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Montag, 27. April 2026

Skitour Chilchalphorn (3039m) & Lorenzhorn (3048m)

Das Saisonende für Skitouren naht, doch die guten Verhältnisse wollen zur Erholung vom Sportklettern nochmals ausgenutzt werden. Mit den noch nicht geöffneten Passstrassen stehen nur relativ wenige Touren mit entsprechend viel Andrang zur Verfügung. So will ich kreativ werden und eine Tour angehen, welche sich nur in Kombination mit dem E-Bike lohnt. Mit dem sehr populären Chilchalphorn ist diese identifiziert. Bei winterlichen Powder-Verhältnissen wird diese Tour von Alpinisten aus Nord und Süd überrannt. Aber jetzt, wo unterhalb von 2000m schon gar kein Schnee mehr liegt, ist man da alleine unterwegs. Die eingesparten Höhenmeter zu Beginn der Tour habe ich den Abstecher zum Lorenzhorn investiert. Einsam und abgelegen erreicht man dieses Ziel über den Fanellgletscher in sehr schöner Landschaft und exzellentem Skitouring.

Hier ist noch (fast) alles grün, und wir sind doch schon auf 2000m! Aber der Schnee kommt, und es geht wirklich vom (sich im Bildzentrum befindenden) Bikedepot weg. Links dann der Gipfel des Chilchalphorns (3039m), rechts der Wenglispitz (2841m).

Um 7.45 Uhr sattle ich das Schneetaxi unmittelbar bei der Autobahnausfahrt von Hinterrhein. Preu heisst diese Lokalität, und somit gleich wie der Informatiklehrer meiner Tochter. Nein, ich glaube dieser Computer-Nerd hätte keine Freude an einer solchen Tour. Zügig geht's über den betonierten Chilchalpweg mit dem Boost-Modus in die Höhe. Bei P.2084 überdeckt der erste Schneefleck die Strasse, mit dem Bike kann er über die Wiese umfahren werden. Nach 20 Minuten (4.4km, +500hm) bin ich bei der Brücke über den Rappierbach auf ca. 2110m. Hier ist Bikedepot und Wechselzone, ein schmaler Schneestreifen neben dem Bach erlaubt es, direkt mit den Fellen loszugehen.

Hier nebem dem Rappierbach geht's mit den Fellen los, im Visier das Chilchalphorn.

Das Gelände im unteren Teil der Tour ist schon recht stark ausgeapert. Ich habe aber Glück, finde die richtige Linie und komme komplett mit den Ski durch. Nach Belieben konnte ich mir einen Plan zurechtlegen. Erst zum Lorenzhorn? Oder erst zum Chilchalphorn? Mein Entscheid fiel auf letzteres. Mit dieser Reihenfolge vermutete ich, noch besser von den Schneeverhältnissen profitieren zu können. Und es erlaubte mir, auf dem Rückweg von der Chilchalplücke direkt gen Tal gehen zu können - was ja durchaus auch ein Faktor sein kann, bei vorherrschender Müdigkeit und Wärme. Eventfrei habe ich schliesslich den Gipfel um ca. 10.30 Uhr erreicht. Direkt am Top ging ein giftiger Nordwind, südseitig unterhalb fand ich einen bequemen, windstillen Sitzplatz - perfekt!

Top of Chilchalphorn mit Blick in die Talschaft Rheinwald.

Dann wurden die Ski angeschnallt und in die Tiefe gestochen. Ganz oben an den NE-seitig ausgerichteten Hängen fand ich sogar noch etwas lockeren Schnee auf solider Unterlage, der genussvolle Schwünge erlaubte. Die Chilchalplücke liess sich direkt ohne Aufstieg anfahren, ich wechselte auf die Westseite. Naturgemäss war der Schnee da eher auf der harten Seite. Geräuschvoll schwang ich in die Tiefe, erst im flachen Gelände auf 2550m kamen die Ski zum Stehen und es wurde angefellt. Mein Interesse war von einem Loch im Gletscher geweckt worden, welches ich unbedingt besichtigen wollte.

Der Gletschertunnel, ein sehr eindrückliches Erlebnis!

Tatsächlich war es dann ein ca. 80-100m langer Gang in der Grösse eines Strassentunnels. Ganz ungefährlich war dessen Begehung aufgrund von Einsturzgefahr sicherlich nicht. Trotzdem, diese einmalige Gelegenheit wollte ich mir dann doch nicht nehmen lassen. Sehr eindrücklich war es, schön auch, gleichzeitig aber auch traurig - das Loch ist ja nur deswegen entstanden, weil der Gletscher am Sterben ist. Schon im nächsten Sommer wird es vermutlich Geschichte sein und das verbleibende Eis des Fanellgletschers hat auch höchstens noch ein paar Jahrzehnte vor sich. Umso besser, dass ich es noch in seiner ganzen Länge bis zur Rotgrätlilücke beschreiten konnte. Es zieht sich, ist aber eine wunderbare Passage in einer abgeschiedenen Landschaft. Man fühlt sich da weit abseits der Zivilisation, fast ein wenig wie in Grönland - zumindest in Bezug auf Handy-Empfang sind die Verhältnisse gleich.

Blick zum Fanellgletscher, der Tunnel ist zu erahnen. Links der Bildmitte das Lorenzhorn (3048m).

Schliesslich erreichte ich die Lücke und beschritt die Nordhänge gegen den Gipfelkamm hinauf. Hier lag wieder ein wenig pulvriger Schnee auf kompakter Unterlage, der es einem nicht so leicht machte. Bald war ich aber da und deponierte meine Ski am Fuss des kecken Gipfelturms. Dieser erfordert zuerst plattige Kletterei, zuletzt geht's über den schmalen, exponierten Grat in leichter Kletterei zum Top. Ja, es ist richtig luftig über der überhängenden Südwand. Um ca. 12.10 Uhr hatte ich den kleinen Platz am höchsten Punkt mit seinem kümmerlichen Steinmann erreicht. Und verliess ihn nach einem Rundumblick gleich wieder - das Skidepot versprach die gemütlichere Rast.

Der kecke Gipfelaufbau vom Lorenzhorn (3048m) von unten gesehen...
Im Vordergrund der Gipfelgrat, der sich ganz schön luftig präsentiert. Am Horizont Rheinwaldhorn und Güferhorn.

Die Abfahrt zur Rotgrätlilücke war dann prima, jene in Traumsulz über den Fanellgletscher sogar exzellent. So hätte das noch ewig weitergehen dürfen, aber im flachen Gelände auf 2550m kamen die Bretter zum Stoppen und wurden wieder mit den Fellen beklebt. Es wartete die Pflichtaufgabe mit dem 260hm umfassenden Wiederaufstieg zur Chilchalplücke. Bald war diese erreicht, die Abfahrt von da bot dann auch nochmals tollen Sulzgenuss in abwechslungsreichem Gelände. Nur die letzten 100hm zum Bikedepot waren dann auf dem letzten Streifen an schon etwas faulem Schnee nicht mehr der Brüller, aber doch bis zum Zweirad fahrbar. Um 13.30 Uhr setzte ich mich auf den Sattel, zuerst müssen noch einige Höhenmeter gewonnen werden, bald heisst es dann aber die Handkraft einzusetzen, um auf der steilen Betonstrasse die potenzielle Energie in Reibungswärme zu verwandeln. Etwa so heiss wie die Bremse war diese Tour, eine geniale Sache!

Traumhafte Bedingungen mit zischendem Sulz auf dem Fanellgletscher.
Der Schnee ist auch auf dem Rückweg noch da :-) Abschwingen also direkt neben dem Bike.

Dienstag, 12. Januar 2021

Auf Umwegen zum Tällihorn (2818m)

Ja, das war wieder einmal ein Tag, den man fast für eine Skitour nutzen "musste". Postkartenwetter und perfekter Schnee, einfach traumhaft. Nach vielen Touren in den Voralpen sollte es wetter-, schnee- und stimmungsbedingt für einmal wieder in eine etwas andere Gegend gehen - und nach fast 2 Jahren endlich wieder einmal mit Kathrin auf eine längere und anspruchsvollere Tour. Unser Tourenziel fanden wir im Rheinwald, also los!

In der Querung von Steinigboda auf den Höhegga-Rücken mit Guggernüll,  Val Curciusa und Einshorn.

Beim Ausgangspunkt in Nufenen (1569m, Parkplätze signalisiert am westlichen Dorfende) zeigte das Thermometer frische -17 Grad. Doch unser Timing passte perfekt - just als wir aus dem Automobil stiegen, überstieg die Sonne das Guggernüll mit seinen im Moment zugeschneiten Eisklettertouren (siehe 1,2) und erwärmte und mit ihren Strahlen. Ursprünglich hatten wir uns den höchsten und zentralsten der Nufener Gipfel zum Ziel gesetzt, das Bärenhorn (2929m). Dafür wäre es am sinnvollsten, zurück durchs Dorf zu laufen und an dessen östlichem Ende eine Spur Richtung Höhegga aufzugreifen. Doch da war noch Schatten, wer wollte schon zuerst fast 1km horizontal die Ski auf der gekiesten Strasse durchs Dorf tragen und dabei kalte Griffel kriegen?!? Zudem schien es viele Spuren zu geben, eine würde uns bestimmt in die richtige Richtung führen.

Nochmals sehr prominent das Einshorn, unten der Ausgangspunkt Nufenen.

Nun ja, wir gingen los, bald war es an der Sonne angenehm warm, so dass wir im leichten Fleece und sogar ohne Handschuhe steigen konnten. Wir schafften es auch, die doch recht tief eingeschnittenen Schluchten von Dorfbach und Prascher Bach recht effizient zu queren und gelangten über den Alpweg vom Steinigboda zu P.2051 tatsächlich auch auf den Höhegga, aber östlich aus dem Dorf raus wäre unter dem Strich vermutlich die bessere Variante gewesen. Über den Rücken ging's hinauf auf 2500m, wo an einem geeigneten Punkt die Querung der NE-Hänge von P.2810 zu den Sandböda am Fuss der Bärenhorn-Gipfelflanke angesetzt werden muss. Bei der Tourenplanung am Computer lässt sich zwar durchaus eine Möglichkeit finden, die gelben (>30 Grad) und orangen (>35 Grad) Flecken auf der Karte grossmehrheitlich zu umschiffen, sowieso ist der Hang im Schnitt nicht extrem steil und sollte nach meiner Interpretation des Bulletins (LWS 2) eigentlich machbar sein.

Bei den letzten Hütten am Hoheggä-Rücken auf 2240m, in der linken Bildhälfte das Tällihorn.

Doch vor Ort lag a) keine Spur und b) stand man nun, sobald einmal vom Rücken weg, tief im Triebschnee, eine wirklich sichere Passage durch diesen Riesenhang erkannten wir nicht und vor allem auch sind die Aussichten nach unten mit einem tief eingeschnittenen Bachlauf auch sehr, sehr besorgniserregend, ein Schneebrett würde da sehr abrupt und ungünstig gestaut. Der langen Zeilen kurzer Sinn, das schien uns zu gewagt. Um sicher zum Bärenhorn zu gelangen, hätte man den P.2810 auf dem Hin- und Rückweg überschreiten müssen, was +250hm, zwei Extra-Fellwechsel und somit erheblich zusätzlichen Zeitbedarf erfordert hätte (Hinweis: die Gipfelflanke am Bärenhorn ist auch nochmals ~35 Grad steil, doch die sah abgeblasen aus und wäre bestimmt möglich gewesen). Die grössten Bedenken hatte ich definitiv in Bezug auf die Felle... die wollten nämlich schon an diesem Punkt nur mehr beschränkt am Ski haften...

Spurarbeit in der Südflanke vom Tällihorn, welch eine grandiose Landschaft!

Aber wir mussten nicht hadern, ohne Diskussion verlegten wir uns auf das Tällihorn als Tourenziel. Eigentlich schien das aus abfahrtstechnischer Hinsicht sowieso die zu bevorzugende Variante. Somit wechselten wir auf 2620m also wieder vom Rücken hinunter und stiegen die letzten 200 Höhenmeter über die immer steiler werdende Südflanke empor - zuletzt werden auch hier nicht umgehbare 35-40 Grad erreicht. Dies jedoch bei deutlich freundlicherer Topografie und vor allem nicht mit Triebschnee geladen, somit im grünen Bereich. So gelangten wir auf den aussichtsreichen Gipfel - nach einer ziemlichen Safari über die Nufener Hänge zwar (das hätte man auch einfacher haben können ;-)). Aber das war vollkommen egal, was zählte war das unglaubliche Freiheitsgefühl hier oben. Dank Windstille konnten wir eine längere Gipfelrast geniessen, auch wenn die Temperatur wohl kaum wesentlich über -15 Grad lag.

Cumbre! Im Hintergrund die Splügener Kalkberge, eigentlich keine Skigipfel, aber...

Die Abfahrt war dann ein richtiger Knüller! First Line durch die rassige Gipfelflanke bei perfekten, luftigen 15-20cm Pulver auf kompakter Unterlage, echt super. Auch die unteren Hänge bis zum Steinigboden (2046m) waren weiterhin sehr genussreich. Ab dort bis ins Dorf gab es dann schon etwas mehr (ältere) Spuren und man spürte dann und wann auch die harschige Schicht unter der Neuschneeauflage. Aber mit einer guten Linienwahl fuhr man auch da sehr schön durch jungfräulichen Schnee. Fünfzig Höhenmeter ob den Häusern tauchten wir schliesslich wieder in den Schatten und die Kälte ein - es fühlte sich definitiv so an, als ob jemand den Schalter umgedreht hätte. In Vollmontur setzten wir uns ins Fahrzeug. Das war nötig, denn weiterhin war es hier unten -12 Grad und über Features wie Stand-, Sitz- oder Lenkradheizung verfügt der gute Panther leider nicht - naja, wäre dem Alpinismus auch nicht richtig würdig, oder?

Perfekte Bedingungen und First Lines bei der Abfahrt, so darf es gerne immer sein!

Facts

Tällihorn (2818m) ab Nufenen (1569m), d.h. 1250hm Aufstieg über sehr sonnige Südhänge, somit eine Tour für kalt-winterliche Neuschneetage oder firnige Verhältnisse. Ski-Schwierigkeit ZS- mit Schlüsselstelle am Gipfelhang (30-35 Grad über 150hm, zuoberst 20hm 35-40 Grad).