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Dienstag, 17. August 2021

Rienzwand - Hat Spass gemacht (6b+)

Am Vortag hatten wir es am zweiten Tag unserer Reise noch bis nach Südtirol geschafft, doch bis zum Einstieg einer gelobten Dolomitenkletterei war es immer noch ein ziemlich langer Weg. Kam hinzu, dass wir auf der Weiterfahrt im Pustertal eine Ewigkeit im Stau standen - abseits der Hauptreisezeit ziemlich unerklärlich, aber was soll's. Dank sicherem Wetter sollte es aber für eine Tour im Rienztal trotzdem noch reichen. Mit 14 Seillängen und ~500 Klettermetern handelt es sich bei der hier beschriebenen Route zwar nicht um ein wirklich kurzes Unterfangen. Da die Route aber sehr gut abgesichert ist und mit zügig abspulbarer Wandkletterei aufwartet, lässt es sich effizient auf die Tube drücken. Auch der Abstieg ist nicht eben kurz, verläuft aber nicht in alpinem Gelände sondern über Wanderwege, die nötigenfalls auch im Stirnlampenlicht zu beschreiten wären...

Die gewaltige Mauer der rund 500m hohen Rienzwand mit Ein- und Ausstieg von 'Hat Spass gemacht'

Um 12.20 Uhr liefen wir schliesslich vom Parkplatz gegenüber dem Hotel Tre Cime los (7 Euro pro Tag, kostenlose Plätze etwas weiter der Hauptstrasse entlang Richtung Cortina). Auf einigen Webseiten wird für den Weg ins malerische, relativ flache Rienztal ein Bike empfohlen. Was trotz der schottrigen Strasse zeitsparend wäre, aber es ist auch klar ausgeschildert, dass Fahrräder in diesem Tal nicht geduldet werden. Wir hatten keine Räder dabei, marschierten aber zügig los, so rückten die eindrücklichen Wände bald einmal ins Blickfeld - wow, ein solcher Anblick ist immer wieder ergreifend! Nach ~40 Minuten hatten wir die Stelle erreicht, wo der Bach überquert und zur Wand aufgestiegen werden muss. Ein deutlich ausgeprägter Steig führt durch die Bäume und am Rand einer Geröllhalde hinauf und quert zuletzt mit leichtem Höhenverlust nach links zum Einstieg. Dieser befindet sich ca. 10m rechts vom tiefsten Punkt der Wand und ist nicht (mehr) näher bezeichnet. Zwei (mässig nützliche) SU-Schlingen sind jedoch noch da und während die verzinkten, einstmals goldgelben Fixé-BH durch die Korrosion farblich schon dem Fels angeglichen sind, wird das spähende Auge sie schon erblicken. Der Zustieg hatte uns total 50 Minuten gekostet, nach dem Schuhwechsel stiegen wir um 13.20 Uhr ein.

L1, 35m, 6b: Ein fulminanter Auftakt, in manchen Beschreibungen wird diese Länge gleich als die (oder zumindest eine der) schwierigsten der Tour beschrieben. Sicherlich weist sie recht anhaltend steile Kletterei auf, gewürzt mit der einen oder anderen Herausforderung und man muss sich ja auch immer erst an Wand und Fels gewöhnen. Ob's wirklich schwieriger ist wie weiter oben, vermag ich jedoch nicht sicher zu sagen.

Die erste Länge (6b) gleich gepackt. Und wie man sieht, 13.51 Uhr, der Einstieg gerade noch schattig.

L2, 50m+, 6b: Der steile Bug oberhalb wird rechtsherum umgangen, nach einem noch moderat schwierigen Auftakt geht's in steiler, gutgriffiger Kletterei zur Sache, was mich nicht wesentlich einfacher wie die Anforderung in L1 dünkte. Man steigt schliesslich auf eine weniger steile Zone aus. Erst der nach rechts ziehenden Rampe entlang, dann aber direkt hoch und zuletzt in flachem Gelände zu "Seil aus" und Stand - je nach Schrumpfung des Stricks kommt wohl das eine oder andere zuerst. Die eine oder andere Sicherung will hier gut verlängert sein, ansonsten wird es unangenehm!

L3, 35m, 6b: Anhaltend steile, homogene Wandkletterei in gelbem Fels, mit vielen BH gut abgesichert. Ja, hier kann man durchaus etwas Pump fühlen, je nach individueller Fitness halt mehr oder weniger. Teils ist der Fels ein wenig splittrig, aber alles im grünen Bereich: es finden sich mehr als genügend solide Griffe.

Nachstieg in L3 (6b), einzelne BH sind wie man sieht teils etwas ausserhalb der direkten Linie.

L4, 25m, 6b+: In dieser Seillänge stellt vor allem der Auftakt aus dem Stand hinaus die Challenge. Dies schon nur in der Routenwahl, man kann nämlich sowohl links wie rechts von den Standhaken und der Sicherungsperson anpacken. Es bedürfte dem Ausprobieren beider Varianten um die einfachere zu benennen. Für mich funktionierte es linkerhand gut, auch wenn dies bis dato sicherlich die schwierigsten Moves waren und ein '+' verdienen (A0 wäre hier sicher gut möglich falls nötig). Danach eine Linksecke klettern und in weniger steilem, griffigen Gelände zum nächsten Stand.

L5, 30m, 6a: Prima Wandkletterei in sehr griffigem, grauem und festem Fels. Hier kamen wir nun richtig in den Kletterfluss, man könnte beinahe von einer Speed-Begehung sprechen. Einfach stetig aufwärts, der nächste Griff ist genau da, wo man ihn braucht und für die Füsse passt es auch immer.

Sehr schöne Wandkletterei in prima strukturiertem Fels, richtiges Cruising-Gelände in L5 (6a+).

L6, 30m, 4b: Hat den Charakter einer Überführungslänge. Zuerst unschwierig zu einem Schuttplatz hinauf, dann die Wand darob anpacken. Der Standplatz liegt etwas links ausserhalb und ist von unten kommend erst nach den BH der folgenden Länge erkennbar. Man könnte ihn bestimmt auch gut links liegen lassen und L6 & L7 linken, 50m-Seile dürften wohl knapp (oder knapp nicht) reichen, wobei im schlimmeren Fall gut kurz gemeinsam gestiegen werden könnte.

L7, 25m, 6a: Erst folgt man in für einmal beinahe klassischer Manier dem markanten Riss bzw. der fast kaminähnlichen Verschneidung. Hier könnte man noch viel mehr Höhe machen, doch irgendwann wurde es den Erschliessern zu bunt und sie querten wieder nach links in die griffige Wand hinaus. 

L8, 45m, 6b+: Diese Seillänge sticht noch einmal deutlich aus den anderen heraus. Das liegt daran, dass man nach dem Auftakt, den man linksherum angeht, bald einmal auf eine deutliche Crux an einem Wulst trifft, der mit kleingriffigen Leistenzügen überwunden wird. Ich fand diese Stelle deutlich anspruchsvoller wie das übliche Gelände an diesem Berg. Danach geht's aber in gewohntem Stil und wieder einfacher weiter.

Hier kriegt man einen hervorragenden Eindruck von L8 (6b+) - das Foto ist aber echt von da!

L9, 25m, 6a+: Laut dem Topo der Erschliesser wird auch diese Länge wie jene davor mit 6b bewertet, doch hier haben wir keine schwierige Stelle angetroffen. Erneut sehr schöne und griffige Wandkletterei, richtiges Cruising-Gelände.

L10, 25m, 6a: Es gilt genau dasselbe wie für die Länge davor, griffiges Cruising-Gelände ohne besonders markante Stellen - einfach ein bisschen weniger steil wie in der Länge davor. 

L11, 25m, 6a+: Hier wirft vor allem der Start gewisse Fragezeichen auf. Der Wulst sieht ganz direkt über den Haken geklettert eher schwierig aus, rechts oder links geht's kommoder. Bloss auf welcher Seite?!? Die Schleifspuren der Exen am Gestein bezeugen, dass die Stelle auf beiden Seiten angegangen wird - und so schwierig war's dann auch nicht, mit 1-2 athletischeren Zügen war es erledigt. Man mündet dann in eine Verschneidung ein, für einmal etwas Abwechslung von der üblichen Wandkletterei.

Ausstieg aus der Verschneidung am Ende von L11 (6a+). 

L12, 50m, 5a: Von Stand 11 besteht die letzte, sinnvolle Rückzugsmöglichkeit durch Abseilen. Wer hier also weiterklettert, ist fast gezwungen nach oben auszusteigen, weil man sonst beim Seil abziehen sicherlich viele Steine lösen würde. Mit einer markanten Rechtsquerung peilt man in griffig-einfachem Gelände die grosse Verschneidung an. Dieser entlang geht's aufwärts, wobei man interessanterweise fast ausschliesslich in der Wand links vom Winkel klettert. Achtung Seilzug, Halbseiltechnik und lange Exen helfen.

Der markanten Verschneidung entlang führt L11 (dank griffigem Gelände nur 5a).

L13, 35m, 5c: In den letzten beiden Seillängen nimmt die Route doch eine eher spezielle Linie. Links könnte man in der Wand wohl ziemlich einfach das Top erreichen. Aber gut, da liegt doch eine ganze Menge an losen Steinen herum und der gewählte Weg durch ein steiles Kaminsystem ist originell und bietet einen spannenden Abschluss. Zuerst geht's auf dieser Seillänge ungesichert über Stufen hinweg, dann eben steil hinauf an einem Riss bzw. einer Verschneidung in Richtung des markanten Kamins.

Durch das tiefe dunkle Loch leicht rechts der Bildmitte führt die Route

L14, 35m, 6a+: Mit der Erwartung einer 6a+ laut Topoguide bin ich in diese Seillänge gestiegen. Erst in Kamintechnik, später dann in der Wand links. Leichter kam es mir ehrlich gesagt auch nicht vor, aber wie meine holde Angetraute mir später verraten hat, soll ich mich hier ungeschickt angestellt haben. Auch das Originaltopo wirft hier eine lapidare 5+ aus. Einmal dem Kamin entronnen, geht's noch über eine Stufe hinweg zum Ausstieg. Den letzten Stand macht man an 1 BH und an Latschen befestigten Schlingen, er ist rechts etwas unscheinbar und versteckt.

Geschafft! Das ist der Ausstieg der Route in L14 (6a+).

Um 19.00 Uhr und damit nach gut 5:30 Stunden Kletterzeit hatten wir das Top erreicht. Das war (für uns) nun wirklich eine Express-Onsightbegehung gewesen, schneller wäre es nicht möglich gewesen. Wir schnürten subito die Schuhe und machten uns auf die Socken. Der führt erst noch etwas aufwärts durch die Latschen hindurch und über ein paar Stufen hinweg nach Süden. Einen richtig deutlichen Weg gibt es nicht, trotzdem ist die Passage gut zu finden. Man erreicht schliesslich ein Plateau, auf welchem man etwas linkshaltend die Langenalm erreicht (19.30 Uhr). Dies mit atemberaubenden Blick auf die Nordwände der Drei Zinnen, wirklich fantastisch!

Die Hütte der Langenalm mit fantastischem Blick auf die Nordwände der Drei Zinnen.

Erinnerungen an meine Begehung der Nordwand der Grossen Zinne über die Hasse/Brandler keimten auf und eine weitere, spannende Idee lag auf der Hand - das Pfeifhofer-Enchainment nämlich. Hat doch der Erschliesser der 'Hat Spass gemacht' mit der 'Petri Heil' in der Nordwand der Westlichen Zinne eine 19-SL-Tour hinterlassen, welche ideal angehängt werden könnte. Nun denn, wir waren tageszeitlich schon etwas zu spät unterwegs für dieses Vorhaben, die 'Petri Heil' kletterten wir zwar schon, aber nicht mehr an diesem Tag. Also mussten wir uns um den Weg ins Tal kümmern. Vermutlich gibt es aus der Umgebung der Langenalm einen direkten Steig hinunter ins Rienztal?!? Jedenfalls sieht es von unten sehr wohl danach aus und wir gingen davon aus, dass wir den Einstieg in diesen Schnellabstieg problemlos finden würden. Dem war aber nicht so, wir gingen dem markierten Weg Nr. 105 entlang, trotz offenen Augen konnten wir den Abzweig nicht entdecken und die für uns verfügbaren Beschreibungen waren alle zu vage und unklar.

Die Zinnen in ihrer ganzen Pracht - davon kann man nicht genug bekommen!

Bald einmal stellten wir fest, dass wir den Abzweiger definitiv verpasst haben mussten. Also liefen wir weiter auf dem markierten Weg - was sicherlich einen markanten Umweg bedeutet, dafür aber eine wirklich sehr genussreiche Wanderung darstellt mit Top-Blicken auf die Nordwände der Drei Zinnen. Um diese Zeit waren so gut wie keine Leute mehr unterwegs, wir genossen einen fantastischen und sichtigen Sommerabend, besser hätte es nicht sein können, um noch etwas zu wandern und die Ausblicke zu geniessen. Schliesslich liess sich unter der Drei-Zinnen-Hütte dann eine Ecke abkürzen (Pfade gut sichtbar), bevor es ins Rienztal hinunterging (20.00 Uhr). Aber nicht ohne bei einem Tümpel noch hervorragende Bilder der Zinnen inklusive Spiegelung zu schiessen - so genial!


Nun hiess es aber, die Hinteren hervor zu nehmen. Noch immer stand uns eine längere Strecke zum Ausgangspunkt bevor. Und dummerweise hatten wir auf der Anfahrt weder Quartier noch Nachtessen organisiert, auf der Tour war dies mangels Handyempfang auch nicht möglich. Da Kathrin die besseren Schuhe für einen Trailrun trug ;-) wurde sie vorgeschickt, während ich den Sherpa spielte. Ihre Aufgabe hat sie mit Bravour erledigt: mit dem Beizer des Tre Cime einen prima Deal ausgehandelt und bis ich um 21.20 Uhr nach ziemlich genau 9:00 Stunden für die ganze Runde ins Wirtshaus (mit schon geschlossener Küche) trat, stand bereits ein kühles Bier, ein würzige Gerstensuppe und ein Piatto mit Fleisch, Käse und Brot auf dem Tisch. Das war ein mehr als gelungener Abschluss einer hervorragenden Tour :-)

Sicht aus der Wand auf das Rienztal, durch welches Zu- und Abstieg führen.

Facts

Rienzwand - Hat Spass gemacht 6b+ (6a+ obl.) - 14 SL, 480m - H. Pfeifhofer et al. 2011 - ****;xxxx
Material: 1x50m-Seil, 14 Express (davon 4-6 verlängerbar), Cams/Keile nicht nötig

Für lokale Verhältnisse sehr gut, aber nicht übertrieben mit BH abgesicherte Klink & Go Route durch eine eindrückliche Dolomitenwand. Die stets griffige, steile Wandkletterei ist an sich hervorragend, weist aber nicht so viel Abwechslung und markante Kletterstellen auf. Konkret heisst das, dass man auf den fast 500 Klettermetern erstaunlich selten je überlegen muss, wie man eine Stelle zu lösen hat. Topos zur Route findet man in diversen Dolomiten- und überregionalen Auswahlführern à la Topoguide oder Moderne Zeiten. Oder auch hier das wenig detaillierte Originaltopo. Wobei es zu sagen gilt, dass man einmal auf der richtigen Fährte den Weg dank den zahlreichen BH kaum mehr verfehlen wird.

Montag, 9. August 2021

Precipizio di Strem - Niente Paura (6c)

Nachdem wir über den Splügenpass nach Italien gereist waren, wollten wir am zweiten Tag des Trips mit Kathrin eine weitere MSL anpacken. Weiter östlich in den Dolomiten waren noch immer Schauer im Programm, während es in der Region Chiavenna zwar wechselnd bewölkt aber trocken bleiben sollte. So schien es die richtige Strategie, noch vor Ort zu bleiben und endlich einmal der eindrücklichen Wand des Precipizio di Strem im Val Bodengo einen Besuch abzustatten. Unsere primäre Absicht war eine Begehung der gängigsten und auch im Plaisir Sud aufgeführten Route namens 'La Ragnatela'. Gekommen ist es schlussendlich ein wenig anders... Ich hüte mich ja auf diesem Blog generell davor, auf die Führerliteratur zu schimpfen. Meist liegen solche Probleme mehr bei der mangelnden Vorbereitung der Aspiranten wie an tatsächlichen Nachlässigkeiten der Autoren. Zudem weiss ich aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, träfe und stets aktuelle Infos aus überregionalen Gebieten zu verbreiten. Doch auf dieser Tour war es unter dem Strich schon so, dass die Gegebenheiten vor Ort nicht so wirklich mit unseren angelesenen Erwartungen übereinstimmten.

Der Precipizio di Strem im Val Bodengo mit dem (ungefähren) Verlauf der Route 'Niente Paura'.

Anyway, zuerst gilt es in Gordona in der Bar Doc die Tagesbewilligung für das Val Bodengo (10 Euro) zu lösen und dann über die schmale, kurvenreiche und zuletzt nicht mehr asphaltierte Bergstrasse den Ausgangspunkt bei Corte Terza zu erreichen (ca. 30-40' ab Chiavenna). Vom Parkplatz ist die Wand bestens sichtbar und es gibt im Groben keine grossen Fragezeichen, wo der Weg entlang geht. Links an den Häusern vorbei, über die Wiesen hinauf zum Waldrand. Von dort gäbe es tatsächlich schwache Wegspuren, welche zum Einstieg führen. Man muss dafür zu Beginn eher links in noch halboffenem Gelände halten, die Spur touchiert später sogar die Bachschlucht, die links drüben von der Wand hinunterzieht und quert von dort wieder in den Wald zurück. Nun denn, das stellten wir erst im Abstieg fest, im Aufstieg verkofferten wir uns auf die Diretissima. Was grundsätzlich problemlos ist, der Wald ist gut begehbar wenn auch weglos, nur fehlt einem leider im dichten Laubwerk bald einmal die Übersicht, wo man sich befindet. Weiter oben wird das Gelände nämlich mehr oder weniger überall felsig, aber wo genau sich der Tourenstart auf den kompakten Placche dell' Aquila befinden würde, erforderte durchaus Sucharbeit und Spürsinn. Irgendwann erblickten wir schliesslich das Fixseil, das über eine erste Stufe hinaufhalf, danach war sogar ein Holzschild angebracht, das zum an sich logischen Ausgangspunkt leitete. 

Endlich fündig geworden! Am Einstieg, ganz offensichtlich gilt hier: unten plattig, oben steil!

Das Problem an dieser Stelle war einzig, dass im Plaisir Sud nur eine einzige Linie (mit Verzweigung nach Hälfte der ersten Länge) verzeichnet war. Im lokalen Büchlein Chiavenna Rock waren es deren 3 Stück, doch vor Ort waren mehrere Linien sichtbar und die Gegebenheiten weder mit der einen oder der anderen Skizze in Einklang zu bringen. Das spielte insofern auch keine grosse Rolle, als dass sich die ersten 3 Seillängen im plattigen Fünfergelände abspielen sollten, womit wir ja keine Probleme haben. In der Gegend von 11.00 Uhr kletterten wir los. L1 (50m, ca. 5b) war dann auch tatsächlich gutmütig, ebenso gut mit Inox-BH saniert - aus den verschiedenen Optionen wählte ich jene ganz links, den Instruktionen im Plaisir Folge leistend. In L2 (50m, ca. 6a+) ging es noch nicht viel schwieriger los, bald aber wurde es steiler, kompakter und ernster - die Absicherung war mehr und mehr verpflichtend, das Hakenmaterial alt und verrostet und vor allem schien am Ende der Länge der Weg nach oben aufs Band gar nicht mehr eingerichtet. So schlug ich mich in L3 (50m, ca. 5c) in einer Quasi-Erstbegehung nach rechts durch (dabei noch 2 Möglichkeiten für Cams gefunden), bis ich schliesslich auf die wieder mit neuen Inox-BH ausgerüstete Linie der Niente Paura traf, welche ich bis zum Stand auf dem Band am oberen Ende der Aquila-Platten und vor dem steilen Wandteil erreichte. 

Genussvolle Plattenkletterei in schön strukturiertem Fels auf den Aquila-Platten. Allerdings sind auf diesen Platten nur die ersten Seillängen richtig gut mit Inox-BH saniert, nachher wird die Absicherung spärlich und der Verlauf der diversen alten Linien unübersichtlich und mit keinem unserer beiden Topos vereinbar.

Hier nun schlug der Plaisir die Querung zum Start der Ragnatela vor. Doch man hätte sich hier in nach T6 aussehendem Gelände durch den Dschungel schlagen müssen, ein Weg in diesem Sinne war nicht vorhanden... zusammen mit einem Blick in den lokalen Führer, der für diese Querung 3 Seillängen im Grad 4a vorschlägt und unserem Zeitbudget schien es schliesslich die bessere Option, die verbleibenden 6 Seillängen der Niente Paura bis zu deren Ende zu verfolgen. Deren Linie war/schien attraktiv, mit Inox-BH gut abgesichert und während ich die Ragnatela nicht kenne würde ich sagen, dass sie sicherlich ein genauso wertvolles Ziel hergibt.

Kann hier jemand einen Weg erkennen? Der Plaisir Sud schlägt als Zugang zur Ragnatela die Querung über das grasig-dschunglige Band (leicht rechts der Bildmitte, am Fuss der steilen Wand) ganz nach links hinüber und um die Ecke vor. Wegspuren gibt es keine und eine Begehung ist sicherlich sehr beschwerlich...

L4, 30m, 6a: Über eine Platte an die Wand heran, dort dann steiler in hervorragend strukturierter, gneisiger Wandkletterei hinauf. Die Haken stecken ein bisschen kreuz und quer, die Erstbegeher haben sich im Verlauf der Erschliessung wohl 2-3x umentschieden über den weiteren Verlauf. Mit langen Exen und Halbseiltechnik aber kein Problem.

Sehr schöner Gneis, optimal strukturiert, ein richtiger Genuss zum Klettern (L4, 6a).

L5, 30m, 6a+: Erneut sehr schöne Kletterei an prima strukturiertem Gneis mit sloprigen Leisten, was mich sehr an die Kletterei am Pizzo d'Eus erinnert hat. In der Mitte muss man sich für den vorgeschlagenen Grad zwischendurch schon ganz ordentlich festhalten! Am Ende dann über eine Grasrampe nach links zu bequemem Stand.

Das Ende über die Grasrampe in L5 (6a+) ist wenig fotogen, rechts am Bildrand der Parkplatz.

L6, 35m, 6a+: Ähnliches Programm wie zuvor, sehr schöne Kletterei in strukturiertem Gneis. Gegen oben hin legt sich die Wand ein wenig zurück, wir programmiert wird auch die Struktur weniger, so dass die Anforderung konstant bleibt. Gegen Ende hin heisst es dann schon, seinen Weg ziemlich sorgfältig zu planen!

Toll dieser Fels - strukturierter Gneis mit Quarzadern hilft einem in L6 (6a+).

L7, 35m, 6b: Die Wand wird hier kompakter und plattiger - was unscheinbar aussieht, erfordert einige knifflige Moves an kleinen Leisten. Einige kleine Rinnsale mussten ebenfalls über- oder umklettert werden, d.h. man kann hier nicht darauf zählen, jeden Griff/Tritt wirklich nutzen zu können. Scheinbar ist das oft so, da es unter dem Steilriegel oberhalb rausdrückt... das Finish bin ich dann in etwas botanischer werdenden Gelände gegen die offensichtliche Verschneidung geklettert, in welcher die Route weiterführt. Der Stand ist aber 3-4m links und musste in einer etwas unerfreulich-schlonzigen Querung deutlich über der letzten Sicherung angeklettert werden.

L8, 40m, 6c: Die Signature Pitch der Route! Zuerst geht's die Querung vom Ende der letzten Seillänge zurück - immer wieder erstaunlich, wie viel leichter es sich klettert, wenn man von links oben gut gesichert ist, statt 7m über dem letzten Haken zu klettern ;-) Dann in die steile Verschneidung hinein, welche athletische 3d-Kletterei bietet. Erst geht's mit Spreizen und Drücken in die Höhe, die Absicherung mit Inox-BH ist eng gesetzt. Später hält man sich dann mehr links in der Wand, es folgt die Crux. Gutgriffig und athletisch, auch ordentlich gesichert, aber doch recht zwingend! Total lässige Sache aber! Zum Ende hin dann an guten Schuppen wieder etwas nach rechts, wobei das letzte Stück mit Cams mobil gesichert werden muss.

Die tolle überhängende Verschneidung von L8 (6c) kommt im Rückblick nicht zur Geltung.

L9, 40m, 6b: Vorerst nach links hinauf über die Rampe (BH nicht gut sichtbar), an der Ecke (weiterer BH) dann direkt griffig hinauf. Die Wand legt sich wieder etwas zurück, die ganz grossen Schwierigkeiten warten nicht mehr - allerdings steckt auch nicht mehr viel und die Orientierung ist nicht ganz einfach. Einfach der Nase nach (den logischen Weg nehmen) und man ist richtig. Vom vermeintlich letzten Haken dann rechts an die Schuppe (Cams), ob dieser kommt nochmals ein (nun tatsächlich letzter) BH, bevor man sich über eine steile grasig-buschige Rampe (etwas heikel!) links hinauf kämpft und dort tatsächlich die Standhaken findet. Unter dem Strich wäre es vermutlich gescheiter gewesen, die Erschliesser hätten die Route beim vorletzten BH zu Beginn der Schuppe beendet - doch ich kann die Emotion, ganz zum Top zu wollen, sehr gut nachvollziehen!

Grasig-heikle Dschungel-Einlage zum Ende der Tour in L9 (6b).

Um 15.45 und somit nach rund 4:45 Stunden Kletterei waren wir am Top angelangt. Da wir noch weiter in die Dolomiten wollten, galt es keine Zeit mehr zu verplempern und wir fädelten subito die Seile. Wir hatten die 2x50er-Seile dabei, trotzdem kann man ein paar Stände überspringen. Unser Programm lautete 9->8->6->4->2->1->Boden, d.h. in 6 Manövern und zum Glück ohne Seilverhänger war die Sache erledigt, wobei die Stricke mehrmals bis zur letzten Faser ausgereizt wurden (ggf. 2x60m mitbringen!). Im Abstieg gelang es uns dann ohne Schwierigkeiten, dem Zustiegspfad zu folgen. Im Wald ist der recht gut sichtbar, während der Verhauer am Waldrand tatsächlich fast programmiert ist. Nun ja, im Rückblick spielte das alles keine grosse Rolle mehr - an diesem Tag war nicht alles ganz so verlaufen, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Niente Paura hatte aber sehr schöne und lohnende Gneiskletterei geboten, da waren wir gut auf unsere Kosten gekommen :-) Auf uns wartete noch etwas Einsatz hinter dem Steuer... wer hätte gedacht, dass die Dolomiten noch so weit entfernt wären, nachdem wir ja schon auf italienischem Boden waren?!? Aber naja, wir bekamen noch eine feine Pizza und ein gutes Nachtquartier und kletterten am nächsten Tag tatsächlich in Südtirol - alles bestens also!

Überhängender Abseiler über die Cruxlänge (L8, 6c), mit Ausnutzen der Seildehnung lässt sich L7 gleich mitnehmen.

Facts

Precipizio di Strem - Niente Paura 6c (6b/+ obl.) - 9 SL, 350m - P. & D.Guanella, M. Bertolini 2007 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile (2x60m angenehmer, wer hat), 14 Express, Cams 0.3-1

Sehr schöne Gneiskletterei ganz auf der rechten Seite am Precipizio di Strem. Die Route beginnt mir 3 geneigten Seillängen über die Placche dell'Aquila. Man kann diese (vermutlich) vom offensichtlichen und ausgeschilderten Einstieg rechtshaltend verfolgen, original beginnt die Route aber wohl ca. 15m weiter rechts im Gebüsch, wobei die Inox-BH am Anfang auf den easy Platten eher spärlich stecken. Die Seillängen an der Hauptwand bieten steilplattiges Gelände in prima strukturiertem Gneis, der wirklich sehr genussvoll zu beklettern ist. Die Krönung ist die Cruxlänge durch die steile Verschneidung, welche mit athletischer 3d-Kletterei aufwartet. Die Route ist mit Inox-BH gut ausgerüstet, die Cruxen sind eng geboltet und auch sonst ist die Absicherung immer vernünftig - sprich irgendwas zwischen xxx und xxxx. Ganz vereinzelt kann/muss mit Cams ergänzt werden, wobei ein kleines Set von 0.3-1 ausreichend ist. Eine vollständige Übersicht über die Routen am Precipizio di Strem gibt's im Kletterführer Chiavenna Rock, wobei die Angaben nicht überaus präzise sind. Auf dem Netz findet man ein PDF mit ähnlichen Infos wie in diesem Führer sowie einen weiteren Beschrieb der Niente Paura auf italienisch.

Sonntag, 25. Juli 2021

Chiavenna - Parete del Castagneto - Bamboccioni Volanti (7a)

Auftakt zu einem kleinen MSL-Trip mit Kathrin! Für den ersten Tag war einiges an Engineering zur Identifikation eines geeigneten Ziels notwendig. Vielerorts waren sintflutartige Regenfälle gefallen und hatten die Felsen unter Wasser gesetzt, das Wetter versprach längst nicht überall eitel Sonnenschein, die Strassen Richtung Süden waren mit Staus blockiert und dass wir erst Mitte Vormittag los konnten, nachdem die Kinder in ihr Trainingslager aufgebrochen waren, machte es auch nicht einfacher. Doch auf der Südseite des Splügenpasses sollte es mit Nordföhn trocken sein, es war in den Vortagen nur moderat Niederschlag gefallen und als Alternativroute in den Süden ist dieser Weg immer eine gute Wahl. Auch die Route mit ihren 7 SL und nur 10 Minuten Zustieg schien realistisch - es blieb einzig die Frage, was wir denn erwarten durften, gab doch das Netz überhaupt keine Informationen her.

Blick von der Strasse auf die Parete del Castagneto mit dem Verlauf der Bamboccioni Volanti (7a).

Der Ausgangspunkt befindet sich genau hier, wenig talabwärts vom Santuario von Gallivaggio. Man folgt erst ca. 100m der Schotterstrasse bis vor einem im Wald versteckten Wohnhaus ("Proprieta Privata") und folgt unmittelbar davor einem Pfad, der rechts in den Wald abzweigt. Diesem ein paar Minuten (ca. 300m?) entlang, bis er sich ein wenig verliert und es auch subjektiv günstiger scheint, nun direkt zur Wand hochzusteigen. Spuren fanden wir da so gut wie keine, aber das Gelände war gut begehbar - wir haben unsere Fährte mit Steinmännern markiert. Von dem Punkt, wo wir den Wandfuss erreicht hatten, mussten wir noch ca. 150m nach links (Norden) queren. Der Einstieg befindet sich relativ unscheinbar an einem ca. 10m hohen Vorbau mit erst einem dünnen Riss und dann 2 BH an der Wandstufe. Offenbar ist die Bamboccioni nach wie vor die einzige Route in dieser Wand, somit ist die Gefahr für einen Irrtum klein und auch am Einstieg haben wir einen Steinmann gebaut. Knapp vor 15.00 Uhr stiegen wir schliesslich ein.

Hier geht's los, der dünne Riss und die überhängende Wand danach!

L1, 40m, 6c: Irgendwie sieht dieser Vorbau klein-niedlich aus, aber ich hatte mit Kennerblick schon vermutet, dass man da nicht 'gratis' durchkäme. Schon die ersten Meter an der Rissspur sind nur mässig griffig, die Wandstufe dann sogar richtig giftig. Überhängend-athletisch, knappes Trittangebot, zum Glück erscheinen ein paar unverhofft positive Crimper, die man aber gleich ordentlich zuballern muss. Mit einem Mantle wird man schliesslich auf den Vorbau entlassen und steigt über Blöcke zur Hauptwand. In steiler Wandkletterei an gutgriffigen Schuppen erreicht man den Stand, zuletzt musste auch noch ein Cam platziert werden.

Kräftige Kletterei an griffigen Schuppen im oberen Teil von L1 (6c).

L2, 35m, 7a: Was für ein Feuerwerk an tollen Kletterstellen wartet in dieser Seillänge! Der Auftakt über einen Wulst noch gutmütig, auch die folgende Schuppe (1-2 Cams zwingend) macht keinen Kummer. Dann geht's aber los, einige Leisten wollen geschickt zu einer rechtsansteigenden Sequenz kombiniert werden, um eine erste Crux zu erreichen. Dank einer Seitgriffleiste und einem optimal platzierten Quarzknubbel ist die Wandstelle möglich - sonst ginge es nicht, ein Wunderwerk der Natur. Man kann dann kurz durchschnaufen, die folgende, balancemässige Wandkletterei an sloprigen Leisten ist aber echt genial - es hat genau die nötig Struktur, dass alles sauber aufgeht, absolut begeisternd! Erst die letzten Meter dann ein wenig einfacher zum Stand hinauf.

Die Qualität von L2 (7a) kommt auf diesem Foto nur sehr beschränkt zur Geltung. Einerseits sieht die Wand im Tiefblick nicht super attraktiv aus, andererseits sind die letzten Meter dieser Länge einfacher, strukturierter und auch nicht mehr ganz so gut wie das, was man davor in die Finger kriegt!

L3, 15m, 6c+: Zwar kurze, aber weder banale noch langweilige Seillänge. Athletisch-überhängend an gutgriffigen Schuppen durch die Steilzone unter ein veritables Dach hinauf. Dort heisst es, in der senkrechten Platte nach rechts zu queren. Eine sehr trickreiche Sequenz mit Einbezug von marginalen Unter- und Seitgriffen und entsprechendem "Wegstehen" machen es möglich. Dank der guten Absicherung im Vor- und Nachstieg ohne Panikattacken geniessbar.

Henklig hinauf, dann die knifflige Traverse unter dem grossen Dach in L3 (6c+).

L4, 30m, 6b+: Es wäre ja keine richtige Gneisroute, wenn nicht einmal eine kernige Plattenpassage folgen würde. Die kriegt man hier gleich zum Auftakt: erst gibt's noch ein paar akzeptable Trittmulden, um die ersten Meter zu machen, bei der folgenden Rechtsquerung ist dann aber 100% Vertrauen in dem Gummi gefragt. Über eine gebändert-buschige Zone erreicht man die nächste Platte - der Fels da unglaublich körnig mit super Reibung, ein paar Strukturen lassen sich in die Sequenz einbauen, richtig cool! Das Finish dann einfacher über ein paar Stufen hinweg zum Stand.

Sieht auch wieder etwas botanisch aus, die kompakte Platte davor lässt sich nur erahnen. Aber auch L4 (6b+) bietet wirklich unterhaltsame, plattige Kletterei von hoher Güteklasse, vor allem in einem körnigen Gneis mit hervorragender Reibung.

L5, 45m, 4c: Die easy Pitch mit nur 1 BH... allzu schwierig ist es zwar tatsächlich nicht, aber in einem Plaisirgebiet würde dieser Abschnitt wohl höher eingestuft. Der Beginn über ein paar Stufen hinweg zuerst aber tatsächlich mehr Kraxelgelände, bevor es in eine schöne Platte hineingeht. Ein paar Seitgriffkanten erlauben ziemlich kommodes Fortkommen, der Bolt steckt genau an der richtigen Stelle. Aber dennoch, oho! Erst im Ausstieg kann man legen, über ein vegetatives Band geht's im Gehgelände an die obere Wand heran und dort gutgriffig über blockiges Gelände noch ein paar Meter zum Stand hinauf.

L6, 40m, 6c: Den dornigen Kamin zu Beginn kann man zum Glück rechts liegenlassen und über die Begrenzungskante steigen, was sich gut auflöst und auch in Absenz von BH gut machen lässt. Danach kann man erst legen, diesen Rissen entlang ist es auch noch nicht schwierig. Das kommt dann erst, als die gut mit BH gesicherte Wandkletterei anfängt. Erst etwas gesucht über eine kompakte Wandstelle, dann ziemlich anhaltend, oft an diagonalen Seitgriffstrukturen aber doch mit viel Abwechslung von einem zum nächsten bouldrigen "Problemchen" weiter - supertoll!

Tolle Kletterei in L6 (6c) - die Temperaturen waren übrigens bei unserer Begehung perfekt. Der Himmel war oft bewölkt und nur zwischendurch sonnig, mit Nordföhn waren die Temperaturen angenehm warm aber nicht heiss. 

L7, 30m, 6b: Vom Stand geht's nach rechts um die Kante und dort dann hinauf - auf den ersten Blick nicht unbedingt logisch, jedoch aufgrund der schliesslich gebotenen Kletterei ist das ganz bestimmt der korrekte Weg. Man erreicht nämlich einen Wandbereich, der wieder mit der genau richtigen Menge an sloprigen Leisten aufwartet, um die richtige Mischung zwischen elegantem Fortkommen und unterhaltsamen Boulderproblemen zu bieten. Eine etwas markantere Crux wartet am rostigen Riss, wo kurz etwas Entschlossenheit gefragt ist.

Perfekter Auftakt in die Ferien - was kommt als nächstes?!?

Um ca. 19.00 Uhr und damit nach rund 4:00 Stunden Kletterei hatten wir das Top mit einer an beiden Seilenden einwandfreien Onsight-/Flash-Begehung erreicht. Das war nun ein echt genialer Auftakt gewesen. Vom Parkplatz hatte die Wand noch eher unscheinbar ausgesehen, teils auch mit Grünzeug gespickt. Dass wir hier über solch weite Strecken auf steile, griffige Kletterei in perfekt sauberem, rauen Gneis treffen würden, hätten wir nicht in diesem Ausmass erwartet. Mehr oder weniger unmittelbar fädelten wir die Seile, mit 6 effizienten Manövern (7->6->5->4->3->1->Boden) ging es in die Tiefe. Aufgrund der Büsche und der diversen Schuppen besteht sicher eine Gefahr für einen Verhänger, die sich aber für uns nicht manifestierte. Um 20.00 Uhr waren wir schliesslich retour an der Strasse und fanden schon wenig später einige Kilometer unterhalb im Italosvizzero ein Quartier, ein feines Nachtessen und sehr zuvorkommende Bewirtung.

Facts

Parete del Castagneto - Bamboccioni Volanti 7a (6b+ obl.) - 7 SL, 235m - Lisignoli/Crotti - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 13 Express, Cams 0.3-1

Unscheinbare, aber echt gute MSL-Route in Strassennähe! Mit nur 10-15 Minuten Zustieg erreicht man die nach Westen exponierte Wand mit Einstieg auf ~850m. Um auf angenehme Bedingungen zu treffen, klettert man in der warmen Jahreszeit entweder am Vormittag oder bei bewölktem Himmel, in der kalten Jahreszeit sollte man ab Mittag die für eine Begehung nötigen Sonnenstunden vorfinden. Die Kletterei begeistert durch viel Abwechslung - es gibt vorwiegend Wandkletterei an sloprigen Leisten und Rissspuren, athletisch-gutgriffige Sequenzen machen ihre Aufwertung und selbst etwas an Kletterei auf Reibung fehlt nicht. Fände man diese Route mit so bequemem Zustieg z.B. im Yosemite Valley, sie könnte sich vor Begehungen nicht retten. Die Absicherung mit Inox-BH ist sehr gut ausgefallen. An einigen einfacheren Stellen mit offensichtlichen mobilen Möglichkeiten müssen Cams gelegt werden, wofür mir 1 Set von 0.3-1 gut ausreichend war. Die Wandstellen weisen alle faire und sinnvolle BH-Absicherung auf, da waren Könner am Werk! Meines Wissens ist die Route nur im Büchlein Valchiavenna Rock von Erstbegeher Guido Lisignoli aufgeführt, das man z.B. auf seinem Camping Acquafraggia erwerben kann. Sein hervorragendes Originaltopo ist jedoch auch auf dem Netz greifbar, siehe unten.

Topo des Erstbegehers Guido Lisignoli, vielen herzlichen Dank!