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Sonntag, 12. August 2012

Paschga - Früchte des Zorns (8a)

Nachdem ich am letzten Wochenende meine Sammlung der schweren Paschga-Touren in der linken Wandhälfte (Big Ben 7b+, Gore Tex 7b+, Hooligan 7c, Anatexis 7b, Ramadan 7b+) rasch und beinahe mühelos hatte komplettieren können, schien es wie die logische Fortsetzung und Steigerung: die Wand rechts, mit den drei steilen und harten Routen Galgenvögel (8a), Früchte des Zorns (8a) und Nessie (8a+). Also wollte ich heute einmal einen Augenschein nehmen, ob sich auch da etwas machen liesse...

Doch ich muss leider berichten, dass mir die Früchte des Zorns und ihr Hakenmaterial das Fürchten lehrten. Ich kämpfte mich im Vorstieg nach oben und räumte dann Toprope aus, doch das war es für mich mit diesem Sektor: praktisch dieser ganze rechte Wandteil besteht aus hohlen, brüchigen Schuppen an denen teils auch noch volle Pulle gedülfert werden muss. Noch beunruhigender ist, dass die Bohrhaken ebenfalls in diesen Schuppen mit drin stecken. Das ist aber noch nicht alles: die Bolts sind alt, aufs Übelste verrostet, teils stehen sie sogar schon ein bisschen raus, alles in allem: ziemlich ungeschmeidig...



Wer jetzt sagt, statt motzen kannst Du ja sanieren: gut, schöne neue Inoxbolts in hohlen Schuppen ist sicher besser als alte rostige Bolts in hohlen Schuppen. Aber in diesen Bruch werde ich persönlich ganz sicher keine Haken setzen, denn sicher ist das nach meiner Meinung und meinem Gefühl auch dann nicht. Fazit: auch wenn es von Moves und Schwierigkeiten her interessante Projekte wären, ich werde in Zukunft die Finger von den Routen im rechten Wandteil lassen. Dieses Posting soll übrigens Information, und nicht Motztirade oder Beschuldigung sein. Wer die Touren klettern will: viel Glück und Erfolg, Routen und Haken existieren seit rund 20 Jahren, scheinbar hat bisher alles gehalten...

Freitag, 10. August 2012

Bockmattli - Prachtsexemplar (7a)

Für einmal nichts Neues, nur ein Bericht von unserer Wiederholung des Prachtsexemplars am Bockmattli. Der gestrige Tag entpuppte sich als ideal dazu: wir planten eine Begehung in der Abendsonne. Als wir um 14.00 Uhr im Innerthal aus dem Auto stiegen, stand eine fette Quellwolke über dem Berg, welche noch keine Sonne durchliess. Mit dem Bike strampleten wir bis oberhalb der Schwarzenegg hoch. Das geht gut, die steile Schotterstrasse braucht aber Kraft!

Crux-Plattenboulder in SL 3 (7a)
Nach kurzem Fussmarsch waren wir am Einstieg. Die Sonne machte sich immer noch rar. Wegen Durst, leicht gummigen Beinen und einfach weil die Fahne aufgezogen war, gingen wir die 2 Minuten rüber zur Hütte, um ein Cola zu trinken. Das gab Kraft, und der Sonne die Zeit, zum Vorschein zu kommen. Die Taktik ging auf! In der ersten Seillänge erfuhren wir noch, wie kalt es im Schatten und dem zügigen Aufwind hätte sein können. Danach gab es dann Sonne satt, so dass man bei Top-Bedingungen im T-Shirt klettern konnte. Simply perfect!

Mit +/- einer halben Stunde pro Seillänge rechneten wir. Dieser Zeitplan ging auf, auch wenn ich in der letzten 7a das Budget ob einigen Schüttelpausen bereits für den Vorstieg aufbrauchte. Für mich war es, so wie gedacht, eine super Trainingstour. Ich konnte die Rotpunktbegehung wiederholen, geschenkt war es allerdings gar nicht, ich musste mich richtig anstrengen. Auch wenn es meine Route ist, die ich an den meisten Stellen auswendig kenne, Langeweile kommt da keine auf - und ich werde ganz sicher weiterhin 1-2x pro Saison in die Tour gehen. Von wegen Rotpunkt: die SL 1, 4 und 6 machte Basti im Vorstieg. Souverän hat er geführt und sich den Katerflash geholt - vom letzten Mal blieben ihm kaum mehr Erinnerungen an die Kletterei, sagte er.

Am Top auf der Westschulter. Basti macht die Pose mit Fug und Recht: super geklettert heute!
Bezüglich der Schwierigkeiten gab es bisher ja etliche Rückmeldungen, und die Sache hat sich auf 6b / 6c+ / 7a / 6c / 7a / 6c / 5c eingependelt. In SL 2 musste ich aber auch gestern wieder fighten und es hat mich gepumpt. Für mich ist das der härteste Brocken in der ganzen Route, Basti ging es gleich. Sein O-Ton: "Das ist ganz sicher nichts mit einer 6 vornedran!". Fand ich bisher auch immer, etliche Wiederholer haben es aber anders gesehen. Spielt ja auch nicht so eine grosse Rolle. 

Um etwa 19.15 Uhr erreichten wir den Ausstieg. Wir wählten den Fussabstieg, in 15 Minuten waren wir retour am Einstieg, nach dem Zusammenpacken in 10 weiteren Minuten bei den Rädern, und von da in rasantem Downhill in 7 Minuten in Innerthal. So gesehen lohnt sich das harte Hochtrampen eben schon sehr! Auf jeden Fall war es ein super Tag in einer super Route. Ich weiss, Eigenlob stinkt und ich sollte mich mit dem Preisen der Tour zurückhalten, aber sorry, anders kann ich es einfach nicht ausdrücken. Auf jeden Fall, das seit einige Wochen wieder installierte Wandbuch zeigt, dass die Route regelmässig Besuch erhält und mittlerweile runde 20 Begehungen auf dem Buckel hat.

Wissenswertes

Bockmattli - Kleiner Turm Nordwand - Prachtsexemplar 7a (6b obl.) - M. Dettling et al. 2011 - 7 SL, 240m - ****, xxxx
Material: 10 Express, 50m Seil, evtl. Camalots 0.3-0.75 (nicht zwingend nötig)

Freitag, 3. August 2012

Chli Glatten - Erstbegehung von Uristier (6c+)

Welcher Kletterer aus der Region kennt sie nicht, die Felsmauer des Chli Glatten oberhalb vom Klausenpass? Ein dank kurzem Zustieg und sonniger Lage gern gewähltes Tourenziel mit gegen 40 MSL-Routen in steilem, griffigem Kalk. Nachdem ich alle Touren am markanten Südpfeiler wiederholen konnte, fiel mir in dessen rechtem Bereich eine noch unberührte Zone auf, welche eine vielversprechende Möglichkeit für eine Erstbegehung bot. Bereits im Herbst 2010 machte ich mich das erste Mal ans Werk, nun, im Sommer 2012, konnte ich das Projekt mit der Rotpunktbegehung abschliessen.

Wo soll es langgehen? Topostudium bei einer Wiederholung der Route Herbstwind, gedacht als Rekotrip für die neue Linie. Die 4. SL von unserem Uristier sollte dann wenige Meter rechts durch die kompakte Wand hochführen. Bild: J. Leuzinger.
Herzlichen Dank gebührt meiner Familie für die Unterstützung: insbesondere meinem Vater, welcher sich bereit erklärte, mich beim Bohren zu sichern. Vom festen Grund aus ginge das ja noch, doch mit dem Fortschreiten der Linie kämpfte er sich mit Haken und Ösen über die für ihn viel zu schwere Kletterei hoch, und obwohl die Standplätze recht bequem sind, gibt es dort dann natürlich auch keine Fauteuils. Dann weiter meiner Frau Kathrin für die Begleitung bei der Rotpunktbegehung und die intensive Bewertungsdiskussion, und meiner Mutter für das Kinderhüten bei dieser Angelegenheit, die wir am 1. August 2012 erledigen konnten. Ich fahre fort mit einem Bericht zu dieser Begehung, respektive einer Beschreibung der einzelnen Seillängen.

Yours truly am Bolten, bzw. im Cliff, bevor gebohrt wird - prima Fels in SL 1, 6c.
SL 1, 6c, 50m, 9 BH: Sehr schöner Auftakt in griffig-rauhem Fels. Eine erste Bewegungscrux an Slopern folgt schon beim zweiten BH, danach geht es in anhaltender Kletterei an kleinen Leisten nach rechts hoch an eine stumpfe Kante. Hier wartet die athletische Schlüsselpassage dieser Seillänge. Danach ist es noch nicht ganz gegessen, die folgenden Meter sind immer noch anhaltend, bevor die Kletterei auf den letzten 15m einfacher wird. Zuletzt erreicht man über das Grasband den Stand. Während ich die Seillänge beim Einbohren für eine 6b hielt, musste ich mich beim Durchsteigen jedesmal zusammenreissen um sie zu punkten. Somit stand 6b+ oder 6c zur Diskussion, weil Kathrin es richtig schwer fand, schlage ich jetzt mal das letztere vor.

Vamos! Auftakt zum kompletten RP-Durchstieg, hier in SL 1, 6c.
SL 2, 6c+, 50m, 10 BH, 1 NH: Die Seillänge startet mit sehr schöner Wandkletterei. Es gibt viele Aufleger, aber hier und da auch eine griffige Leiste. "Nur zum säge", den kleinen und einfachen Runout nach dem dritten BH habe ich so eingebohrt und danach 4x auf diese Weise geklettert. Um die Stelle komplett harmlos zu machen, habe ich beim Abseilen nach der RP-Begehung dann noch einen NH geschlagen. Bald darauf kommt die Crux, ein athletischer Zug über einen Wulst hinweg, gefolgt von überhängender Ausdauerkletterei. Zum Schluss noch einige einfachere Meter dem Riss entlang zum Stand. Dort sind die BH eher auf der linken Seite an der Seitenwand zu suchen. Die Schlüsselstelle dieser Länge hielt ich immer für eine potentielle 7a. Doch beim kompletten RP-Durchstieg fiel sie mir so leicht, dass ich zu 6c tendiert hätte. Kathrin hat mich dann auf den Kompromiss von 6c+ eingeschworen.

Kathrin folgt in SL 2, 6c+. Sorry für die schlechte Qualität, leider den Föteler vergessen und somit nur mit der Handykamera geknipst, und dort dann dummerweise auch noch eine hundslausige Auflösung eingestellt gehabt. Für einen Eindruck reicht es aber trotzdem...
SL 3, 6b+, 30m, 7 BH: Vom Stand nach rechts hinaus in griffig-rauhem Superfels. Leicht überhängendes Gelände, wo man dranbleiben muss. In der Mitte der Länge folgt dann ein etwas kniffliger Riss. Hier bin ich beim Bohren ganz rechts auf der Platte geklettert. Das ist schön, aber mir kam es beim Punkten selbst etwas unlogisch vor, so dass die meisten wohl den Riss klettern werden. Die BH können aber auch so gut eingehängt werden, somit null Problemo. Als Challenge wartet dann ein weiterer Überhang, erst die letzten Meter zum Stand hin versprechen etwas einfachere Kletterei. Insgesamt wohl zu hart für 6b, zu einfach für 6c, also 6b+.

Aus SL 3 ist kein Livebild verfügbar, dafür dieses sehr schöne Stimmungsbild vom Bohren im Oktober 2010.
SL 4, 6b, 20m, 5 BH: Super geniale Kletterei im Wenden-Style. Die leicht überhängende Wand ist fast unverschämt griffig, weist Schlitze, Rillen und Tropflöcher auf. Da muss man über einige Meter durchaus dranbleiben. Die Schlusspassage ist dann auch sehr originell: athletisch geht es über einen Wulst hinweg, als Griffe dienen mehrere grosse, etwas runde Löcher - fast wie in einem Emmentaler Käse. Obwohl nicht geschenkt, geht das wohl als eine 6b durch!?!

Super kompakter Fels und Kletterei im Wenden-Style: SL 4, 6b.
SL 5, 6b, 30m, 7 BH: Die ersten Meter dieser Seillänge führen durch für die Zone typischen "Klötzlifels". Ich habe hier mit etlichem Aufwand sämtlichen labilen Fels entfernt und sehr gut mit BH abgesichert, die auch alle in gesundem Fels stecken. Somit kann diese kurze, weniger schöne Passage problemlos und sicher beklettert werden. Die Crux dann erst athletisch mit weiten Zügen, schliesslich wird es feingriffiger und man muss technisch sauber manteln - hier ist der Fels übrigens schon längst wieder prima. Da ich kurz vor der RP-Begehung hier alle Griffe sortiert und studiert habe, fällt mir der Bewertungsvorschlag schwer. Ich denke, es könnte schon auch 6b sein, oder doch nur 6a+?!?

Manchmal ist durchaus etwas Biss nötig, um durchzusteigen!
SL 6, 6b, 20m, 3 BH, 1 SU: Obwohl man mit 50m-Seilen die beiden SL 5 & 6 verbinden kann, empfiehlt sich dies wegen Seilzug und Kommunikationsproblemen nicht, daher habe ich einen Zwischenstand eingerichtet. Die Crux geht nämlich aus der Nische/Höhle hinweg stark überhängend über den Wulst. Die BH-Abstände sind dort wohl kurz, der Sichtkontakt zum Belayer am Zwischenstand ist aber für eine zuverlässige Sicherung dennoch von Nutzen. Zuletzt dann erstaunlich anhaltend und ausdauernd zum Stand (mit Wandbuch) unmittelbar vor der flachen Wiese. Dieser ist bis zuletzt nicht so gut ersichtlich, im Zweifelsfall nach der Sanduhr auf der rechten Seite suchen! Direkt über die Haken geklettert würde ich hier sicher nochmals 6b vorschlagen. Evtl. kann der erste Wulst linkerhand etwas einfacher bewältigt werden, wie gut man von dort die BH klippen kann, weiss ich aber nicht. Diesen linken Weg habe ich bewusst vermieden, weil der danach in weniger schönes Gelände führt, und der Ausstieg aus der Nische toll, athletisch und in bestem, griffigem Fels ist.

Es wartet auf Deinen Besuch! Allerdings muss man bis zum letzten Meter dranbleiben!
Die RP-Begehung gelang mir mühelos, ohne dass ich je Kämpfen musste. Wie oben erwähnt war ich deshalb darauf und daran, alle Bewertungen nach unten zu korrigieren. Weil Kathrin vielerorts aber ganz schön am Anschlag war, hat sie sich hier etwas dämpfend auf die Bewertungsdeflation ausgewirkt. Wie immer bin ich natürlich sehr gespannt, wie die Wiederholer die Linie erleben werden. Zuletzt noch ein Wort zum Abstieg: dieser vollzieht sich durch Abseilen. In vier gestreckten Manövern erreicht man bequem wieder den Einstieg. Die Stände unserer Tour sind alle dafür eingerichtet und geeignet. Noch einen Tick bequemer ist es, wenn man als letzten Abseilstand denjenigen der Yog Sothot wählt - wer sich das nicht zutraut oder ihn nicht findet, kann aber problemlos den ersten Stand vom Uristier benützen.

Wissenswertes

Chli Glatten - Uristier 6c+ (6b obl.) - 6 SL, 200m - Marcel mit Sepp & Kathrin Dettling 2010/2012
Material: 12 Express, 2x50m-Seil. Keile und Friends sind nicht nötig und kaum einsetzbar (Absicherung: xxxx)

Alle weiteren Informationen kann man dem Topo entnehmen, das hier unten zur Illustration in Bildern verfügbar ist. Das PDF-Original mit hoher Auflösung steht natürlich ebenfalls zur Verfügung: klick!