Sonne. Kein Grund zur Beunruhigung allerdings, beim Parkplatz am Schatten zeigt das Thermometer -12 Grad, da wird man gerne ein bisschen warm bestrahlt.

In der ersten Seillänge vom Trugschluss (WI4) an der Sonne angekommen - aaaahhhh!!!
Als erstes gilt es, in die Schlucht hinunter zu kommen. 2x60m-Seile reichen jedoch definitiv nicht, um von der Brücke den Schluchtgrund zu erreichen. Mir kommt erst später in den Sinn, dass im Kofferraum das 80m-Seil gelegen wäre - mit jenem hätte es wohl gereicht und man kann es problemlos hängen lassen und nach der Tour wieder mitnehmen. Also queren wir in wenigen Minuten hinüber zum Ausstieg, um dort an einem Baum abzuseilen. Mit 60m Abseilen stehen wir zwar noch nicht im Schluchtgrund, aber unter dem interessanten und steilen Teil. Wir überlegen uns kurz, noch ein weiteres Mal bis ganz nach unten abzuseilen, verwerfen die Idee dann aber. Unten wartet definitiv keine spannende Eiskletterei, sondern nur Schneestapfen - das lohnt sich nicht.

Quel Plaisir! Kletterei an der steilen Abschlussäule im Trugschluss (WI4+).
Die beiden oberen, kurzen Seillängen (ca. 25m/25m) sind hingegen wirklich lohnend. Die erste führt über eine steile Mauer - das Eis ist hier wenig gestuft und ob der Kälte auch ziemlich glasig hart. Somit klettert es sich schwieriger, wie es auf den ersten Blick aussehen mag (~WI4). Den Stand richte ich an Schrauben am Sockel der Abschlussäule ein. Hier scheint die Sonne schön ins felsige Amphitheater rein und trotz eisiger Temperaturen fühlt es sich beinahe angenehm warm an. Auf Jonas wartet dann die massive Säule, welche am Sockel einen Durchmesser von ca. 7m hat. Ja, hier muss man sich über die Stabilität keine Gedanken machen! Auf etwa 15m ist die Sache anhaltend steil. Nachdem etwas Wasser fliesst, beissen die Pickel hier deutlich besser. Obwohl es imposant aussieht, klettert es sich eher einfacher wie man meinen konnte (~WI4+). Oben machen wir Stand am Baum und laufen in wenigen Minuten retour zur Strasse bzw. zum Parkplatz.

Rückblick von oben, wirklich eine steile Sache!
Um schon nach Hause zu gehen ist es immer noch zu früh. Somit wollen wir der Wand in Campsut noch unsere Aufwartung machen. Diese kommt um diese Tageszeit nun schön in die Sonne, zudem ist niemand zugegen, wir haben also freie Wahl. Einen Strich durch die allfällige Projekt-Rechnung machen nur die beiden bedrohlich-grossen Zapfen, die zentral über der Wand hängen. Nun gut, wenn man an der Breitwangflue klettert, so bewegt man sich einen ganzen Tag lang unter Dutzenden von solchen Dingern und macht sich auch nicht viele Gedanken. Aber womöglich sind diese Zapfen hier tatsächlich heimtückischer, sie sollen ja doch regelmässig 'abhängen'. Mit geschickter Linienwahl lässt sich die Kerze (WI4+) jedoch auf sichere Art und Weise klettern. Somit schliesst sich der Kreis und ein prima Eisklettertag mit gut 250 anhaltenden Metern im WI4/4+ Bereich geht erfolgreich zu Ende. Zufrieden zuckeln wir an diesem absolut genial schönen Wintertag zurück nach Hause.

Facts

Avers - Trugschluss D+ II WI4+ - 2 SL, 50m - ***
Material: 2x50m-Seile, 6-8 Eisschrauben

Kurze und nette Kletterei, welche für sich alleine kaum die Anfahrt ins Avers lohnt, sich aber gut als Dessert nach einer anderen Kletterei oder einer Skitour anbietet. Sie muss im Verdon-Prinzip (d.h. Abseilen und danach wieder Hochklettern) angegangen werden. Notfalls gibt's links über Bänder jedoch sicher einen Schleichweg nach oben, wenn sich die Eiskletterei nicht als machbar präsentieren sollte. Es warten eine erste Seillänge mit einer ~15m hohen, knapp senkrechten Mauer und eine spannende zweite  Seillänge mit imposanter Säule. Der untere Teil aus der Schlucht sieht hingegen deutlich flacher und wenig lohnend aus. Achtung, der Fall kriegt selbst Mitte Februar schon eine stattliche Portion Sonne ab, die Abschlussäule steht zudem in einem felsigen Amphitheater. Wenn's nur wenig Eis hat und hohe Temperaturen sowie die Sonne dazukommen, kann's wohl rasch heikel werden.

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