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Sonntag, 28. Januar 2024

Skitour Chli Aubrig (1642m)

Eine weitere Tour zu einem Ziel ohne Rang und Namen, welches ich darüber hinaus nicht zum ersten Mal besucht habe. Zu Fuss, mit dem Gleitschirm, mit dem Bike und auch schon 1x per Ski war ich zuvor schon auf dem Chli Aubrig. Das illustriert dann auch gleich die Sinnhaftigkeit dieses Berichts. Aus meinen damals noch viel spärlicheren Aufzeichnungen kann ich zwar ersehen, dass diese Skitour vor ziemlich genau 20 Jahren stattgefunden hat. Neben dem, was mir in Erinnerung geblieben ist, sind manche Details aber auch dem Nebel des Vergessens zum Opfer gefallen. Diese Form von partieller Amnesie kann man als Nachteil sehen, aber vielleicht ist sie ja auch ein Vorteil. Was wirklich wichtig war, bleibt schon haften und den Rest dazwischen kann man sich ja schön ausmalen. Das wird mit einem Blog schon schwieriger, wenn schwarz auf weiss dasteht, was auf der Tour los war. Wobei das jetzt den Gedanken weckt, dass sich der Ausflug nicht gelohnt hat, was aber definitiv nicht zutrifft.

Hat man den Verbindungsrücken zwischen Chli Aubrig und Nüssen erreicht, so eröffnet sich dieses fantastische Panorama vom Fluebrig bis zu den Mythen. Dazu die tiefstehende Januarsonne am blauen Himmel, nachdem das dicke, graue Schleierwolken-Paket nach Osten abgezogen ist - da hat die Tourenplanung top gepasst!

Nach der ausgiebigen Runde vom Vortag, weil familienbedingte Präsenz anstand und ich sowieso auf das nachmittägliche Sonnenfenster nach Abzug eines dichten Schleierwolken-Pakets setzen wollte, startete ich erst um 13.30 Uhr vom P.713 bei der Abzweigung der Satteleggstrasse in Vorderthal. Der Auftakt zur Tour gestaltet sich gar nicht mal so einfach. Im Kanton meines prominenten Namensvetters entwickeln sich bisweilen texanische Allüren 🤠, d.h. mit Zäunen, scharfen Hunden und "no trespassing"-Schildern verzierte Grundstücke. Mit guten Tipps um mich zu werfen wäre verfehlt, ausser "keep low profile" und "der Nase nach" kann ich auch keinen Gold-Standard festlegen - aber ich habe es ohne Bisswunden, zerrissene Hose oder Zusammenschiss geschafft - da habe ich von dieser Tour auch schon andere Erfahrungen gehört 💩.

Beim Gipfelhang trifft das Prädikat 'unverspurt' nicht mehr wirklich zu. Und 'schneereich' gleich auch nicht. Aber sowohl das eine und auch das andere liess sich auf dieser Tour wie gewünscht finden. Aber wie ich es letzthin erst geschrieben habe: wer First Line will muss dahin, wo andere nicht hinwollen.

Die Einstiegshürde einmal überwunden, geht's über zahme und ideal geneigte Wiesen hinauf nach Dorlaui (P.1154). Es lag nur gerade der lockere Pulver vom letzten Schneefall, ein Unterlage war nicht vorhanden - das kann man sich dank dem gutmütigen Untergrund aber leisten. Der Güterweg nach Ahoreli (P.1272) war dann durch Schneemobile gespurt, ab da gab's erstens eine Unterlage und zweitens einen breit ausgetretenen Track bis zum Gipfel, die Gegend ist auch bei Schneehschuhläufern sehr beliebt. Wobei diese entweder ihre Tour schon beendet hatten oder gar nicht erst angetreten waren. Ich konnte bis zum Gipfel und zurück perfekte Einsamkeit geniessen und begegnete keinem einzigen Tourengänger. Trotz der bescheidenen Höhe geniesst man vom Gipfel einen perfekten Blick in die Schwyzer Alpen, im flachen Januar-Nachmittagslicht ein besonderer Genuss.

Das Panorama - hier vom Gipfel des Chli Aubrig (1642m) - noch umfassender.

Das alles hätte schon gereicht für ein tolles Erlebnis, ja eine wunderbares Nachmittagstüürli. Aber Zeitbudget, Gusto und Verhältnisse für ein paar Eskapaden waren vorhanden. Somit konnte ich es nicht unversucht lassen, ein paar unbefahrene Steilhänge mit meinen Spuren zu verzieren. An dieser Stelle verzichte ich jedoch gerne darauf, deren exakte Lokation zu vermerken. Viele Tourengänger werden auf solche Umwege sowieso lieber verzichten wollen, die wenigen anderen bringen sicher selber die nötige Phantasie auf. Und für mich selber muss ich es auch nicht aufschreiben, denn das Erlebnis dabei war schon gut genug, dass ich auch in 20 Jahren noch nicht vergessen haben werde, wo meine Spur da genau hingeführt hat 😎

Facts

Vorderthal (P.713) - Dorlaui - Ahoreli - Ober Alten - Chli Aubrig (1642m)
Total ca. 1000hm Aufstieg (+ 300hm extra), Ski-Schwierigkeit WS, normale Tourenausrüstung

Dienstag, 23. Januar 2024

Best of Schwialp!

Erneut stand uns ein Traumsamstag bevor, der zum Skitouren lockte. In Bezug auf den Schnee tönten die Verhältnisse nicht mehr ganz so vielversprechend wie eine Woche davor. Erst hatte der Wind Schnee verfrachtet, dann wurde eine ungünstige Oberfläche eingeschneit, bevor es Regen bis weit hinauf gab. Aber immerhin, zuletzt gab's noch eine Ladung fluffigen Pulverschnee bis in tiefe Lagen. Lawinenstufe 3 war die Konsequenz von diesem Auf und Ab, somit stellte sich die Frage nach der Konstruktion einer lohnenden Tour. Ein familienbedingt später Aufbruch und der Wunsch nach Exklusivität mit First-Line-Garantie definierten dazu Rahmenbedingungen, welche die Planung nicht einfacher machten. 

Panoramablick vom Ochsenchopf über Glärnisch und Silberen bis zu den Hinteren Gräten.

Ich entschied mich schliesslich, in Hinter Richisau zu starten und im Gebiet der Schwialp zu touren. Dieses ist ziemlich weitläufig, da würden sich bestimmt ein paar noch unbefahrene Hänge finden lassen. Dank den tiefen Temperaturen konnte man auch in den südlich-sonnigen Expositionen auf guten Schnee zählen, das war ein weiteres Argument meiner Zielauswahl. Auf einen bestimmten Gipfel war ich hingegen weniger fokussiert, da ich mehr oder weniger sämtliche zur Verfügung stehenden Ziele bereits früher besucht hatte - das kann aber auch ein Vorteil sein, weil der Fokus mehr auf den optimalen Skihängen liegen kann.

Das streifende Auge erkennt hier gewisse Hänge, deren Befahrung zum Imperativ wird.

Davon machte ich im Gebiet der Ober Schwialp dann Gebrauch. Ich lief erst 2x ins "nichts", sprich einen super attraktiven Hang am Fuss der Hinteren Gräte hinauf. Einfach nur, um ihn Anspuren und als erster befahren zu können. Mehr gab's da an diesem Tag nicht zu holen... bei idealen Verhältnissen könnten aber einige der Couloirs auch bis zur Gratlinie hinauf machbar sein - nächstes Mal dann vielleicht. Jedenfalls gelang es mir, die Landschaft wunschgemäss zu verzieren. Die Verhältnisse waren perfekt, der locker-leichte Pulver lag auf einem (vom Regen) kompakten Untergrund. Die propagierte Lawinenstufe 3 (die formell erst ab einer Höhe von 2000m galt) war vor Ort nicht zutreffend, die Verhältnisse waren als sehr sicher einzustufen.

Toller Hang am Fuss des Wänifirst. Wer die Spur sehen will, muss wohl auf die volle Auflösung gehen.

Als nächstes peilte ich den Gipfel von P.1881 am Wannengrat, der mir schon vor 3 Jahren eine prima Abfahrt beschert hatte. Als ich den Kulminationspunkt erreicht hatte, entschied ich mich jedoch spontan, das Wannenstöckli (1989m) aufzusuchen. Dessen Südhänge böten an diesem Tag auch den erwünschten Skigenuss. Das hiess, erst nochmals 60hm dem Grat entlang zu vernichten, bevor der W-Gipfel zügig erreicht war. Hierher hatte ich nur im Rahmen der Wägital-Rundtour vor 13 Jahren meinen Fuss gesetzt, somit war das zumindest skifahrerisch Neuland. Auch auf meiner dritten Abfahrt hinunter nach Schartli konnte ich die gewünschte First Line ziehen.

Bei der Alphütte von Schartli, viertes Mal Felle aufziehen bei angenehmen Bedingungen.

Der Preis dafür hiess es, ein viertes Mal die Felle aufzuziehen. Es wartete der letzte Aufstieg zum Brüschbüchel (1817m). Hier waren im Verlauf des Tages schon einige Tourengänger aufgestiegen, so dass ich für die First Line ein wenig Kreativität anwenden musste. Nun, extreme Innovativität war nicht gefragt, an den etwas steileren Nordhang hatte sich noch niemand gewagt. Auf 1670m wechselte ich dann hingegen in den Südhang, um direkt über den Burstrain abzufahren. Auch da war noch niemand durch, bis auf 1330m fährt man da, bevor es 150hm zu Fuss dem Wanderweg entlang durch den Wald abzusteigen gilt - dieses Stück ist nicht mit den Ski fahrbar und der Fussabstieg macht nur Sinn, wenn es nicht zu viel Schnee hat. Zuletzt kamen die Bretter nochmals kurz an die Füsse, bald war Hinter Richisau erreicht. Ohne grosse Erwartungen war ich losgezogen, 1800hm mit viel Spurarbeit und stets der First Line in der Abfahrt bei genialen Bedingungen waren es geworden - fantastico!

Nochmals ein Panoramablick zum Mutteristock (wo an diesem Tag unzählige Tourengänger unterwegs waren), dem steilen und kaum mit Ski begehbaren Ochsenchopf, dem Klöntalersee mit der eindrücklichen Glärnisch-Nordwand und zum Bös Fulen, der mir auch schon ein tolles Nordwandabenteuer beschert hatte.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Salginatobel-Rundtour

Keine Frage, was an diesem Sonntag zu tun war: super Pulverschnee, geringe Lawinengefahr und ideales Bergwetter. Auf zu einer exquisiten Skitour, konnte die Devise da nur lauten. In mir drin verspürte ich dennoch ein leichtes Zögern, denn es gab ja noch unerledigte Sportkletterprojekte. Ob der Kälte ein bisschen gesucht vielleicht, aber möglich wäre es bestimmt gewesen. Tja, das ist das Privileg der Bergsportler, welche sich nur auf eine Disziplin fokussieren. Da muss man dann nicht überlegen, ob Ski, Seil oder Bouldermatte. Jedenfalls, der Wechsel zwischen den Disziplinen fällt nicht immer ganz leicht, die Entscheidungsfindung bereitet durch das Mehr an Optionen manchmal Kopfzerbrechen. Aber dafür sind die diversen Erlebnisse natürlich eine grosse Bereicherung.

Wer Einsamkeit will, muss eine Tour gehen, für die sich sonst niemand interessiert...

Mit dem Sonnenaufgang geht's los (im Januar schafft das selbst Langschläfer Dettling noch 😁)

Auftakt zur Tour war um 8.00 Uhr bei der Seilbahn Fanas. Etwas erstaunlicherweise war ich auf der ersten Fahrt (16 CHF/Person) der einzige Fahrgast. Das lag wohl daran, dass die Südhänge nicht mehr die beste Reputation genossen und mein Ansinnen mit der Rundtour definitiv in die Kategorie Special Interest gehörte. Um 8.20 Uhr machte ich mich bei der Bergstation (1700m) auf den langen Weg. Die Route auf den Sassauna war natürlich gespurt - leider Multi-Use, sprich das Trassee war von Schneeschuh- und Fussgängern zertreten. Trotzdem war es in wunderbarer Morgenstimmung ein sehr schöner Aufstieg. Nach einer knappen Stunde hatte ich den Gipfel (2307m) erreicht.

Blick vom Gipfel auf meinen Weiterweg. Am Horizont links die Schesaplana und rechts der Bildmitte die Rätikon-Felsberge Kirchlispitzen, Drusenfluh und Sulzfluh. Mein nächstes Ziel Pfäwi in der linken Bildhälfte (nicht am Horizont, mit der schattigen Flanke). 

Es folgte ein erster Höhepunkt, die Abfahrt über die Sassauna NW-Flanke. Der einfachste Einstieg befindet sich 100m westlich vom Gipfel, bei Idealbedingungen geht's auch 20m westlich vom höchsten Punkt. Extrem steil fährt man da nicht Ski, die Neigung liegt auf der gutmütigsten Linie bei 30-35 Grad. Aber die ganze Flanke ist schon riesig und hat viele Steilpartien - da darf gar nichts ins Rutschen kommen, absolut sichere Bedingungen sind unabdingbar. Die waren gegeben und da idealer, gesetzter Pulverschnee lag, durfte ich diesen Schwüngen gerne 100 von 100 Punkten geben. Auf 1800m im Gebiet von Ludera kamen die Ski zum Stehen und die Felle wurden wieder montiert. 

In Bildmitte die Sassauna NW-Flanke, ein absolut ideales Skigelände.

Um 9.40 Uhr ging's weiter Richtung Luderer Fürggli. Am besten geht's erst etwas querend über den Graben vom Schwieggatobel hinweg, dann hinauf zum (oberen) Sommerweg und mehr oder weniger diesem entlang zum Sattel. Für Sammler gibt's mit 47hm Zusatzaufwand noch den absolut unbedeutenden, aber irgendwie doch noch neckischen Gipfel vom Picardichopf (2096m) einzusammeln. Zum Pfäwi geht's dem aussichtsreichen NW-Grat entlang. Hier machte ich nun aus der Spur (der Gemsen) auch ein Multi-Use. Sie werden meine Planierarbeit hoffentlich geschätzt haben. Um 10.40 Uhr war die Arbeit getan und der Gipfel vom Pfäwi (2304m) erreicht. Die Felle konnten abgezogen werden und die Vorfreude auf eine nächste geniale Abfahrt paarte sich mit der formidablen Aussicht.

Blick vom Pfäwi (2304m) zum Sassauna (2307m), gut sichtbar die schattige NW-Flanke.

Die nordseitige Abfahrt vom Pfäwi via Hinterberg und Freschidörsch ist dann mit ein paar kurzen Stellen im Bereich von 35 Grad nicht extrem steil - war aber sehr genussreich mit idealem Skigelände und perfektem Powder, besser kann es wirklich nicht sein! Nur zu bald kamen die Skis in der Talsohle beim Vordersäss zum Stehen. Dies ist wirklich ein sehr abgelegener Platz: rundherum nur Berge, kein Blick ins bewohnte Tal und erst recht kein rascher Weg zurück dahin. Weil auch noch der Handyempfang fehlt, fühlt man sich da rasch ziemlich isoliert und schon ein kleines Problem mit nicht (mehr) klebenden Fellen oder einem verlorenen Ski würde einen da durchaus in die Bredouille bringen.

Blick zur Schesaplana aus der Pfäwi-Nordflanke, wo meine zweite Abfahrt durchführte.

Bei mir lief aber alles flott und ich genoss das Gefühl der Abgeschiedenheit extrem. Das Tal war komplett unberührt, keine einzige Spur von Menschen oder Tieren war sichtbar. Da fühlte ich mich gleich wie auf Terra Incognita, während ich ab 11.15 Uhr durch hektarweise besten Pulverschnee Richtung Golrosa spurte. Ein Tipp noch für jene, die es mir dereinst gleichtun wollen: die Rinne vom Valser Bach lässt sich nicht überall einfach queren, insgesamt ist der Aufstieg auf der linken (nördlichen) Seite vom Bach wohl als angenehmer zu werten. Gehen tut's aber definitiv auf beiden Seiten.

Rückblick ins einsame Hochtal des Valser Bachs am Fuss der Schesaplana-Südflanke.

Um 12.40 Uhr hatte ich den Passübergang der Golrosa (2124m) erreicht. Fast 90 Minuten also für die nur 450hm, aber es ist eben auch eine beträchtliche Strecke von nahezu 4km, die man dabei (in nicht immer gerader Linie) zurücklegt. Beim Übergang wird der Blick auf die Rätikon-Felsberge frei. Darauf hatte ich mich natürlich sehr gefreut, denn aus dieser Perspektive hatte ich die Wände bisher nie gesehen. Sowieso bilden die westlichen Kirchlispitzen 1-3 aus der typischen Kletterer-Optik eine vernachlässigte Grösse und es war schön, diese für einmal etwas näher zu Gesicht zu bekommen.

Blick von der Golrosa auf die Rätikon-Kletterberge: Kirchlispitzen, Drusenfluh und Sulzfluh.

Mein Rückweg in die Zivilisation sollte ab der Golrosa via den Höchstelli erfolgen. Bei sicheren Verhältnissen kann man dazu die steilen Nordhänge vom Girenspitz ohne Höhenverlust queren. Andernfalls wäre eine kurze Abfahrt Richtung Vorder Cavell die sicherere Variante. Für mich war das nicht nötig und somit war es prinzipiell nur noch ein Katzensprung zum letzten Kulminationspunkt. Wobei die Beine langsam etwas schwer wurden, mit der Nachmittagstour vom Vortag hatte ich in 24h nun bereits fast 3500hm zurückgelegt, dies bei fast der Hälfte davon inkl. der Spurarbeit. Um 13.10 Uhr schlug ich auf dem Höchstelli (2297m) an. Von da kann es wieder abwärts gehen, wobei der ambitionierte Gipfelsammler sich die Gelegenheit mit dem nahe gelegenen Girenspitz (2393m) nicht entgehen lässt. Skitechnisch lohnt es sich allerdings eher nicht und der Aufstieg entlang dem teils stark verwächteten Grat war auch nicht unbedingt dem Genre Plaisir zuzuordnen. Einfacher wäre es wohl, diesen Gipfel direkt von NW bzw. N anzugehen, man würde sich so auch einiges an Rund-um-den-Berg-herum-Distanz sparen.

Der Girenspitz (2393m) mit seinem überwächteten SSE-Grat vom Höchstelli.

Der Kulminationspunkt war erreicht, nun war wieder Skifahren angesagt! Wobei über den ersten Teil über die steilen Südhänge hinunter nicht viel Rühmenswertes gesagt werden kann. Teilweise war es schwingbar, je nach Steilheit und Expo aber auch ein unmöglicher Zwieback-Karton. Immerhin war es relativ schnell vorüber, unter 2150m war der nach Schuders verlaufende Rücken genügend flach, dass die Schneeoberfläche noch locker war und beschwingt gekurvt werden konnte. Bis zu dieser Stelle war von Schuders her gespurt, wobei diese Tourengänger über den SE-Rücken von Falvanja abgefahren waren. Das sah echt verlockend aus, hätte mir aber ultimativ die Fluggelegenheit genommen, weshalb ich die Idee dort abzufahren verwarf...

Sicht aus der Kartonzone auf den nach Schuders verlaufenden Rücken (mit wieder gutem Schnee).

Dies war sowieso ein springender Punkt meiner ganzen Planung gewesen: wie sich die Tour gut beenden liesse und man wieder zum Ausgangspunkt zurückkäme. Der logische Endpunkt war nämlich in Schuders, was doch eine ganze Ecke von der Fanaser Talstation entfernt liegt. Man müsste also auf eine Mitfahrgelegenheit von dort nach Schiers hoffen. Einzig bei idealen Verhältnissen mit genügend Schnee bis in tiefe Lagen könnte man durch das Schraubachtobel bis nach Schiers fahren - das war aber an dem Tag nicht möglich. Mein Joker war der Ultraleicht-Gleitschirm, mit welchem ich vom Schuderser Maiensäss starten wollte, um effizient zu Tale zu kommen. 

Ideale Startgelegenheiten in mehr oder weniger alle Richtungen findet man auf dem Rücken.

Im Winter dann aber auch tatsächlich in die Luft zu kommen, ist nicht immer trivial. Der Abwind kann ein hartnäckiger Gegner sein, aber hier auf dem Rücken sollte nichts schiefgehen. Laut Prognose und auch zuvor auf den Gipfel war ein deutlicher Westwind vorhanden, was auch die bevorzugte Startrichtung war. Warum dieser dann an meinem Absprungort doch plötzlich aus NE kam, ist eine gute Frage. Aber einmal um 180 Grad umgedreht, so war das an meinem designierten Startplatz auf einer Kuppe kein Problem. Anderswo könnte es aber auch bedeuten, ohne das Flugtaxi ins Tal gelangen zu müssen. 

Ah natürlich, der Schirm wollte halt auch einfach nochmals die Drusenfluh sehen, das ist der Grund!

Der einzige Schönheitsfehler meiner Rundtour ist der, dass der Flug vom Schuderser Maiensäss zurück zur Talstation der Fanas-Seilbahn sich mit dem Ultralight-Equipment kaum ausgeht. Da müsste man schon auf Thermik treffen oder sehr günstigen Wind haben, das war mir schon im Voraus bewusst. Und tatsächlich war der Touchdown dann im Haupttal bei Schiers Pferpfier. Grundsätzlich wäre es ein Leichtes gewesen, auf der Anreise das Bike dort zu deponieren und die Runde damit als Ski-Fly-Bike-Triathlon zu vollenden. Aber ich dachte mir, dass es entweder mit Autostopp oder dann zu Fuss wohl auch ohne grossen Zeitverlust ginge. Und genau so war es dann. Ich machte mich per Pedes auf die Socken, nach ein paar Minuten wurde ich mitgenommen und punktgenau nach Fanas zur Seilbahnstation chauffiert. So schloss sich diese geniale Runde mit ihrem grossen Exklusivitätsbonus - das war eine Tour ganz nach meinem Gusto gewesen!

Facts

Route: Fanas Bergstation - Saussauna - NW-Abfahrt - Luderer Fürggli - Picardichopf - Pfäwi - N-Abfahrt - Vordersäss - Golrosa - Höchstelli - Girenspitz - Schuderser Maiensäss - Flug nach Schiers Pferpfier - Fanas Talstation (Autostopp, sonst +300hm extra). 

Total ca. 1900hm Aufstieg, 2000hm Abfahrt und 1000hm Gleitschirmflug
Ski-Schwierigkeit ca. ZS, jedoch diverse Steilhänge, die sichere Bedingungen fordern!