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Donnerstag, 26. März 2026

Trollfels News

Der Trollfels ist ein kleiner Klettergarten in unmittelbarer Nähe der Plattenwand, am Eingang zum Glarnerland. Er überzeugt mit einem kurzen Zustieg und ein paar spannenden Linien im siebten Franzosengrad in seiner Nordwand. Auf der Westseite gibt es einige einfachere Klettereien in schönem, sandsteinartigem Fels. Im 2025 und 2026 hat es nun einen Zuwachs an Routen gegeben, so dass nun statt 10 neu 12 bzw. 13 Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Toller, strukturierter, sandsteinartiger Lochfels. Diese Griffe nutzt man in der Bucolique (6b).

Kissing Arete (7b)

Diese Route verläuft unmittelbar rechts der Kante, welche die Nord- von der Westseite trennt. Sie bietet trickreiche, fingerkräftige, leicht überhängende Ausdauerkletterei mit homogener Schwierigkeit. Es stecken 6 BH, die Kletterlänge beträgt ungefähr 15m. Sicherlich eine gute Route zum Projektieren, wenn dies der persönliche Pay Grade ist.

Blank Space (8a) 

Das ist die Verlängerung der Kissing Arete, und die Route heisst nicht umsonst so. Kompromisslos senkrecht schiesst hier die strukturarme Platte in den Himmel, auf den ersten Blick unmöglich. Doch die rechte Hand findet zwei ~8mm-Crimps und mit der Linken an der sloprig-stumpfen Kante lässt sich Compression generieren. Das ist auch nötig, denn das Trittangebot ist mässig - und klippen muss man auch noch einmal. Schliesslich erhascht man etwas bessere Leisten am Ende der Kante und muss der Sache fast campusmässig entkommen. Insgesamt eine taffe Bouldersequenz.

Hier verläuft die Kissing Arete im Bereich rechts der Kante, dann über das kleine Dächli hinweg und links am Moos vorbei. Oben ist die äusserst kompakte Platte, eben der Blank Space gut zu erahnen. Diese Boulderstelle hebt den Grad von 7b für den unteren Teil auf 8a für die volle Linie.

Bucolique (6b)

Gereizt hat mich diese potenzielle Möglichkeit an der rechten Kante vom Trollfels sofort, eingerichtet habe ich die Route schliesslich während meinen Pausen zwischen den Versuchen in der Blank Space. Die Route startet mit wunderschönem, griffigem Lochfels, orientiert sich dann zur Kante, wo man sich gegen die offene Tür wehren muss und kulminiert mit der Crux im Ausstieg, wo man nicht die (Tritt-)Übersicht verlieren darf.

Ob hier drin der Troll daheim ist?!?

Topo

Der Trollfels ist im SAC-Kletterführer Glarnerland von Sämi Leuzinger und Thomas Wälti veröffentlicht und beschrieben. Unten das (nicht vollständige) Topo aus diesem Führer, dafür ergänzt um die neuen Möglichkeiten auf der Westseite.

Dank

Gebührt meinem Vater für die tatkräftige Unterstützung bei diesen Projekten. Merci vielmals Neni!

Dienstag, 19. April 2022

Plattenwand - Galoppverbot (7c+)

News von der Plattenwand! Ab sofort kann man sich an einem neuen Testpiece versuchen, das ich nach längerem Projektstatus im 2021 einbohren und einüben konnte, bevor in der Trockenperiode vom März 2022 schliesslich die Rotpunktbegehung gelang. An dieser Stelle herzlichen Dank an den Plattenwand-Haupterschliesser Dietmar, der mir dieses Stück Fels überlassen hat. 

Als ich den Fels das erste Mal befühlte, war ich mir noch überhaupt nicht sicher, ob die Linie überhaupt kletterbar ist. Nur in einem Aspekt hatte ich von Beginn weg keine Zweifel: entweder es ging ohne Chipping, oder dann würde ich es bleiben lassen. So tastete ich mich vorerst im Toprope langsam an die Sache ran, suchte nach Griffen und Tritten, welche sich zu kletterbaren Sequenzen zusammensetzen liessen. Das Puzzle war nicht einfach zu lösen, doch nach ein paar Sessions war ich überzeugt davon, dass die Linie kletterbar ist. Ob für mich oder nur für stärkere Athlet:innen konnte ich damals noch nicht mit Sicherheit sagen. Doch immerhin war mir die Sache so klar, dass ich die Bolts sinnvoll platzieren konnte. Sie beginnt mit einem moderat schwierigen Einstieg. Dieser führt bald zu einer sehr schwierigen und griffarmen Steilplattenstelle, welche Vertrauen in die Füsse und sehr präzise Bewegungen erfordert. Nach einem Komplett-Ruhepunkt bildet die leicht überhängende Schlusswand eine weitere Crux. Sie bietet technische Wandkletterei, die Fingerkraft und gute Fusstechnik fordert. Ob die Route wegen der diffizilen, sehr spezifischen Kletterei jedermanns Geschmack treffen wird, da bin ich mir übrigens nicht sicher. Aber das spielte in meinen Überlegungen natürlich keine Rolle.

Nun stehe ich vor der schwierigen Aufgabe, einen Bewertungsvorschlag für die Route geben zu müssen. Das ist echt eine Herausforderung! De Fakto wurde die Kletterei im Lauf der Zeit (subjektiv) immer einfacher. Zu Beginn war's eine blanke, ungenutzte, fast strukturlose Wand, wo ich daran zweifelte, ob sie überhaupt menschenmöglich ist. Nach langer Pröbelarbeit fand ich schliesslich eher schlechte, aber doch nutzbare Griffe und Tritte sowie denkbare Bewegungsabläufe. Weiter erforderte es viel Zeit, diese einzuüben und mit der nötigen Überzeugung und Präzision auszuführen. Somit kam ich zum Schluss, dass es ein Projekt an meiner Leistungsgrenze sei und somit mutmasslich im 8a-Bereich. Doch dann kam der Tag mit dem Rotpunkt-Go: alles war im Fluss, ich konnte die Sequenz perfekt ausführen und war am Umlenker. Und das bevor ich mir darüber gewahr wurde, dass ich eben dabei war, ein Projekt zu punkten, welches mich über 1 Jahr beschäftigt hatte. Somit kann ich ganz klar sagen, dass die Route für mich im Lauf der Zeit immer einfacher zu klettern, aber immer schwieriger zu bewerten wurde. Ob die vorgeschlagene 7c+ passt, da habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht fällt es Wiederholern nun, wo die richtigen Strukturen geputzt und mit Kletterspuren markiert sind, dem Wissen dass es geht und möglicherweise besser geeigneter Morphologie viel einfacher... oder ist's bei kleinerer Körpergrösse gar viel schwieriger?!? Da ich es immer alleine probiert habe, kann ich das unmöglich sagen und muss mich in Sachen Bewertung unweigerlich 'auf die Äste hinauslassen'. Das heisst aber auch, dass es mir völlig egal ist, wenn sich schlussendlich eine andere Bewertung etablieren sollte. Für mich ist und bleibt es das Galoppverbot-Projekt, das mich über eine ganze Weile beschäftigt und herausgefordert hat und dessen erfolgreicher Abschluss grosse Freude gemacht hat. Sein Wert für mich wird mit dem Erlebnis, aber ganz definitiv nicht in der Bewertung gemessen!

PS: die Linie rechts davon lautet auf den Namen Kalorienbombe und befindet sich noch im Projektstatus. Meine aktuelle Einschätzung lautet, dass sie nochmals ein ganzes Stück schwieriger ist wie das Galoppverbot - die Zeit wird es dann zeigen.

Sonntag, 9. Mai 2021

Plattenwand - Züri Metzgete (7b) & Railway to Züri (7c)

News von der Plattenwand! Noch kurz vor dem Winter konnte mit der 'Züri Metzgete' (7b) eine Neutour zwischen 'Need more Speed' (8a) und 'Alter Riss' (6a+) einrichten. Die Idee für eine Route in dieser Lücke bestand schon länger, erst richtig möglich wurde sie, nachdem die Forstbehörden zwei Bäume am Wandfuss gefällt hatten. Mein Projekt wurde es, nachdem mir Plattenwand-Erschliesser und -Hausmeister Dietmar diese Linie grosszügig überlassen hatte, vielen herzlichen Dank dafür! 'Züri Metzgete' beginnt mit einem Mantle auf das initiale Podest, dann geht's mit einer längeren, kräftig-überhängenden Boulderstelle gleich richtig zur Sache. Eine gute Schuppe erlaubt danach ein Durchschnaufen, bevor es etwas einfacher, aber mit beständig technisch-kniffligen Moves in oft etwas abschüssigem Gelände zum Umlenker geht.

Das obere kleine Bild ist von der Erstbegehung der 'Züri Metzgete' und hab Anlass zum Namen. Damals im November habe ich es im Rausch und mit kalten Fingern erst gemerkt, nachdem ich den Umlenker geklippt hatte. Passend zur Route floss auch bei der Erstbegehung der 'Railway to Züri' wieder Blut - da war die blutrote Farbe zur Anschrift des Routennamens ja schon fast Pflicht ;-)

Eine Idee musste ich über den Winter mit mir herumtragen, nämlich einen Link von der 'Need more Speed' über ein offensichtliches Rail direkt zur Crux der 'Züri Metzgete' zu klettern. Nachdem die Plattenwand nun nach Ende Winter wieder grösstmehrheitlich trocken ist und die Temperaturen eine angenehme Session erlauben, wurde auch dieses Projekt zur Realität. Fordernd geht's mit dynamischen Moves hinauf zum dritten BH der 'Need more Speed', gefolgt von der fast campusartigen Traverse über das erstaunlich gutgriffige Rail und dann direkt in die kräftig-leistige Bouldercrux der 'Züri Metzgete' zum Rastpunkt an der Schuppe, gefolgt vom etwas einfacheren Ausstieg. Die Anzahl an "harten" Moves bis zum Schüttler ist +/- vergleichbar mit der 'Need more Speed'. Ich denke aber, der Link mit dem Namen 'Railway to Züri' ist schon einfacher zu haben, deshalb könnte 7c (im Vergleich zur 8a der 'Need more Speed') ein passender Grad sein.

Herbstliches Stimmungsbild vom Sektor und der Route - gestern bei der Begehung vom 'Railway' herrschte mit viel Sonnenschein (in der ersten Tageshälfte) und föhnbedingter Wärme mit Temperaturen von gegen 30 Grad eine ganz andere Atmosphäre, der  Grip war aber sobald der Schatten kam prima.

Ob dieser Link auch Sinn macht, ist natürlich eine andere Frage - wobei man die Sinnfrage beim Klettern ja ganz generell stellen kann, daher lautet meine Antwort ja. Mir hat's auf jeden Fall Spass gemacht, ich fand es ein lässiges Projekt und ein paar zuvor noch von keiner Menschenhand je berührte Griffe habe ich sogar auch benutzt. Haken hingegen habe ich für den Link keine gesetzt. Es ist ja sowieso ein kontroverses Thema, ob man für solche Kombis zusätzlich bohren soll und im Rahmen der Plattenwand sind wir nach Diskussion zum Entschluss gekommen, generell darauf zu verzichten. Zudem geht es hier ohne: auf den ersten Blick wirkt die Traverse vielleicht etwas scary, aber der Sturz selbst von ganz drüben in der Querung geht ins Leere und ist unproblematisch, ich habe es vorsichtig rantastend getestet. Trotzdem, seid vorsichtig, es gibt einen ordentlichen Pendler und der Boden ist nicht so weit weg, die Sicherungsperson muss erfahren und wachsam sein. Zum problemlosen Klippen und aus Seilzuggründen hilft es übrigens, den dritten BH der 'Züri Metzgete' mit einer (zur Fixexe) zusätzlichen Exe auszustatten.

Topo-Ausschnitt, der die neuen Routen und die bestehenden, benachbarten zeigt.