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Sonntag, 26. November 2017

Val Calanca - Chook Party

Während die Dettling-Frauen beim Wettkampf der Zürcher Klettermeisterschaft sehr erfolgreich abgeschnitten hatten, zeigte sich bei den Männern der Bedarf, noch ein wenig zu üben... Anstatt einen weiteren Tag am Plastik zu pullen, wollte ich mich indes lieber bei herrlichem Sonnenschein am Tessiner (bzw. genau genommen Bündner) Gneis betätigen. Die Wahl fiel dabei auf den relativ neuen Sektor Chook Party im Val Calanca, eine wirklich sehr nette Sache. Dieser ist auf rund 900m gelegen und sonnig nach SW exponiert, ideal für die kalte Jahreszeit, also. Wobei man wie in vielen anderen Gebieten auch hier das Fenster zu treffen hat. Ab ca. 9.00-9.30 Uhr treffen die ersten Strahlen auf den Fels, um 15.00 Uhr verschwindet sie an den kurzen Tagen im Altjahr dann bereits wieder hinter dem vorgelagerten Bergkamm. Wobei, an den anderen, bekannteren Tessiner Winterfelsen hat man auch nicht länger Sonne...

Girl on Fire, unterwegs zur Bronzemedaille. Foto: Martin Rahn, regionalzentrum.ch
Vor Ort gibt es 10 Routen und 4 Projekte, welche im Zeitraum zwischen zwischen 2010 und 2013 eingerichtet wurden. Wie mir scheint, ist hier weder der Andrang noch das Interesse der Locals sehr gross. Am Wandfuss beginnt bereits wieder das Dornengestrüpp zu wuchern (Tipp: Gartenschere einpacken) und auch wenn die Projekte eingebohrt sind, so schienen mir diese selbst nach 5 Jahren ungeputzt und vernachlässigt. Unter den existierenden Routen gibt's aber echte Perlen! Hier eine kurze Übersicht über die Linien, welche wir geklettert oder besichtigt haben:

Aaaahhhh!!! Morgendlicher Blick auf den bereits sonnengewärmten Gneis im Sektor Chook Party.
Veronica Supersonica, 40m, 6b: Lange Tour mit kurviger Linie mit Zwischenstand, welche sich mit ein paar Verlängerungen und Aushängen der jeweils vorletzten Exe auch in einer Länge machen lässt. Im oberen Teil sehr schöne Wand- und Risskletterei.

Coito Ergo Sum, 35m, 7c+/8a: Einfacherer Zustieg mit Piazkletterei, oben am stark überhängenden Wulst geht's dann mit athletischen Zügen zur Sache.

Fresssack, 20m, 6a: Weniger lohnende und etwas inhomogene Tour, der Fels ist zum Teil etwas brösmelig.

Fantastisches Ambiente in den Südschweizer Bergen, nachdem uns das wärmende Gestirn bereits verlassen hatte.
Rampega rantega, 15m, 6b: Athletische und anhaltende Route, meist an Rissspuren und Seitgriffen. Kam mir für den Grad sehr hart vor, lag aber womöglich daran, dass wir hier nicht die geschickteste Aufwärmtour erwischten - zumal der Fels noch sehr gechillt und stellenweise heftig schlonzig war.

Il pollaio degli stronzi, 35m, 7a: Fantastische Route mit einem athletischen Einstieg, gefolgt von schönen Rissen, einer technischen Rampe und einem luftig-griffigen Finish. Sehr empfehlenswert, auch wenn die Schwierigkeiten etwas inhomogen sind!

El Cap?!? Nein, nur der "Pollaio degli Stronzi" (bitte selber übersetzen ;-)), aber eine supergeniale 7a!
Dingos en vadrouille, 35m, 7b: Die beste, welche ich hier geklettert habe! Abwechslungsreiche und homogen schwierige Kletterei, zuerst Wand mit ein paar Rissspuren, gefolgt von einer athletischen Verschneidung und dem luftigen Ausstieg. Immer wieder weite Moves und flache Griffe plätten den Bizeps.

Ciapal che ‘l ghé, 35m, 7c: Coole Route mit zwei bouldrigen Cruxen an Slopern in der ersten Hälfte, gefolgt von einer kräftigen Verschneidung, einem Dächlein und einem etwas unübersichtlichen Steilplatten-Ausstieg. Sehr empfehlenswert, auch wenn die Schwierigkeiten nicht so anhaltend sind!

Apfelchips à discretion, Bauchweh bei übermässigem Genuss jedoch nicht ausgeschlossen.
Auch nachdem die Sonne bereits hinter dem Berg verschwunden war, liess es sich noch gut 1.5 Stunden klettern, um die letzten Nüsse zu knacken. Höchst zufrieden machten wir uns danach auf den Weg zurück in den Norden, wobei auf der Fahrt ein beinahe episches Schneegestöber gemeistert werden musste. Ja, auf der Chook Party hatte ich mich deutlich leichter getan und die grösseren Erfolge gefeiert wie an den Plastikgriffen am Tag zuvor. Das war jetzt ein echt gelungener Klettertag, an welchem das Punktetäschchen wieder einmal richtig befüllt werden konnte. 

Mittwoch, 15. November 2017

Skitour Fanenstock (2236m)

Während ich mir vor einenhalb bis zwei Jahrzehnten kaum eine Schneeflocke entgehen liess, bin ich in den letzten Jahren jeweils spät und später in die Tourensaison eingestiegen. Nicht so in der Saison 2017/2018. Nachdem sich am ersten schönen Tag nach den ersten üppigen Schneefällen die Gelegenheit ergab, wollte ich diese auch packen...

Geglückter Startschuss in den Tourenwinter 2017/2018. Pics: Chris O.
Als Ziel wurde der Fanenstock in Elm auserkoren. Üblicherweise vermeide ich es ja soweit möglich, einen Gipfel oder eine Route mehrfach anzugehen, weil's schlicht und einfach viel zu viele neue und damit noch attraktivere Ziele gibt. Doch anfangs Saison, mit nur einem halben Tag, bei erheblich und ohne riesigen Aufwand zu treiben wird's natürlich langsam schwierig, noch Exklusivität zu erleben. Somit also zum dritten Mal in 25 Jahren die Normalroute rauf und runter auf den Fanenstock. Eigentlich ja auch nicht so schlimm und von 2x pro Woche sind wir ja noch weit entfernt ;-) 

Aufstieg über die flache Strasse durch den Gamperduner Wald. Hinten super der Piz Sardona.
Wir starteten um 13.45 Uhr in Elm. Es war zwar schön weiss, aber gerade üppig war die Schneelage auf den untersten Hängen nicht. Aufgrund vom Wechsel zwischen feuchtem Pflutter in den sonnigen Passagen und kaltem Powder im Schatten dauerte es wie befürchtet nicht lange, bis sich die ersten Stollen an den Fellen bildeten. Trotzdem gelang der Aufstieg zügig und problemlos, nur beim Mittler Stafel war eine kurze Pause nötig, um so gut wie's ging Fellpflege zu betreiben.

Fantastisches Ambiente beim Aufstieg - Sonne satt und unberührtes, weisses Gold :-)
Rundblick vom einsamen und windstillen Gipfel - immer wieder toll.
Bei sehr schönem Ambiente trudelten wir gerade noch unter der 2-Stunden-Marke, aber bereits wieder mit heftigen Stollen auf dem Gipfel ein, welcher sich einerseits verwaist und andererseits schön windstill präsentierte. Somit sprach nichts dagegen, die Stimmung etwas zu geniessen. Schliesslich stachen wir in den Gipfelhang, welcher sehr gute Verhältnisse präsentierte. Somit liessen wir es uns nicht nehmen, danach (etwas mühsam) auch noch zum Vorgipfel hinaufzutreten, um den folgenden Superhang optimal zu nutzen - welch ein Genuss!

Yours truly als kleiner Punkt in der weiten Winterlandschaft. Avis aux Amateurs: der Mixed-Kletterer, der zoomt erkennt am Piz Segnas ein paar ganz schöne Linien. Sowas ist ja immer verlockend, aber nein, ich werde nicht angreifen. Das ist mir dann doch etwas zu arg abgelegen und zudem in etwas heikler Umgebung. Die Kletterei sieht de visu aber hammermässig aus.
Unterhalb der Steilstufe auf 1900m musste man dann bereits die sonnenabgewandteren oder flacheren Passagen suchen, um noch auf schön fluffigen Schnee zu treffen - was aber bis zum Beginn der Waldstrasse auf 1500m gelang. Diese cruisten wir im Nu hinunter. Nun noch die letzten Hänge retour nach Elm - dank den glatten Wiesen ging's selbst auf den letzten Zentimetern Schnee ohne Probleme und Steinkontakt, auch wenn's nicht mehr der grosse Skigenuss war. Trotz der etwas grasigen Passage zum Schluss konnten wir einen höchst geglückten Auftakt in den Tourenwinter konstatieren. 

So haben wir's gern!

Montag, 13. November 2017

Fallenflue

Eigentlich ist die Fallenflue ein richtiger grosser Kletterspot in der Zentralschweiz, der auch erst in jüngerer Zeit eingerichtet wurde. Sie befindet sich an einem schönen, ruhigen Ort und man hat die Wahl zwischen sonnenxponierten, beinahe ganzjährig bekletterbaren Sektoren und einer kühleren NW-Seite. Noch dazu sind die Zustiege moderat und die Anfahrt aus den Ballungszentren kurz. Trotzdem, nicht nur ich hatte es bisher nie in dieses Gebiet geschafft, sondern es wird auch sonst scheinbar nicht allzu viel geklettert. Obwohl es beinahe 200 Routen gibt, sind auf 8a.nu nur gerade insgesamt 13 Einträge vorhanden. Das hätte mich wohl bereits stutzig machen sollen...

Nach einer kurzfristigen Absage ging sich am letzten schönen Herbsttag leider keine Saisonschluss-MSL mehr aus, somit wollte ich einmal die Fallenflue erkunden. Und ich muss sagen, dass ich schlussendlich etwas enttäuscht von dannen gezogen bin. Ich will das Gebiet damit nicht schlecht reden, aber einige Nachteile bringt es eben doch mit sich. Dass das Gelände vielfach unwegsam ist und man sich in vielen Sektoren auf einem schmalen bis schmalsten Band (teils auch hängend) inmitten einer steilen Wand befindet, ist ja aufgrund der Topos schon klar. Doch während man dies in anderen Gebieten (z.B. Acherli, Vättis, Lopper) toleriert und es der Frequenz dieser Gärten keinen Abbruch tut, so funktioniert es an der Fallenflue offenbar nicht. Es muss also auch noch andere Gründe geben. Dazu im nächsten Abschnitt...

Sicht zu Gross Mythen vom Fuss des Sektors Halo auf der NW-Seite der Fallenflue.
Geklettert bin ich schliesslich in den beiden relativ bequemen und gut zugänglichen Sektoren Silver auf der Südseite und Halo auf der NW-Seite, die Bequemlichkeit war also kein Faktor. Aber es haben mir eben auch der Fels, die Kletterei und die Bewertungen nicht wirklich zugesagt. Dabei schien der Sektor Silver auf dem Papier super - ein paar einfachere Aufwärmtouren, zwei 7a+ zum Onsighten, zwei 7c und eine 8a zum Projektieren. Aber denkste... die "Zak Zak" (7a+) konnte ich zwar gerade noch auf Anhieb ziehen, aber mit zack, zack war da nichts, "Ach & Krach" wäre in meinem Fall der passende Name gewesen. Auf höherem Niveau, in der "Silver" (7c) war ich dann chancenlos. Da wartet knüppelharte Gegendruck-Kletterei an runden Strukturen auf glattem Fels. Sowas taugt mir grundsätzlich sehr wenig, aber dennoch empfand ich die Bewertungen (ganz generell in diesem Sektor) als irgendwie demotivierend hart.

Somit wurde das Handtuch geworfen, in der Hoffnung im Sektor Halo im Schein der Nachmittagssonne noch ein paar zusätzliche Punkte zu sammeln. Doch auch da schienen mir die Bewertungen nicht freundlicher - bereits für den "Hexenpunsch" (7a+) musste ich hart kämpfen. In diesem Sektor schien mir der Fels etwas "Jura-like", d.h. bisschen staubig, da und dort ein bisschen splittrig. Nunja: niemand soll sich aufgrund meiner Eindrücke von einem Besuch abhalten lassen, vielleicht habe ich die wirklichen Perlen ja schlicht und einfach verpasst oder persönlich einen schwachen Tag eingezogen. Den Erstbegehern sei jedenfalls trotz meiner etwas zwiespältigen Eindrücke herzlich für ihre grosse Arbeit gedankt! Nähere Infos zum Gebiet findet man im SAC-Führer Zentralschweizer Voralpen Nordost oder im lokalen Gebietsführer vom Erschliesser Lucas Iten.