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Montag, 4. Mai 2026

Skitouren für Spätaufsteher

Es ist nicht so, dass ich der geborene Langschläfer bin. Doch regelmässige Nachtruhe ist wichtig, und genügend Erholung auch. Insbesondere die Sportklettersessions fordern nämlich ihren Tribut. Auch wenn man dabei keine übermässigen Distanzen oder Höhenmeter zurücklegt, so fordert man doch 100% von seinem Körper ab. Und so schadet eine sonntägliche Zusatzstunde in der Horizontalen ganz und gar nicht. Jedenfalls: ich erhob mich um 8 Uhr aus dem Bett und wollte trotzdem noch ein schönes Recovery-Tüürli in sulzigem Schnee machen. Meine Pläne spielten sich im Klöntal ab. Nach dem Zmorge mit der Familie wurde das Material verladen und Nägel mit Köpfen gemacht.

Auf dem Weg dem Schnee entgegen: hinein ins schon frühlingshafte Rossmatter Tal.

Meine Tour startete um 10.15 Uhr beim Fahrverbot in Klöntal Plätz. Mit dem Schneetaxi ging es zügig hinauf nach Wärben (1385m), wo ich den Blinker stellte und den steilen Karrweg Richtung Zeinenstafel einschlug. Dieser Abschnitt mit grobem, losem Schotter ist an der Grenze der Fahrbarkeit und bei der Kehre auf 1450m war sowieso Schluss, ein Schneefeld belagerte das Trassee. Um 10.50 Uhr mogelte ich mich erst zu Fuss weiter, da ich um die nächste Ecke wieder aperes Gelände befürchtete. Das manifestierte sich genau so. Erst beim Zeinenstafel (1568m) kamen die Bretter an die Füsse, von da weg ging es dann aber durchgehend. Wobei man sagen muss: 118hm Fussmarsch sind kein Drama.

Bikedepot: dagegen ist auch mit dem Boost-Modus am E-Bike kein Kraut gewachsen.

Die Route hinauf zur Zeinenmatt war mir von der Tour auf den Hinter Gassenstock noch bestens bekannt. Und genau bei diesem Anlass hatte ich die tollen NW-Hänge am Munggenchöpfli vorbei als lohnendes Skigelände in meinen Hirnwindungen abgespeichert. Gut, das Abspeichern ist das eine, aber die Erinnerung im richtigen Moment wieder in den Kortex zu laden das andere. Hier war es mir gelungen und ich fellte bei besten Bedingungen hinauf. Im oberen Teil steilt sich das Gelände auf bis zu 40 Grad auf und stellte mit der glatten, harten Schneedecke eine gewaltige Rutschbahn dar - Harscheisen waren unabdingbar. Um 12.15 Uhr erreichte ich das Top der Rinne auf ca. 2180m. Für Fernsicht ist man da zu tief, aber die Nahblicke zur Zeinenfurggel, den Gassenstöcken und dem Bös Fulen sind nicht zu verachten.

Tolle Tourenverhältnisse in der Nähe von daheim gesucht und sie gefunden!

Nach einer kurzen Pause schnallte ich die Bretter an die Füsse. Der Zeitpunkt war genau richtig, die steilen Hänge gerade mit "al dente"-Sulz präpariert. Wie im Rausch ging's retour in die Zeinenmatt, auch die folgenden Hänge retour zum Zeinenstafel boten mehr von dem, weswegen ich gekommen war. Dann wurden die Bretter für einen kurzen Marsch geschultert, später dann auf's Bike verladen und zu Tale gebracht. Um 13.15 Uhr war ich wieder auf dem Weg nach Hause, der Plan hatte sich so materialisiert, wie ich mir das vorgestellt hatte - perfekt!

Der Bös Fulen und die Gassenstöcke, gut sichtbar meine Route zum Hinter Gassenstock von 2025.

Disclaimer: dieser Beitrag soll nicht dazu verleiten, im Frühjahr spät auf Skitouren aufzubrechen. Ein rechtzeitiger Start und eine frühe Rückkehr sind essenziell. Hier, an diesem steilen NW-Hang relativ nahe bei mir daheim ging sich die Tour ausnahmsweise ohne frühes Aufstehen aus. Ich hatte jedoch einen genauen Zeitplan, welche ich strikte einhalten konnte. Zudem war die Situation aussergewöhnlich günstig: nach einer langen Schönwetterperiode herrschte Warnstufe 1 und die Gefahr von nassen Lawinen war ebenfalls nicht sehr akut.

Donnerstag, 26. März 2026

Trollfels News

Der Trollfels ist ein kleiner Klettergarten in unmittelbarer Nähe der Plattenwand, am Eingang zum Glarnerland. Er überzeugt mit einem kurzen Zustieg und ein paar spannenden Linien im siebten Franzosengrad in seiner Nordwand. Auf der Westseite gibt es einige einfachere Klettereien in schönem, sandsteinartigem Fels. Im 2025 und 2026 hat es nun einen Zuwachs an Routen gegeben, so dass nun statt 10 neu 12 bzw. 13 Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Toller, strukturierter, sandsteinartiger Lochfels. Diese Griffe nutzt man in der Bucolique (6b).

Kissing Arete (7b)

Diese Route verläuft unmittelbar rechts der Kante, welche die Nord- von der Westseite trennt. Sie bietet trickreiche, fingerkräftige, leicht überhängende Ausdauerkletterei mit homogener Schwierigkeit. Es stecken 6 BH, die Kletterlänge beträgt ungefähr 15m. Sicherlich eine gute Route zum Projektieren, wenn dies der persönliche Pay Grade ist.

Blank Space (8a) 

Das ist die Verlängerung der Kissing Arete, und die Route heisst nicht umsonst so. Kompromisslos senkrecht schiesst hier die strukturarme Platte in den Himmel, auf den ersten Blick unmöglich. Doch die rechte Hand findet zwei ~8mm-Crimps und mit der Linken an der sloprig-stumpfen Kante lässt sich Compression generieren. Das ist auch nötig, denn das Trittangebot ist mässig - und klippen muss man auch noch einmal. Schliesslich erhascht man etwas bessere Leisten am Ende der Kante und muss der Sache fast campusmässig entkommen. Insgesamt eine taffe Bouldersequenz.

Hier verläuft die Kissing Arete im Bereich rechts der Kante, dann über das kleine Dächli hinweg und links am Moos vorbei. Oben ist die äusserst kompakte Platte, eben der Blank Space gut zu erahnen. Diese Boulderstelle hebt den Grad von 7b für den unteren Teil auf 8a für die volle Linie.

Bucolique (6b)

Gereizt hat mich diese potenzielle Möglichkeit an der rechten Kante vom Trollfels sofort, eingerichtet habe ich die Route schliesslich während meinen Pausen zwischen den Versuchen in der Blank Space. Die Route startet mit wunderschönem, griffigem Lochfels, orientiert sich dann zur Kante, wo man sich gegen die offene Tür wehren muss und kulminiert mit der Crux im Ausstieg, wo man nicht die (Tritt-)Übersicht verlieren darf.

Ob hier drin der Troll daheim ist?!?

Topo

Der Trollfels ist im SAC-Kletterführer Glarnerland von Sämi Leuzinger und Thomas Wälti veröffentlicht und beschrieben. Unten das (nicht vollständige) Topo aus diesem Führer, dafür ergänzt um die neuen Möglichkeiten auf der Westseite.

Dank

Gebührt meinem Vater für die tatkräftige Unterstützung bei diesen Projekten. Merci vielmals Neni!

Donnerstag, 5. März 2026

Skitour Heustock (2470m)

Die Skitour von Engi durchs Mülibachtal auf den Heustock hatte ich schon früher einmal unternommen. Exakt datiert das Unternehmen auf den 24.12.2005 und somit liegt das schon länger als 20 Jahre zurück. Damals war ich in den USA wohnhaft und nur über die Feiertage in der Schweiz zu Besuch. Eigentlich verrückt, wie sich die Welt und die persönlichen Umstände seit damals verändert haben. Die Berge sind aber noch da wie immer. Trotzdem ist diese aktuelle Tour nicht einfach eine Kopie der früheren. Gab's damals frischen Powder ab Engi und wieder bis dahin zurück, so war es dieses Mal eine Bike & Ski-Frühlingstour bei Sulzverhältnissen.

Skihütte Mülibachtal

Um 8.50 Uhr trat ich beim Schneetaxi in Engi Vorderdorf beim P.772 in die Pedale und erreichte in rund 15 Minuten auf aperer Strasse den Schnee, der wie vermutet bei der Brücke beim P.1168 begann. Dort wechselt der Weg auf die Schattenseite und es lag eine geschlossene Schneedecke - ohne die Bretter nochmals abzuschnallen, ging es bis zum Gipfel hinauf. Zuerst (im Aufstiegssinn) rechts vom Bach auf der Sunnenhörnli-Abfahrtsroute bis zu den Gebäuden von Gamszinggen, dann auf dem Alpweg durch den steilen Wald hinauf zur Skihütte Mülibachtal. Bald öffnet sich das Gelände, durch lichten Wald erreicht man die Fläche der Glattmatt, wo noch rund 500hm durch den bis zu 40 Grad steilen Gipfelhang warten.

Der Gipfelhang, wer mit der Lupe schaut, findet auch meine Abfahrtsspur.

Um ca. 11.15 Uhr hatte ich den Gipfel erreicht. Der angekündigte Saharastaub befand sich noch weit im Südwesten. Doch der Wind, der ihn herbringen sollte, war im Kammbereich deutlich zu spüren. Zum Glück fand ich im Lee doch einen angenehmen Rastplatz. Die Abfahrt über die kompakte und schön aufgesulzte Schneedecke versprach dann viel - und hielt es auch. Nach vielen tollen Schwüngen war ich zurück bei der Skihütte, die im Aufstieg besichtigte Schneise zwecks Abkürzung und Fahrspass funktionierte ebenfalls. Auch im unteren Bereich war die bisweilen rumplige Piste nun nicht mehr hart gefroren, so liess es sich da ohne durchgeschüttelt werden zum Bike zurückschwingen. Mit einem kurzen Downhill ging's nach Engi, von wo der Fokus auf einen arbeitstechnisch produktiven zweiten Abschnitt des Tages gelegt wurde - schön war's!

Facts

Heustock ab Engi Vorderdorf via Skihütte Mülibachtal
1700hm, Ski-Schwierigkeit ZS-

Samstag, 29. November 2025

Skitour Fanenstock (2237m) & Färispitz (2178m)

Viel Neuschnee, stahlblauer Himmel und angenehme Bedingungen. Da kam es gerade gelegen, dass sich auf der Agenda keine unverrückbaren Termine befanden. Der Powder wollte für eine Tour genutzt und mit Spuren verziert werden. Zu Saisonbeginn und mit erhöhter Lawinengefahrenstufe waren die Tourenziele etwas beschränkt. Nicht zum ersten Mal bei diesem Szenario setzte ich auf den beliebten Fanenstock, mit der Option meine Tour noch in weniger frequentierte Gebiete auszudehnen.

Wunderbares Ambiente beim Aufstieg, hier eben oberhalb der Hütten von Gamperduner Stafel bei P.1772. Der Blick auf den Elmer Talkessel, mit dem Vorab links, dem Hausstock im Talschluss, während am rechten Bildrand noch der Gross Chärpf grüsst.

Um 9.25 Uhr startete ich beim alten Bahnhof von Elm (970m). In der schattigen Talsohle war es frostig kalt (-9 Grad). Und ich war genügend spät dran, dass der Spurtrupp bereits aufgebrochen war - für einen Senioren und Sportkletterer ist das durchaus als Vorteil zu werten. Schon beim Ausgangspunkt lagen ca. 35cm an frischem Powder, weiter oben noch viel mehr - hier den Graben zu pflügen war zwar bestimmt und wie immer eine freudvolle, aber eben auch sehr anstrengende Aufgabe.

Faszinierender Blick auf den Piz Sardona. Kaum zu glauben, dass er von dieser Seite als Skitour begangen werden kann! Doch diese Tour durch das Sardona-Chämi aus dem Jahr 2018 habe ich in allerbester Erinnerung. An dieser Stelle Grüsse an meinen damaligen Tourenpartner Snizi!

Ich gewann zügig an Höhe und ob dem guten Trassee konnte ich meine Blicke und Gedanken schweifen lassen. Beim Aufstieg zum Fanenstock fokussieren sich diese unvermeidlich auf Heinz. Mit ihm war ich damals als Jungspund mit wenig Tourenerfahrung hier unterwegs. Er war zu dieser Zeit schon in meinem heutigen Alter und ein richtiger Skitourenfreak. Häufig und sportlich unterwegs, bereits in den 1990er-Jahren mit einer Pin-Bindung und mit Ski Trab materialmässig leicht und innovativ am Start. Ich erinnere mich noch gut, wie wir bei dieser Gelegenheit den Aufstieg "locker" unter zwei Stunden schafften. Also "locker" in dem Sinne, dass die Uhr klar unter der gesetzten Marke stehen blieb... bei der Beschreibung meines Pulses und der Atemfrequenz kämen sicherlich andere Attribute zum Einsatz.

Schon am Gipfel - Fotos und Text passen nicht ganz zusammen. Doch im ersten Teil des Aufstiegs, welcher noch im Schatten verlief, gab es nicht allzu viele spannende Motive abzulichten. Dafür später dann umso mehr.

Mit Heinz unternahm ich noch manche Ski- und Klettertour. Aber leider nicht für allzu lange. Aus dem heiterhellen Himmel wurde er mit einer Krebserkrankung diagnostiziert und während eine erste Behandlung noch Erfolg zeigte, kam dieser einige Monate später zurück. Heinz musste wenig später von uns gehen - als kurze Zeit davor noch topfitter und kerngesunder Alpinsportler. Ehrlich gesagt fährt mir der Gedanke daran heute sogar mehr ein wie damals. Ich denke, es ist ganz natürlich, sich mit gut zwanzig noch mehr oder weniger unverwundbar zu fühlen. Doch in dem Alter, wo einiges am Körper so langsam zu klappern beginnt, sieht das anders aus. Mein Fazit beim keuchenden Aufstieg: wir müssen die schönen Tage wie den heutigen umso mehr geniessen - wer weiss schon, wie oft uns das noch vergönnt ist.

Bildmässig schon auf der ersten Abfahrt. Hinten gut sichtbar, dass es an diesem Tag die richtige Entscheidung war, sich auf mässig steiles Gelände zu beschränken - sonst nimmt der Spass dann möglicherweise ein unnötig frühes Ende.

Meine Gedanken spinnend hatte ich inzwischen die Schindelegg und damit die Sonne erreicht. Die Temperaturen stiegen schlagartig an, ein kurzer Stopp um einige Kleiderschichten im Rucksack zu verstauen war unabdingbar. Inzwischen hatte ich eine grössere Gruppe passiert und am Rastplatz noch einige weitere Tourengänger. Nur noch wenige waren weiter vorne unterwegs, so dass sich die Frage aufdrängte, ob ich wohl doch noch Spurarbeit leisten müsste. Die Antwort lautete aber nein, als ich kurz vor dem Fanenfurggeli erstmals den Gipfel erblickte, traf die Vorhut eben dort oben ein. Wohl ein paar Minuten nach 11.30 Uhr schlug ich am Top an. Die zwei Stunden blieben somit nominell ungeknackt, wobei ich damals mit Heinz beim Töniberg gestartet war, was den Aufstieg um 70hm und sicher 10 Minuten kürzer macht. Somit darf ich meine Zweifel also gerne mit "immer noch gleich schnell wie vor 30 Jahren" beruhigen, auf die Minute oder genauer muss das nicht erörtert werden.

Fantastische Einsamkeit bei meinem zweiten Aufstieg zum Färispitz. Oder wie ich auf Insta zu diesem Bild geschrieben hatte: "Somebody had to go first - I volunteered". Hinten im Bild übrigens der inzwischen (in voller Auflösung erkennbar) gut verspurte Fanenstock.

Die ersten vier Abfahrer zogen ihre Linien in den Gipfelhang - ich nahm mir die Zeit für eine Pause mit grandiosem Ausblick. Denn erstens ist der Hang mehr als breit genug, zweitens zog es meine Vorfahrer alle sehr rasch zurück zum Fanenfurggeli, auf den bequemsten Weg ins Tal. Bei mir waren hingegen Kraft, Zeit und Motivation vorhanden, noch auf eine Extratour zu gehen. Etwas nordöstlich fand ich meine eigene Linie, welche mich in tollem, absolut unberührtem Powder zu einem Punkt etwas westlich der Hütten von Chamm (ca. 1930m) führte. Da wurde wieder angefellt, nun hiess es selber eine Spur zu treten - bei schuhtiefem Einsinken zwar eine anstrengende Sache, aber in dieser einsamen, unberührten Landschaft mit dem in der Sonne glitzernden Pulver eine grandiose Sache.

Gipfelpanorama vom Färispitz - einfach grandios!

Mit durchaus etwas müden Beinen erreichte ich den Färispitz (2178m), pausierte nochmals und freute mich auf eine komplett unberührte Abfahrt. Erst über den Rücken, dann über offene Hänge und weiter unten dann mit einem Tree Run ging's hinunter zur Alpstrasse beim Eggboden auf 1600m. Über einige Kehren und nochmals etwas offenes Gelände erreichte ich schliesslich die Brücke über den Flinserbach bei P.1401. Ab hier über die flache, ungespurte Alpstrasse zurück auf die Fanenstock-Route zu kommen, hatte viel Schiebearbeit bedeutet. Da war es deutlich bequemer, nochmals rasch die Felle zu montieren und 60hm hinauf zur oberen Strasse zu steigen. Dort konnte ich von der inzwischen gut ausgefahrenen Spur der Fanenstock-Gänger profitieren. So lief es zügig, einige weitere Pulverschwünge brachten mich dem Talboden entgegen, und eine Schussfahrt über die vereiste Strasse zurück zum Ausgangspunkt. Wow, wow, wow, das war nun Winter Wonderland at its best gewesen!

Letztes Anfellen bei der Brücke P.1401

Einen kleinen Epilog zu meiner persönlichen Erinnerung gibt es auch hier: der nächste Tag präsentierte sich nochmals mit sehr guten Tourenbedingungen. Nur liess meine Agenda nicht ganz so viel Freiheit zu. Immerhin, für ein Tüürli im Züri Oberland reichte es - und was für eines: ich traf den genau richtigen Zeitpunkt für die Abfahrt, 500hm über unverspurte Hänge bei tollen Conditions. Ein richtig tolles Dessert!

Facts

Fanenstock ab Elm Station, 1270hm, Ski-Schwierigkeit WS-
Weiterweg zum Färispitz, total +300hm, Schwierigkeit WS-
Abfahrt über Färiboden, ZS-, Wildruhezone beachten!

Sonntag, 16. Februar 2025

Skitour Hinter Gassenstock (2541m)

Nochmals top Wetter und sichere Lawinenverhältnisse, damit nach der Tour ins Lachenstock-Couli am Vortag erneut die Gelegenheit für aussergewöhnliches Skifahren. Aus organisatorischen Gründen und weil die Schneedecke am Alpennordhang am solidesten aufgebaut ist, will ich nicht in die Ferne schweifen und entscheide mich für "z'Chlüntl". An sich rasch zugänglich, beim Touren kommt man aber doch zügig in einsam-abgelegenes Gebiet und Abenteuer ist garantiert. Sei es auf alpinen Klettertouren wie dem Ruchenpfeiler, Nordwand-Action am Bös Fulen, (sehr) alpinem Sportklettern wie im Köbis Wäg oder eben Skitouren wie der hier beschriebenen.

Unterwegs im Rossmattertal, kurz vor Chäseren. Mein Gipfelziel ist in der rechten Bildhälfte, sichtbar jedoch nur die Felsbastionen vom Vorder Gassenstock im Vordergrund und dem Bös Fulen im Hintergrund. Der wenig prominente Hinter Gassenstock befindet sich zwischen diesen beiden.

Die Schneekarte vom SLF war bezüglich einem Start von ganz unten eher pessimistisch und sowieso, wer nicht das Automobil-Fahrverbot missachten will, muss zuerst 20 Minuten der flachen Strasse entlang tschalpen. Somit war der Fall klar, das Schneetaxi kommt mit. Es zeigte sich als vortreffliche Entscheidung: zwar gab es ab dem offiziellen Ausgangspunkt gefrorenes H2O als Unterlage, aber das Bike machte die Sache doch einfacher. Zuerst flach über die zu einer Blankeisbahn gefrorene Strasse zu den letzten Häusern. Und dann liessen sich dank der dünnen und harten Schneedecke auch noch die ersten 200hm den Chlüstaldenstutz hinauf auf zwei Rädern meistern. Mir ging es dabei noch nicht einmal in erster Linie um den eingesparten Effort, aber die steile und enge Strasse ist für die Abfahrt unattraktiv, zudem hätte man wegen Schneemangel 2-3x abschnallen müssen und einige weitere Abschnitte wegen knapp eingeschneiten Steinen runtertreten müssen.

Effizienter Tourenstart bis zum Chlüstalden.

Um ca. 12.30 Uhr startete ich mit den Fellen und lief zügig über die bestens eingeschneite Strasse ins Tal hinein zur Chäseren. Der Vorteil von diesem späten Aufbruch war ganz klar, dass ich im nach Süden ausgerichteten Tal die Sonne geniessen konnte, während man morgens alles im Schatten geht. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, ab der Chäseren nicht über Wärben zu gehen, sondern die in der Linkskurve nach den Häusern startende Abkürzung durch den Wald zu wählen. Eine bereits vorhandene Spur liess mich dann nicht zögern, es zu tun. Man spart sich da wirklich etwas an Weg, sofern die raue Waldschneise genügend eingeschneit ist, dünkt mich diese Variante vorteilhaft. An der Jägerhütte vorbei ging's zu den Alpgebäuden von Zeinenstafel, wo sich manifestierte, dass in den Kessel der Zeinenmatt hinauf ebenfalls schon gespurt war. Vor- und Nachteil zugleich, da keine offizielle Route in diese wilde Gegend hinaufführt, hatte ich eher mit noch jungfräulichen Verhältnissen gerechnet (wie am Vortag).

Schon fast im schattig-abgelegenen Kessel der Zeinenmatt. Die Felsmauer in der rechten Bildhälfte gehört dem Bösbächistock. Meine Skitour führt etwas rechts ausserhalb des Bildausschnitts auf einem System von Rampen durch diese Wand hindurch.

Als Detailziele im Kessel der Zeinenmatt hatte ich verschiedene Optionen parat. Als ich mir dann aber gewahr wurde, dass der Hinter Gassenstock bereits gemacht wurde, da war der Fall für mich klar. Der an sich unbedeutende Gipfel im Nordgrat des Bös Fulen kann nur über ein System von Rampen erreicht werden, welche durch eine von Laien durchaus als "senkrechte Felswand" zu bezeichnende Struktur führen. Über 600hm beträgt die Steilheit zwischen 35-40 Grad mit zwei Schlüsselstellen, welche die 45 Grad erreichen oder sogar überschreiten. Diese Parameter machen es deutlich, das ist eine Tour für ausgewählte Momente und ein solcher war mir zum Glück gegeben. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, wer da drei Tage vor mir unterwegs war. Die Spur war mir schliesslich nur wenig hilfreich, da grösstenteils wieder zugeweht und meist nur noch knapp erkennbar. Immerhin, um die letzten Zweifel zu vertreiben, es an diesem Tag dort hinauf wagen zu wollen, war sie ein Schlüsselelement.

Das Bild wurde zwar nach der Abfahrt aufgenommen, passt aber chronologisch trotzdem hierher. Ab diesem Punkt in der Zeinenmatt nimmt die Steilheit massiv zu. Die hier knapp sichtbare Abfahrtsspur befindet sich im (unten beschriebenen) "150hm-Hang, mit welchem man sich an die Felswand heranpirscht, bevor es über eine enge Rampe nach rechts geht". Hinweis: auf dem Foto sieht alles ein rechtes Stück flacher aus, als es tatsächlich ist.

Jedenfalls, über 150 schon zunehmend steiler werdende Höhenmeter pirscht man sich an die Felswand heran, bevor es über eine enge Rampe nach rechts geht. Viele Spitzkehren waren in diesem Couloir nötig, im steilsten Abschnitt ob der harten Unterlage mit rutschigem Presspulver drauf sogar eine Portage. Es ist da eben nicht nur so steil, dass es eine lange Schlitterpartie würde, sondern es hat auch noch eingelagerte Felsen über die man purzeln würde und sogar ein Absturz über die begrenzende Felswand scheint nicht komplett ausgeschlossen. Kurzum, Fehler sind da keine erlaubt, weder in Aufstieg noch Abfahrt. Auf 2100m legt sich das Gelände wieder etwas zurück und wird breiter, man wird über 100hm an den steilsten Abschnitt herangeführt: 45-50 Grad, etwas felsdurchsetzt, auch da war nochmals ein Bootpack nötig. Nach gut 50hm kann man wieder durchschnaufen, man erreicht ein wieder flacheres, als Schneeruus bezeichnetes Feld. 

Auf dem sich etwas zurücklegenden, breiteren Gelände bevor es in den steilsten Abschnitt geht. Die gegen 50 Grad steile, felsdurchsetzte Partie in Bildmitte gilt es zu bezwingen. Im Aufstieg war das nur mit Portage möglich, die Abfahrt ging gut mit Ski. Man sei sich bewusst: das Foto bringt die Steilheit und Exponiertheit vom Gelände ganz und gar nicht rüber.

Sodann hat man die Wahl, ob man als Gipfelziel links den gut und etwas schneller erreichbaren P.2506 im Rüchigrat anpeilen möchte oder dem Hinter Gassenstock den Vorzug gibt. Echte Alpinisten mit grosszügigem Zeitbudget hatten vom ersten Skiziel übrigens die Möglichkeit mit einer 1km langen Gratkletterei den exklusiven Bösbächistock (2659m) zu erreichen. Ich hingegen blieb bei meinem Objective vom Hinter Gassenstock. Von der Schneeruus muss ein erneut gegen 40 Grad steiler Hang zur NE-Wand des Bös Fulen hin bewältigt werden, bevor es auf 2470m über eine Rampe nach rechts hinaus geht. 

Auch ein Foto von der Abfahrt mit meiner Spur drin. Sichtbar hier der vorletzte Steilaufschwung, die 'Schneeruus', welche steil zur NE-Wand des Bös Fulen hinaufführt. Zum Gipfel des Hinter Gassenstock heisst es dann vor der Felswand auf einem Schneeband nach rechts abzubiegen (auf dem Foto gut zu erahnen). Dort ist das Gelände nicht ganz so steil, dafür befindet man sich exponiert über der Felswand am rechten Bildrand.

Man erreicht so einen flachen Gratabschnitt (ca. 2545m), welcher höher als der kotierte Gipfel des Hinter Gassenstock liegt und einen durchaus logischen Endpunkt für den Skitourengänger darstellt. Kurz nach meiner Ankunft begrüsste mich ein Adler, der im leichten NW-Wind soarend unmittelbar vor meiner Nase vorbeizog. Bei seiner zweiten Passage, wo er dann schon etwas höher war, hatte ich das Handy dann griffbereit. Auf der ganzen Strecke hatte ich keine Menschenseele angetroffen. Obwohl es im Prinzip nur eine Halbtagestour ist, fühlt man sich in der Zeinenmatt doch ziemlich isoliert und weitab der Zivilisation (es gibt ausser am Gipfel auch keinen Handyempfang!). Und dann kommt der König der Lüfte vorbei um Hallo zu sagen - was für ein grandioses Erlebnis!

Das Video funzt leider nicht (mehr). Deshalb hier ein Foto vom König der Lüfte. Ja, man sieht mehr als nur blauen Himmel ;-)

Für den Alpinisten scheint es vom flachen Gratabschnitt nicht unmöglich, den Gipfel des Bös Fulen via die Kubli-Route erreichen zu können. Das wäre aber ein grössere Unternehmung. Der kotierte Gipfel P.2541 vom Hinter Gassenstock liegt deutlich näher, ist aber auch nicht trivial: es wartet nochmals ein kurzer Abstieg, und dann ein sehr steiler Schlusshang, natürlich auch noch kammnah. Käme dort etwas ins Rutschen, dann wäre dies wohl das Expressticket ins Tal (Absturz über die darunter liegende Felswand). Alternativ kann man mit einigen kurzen Abweichungen rechtsherum dem linken Grat entlang steigen, welcher aus brüchig-losen Felsen besteht und ebenfalls sehr exponiert ist. Choose wisely, kann man da nur sagen - es ist eine Unternehmung für Leute, welche sich in solchem Gelände sicher zu bewegen wissen. 

Panorama in Richtung Nordwesten vom flachen Gratabschnitt zwischen dem Bös Fulen und dem kotierten Gipfel P.2541 des Hinter Gassenstock. Bei diesem handelt es sich um die felsige Wand im rechten Bildviertel. Zuletzt wartet nochmals ein sehr steiler Hang, oder man folgt dem teilweise exponierten Grat linkerhand, mit einigen Umgehungen rechtsherum.

Jedenfalls, einige Minuten vor 16.00 Uhr hatte ich meinen Aufstieg vollendet. Auch wenn die Uhr schon vorgerückt war, so war mir ein rascher Rückweg gewiss und ich konnte die Atmosphäre an diesem Ort noch für eine gute Weile aufsaugen und geniessen. Dann aber hiess es zurück zum Skidepot, mit Wechsel von den Steigeisen zurück auf die Bretter. Bald war alles Material festgezurrt und die Ski konnten talwärts gerichtet werden.

Sicht vom Top auf den Glärnisch in der linken Bildhälfte mit dem Ruchen und dem Bächistock. In der Bildmitte befindet sich die Zeinenfurggel, rechts davon der kecke Bösbächistock am zur Position des Fotografen ziehenden Rüchigrat. Der aus der Schneeruus relativ einfach erreichbare P.2506 liegt noch knapp in der Sonne.

Die Abfahrt war dann gut, es ging alles mit den Ski an den Füssen (auch die Steilstufen) und der Schnee war prima fahrbar. "Bester Presspulver", so sagt man das im Jargon - sprich kompakte Unterlage mit weicher Auflage, etwas vom Wind bearbeitet und leicht wechselhaft. Aber natürlich, die 50cm Fluffy Powder hatte ich auch nicht erwartet, bzw. bei solchen Verhältnissen möchte man sich auch lieber nicht in diesem Steilgelände bewegen. Wohlverstanden, es ist keine Extremabfahrt, in den steilsten Stellen gilt es aber doch, konzentriert Schwung an Schwung zu setzen. Schliesslich war ich zurück in der Zeinenmatt, die Hänge zur Chäseren waren genussreich (kompakte Unterlage mit aufbauend umgewandelter Auflage) und unverfahrenes Gelände war vorhanden. Danach ging's im Schuss hinunter zum Bike, bequem mit einem coolen Downhill den steilen Stutz hinunter und vorsichtig über die Eisbahn retour zum Parkplatz (17.00 Uhr). Ein kurzer Ausflug in die Wildnis, ein grandioses Abenteuer - wie cool, dass so etwas möglich ist!

Donnerstag, 23. Januar 2025

Skitour Nüenchamm (1904m)

Der Nüenchamm steht als Pförtner für den Zugang zum Walensee und zum Glarnerland und markiert so eine der am schnellsten erreichbaren Skitouren aus dem Raum Zürich. Trotzdem gibt es da nur ganz wenig Betrieb, was natürlich seine Gründe hat. Einerseits tritt der Gipfel nicht prominent hervor, sondern sieht mit seiner bewaldeten Flanke und dem breiten Plateau am Top mehr wie ein Hügel aus, welcher dem stolzen Mürtschenstock vorgelagert ist. Andererseits führt die Skiroute auf der Nordseite aber doch durch steiles Gelände, wo verschärfte Lawinen- und Absturzgefahr herrscht. So habe auch ich diesen Gipfel in meiner nun doch schon 30 Jahre währenden Skitourentätigkeit erst das zweite Mal angegangen.

Top of Nüenchamm mit Blickrichtung Linthebene.

Die Verhältnisse sind günstig und das Wetter schön, leider bleibt mir für längere Eskapaden keine Zeit. Noch dazu sind nach einer längeren Periode mit guten Bedingungen und ohne Schneefall die gut erreichbaren Skitourenziele zu einem Acker umgepflügt. So erhoffe ich mir, in den steilen Nordhängen am Nüenchamm noch einen Schübel unverfahrenen Pulver zu sichern. Etwas unklar ist, ob der tief gelegene Ausgangspunkt (Filzbach, P.707) tatsächlich schneebedeckt ist. Die Webcams zeigen, dass es gehen sollte. Notfalls könnte man auch via die Strasse zum Talalpsee oder mit der Sesselbahn nach Habergschwänd dem Schnee näher kommen. Das war aber nicht nötig - unten lagen tatsächlich nur wenige Zentimeter der weissen Materie. Da aber kompakt, war dies völlig ausreichend.

Wegen Hartschnee im Absturzgelände war auf 1700m ein Bootpack zwingend.

So stieg ich im Bereich des Sessellifts nach Habergschwänd auf und folgte dann den doch nicht so wenigen Spuren, welche Richtung Chalthüttli und Ober Nüen zogen. Ab dem Abzweiger in die Nüenchamm-Nordflanke war dann aber tatsächlich nur noch eine einzige Spur vorhanden, welche schliesslich auf rund 1600m endete. Es stand mir also rund 3 Wochen nach dem letzten Schneefall sogar die Ehre zu, den Gipfel als erste Person angehen zu können. Ab diesem Punkt wird es richtig steil. Der Aufstieg verläuft entweder über engen und bewaldeten NNE-Grat, oder dem Sommerweg entlang in 40 Grad steilem Gelände zwischen mehreren Felsstufen hindurch. Ich entschied mich für letztere Variante. Eine vor längerer Zeit abgegangene Gleitschneelawine hatte jedoch eine solch harte Unterlage zurückgelassen, dass ich an der steilsten Stelle zu einer Portage von ca. 50hm gezwungen war. Das Gelände ist da exponiert, ein Rutscher wäre nicht zu stoppen gewesen und hätte schliesslich mit dem Sturz über eine Felsstufe geendet. Sprich, das ist eine Skitour für Leute, die sich in alpinem Gelände zu bewegen wissen.

Gleitschneeaktivität mit Anrissmächtigkeit von ca. 1m - hat wohl ganz schön gerumpelt!

Bei der Schulter auf 1740m kann man kurz etwas durchschnaufen, es präsentiert sich ein toller Blick auf den majestätischen Mürtschenstock. Gleich wartet aber das nächste Pièce de Résistance in Form einer weiteren Felsstufe. An diesem Punkt folgte ich der Gratlinie, was nochmals ca. 40hm Portage über eine steile Stufe mit lockerem Schnee erforderte - hier nun eine ziemliche Wühlerei, wo man oft auf den glatten Grasuntergrund durchkam. Nun im Nachhinein kann ich konstatieren, dass es da besser gewesen wäre, dem Sommerweg zu folgen und die Felsstufe westwärts zu umgehen. Oberhalb dieser Stufe trifft man dann auf sanftes Gelände, welches einen zum geräumigen Gipfelplateau führt. Einsamkeit und tolles Ambiente gab es da, super!

Majestätischer Mürtschenstock ab der Schulter auf 1740m.

Schliesslich machte ich mich auf die Abfahrt, denn die weltlichen Verpflichtungen riefen ja leider schon wieder. Aber zuerst gab es noch genussvolle Pulverschwünge. So lange nach dem letzten Schneefall gab es natürlich keinen super fluffy Powder mehr. Manchmal etwas zäh, teilweise etwas vom Wind bearbeitet, aber doch immer gut zu fahren. In der Abfahrt folgte ich dem Sommerweg bis zu den Schüplanggen und stach dann in direttissima zum Habergschwänd runter. Ab da gab es im zentralen Bereich unter dem Lift so etwas wie eine Piste. Kurz die Karte konsultiert um eine eigene und unabhängige Abfahrtslinie zu engineeren. Das gelang tiptop und wurde mit genussvollen Schwüngen in zischendem Oberflächenreif auf einer kompakten Unterlage belohnt. Toll war's, in einem kleinen Zeitfenster hatte ich eine doch etwas abenteuerlich und auch nicht ganz einfache Skitour realisiert und eine genussvolle Abfahrt gehabt!

Gipfelpanorama: Mürtschen, Schiltgebiet, Fronalpstock, Glärnisch und Rautispitz.

Facts

Nüenchamm (1904m) ab Filzbach (P.707)
1200hm Aufstieg, Ski-Schwierigkeit S
Achtung: Steiles, exponiertes Gelände, Lawinen- und Absturzgefahr!
Material: Steigeisen und Pickel können je nach Bedingungen nötig sein

Sonntag, 8. Dezember 2024

Skitour Magerrain (2524m)

Die Skitour zum markanten Gipfel des Magerrain (2524m) stand schon lange auf meiner Pendenzenliste. Es handelt sich um den höchsten Kulminationspunkt einer ganzen Gebirgsgruppe im Grenzgebiet der Kantone Glarus und St.Gallen, welcher der weniger hohe aber auch spezielle Spitzmeilen seinen Namen gegeben hat. Die Schartenhöhe vom Magerrain ist mit 357m nicht aussergewöhnlich, mit seiner Dominanz von 8350m liegt er in dieser Statistik aber auf dem respektablen Rang 72 der Schweiz. So erstaunt es denn auch nicht, dass die Tour zu seinem Top ziemlich weitläufig und aufwändig ist, noch dazu erfordert sein bis zu 40 Grad steiler Gipfelhang geeignete Bedingungen. Kurzum, die Verhältnisse müssen einfach passen für diese Skitour und das war an diesem 1. Dezember 2024 nun einwandfrei der Fall.

Diese felsige Burg ist der Magerrain, gesehen aus dem Gebiet der Alp Fursch. Der Berg muss von der Rückseite angegangen werden, auch aufgrund der Wildruhezonen im Murgtal muss man dabei eine ziemlich weite Strecke in Kauf nehmen. Das ist aber für Liebhaber einsamer und weiter Winterlandschaften kein Nachteil, sondern ergibt eine grandiose Tour!

Meine Tour startete um 8.00 Uhr in Unterterzen, von wo ich mich mit den Flumserberg-Bahnen auf den Maschgenkamm gondeln liess. Da im Skigebiet erst Teilbetrieb herrschte, war der für die Touren im Spitzmeilen-Gebiet an sich günstigere Ausgangspunkt auf dem Leist (2222m) nicht erreichbar. Zu meinem Glück war das Trassee des Wanderwegs in der SE-Flanke vom Ziger (2074m) schön hartgetreten. So erreichte ich mit Doppelstocktechnik zügig die Zigerfurgglen und konnte eine erste Abfahrt zur verwaisten Alp Fursch (1792m) geniessen. Dort wurden die Felle ein erstes Mal aufgeklebt und der langgezogene Aufstieg zum Wissmeilenpass konnte um 9.00 Uhr beginnen. Ich war der erste Tourengänger im Gebiet, es lag eine gute Spur, nur herrschte im flachen Gelände der Alp Fursch ein teilweise erstaunlicher Gegenwind.

Im Aufstieg zum Wissmeilenpass (2416m).

Etwas vor 10.30 Uhr hatte ich die Passhöhe (2416m) erreicht und stellte fest, dass auf der Fortsetzung nur mehr eine einzige Spur lag. Nach einer Pause an der Sonne stach ich in die Tiefe. Selbst in dieser sonnigen Südexposition war der Schnee ideal: kompakte Unterlage mit pulvrig-weicher Auflage, der Skigenuss also garantiert. Mit etwas Karten-Engineering fand ich eine gute Linie durch das unübersichtlich coupierte Terrain um den nächsten Anfellpunkt auf ca. 2080m im Guetental zu erreichen (10.50 Uhr) - ein sehr abgelegener Ort: man sieht den Talgrund der noch am schnellsten erreichbaren Zivilisation (das Glarner Kleintal) nicht, es gibt keinen Handyempfang und es wäre dahin auch einfach kolossal weit. Nun denn, ich wollte ja sowieso zum Magerrain und sich isoliert und fernab aller menschlichen Bebauungen zu befinden darf man gerne als Privileg wahrnehmen.

Blick zurück zum Wissmeilenpass (2416m) mit der Abfahrt nach Süden.

Zuerst ging's aufwärts über einen formidablen 250hm-Hang in die Lücke von P.2233, bevor man sich mit Flachlauf und einer kurzen Abfahrt (mit Fellen) dem steilen Magerrain-Gipfelhang nähert. Dieser weist eine Neigung von bis zu 40 Grad auf, den guten Bedingungen sei Dank konnte er aber mit den Ski an den Füssen bewältigt werden. Erst ganz oben war die Gipfelkappe abgeblasen, tiefer lag perfekter Pow, der eine genussreiche Abfahrt versprach. Die letzten 15hm zum Gipfelkreuz waren zu Fuss zurückzulegen, um 11.10 Uhr schlug ich dort an. Während sonst generell sehr milde und angenehme Bedingungen herrschten, war in Kammlage ein deutlicher SW-Wind zu verspüren, welcher einen längeren Aufenthalt am Top wenig angenehm machte. So schnallte ich bald meine Bretter an die Füsse und verschob eine Pause auf tiefere und angenehmere Gefilde.

Im Guetental, auch von hier schlägt man nochmals eine ziemliche Ecke via P.2233 und muss danach nochmals einen Höhenverlust in Kauf nehmen, um den Magerrain mit seinem bereits sichtbaren Gipfelhang zu erreichen. 

Die Abfahrt durch die Gipfelflanke war prima, ein kurzer Aufstieg (ohne Fellwechsel) brachte mich dann zu noch höherem Genuss mit der Abfahrt von der Lücke P.2233. Mehr oder weniger am selben Ort im Guetental wie 1.5h zuvor war erneut Wechselzone angesagt, bevor es bei sehr warmen Temperaturen retour Richtung Wissmeilenpass ging. Hier wurde die Tour aber mit einer Spezialeinlage aufgepeppt. Den eigentlichen Pass (P.2416) liess ich rechts liegen und steuerte eine 300m im NW gelegene Lücke bei Hüenderblänggli an, welche ebenfalls auf P.2416 kotiert ist. Schon damals bei meiner Tour zu Spitz- und Wissmeilen im März 2024 hatte ein Tourengänger eine Linie in deren formidablen, 35-40 Grad steilen Nordhang gelegt (welche mir damals bei LWS 3 reichlich gewagt vorkam). Doch heute war der Tag da, um hier selbst eine Spur in den Schnee zu zeichnen.

Die Gipfelflanke am Magerrain, mit Steilheit von bis zu 40 Grad. Auch später im Winter präsentiert sie sich oft abgeblasen, Lawinengefahr ist wohl seltener eine Problematik wie die Tatsache, dass zu wenig oder nicht genügend guter Schnee zum Skifahren liegt.

Und es war so gut wie erhofft: solide Unterlage mit einer genial zu fahrenden, pulvrigen Auflage. Bessere Bedingungen für ein solches Unternehmen kann man da wirklich kaum antreffen! Bis auf eine Höhe von 2000m war es wirklich absolut erstklassig. Unterhalb spürte man dann die Auswirkungen vom starken Fallwind, der meinen morgendlichen Aufstieg über die Hänge von Fursch gekennzeichnet hatte. Sprich, da war die Unterlage eher auf der verblasenen Seite. Doch immer noch recht gut zu fahren, so war ich bald retour bei der Alp Fursch, von wo es den letzten Hatscher retour ins Skigebiet zu absolvieren gilt. Zwar sind es netto nur 200hm zur Maschgalugga, dafür rund 3km Distanz, welche einfach nochmals etwas Zeit erfordern.

Blick vom Magerrain auf die malerische Hochebene von Oberen Chämm.

Etwas vor 14.30 Uhr war ich dort angekommen und nahm gerne die Gelegenheit war, ein kühles Getränk in meine Kehle zischen zu lassen. Mein mitgeführter Vorrat war längst aufgebraucht und die lange Runde hatte doch einigen Durst ergeben. Danach wartete noch die fünfte und letzte Abfahrt des Tages auf mich. Dies über die Piste nach Tannenboden, was definitiv kein Highlight mehr war. Hart und abgefahren war es, bisweilen sogar eisig. Dazu in einem engen Bereich viele Leute, manche davon von den Bedingungen eher überfordert. Noch dazu alles im Schatten. Tja, auch das läuft unter Skifahren, für die allermeisten ist das sogar der Standard von diesem Sport. So kommt man nicht umhin zu denken "wenn die Leute nur wüssten, was sonst noch so möglich ist mit den beiden Latten an den Füssen", natürlich nicht ohne gleichzeitig froh zu sein, dass sie es eben nicht wissen...

Der tolle Hang von P.2233 hinunter nach Guetental. Die schattseitige Hammerabfahrt von P.2233 liess sich hingegen leider nicht in gebührendem Lichte bildlich darstellen.

Facts

Magerrain ab Maschgenkamm, total 4 Aufstiege und 5 Abfahrten.
Ca. 1700hm Aufstieg und einiges an Distanz, Ski-Schwierigkeit ca. WS+
Normale Skitourenausrüstung sollte eigentlich immer ausreichend sein
Unterterzen - Maschgenkamm, retour Tannenboden-Unterterzen 20.60 CHF mit Halbtax

Mittwoch, 3. April 2024

Skitour Firzstock (1923m): die Gunst der Stunde genutzt!

Am Sonntagmorgen gab es ein überraschendes Erwachen. Nach einem erneut sehr milden Winter war es Ende März tatsächlich nochmals weiss vor der Haustür. Tagsüber blieb es kalt, trüb und es folgten weitere Schneeschauer – naja, für einmal verschmerzbar, die Efforts vom Zigerschwitz forderten sowieso ihren Tribut. Zeit also, um Arbeit zu erledigen und sich so Zeitfenster für zukünftige Ausflüge bei besseren Bedingungen zu erschaffen. Denn die standen schon vor der Tür, war doch der Montag sehr sonnig angesagt.

Der Gipfelhang am Firzstock vorne, hinten das Massiv vom Mürtschenstock.

Mir war es vergönnt, über die Mittagszeit ein freies Zeitfenster organisieren zu können. Allzu weit würde ich damit nicht kommen, aber für den Firzstock sollte es gerade reichen. Dass der untere Teil der Tour vor den neusten Schneefällen bereits aper war, hatte ich bei meinen Sessions auf der Galerie mit eigenen Augen gesehen. Aber der famose Gipfelhang war noch eingeschneit, zusammen mit dem Neuschnee hoffte ich auf einen lohnenden Mix. Die (Neu)schneekarten nährten meine Zuversicht, aber nichtsdestotrotz, es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang. 

Unten ist schon Frühling, in der Mitte kehrt er rasch zurück, aber oben hat's noch Schnee!

Schon bevor ich den üblichen Ausgangspunkt zur Tour in den Hüttenbergen erreicht hatte, waren die Wiesen weiss – zum Skifahren (noch zu) knapp, allerdings. Die Option Schneetaxi machte sich wieder einmal bezahlt: mit E-Unterstützung (und entsprechendem Fahrkönnen) ging’s bis nach Altstafel (1223m) – aufsteigend mit den Fellen loslegen hätte man wohl bereits bei der Brücke P.1060 können, eine Abfahrt dahin auf dem Rückweg wäre jedoch nicht drin gewesen. Ab Altstafel war es in dieser Hinsicht besser, nur waren die ersten 200hm in Sachen Stollenbildung zum Verzweifeln: an sonniger Exposition unter den Bäumen war es schon pflotschig-feucht, während im Schatten noch eiskalter Powder lag. Dementsprechend anhänglich war der Schnee, durchbeissen bis zum P.1433 war aber die beste Option. Ab da ging es vom Alpweg ins freie Gelände, Zeit für einen Fellwechsel, damit war die Mühsal vorbei.

Wechselzone Bike/Ski, bei Altstafel (1223m), mit einer coolen Anfahrt bis dahin.

Der Rest vom Aufstieg war dann trotz der Spurarbeit purer Genuss: angenehme Bedingungen, super Ambiente und die Aussicht auf eine geniale Abfahrt. Einzig auf dem windexponierten Gipfeldach lag in Gratnähe teils nur eine ganz dünne Pulverauflage auf einer blankgefegten, pickelharten Regenkruste, was mich zu etwas flacherem Gehen und einigen Extra-Spitzkehren zwang. Aber schliesslich war das Top erreicht. Der Blick auf die Uhr verriet, dass zwar noch eine Pause drin lag, die Zeit für Extravaganzen (d.h. einer angedachten Doppelbefahrung der Gipfelpartie) aber nicht mehr vorhanden war – da hatten Stollen, Fellwechsel, Spuren und die Extra-Spitzkehren zu viel Aufstiegszeit gefordert.

Blick zu Walensee, Churfirsten und Alvierkette.

Aber anyway, die Nicht-Wiederholbarkeit einer Tourenabfahrt gibt dem Ganzen ja auch etwas einzigartig-einmaliges, das einen die Sache umso mehr geniessen lässt. Schon im Aufstieg hatte ich die Ideallinie mit einer soliden Pulverauflage identifiziert und die wurde dann zu 100% wie geplant in die Tat umgesetzt – einfach absolut geniales März-Skiing, das Privileg diesen Megahang als Erster befahren zu können, ist ja eh unschlagbar. Bis auf etwa 1350m hinunter gab es Unterlage und damit Top-Conditions. Aber dann war schlagartig fertig, die letzten 50hm zur Alpstrasse erforderten dann sehr defensive Herangehensweise. Aber es ging mit den Ski, ebenso wie die Alpstrasse zurück zum Altstafel, wo sich schon die ersten aperen Lücken aufgetan hatten. 

Fantastische Verhältnisse am Gipfelhang, und das Ende März auf nur 1900m!

Absolut richtig war der Entscheid gewesen, mit dem Bike dahin zu fahren, runter zur Brücke P.1060 wäre es inzwischen ein ständiger Wechsel zwischen Fahren und Gehen gewesen. Mit dem Bike runterzufetzen war ein grosser Spass und erlaubte eine zügige Rückkehr zum Ausgangspunkt – wo flugs die Ware eingepackt wurde, denn mein Freizeitfenster näherte sich schon dem Ende zu. Daheim blieb gerade noch Zeit, um mich frisch zu machen sowie ein kühles Getränk und ein Zmittagplättli bereitzumachen, bevor das erste Meeting bestritten werden wollte.

Mittwoch, 14. Februar 2024

Skitour Rottor (2488m)

Ein weiterer Tag mit hervorragendem Bergwetter stand uns bevor, Zeit für eine Skitour. Die auf den Tourenportalen vorhandenen Einträge berichteten von wechselhaften Schneeverhältnissen. Noch viel mehr gab aber deren geringe Zahl Auskunft - dass nur so wenige Leute unterwegs waren, konnte nicht sein. Sondern das musste der Effekt sein, dass man viel lieber von einer Top-Pulverabfahrt im Internet berichtet als von einem Kampf mit dem Winddeckel oder einem Geholpere über die Zastrugis. Aber sei's drum, mir war die Information mehr als nützlich um zu schliessen, was zu tun war. Die Devise lautete "südexponierte Sonnenhänge für Sulzgenuss" und dies möglichst an einem Ort, wo das Gelände nicht schon zuvor zu einem Acker umgepflügt worden war. Wo liessen sich derartige Bedingungen besser finden als auf einer weiteren Tour zu einem No-Name-Gipfel, wo der untere Teil schon schneefrei war?!?

So geht Skitouren heutzutage: unten grün, oben weiss. In Bildmitte der Grat mit den Tourenzielen Heustock (2355m), Rottor (2488m), Bützistock (2496m) und nochmals Heustock (2470m). Den letzteren hatte ich bereits einmal im Rahmen einer Skitour bestiegen. Diese Tour liegt allerdings auch schon 20 Jahre zurück, damals lag noch Schnee ab Engi. 

Der Start zur Tour vollzog sich in Engi an der Hauptstrasse bei P.772, wo kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen. Von Schnee war weit und breit keine Spur vorhanden, ohne das Bike hätte man die Bretter sehr lange Tragen müssen. Aber Schneetaxi sei Dank waren die 4.5km auf der aperen Strasse zügig erledigt. Bei der Brücke P.1168 konnte das Gefährt deponiert werden, ab da war eine durchgehende Schneedecke vorhanden. Die Würfel über die genaue Ausprägung der Tour fielen wenig später. In Richtung Skihütte Mülibach wäre erst ein aperes Stück zu bewältigen gewesen, noch dazu schien der direkte Südaufstieg zum Rottor von Gleitschneeaktivität betroffen. Somit also den Blinker gesetzt und links abgebogen auf die Route zur Widersteinerfurgglen.  

Fantastische Frühlingsbedingungen im Aufstieg mit Blick zu den Tschingelhörnern am Horizont.

Einsamkeit pur herrschte da und bald auch war die tragende Schneedecke glatt wie ein Babypopo - perfekte Frühlingsverhältnisse für den Aufstieg und für die Abfahrt konnte ich mich auf Selbiges freuen. Einmal im Sattel angelangt, heisst es auf der Nordseite etwas ausholend und über ein System von mehreren Rampen und Terrassen der Skiroute zum Gipfel des Heustock (P.2355) zu folgen. Diese Hänge erfordern zwingend ganz sichere Bedingungen, die jedoch gegeben waren. Die Unterlage war auch da sehr kompakt und mit einer Schicht Presspulver garniert. So gelangte ich ohne Schwierigkeiten hinauf zum Grat und dem als Heustock benannten Kulminationspunkt. 

Blick auf die Nordhänge, in Bildmitte Rottor (2488m), rechts der Heustock (2355m).

Für die Fortsetzung zum Rottor gilt es dann die Wildruhezone zu beachten, welche nordseitig bis hinauf zum Gratverlauf gilt. Wobei man sagen muss, dass dieser Weiterweg skifahrerisch rein gar nichts bringt und nur dem Gipfelsammler einen oder allenfalls zwei Zusatzpunkte bringt. Ich deponierte die Bretter und stieg gesetzeskonform auf der sonnigen Seite des Grates auf. Auch der Gipfel vom Rottor lässt sich von Süden gut erreichen, wobei ein paar Kletterzüge aber zwingend sind (ca. T5, II). Noch imposanter wäre der Gipfel vom Bützistock (2496m), welcher auch den höchsten Punkt im Gratverlauf darstellt. Doch schien dessen NW-Grat erst noch von der machbaren Sorte zu sein, so ist er doch beidseitig steil und exponiert, zusammen mit der Verwächtung fiel der Entscheid zum Verzicht schnell und eindeutig.

Der Bützistock (2496m) mit seinem Verbindungsgrat zum Rottor. Aus dieser Perspektive dachte ich mir noch, dass es gehen könnte. Doch die Nordseite ist ebenso steil abfallend und der Grat mit seinen verwächteten Schneehauben sehr schmal. Das wäre ein 'bel casino' gewesen.

Somit auf demselben Weg zurück zum Skidepot, wo es noch die Entscheidung in Sachen Abfahrtsroute zu fällen gab. Die südseitigen Bütziplanggen sahen schon echt formidabel aus und lockten sehr - wenn da nicht die gewaltigen, fast gletscherspaltigen Gleitschneerisse mit 1.5-2m Mächtigkeit gewesen wären. Man hätte zwar eine Linie links davon finden können und die Wahrscheinlichkeit, dass da gerade im falschen Moment etwas abgegangen wäre, schien doch sehr klein. Aber wenn, dann... Somit setzte ich auf die sicherere Option und zog erst einige ganz passable Schwünge im Presspulver der Nordhänge. Bei einer Lücke auf 2170m konnte ich dann ohne den Umweg über die Widersteinerfurgglen in die SW-Hänge stechen. Es folgten nun mehrere Hundert Höhenmeter an rassig-genialem Sulzgenuss - wirklich absolut perfekte Bedingungen, wie sie besser nicht sein könnten!

Riesige Gleitschneerisse mit gewaltiger Anrisshöhe (kommt auf dem Foto leider nicht so zur Geltung).

Erst im Bereich unter 1400m war dann etwas Slalom zwischen den Blöcken hindurch gefragt, ebenso ist das dort engere Gelände nicht mehr ganz so abfahrtsattraktiv. Einwandfrei fahrbar aber schon, und das bis zum Bikedepot, wo die Ski an den Rucksack angeschnallt wurden. Eine rasante Schussfahrt von wenigen Minuten später war diese Tour "im Kasten". Es machte sich das "Jackpot-Gefühl" breit 😃 Ich hatte ja schon vermutet, auf gute Bedingungen zu treffen, aber solch einen Knaller hatte ich dann doch nicht erwarten können. Der Skitourenwinter 2024 meint es scheinbar echt gut mit mir 🤘🏼 Aber nicht nur der: am Folgetag stand wieder Sportklettern auf dem Plan. Und da lief's rund, die bereits im Jahresrückblick erwähnte 8a+ musste sich mit etwas Verspätung (nach meiner Wunschagenda) doch ergeben 💪🏼

Formidables Skigelände, vom rechten Bildrand her bin ich da eingefahren.

Facts

Rottor (2488m) ab Engi Vorderdorf (772m)
Total 1720hm, Ski-Schwierigkeit ZS. Achtung, Wildruhezone beachten!
Bis Heustock normale Skitourenausrüstung, für Rottor Steigeisen empfehlenswert