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Montag, 2. Juni 2025

Schweiz Extrem West (Band II, 2025) & Plaisir West (Band II, 2025)

News aus dem Hause Filidor! Vor kurzem steckten der Extrem West Band II und der Plaisir West Band II in meinem Briefkasten. Für mich war das nicht gänzlich überraschend, war ich doch mit der Durchsicht der Topos von einigen Gebieten schon im Voraus involviert. Der MSL-Teil vom Extrem West wird ganz sicher von vielen Kletterern mit grosser Spannung erwartet. Die letzte Ausgabe datiert nämlich aus dem Jahr 2010 und seither hat sich enorm viel getan im Berner Oberland und der angrenzenden Region. In manchen Gebieten wurde ausgiebig saniert und auch fast überall wurden neue Routen erschlossen. Auch meine Zambo an den Wendenstöcken und die Adam und Evi in der Eigernordwand sind nun zum ersten Mal in gedruckter Literatur verewigt. 

Die beiden brandneuen Kletterführer aus dem Filidor-Verlag 🤗

Die wichtigsten Neuerungen aus dem Extrem West Band II hier kurz zusammengefasst:

Gastlosen: viele neue MSL-Touren auf der NW-Seite (meist ab 7b aufwärts)
Rote Fluh: einige neue Möglichkeiten für jene, die schon alles kennen
Niderhorn/Stockenfluh: viele neu erschlossene MSL-Touren von kurz bis lang
Halpi: auch im Gasterental kann man MSL klettern (nicht nur im Eis)
Gällihorn: in der schattigen NE-Wand gibt's etliche sanierte MSL
Lauterbrunnental: die ganz harten finden da (oder oben am Rotbrätt) ihre Geräte
Eiger Nordwand: hier gibt's inzwischen >20 sportlich orientierte Hochsommer-MSL
Engelhörner: viele Sanierungen und mehrere neue Loooonglines
Tällistock/Wenden: ein bisschen Neues / Saniertes, aber viel mehr und präzise Infos
Mittagfluh: die steile und schattige Westwand kommt so wieder auf den Radar
Handegg: einige Neutouren und sanierte Klassiker auf dem glatten Parkett
Hannibal: da gibt's nicht nur Plaisirtouren, auch Extreme kommen auf die Kosten
Bielenhörner: da gibt's manch eine bisher unpublizierte Granit-Neutour
Graue Wand: alles auf dem neusten Stand, eine sehr interessante Neutour
Sanetsch: steile Neutouren im linken Wandteil, dazu viele Sanierungen
Petit Clocher du Portalet: eine klare Komplettbeschreibung aller Routen

Wie üblich ist der Extrem West Band II sauber produziert: klare schematische Topos, präzise Skizzen zum Zustieg, schöne Fotos. Die Textbeschreibungen sind hingegen knapp gehalten, so dass das Werk kompakt bleibt und auch im Rucksack mitkommen kann. Ich freue mich, möglichst viele der (neu) beschriebenen Touren bald klettern zu können! 

Gleichzeitig ist auch die 6. Auflage des Plaisir West Band II erschienen. Dieser deckt 64 Gebiete vom Lac d'Annecy bis ins Oberwallis ab, wobei Klettergärten und MSL enthalten sind. Hier stammte die letzte Auflage aus dem Jahr 2019. Doch auch hier gibt's viele News zu sanierten oder neu eingerichteten Routen, oder Felsen die erstmalig im Plaisir beschrieben werden, wie z.B. Douves Rousses im Val d'Arolla und der Klettergarten in Oberwald. Wer die Kletterführer bestellen möchte, kann dies gleich direkt beim Verlag machen (Link zur Webseite). Natürlich sind die Topos auch im Bergsportfachhandel zu erwerben. Vielen Dank an Sandro von Känel für deinen Einsatz und deine saubere Arbeit zur Dokumentation der Klettergebiete in der Schweiz und im angrenzenden Ausland!

Samstag, 24. Mai 2025

Bockmattli - Gumpiroute (6b+)

Wenn die Bockmattlitürme in der Abendsonne leuchten, dann zieht es mich seit meinen Jugendzeiten magisch dorthin. Das war an diesem Freitag anfangs Mai wieder einmal der Fall und so wollte ich meinem Begehren gerne nachgeben. Einen Partner für eine Klettertour konnte ich inmitten des langen Weekends nicht finden. Doch mit meinem Rope Solo vom Vorjahr in der Meriba hatte ich ja beste Erfahrungen gemacht. Um es einfach zu halten und mit Blick auf das begrenzte Zeitbudget, entschied ich mich für die Schiberg-Nordkante. Mit minimalem Zustieg und prima Absicherung lässt es sich dort unkompliziert in eisenfestem, unverschämt griffigem Fels klettern.

Der Ausgangspunkt im Wägital mit dem halbleeren See (man könnte den E-Auto und E-Bike-Fahrern die Schuld geben...). Das Bockmattli ist in der linken Bildhälfte schon sichtbar. Scheint zwar weit entfernt, aber mit meiner Konfiguration ist man in einer halben Stunde dort.

Wie inzwischen üblich startete ich bei der Staumauer mit dem Bike und erreichte so nach 5.5km Fahrstrecke in 20 Minuten die Schwarzenegg. Ab da sind es noch 15 Minuten zu Fuss zur Kletterhütte und nur wenige Schritte mehr bis zur Schiberg Nordkante. Tatsächlich musste ich aber noch ein verbleibendes Schneefeld beschreiten, ob all der Unkompliziertheit gab's doch noch ein wenig Alpine Experience 😁 Die zu meinem Hauptziel auserkorene Gumpiroute startet erst auf dem Podest 50m über dem Wandfuss. Die klar lohnendste Möglichkeit dahin zu kommen ist via die ersten beiden Seillängen von Jenelana, was eine ideale 4-SL-Tour mit homogenen Schwierigkeiten im Bereich 6b ergibt. Deren Einstieg befindet sich 20m rechts oben in der Rinne, im ersten BH ist eine Namensplakette integriert. Zum Glück war es dort aper, so konnte ich um ca. 17.30 Uhr trockenen und warmen Fusses mit der Kletterei starten.

Blick auf die Schiberg-Nordkante mit der gekletterten Linie (2 SL Jenelana & 3 SL Gumpiroute)

Jenelana

L1, 25m, 6b: Wandkletterei in schönem, kompaktem Fels, welcher von stumpfen, vertikalen Rissen durchzogen ist. Sieht von unten eher etwas einfacher aus, als es sich dann klettert. So macht wohl noch manch eine/r gern von der kleinen Rechtsschleife nach dem vierten BH Gebrauch. Wer eine zusätzliche Herausforderung braucht, kann diese Passage direkt klettern.

L2, 25m, 6a+: Vom Stand geht's leicht links weg und dann hoch zum ersten BH. Danach folgt steile knapp senkrechte Risskletterei, wobei sich links und rechts immer wieder Griffe und Tritte anbieten. Zum Schluss geht's dann noch griffig über einen Wulst hinweg, bevor man zum bequemen Grasbödeli kommt, wo die Gumpiroute startet. Es gilt, sich auf dem Podest etwa 3-4m nach links zum Stand mit Muniring und Petzl-BH zu verschieben, die Gumpiroute zieht direkt darüber in die Höhe.

Bockmattli-Vibes mit Blick zum Brüschstockbügel und dem Zürisee.

Gumpiroute

L3, 20m, 6a+: Der Start ist etwas komisch, denn linksrum befindet sich ein tief steckender BH, zum Klettern einfacher wäre es aber rechtsrum. Item, es folgt steile, griffige und recht athletische Kletterei an Henkelschuppen und Rissspuren. Die Absicherung ist sehr gut mit BH, teils könnte man sich auch an den noch steckenden, originalen NH behelfen. Teils sind die BH jedoch hoch gebohrt. Und das sagt der berüchtigtste BH-Hochbohrer der Alpennordseite, das will wohl etwas heissen 😎. Für kürzer gewachsene gibt es m.E. recht zwingende Stelle nahe der Hauptschwierigkeit. Das Umkehrmaillon im Haken darunter spricht jedenfalls Bände... wobei es gutes Sturzgelände ist und auch kein weiter Abstand, man kann riskieren und es ist "gut abgesichert", aber A0 geht da nicht. Am Ende dann einfachere Linksquerung zu Stand mit Muniring und BH.

Mit Fotos ist's beim Ropesolo immer ein wenig schwierig. Dieses hier zeigt aber meine dritte gekletterte Seillänge oder eben L1 (6a+) der Gumpiroute: steile, griffige und athletische Kletterei, ein tolle Sache. Links im Bild ist der Namenlose Turm gut sichtbar, wo wir im 2024 die Kairos eingerichtet haben.

L4, 25m, 6b+: Die ersten Meter sind gut zugänglich in einer Art Verschneidung, nachher geht's dann gerade hinauf mit athletischer Power-Kletterei an strukturiertem, griffig-henkligem Gestein. Wirklich eine absolut affengeile Turnerei, mir kam es für die angegebene 6b+ doch ziemlich hart vor und ich musste durchaus in die Trickkiste greifen, um das stabil klettern zu können: Heelhook, Toehook und 1-2x hart anziehen. War das nur der Ropesolo-Bammel oder ist es tatsächlich so taff?!? Die Absicherung ist an sich super, wobei man beim härtesten Abschnitt aber nicht ganz direkt über die Haken klettert und es deshalb doch etwas Courage brauchte. Vermutlich funktioniert die Strategie A0 da aber mit Einbezug von einem verbliebenen BH aus der Zeit der Erstbegehung gut.

Verbliebenes Relikt aus der Zeit der Erstbegehung...

Von hier kann man über die Gumpiroute abseilen (besser in 2 Manövern) oder alternativ:

L5, 20m, 4a: Optionale Seillänge nach rechts zu gut sichtbarem BH und weiter horizontal zum Muni am Top von Andromeda, alternativ (meine Variante) vom BH Richtung 14 Uhr hinauf und um die Kante zum Top von Jenelana (mit Wandbuchkontrolle, leider fehlt aktuell bzw. schon seit einiger Zeit ein funktionierender Stift, das Buch ist hingegen noch tiptop in Ordnung). 

Nach vermutlich etwa 2:00 Stunden hatte ich das Ropesolo-Programm (2x Klettern und 1x Abseilen) absolviert und konnte mich darum kümmern, wieder zum Wandfuss zu kommen. Mit Doppelseilen reichen dazu 2 Manöver, mit meinem Einfachseil musste ich hingegen 4 Stück ziehen. Achtung, während man vom Andromeda-Stand mit 1x50m klar kommt, ist vom Jenelana-Stand zwingend ein 1x60m-Seil nötig. Sehr zufrieden konnte ich meine Sachen packen, vom aussichtsreichen Kamm die letzten Blicke in die Nordwände geniessen und dann in rauschender Fahrt zu Tale brausen.

Meine liebste Jahreszeit? Natürlich die, in welcher After-Work-MSL möglich sind!

Von diesem Anblick kann man nie genug kriegen... [dieses Bild ist allerdings vom Hinweg].

Facts

Bockmattli - Gumpiroute 6b+ (6a+ obl.) - 4-5 SL, 115m - Braun/Müller/Villiger 1974 - ***;xxxxx
Material: 1x50m-Seil, 10 Express, Cams/Keile nicht nötig

Absolut lässige, kurze MSL-Tour in eisenfestem, steilem und sehr griffigem Kalk. Wem es nach mehr gelüstet, kann auch noch die beiden oberen Seillängen von Andromeda und Jenelana klettern, so gibt's dann doch ein volles Tagesprogramm mit homogenen Schwierigkeiten. Zu erwähnen sind der minimale Zustieg vom Kletterhüttli, die schattige Lage (je nach Jahreszeit gar keine oder nur spätabends Sonne) und die sehr gute Absicherung mit rostfreien Bohrhaken. Topos findet man entweder im SAC-Tourenportal oder im Plaisir Ost aus dem Filidor-Verlag.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Magic Wood am 1. Mai

"Steine besteigen statt Steine werfen", so unser Motto für den 1. Mai 2025. Während unsere Frauen in Innsbruck weilten, konnte ich Jerome von seinem ersten Besuch in diesem Boulder-Mekka überzeugen. Wobei ich gestehen muss, dass ich zuvor auch noch nicht viel öfter da war: nämlich nur ein einziges Mal, auf der Rückreise von der Via Cassin am Pizzo Badile. Und das liegt schon beinahe 20 Jahre zurück. Mit meiner aufgeflammten Liebe zum Outdoor-Bouldern eine gewaltige Bildungslücke und ich freute mich sehr, diese ein wenig zu füllen.

Die Gesellschaft im Magic Wood an diesem 1. Mai war so farbenfroh wie dieses Schild hier 😊

Ein Konglomerat von Wünschen an machbaren und interessanten Bouldern, Nähe zum Bach, Gelegenheit zum Sonnenbad und den Empfehlungen von Adi führte uns schliesslich in den Sektor Beach bzw. Riverbed. Wir liessen uns zuerst am Block mit dem Klassiker Grit de Luxe (7A+) nieder. Wie man es sich denken kann: schöne Umgebung und interessante Boulder heisst viele Leute. Was den Vorteil mit sich bringt, dass schon viele Matten liegen und alles parat wie in der Halle ist. Andererseits muss man den Andrang als positiven Nebeneffekt zum Beta Sharing und zum sozialen Austausch sehen (was für uns absolut der Fall war). 

Impressionen aus der Beach Arete (6C).

Neben ein paar einfacheren Aufwärmern war dann die Beach Arete (6C) das erste seriöse Projekt. Wie tief man da für den Start "sinken" muss, ist mir nicht ganz klar. Viele Mitstreiter:innen wählten eine bequeme Standstart-Variante etwas links an offensichtlichen, guten Griffen. Falls ein Sit erforderlich sein sollte: ich habe es gemacht, auch wenn dieser etwas glitschig und unkommod ist. Zu erwähnen ist auch, dass sich der Exit von diesem Boulder hoch anfühlt und es einen grossen Vorteil darstellt, wenn viele Matten liegen. Klein beigeben musste ich hingegen in Grit de Luxe (7A+). Den Würgi-Start mit kräftigem Mantle und kippeligem Etablieren in der Wand ging (ca. 6C), aber die kleinen Leisten danach mit Anlaufen auf der aalglatten Platte... puh, next time!

Impressionen aus der Beach Arete (6C).

Als nächstes ging die Crew in Richtung vom unweit direkt am Wanderweg gelegenen Dyno Block weiter. Es war bequem mit der Welle mitzureiten. Und tatsächlich konnte ich sowohl den Magic Dyno (6C+) und auch den Magic Hook (6C) ziehen. Das erstere Problem kann man fast als "Training für die Halle" bezeichnen, voll genial einen solchen Move outdoor zu machen. Die Rechtsvariante mit dem Hook ist hingegen einiges technischer, aber auch toll. Hier die Moves vom Dyno auf Video (Youtube-Link).

Crux Move im Magic Dyno (6C), hier die animierte Version.

Gleich in der Nähe vom Dyno-Block findet sich mit The Slice (6A) eine interessante Scheibe. Für den Grad ein echt cooler Boulder, wo man sich mit Compression festklammern muss. Der Riss rechts davon (The Cleft, 5) ist leider fast etwas kurz, 1x etwas schmerzhaft die Griffel verklemmen reicht schon. Mich reizte aber vor allem der "Kasten" zwischen den beiden Bouldern. Allem Anschein nach war der noch nicht begangen worden. Das musste ich fast versuchen... nach dem Putzen und etwas Tüfteln gelang es mir schliesslich. Ich vermute, dass diese Variante bisher noch nicht geklettert wurde - obwohl so offensichtlich zwischen zwei anderen Problemen und direkt am Wanderweg gelegen. Falls mir die Ehre zusteht, so wäre das Le Frigo (6B). Hier der Link zum Youtube-Video.

Le Frigo (6B), auch hier gibt's eine animierte Version auf Video.

Das wars, es war ein magischer Tag im Zauberwald, wir kommen sicher bald wieder!