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Dienstag, 16. Juni 2026

Goodbye Winter 25/26

Mittlerweile, beim Tippen dieser Zeilen, liegt der Event exakt 4 Wochen zurück, aber eine kleine Notiz mit Rückblick auf den Tourenwinter 2025/26 ist trotzdem angebracht. Während Trockenheit und Wärme schon im April und Anfang Mai zu MSL-Touren in höheren Lagen lockten, deponierte ein Kaltlufteinbruch um die Eisheiligen herum nochmals eine satte Portion Schnee bis unterhalb von 2000m. So ging's noch in der Nähe und dank kalter Temperaturen ohne nächtlichen Aufbruch, was mich zum Genuss von diesem Mai-Powder brachte.

Am Klausenpass wollte ich meine Spuren ziehen, aber dieser war aufgrund der Schneefälle wieder gesperrt worden. Mit dem Schneetaxi war das kein Problem: bis zur Chlus (ca. 1700m) war die Strasse aper, die Pulverauflage danach und ein paar vereiste Stellen liessen sich gut managen. So schnallte ich meine Bretter am Pass an die Füsse und schritt spurend durch den winterlichen Neuschnee. Auf den ersten Höhenmeter war der Schnee noch unregelmässig, d.h. teils verblasen und anderswo auf bereits aperen Grund gefallen. Nach ca. 150hm war es dann aber das Wintermärchen pur - bis zu 50cm lockerer Powder auf Unterlage. Welch ein Genuss, ganz alleine durch diese Landschaft zu schreiten.

Der Blick voraus: welch ein Genuss, seine Spur elegant auf diese weisse Leinwand zu legen.

Richtung Clariden führte meine Spur, doch ob ich diesen Gipfel auch erreichen würde? Mit dem vielen Neuschnee schien ein Gipfelgang aufwändig. Zudem ging in der Höhe viel Wind, welcher sich ab der Steilstufe auf 2800m bemerkbar machte, indem er einem durch die Knochen pfiff, und auch den schönen Powder verpresste. Just an diesem Punkt hatte ein weiterer Tourengänger zu mir aufgeschlossen. Er würde nun lieber abfahren und den hervorragenden Schnee geniessen, meinte er. Ich war für einen Moment hin und her gerissen zwischen der Ski- und der Gipfeloptik. Die letztere schien aber nicht allzu vernünftig und beinhaltete die Gefahr, die derzeit noch tollen Verhältnisse entweder durch Windeinfluss oder Tageserwärmung zu vergeigen.

Der Blick zurück Richtung Jegerstöck und Urnerboden mit der frisch gelegten Spur.

So zog auch ich meine Felle von den Ski und wir rauschten gemeinsam in die Tiefe. First Lines bei Top-Verhältnissen, absolut fantastisch. Etwa 150hm über der Passhöhe kamen die Bretter zum Stehen. Wir wollten mehr davon, das war absolut keine Frage. Somit gab es einen zweiten Aufstieg. Um doch noch einen Gipfel zu besuchen, stieg ich zum Rau Stöckli (2469m), mit tollem Blick auf die Clariden Nordwand (eine Pendenz, die es auch irgendwann einmal zu erledigen gilt!). Um noch etwas bessere Skimeter zu ermöglichen, stieg ich noch bis zum P.2525 am Tierälpligrat auf. Auch die zweite Abfahrt war super - wobei man schon etwas mehr darauf achten musste, nicht zu sehr sonnenexponierte Stellen zu wählen. Die hoch stehende Maisonne ist mit anhaltenden Powderverhältnissen wenig kompatibel.

Blick auf die Clariden Nordwand vom Rau Stöckli bei meinem Zweitaufstieg.

Nach dieser letzten Abfahrt im Winter 2025/26 war ich bald retour am Pass. Die Strasse war inzwischen mit dem Pfadschlitten geräumt worden, somit komplett aper und sogar trocken. Für den Autoverkehr war sie aber weiterhin gesperrt, somit blieb viel Platz für den Downhill. Absolut zufrieden mit meinem Ausflug machte ich mich auf den Heimweg und sagte mir, dass das nun ein schöner Abschluss der Tourentätigkeit gewesen sei - wenn's denn so wäre. Nun, einige Wochen später beim Tippen dieser Zeilen weiss ich, dass dies zutrifft. Auf 27 Touren und Tüürchen haben mich meine Bretter diesen Winter begleitet - ich bin sehr zufrieden mit der Ausbeute.

Freitag, 12. Juni 2026

Schweiz Plaisir Ost 2026

Schon einige Wochen ist es her, seit die brandneue, 7. Auflage des Plaisir Ost aus dem Filidor-Verlag in meinem Briefkasten lag. Leider liessen mir die weltlichen Verpflichtungen bisher keine Zeit, mich diesem Werk mit einer Rezension zu widmen (oder andere Blogs zu publizieren). Immerhin, um in den Führer zu blicken, einige Routen auszuprobieren und ihn mit einer Neuerschliessung bereits wieder "veraltet" zu machen, hat die Zeit gereicht. Hier mein Blick in bzw. auf den Führer, verbunden mit einem grossen Dank an den Autor Sandro von Känel.

Das handgemalte Cover des Schweiz Plaisir Ost, 7. Auflage von 2026.

Mit dem Plaisir Ost feiert der Filidor-Verlag seinen 40. Geburtstag, weswegen das Cover mit einem Aquarell von Rhiannon Klee statt mit einem Kletter- oder Landschaftsfoto geschmückt ist. Im Innern findet sich die gewohnte Filidor-Qualität: Sandro von Känel hat wie üblich ausführlich recherchiert und sauber gezeichnet. Welcher enorme Aufwand dahinter steckt, kann wohl nur jemand erahnen, welcher selbst Kletterrouten dokumentiert und schon einmal ein Führerprojekt in Angriff genommen hat. In diesem Sinne: ganz grosses Kompliment für diesen unschätzbar wertvollen Beitrag zur Kletterszene.

Blick auf das Inhaltsverzeichnis des Schweiz Plaisir Ost, 7. Auflage von 2026.

Der Plaisir Ost beschreibt auf 528 Seiten total 92 Gebiete vom Ofen im Melchtal bis ins österreichische Ötztal. Dabei wird ein Bogen über die Göscheneralp geschlagen, dann sind die Urner- und Glarner-Kalkgebiete beschrieben, das Sarganserland, der Alpstein und Graubünden, sowie einige Gebiete im Tirol. Natürlich gibt es auch einige zuvor noch nie (oder lange nicht mehr) veröffentlichte Gebiete und Routen: u.a. die Horefelliflue im Voralptal, der grosse Klettergarten am Hinterrugg bzw. im Gluristal an den Churfirsten oder die wiederentdeckten, plattigen und sehr lohnenden Granitklettereien im Val Forno.

Diese Kletterin nutzte den neuen Plaisir für eine Begehung der Kairos im Bockmattli 😊

Meinerseits konnte ich auch einen gewissen Beitrag zu diesem Werk leisten. Sei es mit Informationen und dem Prüfen von Topos und Gebietsbeschreibungen. Und dann natürlich auch mit dem Eröffnen von Neutouren, welche nun erstmalig in der Literatur verewigt sind. Hier ganz konkret Joyride, Skyrace, Kairos und Donnerwetter. Beim Nachzählen bin ich darauf gekommen, dass im Plaisir Ost 20 Stück meiner MSL-Routen enthalten sind, dazu eine noch grössere Menge an 1-SL-Klettereien. Böse Zungen werden nun frotzeln, sie hätten es ja schon immer gewusst, dass der Dettling nichts anderes als ein Plaisirler sei - wenn's darum geht, dass ich am Klettern in allen Facetten sehr grosse Freude habe, dann liegt das definitiv zu 100% richtig.  

Mittwoch, 27. Mai 2026

Bockmattli - Frick an Strick & Billy ze kick (7b)

Im Bockmattli und insbesondere an der Westwand vom Kleinen Turm habe ich schon manch eine Route geklettert. Die Kombination der 1980er-Kreationen Frick an Strick & Billy ze kick (7b) aber bisher nicht. Aufgrund von stark veraltetem Material war sie für eine lange Zeit auch kaum mehr begehbar, bis die Haken vor einigen Jahren ersetzt wurden. Der Sanierer Thomas Götz lobt diese Kombination als die "schönste Tour im Bockli", da schien es fast Pflicht, einmal einen Augenschein zu nehmen. In Begleitung von Julen, einem starken Kletterer aus dem Baskenland, war es an einem Sonntag Anfang Mai soweit.

Der Verlauf der von uns gekletterten Kombi von Echo der Zeit, Frick an Strick und Billy ze kick.

Zu Anfahrt und Zustieg gibt es nicht mehr viel Neues zu erzählen. Wobei doch: die Strasse hinauf zur Schwarzenegg wurde im Herbst 2025 betoniert. Das spielte uns insofern in die Karten, als dass wir nur über ein einziges E-Bike verfügten, welches das Bio-Bike in den Schlepp nahm. Ob das auf dem rauen Schotter von früher funktioniert hätte ist fraglich - nun war es problemlos. Ebenso wie der Weiterweg hinauf zum Einstieg, welchen wir über das Echo der Zeit bestreiten wollten. Um ca. 11.15 Uhr legten wir bei angenehmen Temperaturen los.

L1, 40m, 6a (Echo): Seit der Erstbegehung vom Echo im 2012 hatte ich diese Länge nie mehr geklettert. Es handelt sich um eine spannende Kletterei an strukturiertem Fels, mehrheitlich rechts vom Riss in der Wand, bis zum Stand an der Föhre. Der Schwierigkeitsgrad ist sicherlich eher knapp bemessen (stammt jedoch von Erich Rütsche, welcher diese Länge bereits früher als Baseclimb eingerichtet hatte). Noch logischer als Start für die Kombi wären übrigens die beiden mit 6c+ bewerteten Längen gleich links mit den Namen Obsigent und Pearl Harbor. In Unkenntnis darüber, ob man von deren Stand weiterklettern kann, hatten wir diese Idee verworfen. Mit einer kurzen Querung kommt man aber problemlos ins Echo und kann sich dementsprechend in L1 schon mehr fordern, wenn man möchte.

Nicht grad geschenkt, die erste Länge vom Echo der Zeit (6a).

L2, 20m, Gehgelände (Echo): Kurzer Übergang über die Wiese zum BH-Stand an der nächsten Wandstufe. Diesen Punkt kann man auch von der Kleinen Chäle einquerend erreichen (steiles Gras, T5, je nach Verhältnissen etwas heikel).

L3, 40m, 5c (Echo): Auch diese Seillänge gehört noch zum Echo der Zeit, hier hatte ich die Bolts anno 2012 eigenhändig platziert. Es machte Freude, diese schöne Platte erneut zu klettern. Sicherlich deutlich einfacher wie die erste Länge... Es gilt dann, beim ersten Stand Halt zu machen, jener vom Echo befindet sich noch einige Meter weiter diagonal rechts oben.

Tolle Kletterei über die kompakte Platte in L3 (5c) vom Echo, erst die letzten Meter sind etwas grasig.

L4, 45m, 7a+ (Frick): Die ersten Meter geht's noch gemässigt linksherum los, aber der steile und kompakte Fels folgt bald. Und das Thema dieser Seillänge hat man auch bald einmal gecheckt: es gilt, mit der Nutzung von Untergriffschuppen und -schüppli den Druck auf die Füsse zu bringen, welche auf Reibung in oft relativ schwach strukturiertem Fels antreten. Vereinzelte Löcher und Löchlein sowie ein paar seltene Leisten sorgen für etwas Entlastung. Nach etwas Anplättung folgt dann nach dem ersten Drittel die markante Crux, wo man von (logisch!) Untergriffen auf eine glitschig-schlechte-mickrige Leiste zieht und das Ganze mehr oder weniger trittlos zum nächsten Loch retten muss. Gut abgesichert zwar, aber dennoch zwingend - insgesamt habe ich auf dieser Route drei Umkehrmaillons eingesackt, eines natürlich genau da. Generell werden die Abstände gegen oben hin weiter, wobei sich einzelne schwierige Moves in Hakennähe mit griffigerem Gelände dazwischen abwechseln. Fazit: eine interessante und schöne Länge, auch wenn die Schüppli teils etwas gar fragil wirken und die Löcher teils schmerzhaft sind. Und ohne volle Kanne daran zu dübeln geht's dann garantiert nicht. Früher wurde diese Seillänge sogar nur als UIAA 8 (d.h. 7a) bewertet, mich dünkt auch die bei der Sanierung ausgeworfene 7a+ zu tief, sowas im Bereich 7b/+ scheint mir wesentlich realistischer.

Ab dieser Position folgt in Frick an Strick (7a+) nun die Cruxpassage.

L5, 25m, 6c (Billy): Los geht's ein paar Meter weiter rechts unten auf dem Band, man muss den Stand in einer Mikro-Seillänge dahin verschieben. Die ersten Meter noch relativ einfach zu einer Untergriffschuppe hinauf, nach rechts raus und an Tropflöchern und Schlitzen den Pfeiler hinauf. Coole Moves und auch gut mit BH gesichert, wobei der entscheidende verdammt schwierig zu klippen ist. Mit viel Risiko und auf dem letzten Blatt ging's mir auf, in etwas zugänglicherem Gelände kommt dann auch schon bald einmal der Stand. Gefühlt würde ich diese Länge eher als 7a einstufen.

Tolle Kletterei in kompaktem Tropflochfels in der ersten Länge von Billy ze kick (L5, 6c).

L6, 35m, 7b (Billy): Es geht die überhängende Verschneidung hinauf (welche ja nach Position in der Chälen so richtig wahnwitzig aussieht!). Kurz knifflig, bis man etabliert ist, danach geht's dann streng und anhaltend, aber doch an meist guten Griffen bis zu einem Schüttler, bevor man nach links hinaus in die steile Plattenwand klettert. Glatt antreten, Löchli nutzen und gekonnt nach links retten, die Challenge ist eher technischer Natur als sehr physisch. Es lässt dann auch gleich wieder nach, wobei die Kletterei an vereinzelt guten, aber weit auseinander liegenden Schuppen doch einen guten Plan erfordert, zudem muss auch etwas über die Haken gestiegen werden. Zum Ende kommt man in einen einfachen Kamin, welcher durch eine dicke Föhre abgeschlossen ist. Stand entweder da oder dann 5m weiter links oben an BH im Fels (Seilverlauf nicht so günstig).

In dieser überhängenden Verschneidung startet die zweite Länge von Billy ze kick (L6, 7b).

In der Gegend von 15.15 Uhr und damit nach rund 4:00h Kletterei hatten wir das Top erreicht. Julen hatte L4 souverän geonsighted und war in L6 nur sehr knapp am Gesamtdurchstieg gescheitert. Mir hingegen gingen beide diese Cruxen nicht auf Anhieb, der Rest jedoch auch. Es verblieb noch die Frage, welche der beiden Cruxlängen schwieriger gewesen war. Meiner Meinung nach die erste, d.h. Frick an Strick, aber zu 100% einig wurden wir uns in dieser Frage nicht ganz. Nach einer gemütlichen Pause am Routenende machten wir uns auf den Abstieg: linksherum hinauf zur Westschulter, dann über die Rampe in die Kleine Chälen und durch diese retour zum Einstiegsbereich. Zufrieden mit diesem anregend-anspruchsvollen Sonntagsprogramm machten wir uns auf den Heimweg.

Facts

Bockmattli - Frick an Strick & Billy ze kick 7b (7a obl.) - 6 SL, 200m - M. Scheel 1985; Th. Götz 1989 - ***;xxxx
Material: 1x50m-Seil, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Interessante und logische Kombination durch die Westwand am Kleinen Bockmattliturm, wo man bis gegen die Mittagszeit Schatten vorfindet. Ob das jetzt die schönste Tour im Bockmattli ist?!? Nach meinem Gusto nicht unbedingt, da bietet z.B. Element of Slime gleich nebenan die deutlich homogenere Challenge mit viel schöneren Schlüssellängen. In der hier beschriebenen Kombi sind die Schwierigkeiten relativ unhomogen und während der Fels von guter Qualität ist, so sind die teils fragil wirkenden Schüppli und scharfen Löcher nicht so mein Ding. Zusammen mit der Trittarmut hat die Kletterei in den schwierigen Seillängen einen harten, brachialen Charakter, welcher so richtig den Geist der 1980er versprüht. Das gilt auch für die Absicherung: zwar ist sie mit nun durchgehend rostfreien BH durchaus als gut zu bezeichnen, einige Passagen (v.a. in Frick an Strick) sind aber zwingend zu meistern und erfordern durchaus Sportsgeist, weil die Art der Kletterei halt einfach psychisch fordernd ist. Objektiv gemessen wäre die Absicherung wohl xxxx, subjektiv empfunden ist sie eher nur xxx. Cams und Keile braucht es nicht, es wäre mit ihnen auch kaum etwas anzufangen. Hier das Topo vom Sanierer Th. Götz, welches es auf den Seite der Yoyo Kletterschule gibt - vielen Dank für die Arbeit!

Topo von Th. Götz / Kletterschule Yoyo. Die im Beitrag beschriebene Kombi ist Nr. 3 (rot).