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Dienstag, 30. Juli 2013

Mur del Pisciadu - Oro e Carbone (7a)

Auf den Tag genau 6 Jahre zuvor hatten Kathrin und ich diese eindrückliche Mauer das erste Mal besucht und die geniale Ottovolante (7a+) geklettert. Dies war für uns damals ein grosses Erlebnis gewesen, ja wohl die beste gemeinsame Tour bis dato. Nachdem wir in denselben Ferien auch noch die etwas gemütlichere Acquafun (6b) an dieser Wand geklettert hatten, lautete die Bildunterschrift zum letzten Foto in meinem Bericht: "...the steep central pillar hosts Oro e Carbone (7a), another five star route that from now on is our project. We'll definitely be back". Nun, das war ja eine Ankündigung, aber sie wurde tatsächlich und mit grosser Freude eingehalten. 

Die 'Mur del Pisciadu', eine steile und fantastische Wand am Grödner Joch.
An Hundstagen ist die auf 2500m gelegene, schattige Nordwand mit dem klingenden Namen 'Mur del Pisciadu' ein heisser Tipp. Ja sie war einer der wesentlichen Gründe, warum wir unsere Sommerferien im Grödner Tal verbringen wollten. Zu wissen braucht man jedoch, dass hier früh in der Saison oder nach längeren Niederschlagsperioden nichts zu holen ist, weil die Routen dann patschnass sind. Ebenso sollten die Temperaturen im Tal bei mindestens 30, ja besser sogar 35 Grad liegen, damit angenehme Bedingungen herrschen. Dies war dann (erneut) am 25.7. alles gegeben, so dass wir gemütlich frühstückten, mit den Kindern noch rasch den Spielplatz besuchten, dann übers Grödner Joch kurvten und um 9.30 Uhr bereits einen der letzten freien Plätze auf dem grossen Parking für die Via Ferrata Tridentina ergatterten. 

Zustiegshänge über dem Tal von Alta Badia.
Wir rüsteten uns auf, geklettert wurde am Einfachseil, mit dazu ein Halbseil, an welchem der Sack mit Verpflegung, Kleidern und Schuhen für den Abstieg in Haulbag-Manier mitgezogen wird. Der Zustieg vollzieht sich über den Wanderweg Richtung Pisciadu-Hütte, nach 10 Minuten wählt man den Abzweig links Richtung Ferrata Tridentina. Diesen verlässt man nach ca. 150m, um über schwache Pfadspuren und Geröll in die schattige Arena einzutreten. Nach 25 Minuten waren wir am Wandfuss angelangt und begannen einige Minuten nach 10.00 Uhr mit dem Klettern.

Routenverlauf mit Topo. Die Wand sieht grimmig aus, ist aber sehr kletterfreundlich.
SL 1, 45m, 6a+, 5 BH: Erst einmal klettert man über den noch einfachen Vorbau, wo man selber für die Absicherung zu besorgt sein hat. Danach muss man sich ziemlich strecken, um den ersten BH an der Hauptwand einzuhängen, und dann geht es auch gleich fulminant los. Es wartet stark überhängende Kletterei an grossen, griffigen Löchern. Auch wenn es hier keine Sinterzapfen gibt, so erinnert diese SL doch stark an Kalymnos. Allerdings würde man dort sicher mit 6c+ und nicht mit 6a+ bewerten, und statt 5 BH würden auf den 35 Klettermetern ab dem Vorbau sicher 15 BH stecken (dies ist nicht etwa ein Witz, falls das jemand meinen sollte!). 

Die erste SL ist lang, steil und bereits massiv überhängend. Kathrin am Einstieg wirkt beinahe wie ein kleiner Käfer...
SL 2, 45m, 6a, 9 BH: Vom Stand weg links um die Ecke und in einem ziemlichen Runout bei easy Kletterei zur schwarzen Wand. Diese bietet tolle Loch- und Risskletterei, welche allerdings auch längere Zeit nass bleibt, was auch aktuell der Fall war. Immerhin ist diese neuralgische Stelle ziemlich gut abgesichert, so dass sie sich trotzdem bewältigen sogar in freier Kletterei bewältigen liess. Ob das jetzt tatsächlich eine 6a wie behauptet ist, mag ich zu bezweifeln, im nassen Zustand auf jeden Fall garantiert nicht.

Die Qualität und Griffigkeit des Gesteins ist gar nicht so einfach auf die Pixel zu bannen. Am besten überzeugt man sich selbst davon!
SL 3, 40m, 6a, 7 BH: Erfreut stellen wir fest, dass die Wand hier komplett trocken war. Zuerst geht's auf ein nächstes Band hoch, von diesem Weg wartet ein steiler Beginn und anhaltend geht es bei zunehmenden Hakenabständen weiter. Dies ist wohl bisher klar die einfachste Seillänge, dennoch kann man das ganz und gar nicht als ein Geschenk für den Grad 6a betrachten.

Hier mal grau statt gelb, aber bombenfest, steil und sehr griffig ist es überall.
(SL 4, 45m, 6c+, 8 BH): Hier käme erst ein steiler, gelber Wulst, danach eine schwarze Löcherwand und dann eine einfachere Rampe. Über die Löcherwand floss ein Wasserfall. Auch wenn die Stelle dank der relativ nahe steckenden BH womöglich zu bewältigen gewesen wäre, so hätte dies sicher keinen Spass gemacht. Zum Glück hatte ich zuvor auf dem Internet gelesen, dass sich diese SL auch über die daneben liegende 'Anton aus Tirol' umgehen lässt. Der Stand zu Beginn der SL liegt einige Meter rechts und kann ab SL 3 direkt und problemlos erreicht werden.

Voll der Oberhammer. Kathrin in der SL vom 'Anton aus Tirol', in der 'Oro'-Bewertung sicher eine 7a+.
SL 4' von 'Anton aus Tirol', 45m, 7a+, 9 BH: Diese SL ist einfach der Oberhammer. In fantastischer, anhaltender, griffiger Kletterei geht es durch die überhängende gelbe Wand. Die Hauptschwierigkeiten befinden sich bei den Haken 2-4, wo man ordentlich durchziehen muss und auch einige kleine Griffe zu bedienen sind. Danach wird das Gelände griffiger, allerdings auch die Abstände weiter. Zuletzt teilweise ziemliche Runouts, an einer Stelle müssen 5m über dem letzten BH noch ein paar 6b-Moves geboten werden, um die nächste Sicherung anzuklettern. Am Limit konnte ich diese SL onsight ziehen. Obwohl nominell mit 6c+ bewertet, ist sie ganz klar schwerer wie die 7a-Crux in der 'Oro e Carbone'. Nach demselben Massstab müsste man hier mit 7a+ oder sogar 7b bewerten. Wissenswert ist auch noch, dass in der 'Anton aus Tirol' zwar Inox-BH stecken, jedoch nur von 8mm Durchmesser, als sub-Standard.

SL 4'' die Querung zurück, 15m, 5a, 0 BH: Vom Stand der 'Anton aus Tirol' muss ca. 15m nach links traversiert werden. Dabei ist Kletterei ungefähr im Grad 5a vonnöten. Die schwierigste Stelle kann mit Camalots gut abgesichert werden.

Querung zurück in die 'Oro e Carbone', Kathrin meistert das tiptop on lead und platziert auch die Cams sauber.
SL 5, 30m, 6c, 7 BH : Hier wartet nominell gleich wieder eine zähe Aufgabe, immerhin sieht es gut abgesichert aus. Nicht nur die Absicherung, sondern auch die Kletterei ist dann aber echt gemütlich. Man folgt einer Rissspur, wo der Fels teilweise etwas brüchig aussieht. Der Eindruck täuscht aber, die herausstehenden Features sind alle bombenfest verwachsen und geben prima Griffe her. Ich denke, dass diese SL eher nur mit 6b+ oder gar 6b bewertet werden sollte, ich fand sie sogar die bisher einfachste überhaupt.

Sehr schön die angebliche 6c-Länge, für einmal ein Geschenk für den Grad. Ein Cam zum Schluss ist auch hier dienlich.
SL 6, 30m, 7a, 7 BH: Nun wartet die nominelle Cruxlänge. Zu Beginn stecken die Haken sehr eng und lassen damit hohe Schwierigkeiten vermuten. Die schöne Kletterei an Tropflöchern geht dann aber prima auf und ist nicht weiter beunruhigend. Die Crux folgt dann erst nach der Hälfte der SL, vom BH weg ist ein Zug nach links in ein Loch zu machen. Danach heisst es dann, das Momentum zu behalten, denn es gibt nur noch einige mässige Reibungstritte und auch zum Greifen sind da nur noch ein paar kleine Tropflochleisten und Aufleger. Es folgt ein ziemlicher Runout zum nächsten BH, so dass man konstatieren muss, dass die Haken auf dieser SL doch eher suboptimal verteilt sind. Wegen dieser Passage ist die Route auch sicher als 6c obligatorisch zu werten. Vom letzten BH wartet dann noch ein steiler, griffiger Wulst zum Stand. Insgesamt ganz bestimmt keine harte 7a, trotz den paar schwiergeren Moves in der Mitte inklusive dem Runout.

Die 7a-Länge, you are golden! Die technische und ganz sicher mentale Crux der 5m-Runout zwischen den letzten zwei BH.
SL 7, 45m, 6b+, 7 BH: Placca Grigia, uiuiui: vom Stand weg gleich etwas giftig, doch hier stecken die BH noch nahe. Danach wird die Kletterei zwar etwas einfacher, bleibt aber anhaltend bei 6a+ mit Stellen 6b. Es ist athletisches Ausdauergelände mit guten Griffen, doch die Hakenabstände sind mit 8-10m wahnwitzig weit (Stufe xx). Sollte einem im dümmsten Moment der Saft ausgehen (was durchaus passieren kann), dann geht ein Sturz hier bis 20m weit. Zwar ist die Wand leicht überhängend und somit das Gefahrenpotential wohl nicht allzu gross, erleben möchte ich sowas trotzdem nicht. Also halte ich mich gut fest, klettere kontrolliert und besonnen. So geht es gut :-). Der letzte Zwischen-BH steckt übrigens so weit rechts ausserhalb vom logischen Routenverlauf, dass ich ihn beim Klettern gar nie gesehen und eingehängt habe.

Wahnsinn! SL 7 ist anhaltend steil mit super Kletterei und oben raus beständigen 8-10m Runouts.
SL 8, 25m, 6b+, 5 BH: Nochmals ein Pièce de Resistance. Die Wand ist immer noch steil und griffig. Der Fels sieht hier wieder bisweilen etwas splittrig aus aber denkste, das hält alles bombenfest. Während die Kletterei vielleicht gar nicht unbedingt viel einfacher als in der SL zuvor ist, so sind hier die Hakenabstände deutlich kleiner und das ganze fühlt sich wesentlich entspannter an.

Kurz vor dem Einbiegen auf die Zielgerade. Kathrin unterwegs in SL 8, 6b+.
SL 9, 30m, 5c, 4 BH: So, jetzt hat man es nominell fast bereits geschafft. Aber an dieser Wand ist nichts leicht und ob man es glaubt oder nicht, selbst die 5c ist betont senkrecht. Den Sack kann ich danach jedenfalls problemlos freihängend aufziehen. Die Kletterei geht entlang einer Rissspur in schwarzem Edelfels und ist wirklich toll. Die Bewertung würde ich jetzt eher bei 6a/6a+ sehen aber item, im Vergleich zu vielem davor ist es tatsächlich relativ easy.

Rissspur in SL 9, angeblich 5c. Die Kletterei unverschämt griffig, aber immer noch leicht überhängend.
SL 10, 35m, 6a+, 4 BH: Der Abschlusstest. Natürlich haben die Erstbegeher hier nicht die schwächste Linie gewählt, sondern die attraktivste. Diese besticht nochmals mit athletischer Lochkletterei von höchster Güteklasse. Achtung, nach dem ersten BH etwas kühn nach rechts halten, man sieht den zweiten von unten nicht. Hat man dann einmal ein paar Meter gemacht, so taucht er dann schon plötzlich vor der Nase auf. Erst die allerletzten Meter werden dann etwas einfacher, doch auch hier ist nochmals ein Cam zu platzieren, bevor einem die Sonne ins Gesicht scheint und der Ausstieg erreicht ist.

Ab hier kann man nun von Formsache reden. Erst die allerletzten Meter der Route bieten easy Kletterei.
Etwas nach 17.30 Uhr sind wir bei einer fantastischen Abendstimmung am Top. Gute 7.5 Stunden hatten wir in dieser Route gefightet, im Schnitt also gemeinsam eine Dreiviertelstunde pro Länge. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn die Wand ist beinahe durchgehend überhängend, so dass einige Schüttelpausen beim Klettern, sowie einige Ruhe- und Verpflegungspausen am Stand nötig waren, zudem musste auch der Sack immer erst gehault weden. Gelohnt hatten sich die Anstrengungen aber allemal, denn die Kletterei ist einfach fabelhaft und ich konnte mir eine perfekte Begehung holen (alles onsight im Vorstieg). 

Blick vom Top an einem fantastischen Sommertag.
Nun hiess es aber die Schuhe schnüren, denn schon bald war Zeit zum Nachtessen. Etwas aufsteigend erreicht man über das Plateau die Mündung des Val Setus, wo man über den mit Drahtseilen versicherten Steig zum Auto runterkommt. Vom Top der Route brauchten wir gerade eine Stunde, dann wurde noch rasch retour übers Grödner Joch gekurvt, so dass wir 'just in time' um 19.00 Uhr beim bereits dampfenden Nachtessen sassen, herzlichen Dank Grossmami. Als die hungrigen Mäuler gestopft waren so hiess es natürlich nicht relaxen, sondern gleich mit den Kindern noch das Aktivprogramm auf dem Spielplatz bestreiten. Ausnahmsweise wurde dieses erst bei Einbruch der Nacht abgebrochen, bis dann die Zähne geputzt, Pijamas angezogen, Geschichten erzählt, Schlaflieder gesungen und das Licht gelöscht waren, war ich mit müden Armen auch bereits reif, um gleich ins Bett zu liegen.

Abstieg durch das Val Setus (Highway 666) mit drahtseilversichertem Steig.
Fazit: we will be back another time... für die anderen Routen an der Wand. Bzgl. dem 'Anton aus Tirol' bin ich dank der Schnupperseillänge definitiv auf dem Geschmack gekommen. Auch die 'Oltre la Porta' möchte ich einmal klettern, die 'Tridentina' ebenso und wer weiss, bis wir wieder da sind, haben vielleicht noch weitere Routen mit BH den Weg in dieses famose Stück Fels gefunden.

Facts

Mur del Pisciadu - Oro e Carbone 7a (6c obl.) - 10 SL, 330m - Piardi/Tremolada 1999 - *****; xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-1, Haulbag empfohlen

Durchgehend eine fantastische, athletische Kletterei in überhängendem Gemäuer in festem, unverschämt griffigem Dolomit. Im Grad 7a gehört diese Route sicher zu den besten MSL-Touren im gesamten Alpenraum und die 5*-Bewertung ist für mich absolut unbestritten. Die Absicherung mit (im 2013 gut aussehenden) verzinkten 10mm-BH ist als i.O. zu bezeichnen. An den Schlüsselstellen stecken die BH zuverlässig, dennoch wollen einige recht weite, aber dank steiler Wand wohl nicht allzu gefährliche Runouts bei anhaltender 6a+/6b-Kletterei gezogen werden. Ebenso habe ich in fast jeder Seillänge den einen oder anderen Cam als Ergänzung gelegt. Im Vergleich zur Ottovolante, wo sich die Schwierigkeiten auf eine Einzelstelle beschränken, würde ich die Oro e Carbone mit ihren anhaltend fordernden Stellen als anspruchsvoller bezeichnen.

Eine frei verfügbare Beschreibung mit Topo von guter Qualität findet man bei planetmountain.com. Ebenso ist die Tour in diversen Kletterführern beschrieben, z.B. auch in 'Alpine Sportkletterrouten Nördliche Dolomiten' von Armin Oberhollenzer. Auch bei Topoguide ist ein Beschrieb mit Topo käuflich erwerbbar - er ist wie fast immer von guter Qualität und Detailtreue, doch für diese Tour nicht zwingend nötig.



Sonntag, 28. Juli 2013

Nordgalerie - Arcimboldo (6b/+) und Routenliste

Nach den Ferien (Berichte folgen) konnte ich den halben Tag bei grosser Hitze und noch vor den vermeintlichen Gewittern dazu nutzen, mein Projekt auf der Nordgalerie fertigzustellen. Und dazu natürlich auch noch meine neue Bohrmaschine zu ihrem ersten Einsatz zu bringen. Sie hat sich bewährt und die entstandene Route gefällt mir auch prima. Es handelt sich vermutlich um die einfachste Tour auf der Nordgalerie, somit dürfte sie regen Zuspruch erfahren.

Jetzt kann man es wieder rattern lassen...
Getauft ist die Route auf den Namen 'Arcimboldo' und wenn man nicht weiss, wer das ist, dann kann man es auf Wikipedia nachlesen. Problem ist allerdings, dass unser Bub der Spezies Arcimboldus Maximus Cheibus dort noch nicht erwähnt ist. Die Länge beträgt knappe 25m, und 10 Bohrhaken säumen den Weg. Geboten wird einem erst teilweise knifflige Wandkletterei an Leisten, Auflegern und Untergriffen. Im oberen Teil wartet dann eine athletische, griffige Rissverschneidung, welche ebenfalls spannende Moves bereithält. Mit der ersten Rotpunktbegehung hatte ich erwartungsgemäss keine Probleme, und auch die ersten Wiederholer liessen nicht lange auf sich warten. Zur Bewertung: beim Ausprobieren hatte ich mir 6b+ gedacht, was im Toprope und in noch nicht geputztem Zustand aber natürlich immer schwer zu sagen ist. Sie ist aber womöglich etwas leichter wie die 'Bubak' (6b+), daher evtl. auch nur 6b. Somit gilt für den Moment 6b/+, d.h. 6b oder 6b+. Sachdienliche Hinweise zur korrekten Bewertung sind natürlich erwünscht, irgendwann werden wir uns dann auf das eine oder andere festlegen.

Interessante, schwarzgelbe Felsstruktur. Im Bild die erste Wiederholung der Route.

Facts

Der rechte Hauptsektor der Nordgalerie befindet sich auf dem Dach der Autobahn A3, die von Chur nach Zürich führt. Er ist sehr schattig gelegen (wenig Sonne nur frühmorgens und abends ab 18.30 Uhr) und somit ein interessantes Ziel für warme Tage. Das Ambiente am Südufer des Walensees ist genussreich, auch wenn man effektiv über der stark befahrenen Autobahn klettert. Erreicht wird der Sektor in ca. 15 Minuten horizontalem Fussmarsch vom Strandbad Gäsi bei Weesen. Ein Topo mit allen Routen findet man im Schweiz Extrem Ost. Weil fast alle Routen angeschrieben sind, reicht aber auch die folgende Routenliste aus. Einige weitere, eher selten begangene Routen gibt es auch im linken Teil auf der Galerie, sowie beim Holzpodest, das man beim Zustieg passiert.

Abendstimmung auf der Nordgalerie.
Routenliste

Die Routen werden hier von links nach rechts aufgeführt und mit einem Kommentar versehen. Zusätzlich ist die Länge der Route angegeben, (wo mir bekannt) die Anzahl BH die steckt und die offizielle Bewertung aus dem Schweiz Extrem Ost. Bei den Routen, die ich selber schon rotpunkt begangen habe, gebe ich nach dem Beschreibungstext einen persönlichen Schwierigkeitsgrad in Klammern an, da ich mit der offiziellen Version doch in einigen Punkten nicht übereinstimme. Die Routen sind eigentlich alle schön und lohnenswert, so dass ich nicht einzelne davon mit einer Sternchenbewertung herausheben will.

1 Projekt Mike (35m, NR)
Sieht interessant aber schwierig aus, dürfte eine der härtesten Routen im Sektor werden.

2 Corazon Negro (35m, 7b)
Knifflige und kräftige Sequenz auf den ersten 10m, danach Genusskletterei im 6c/+ Bereich (7a+).

3 Samsum's Traum (35m, 14 BH, 7a)
Technisch interessantes Bewegungsproblem am Wulst nach 10m, danach einfacher (7a).

4 Captain Barbossa (35m, 14BH, 6c+)
Sehr schöne, anhaltende Genusskletterei mit ein paar interessanten, bouldrigen Stellen (6c).

5 Captain Jack Sparrow (35m, 14 BH, 7a)
Weitgehend gemütliche Kletterei entlang einer Rissspur mit bitterem, suboptimal gesichertem Schlusswulst (7a+).

6 Rumborak (35m, 16 BH, 6c)
Super Kletterei an oft erstaunlichem, sintrigem Fels. Athletische Crux in der Mitte, und feine Stelle zum Schluss (6c+).

7 Duha (35m, 7b)
Unten steil, oben plattig.

8 Zahir (28m, 12BH, 7a)
Boulderstelle unten links umgehen. Oben erst kühne Ausdauer (BH suboptimal) mit plattig-schwerer Schlussstelle (7a).

9 Bubak 2(5m, 11 BH, 6b+)
Abwechslungsreiche Wandkletterei mit nicht zu unterschätztender Leistencrux im zweiten Drittel (6b+).

10 Unendliche Reise (44m, 7c)
Soll eine fantastische Reise sein. Unterer Teil bis Bubak-Stand 7b, oben ein athletischer und ein plattiger Boulder.

11 Azasch (32m, 14 BH, 7b)
Tolle Tour, gemässigter Beginn, kräftige Crux in Wandkletterei und kniffliges Mantle-Problem zum Schluss (7a+).

12 Walking in Blood (25m, 6b+)
Entlang der Verschneidung bis unters Dach. Selten geklettert, da weite Abstände und angeblich weniger lohnend.

13 Grün ist die Hoffnung (35m, 15 BH, L1 6c, L2 7b)
Unten technisch (6c+) zum Zwischenstand, Boulder übers Dach, Ruhepunkt und schweres Finish in weisser Wand (7b+).

14 Secondo (25m, 10 BH, 6c)
Anspruchsvolle, technische Wandkletterei. Schlüsselstellen zu Beginn und nach Routenmitte (6c+).

15 Kreziano (33m, 13 BH, 7a+)
Unten Wandkletterei, Bouldercrux am Dach und plattig-anspruchsvolles Finish. BH stecken eher suboptimal (7b).

16 Riding on the Storm (35m, 7c+)
Unten etwas gesuchte, bereits schwere Wandkletterei, harte Boulderstelle am Dach, dann Ausdauer.

17 Arcimboldo (25m, 10 BH, 6b+)
Erst knifflige Wandkletterei an Leisten, Auflegern und Untergriffen, dann athletische, griffige Rissverschneidung (6b).

18 Mammon (35m, 7b+)
Sehr lange Route, soll super Kletterei bieten.

19 Chain Reaction (25m, NR)
Hartes Projekt, evtl. bereits geklettert? Status unbekannt.



Mittwoch, 24. Juli 2013

Hexenstein / Sass da Stria - Ultima Tule (6c)

Dies ist bzw. war zwar nicht unsere erste Tour in den Dolomiten. Aber erstens müssen Ötzi und Yeti auch mal einen ruhigen Tag machen, zweitens waren für den heutigen Tag Gewitter angesagt, somit durfte es etwas kürzeres sein. Und drittens eignet sich die Route hervorragend zur Einführung in die Dolomiten, über die Knaller wird dann später berichtet. In unmittelbarer Nähe der Strasse am Passo Valparola führt die Ultima Tule in 8 relativ kurzen Seillängen in steilem, sehr gutem Dolomit gegen den Gipfel des Hexensteins. Einige Bänder erlauben bequeme Standplätze und mit der üppigen Absicherung kann man guten Gewissens von einer Plaisir-Route sprechen.


Zum Zustieg gibt es auch nicht viel zu schreiben. Man parkt entweder direkt am Valparola-Pass (da ist sehr viel Platz), weil der Abstieg da endet. Ein klein wenig logischer ist vielleicht der kleine Parkplatz bei einem grossen Felsblock noch etwa 400m weiter östlich Richtung Passe Falzarego. Hier hat man direkte Sicht auf Wand bzw. Route und kann sich gleich aufschirrren. Entgegen der Angabe in den meisten Topos braucht man dann nicht 10-15 Minuten für den Zustieg, 5 Minuten reichen komfortabel aus. Der Einstieg ist mit einem kleinen Blechschild markiert. Wir waren um 9.15 Uhr bereit und legten bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen los.

Hier geht's los, das macht richtig Appetit - tolle Wand!
SL1, 6a+, 30m: sehr schöner Auftakt in festem, griffigem, grauem Fels. Zum Stand hin wartet dann eine athletische Passage, die vermeintliche Zusatzaufgabe links herum über die Haken dürfte sogar tatsächlich der einfachste Weg sein.

Athletische Schlusspassage in SL 1 (6a+)
SL2, 6b+, 20m: bouldrige Stelle aus dem Stand raus, dann wartet ein einfacherer Quergang und zuletzt ein athletischer Pfeiler mit einem etwas heiklen Abschlussmantle rauf auf das Gras- bzw. Dreckband.

In SL 2 (6b+) heisst es ein erstes Mal zupacken.
SL3, 6b+, 30m: erneut ein Boulderzug an einem seichten Loch aus dem Stand raus. Bald darauf wird es unverschämt griffig, bis man nach links an den Riss ausweicht, wo es nochmals knifflig ist. Zuletzt ein einfacher Ausstieg auf das Latschenband.

Tolle Aussicht zu Passo Falzarego und den Cinque Torri.
SL4, 6b+, 25m: die erste Etappe führt in schöner, griffiger Kletterei auf ein Band hoch. Von diesem Weg folgt die Crux an einem steilen Riss, ein paar gute Leisten daneben hat es auch noch. Trotz wirklich guter Absicherung könnte man sich bei einem Sturz weh tun. Ist aber kein Fehler der Erstbegeher, so ist das halt einfach, wenn es gleich oberhalb von einem Band schwer wird. Stand dann bei der Schiessscharte vom Weltkriegsbunker.

Stand! Im Gegensatz zu derartigen Installationen in der Schweiz wurden diese hier (leider!) in echt benutzt.
SL5, 6c, 30m: wiederum ist die erste Hälfte der Seillänge gemütlich, bevor die Crux an einem steilen Mäuerchen folgt. Hier sind nicht alle Griffe natürlich gewachsen, Hilti meets Sika. Aber item, ich will das nicht kritisieren (erwähnt soll es aber sein). Klettern tut es sich gut und ohne diese Griffe wäre die Stelle sicher schwer (>7b würde ich schätzen, ohne es probiert zu haben).

Kathrin unterwegs in SL 5 (6c).
SL6, 6a+, 30m: hier nicht nach rechts der Sturmtruppen-Variante folgen, sondern erst links um die Ecke klettern, einen steilen Riss hochwuchten und danach über die griffige Platte zum Stand unter der überhängenden Wandpartie klettern.

Querung an den Stand nach SL 6 (6a+).
SL 7, 6a+, 30m: es geht links den steilen aber super griffigen Pfeiler hoch, nach etwa 15m lassen die Schwierigkeiten stark nach. Haltet man sich mehr oder weniger geradeaus weiter (die Linie ist nicht eindeutig), wird man bestimmt auf den Standplatz treffen.

Leicht feuchte Verhältnisse in SL 7 (6a+).
SL 8, 4b, 45m: in meist einfacher Kletterei geht es aufwärts, nur in der Mitte haben die Erstbegeher noch ein kompakteres Wändchen eingebaut (BH, gut sichtbar). Der Stand zuletzt leicht links beim Übergang in die Schrofenzone.

Für uns war die Tour wirklich ziemlich leicht von der Hand gegangen. Beide hatten wir alles problemlos onsight bzw. flash klettern können, ohne je ans Limit gehen zu müssen. Somit eine Genusskletterei durch und durch, bis auf eine kleine Ausnahme: in der zweitletzten Seillänge ging entgegen aller Vorhersagen bereits vor Mittag ein erster, ziemlich heftiger Graupelschauer nieder, der uns doch ordentlich zu durchnässen vermochte. Wäre jetzt nicht wirklich nötig gewesen, dennoch erreichten wir um 12.15 Uhr das Top. Dort heisst es Schuhe wechseln, und mit einer leicht aufsteigenden Traverse der Schrofenhänge erreicht man in wenigen Minuten die Krete mit den Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg, und dem Wanderweg. Wir folgen diesem bis zum Pass und sind in 25 Minuten retour beim Auto. Noch schneller ginge es, wenn man nach Erreichen der Krete bald wieder rechts abbiegt und so in direkterer Linie absteigt (Wegspuren vorhanden). Zum Schluss der Tour scheint bereits wieder die Sonne und man glaubt es kaum, für den Rest vom Tag bleibt es natürlich perfekt trocken und grösstenteils sonnig. Na ja, so sind unsere nassen Klamotten und Seile wenigstens rasch wieder einsatzbereit.

Der Abstieg den Schützengräben entlang. Krasse Sache das.
Facts

Hexenstein / Sass da Stria - Ultima Tule 6c (6a obl.) - 8 SL, 240m - Galvagni/Filippi 2008 - ***, xxxxx
Material: 12 Express, 1x50m Seil, einige Schlingen zum Verlängern.

Genüssliche Plaisirtour mit sehr kurzem Zustieg und raschem Abstieg. Die Kletterei verläuft durchwegs in steilem, gutem und griffigem Fels und spielt sich weitgehend im Grad von +/- 6a+/6b ab. Einige kurze, etwas schwierigere Einzelstellen geben der Sache noch eine zusätzliche Würze. Die Route ist sehr gut abgesichert, an allen schwierigen Kletterstellen auf Niveau xxxxx, d.h. die Schwierigkeiten sind nicht obligatorisch. Im Grad 6a muss vielleicht auch mal leicht über den Haken gestiegen werden (xxxx), nur im ganz einfachen Gelände (3./4. Grad) sind die Abstände weiter. Manchmal stecken die Haken etwas in seilzuggefährdeter Position, die eine oder andere Verlängerung hilft. Ein Rückzug aus der Tour ist jederzeit möglich, der Abstieg per Abseilen ist jedoch wenig sinnvoll und wäre vom letzten Standplatz aus auch mühsam. Die Route liegt sehr sonnig, schon die ersten Sonnenstrahlen bestreichen sie, erst ab etwa 14.00 Uhr (Sommerzeit) kommt der Schatten. Somit (auch dank der Kürze) ein dankbares Ziel für Tage mit unsicherem Wetter, oder auch für den Spätherbst.

Das frei verfügbare Topo der Erstbegeher; jenes von Alberto de Giuli; oder ein käuflich erwerbbares von Topoguide.

Der Abstieg zu Fuss dauert nur 20-25 Minuten. Es ist bereits wieder trocken und die Sonne scheint.