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Dienstag, 29. März 2022

Skitour Piz d'Err (3377m)

Mit der langen Trockenperiode im März und schon sehr frühlingshaften Temperaturen fühlt man das Ende der Skitourensaison zügig daherkommen. So zumindest die lokale Betrachtung: dass es noch keine 2 Wochen her ist seit der letzten Voralpentour und in den nächsten Tagen vermutlich wieder Schnee bis vor die Haustüre fällt, ist da nicht auf dem Radar. Wir wollten nochmals von den günstigen Bedingungen Gebrauch machen, bevor die Bretter mutmasslich im Keller eingesommert würden. Aus einem Strauss von verschiedenen Zielen wählten wir schliesslich die Calderas-Revival-Tour. Vor ziemlich genau 5 Jahren waren wir bei fantastischen Verhältnissen von Sur via die Alp Flix zum Kulminationspunkt des Err-Massivs getourt. Nun galt es auch noch, den nur unmerklich niedrigeren, namensgebenden Gipfel zu besuchen.

Ausblick beim Erreichen des Plateaus der Alp Flix auf den Routenverlauf zum Piz d'Err.

Wir starteten wenige Minuten nach 8.00 Uhr in Sur beim P.1538 an der Julierstrasse. In Unkenntnis der genauen Schneeverhältnisse hatten wir die Bikes mitgenommen, um so über die möglicherweise schon aperen Hänge Richtung Alp Flix radeln zu können. Dies wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Vom grossen Parkplatz (12 CHF/Tag) bei der Kirche (P.1620) hätte man die Bretter nur wenige Minuten portagieren müssen, bis die Strasse durchgehend und abschnallfrei befellbar war. Da es auf dem Hartschnee so schön rollte und für den Rückweg kein Skigenuss absehbar war, strampelten wir bis zum Abzweig auf ca. 1835m hinauf. Ab da dann mit Ski der Tourenroute entlang erst nach N, dann ENE zur Siedlung Tgalucas. 

Eine tolle Gegend, der stolze Piz Platta (3391m) markiert sein Revier im Oberhalbstein.

Über breite Hänge stiegen wir in den Kessel von Tellers Davains und gegen dessen östlichen Abschluss. Ab da steilt sich die Sache gehörig auf, über ~350hm ersteigt man die durchgehend 35-40 Grad steile Südflanke in die Scharte zwischen P.3307 und Piz d'Err. Die Verhältnisse waren tipptopp mit griffigem Hartschnee. Interessant nur, dass gewisse Tourengänger schon am Beginn dieser Flanke Skidepot erstellt hatten und den gesamten Hang zu Fuss erstiegen hatten. Einmal in der Lücke (ca. 3225m) ist man dem Gipfel schon sehr nahe und kriegt einen Überblick über Situation und Geschehen am Berg. Denn hatten wir bis dato nur von Weitem zwei Kleingruppen von Tourengängern erblickt, so herrschte am Gipfelhang ein emsiges Treiben von Leuten, die von der Chamanna Jenatsch her kamen.

Sieht flach und kurz aus, ist aber der 350hm-Hang mit 35-40 Grad zur Lücke 3225m.

Noch fellend stiegen wir den 35-40 Grad steilen Osthang zum Fuss der Gipfelfelsen hinauf und wurden Zeugen einer skurrilen Szene. Eine 6er-Seilschaft befand sich im (für sie) mühevollen Abstieg. Erst warfen sie alle ihre Skistöcke gemeinsam in die Tiefe - ob zur Beschwörung der Götter oder um unnötigen Ballast loszuwerden, erschloss sich für uns nicht ganz ;-) Dann stiegen 5 Personen am kurzen Seil ab, während der Capo das Seil um die Schultern führte und so für "Sicherheit" sorgte. Eigentlich wollte ich ihn fragen, ob er einen 5-gegen-1 Wettkampf im Seilziehen, dazu noch auf stark zu seinen Ungunsten abfallendem Terrain fair fände, bzw. eine Siegchance für sich erkennen würde... wir sprachen aber nicht dieselbe Sprache und somit blieb die Antwort aus :-)

6er-Seilschaft im Abstieg: sicher(n) ist sicher!

An diesem Punkt auf 3300m schnallten wir die Bretter auf den Rücken und wechselten auf Fussaufstieg. Dank idealem Schnee und guten Tritten brauchten wir weder Pickel noch Steigeisen, auch wenn die Neigung erst auf gut 40 und ganz oben sogar 45 Grad zunimmt. Man erreicht eine Gratlücke (ca. 3360m), welche überraschend eine umfassende Aussicht nach Norden ins Oberhalbstein präsentiert. Da deponierten wir die Ski und stiegen im einfachen Fels der NNW-Flanke die letzten Höhenmeter zum Gipfel, den wir ein paar Minuten vor der Mittagszeit in rund 3:45h ab Sur erreichten. Die Verhältnisse waren mild und windarm, so dass die Rast sehr angenehm ausfiel.

Beginn der Abfahrt ab der Gratlücke ca. 3360m, die Ostrinne dahin zuoberst 45 Grad steil.

Schliesslich stiegen wir hinab in die Lücke zu den Ski und fuhren gleich von dort über die steilen Osthänge ab. Der 6er-Trupp hatte inzwischen auch den Fuss der Flanke und ihr dortiges Depot erreicht, dem Anschein nach unbehelligt und -beschadet. Besser so für alle, dachten wir uns und bogen ab in den Südhang. Dessen rechte Seite stand schon länger in der Sonne und bot schöne Sulzschwünge. Nach der langen Trockenperiode war die Schneeoberfläche allerdings nicht mehr allzu glatt und somit gab es keinen Premier-Cru-Sulz. Etwas erstaunt trafen wir am Fuss der Südflanke nochmals auf einen grossen Trupp Tourengänger, der eben seine Ski deponiert hatte und sich nun zu Fuss Richtung Gipfel aufmachte. Beim angeschlagenen Tempo wären es hin-und-zurück sicher mindestens 3h, eher wohl 4h rechneten wir aus. Bestimmt nicht das vernünftigste Vorhaben, wenn die Uhr bereits die 13. Stunde des Tages anzeigt. Aber wie so manche komische Szene an den bekannten und hohen Bergen wird es wohl auch da gut ausgegangen sein.

Lässiges Sulz-Cruising in der steilen Südflanke am Piz d'Err.

Naja, nicht unser Problem, konstatierten wir und nutzten den schönen Sulz für beschwingtes Cruising zur Alp Flix, von wo wir rasch das Bikedepot erreichten. Der Downhill im weichen Schnee mit dem Bike offerierte nochmals Spass und so schloss sich der Kreis bald an der Passstrasse. Das wohl platzierte Tourenabschlussgetränk war schön kühl geblieben, wir indessen konnten auf die kurzen Hosen umsatteln und eine schöne, genussreiche Tour konstatieren, welche den Ausflug auf jeden Fall wert gewesen war. Ob die Bretter jetzt tatsächlich in den Keller wandern werden wir sehen, im Angesicht der neusten Wetterprognosen aber wohl eher noch nicht.

Schöne, breite und ideal geneigte Skihänge gegen die Alp Flix hinab - Plaisir pur!

Facts

Piz d'Err (3378m) ab Sur, 1800hm (oder weniger, je nach Befahrbarkeit der Strasse zur Alp Flix).
Ski-Schwierigkeit S+, anhaltend 35-40 Grad steil über 350hm, Gipfelaufstieg WS
Material: Steigeisen & Leichtpickel (bei normalen/guten Verhältnissen verzichtbar)

Montag, 10. April 2017

Piz Calderas (3397m) - Westcouloir

Der Piz Calderas ist der höchste Gipfel im Massiv des Piz d'Err am Julierpass. Zwar ist er bei Laien und Berglern nicht überaus bekannt, allerdings liegt er auf der Dominanz-Rangliste der Schweizer Gipfel weit vorne auf Rang 21 und in Bezug auf die Schartenhöhe ebenfalls auf Rang 26. Dazu befindet er sich mitten in Graubünden, so erstaunt es nicht, dass man auf dem Piz Calderas eine hervorragende Aussicht geniesst. An diesem wolkenlosen, windstillen und sehr sichtigen Traumtag wollten wir ihm also einen Besuch abstatten. Kommt noch hinzu, dass er eine ideale Frühlingsskitour hergibt. Mit der Alp Flix steht ein hoch gelegener Ausgangspunkt zur Verfügung. Die Hänge sind unten nach West und oben nach Süd exponiert, so dass man nicht schon in einer Herrgottsfrühe anrücken muss. Mit 1500hm stimmte für uns auch die Länge der Unternehmung, war es doch beiderseits die erste richtige Skitour der Saison 16/17. Mit den steilen Westcouloirs hinauf zum Vadret Calderas war aber dennoch für genügend Excitement gesorgt.

Wieder einmal eine die beste Skitour für die aktuelle Lage planen, das habe ich schon lange nicht mehr gemacht...
Im Vorfeld ein bisschen fraglich war die Sache mit der Schneelage. Aktuelle Einträge auf den einschlägigen Portalen gab es keine. Dafür gibt's eine Webcam auf der Alp Flix. Die zeigt zwar einmal hierhin und einmal dorthin, aber nie in die Richtung, die wir am meisten gebraucht hätten. Wir wollten es trotzdem probieren. Unsere Anfahrt endete beim Parkplatz an der Waldgrenze (ca. 1900m), unmittelbar bevor man auf die Alp Flix kommt. Bis dahin war die Strasse komplett aper und man hätte im Prinzip noch weiter bis zum Startpunkt der Tour beim Berghaus Piz Platta (Tigias, P.1975) fahren können. Ob man dies darf, bleibt jedoch dahingestellt. Es herrscht Fahrverbot, Zufahrt für Gäste jedoch gestattet, zur Zeit ist das Berghaus jedoch geschlossen. Verschiedene Personen ziehen bei dieser Sachlage unterschiedliches Fazit - da wir die Bikes eh dabei hatten, entschlossen wir uns für ein Einrollen. Um 7.25 Uhr ging's beim Parkplatz los, 10 Minuten später waren wir beim Berghaus mit den Ski bereit. 

Mit dem Bike zum Schnee, ein überzeugendes Konzept! Die Pyramide in der rechten Bildhälfte der Piz Platta (3392m).
Die Frage nach der Schneelage hatte sich auch beantwortet. Es hatte noch Schnee bis zum Bike-Parkplatz und wir mussten bis zum Gipfel kein einziges Mal abschnallen. Gut so! Jedoch hat es in dieser Gegend schon allgemein wenig Schnee, in 1-2 Wochen ist's vermutlich bis auf 2400-2500m hinauf schon mehrheitlich grün und die Tour kaum mehr lohnend. Vom ersten bis zum letzten Meter war die Schneedecke übrigens auch perfekt tragend durchgefroren, aber trotzdem sehr griffig, so dass man ohne Harscheisen aufsteigen konnte. So machten wir rasch Terrain gut, gelangten auf das Flachstück der Plang Lung und konnten den weiteren Verlauf einsehen. Der Talschluss steilt sich gewaltig auf, nur ein steiles und schmales Couloir (das nördliche Westcouloir) scheint einen Ausweg zu bieten. Auf einer Höhe von 2900m präsentiert sich dann aber plötzlich das vorher versteckte, südliche Westcouloir. Dieses ist breiter, weniger steil und für den Aufstieg sicher deutlich bequemer. Die Verhältnisse waren so gut, dass wir diese auf etwa 140hm rund 40 Grad steile Passage in gerader Linie aufsteigen konnten.

Blick vom Beginn der Plang Lung in Richtung Piz Calderas (linke Bildhälfte) und Tschima da Flix (rechte Bildhälfte). Die einzige Passage durch den sperrenden Felsriegel scheint das nördliche Westcouloir in Bildmitte zu sein. Dieses haben wir für die Abfahrt benützt. Das weniger steile südliche Westcouloir ist aus dieser Perspektive noch nicht zu sehen.

Gang gend gredi obsi - Aufstieg in gerader Linie durch das 40 Grad steile (auch wenn's hier flacher aussieht!) südliche Westcouloir. Es ging gerade so an der Haftgrenze der Felle. In Spitzkehren hin und her zu laufen wäre aber dem harten Schnee definitiv viel mühsamer gewesen.
Dann war der Vadret Calderas auf ca. 3080m erreicht. Waren wir von der Alp Flix mutterseelenallein unterwegs, herrschte hier an den Gipfelflanken von Piz Calderas und Tschima da Flix ein emsiges Treiben. Diese Skitouristen waren alle von der Jenatschhütte aufgebrochen. Zum Gipfel war es aber nicht mehr sonderlich weit und in der sonnigen Südflanke präsentierte sich dieser Aufstieg gleichermassen problemlos wie genussreich. Nicht einmal ein Skidepot war nötig, man konnte mit den Skis bis zum Gipfelkreuz aufsteigen. Um rund 10.30 Uhr und damit nach weniger als 3h Aufstieg waren wir dort angelangt. Es liess sich sehr gut verweilen, trotz einer Gipfelhöhe von 3400m war es sehr mild, dazu windstill und sonnig. Und wie bereits beschrieben, man konnte sich an einem unglaublichen Panorama sattsehen und alle möglichen Gipfel studieren, welche wir bereits bestiegen hatten, oder die noch auf der Projektliste stehen. Der Piz Calderas war mein alpenweit 160. Gipfel über 3000m, etwa einen Drittel davon konnte ich im Panorama ausmachen.

Super Abfahrt durch das nördliche Westcouloir, welches auf 60hm über 45 Grand steil ist und eng zwischen den Felsen hindurchführt. Auch wenn es hier beinahe wie eine Bunny Slope aussieht, ist ein solches Unternehmen durchaus etwas seriöses.
Um ca. 11.30 Uhr fuhren wir schliesslich los. Das war vom Zeitpunkt her ziemlich ideal, wenn dann hätte man eher noch 15-30 Minuten zuwarten können, sicherlich jedoch nicht früher aufbrechen. In der südexponierten Gipfelflanke war der Schnee schon schön aufgesulzt. Wir entschlossen uns dann, das engere und steilere, nördliche Westcouloir zu fahren. Das ist sicher keine Extremabfahrt, jedoch ist es über 60hm doch über 45 Grad steil. Der Hartschnee (das steilste Stück lag immer noch im Schatten) war zwar perfekt griffig und wie ein Teppich zu fahren. Trotzdem, glatte und harte Schneedecke bei dieser Steilheit, da muss man schon wissen, was man macht. Von oben sah es jedenfalls wie eine gewaltige Rutschbahn aus. Mittels Kurzschwungtechnik war diese Schlüsselstelle aber bald bewältigt. Auf den etwas weniger steilen Hängen darunter war der Sulz dann einfach perfekt al Dente. Besser kann man es wirklich nicht treffen, dazu lassen die breiten Hänge viel Freiheit bei der Linienwahl. Unterhalb der Plang Lung auf dem letzten Abfahrtsstück sind die Hänge dann nochmals etwas mehr nach Westen ausgerichtet, so konnten wir wirklich bis zum allerletzten Meter perfekten Schnee geniessen. Nach einer kühlen Erfrischung gab's noch eine kurze Bikeabfahrt, bevor sich wenig nach dem Mittag die Runde geschlossen hatte. Diese Tour ist sicher ein Spitzenkandidat auf das goldene Fell der Saison 16/17.

Solche Hänge und solcher Schnee lassen keine Wünsche offen!

Perfektes Cruising-Gelände, derzeit noch bis zum letzten Meter dieser Skitour.

Schön einfach eine schöne Gegend, diese Alp Flix. Mazzaspitz, Piz Platta, Wissberge, Piz Forbesch und Piz Arblatsch.
Facts

Piz Calderas (3397m) von der Alp Flix oberhalb Sur an der Strasse zum Julierpass.
Ski-Schwierigkeit ca. ZS+, südliches Westcouloir anhaltend 40 Grad über 100hm. Total 1500hm.
Fakultative, aber lohnende Abfahrtsvariante durch das nördliche Westcouloir (>45 Grad auf 60hm).
Material: Normale Skitourenausrüstung. Pickel/Steigeisen bei guten Bedingungen nicht zwingend.

Sonntag, 3. Mai 2015

Tiefencastel

Mit sintflutartigen Regenfällen fiel am ersten Mai-Wochenende praktisch die gesamte durchschnittliche Regenmenge für den ganzen Monat. Da stellte sich die Frage, ob es denn noch irgendwo in der Schweiz trockenen, und lohnend zu bekletternden Fels gibt. Heute kann man sich dann dem Internet einen sehr genauen Eindruck verschaffen, wo, wann und wie viel Nass vom Himmel kam. Meine Analyse zeigte, dass die Situation in Mittelbünden am besten war. Also auf nach Tiefencastel - einem überhängenden, auch bei Regen bekletterbaren Stück Fels, das ich noch nie besucht hatte.

Nordexponiert, auf einer Höhe von fast 1000m gelegen und im Tannenwald versteckt, handelt es sich dabei um einen typischen Sommer-Crag. Der dann allerdings trotzdem gut zu beklettern, und auch praktisch komplett trocken war. Logo, wenn weniger Feuchtigkeit herum ist, dann werden die Bedingungen wohl noch etwas besser sein. Aber an dem lag es nicht, dass wir nicht die grossen Trophäen mit nach Hause nehmen konnten. Die Routen sind zwar nicht allzu lang, aber steil, athletisch, dynamisch zu klettern und einfach anspruchsvoll.

Beim linken Teil im Hauptsektor ist ein ebener, gemütlicher Platz. Rundherum ist es hingegen öfters ziemlich abschüssiges Gelände. Für grössere Kinder und solche, die es sich gewohnt sind, aber ein toller Abenteuerspielplatz.

Den Anfang machten wir mit der Action Zwiebl (6c+), der sicherlich lohnendsten Route in diesem Schwierigkeitsbereich. Schon auf dem ersten Meter wartet ein harter Boulder, der für einen Weckruf sorgt. Griffig-steil geht's danach weiter, Power ist gefragt. Und fürs Abschlussbouquet sollte dann auch noch etwas davon übrig sein. Puh, ging gerade noch. Als nächstes setzte ich die Irmscher (7c) aufs Programm. Wobei, 7c ist die nur, wenn man den Stand aus der Kletterstellung klippt. Ansonsten darf man nur 7b aufschreiben, wobei ich mich frage, was man dann macht: abspringen? In den Stand greifen? Anyway, es handelt sich um athletische Kletterei mit weiten Zügen an guten Griffen. Zumindest bis zum letzten Haken, von dort bis zum Stand sind es dann nur noch weite Züge ohne gute Griffe. Für 7b ganz schön schwer... im dritten Versuch konnte ich schliesslich inklusive Stand-Klipp passieren.

Ebenfalls einen Versuch gaben wir in FA/18 (7a), einem 3-Bolt-Rüteli ganz aussen. Kurz, aber gar nicht schnurz! Die Kletterei ist sehr steil, voll powerig und einfach sehr schwer! Deutlich schwerer wie 7a, fand ich, und Kathrin erst recht. Da stieg ich dann lieber nochmals in eine wenigstens auch schwer bewertete Route ein. Die Wahl fiel auf die Easy (7c+). Die benutzt den Irmscher-Einstieg, um dann in einer Traverse auf die Linie des Requiem (8a+) einzuschwenken. Knallharte Moves an Mikroleisten warten im oberen Teil. Für mich hiess es da nach zwei Versuchen pffff, maybe another time. Dennoch, es war ein ganz lässiger Klettertag in einem für uns neuen Gebiet, ganz ohne rote Punkte gingen wir nicht nach Hause und der Trainingseffekt war bestimmt gegeben.

An vielen Haken hat der Zahn der Zeit genagt. Leider ist nur sehr punktuell saniert wurden.

Facts

Klettergarten Tiefencastel, ca. 30 Routen von 5a-8c, nordexponiert, auf 1000m gelegen. Topo: klick!

In einem moosigen Tannenwald gelegenes, etwas verzweigtes Klettergebiet. Die Nebenmassive bieten kurze Routen von meist 5-10m Länge. Also fast eher Bouldern mit Seil, dennoch aber meist sehr herausfordernd. Der grosse, ca. 20m hohe Überhang vom Hauptsektor bietet sehr athletische, oft auch bouldrige Kletterei in recht gutem Fels mit Leisten und Löchern. Die Bewertung empfand ich als eher auf der harten Seite, irgendwie ist die Sache recht gewöhnungsbedürftig. Zu erwähnen ist auch, dass die gemäss Topo 19 Routen im Hauptsektor nicht alle unabhängig sind. Bei Andrang (was wohl selten der Fall ist) oder Nässe (nach stärkeren Regenfällen von innen heraus durchaus möglich) kann die Auswahl dann rasch stark eingeschränkt werden. Leider ist das Material (verzinkte Anker und Inox-Plättli) inzwischen in die Jahre gekommen, vielerorts ziemlich sanierungsbedürftig und auch nicht immer optimal platziert. Bisher wurden jedoch nur punktuell Haken nachgebessert. 

Dienstag, 31. März 2015

Skitour Piz Forbesch (3262m)

Auf Sonntag war schon wieder Schlechtwetter und Sturm angesagt, so konnten wir uns die Pläne im Hochgebirge in die Kappe schreiben. Das Zwischenhoch am Samstag liess aber eine alpine Skitour bei einwandfreien Bedingungen zu. Nachdem am Vortag noch etwas Neuschnee gefallen war, durfte die Tourenwahl nicht allzu offensiv ausfallen. Wir entschieden uns schliesslich für den Piz Forbesch, einen tollen Gipfel im Oberhalbstein. Im Kindes- und Jugendalter war ich oft auf den Pisten im benachbarten Savognin unterwegs. Schon damals lockten mich die markanten Scherenspitzen, eine Besteigung war dannzumal aber noch unrealistisch. Heute hat es geklappt!

So kennt man den Piz Forbesch aus dem Skigebiet von Savognin. Die Nordwand direkt zum Gipfel ist wohl noch unbegangen?! Bild: 560 @ hikr.org
Unsere Tour startet in Mulegns, durch das Val Faller geht es erst nach Tga. Hat es noch Schnee, oder müssen wir die Skier zuerst buckeln? Der Poker geht auf, das Strässchen ist aktuell noch eingeschneit und wir kommen durch, ohne auch nur 1x abschnallen zu müssen. Allzu lange wird das aber nicht mehr so bleiben, maximal 1-2 Wochen schätze ich. Zügig steigen wir auf und biegen kurz vor Tga hinauf zu den Maiensässen von Arnoz. Die eindrückliche Berggegend zieht uns in ihren Bann: die Nordwand des Piz Platta sieht wie eine ganz grosse Herausforderung aus, das Massiv des Piz d'Err thront in unserem Rücken und voraus gehen die Blicke zum Piz Arblatsch und zu unserem Tagesziel.

Hier geht's los. Das Strässchen von Mulegns nach Tga war noch komplett eingeschneit, auch wenn es ringsum schon nach Frühling roch.
Der erste Blick bei Arnoz auf unser Tagesziel. Links der Forbesch Pintg 3202m, der rechte Scherenspitz der Hauptgipfel 3262m.
Die Schneedecke ist perfekt gefroren und trotzdem schön griffig, so lässt es sich bequem aufsteigen. Wir kommen näher und näher an den Piz Forbesch heran, Distanz ist nicht mehr viel übrig aber immer noch viel Berg. Das Südcouloir, welches den Aufstieg durch die eindrückliche Felswand überhaupt zulässt, lässt sich zwar schon von weitem erahnen, doch es verbirgt sich bis wir darunter stehen unseren Blicken. Und dann geht es hinein: die Rinne ist auf knapp 400hm ziemlich homogen +/- 40 Grad steil. Hier ist der Schnee nun pulvrig, es sind aber nur 5-10cm auf kompaktem Untergrund, zudem ist er locker und ungebunden und so müssen wir uns keine Sorgen wegen der Lawinengefahr machen.

Fantastischer Aufstieg auf perfekt durchgefrorenem Schnee, dazu weites, sonniges und aussichtsreiches Gelände.
Der erste Blick ins Südcouloir. Kaum zu glauben, dass es von hier noch fast 400hm bis in die Lücke hoch sind!
Erst steigen wir spitzkehrend mit den Ski hoch, irgendwann habe ich das ständige Wegrutschen des lockeren Schnees unter dem Ski satt und binde diese auf, per Pedes soll es weitergehen. Solche Himmelsleitern in Couloirs zu treten ist zwar jedesmal anstrengend, aber doch auch ein Hochgenuss! Auf den letzten Höhenmetern zum Grat hin flacht es dann nochmals etwas ab, der Untergrund ist nicht mehr ganz so kompakt und so entscheide ich mich für den Wechsel zurück auf die Ski. Nach etlichen weiteren Spitzkehren und total rund 4 Stunden Aufstieg (inklusive ein paar gemütlichen Pausen) erreichen wir das Skidepot, 1700hm Aufstieg sind es bis hier.

Fussaufstieg durch das Forbesch Südcouloir. Anstrengend, aber immer wieder toll, auf diese Weise hochzusteigen.
Weiter oben geht's dann nochmals mit vielen Spitzkehren auf den Ski weiter. Hinten der Piz Platta.
Wir montieren die Steigeisen, es wartet noch ein ziemlich langer, alpiner Fussaufstieg zum Gipfel. Rund 500m Horizontaldistanz und 100m Höhendifferenz sind noch zu bewältigen, Online-Quellen veranschlagen eine Hochtourenbewertung von WS+. Das mag etwa zutreffen, auf jeden Fall ist der Grat für meinen Geschmack ein grosser Genuss. Über weite Strecken ist er recht einfach zu begehen, drei Stellen sind aber zu erwähnen: kurz nach dem Gratgipfel von P.3176 muss ein Abbruch zwingend in der steilen Nordflanke umgangen werden, etwa in der Mitte des Wegs zum Gipfel wird ein Gendarm exponiert südseitig umrundet und kurz vor dem Ziel wartet noch ein giftige Abkletterstelle. Diese ist zwar nur kurz und ein lapidarer Zweier, dafür ist der Grat hier schmal und es pfeift sowohl süd- wie nordseitig gewaltig in die Tiefe, Fehler sind da nicht erlaubt.

Jonas unterwegs in der Nordflanke von P.3176. Hier ist mein Weg über den Gratgipfel noch bequemer, danach muss man aber zwingend in die sehr exponierte Nordflanke absteigen. Sicheres Steigeisengehen ist da absolut unerlässlich, sonst wird es gefährlich.
Die im Text erwähnte Zweierstelle kurz vor dem Gipfel, hier beim Wiederaufstieg auf dem Heimweg. Die Passage ist weder lang noch sehr schwer, jedoch sehr exponiert. Ich hoffe, das Foto kann es wenigstens einigermassen zur Geltung bringen.
Rund 40 Minuten nach dem Aufbruch vom Skidepot erreichen wir den Gipfelsteinmann - ein durchaus exklusiver Ort. Das Gipfelbuch ist von 1996 und listet nicht viele Besuche auf. Pro Jahr sind es im Schnitt 5 Begehungen, die meisten davon im Sommer. Wir geniessen die phänomenale Rundsicht und machen uns schliesslich wieder auf den Weg, der Schnee wird nicht besser werden. Den Rückweg zum Skidepot erledigen wir nun, wo wir den Weg kennen und eine Spur vorhanden ist, in 25 Minuten schneller wie den Aufstieg. Rasch ist dann auch das Gear verstaut und die Bretter festgezurrt. 

On the top! Sicht vom südlichen Vorgipfel auf den Steinmann, wo auch das Buch in einer Gamelle verstaut ist.
Die oberen zwei Drittel vom Gipfelgrat, fotografiert als wir schon auf dem Abstieg sind.
Das ist die Sicht vom selben Standort nach unten auf das erste/letzte Gratdrittel. Die Spur mit Querung der Nordflanke gut sichtbar.
Schwungvoll geht es darauf in die Tiefe, das Couloir fährt sich wirklich gut und genussvoll - kompakte Unterlage, darauf feuchter Pulver, keine harten Lawinenschollen - ideal. Auch die Plang Forbesch, d.h. die 400hm vom Couloir-Auslauf bis auf die Fläche hinunter bieten perfektes Skigelände und fahren sich mit leichter Pulverauflage prima. Dann wechselt der Schnee zu einem guten Sulz. Schon viel zu bald sind wir retour in Tga, von dort geht's rassig auf dem Fahrweg das Val Faller hinaus und in weniger als einer Stunde seit Aufbruch vom Gipfel sind wir retour in Mulegns. Das war meine beste Skitour dieses Winter, und dann auch noch mit deutlichem Abstand! 

Bilder vom Skifahren sind immer so eine Sache... Hier bereits beim Ausgang aus dem Südcouloir, direkt unter dem Gipfel.
Das ist die Sicht in die andere Richtung. Perfektes, weites Skigelände, kompakte Unterlage, pulvrige Auflage :-)
Und er ist auch immer präsent im Val Faller - der Piz Platta 3392m, auch ein toller Skiberg.
Facts

Piz Forbesch (3262m) ab Mulegns an der Strasse von Tiefencastel zum Julierpass
Ski-Schwierigkeit S bzw. 4.1, 40 Grad steil über 350hm. Fussaufstieg WS. Total 1800hm.
Material: Steigeisen, Leichtpickel, evtl. 30-40m Seil, alpine Sicherung an den Grat-Cruxen wäre möglich

Übersicht auf die Situation am Forbesch, der Weg durchs Couloir und über den Grat gut sichtbar. Bild: Cyrill @ hikr.org
Karte von map.geo.admin.ch mit unserer Route auf den Piz Forbesch 3262m.