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Dienstag, 12. Juli 2016

Tällistock - La Trahison (7a)

Seit dem Erscheinen des Kletterführers Schweiz Extrem anno 1994 wurden die Touren in linken Wandteil am Tällistock in so ziemlich jedem Kletterführer über die Gegend aufgeführt. Aber wer ist je dort geklettert? Weder im Netz noch über persönliche Kontakte lässt sich auch nur das klitzekleinste Detail herausfinden, was die Sache natürlich umso reizvoller macht. Wir entschliessen uns, der Sache auf den Grund zu gehen und sind schlussendlich begeistert. Die La Trahison (7a) ist eine bisweilen etwas ruppige Alpinkletterführe mit viel Charakter, welche nebst manchmal etwas splittrigem Fels und ein paar Bändern auch viele Meter mit tollem Wendenfels in einer eindrücklich steilen Wand bietet - nach unserem Gusto sehr lohnend und ein so richtig befriedigendes Alpinklettererlebnis bietend!

Ansicht vom linken Wandteil am Tällistock mit dem Verlauf der Route La Trahison (7a)
Bevor es schliesslich an den Tällistock geht, werfen wir noch einen Blick auf die Wendenstöcke. Zum Beispiel am Pfaffenhuet liesse es sich da durchaus klettern. Die uns interessierenden Routen in den anderen Sektoren weisen aber entweder noch Wasserstreifen auf, sind wegen Schneefeldern weiter oben noch dem Steinschlagrisiko ausgesetzt oder dann eher kürzere Herbstklettereien, so dass wir auf die Option Tällistock setzen, wo alle Zeichen auf Grün stehen. Mit der Tällibahn (automatischer Betrieb von 7.00-21.30, 12 CHF für Retourfahrt) geht's bequem in die Höhe auf 1700m, wo unsere Tour um 8.00 Uhr startet. Wir folgen dem Pfad in Richtung Sätteli für etwa 100m und steigen dann direkt durchs Bachbett ("Üsser Flüeligrabe" auf der LK) zur Wand hinauf. Im Aufstieg ist das definitiv eine gute Variante. Das Gelände ist erst steil und weglos, aber harmlos. Das letzte Stück zur Wand hin führt dann etwas unangenehm über hartes Geröll und glatte, ungestufte Steilwiesen. Das ist durchaus etwas heikel, es empfehlen sich gute Schuhe mit kantenstabiler Sohle. Nach 40 Minuten Kraxelei sind wir am Einstieg und geniessen ein zweites Frühstück an der Sonne, bevor es um rund 9.00 Uhr mit der Kletterei losgeht.

L1, 40m, 6b: Entgegen der Angabe in allen Topos, wo die beiden Routen Talmud und La Trahison gemeinsam verlaufen, gibt es hier 2 Bohrhakenreihen. Wie viele Führerautoren waren hier wohl schon vor Ort? Wir wählen die rechte Variante, die tolle Kletterei an griffigen Querschlitzen bietet, nur der Fels ist etwas staubig. Die beiden Varianten kommen an einem gemeinsamen Stand wieder zusammen, die linke Variante ist wohl ähnlich schwer.

L2, 40m, T5: Querung im Gehgelände nach rechts (1 BH zur Zwischensicherung). Die Route verläuft nachher auf der markanten Platte rechts vom grossen Riss-/Kaminsystem, durch welches die crazy Route Liste Noire verläuft.

Schöne Plattenkletterei in L3 (6a).
L3, 35m, 6a: Schöne Plattenkletterei in prima gefinkeltem, silbergrauem Fels bis hinauf auf ein Band. Danach folgt in L4 (15m, 3a) eine horizontale Querung auf dem Band nach rechts, die man allenfalls auch an L3 anhängen kann. Rechts drüben steckt allerdings nur ein einzelner BH. Die Querung (L4) und L5 kann man jedoch wegen dem Seilverlauf unmöglich linken.

L5, 35m, 6c: Erst gerade aufwärts unters Dächlein, Querung nach links und dann folgt eine zupfige Stelle in Hammer-Fels über den Ausläufer des Dächleins hinauf. Einen nächsten BH kann man da noch nicht erspähen, das Gelände wird aber einfacher und gerade hinauf geht's weiter. An der oberen, nun wieder steilen Wand geht's weiter - Wandkletterei an kleinen Leisten und grösseren Griffen. Leider ist diese Stelle (ca. satt 6b) ungenügend eingebohrt und etwas psycho, da 2x ein Sturz aufs flachere Gelände darunter droht. Das ist ein bisschen schade, denn im Rest der Route stecken die Haken durchaus vernünftig.

Gute Moves auch in L5 (6b). Hier muss man parat sein, ein Sturz an der falschen Stelle könnte schmerzhaft enden.
L6, 45m, 6c: Nachdem in der Länge zuvor schon einmal etwas Adrenalin in die Adern geschossen ist, frage ich mich, wie es hier wohl weitergeht, zumal der erste Teil auch noch etwas splittrig aussieht. Tatsächlich warten die Hauptschwierigkeiten der Länge bald nach dem Stand, der Fels ist aber besser als er aussieht (wie so oft auf dieser Route!) und die 6c ist höchst zahm. Der zweite BH steckt übrigens ziemlich im Schilf, zur Vermeidung von Seilzug wird der nach dem Klippen des dritten besser wieder ausgehängt. Nach gut 10m sind die Schwierigkeiten dann vorbei, es wartet noch lässige Plattenkletterei in schönem Fels diagonal nach rechts aufwärts.

Prima Kletterei in schönem plattigem Fels wartet im oberen Teil von L6 (6c). 
L7, 35m, 5c+: Dieses Teilstück hat ähnlichen Charakter wie der zweite Teil der Länge davor, d.h. genüssliche Plattenkletterei in schönem Fels. Gegen das Ende der Länge vor der nächsten Steilzone hin lässt die Gesteinsqualität aber etwas nach, c'est un peu peteux. Der Stand dann in typischer Remy-Manier 3m zu hoch und total unbequem.

L8, 25m, 6b: Der steile Auftakt ohne Zwischensicherung sieht kühn aus, entpuppt sich aber dank den idealen Henkeln als leichtverdaulich. Danach aufwärts, die Crux kommt ziemlich unverhofft in einer giftigen, zwingenden Querung über ein abschüssiges Plätteli nach links aufwärts. Zum Schluss dann in schrofigem, einfachem Gelände zum Stand auf bequemem Band.

L9, 25m, 6a: Links aufwärts, durchs Nadelöhr hindurch oder daran vorbei und am Pfeiler entlang aufwärts. Recht schöne Kletterei in ziemlich gutem Fels. Links davon befindet sich die Schlucht / Verschneidung / Kaminrinne (wie man dem immer sagen will...) der Liste Noire. Man sieht zwar kein Material, aber hier muss die wohl verlaufen - sieht aus wie so ein echter Dolomiten-Schocker!

Kurz vor der Passage durchs (nicht sichtbare) Nadelöhr in L9 (6a).
L10, 20m, 5c+: Kurze und problemlose Seillänge zur Erholung. Etwas rechts vom Stand geht's gerade die Wand hinauf, der Fels ist nicht überaus schön aber doch völlig ok zu beklettern.

L11, 20m, 5c+: Zuerst über die nach Megabruch aussehende Wandstelle hinweg. Aber typisch für diese Wand, dort wo man langklettert sind's dann doch solide, raue Henkel, alles im grünen Bereich. Danach geht's in gutem Fels die steil-griffige, selbst abzusichernde Verschneidung hinauf, die man dort wo es schwieriger wird nach links hinaus verlässt.

L12, 35m, 6b: Nun sind wir definitiv im obersten Wandteil angelangt, der noch ein Feuerwerk von tollen Seillängen mit Wendencharakter bereit hält. Dies ist der erste Abschnitt davon, unnahbar und schwer sieht er aus. Beim Klettern offerieren sich dann aber unerwartet auf einmal Schlitze, Löcher und Leisten, so richtig Wenden-Style halt. Ich fand diese Länge recht schwer und anhaltend für den Grad, im Vergleich zu anderen in der Route.

Prima Wandkletterei im Wenden-Style wartet in L12 (6b), die für den Grad recht anspruchsvoll ist.
L13, 35m, 6c: Von Jonas schallt's "chasch di ufes Rissdach freue" und schon von weitem sehe ich, was er meint. Hier folgt die definitiv charakteristischste Passage der Route! Schon vom Stand weg geht's nicht ganz einfach und athletisch los, dann ist eine Art Doppeldach zu meistern. Es ist eine ziemlich kühne und anstrengende Sache, die Henkel und Klemmer sind aber da. Nebst den Bolts sollte man auch noch zwei, drei Klemmgeräte platzieren. Leider stecken die BH in den inneren Dachwinkeln sehr seilzuggefährdend, verlängern würde aber auch in einem unangenehmen Sturz resultieren, man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Hat man sich dann über das grosse Rissdach hinaufgefightet, folgt die Route nur noch etwa 2-3m dem markanten Riss und zweigt dann kühn nach links in die Wand ab. Achtung, Verhauer-Gefahr, der BH und der Stand danach sind aus der Kletterstellung kaum sichtbar und dem Riss weiter zu folgen wäre durchaus logisch (aber definitiv falsch!). Die Wand darob bietet Wenden-Kletterei in perfektem Fels, ist allerdings kühn und runout. Wer Selbstvertrauen und Nerven behält und noch etwas Kraftreserven hat, stellt aber fest, dass es nicht ganz so schwer ist, wie man befürchtet hat!

Yours truly unterwegs zum markanten Rissdach von L13 (6c), welches in Realität grösser ist als es hier scheint!
L14, 35m, 6b: Links vom Stand in sehr schönem, gefinkeltem Fels in Steilplatten-Kletterei aufwärts bis man in eine etwas einfachere Zone mit Bändern gelangt. Dort entschieden nach links halten (mehrere BH) vorhanden zum Stand auf bequemer Terrrasse.

L15, 40m, 7a: Nun folgt die nominelle Cruxlänge... und dies nachdem ich im Rissdach schon etliche Körner verschossen habe und in der 6c voll gefordert war. Die Sache entpuppt sich dann aber als gutmütiger wie gedacht. Es handelt sich um prima abgesicherte Wandkletterei an Tropflöchern und Leisten, die Füsse müssen gut eingesetzt werden, typischer Wenden-Style. Langsam etwas auf Notstrom meistere ich die Crux aber hoppla, oben wartet noch ein etwas mühsamer Wulst, auf den im Hau-Ruck-Stil raufgemantelt werden will, aber ich komme zum Glück im Onsight durch. Wenig später ist der wieder mal unbequem platzierte Stand erreicht, dabei wär's 3m links und höher doch so gut gegangen...

Fantastische Wandkletterei erwartet einen in der schwersten Seillänge (L15, 7a).
L16, 40m, 6c: Das Top ist nahe, aber noch nicht erreicht. So viel wird sofort klar, wenn man auf den überhängenden Kamin blickt, wo die Route weiterführt. Meine Empfehlung: rechte Schulter rein, Gear alles links anhängen und am Rücken gar nix (kein Chalkbag, Jacke, etc.), sonst bleibt man stecken. Aber naja, geht ja im Rückenkratzer-Style! Damit ist das Menü aber noch nicht gegessen, nun folgt noch sehr schöne, überhängende Pfeilerkletterei an Leisten und Töffgriffen. Zum Glück stecken hier die Bolts eng, sonst wäre das mit langsam ausgehenden Kräften eine giftige Geschichte!

Um gut 17.00 Uhr sind wir am Top, da waren wir jetzt doch 8 Stunden lang beschäftigt! Aber die Route ist lang, steil und will erobert werden, Leute mit unserem Können marschieren da nicht einfach so hopp-hopp-zack-zack zum Top. Aber es ist uns gelungen und schon oben beim Handshake wissen wir genau, dass wir hier etwas geschafft haben, das uns in Erinnerung bleiben wird. Alpine Kletterei mit sportlicher Prägung, so soll es sein! Nachdem wir unser Material und die Schuhe am Einstieg deponiert haben, kommt etwas anderes als ein Abstieg durch Abseilen gar nicht in Frage. Dass dies der Anfang einer kleinen Odyssee ist, war uns da noch nicht bewusst.

We are on top! Jonas bringt mir meine vor dem Crux-Kamin in L16 (6c) zurückgelassene Jacke.
Vom Ausstiegsstand kann/soll man nicht runter, der alternative Abseilstand 4-5m unterhalb war aber sofort identifiziert. Schon hier beschleicht mich ein etwas ungutes Bauchgefühl... Das Gelände an der Kante ist reichlich brüchig, überall hat's lose Steine und in welche Richtung wir genau Abseilen müssen, ist unklar. Das Gelände auf einer Art Pfeilerkopf ermöglicht es, einen Sektor von etwa 90 Grad zu wählen, was weiter unten folgt, ist nicht einsehbar. Und natürlich, wenn man sich einmal entschieden hat, das Seil säuberlich gelegt hat, so dass keine Steine ausgelöst werden, so kann man sich seitlich nicht mehr verschieben. Nach 50m (?!?) sollte ein weiterer, routenunabhängiger Abseilstand folgen. Ich mache mich auf den Weg...

Als das Seilende näherrückt, kommt es, wie es kommen muss - nirgends sind Haken auffindbar. Ich spähe und spähe aber Mist, hier bin ich irgendwo im Nirvana gelandet. Notabene im überhängenden Gelände, wo ich nur dank Pendeln überhaupt noch an die Wand komme. Tja, Verzagen hilft da nix, es gibt nur eines, ich muss die 50m wieder nach oben, pfff! Übrigens, das Megajul hatte ich ja aus anderen Gründen schon einmal als Sicherungsgerät der Wahl zum MSL-Klettern angepriesen. Doch ich muss sagen, auch diese Aufstiegsaktion am Seil hat es sehr erleichtert, das wäre mit einem normalen Tube ohne Blockierfunktion bzw. nur Prusikschlingen wesentlich mühsamer gewesen!

Nachstieg in L12 (6b), eine wirklich geniale Seillänge mit sehr schönem Fels.
Als ich wieder nahe beim Top bin, schildere ich Jonas die Situation und wir beraten. Um nochmals in einer etwas anderen Richtung auf die Suche nach dem Abseilstand zu gehen ist ein Scheissgame. Die Erfolgsaussichten sind tief, der Seilaufstieg halt doch mühsam und insgesamt vor allem zeitfressend. Wir entscheiden uns schliesslich, die Aufstiegslinie zu wählen und so in die Talmud zu gelangen, über welche die Abseilpiste im unteren Teil verläuft. Das ist auch mühsam, da diese im oberen Teil stark querend verläuft. Mit Abseilverankerungen improvisieren, 1x Wiederaufstieg weil sich das Seil nicht abziehen lässt und dem Abklettern einer einzelnen 5er-Quergangs-Länge geht das nicht ganz gratis, aber da wissen wir wenigstens, was wir haben.

Mit der Zeit läuft's dann besser und wir schweben über die Talmud in die Tiefe. Zwischendurch zieht auch noch ein kleiner Schauer durchs Gadmertal. Immerhin sind wir gerade bei einer Grotte, können die Seile und uns trocken halten, also kein Problem, nach ein paar Minuten geht's weiter. Erst um 19.45 Uhr sind wir wieder am Einstieg, heieiei, so kann man Zeit verbraten! Nun wartet noch der Abstieg über die steilen, ungestuften und vom Regen auch noch nassen Grasplanggen - eine ziemlich mühsame und auch etwas heikle Sache, ein Ausrutscher liegt nicht drin! Trotzdem, weit ist's eigentlich nicht, denn schon um 20.20 Uhr nehmen wir die Tällibahn. Wenig später können wir die tolle Route in unserer Wenden-Stammkneipe bei Pizza und Bier feiern - merci Jonas, das hät gfägt!

Facts

Tällistock - La Trahison 7a (6b+ obl.) - 16 SL, 500m - C. & Y. Remy 1992 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1 plus 1 kleinerer, evtl. Keilset

Eindrückliche und lange Kletterei durch den steilen, linken Wandteil am Tällistock. Man darf diese Route gut und gerne als anspruchsvolle Wendentour bezeichnen. Allerdings trifft man hier nicht auf die homogen beste Felsqualität ohne Bänder dazwischen wie ein paar Kilometer weiter östlich. Gestandene Alpinkletterer müssen sich vom einen oder anderen grasigen Band oder ein paar splittrigen Metern jedoch nicht abhalten lassen. Der Fels ist zudem meist besser als er auf den ersten Blick von unten aussieht, als heikel in Bezug auf die Gesteinsqualität empfanden wir die Route nirgends. Wenn, dann ist's im schlimmsten Fall etwas splittrig, lose Blöcke, hohle Schuppen und dergleichen gibt's hingegen kaum. Wie im Text bereits erwähnt, warten auch viele Klettermeter in bestem Wendenfels auf die Begeher, die Route hat viel Charakter und stellt schlicht und einfach ein Abenteuer dar. Insgesamt gibt's für mich drei Sterne, ich liebe sowas! Die Absicherung ist mit über 100 BH recht gut ausgefallen. Psychisch anspruchsvolles Harakiri-Gelände weitab von der letzten Sicherung tritt kaum auf, am ehesten noch aus dem insgesamt zugänglichen Rahmen fallen L5 und das Finish von L13 - geht aber schon. Leider gibt's kein Routenbuch, aber ich vermute, dass diese Tour noch kaum Wiederholer gefunden hat - Kletterspuren gibt's weder vor Ort, noch im Netz, noch durch mündliche Überlieferung. Irgendwie schade, es lohnt sich wirklich, jedenfalls für Leute die alpine Erfahrung haben oder dieser erweitern möchten.

Zu erwähnen ist der Abstieg: dieser führt zuoberst entlang von routenunabhängigen Abseilstellen, die alles andere als einfach aufzufinden sind. Im Rückblick kann ich nun sagen, dass wir wohl viel zu fest in Nähe der Aufstiegslinie (d.h. nur ~20m rechts davon) gesucht haben. Man muss zu Beginn viel mehr nach WSW abseilen, möglicherweise sogar in die grimmige Schlucht rechterhand und nicht über die Wand, in der man aufgestiegen ist. Sonst würde man nämlich unmöglich in direkter Linie die Fortsetzung der Abseilpiste über die Talmud weiter unten erreichen können. Eine Alternative und sicher nicht schlechte Lösung ist ein Fussabstieg. Auf einer Höhe von 2440m kann man vom Ausstieg den Gipfelaufbau nördlich umrunden und ins Tälli absteigen, um dann via Sätteli zurück zur Tällibahn zu gelangen. Als Zeit dafür sind ca. 1.5 Stunden zu veranschlagen. Man lese meinen Beitrag zur Inwyler/Bielmeier für weitere Hinweise zum nordseitigen Abstieg. Das nächste Mal (beim Klettern der benachbarten Talmud) werde ich jedenfalls sicher zu Fuss absteigen.

Ein Topo zur Route findet man in diversen Führern über das Berner Oberland (z.B. diverse Ausgaben des Schweiz Extrem, Arrampicare in Svizzera, SAC-Führer, ...). Diverse Details, die Proportionen und die unterschlagene L1 sind v.a. in den neueren Versionen jeweils unstimmig, zum Auffinden der Route sollte es aber dank den regelmässig steckenden BH dennoch reichen. Vorsicht ist v.a. nach dem Rissdach in L13 angezeigt - hier den Abbieger nach links nicht verpassen. Wenig erstaunlicherweise gibt das älteste Topo aus dem Schweiz Extrem von 1994 den Routenverlauf besser wider, als die späteren, mehr generalisierten Kopien davon. Der Zufall will es, dass genau dieses Topo in der Datenbank von alpinrouten.de verfügbar ist, daher hier eine Kopie davon.

Topo zur Route aus dem vergriffenen Schweiz Extrem von 1994. Quelle: alpinrouten.de

Dienstag, 9. September 2014

Tällistock - Inwyler/Bielmeier (6a+)

Achtung, im Sommer/Herbst 2023 wurden in der Route durch einen Fundamentalist viele BH entfernt oder unbrauchbar gemacht. Zur Zeit ist sie nur bei Anwendung von Peckern, Schlaghaken und viel mobilem Sicherungsmaterial begehbar. Die lokalen Bergführer wollen die Route im 2024 wieder in den vorherigen Absicherungszustand mit den BH zurückversetzen. Bis dahin wird empfohlen, die Route zu meiden (siehe Kommentar unten)!

Laut dem Kommentar von Niklaus (siehe unten) wurde die Route saniert und ist wieder begehbar!

Für die heutige Tour waren wir ein ziemlich heterogenes Trio: mit Rise war ein alpiner Geniesser mit von der Partie, Tobias kann man als Jäger und Sammler der Kletterklassiker bezeichnen und meinereiner bin ich eher der Sportkletterfuzzi. Dass die Tourenwahl unter diesen Voraussetzungen nicht ganz einfach sein könnte, liegt auf der Hand, zumal noch verbliebener Neuschnee nach dem Kaltfrontdurchgang zwei Tage zuvor den Träumen oberhalb von 2500m ein dickes Njet entgegen setzte. Mit der Inwyler/Bielmeier, einem der absoluten Klassiker im Berner Oberland und Pausetour obendrein, hatten wir aber ein sehr gutes Händchen. Einwandfreie Bedingungen trafen wir an, die Route entpuppte sich als absolute Perle und vermochte unsere drei verschiedenen Geschmäcker denn auch bestens zu befriedigen. Die logische Linie durch die steile, dolomitisch anmutende SE-Wand wurde 1960 unter der Führung von Sepp Inwyler eröffnet. In Bollerschuhen und von unten zeigte der damals Zwanzigjährige ein wahres Meisterstück, denn die Route ist praktisch durchgehend sehr steil und weist neben Riss-, Verschneidungs- und Kaminkletterei auch etliche Passagen über wasserzerfressene Wendenplatten und Tropflochwände auf, welche mit den damaligen Mitteln kaum abzusichern waren und viel Kühnheit erforderten. Klar, für die heutigen Massstäbe sind die Schwierigkeiten relativ moderat, die Ständplätze wurden mit Klebehaken saniert und auch zwischendurch steckt der eine oder andere Bolt. Gerade zusammen mit dem langen und durchaus alpinen Abstieg ist es immer noch eine grosse Tour!

Wir stossen auf rund 2000m durch die Nebeldecke...

...und sind unterwegs am Tällistock. Die Inwyler/Bielmeier verläuft in Falllinie des markanten Zackens rechts der Bildmitte.
Beginnen tut die Sache jedoch bequem mit einer Seilbahnfahrt. Die Tällibahn kann vorbildlich in Selbstbedienung betrieben werden, und so sind denn auch deren Betriebszeiten von 7.00-19.30 Uhr sehr klettererfreundlich. So ist denn auch die heimelige Tällihütte (1726m), welche sich gerade bei der Bergstation befindet, nicht zwingend als Quartier zu nutzen. Für den Zustieg verlässt man den blau-weiss-blau markierten Weg, der zum Klettersteig führt, schon nach 2-3 Kehren und ca. 30 zurückgelegten Höhenmetern. Für uns wurde die Aufgabe durch dichten Nebel erschwert, zum Glück hatten wir nach unserer Anfahrt über den Sustenpass da schon die Gewissheit, dass wir bald wieder durch die auf rund 2000m liegende Decke stossen würden. Ab dem Abzweig geht man steil und weglos rechts neben einer plattig-gneisigen Felsbastion hinauf, und zwar bis man auf ca. 1840m auf ein Querband aus Kalk trifft. Man steigt am Fuss des Querbands nach links, bis es einfach überwunden werden kann (Fixseil). Oberhalb hält man sich wieder nach rechts und steigt zum zweiten Band empor, welches an offensichtlicher Stelle recht einfach überwunden wird (Fixseil). Nach einer weiteren Grasquerung nach rechts hinauf, wartet schliesslich das dritte Band. Wenn man sich da nicht am Fixseil hochziehen könnte, so müsste man hier einen steilen Dreier über etwa 30m klettern, und würde nicht auf eine Seilsicherung verzichten wollen. Danach geht's nochmals etwas im Gras hoch bis zum Einstieg (ca. 2170m), der nur gerade durch eine Sanduhrschlinge gekennzeichnet ist. Um 9.15 Uhr waren wir nach 45 Minuten Zustieg bereit zum Loslegen. Die Abmachung war, dass Tobias den Teil bis zum Quergang führt, und ich die zweite Hälfte übernehme.

Die Schlüsselstelle im Zustieg, ein etwa 25m hohes Felsband im dritten Grad. Jedoch optimal mit Fixseil eingerichtet.
Ambiente und Panorama am Einstieg mit Blick auf die Berner Hochalpen sind einfach perfekt.
L1, 40m, 4c: Der Auftakt noch recht grasig und einfach, der Vorteil des Nachsteigers liegt hier darin, die schöne aber ungesicherte Platte links daneben klettern zu können. Weiter oben dann noch zwei Aufschwünge, so dass diese Länge ihren Grad durchaus verdient.

L2, 50m, 5c: Einfacher Auftakt, vorbei an altem NH-Stand, und dann einem Muniring. Nach diesem geht es in die Crux, eine Steilzone will durch eine kaminähnliche Verschneidung oder an den Henkeln links daneben gemeistert werden.

Kurz vor der Crux in L2 (5c), sie befindet sich im Kamin gleich oberhalb von Tobias' Kopf.
L3, 20m, 6a: Vor allem für die Zeit der Erstbegehung ein sehr kühner Quergang in steiler Wand nach links hinaus. Man klettert hier in prima Tropflochfels, eine der besten Längen der ganzen Tour!

Der geniale Tropflochquergang in L3 (6a).

Quel Plaisir!
L4, 45m, 6a+: Steile Seillänge, die Crux bildet die Dachzone etwa 10m oberhalb vom Stand. Sie klettert sich einfacher wie es den Anschein macht, bis auf einen etwas schlechteren Seitgriff sind es "alles Henkel". Der Rest dann einfacher dem Riss entlang, selbst der moosig-feuchte, düstere Kamin zum Schluss löst sich prima auf.

Kurz vor der Dachzone und Crux von L4 (6a+).
L5, 20m, 5c+: Steile Kletterei dem Hauptriss entlang. Von unten gesehen könnte man hier den Bammel bekommen, doch die Sache ist irre griffig und die Wand daneben tiptop strukturiert, so dass man hier erstaunlich einfach vorwärts marschieren kann. Wer möchte, kann die nächste Länge gleich anhängen.

Sälber legge isch Trumpf! Ideal-Placement zum Schluss von L5 (5c+)
L6, 30m, 6a: Erneut eine total geniale Länge in steiler Wand, die aber mit Henkeln nur so gespickt ist, so dass die Schwierigkeiten überschaubar bleiben. Nach den ersten 10m verlässt man den Hauptriss und zieht nach links hinaus auf den deutlichen Pfeilerkopf, wo ein sehr bequemer Standplatz wartet.

Rise setzt Fuss in L6 (6a), yours truly spielt den Besenwagen.
L7, 25m, 5c+: Zuerst schöne und steile Wandkletterei, immer noch gut, jedoch qualitativ nicht mehr ganz so perfekt wie die vier Längen davor. Zum Schluss dann noch einige einfachere Meter ins Amphitheater unter den grossen Überhängen.

Arbeitsteilung am bequemen Standplatz nach L7 (5c+)

Der K2 (8611m), im Berner Oberland auch als Finsteraarhorn bekannt.
L8, 25m, 6a: Wir wechseln die Führung, und der Ausgang aus dem überdachten Amphitheater bildet der berühmte Quergang nach rechts. Von diesem war ich dann fast ein bisschen enttäuscht. Soo luftig ist die Sache nun denn auch wieder nicht, das Band auf welchem man quert ist meist 30-40cm breit, so dass man fast rüberspazieren kann. Erst am Ende der Querung, wo es dann wieder raufgeht, warten 2-3 etwas schwierigere Züge in Wandkletterei. Klar, zu Zeiten der Erstbegehung war das sicher eine sehr kühne Sache und eine prima Leistung, insbesondere da man mit den damaligen Mitteln kaum sichern konnte! Heute steckt aber fast alle 2m ein BH, so dass hier auch schwache Nachsteiger kein Nervenflattern bekommen werden.

Im berühmten, fast etwas banalen Quergang von L8 (6a).
Look mummy, I can do it without hands!
Rise in der Crux von L8 (6a), ein bisschen in die Tiefe pfeift's hier schon!
L9, 30m, 6a+: Die ersten 10m vom Stand weg bieten wendenmässige Wandkletterei an super Tropflochfels, erneut für die damalige Zeit eine sehr kühne Leistung! Danach kurz etwas einfacher zur abschliessenden, etwas plattigen Wandzone. Entgegen der Angabe im Filidor-Topo kommt die Crux meines Erachtens erst hier. Ich bin die einfachere, rechte Variante geklettert, sie verlangt technisches Geschiebe an Seitgriffen und sauberes Antreten, der Fels ist etwas staubig.

In bester Wendenmanier startet die Schlüssellänge Nr. 9 (6a+).
Um es nochmals zu verdeutlichen: Top-Fels haben wir hier!
Das letzte Stück mit den schwersten Moves ist ziemlich abschüssig und etwas glatt.
L10, 25m, 5c+: Hammer-Seillänge, die bis auf eine SU-Schlinge und einen NH clean ist. Hier muss man ziemlich zwingend 2-3 Cams/Keile legen, wohingegen dies im Rest der Route eigentlich nur punktuell zur Ergänzung nötig ist. Der kühne, gelbe, einschüchternd steile Riss klettert sich aber echt super, der Fels ist einfach total strukturiert und die Griffe und Tritte zahlreich.

Die selbst abzusichernde, steile Verschneidung von L10 (5c+), eine total geniale Länge!
Die zaubert dem alpinen Geniesser ein Lächeln auf die Lippen!
L11, 35m, 5c+: Das Filidor-Topo ist hier unpräzise, vom Stand weg quert man zuerst 10-15m horizontal auf einem Band nach links. Dann an einer Rippe (NH) aufwärts, bevor man schliesslich supertolle, griffige Wasserrillen in Vollendung in die Hand kriegt. Für den angegebenen Grad eine sehr gutmütige Seillänge (eher 5ab).

Bequeme Terrasse zum Sichern des Vorsteigers in L11 (5c+).
Am Ende von L11 (5c+) warten dann traumhafte, griffige Wasserrillen.
L12, 20m, 6a: Nun wird es doch noch alpin! Ob dem Stand etwas "gschüderigs" Gelände, d.h. unsicherer Fels und schlechte Absicherung. Man klettert bis unter das markante Dach hoch, wo man endlich einen Verhau aus zwei schlechten NH und einer Knotenschlinge einhängen kann. Danach kühn und recht schwierig für den Grad links ums überhängende Eck rum und in den glatten Kamin (dort dann NH) hinein. Dies ist eindeutig die Vorstiegscrux der Route! Hier muss man eine 6a schon sauber draufhaben, die Stelle befindet sich 1-2m über der letzten, schlechten und einzigen Sicherung. Für mich etwas unverständlich, warum man hier nicht auch einen BH gesetzt hat, denn praktisch in der ganzen Route hat es pro Länge jeweils ein paar Exemplare und an wenigen Stellen waren sie so nötig wie hier.

Um diese Ecke herum und ins Chämi rein musst du geh'n! Die Vorstiegscrux der Route, mässig gesichert, in L12 (6a).
So sieht's aus, wenn man einmal im Kamin drin ist. Wobei, dann ist das Problem eigentlich gelöst.
Und so sieht es von oben aus.
L13, 40m, 2a: Einfaches Verbindungsstück hinauf zum Abschlusskamin. Erst ziemlich schuttig, wenn sich andere Seilschaften in der Wand befinden ist hier grösste Vorsicht angezeigt! Danach noch etwas leichtes Klettergelände, ein Dreier wie im Topo angegeben ist das jedoch bei Weitem nicht.

Als sie dieses tolle Schrofengelände erblickt haben, waren sie nicht mehr zu halten! Doppel-Vorstieg in L13 (2a).
L14, 40m, 5b: Wieder mal eine Seillänge, vor der man leicht den Bammel kriegen könnte! Der tief eingeschnittene Kamin lässt Böses schwanen. Dank irre strukturiertem Fels an den Seitenwänden geht es dann aber doch super, genussvoll und absolut ohne Gerampfe. Auch wenn einige NH und 4 BH stecken, ist die Sache doch etwas kühn - und ein Sturz liegt definitiv nicht drin, das Pingpong an den Seitenwänden würde bestimmt übel enden! Aber tja, ist ja nur 5b - was wahrscheinlich sogar stimmt, aber die Seillänge ist so ungewöhnlich, dass sie auf der Schwierigkeitsskala schwer einzuordnen ist. Auf jeden Fall: aussen bleiben, cool bleiben!

Das Abschlusschämi (L14, 5b) ist dann wieder Chefsache ;-)
Wirklich eine geniale Sache, die Folgen eines Sturzes in den Schlitz hinunter lassen sich vielleicht erahnen...
Um 14.45 Uhr sind wie schliesslich alle am Top angelangt. Das waren jetzt echt tolle 5.5 Stunden an bester Kletterei! Weil das Wetter nach wie vor einwandfrei aussieht, wollen wir noch den äusserst selten besuchten Gipfel des Tällistock versuchen. Vom Ausstieg auf rund 2500m sind es zwar nur etwa 80 Höhenmeter und 130m Horizontaldistanz. Trotzdem ist die Sache nicht zu unterschätzen, denn es sind doch noch einige Aufschwünge zu erklettern, die Schwierigkeiten entpuppen sich gemäss unserem Experten als T6, III. Einige der Kletterstellen sind ziemlich luftig, anregend und exponiert über der Südwand. Das Seil haben wir sowieso gleich unten gelassen, hier für zuverlässige Sicherungen zu sorgen wäre aber oft auch nicht einfach und zeitraubend. Gesagt sei auch noch, dass das Gelände ziemlich unübersichtlich ist, und der beste Weg alles andere als offensichtlich ist. Trotzdem, wir schaffen es hinauf zum zerfallenen Steinmann beim Kulminationspunkt, und machen uns nach ein paar Fotos und einem Handshake wieder an den Abstieg. Der ist nun natürlich noch schwieriger, weil die Dreierstellen auch wieder seilfrei abgeklettert sein wollen. Eine Stunde nach Aufbruch sind wir retour beim Ausstieg der Inwyler, laden unser Material auf und gehen Richtung Tal.

Unterwegs am Gipfelgrat zum Tällistock.
Fantastische Impressionen am Gipfel.
Dazu folgt man dem ENE-Grat, meist etwas unterhalb der Abbruchkante auf der Nordseite. Schwache Wegspuren und ein paar Steinmänner erleichtern die Orientierung. Das Ziel ist die Einsattelung bei P.2415, welche gemäss Topo 450m vom Ausstieg weg sein soll. Diese Angabe ist jedoch falsch, es sind auf der Karte schon 600m Horizontaldistanz, mit den paar Schleifen die man läuft und etwas auf und ab muss man mit gut 20 Minuten Gehzeit rechnen - es ist weiter als man denkt. Bei P.2415 hat man sich schliesslich zu entscheiden, wie man weiter absteigt. In Literatur und Web wird eigentlich ausschliesslich der Weg durch die Naht beschrieben. Dieser führt über eine Art Rampe mit exponiertem Kraxelgelände und ein paar Abseilern durch die SE-Wand hinunter. Der stetige Wechsel zwischen gehen, kraxeln und abseilen ist ja durchaus etwas mühsam, und soll gemäss den von mir konsultierten Quellen zwischen 2.5-3.0h (vom Ausstieg zur Tällihütte) dauern. Alternativ gibt es jedoch auch einen Abstieg nach Westen durchs Tälli. Weder Web noch Literatur geben dazu viel her, nach meiner Recherche und Kalkulation sollte dieser Weg aber möglich und schneller sein. Also wollen wir es versuchen!

Der Gipfelaufbau am Tällistock, hier ist klar ersichtlich, dass der nicht so trivial zu haben ist!
Eine der schwereren und heiklen Stellen auf dem Band beim Abstieg durchs Tälli.
Geröllholpernd und weglos, aber vorerst einfach geht es das Kar des Tälli hinunter. Auf 2200m beginnt das Gelände steiler abzufallen, und auf 2100m stellt sich endgültig die Frage, wo man hier den Durchschlupf findet. Das Terrain bricht nämlich ab, sieht wild aus und ist von oben auch kaum vernünftig einzusehen. Nach Karte ist der beste Weg eine ca. 400m lange Traverse nach links (SSW), welche auf ca. 2080m beginnt und leicht abfällt. Das entpuppt sich als der richtige Move, das Gelände ist zwar exponiert und als T6 einzustufen, aber trotzdem vernünftig gangbar. Plötzlich treffen wir auch auf einen Wildwechsel, der uns die Begehung erleichtert. Ansonsten gibt es auf diesem Abstieg jedoch keine Spuren und Markierungen, man muss den Weg wirklich selber finden und sich orientieren können. Gute Sicht zu haben ist absolute Pflicht, sonst wählt man besser die Naht! Ungefähr bei P.1997 treffen wir auf den bequemen Wanderweg, welcher zum Sätteli hochführt. Mit leicht schweren Beinen meistern wir diese 120hm Aufstieg, danach geht's dann nur noch runter zur Tällihütte und Bergstation der Seilbahn. Ohne zu eilen treffen wir nach 1:40 Stunden (ab Ausstieg Inwyler) dort ein, der Nord- bzw. Westabstieg hat sich zeitlich ganz bestimmt ausbezahlt. Ohne Wartezeit bringt uns die Seilbahn ins Tal, wir tuckern retour über den Sustenpass und verabschieden uns nach diesem tollen Klettertag schon bald darauf bei mir daheim.

Ein Blick auf die Wendenstöcke darf natürlich nicht fehlen. Heute wäre da aber nix zu holen gewesen, alles nass!

Facts

Tällistock - Inwyler/Bielmeier 6a+ (6a obl.) - 14 SL, 450m - Inwyler/Bielmeier 1960 - ****;xxx
Material: 2x (evtl. 1x bei Nordabstieg) 50m-Seil, 12 Express, Camalots 0.3-2, evtl. Keile

Toller Alpinkletterklassiker durch die steile, dolomitisch anmutende SE-Wand am Tällistock. Die wirklich kühne Leistung der Erstbegeher soll hier gewürdigt sein! Auch nach heutigen Massstäben ist die Kletterei durch Risse und Verschneidungen, über Tropflochplatten, Wasserrillen und henklige Dächer wirklich sehr lohnend. Der Fels ist meist vorzüglich und bestens strukturiert. Die Absicherung liegt für meinen Geschmack im grünen Bereich. Die Stände sind mit Muniringen saniert, meist steckt auch unterwegs der eine oder andere BH an strategisch günstiger Stelle, und etliche NH sind auch noch vorhanden. Punktuell will noch die eine oder andere mobile Sicherung gelegt sein, allzu viel Eigeninitiative ist jedoch nicht gefragt, insbesondere nicht an den Schlüsselstellen.