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Donnerstag, 15. Oktober 2026

Läged Windgällen - Novämber Sunnä (6b)

Ein Bericht vom Juni 2026: nach intensiven Sportklettertagen sollte es zum Genuss und der Abwechslung noch eine chillige MSL geben. An einem heissen Tag mit einer auf den Abend angekündigten Gewitterfront schienen uns die Schächentaler Wände das richtige Ziel. Obwohl wir vom November jahreszeitlich fast nicht weiter entfernt sein könnten, wählten wir die Novämber Sunnä - die neuste und laut dem Topo attraktivste Route in dieser Wand. Sie verspricht homogene und gut abgesicherte 6b-Kletterei im rauen und griffigen Klausenfels.

Die Südwand der Läged Windgällen mit Start und Top der Novämber Sunnä.

Den Zustieg wählten wir vom Mettener Butzli, wofür 20 CHF an Taxe zu bezahlen sind. Der Obulus kann an verschiedenen Orten entrichtet werden. Eine Tafel beim Fahrverbot klärt darüber auf, wir wurden beim ersten Bauernhof gleich nach der Tafel freundlich bedient. Aber Achtung, im Schächental gilt noch: nur Bares ist Wahres, man führe einen Zwanziger mit! Die Strasse hinauf ins Butzli ist am Ende nur geschottert und eher rau, war aber auch mit einem normalen PW befahrbar. Eine optimale Alternative wäre sicherlich das E-Bike: zu öffnende und schliessende Gatter, wiederholtes Kühe von der Strasse treiben und ein paar Kreuzungsmanöver verschieben das Zeitgleichgewicht erheblich in Richtung der Zweirad-Lösung.

Hier und jetzt geht's los, dies bei tollem Blick auf Clariden, Chammliberg und Schärhorn.

Vom Parkplatz kurz vor dem Butzli geht's dann durch die Lawinenverbauungen hinauf, es sind mehrere Pfadspuren vorhanden. Nach deren Ende quert man vom Zaun weg erst noch eine Schuttrunse und steigt dann nach ca. 100-150m in mergeligem Gelände über einen Rücken zur Wand hinauf. Eine kurze Traverse an deren Fuss führt einen schliesslich zum Einstieg. Im Juni 2026 war dieser durch einen rostfreien BH und einen roten Punkt markiert. Die Basler Route war ca. 10m weiter rechts noch mit abblätterndem Lack namentlich angeschrieben. Kurz vor 9.15 Uhr legten wir los, die Sonne hatte den Wandfuss eben erreicht.

L1, 25m, 6a+: Erst gestuft und etwas grasig, dann neben einer teilweise mit in die Sequenz einbezogenen Verschneidung auch noch bei zugänglichen Schwierigkeiten hinauf. Der Hauptteil besteht dann aus griffiger und recht athletischer Wandkletterei. Da darf man durchaus ein bisschen zupacken und ist nachher sicher gut aufgewärmt.

Im oberen Teil von L1 (6a+) heisst es zupacken: athletische Kletterei an guten Griffen.

L2, 25m, 6b: Ein goldiges Wandstück wartet wenig oberhalb vom Stand. Es empfiehlt sich, dieses tolle Stück Fels auch wirklich auszunutzen und auf der angedachten Sequenz rechtsherum zu klettern. Die Griffe sind so gut wie erwünscht und bringen einen zügig in eine raue Steilplattenzone in einem seichten Winkel. Die Crux folgt erst da - ein, zwei Moves waren durchaus tricky und erforderten entschiedenes Antreten. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, diese Passage mit der Brechstange gelöst und nicht die leichteste Beta gefunden zu haben.

Lukas folgt in L2 (6b), hier gerade die knifflige Cruxzone im seichten Winkel.

L3, 35m, 5b: Es geht Richtung 13 Uhr hinauf, auf den ersten Metern kreuzt man hier die Basler Route. Es geht erst an einigen recht gut verankerten Schuppen über den Aufschwung hinweg, nachher legt sich das Gelände zurück und ist etwas durchzogen. Der Fels ist jedoch recht solide und die nächste tolle Sequenz folgt schon bald.

L4, 30m, 6b: Die ersten Meter noch leicht zu einer Steilzone, welche sich dank guten Griffen sorgenlos bewältigen lässt. Ganz ähnlich wie in L2 gelangt man auch hier wieder in eher technisches Gelände in hervorragendem Fels, welches ziemlich überraschend der etwas kniffligen Crux aufwartet. Ein kurzer Move, rasch war's erledigt - ob meine Sequenz die 6b-Lösung war, bin ich mir aber nicht sicher. Zuletzt wieder griffiger, aber mit einem etwas weiteren Abstand zum Stand, der sich links um die Ecke versteckt.

Super Kletterei in hervorragendem Fels zum Ende von L4 (6b).

L5, 25m, 6b: Diese Länge verschiesst ihr Pulver gleich zu Beginn: es geht über eine Dachzone hinweg. Nicht alle Griffe bzw. blockigen Strukturen wirken super solide - dem nützlichsten Griff habe ich nicht getraut, wobei der laut den Spuren zu urteilen regelmässig genutzt wird und wohl standhält (es ging auch ohne gut). Einmal oben, lassen die Schwierigkeiten rasch nach. Der Stand befindet sich vor dem Ausstieg in einfacheres Gelände links und ist einfach zu übersehen.

L6, 20m, 4c: Kurze und wenig attraktive Verbindungslänge nach rechts. Der Fels ist nicht schön, aber doch ausreichend solide und die Absicherung passt auch. Der Stand dann links oben in der Nische unter der markanten Verschneidung.

L7, 40m, 6b: Eindrücklich und alpin sieht diese Passage aus. Die einfachste Sequenz nutzt im unteren Teil die Verschneidung mit. Aber Achtung, die linke Wand ist ziemlich chossy und das Sicherungspersonal befindet sich direkt unterhalb in Schusslinie. Ich bin hier im Nachstieg nur rechts in der Wand geklettert. Vielleicht nicht so logisch, aber absolut empfehlenswert und auch nur ca. 6a/6a+. In der zweiten Hälfte stecken die BH dann etwas kreuz und quer, lange Exen oder Halbseiltechnik zum Vorbeugen von Seilzug sind sinnvoll. Die Crux folgt dann am Schluss mit zwei kräftigen Zügen über ein Dacherl hinweg, eher leichtverdaulich für 6b.

Alpines Ambiente in der grosszügigen L7 (6b).

L8, 40m, 6b: Ein tolles Abschlussbouquet über den steilen Pfeiler. Der Auftakt gemässigt schwer und griffig, wobei es vor der Hälfte 1x einen weiteren Hakenabstand gibt. Die Kletterei ist da einfach, allerdings ist das Gestein nicht so solide. Geht aber schon, einfach aufpassen. Die Crux kommt dann erneut unverhofft mit einer technischen Passage bei kurzer Rechtsquerung und hinterliess wiederum das Gefühl, möglicherweise nicht die beste Option gefunden zu haben. Die Zielgerade bietet dann griffig-tolle Kletterei, der Stand folgt kurz vor dem Pfeilergipfel etwas rechts aussen, die BH sind nicht sofort sichtbar.

Yours truly in der stotzigen Schlusslänge am steilen Pfeiler (L8, 6b).

Etwas nach 12.15 Uhr und damit nach gut 3:00h der Kletterei waren wir am Top. Das war nun eine sehr vergnügliche Sache gewesen. Wie geplant bzw. erhofft, hatten wir den Flow gefunden, waren nicht an unsere Grenzen gelangt und konnten einen stilreinen Durchstieg notieren. Relativ umgehend machten wir uns an den Abstieg. Kurz übers Top hinweg, jenseitig ca. 10m absteigen, bis eine Schlinge an der Kante (nicht sehr offensichtlich) auf den Beginn der Abseilpiste hinweist. 

Wie man auf diesem Foto von kurz vor dem Ausstieg erahnen kann: es gibt in dieser Wand viele Steine, welche nur darauf warten, von einem Seil hinunter zu ihren vielen Artgenossen in den Geröllreissen spediert zu werden. Falls mehrere Seilschaften in der Wand sind, sind Umsicht und defensives Verhalten angezeigt!

Es sind nun 5 Manöver à 30-45m Länge zurück an den Einstieg. Zu erwähnen ist, dass der (auch im neusten Plaisir Ost von 2026 verzeichnete) Abseilstand nach der ersten Strecke demontiert war - nur die nackten Dübel waren noch im Fels. Wir behalfen uns am Stand der Neuen Südwand, das geht auch. Dann sind es zwei Standplätze der Novämber Sunnä und zuletzt noch einer der Basler Route, siehe Topo. Zu erwähnen ist: ein Abseilen bzw. Seilabziehen komplett ohne Steine zu lösen ist schwierig bis unmöglich. Die Eigengefährdung dadurch ist gut zu handeln, aber andere Seilschaften in der Wand wären dem Risiko von einem Treffer ausgesetzt. Das Szenario "Mehrfachbesuch" scheint jedoch von überschaubarer Wahrscheinlichkeit. Die Novämber Sunnä wird laut Wandbuch ~5x pro Jahr geklettert, die anderen Routen sicher auch nicht häufiger. Auch nicht auf null beläuft sich das Verhängerrisiko bei der Abseilerei. Das Glück war uns in dieser Hinsicht aber hold. So waren wir bald zurück am Einstieg und liefen beglückt über die schöne Kletterei und mit viel Zeitreserve vor Eintreffen der Gewitterfront talwärts.

Facts

Läged Windgällen - Novämber Sunnä 6b (6a obl.) - 8 SL, 240m - Fullin/Rhyner 2011 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht zwingend nötig

Tolle Kletterei in griffig-rauem Klausenfels, welche einer interessanten und luftigen Linie folgt. Schöne und sehr kompakte Passagen mit Premier-Cru-Fels wechseln sich ab mit etwas einfacherem, teils auch etwas blockigem Gelände. Der Fels ist auch dort weitestgehend solide, in einigen Passagen schadet etwas Umsicht bei der Griffauswahl jedoch nicht. Insgesamt dünkt es mich aber trotz allem eine Route, wo man sich gut ans alpine Klettern im 6b-Gelände herantasten kann. Die Hauptschwierigkeiten sind kurz und sehr gut mit rostfreien BH abgesichert. Generell hinterlässt die Absicherung einen freundlichen Eindruck. Mir schien sie klar besser als "Plaisir ok", wie es in der Ausgabe des Band Ost 2026 steht - mindestens "gut", an den Schlüsselstellen sogar zweifellos "super". Wenn man möchte, so könnte man vermutlich schon noch den einen oder anderen Cam unterbringen. Nicht häufig jedoch und mir schien dies (bei solider Reserve auf den geforderten Grad) nirgends nötig.

Montag, 5. Oktober 2026

Wendenstöcke / Reissend Nollen - Imago (7b)

Die Locals und die Topo-Autoren sind sehr streng mit den Routen an den Wendenstöcken. Da werden gewisse Klettereien mit nur einem einzigen Stern 1* an Schönheit bewertet, oder dann ganz gleich aus den Topos eliminiert. Meine Erfahrung ist gegensätzlich: ich habe an diesem Massiv noch keine einzige unlohnende Route geklettert und in einem weiter gefassten Vergleich waren auch die Wenden-Mauerblümchen absolute Perlen. Sämtliche dieser Aussagen sind für die Route Imago am Reissend Nollen relevant. Sie wurde bereits 1989 von Chäppi und Ruth Ochsner eingerichtet, figurierte lange Zeit aber nicht einmal in den Topos. Natürlich ist sie in der gewaltigen Arena des Reissend Nollen nur eine Randerscheinung auf der Linksaussen-Position. Aber man für einmal nicht Zeit und/oder Energie für ein extralanges Projekt hat, so findet man in der Imago exzellenten Fels und Kletterei bei lobenswert freundlicher Absicherung. So freue ich mich, hier ein wenig Licht auf diese Perle zu werfen.

Der sogenannte Trash-Pfeiler am Reissend Nollen mit dem Verlauf von Imago.

Ein wenig ringe ich damit, hier die ganze Vorgeschichte zur Imago zu erzählen. Nicht etwa, weil ich nicht dazu stehen könnte. Doch sie gibt der Imago unweigerlich den Charakter von einem Ersatzziel, was ihr meines Erachtens nicht gerecht wird. Um diesbezüglich noch weiter Gegensteuer zu geben, sei zusätzlich erwähnt, dass wir mit einer Begehung von Imago bereits 3 Wochen zuvor geliebäugelt hatten, da dann aber schliesslich dem Nachtexpress den Vorzug gegeben hatten. Item: Bernat war bereits auf der Wendenalp und im Angesicht unserer ursprünglichen Pläne planten wir tageszeitlich früher als zuletzt und machten uns von ebenda um 7.15 Uhr auf den Weg Richtung Reissend Nollen. Und nun muss die Katze aus dem Sack gelassen werden: dies mit dem Ziel, die Route Painkiller zu klettern. So gingen wir auf dem üblichen Weg zum Reissend Nollen Vorbau, dann links hinaus und über die Platten hinauf. Der Einstieg von Imago kann von da unschwierig über ein Band angelaufen werden, wenn man gleich dahin möchte, zeitlich macht das ca. 1:15h.

Hier in der gewaltigen Arena des Reissend Nollen sollte es an diesem Tag zur Sache gehen!

Wir indessen stiegen weiter auf und erreichten den Start von Painkiller via die Einstiege von Caminando bzw. Tsunami, zuletzt mit einer doch recht exponierten, plattigen Querung in Falllinie des Wasserfalls. Wobei ein Direktzustieg von unten tendenziell noch heikler bzw. schwieriger wäre. Nach den üblichen Vorbereitungen ging's wenige Minuten nach 9.00 Uhr topmotiviert los in die plattige, mit feinen Wasserrillen garnierte erste Länge von Painkiller. Der Weg zum ersten BH ist schon mal weder kurz noch einfach (heikel, insbesondere da auf dem exponierten Einstiegsband nichts steckt!). Dann wird's schon bald äusserst fusslastig und definitiv ungeschmeidig wurde es, als der vierte, von fallenden Steinen zerschlagene BH nicht geklippt werden konnte. Zurücksteigen schien zu schwierig, abzuspringen zu scary, doch ihn (wie zuletzt in der Niagara) zu übersteigen funktionierte schliesslich leider auch nicht. Eine nervenaufreibende Weile später stand Bernat aber zum Glück wohlbehalten wieder neben mir auf dem Einstiegsband... uff!

Vorbereitungen auf dem exponierten Einstiegsband der Route Painkiller.

Ein Plan B war offensichtlich, nämlich über die No Name Route von Schüpbach/Bissig gleich links davon zu starten, weil diese in L2 sowieso ein Stück gemeinsam mit Painkiller verläuft. "Gesagt und getan", schön wäre es! Die ersten Meter waren schon richtig taff (die 6c-Bewertung muss sehr im Kontext verstanden werden), aber immerhin vernünftig abgesichert. Später dann muss aber in ultra-schlabbrigem, kaum kontrollierbaren Terrain mit ungünstigem Sturzraum weit über die letzte Sicherung gestiegen werden. Das war sehr psycho, v.a. weil ein heikler Sturz zur Unzeit nochmals nur knapp vermieden werden konnte. Doch damit nicht genug: als wir am Standplatz waren, fiel prompt auch noch eine gehörige Salve Steine vom grossen Trichter/Wasserfall runter - zum Glück mit Respektabstand an uns vorbei. Die Exponiertheit der Einstiegsplatten hier am Trash-Pfeiler ist ja nicht unbekannt. Aber wir hatten uns gedacht, dass jetzt, wo absolut kein Schnee in der Gipfelregion liegt, alles trocken ist und ruhiges Wetter herrscht, das Risiko von Steinschlag praktisch inexistent sein müsste. Vielleicht waren es Tiere? Oder einfach nur das kleine Restrisiko? 

Endlich einmal etwas geklippt! Painkiller startet in L1 (7a) auf etwas unlogisch-schwieriger Linie mit dieser schlabbrigen Platte, welche mit feinen Rillen garniert ist. Zur Zeit unserer Begehung war der vierte BH defekt und die Passage darum nicht möglich. Aber eines ist klar: die Route hat schon Schwung und wäre "à faire". Nur dieses Steinschlagrisiko hier im Einstiegsbereich... 

Jedenfalls: wir erklärten unseren Versuch in Painkiller damit für beendet. Der Vibe stimmte nicht und es schien (zu) riskant, es mit der Kletterei in dieser knapp abgesicherten Route zu forcieren und die Möglichkeit von einem Steinschlagtreffer weiter zu akzeptieren. Um nicht komplett unverrichteter Dinge wieder abzotteln zu müssen, wurde schliesslich der Plan C zu Rate gezogen und der bestand nun eben darin, das Rätsel um die Imago zu lüften. Wir gingen zurück via Caminando-Einstieg und die Terrasse von Spasspartout/Zambo, ein Abseiler vom Einstieg von Trash wäre aber vermutlich effizienter gewesen. Anyway, gegen 11.00 Uhr waren wir schliesslich in der Imago startbereit. Die Conditions waren 1a, die Kletterei und der Fels sahen sehr vielversprechend aus und die Steine aus dem Trichter stellten an dieser Stelle auch keine Gefahr mehr dar. Dementsprechend war der Motivationspegel wieder auf hohe Werte gestiegen und ich legte los.

L1, 25m, 6b (offiziell 6a): Gewisse Fragezeichen hatte ich jedoch auch hier. Denn nach 6a sah die kompaktissimo Platte definitiv ganz und gar nicht aus und meine a-priori-Einschätzung wäre eher gewesen, dass es sich hier schon um die 6c von L2 handelt. Denn wir hatten schon eine L0 von einem BH am Ende vom Zustiegsband bis zum hiesigen Stand mit 2 BH geklettert. Die ging jedoch auf dem einfachsten Weg noch seilfrei, auch wenn man unter Nutzung des kompaktesten Geländes durchaus eine 6a gefunden hätte. Doch nun, im Nachhinein ist aber klar - hier stand tatsächlich die "6a" der offiziellen L1 noch bevor. Eine tolle, rätikonartige Steilplatte mit bereits komplexen Moves. Zum Glück ist die Absicherung richtig gut, eine gute Seele hatte diese in Form einer Teilsanierung mit rostfreien BH aufgebessert. Nur von der Topo-Bewertung halte ich gar nix: 6b Minimum, nach meiner Meinung!

Auch wenn der Fokus auf meiner Rückseite ist: exzellente Aussichten am Start in L1 (6b) von Imago.

L2, 25m, 7a (offiziell 6c): Aus der Standnische raus folgt zuerst eine Linksquerung, wobei ein paar Wenden-Löcher noch recht hilfreich sind. Während das original wohl mit einem Runout zu meistern war, wurde auch da zum Glück nachgebessert. So richtig heftig wird es dann, wenn man einmal links aussen ist. Verschärftes Antreten auf Reibung an der Steilplatte, Griffe gibt's höchstens in der Mini- oder der üblen Sloper-Version und der letzte Move auf den Rettungshenkel ist besonders gewagt - crazy stuff, für mich auf jeden Fall 7a! Das Finish auf eine Schuppe ist dann einen Tick leichter und auch nicht mehr so superduper, was die Qualität betrifft.

Sehr kompakte und auch richtig taffe, steilplattige Kletterei in L2 (7a).

L3, 25m, 7b: Laut dem Topo-Papier gibt's hier gegenüber L2 gleich nochmals 4 Schwierigkeitsgrade extra. Und die findet man auch gleich mit dem Move aus dem Stand raus - a heinous boulder, richtig hart! Ohne vernünftige Tritte heisst es, von einem seichten Löchlein und einem kleinen Kratzer zu ziehen. Wohin, das kann man schon sehen - nur nicht wie gut diese Strukturen sind. Sorry, selbstverständlich muss für die Lüftung dieses Rätsels weiterhin an die Wendenstöcke gefahren werden. Die Folge bietet dann tolle, steile Wandkletterei bei prima Absicherung, nur vom letzten BH zum Stand wartet (bei einfacher werdenden Moves) ein weiterer Abstand, der nicht mit einem Zusatz-BH entschärft wurde, wo aber ein 0.75er-Cam passt. Zur Bewertung: der Teil nach dem taffen Auftakt-Boulder geht wohl so als 7a/+ durch. Wie man insgesamt bewertet, gute Frage - der Boulder ist schon gut hart...

Harter Boulder zum Auftakt, dann tolle Kletterei bei genialem Ambiente in L3 (7b).

L4, 25m, 6c (offiziell 6b): Eine richtig tolle Steilplatten-Länge, wo zu Beginn einige griffige Seitschuppen miteinander verbunden werden wollen. Nach einer Linkstraverse folgt dann ein heftiges Stehproblem zu einer Sanduhr hin, welches mit der Verschneidung links leider nicht entschärft werden kann. Wieder etwas griffigeres Gelände führt zum (vermutlich) alten Stand. Ein neuer (fürs Abseilen deutlich günstiger gelegen) liegt wenige Meter oberhalb - die unscheinbare Stufe da hinauf hat es nochmals in sich - siehe Foto weiter unten im Beitrag.

Auch in L4 (6c) geht's wieder nach rechts aus dem Stand raus mit Sicht auf den Caminando-Pfeiler.

L5, 30m, 6b (offiziell 6c): Die von mir aus gesehen einfachste Länge der ganzen Route startet in einer Verschneidung, welche man dann nach links verlässt, wobei der entscheidende BH nach einem längeren Abstand nicht so leicht zu klippen ist. Gut angelegt geht die eng gesicherte Traverse dann kommod über die Bühne und auch die weiter gebohrte Wand darob mit ihrer interessanten Felsstruktur bietet viel Genuss, aber definitiv nicht mehr die grossen Herausforderungen.

Super Ambiente auch in der vermutlich einfachsten Länge der Route: L5 (6b).

L5, 30m, 7a+/7b (offiziell 7a): Ja, nochmals eine fette Challenge findet man auf der Abschlusslänge. Deren Routenführung nach rechts hinaus mit einigen Hin-und-Her-Ecken wirft vielleicht a priori einige Fragezeichen auf - im Tun hat man dann die volle Immersion im Moment. Während der Auftakt noch mit ein paar griffigen Leisten gut über die Bühne geht, so zieht an einer ersten Steilplattenstelle schon mal richtig an. Bei der Passage über den Wulst erklärt sich die Präsenz des Extra-BH links ausserhalb der Linie (später wieder aushängen!) bald von selbst. Ein taffes Bewegungsproblem an Slopern befindet sich genau da. Damit ist die Schlacht noch nicht gewonnen, nach einer machbaren Rechtsquerung gilt es nochmals richtig gescheit auf Steilplatten-Reibung anzutreten - dies mitunter auch die zwingendsten Passagen der Länge bzw. der ganzen Route, die Absicherung ist mit 10 BH auf 30m aber auch hier prinzipiell tiptop. 

Superkompakte Steilplattenkletterei in L6 (7b), öppe gar nöd gschänkt!

Enden tut die Imago ziemlich antiklimaktisch an einem unbequemen Stand mitten in der Wand. Unser Eindruck im Gelände war so, als dass man mit einer von der Schwierigkeit her passenden Länge her durchaus das Ende von Cleopatra erreichen könnte, von wo man dann noch zwei weitere Abschnitte anzuhängen wären, die zu Gelbe Flamme gehören - das Wandbild im Intro des Beitrags bestätigt diese Wahrnehmung. So ergäbe sich ein schöner Bonus und eine Tour mit doch respektablen 9 Seillängen. Naja, das ist - wenn überhaupt - Zukunftsmusik und wir konnten nichts anderes tun, als um ca. 15.30 Uhr nach ca. 4:30h der Kletterei zum Handshake anzusetzen. Dass wir hier nur unseren heutigen Plan C realisiert hatten, war überhaupt nicht präsent, sondern viel mehr die Freude und Stolz über einen weiteren, erfolgreichen Wenden-Durchstieg und die durchgehend hervorragende Kletterei. Für mich war es #49, somit steht bei der nächsten Tour ein Meilenstein an und im 2027 darf ich dann auch noch 30 Jahre Kletterei an den Wendenstöcken feiern. So sollte ich mir vielleicht gut überlegen, wie bzw. womit dies zelebriert werden soll.

Zum Abschluss ein Shot vom sloprigen Abschluss-Boulder in L4 (6c).

Nun ja, diese Gedanken mussten nicht am Routenende gesponnen werden. Es ist sowieso schon ein eher unbequemer Ort. Weil sich auch die Sonne um ca. 14.30 Uhr aus der Wand verabschiedet hatte und zusätzlich noch ein thermischer Aufwind blies, war es umso attraktiver, möglichst rasch wieder zurück an den noch besonnten Einstieg zu kommen. Dies geht zum Glück sehr zügig mit 3 Strecken à je 50m, wobei zu erwähnen ist, dass man auf dem ersten Abschnitt das Seil voll ausreizt (zusätzlich gibt's noch kaum eine schlaue Alternative dazu!). Kein Fehler ist es dann, auch noch über die von uns im Aufstieg seilfrei begangene L0 abzuseilen. Beim Vespern im angenehm milden Sonnenschein waren wir bald wieder aufgewärmt und liefen anschliessend ins Tal. Wer nicht über die exponierten Platten absteigen möchte, könnte auch hinübergehen und den Vorbau mit 3x50m über Spasspartout abseilen. Ob es das war mit der Wendensaison 2026 - we will see!?!

Facts

Wenden / Reissend Nollen - Imago 7b (6c obl.) - 6 SL, 160m - K. & R. Ochsner 1989 - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams 0.3-1

Eher kurze, aber anhaltend spannende Wendenroute mit durchgehend qualitativ hochwertiger Kletterei. Die Herausforderungen sind eher steilplattiger Natur, athletische Kletterei in Überhängen gibt es hingegen keine - was der Route mehr den Charakter von einer Unternehmung an den Kirchlispitzen im Rätikon gibt. In der Literatur wurde die Imago bisher stiefmütterlich und mit teilweise falschen Angaben präsentiert. Die Bewertungen von 1989 sind harte Schule und vielleicht mit den Einstufungen von anderen Routen aus jener Epoche vergleichbar (z.B. Nachtexpress) - heute würde man sicherlich höhere Gradierungen verwenden. Die Absicherung mit meist verzinkten und einigen (wohl erst später im Rahmen einer Teilsanierung hinzugefügten) rostfreien BH ist für eine Wendenroute sehr komfortabel. Natürlich will immer noch geklettert werden, aber so dicht steckende BH findet man in diesem Massiv nicht allenthalben. Zusammen mit der beschränkten Länge also ein ideales Ziel, um sich einmal in höhere Aufgaben vorzuwagen. Einen Kommentar verlangt auch der obligatorische Grad von 7a+, welcher im Extrem West Band II rapportiert wird. Natürlich ist es immer eine gute Frage, was damit effektiv bewertet wird. Meines Erachtens ist er im Vergleich zu den anderen Wendenrouten aber deutlich zu hoch, 6c obl. dürfte gut hinkommen. Mit Cams und Keilen kann man nur relativ wenig anfangen, ein minimales Set von 0.3-1 reicht sicher aus.

Dienstag, 29. September 2026

Bifertenstock (3421m) über den Bänderweg

Der Hitzesommer 2026 hat vielen vergletscherten Bergen arg zugesetzt und sie in einen bemitleidenswerten Zustand gebracht. Andererseits ermöglicht die komplette Ausaperung und das weiterhin milde, sehr trockene Wetter Touren auf hohe felsige Berge mit leichter Ausrüstung. Mit wieder einmal durchgekletterten Fingern und müden Armen war der Zeitpunkt da, um von den einmaligen Verhältnissen Gebrauch zu machen. Auf den Bifertenstock mit seinem eindrücklichen Bänderweg fiel meine Wahl - eine Tour der Marke "unglaublich" und "einmalig schön". Dass sich dieser so weit entfernte Gipfel von Brigels innert einigen Stunden erreichen lässt, ist schon verblüffend. Und erst recht kaum zu glauben ist, dass die lange Passage über die sehr abweisend aussehenden Bänder in der Südwand bei moderater Schwierigkeit möglich ist.

Der Bänderweg am Bifertenstock - einfach eine geniale Sache! Hier sehen wir den ersten Kessel ab dem Einstieg. Man geht am rechten Bildrand los, erreicht die Lücke im Grat und traversiert dann die Höhe haltend weiter bis zum nächsten Eck, wo rückseitig der zweite Kessel beginnt.

Los geht's!

Meine Tour startet in Brigels auf dem Parkplatz der Bergbahn (1257m). Um einige Körner zu sparen, fahre ich mit dem E-Bike über die asphaltierte Strasse zur Alp Quader (1904m, 7km bis dahin). Kurz behost und nur mit Verpflegung und Getränken im Rucksack, aber ohne technisches Material, marschiere ich los. Über eine lange Traverse dem Hang des Fil da Rubi entlang geht's auf markiertem Wanderweg zur Bifertenhütte (2482m), die ich links liegen lasse. Die Fortsetzung folgt einem gut ausgetretenen, jedoch nicht mehr markierten Pfad zum Limmerenpass (2612m), den man mit einem Verlust von rund 40 Höhenmetern erreicht. Die hat man bald wieder gewonnen, auf weiterhin deutlich sichtbarem Weg steigt man über den Schuttrücken von P.3096 an - zuletzt mit einer Höhe haltenden Traverse dem Hang entlang zum Eck am Einstieg in den Bänderweg (ca. 3000m, bis dahin T2, guter Pausenplatz). Die Sicht auf den ersten Kessel ist einfach atemberaubend (siehe Foto oberhalb!) und auch aus der relativen Nähe verbleiben immer noch viele Fragezeichen zu dessen Begehbarkeit!

Blick zum Biferten von etwas oberhalb der Alp Quader. In einem grossen Bogen läuft man dem Hang entlang, später unter dem klotzigen Kistenstöckli am rechten Bildrand durch zum Biferten, welchen man am bzw. etwas unterhalb vom Grat über seine 4 Höcker hinweg bis zum Top verfolgt. Eine Wahnsinnstour!

Durch die Kessel

Also los, wir wollen es genau wissen! Klar sichtbare Trittspuren lassen keine Fragen zur Orientierung aufkommen und während man sich durchaus in exponiertem Gelände bewegt, so ist es unschwierig. In Mitte des ersten Kessels erreicht man P.3064 nochmals den Grat, bevor es wieder in der Flanke zum nächsten Eck weitergeht (ca. 3135m, bis dahin ca. T4, erneut guter Pausenplatz). Zu Beginn des zweiten Kessels erfolgt gleich eine Schlüsselstelle. Über ca. 20m ist das Band schmal, es muss im Fels traversiert werden und braucht zwingend die Hände, die ansonsten weitgehend im Hosensack bleiben dürfen (ca. T5, I). An dieser Stelle sind ca. ein Dutzend BH in kurzen Abständen vorhanden, man könnte also bei Bedarf sichern. Sonst gibt es in den ersten beiden Kesseln jedoch kein Fixmaterial. Auf dem weiteren Verlauf ist dies auch nicht nötig, denn es geht wie bis anhin meist im Gehgelände (ca. T4) vorwärts. Mittig im zweiten Kessel muss etwas abgestiegen werden, da braucht es nochmals kurz die Hände (ca. T5), nachher geht's wieder einfacher weiter.

Kurz vor der Mitte des ersten Kessels, das Band hier ohne Schwierigkeiten begehbar (ca. T4).
Der zweite Kessel, die Schlüsselstelle auf den Bändern (ca. T5, I) befindet sich am rechten Bildrand. Weiter links sieht man den Vorgipfel (mit brauner Spitze und dem Eisrest in der Südflanke), weiter links ist die Gipfelregion sichtbar, das Top selbst sieht man jedoch nicht.
Rückblick auf die Schlüsselstelle zu Beginn des zweiten Kessels (T5, I) - geht besser wie es aussieht!
Blick vorwärts in der Mitte vom zweiten Kessel. Demnächst muss etwas abgeklettert werden. Auf dem unteren Band mit dem hellen, gelblichen Streifen führt der Weg weiter.

Hinauf zum Grat

Am Ende des zweiten Kessels bei ca. 3230m ist der nächste Fixpunkt erreicht. Hier gilt es nun, den Ketten entlang auf den Grat aufzusteigen (früher ist man auf das Firnfeld traversiert, hat dieses überschritten und später den Grat erreicht, wegen dessen Abschmelzen ist das jedoch nicht mehr möglich). An den Ketten hangelt man sich zügig hinauf - wer freiklettern möchte, trifft hier auf solide, plattige Felsen im Bereich vom III./IV. Schwierigkeitsgrad. Schwierig bzw. heikel wird es erst da, wo die Ketten aufhören. Dies ist etwas unverständlicherweise vor dem Grat. Auf einer Strecke von ca. 40m sind nur noch 4 oder 5 Sicherungsstangen vorhanden. Das Gelände ist da zwar etwas weniger steil, aber dafür ungestuft-plattig, sehr exponiert und etwas schuttbedeckt (ca. T5, II). Im Aufstieg war ich zügig und ohne mir viele Fragen zu stellen darüber hinweg und am Grat oben. 

Beginn der Ketten, die zum Grat hochführen. 
Rückblick auf die heikelste Stelle der Tour mit den schuttbedeckten Platten. Irgendwann ist fertig mit den Ketten und es gibt nur noch die Stangen. Was auf dem Foto täuscht, ist die Exposition. Der "flache Platz" unterhalb ist viel weiter weg, wie man denkt - und man würde ihn bei einem Abturz sowieso "verfehlen".

Zielgerade zum Gipfel

Oben auf dem Grat ist das Gelände wieder viel einfacher (ca. T3/T4), der Gipfel ist jedoch noch ein ganzes Stück entfernt. Man überschreitet einen Vorgipfel (ca. 3360m), einige Felsen am Grat werden knapp unter Kammhöhe nordseitig über ein Band umgangen, schliesslich kommt man etwas absteigend zum Eisrest in Gipfelnähe. Dieser liesse sich südseitig in den Felsen komplett vermeiden. Da das Eis flach und griffig war, wagte ich die Überschreitung. Das ging gut, die kritischste Stelle ist es, oben wieder zurück auf den Fels zu wechseln. Mit einer kurzen, nicht exponierten Kletterstelle war das geritzt, sprich meine Taktik hatte perfekt funktioniert - das kann sich aber bei weiterem Abschmelzen auch ändern und nicht mehr so einfach mit den Zustiegsschuhen möglich sein. Mit nochmals etwas Aufstieg in leichtem Fels rückt dann bald das Gipfelkreuz (3420m) in die Nähe - wow!

Tiefblick zu "spaltenarmen Gletscher". Der hier wird wohl noch 1-2 Jahrzehnte überleben...
...dem Eisrest auf der Nordabdachung haben jedoch die letzten Jahre geschlagen, viele solche trocken-heissen Sommer macht der nicht mehr mit. Dieser Gletscher ist Teil der früher beliebten Eisnase durch die Nordwand. Sie ist jedoch abgeschmolzen, das Eis ist nicht mehr durchgängig, d.h. diese Tour ist m.E. nicht mehr machbar. Zur Route: man kommt links vom Eis in den Felsen durch, einfacher ist die Überschreitung. 
Bifertenstock / Piz Durschin (3421m) - absolut fabelhaft!
Toller Blick zum Tödi (3614m) - auch dort leiden die Gletscher.

Gipfelrast und Beginn vom Abstieg

Ich gönnte mir am Top eine halbstündige Pause. Es war ein absoluter Traumtag: mild, windstill und mit perfekter Fernsicht. Durchaus Bedingungen, um stundenlang in dieser exklusiven Loge zu verweilen. Doch der lange Rückweg mahnte schliesslich zum Aufbruch. Er sollte exakt genau über meinen Aufstiegsweg erfolgen. Bis zu der Stelle, wo man den Grat verlässt (mit blauem Pfeil markiert) war das schnell und problemlos erledigt. Die Abkletterei über die abschüssigen, schuttbedeckten Platten zum oberen Ende der Ketten war bzw. ist jedoch eindeutig die heikelste Stelle der Tour. Ich konnte das souverän meistern, dennoch würde ich nachdrücklich die Mitnahme von 20m Seil bzw. Reepschnur empfehlen. Dies reicht, um es zwischen den ca. 10m voneinander entfernten Stangen zum Festhalten zu nutzen (Klettergurt und Abseilgerät sind verzichtbar), was diese Passage deutlich entspannter macht. 

Wiederaufstieg zum Vorgipfel auf dem Rückweg. Wie man sieht, ist dies problemloses Gelände.
Die heikle Stelle zu den Ketten ist vorbei, man kann wieder Fahrt aufnehmen mit dem zweiten Kessel vor sich. Der Weg (in voller Auflösung erkennt man die Spuren) verläuft unterhalb vom dunklen bzw. oberhalb vom hellen Felsband. Kurz vor dem nächsten Ecke die Kessel-Schlüsselstelle.
Wieder draussen aus dem Bänderweg. Der Rückweg nach Brigels folgt dem ganzen Rücken voraus, bis hin zum rechten Bildrand. Wie man sieht, legt man auf dieser Tour doch nebst den Höhenmetern auch eine beträchtliche Strecke zurück.
Gute und klar erkennbare Wegspur auf dem Schuttrücken, der zu P.3096 hinunterzieht.

Zurück ins Tal

Die Ketten selbst waren dann Formsache, die beiden Kessel beschritt ich zügig und ohne jegliches Zögern und nach dem Erreichen des ersten Ecks (3000m, Anfang/Ende Bänderweg) war es dann definitiv nur noch Marschieren an einem wunderschönen Herbstnachmittag. Zuerst ging's noch sehr beschwingt, erst in der horizontalen Querung an der Flanke des Fil da Rubi spürte ich den Effort dann langsam etwas. Ja, so weit (ca. 25km und 1700hm hin und zurück) war ich schon lange nicht mehr gelaufen - tut aber gut. Sowieso, über kurz oder lang war das Bikedepot erreicht und in rauschender Fahrt bald auch das bequeme Polster und eine Quelle für kühle Getränke. Wow, was für eine Tour - schon unglaublich, was in einem Tag alles für Erlebnisse Platz haben.

Der Biferten muss nach dieser Aktion etwas Dampf ablassen - wie damals bei der Holy Smoke!

Zeiten (für einen Senior & Sportkletterer ohne Ambition auf Rekorde, geht sicher auch schneller ;-)) 

Aufstieg (geschätzt anhand der Fotos, Pausen inklusive):

00:00 Start in Brigels, Parkplatz der Bergbahn (1257m) mit E-Bike
00:25 Alp Quader 
01:45 Bifertenhütte
02:55 Einstieg Bänderweg / Beginn erster Kessel
03:20 Beginn zweiter Kessel
03:45 Beginn der Ketten
04:00 Vorgipfel P.3359
04:20 Gipfel (3421m)

Abstieg (geschätzt anhand der Fotos, Pausen inklusive):

00:00 Start vom Gipfel
00:30 Unteres Ende der Ketten
00:55 Ausstieg aus dem Bänderweg
01:30 Bifertenhütte
02:30 Bikedepot Alp Quader
02:45 Brigels

Material

Ist natürlich sehr von den Verhältnissen abhängig und schlussendlich muss jeder wissen, was er sich zutraut und mitbringen will. Insofern es einem Tatbeweis bedarf, so wäre er erbracht, dass man den Gipfel bei Idealbedingungen mit kurzen Hosen und Zustiegsschuhen erreichen kann. Ganz sicher gibt's auch Tage, wo alpine Vollmontur inkl. Pickel und Steigeisen gefragt ist. Nicht verzichten würde ich bei einer Wiederholung auf ein 20m-Seilstück für die Platten zum Grat, egal ob man solo oder in Seilschaft geht. Wer bei der Traverse zu Beginn des zweiten Kessels sichern möchte (nur in Seilschaft sinnvoll), sollte auch ein paar Exen und einen Klettergurt mitnehmen. 

Routenbeschreibung

Von Brigels per Auto, E-Bike, Shuttlebus oder mit Sesselbahn (nur bis Cuolms P.1665) zur Alp Quader P.1903. Wer ab Brigels zu Fuss gehen will, steigt effizienter durch das Val Frisal auf.

Von der Alp Quader dem Wanderweg (T2) entlang bis zur Bifertenhütte. Weiter auf guten Wegspuren, jedoch nicht mehr offiziell markiert zum Limmerenpass (P.2612) und weiter über den Schuttrücken von P.3096, zuletzt mit einer Traverse nach links zum Einstieg in den Bänderweg (ca. 3000m, guter Pausenplatz, bis dahin T2).

Man durchschreitet den ersten Kessel (ca. T4), wobei man mittig bei P.3064 nochmals den Grat erreicht, zum Eck vor dem zweiten Kessel. Dort gleich zu Beginn die engste Stelle (ca. T5, I, mehrere BH zur Sicherung vorhanden). Dann einfacher weiter (ca. T4/T5), mittig im Kessel mit Zwischenabstieg, zum Beginn der Ketten vor dem Eisrest bei P.3159.

Den Ketten entlang hinauf (frei geklettert ca. eine plattige III/IV). Dann hören die Ketten auf, es gilt über exponierte, schuttbedeckte Platten den Grat zu erreichen (ca. T5, II, Sicherungsstangen im Abstand von ca. 10m vorhanden, Crux bei seilfreier Begehung, v.a. im Abstieg heikel).

Am Grat wieder viel einfacheres Terrain (ca. T4). Man überschreitet den Vorgipfel zu P.3352. Der Eisrest im Gipfelbereich kann entweder überquert oder südseitig in den Felsen umgangen werden. Wenn man das Eis begeht, ist der heikelste Punkt das Erreichen der Felsen vor dem Gipfel. Mit etwas Kraxelei über diese erreicht man das Gipfelkreuz.

Abstieg auf derselben Route.