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Freitag, 1. November 2019

Schafbergwand - Route 66 (7a+)

Die Route 66 ist derzeit die neuste Route an der Schafbergwand, eingerichtet im 2018 durch Werner Küng und Marco Wasina. Sie bietet einen prima Mix der ortstypischen Kletterei: erst an Rissen und Schuppen, später dann auf Steilplatten und Wasserrillen. Dank der sehr guten Absicherung mit Bohrhaken und bis auf eine hakentechnisch lösbare, kurz-heftig-glatte Schlüsselstelle moderaten Schwierigkeiten hat sie in kurzer Zeit sehr viele Begehungen erhalten. Für mich gab sie nach der Rückkehr aus den Kalymnos-Ferien ein ideales Ziel her: gemütlich und stressfrei in schönem Ambiente moven, gewürzt mit der Herausforderung, die Crux frei hinzukriegen.

Die Schafbergwand mit dem Verlauf der Route 66 (7a+) in der grossen Plattenzone im östlichen Wandteil.
An einem föhnigen Herbsttag starteten wir um ca. 8.45 Uhr (Sommerzeit) in Wildhaus. Der übliche Zustieg via Gamplüt, unter der Wand durch und über das Band hinauf nahm uns inklusive der üblichen Vorbereitungen aufs Klettern gerade eine Stunde in Anspruch. So konnte es um 9.50 Uhr losgehen. Der Einstieg befindet sich ca. 10m links von Meridian/Langstrasse und ist derzeit mit einer Tafel gekennzeichnet. Zu erwähnen ist, dass links und rechts weitere Routen am Entstehen sind. Man lasse sich also nicht durch die möglicherweise vorhandenen Fixseile und andere BH-Linien verunsichern.

Hier geht's los!
L1, 20m, 5c: Kurz und problemlos, aber irgendwie doch schwieriger wie es den ersten Eindruck macht. Der Grip an den vom Gras befreiten Rissen fühlte sich irgendwie nicht sonderlich gut an. Die Seillänge endet an einem gut sichtbaren Ketten-Hängestand bei der markanten Schuppe, bis hierher war die Route schon früher erschlossen worden.

L2, 20m, 6b+: Die Erstbegeher haben es sicher mit guten Gründen anders konzipiert, doch mir scheint es im Nachhinein günstiger, den Stand nach L1 auszulassen und gleich weiterzuklettern. Das liegt nicht nur am Faktor Bequemlichkeit, sondern die schwierigste Stelle in L2 lauert gleich zu Beginn, auch das Klippen des ersten Bolts ist aus einer mässig stabilen Position trotz der guten Absicherung nicht komplett unbedenklich. Allerdings muss man beim Verbinden der Seillängen viele Exen (ca. 16 Stück) mitführen und dem Seilzug Beachtung schenken. Von der Kletterei her ist L2 eine coole Sequenz der markanten Schuppe entlang.

Die Querung unterhalb der markanten Schuppe definiert L2 (6b+), am Anfang heisst ziemlich glatt antreten!
L3, 28m, 6a+: Hier ändert der Charakter mehr zur auflegerigen Steilplatten-Kletterei, auch dünkte mich die Reibung vom Fels nun deutlich besser. Eine Stelle in der Mitte (jedenfalls wenn man direkt über die Haken klettert, man könnte es sich wohl auch einfacher machen) ist für den vorgeschlagenen Grad doch noch ordentlich zackig, es handelt sich um einen Mantle über ein kleines Dächli, wobei für die Hände nur ein paar Sloper zur Verfügung stehen. Der Rest ging mir gut von der Hand.

L4, 40m, 5c+: Gutmütige und griffige Kletterei, ich fand diesen Abschnitt neben der Schlusslänge die einfachste Sequenz.

L5, 40m, 6b: Coole und ziemlich anhaltende Steilplatte, vor allem das Finale mit den seichten Wasserrillen ist ein echtes Highlight - Schafbergwand at its best! Hier sind nun auch die Hakenabstände etwas grösser und damit der Anspruch an den Vorsteiger höher als in den Startlängen.

Super Kletterei an seichten Wasserrillen in perfektem Fels mit optimaler Reibung - typisch Schafbergwand!
L6, 40m, 6b: Vom Stand geht's nach rechts, die Überwindung der Nische welche den Graskanal abschliesst und das Etablieren in der Wand darob bietet eine ziemlich knifflige Stelle. Nachher geht's in schöner Steilplattenkletterei weiter. Wer die richtige Linie findet, kommt hier recht kommod durch, auch dank dem sich hinter den entfernten Grasbüscheln immer wieder griffige Henkel finden.

L7, 42m, 7a+: Nun eben gilt's ernst! Die Route verläuft hier am linken Rand der markanten Wasserrillen-Platte, die den Abschluss von Meridian und Langstrasse bildet. Erst geht's noch ziemlich easy in die Höhe, die griffig aussehende Piazschuppe ist dann allerdings schwieriger und ausdrehender wie gedacht, d.h. im 6b-Bereich erreicht man die Schlüsselstelle. Hier hätte Mutter Natur nur 1-2 kleine aber taugliche Strukturen für entweder Hände oder Füsse kreieren müssen, dann wäre die ganze Route homogen im 6b-Bereich. Hat sie aber nicht, so bezwingt man diese Stelle entweder A0 mit Hilfe einer Trittschlinge oder klettert etwas links der direkten Hakenlinie frei. Im Onsight braucht das ziemlich Mut, da der obere der beiden p.a.-Haken nicht (bzw. höchstens nach Überwinden der Stelle) geklippt werden kann. Das Sturzgelände ist zwar +/- frei, aber es droht trotzdem ein etwas unangenehmer Pendler aus diffiziler Gegendruck-Kletterei an schlechten Tritten/Griffen. Nach einem ersten Befühlen konnte ich die Stelle durchziehen, denke der Grad dürfte ziemlich gut passen.

Die Schlüsselstelle (L7, 7a+) sieht unscheinbar aus. Da aber kurz (fast) alle Griffe/Tritte fehlen, ist's eine Challenge!
L8, 32m, 5b: Über strukturierten Fels mit ein paar Zacken und griffigen Schuppen geht's bis ganz zum Ende der Plattenzone hinauf. Nein, ganz zum Grat hinauf gelangt man (wie bei allen anderen Schafbergwand-Routen) auch hier nicht, für den Rückweg bleibt als einzig sinnvoller Weg das Abseilen.

In der Gegend von 13.30 Uhr und damit nach rund 3:30h Kletterzeit hatten wir das Top erreicht. Während es in der Wand absolut erträglich gewesen war, ging hier oben durchaus ein zügiger Föhnluft. Ein längerer Aufenthalt war schon nur daher wenig attraktiv, das Routenende bietet sich rein platzmässig aber sowieso kaum für eine gemütliche Pause an. Somit hatten wir umgehend die Seile gefädelt und glitten in 6 zügigen Manövern in die Tiefe. Die ersten 3 Seillängen der Route kann man in einem einzigen 50m-Abseiler erledigen, wenn man sich etwas westlich gegen höher gelegenes Gelände im Couloir hält (zum Einstieg reicht es hingegen kaum!). Eigentlich wäre noch Zeit gewesen, um nebenan in eine weitere Route einzusteigen, z.B. Knecht Ruprecht oder Intermezzo bieten sich für ein Ausklettern durchaus an. Doch auch alle anderen Seilschaften hatten sich bereits aus dem Staub gemacht. Kein Wunder, der Himmel zog langsam zu und zufrieden mit dem Erreichten liessen auch wir es für diesen Tag gut sein.

Facts

Schafbergwand - Route 66 7a+ (6a+ obl.) - 8 SL, 270m - Küng/Wasina 2018 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express

Eine kürzlich erschlossene Schafbergwand-Tour mit sehr guter BH-Absicherung, bis auf die kurze Crux moderaten Schwierigkeiten und der ortstypischen, steilplattigen Kletterei. Sie ist innert kurzer Zeit zum Klassiker geworden und hat damit viele Argumente auf ihrer Seite. Mich persönlich haben einige der Touren weiter rechts (z.B. XL, Blues oder Garten Eden) aufgrund vom noch kompakteren Fels, den anhaltenderen Schwierigkeiten und dem höheren Anspruch noch etwas mehr begeistert. Das mag aber meine subjektive Meinung sein, enttäuscht wird von der Route 66 bestimmt niemand heimkehren. Dem Erstbegeherduo möchte ich herzlich fürs Ausrüsten und arbeitsintensive Putzen resp. Grasen in der Route danken. Aus ihrer Feder stammt auch das hier abgebildete Topo.

Das Topo zur Route 66 (7a+) aus der Feder der Erstbegeher - herzlichen Dank!

Montag, 28. Oktober 2019

Kalymnos 2019

Auch im 2019 führten uns die Herbstferien wieder nach Kalymnos, schon zum x-ten Mal. Klar, es gäbe noch viele andere Felsen auf der Welt, aber eine familieninterne Diskussion wäre da zwecklos, die Destination ist bereits gesetzt. Doch es ist noch schlimmer: jeden Tag vollführten wir exakt dasselbe Programm, Frühstücksbuffett im Hotel, Klettern, Gelati und Caffè beim Italiener, Strand zum Baden und für ein wenig Beach Tennis, Nachtessen in der one and only Aegean Tavern und dann ab ins Bett, um die Batterien für den nächsten Tag wieder möglichst voll aufzuladen. Tja, solch langweilige Ferien kann man verbringen ;-) Immerhin habe ich täglich die Glacésorten und das Znachtmenü ausgetauscht. Über die besuchten Felsen und gekletterten Routen werde ich hier einige Zeilen verlieren.

That's one of the reasons why we are coming back every year...

Noufaro

Die Felsen links von Arhi wurden lange Zeit vernachlässigt: zuerst nicht einmal komplett erschlossen, dann wenig besucht. Dabei bieten sie eigentlich vieles, was es braucht: kurzer Zustieg, ziemlich lange schattig, lässige Kletterei - nur die athletischen Sinterlinien fehlen weitgehend. Mir scheint, als ob sich die Lage jedoch ein wenig geändert hat, in diesem Jahr waren wir jedenfalls nicht mehr alleine vor Ort. Nach dem Aufwärmen konnten wir uns gleich die Amazona (7c) sichern. Wir, das heisst konkret Papa, Mama und Tochter. Somit bleibt ihr der schöne Rhythmus erhalten, jedes Jahr einen UIAA-Grad zuzulegen - mit 9 Jahren die erste 9 geklettert, bravo! Ich bin gespannt, wie viele Jahre sie das noch aufrecht erhalten kann :-) Mir gelang dann auch noch die benachbarte Themelio (8a), somit ein Auftakt nach Mass. Wie viel davon einfach super Form und welcher Teil auf die "Greek Anti Gravitational Initiative" zurückzuführen ist, bleibt wie immer offen. Jedenfalls kam danach die Sonne und wir verzogen uns in Richtung Summertime-Sektor, wo wir auf dem Heimweg noch ein wenig dem Genussklettern in der Mama Nota (7a) und der Peré Vert (7a) frönten.

So frisch und busper müsste man über die ganzen Ferien bleiben... dieses Mal klappte es recht gut.

Odyssey

Den Odyssey habe ich schon immer geschätzt und geliebt. Die Kehrseite der Medaille besteht darin, dass ich unterhalb von 7c inzwischen +/- alle Routen geklettert habe und bei den schwierigeren die tief hängenden Früchte auch schon abgegrast sind. Somit heisst's woanders hingehen oder an der Herausforderung wachsen. Da wir mit Freunden unterwegs sein wollten, war letzteres Motto Trumpf. Es gelang soweit bestens, endlich konnte ich mich einmal von der Altlast Sirene (7c) befreien. Dank ein paar zusätzlichen PS war's gar nicht mehr so schwierig. Mit der Ya Agori Mu (7a+) fand ich sogar noch eine neu erschlossene Route mit gemässigtem Grad, bevor ich mich nachher in der ebenfalls taufrischen Bosmogy (7c) versuchte. Guten Mutes und mit klarem Plan auf Durchstieg unterwegs, war der verflixte, rettende Griff auf einmal 5cm zu weit entfernt - muss wohl eine kurzfristige Erdverschiebung gewesen sein. Es blieb nichts anderes übrig, als mich aus meinem patentierten Bear-Hug-Double-Kneebar noch ein wenig mehr zu strecken. Die Physik machte dabei nicht mit, ein langsames Rausflutschen und ein paar hässliche Schürfungen waren die Quittung.




Sea Breeze

Den Sea Breeze hatte ich bisher als vermeintlichen Plaisir-Sektor an der Sonne nie auf dem Radar. Doch einerseits kam da die White Wine Wall neu hinzu, andererseits gibt's im Great Canyon doch recht lange Schatten und auch interessante Routen, die kürzlich saniert wurden. Die White Wine Wall kriegt bereits sehr früh ab ca. 11 Uhr Sonne. Da aber direkt am Weg gelegen, konnten wir dort zum Aufwärmen doch noch 2 Touren klettern: Erbaluce (7a) und Picolit (7a+). Beide kurz aber witzig, jedoch noch sehr neu und wenig beklettert, d.h. ziemlich knusprig. Im Great Canyon machte ich zuerst die Remy-Route Art in the Air (7a) - eine richtig harte Tropfloch-Kletterei in bester Wenden-Manier, für einmal mit alles andere als geschenkter Bewertung. Das Plastic Surgery Disaster (7b) dünkte mich kaum schwieriger, liegt aber vielleicht daran, dass die schwersten Züge eher etwas athletischer an Pockets sind, daher im Onsight einfacher zugänglich. Als nächstes wäre dann die Grotte rechts oben mit den steilen Routen auf dem Programm gewesen. Der Rest der Familie war jedoch fertig und wollte an den Strand. Ich willigte mit der Absicht ein, in einer Sundowner-Session noch in der Bosmogy (7c) den Punkt zu holen. Kurz eine gute Beta gezimmert und den Bear Hug verworfen, so lief es wie am Schnürchen und ohne weiteren Blutzoll.

Nicht nur die Kraft, auch die Haut ist ein Faktor, wenn man jeden Tag hart klettern will.

Spartan Wall

An der Spartan Wall bieten die schwierigeren Routen meist vertikale Wandkletterei, somit gibt's hier viel weniger Andrang als bei den Sinter-Bolzereien oben im Spartacus oder unten in der Grande Grotta. Eine mir noch unbekannte Route im 7a-Bereich gab's zum Aufwärmen leider keine mehr, somit wurde es die Motyka Jawa (6c+). Eine coole 50m-Seillänge, endloses Moven am Stück, auch tiptop saniert. Nur reicht ein 80m-Seil bei weitem nicht wieder runter, d.h. es ist etwas Bastelstunde nötig. Das Hauptziel war dann die Spartan Junior (7c) mit scharfer, technischer Crimperei, die viel Vertrauen in die Füsse erfordert. Muss man mögen, ich fand es hammermässig, klettere aber auch sehr gerne und routiniert in scharfem Fels. Im zweiten Anlauf ging's mir auf, hat mich fast ein wenig an die Zahir an den Wendenstöcken erinnert - nur dass ich jene nicht im Second Go schaff(t)e. Sozusagen als Ausgleich machten wir danach noch die ebenfalls sehr lange Yanap (7b+, 80m-Seil reicht nur gerade so knapp nicht, dass es doch reicht ;-)). Hier ist der Fels braun, glatt und teils so richtig seifig. Es sind aber doch coole Moves, es lohnt sich!

Spartan Junior (7c), eine rattenscharfe Wandkletterei!

Milianos Cave & DWS Vathi

Die Milianos Cave ist ein kürzlich erschlossener Sektor auf der Rückseite des Passes, der von Arginonta nach Vathi führt. Bei einer Gebietsvorstellung erhielt er zwar schlechte Presse (kurze, inhomogene, wenig interessante Routen, geschlagene Griffe, überbohrt und überbewertet), aber da wir erstens Abwechslung und zweitens nachher noch zum DWSlen nach Vathi wollten, probierten wir es trotzdem. Der Fels ist für Kalymnos tatsächlich wenig typisch: nicht sonderlich steil, mit vielen kleinen Löchern gespickt, mich hat's mehr an Sardinien erinnert. Die sonstige Kritik kann ich kaum teilen, ich hatte hier definitiv meinen Spass, fand die Routen cool und zweckmässig eingebohrt. Zutreffend ist hingegen, dass die Bewertungen gutmütig sind. Nach dem Aufwärmen gelangen mir Shotgun (7c), Hunter Killer (7b), The Mersey Beat (7a+), Mantis (7a+) und Battle Cry (7b). Meine beiden Frauen schafften zwar nicht das ganze Volumen, aber doch die Shotgun und die Hunter Killer, erneut ein grosses Bravo! Zur 7c ist noch anzumerken, dass die Bewertung nur dann Sinn macht, wenn man nicht in die 6c links daneben ausweicht. So müssen am Wulst doch noch ein paar (für Kinderhände perfekt geschaffene) Löcher gezogen werden. Mit dieser Ausbeute in der Tasche ging es weiter nach Vathi. Im vorigen Jahr hatten wir uns mit dem langen Quergang über dem Wasser beschäftigt, dieses Mal wollten wir nun in der Cave in die Höhe klettern. Dort hinzuschwimmen ist zwar möglich, aber doch arg weit (ca. 700m), man mietet bequemer ein SUP oder ein Kayak (am Hafen möglich, ca. 7 Euro/h). Wir hatten definitiv unseren Spass, aber für mich war es wie bisher immer beim DWS: entweder ist die Kletterei einfach, dann ist's psychisch ok, dafür erreicht man bald einmal bedenkliche Höhen, aus welchen ich lieber nicht mehr (unkontrolliert) ins Wasser fallen möchte. Oder dann ist's schwierig und steil, dafür droht ein heftiger Rückenklatscher, der schon bei moderater Höhe höchst unangenehm scheint. Somit ist DWS für mich mehr Spielerei als Sport, aber zur Abwechslung ja durchaus mal witzig.

Um zur DWS Cave bei Vathi zu kommen, eignet sich ein Kayak tiptop. Wäre auch eine coole Restday-Activity.

Arginonta Valley & Magoulias Wall

Aufgrund der guten Erinnerungen ans letzte Jahr wollten die Kids nach Arginonta Valley. Wer würde da nein sagen?!? Vielleicht ein Papa, der gar nicht mehr so viele Routen in seinem Bereich zur Verfügung hat. Aber nein, einige interessante Touren waren durchaus noch offen. Den Auftakt machten wir mit der Naughty Monkey Extension (7a). Puh, definitiv eine der hässlichsten Kalymnos-Routen, die ich je geklettert bin. Die Verlängerung war derart seifig, dass ich den Onsight nur mit ein paar Klemmern in höchster Not retten konnte. Ich kann nur von dieser Route abraten. Nach der Zephyros Extension (6c+) blieb dann nur noch die etwas unbequem gelegene Rock'n'Roll Cave. Eine Route dort oben wurde mir gewährt, das war die Manic Street Preachers (7b+) - für das nächste Mal bleibt dann auch nur noch 7c und mehr. Aufgrund des inzwischen krassen Andrangs machten wir uns Richtung Magoulias Wall davon. Schliesslich kletterten wir dort nur noch die Enfer du Menage (7b). Sie ist lang und fühlt sich wegen dem Fels, der mäandrierenden Linie und der Absicherung irgendwie alpin und psychisch anspruchsvoll an. Und zum Schluss muss man dann auch noch die Fingerkraft auspacken.

Panorama von der Magoulias Wall auf die Bucht von Arginonta und die Sektoren Noufaro und Arhi gegenüber.

Panorama

Da unser Rückflug erst um 17.45 Uhr abends ging, konnten wir auch am letzten Ferientag nochmals voll angreifen. Ein paar Pump-bis-platt-Routen im Bereich der Grande Grotta sind da immer willkommen. Zuerst die Rastapoupoulos (7a), die schon bis zum Zwischenstand mit glatten und nicht immer griffigen Sintern fordert. Die Extension (7b+) beginnt mit einem kleingriffigen Boulder, bevor es dann mit pumpigem Henkelgelände in sehr exponierter Position weitergeht. Die kürzlich hinzugefügte Where is my mind (7b) ist tatsächlich etwas zwischen die schon vorher existierenden Touren eingezwängt. Man kann/soll sie aber direkt über die Haken klettern, das macht sicher am meisten Spass und dann passt auch die Bewertung. Nun waren einerseits im linken Teil des Panorama-Sektors so viele Leute gekommen, dass man sich am Einstieg auf den Füssen herumstand. Andererseits war der Pump schon fühlbar. So verzogen wir uns nach rechts und kletterten noch die beiden Touren von Chäpi Ochsner selig, nämlich die Steinpilz (7a) und Chnosi Family (7a). In beiden steckt inzwischen die dritte Generation Bolts, hoffen wir, dass dieser ein etwas längeres Leben beschieden ist. Es handelt sich nun zwar um Klebehaken, doch leider nicht aus Titan. Somit sind bereits wieder Korrosionsspuren erkennbar, deren Langlebigkeit muss also bezweifelt werden. Jedenfalls bieten beide tolle, abwechslungsreiche Kletterei an Sinterbobbeln, gewürzt mit ein paar Crimpy-Passagen an scharfem Fels.

Bye bye, bis zum nächsten Mal!
Das war's, für uns gab's das Abschluss-Gelato, eine Dusche und dann die Heimreise. Es waren erneut grandiose Ferien, meine Ausbeute für die Ticklist war dieses Mal qualitativ besser wie je zuvor: 1x8a, 5x7c, 8x 7b/+, 11x7a/+ und natürlich auch noch ein paar einfachere Touren. Und wenn's geht, sind wir wohl im 2020 wieder am Start.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

MYCC 5/2019: Lead-SM in Genève

Der letzte Wettkampf in der Serie des Mammut Youth Climbing Cup 2019 war als Schweizermeisterschaft in der Disziplin Lead ausgeschrieben. Auf mich als Coach und Larina als Teilnehmerin wartete zwar eine lange Anreise nach Genf, aber eine solche Gelegenheit lässt man sich natürlich nicht entgehen. Dank frühem Aufstehen und einer speditiven Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln kamen wir immerhin um eine Übernachtung vor Ort herum. Gespannt traten wir nach der langen Fahrt in das Centre Sportif am Queue de l'Arve um zu sehen, was uns hier als Herausforderung präsentiert würde.

Die Kinder der U12 beim Studieren der Finalroute. Bild: SAC Swiss Climbing Team / Judith Schweizer
Auf den ersten Blick waren wir schon etwas verblüfft, hier bloss einen kleinen Kletterbereich mit alten, nur gut 10m hohen Strukturwänden in der Ecke einer sonst anderweitig genutzten Sporthalle zu erblicken. Für eine Schweizermeisterschaft hatten wir doch ein etwas würdigeres Ambiente erwartet. Halt in etwa so, wie es anlässlich der Boulder- und der Speed-SM vorhanden war, die auf der Weltcup-Infrastruktur in Meiringen bzw. Villars abgehalten wurden oder es uns sogar an Regionalwettkämpfen (z.B. im Griffig oder 6aplus) geboten wird. Verstärkt wurde dieser Eindruck natürlich noch durch die Tatsache, dass das Gros der Teilnehmer hier eine extrem lange Anreise auf sich genommen hatte. Irgendwie wäre es ja noch verständlich, wenn man sich an einem zentralen Ort auf eine nicht ganz topmoderne Anlage beschränken würde oder an peripherer Lokation dafür das Beste vom Besten zur Verfügung hätte... doch es ist, wie es ist.

Start in die Quali 2, wohl gut im 7a-Bereich. Wie man sieht aber leider mit Tutti Frutti an der Wand, wobei dies keine anderen Wettkampfrouten sind. Und dann gibt's eben die Inserts in verschiedenen Farben (man suche, grau, grün, hellblau, dunkelblau), wobei die einen erlaubt waren und die anderen nicht. 
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Routensetting: an einer SM ist es meines Erachtens nicht statthaft, dass sich in den Routen noch andere, verbotene Griffe befinden. Das ist ja sogar an den Regionalwettkämpfen in aller Regel nicht der Fall! So musste ständig aufgepasst werden, keinen verbotenen Griff oder Tritt zu berühren. Dann gab es zahlreiche Inserts in verschiedenen Farben - die einen durften genutzt werden, die anderen hingegen nicht. Blöd nur, dass die Routen teilweise blind "um die Ecke" führten. Einfach tasten und an dem ziehen, was man in die Finger kriegte war nicht drin, da musste man sich schon sicher sein, dass es eine erlaubte Struktur war. Das alles zusammen führte schlussendlich zu vielen Kindertränen und "downrated ascents", d.h. nachträglich wegen einem Fehler korrigierter Höhe. Doch während das Judging teils knallhart ausgeführt wurde, beurteilte man andere Fälle mit Nachsicht (oder Ignoranz), d.h. halt einfach etwas inkonsistent. Selbst im offziellen Video des SAC... wer sucht, der findet. Nun ja, lassen wir das. Wir persönlich waren übrigens dank exakter Besichtigung von all diesen Unbillen verschont, d.h. ich schreibe all das rein aus Interesse an einem fairen, objektiven und möglichst sportlichen Wettkampf, wo alle Teilnehmer gleiche Chancen haben und gleich behandelt werden. Es sei an dieser Stelle trotz aller Kritik an Anlage und Setting jedoch explizit erwähnt, dass die vorderen Plätze generell von den "üblichen Verdächtigen" belegt wurden, d.h. ein selektiver Wettkampf war auch im Queue d'Arve möglich.

Das Ende der Träume in der Finalroute (schwarz, ca. 7b+). Links um die Ecke oder rechts im Überhang bleiben?!?
In der Qualifikation (Flash-Modus) lief es für Larina perfekt. Beide Routen, die eine wohl knapp im 7a-Bereich, die andere etwas darüber, konnte sie toppen. Das war der geteilte Platz 1 und das Ticket für den Final. Nun war alles möglich, im Final (Onsight, ca. 7b+!!!) musste nun einfach eine Bomben-Begehung kommen. Diese fand aber leider nicht statt. Eine entscheidende Stelle hatte sie falsch angegangen und das war's dann schon bald. Wie gut, dass ich aus eigener Erfahrung weiss, wie schwierig es so unter Druck in einer Wettkampfroute ist, jederzeit die perfekte Entscheidung zu fällen... Am Schluss fehlte in der Wertung sogar noch das entscheidende "+" und es resultierte "nur" Rang 8. Im Vornhinein hätten wir das und die Finalqualifikation durchaus unterschrieben, nun war es halt doch ein leichter Wermutstropfen - da wäre mehr möglich gewesen. Nichtsdestotrotz machten wir uns zufrieden und um viele Eindrücke und Erlebnisse reicher auf den langen Heimweg. Erst im nächsten Frühjahr geht's mit den nationalen Wettkämpfen weiter. Wir kommen wieder, machen unterdessen die Hausaufgaben und schauen, was es dann zu holen gibt! Zuletzt wünschen wir viel Spass mit dem offiziellen Video vom SAC / Swiss Climbing Team, inklusive kontemplativem Auftritt von Larina :-)