- -
Posts mit dem Label Sportklettern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sportklettern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 6. August 2026

Hautes Alpes 2026

Wie schon seit einem Jahrzehnt sind wir auch diesen Sommer wieder in die Hautes Alpes in Frankreich gereist. In den früheren Jahren wurden die Erlebnisse blogtechnisch jeweils in die MSL-Berichte verpackt. Im 2026 sind längere Klettereien aber so spärlich ausgefallen, dass ein separater Beitrag fällig ist, um die Erinnerungen für später aufzubehalten. Ob, wann und wie der Trip überhaupt stattfinden würde, war bis kurz zuvor unbekannt und davon abhängig, für welche internationalen Wettkämpfen sich Larina selektionieren konnte. Nun, die Gelegenheit um nach Frankreich zu reisen kam und mit ihr viele tolle Klettererlebnisse - auch wenn das Geschehen vor Ort durchaus im Zeichen des Wettkampfsports stand. Aber seht selbst!

Unterwegs zu einer Nachmittagssession am dann schattigen Rocher Prat im Vallé Clarée.

Etwas Hals über Kopf reisten wir schliesslich an. Erst zu zweit, die andere Hälfte der Familie musste sich erst noch den arbeits- und schultechnischen Verpflichtungen widmen. Etwas Künstlerpech hatten wir bei der Anreise: in der Schweiz herrschte bestes, heisses und stabiles Wetter, im Süden war genau dieser Tag hingegen instabil. Generell war der Sommer 2026 natürlich auch (viel zu) trocken. Ja, in unmittelbarer Nähe zum Basecamp wütete während einer Woche sogar ein grosser Waldbrand. Nun gut, ziemlich sicher hätten man diesen behördenseitig besser managen können. Aber immerhin war er für uns weder gefährlich noch einschränkend, schade ist es vor allem für die Natur. Kurzum, der Regentropfen fielen nicht manche. Aber leider gerade am ersten Abend, als wir unser Basecamp installierten. Nicht gerade die Erfahrung, die man unbedingt braucht. Aber naja, diese Episode hatten wir natürlich bald wieder vergessen.

Blick vom Klettergebiet Rue des Masques auf den Waldbrand im Raum Freissinières - L'Argentière.

Natürlich war es auch sehr heiss, so dass nur die schattigen und idealerweise die hoch gelegenen Spots genutzt wurden. Wir schickten uns in unseren Rhythmus, welcher 1 Tag hart projektieren, 1 Tag mehr ausdauerorientierte Mileage und 1 Tag Krafttraining, aber Ruhe für die Griffel bedeutete. Wobei dies für mich mehr bzgl. dem Sichern galt, ich kletterte schliesslich wie so oft praktisch jeden Tag und halt das, was mir unter die Finger kam. Eine der ersten Adressen waren die Konglomeratüberhänge im Rue des Masques. Schon seit 3 Jahren hatten wir der Ciao Criquet (8a) immer mal wieder einen Versuch gegeben. Larina erledigte sie dieses Jahr nach dem Motto "progress is sweet" souverän im 2nd Go. Bei mir gilt hingegen erneut: maybe next year, idealerweise vielleicht mit kühl-grippigen Conditions statt einer Affenhitze. Mit der Big Bolchoï (7c) konnte ich schliesslich doch noch einen Erfolg verbuchen - verbunden mit der schon oft konstatierten Erkenntnis, dass mir die stark athletische Kletterei an den kleinen Löchli im Konglomerat eher nicht so liegt.

Dieses Foto ist nicht vom (generell eher nicht so fotogenen) Rue des Masques, sondern vom alpinen Klettergebiet in Tournoux, welches wir ebenfalls an den ersten Tagen zwecks ausdauerorientierter Mileage besucht haben. So richtig steil sind diese Wände definitiv, wie man es am linken Bildrand problemlos erahnen kann.

Ein weiterer Fixpunkt mit besserem Liegefaktor für mich ist die ebenfalls steile, klein-feine Granitwand in Entraygues. Dieses Jahr versüsst mit der Anwesenheit von Weltklasse-Athleten und tatsächlich konnten wir allerbesten Klettersport live miterleben: gleich 2x einen Send einer 9a+ und obendrein noch eine 8c+ im Flash, absolut crazy. Eindrücklich ist nicht nur der physische Level dieser Athleten, sondern sie können halt auch einfach verdammt gut moven. Diese Effizienz und Präzision auch unter höchstem Druck und am absoluten physischen Limit, crazy! Das imponiert mir sehr und während es mir klar ist, dass man mein altes Chassis nicht mehr mit den neusten, leistungsfähigsten Hardware bestücken kann, so hat man den Eindruck, dass man zumindest die Software auf ebensolche Effizienz programmieren können sollte. Aber wie man es kennt, wenn man auf einem alten Computer ein neues Betriebssystem installieren will - es funktioniert nicht immer wie gewünscht.

Das ist nicht in Entraygues (sondern am Pont d'Asfeld) und zur internationalen Spitze zählt die Kletterin auch nicht. Aber hier vollführte sie einen lupenreinen Onsight in der sehr technischen und komplexen Misanthrop'hic (7c+), das war ebenfalls sehr eindrücklich anzuschauen!

Eine Fun Story dieser Gegebenheit in Entraygues ist noch, dass die Crew einem Athleten hoch oben in der Wand eine Exe zuzuwerfen versuchte, da sie ausgetauscht werden musste. Bei den vielen Fehlversuchen landete sie mal hier und mal da auf dem Boden, und irgendwann genau in meiner Hand. "Next try is mine!", und der war gleich erfolgreich! "Nice one, I'm sure you are a basketballer" war der Kommentar. Kommt nicht von ungefähr, denn schliesslich bin ich tatsächlich mindestens einen Kopf grösser wie alle diese Spitzenkletterer. Aber nein, Basketball ist nicht mein Hobby, meine Versuche fanden in der Maudite Draperie (7c+) statt. Na gut, für 9a+ Cracks ist das vielleicht in etwa dasselbe wie Basketball 🤭 Eigentlich hätte es gehen können, aber auf den abschüssigen Leisten ging mir jedes Mal die Power aus, bevor die Cruxsequenz komplett gemeistert war. Als ich dann müdigkeitsbedingt nicht einmal mehr meinen Highpoint matchen konnte, schien mir der Send endgültig aus den Fingern zu gleiten. Doch plötzlich kam eine starke Brise auf (die schliesslich nur etwa 20 Minuten anhielt), das war der Game Changer. Nochmals los, tatsächlich fühlten sich die Griffe gleich eine Klasse besser an. Mit dem absoluten Drang nach oben pfefferte ich den Dyno auf den Sloper am Ende der Crux und blieb durchaus etwas mirakulös an der Wand. Im 6. Go des Tages noch gesendet, das war Beharrlichkeit pur.

Sorry, keine Fotos gemacht in Entraygues. C'est la vie wenn der Autor klettert und seine Frau sichert. Aber dann zeigen wir halt nicht meinen Jump zum Rettungs-Sloper in der Maudite Draperie (7c+), sondern einen von Jerome im Bikepark von L'Argentière. Auch dieser eine tolle Attraktion und immer einen Besuch wert (gratis für alle!).

Weiter auf Tuchfühlung mit (anderen) Spitzenathlet:innen waren wir bei unserem Besuch in Céüse. Für die von uns gekletterten Routen erhalten wir jedoch sicherlich keinen Orden. Aber dafür vielleicht für die Tatsache, dass wir nun 10 Jahre in Folge jeden Sommer mindestens 1x dort hinauf gepilgert sind?!? Das ist jedes Mal ein sehr schöner Ausflug und die Kletterei dort sagt mir sehr zu. Gut, auf die vielen Leute und die Politur könnte man verzichten, das Bolting ist nicht immer sehr konsumentenfreundlich. Dafür aber sicherlich für Emotionen sorgend und der Fels ist halt einfach göttlich. Da immer nur auf kurzer Visite habe ich mich dort stets nur auf zügig machbare Routen fokussiert. Auf 30 Stück zwischen 7a und 7b+ steht der Counter, inzwischen gibt's schon fast das Problem, dass die besten Touren in den Hauptsektoren auf diesem Level etwas ausgeschöpft sind. Trotzdem, nächstes Jahr kommen wir hoffentlich wieder. Ob wir erneut mit Janja und Alberto klettern und Pizza essen können ist zwar nicht garantiert, eine Menge an starken Leuten werden aber sicher trotzdem dort sein.

Dieses Jahr kletterten wir in Céüse im Sektor Grand Face.

An einer noch nie dagewesenen Menge von 2 Tagen ruhten meine Griffel komplett. Am einen davon nahm ich mit Jerome die Tour auf den Mont Chaberton (3131m) in Angriff. Das ist ein dominanter Gipfel über dem Col de Montgenevre von militärisch-strategischer Bedeutung. Deswegen wurde in der Zeit zwischen den Weltkriegen auf dem Gipfel von den Italienern eine Festungsanlage installiert, welche 1940 von den Franzosen zerstört wurde. Die verfallenden Ruinen mit all ihren Gängen und Kavernen sind im Sinne eines Lost Place zugänglich. Sportlich wie wir ja sind, reisten wir mit dem Bike hin, nahmen einige Trails und somit Extra-Höhenmeter mit und fuhren so weit wie es ging (ca. 2130m). Es blieben also noch 1000hm Ultra-Schottering über die geröllige Westflanke hinauf, wo sich die Hitze nur so staute. Spannend war's, aber streng - stattdessen einen weiteren Tag einfach Sportklettern zu gehen, hätte mich sicherlich weniger Körner gekostet. Nächstes Jahr werden die Ruhetage also wieder gestrichen.

Impression aus den Kavernen am Mont Chaberton.

Mont Chaberton: Ruinen am Abgrund.

Der Mont Chaberton ist hoch und steht isoliert. Links am Bildrand die Geschütztürme.

Einige kürzere Klettertage ergaben sich auch durch das Training von Larina. Eine coole Entdeckung war die Mur d'Escalade von Briançon, wo im 2024 das letzte Mal der Weltcup Halt machte. Zum Training für Wettkämpferinnen war's genial. Es gab viele, im Comp-Style geschraubte Routen ab 8a aufwärts. Outdoor, Wind und Schatten erlaubten gute Bedingungen (jedenfalls viel bessere als in den hitzegeplagten Hallen hierzulande!) und gerade mal 12 Euro Eintritt bezeugen schon, an welche Preisverhältnisse wir uns in der CH gewöhnt haben. Selbst kletterte ich jedoch nie am Plastik und verlegte meine Aktivität jeweils am Nachmittag an den Fels. Da gaben wir logischerweise dann einigen nach Osten exponierten Gebieten den Vorzug, die wir bis dahin noch nie besucht hatten - für ganztägige Felssessions bieten sich diese halt weniger an. So kriegten am Ende schlussendlich alle das, was sie am liebsten hatten.

Sowas wie Le Nid in Briançon nähmen wir hier auch sehr gern!

Der Höhepunkt vom Kunstwand-Klettern war dann schliesslich das Tout à Bloc. Diesen sehr populären, internationalen Boulderwettkampf kannten wir natürlich schon von den früheren Jahren bestens. Zwei Mal hatte Larina bis dato teilgenommen, nämlich im 2020 (U12) und im 2024 (U16). Rein altersmässig hätte es dieses Jahr noch für die U19 gereicht. Diese war jedoch schon ausgebucht, freie Plätze gab es nur noch bei der Elite. Aber wer an die Spitze will, darf diese Konkurrenz natürlich nicht scheuen. Es fehlten zwar die absoluten Topshots der Weltbühne, doch unter den Teilnehmerinnen waren doch etliche dabei, welche Halbfinal-Teilnahmen an Weltcups vorweisen können. Und natürlich mangelt es an talentiertem, französischem Nachwuchs auch ganz und gar nicht. Jedenfalls, 2x2.5h standen fürs Punktesammeln bei total 31 Bouldern zur Verfügung. Insbesondere das geschickte Haushalten mit der Energie und das Beobachten bzw. Ausnutzen von Beta-Finessen machten sich hier natürlich bezahlt - und dieser Strategie-Part war meine Aufgabe als Coach, das machte ich natürlich sehr gerne. Belohnt wurde der Einsatz mit sehr zufriedenstellenden 20 Tops und Rang 17 - bravo!

Die Boulder am Tout à Bloc sind zu ca. 2/3 outdoor, der Rest ist in einer Turnhalle. Mit einer Session am späten Vormittag und der zweiten gegen Abend hiess es auch, so zu planen, dass man vorwiegend am Schatten klettert. Bei Nr. 31 allerdings zwecklos, der wurde permanent bestrahlt.

Alors, c'est ça mit den Hautes Alpes 2026. Bis hoffentlich im nächsten Jahr wieder. Der Leser darf sich etwas kurzfristiger noch auf den Bericht der einzigen MSL-Kletterei von diesem Trip freuen, demnächst auf diesem Kanal.

Donnerstag, 26. März 2026

Trollfels News

Der Trollfels ist ein kleiner Klettergarten in unmittelbarer Nähe der Plattenwand, am Eingang zum Glarnerland. Er überzeugt mit einem kurzen Zustieg und ein paar spannenden Linien im siebten Franzosengrad in seiner Nordwand. Auf der Westseite gibt es einige einfachere Klettereien in schönem, sandsteinartigem Fels. Im 2025 und 2026 hat es nun einen Zuwachs an Routen gegeben, so dass nun statt 10 neu 12 bzw. 13 Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Toller, strukturierter, sandsteinartiger Lochfels. Diese Griffe nutzt man in der Bucolique (6b).

Kissing Arete (7b)

Diese Route verläuft unmittelbar rechts der Kante, welche die Nord- von der Westseite trennt. Sie bietet trickreiche, fingerkräftige, leicht überhängende Ausdauerkletterei mit homogener Schwierigkeit. Es stecken 6 BH, die Kletterlänge beträgt ungefähr 15m. Sicherlich eine gute Route zum Projektieren, wenn dies der persönliche Pay Grade ist.

Blank Space (8a) 

Das ist die Verlängerung der Kissing Arete, und die Route heisst nicht umsonst so. Kompromisslos senkrecht schiesst hier die strukturarme Platte in den Himmel, auf den ersten Blick unmöglich. Doch die rechte Hand findet zwei ~8mm-Crimps und mit der Linken an der sloprig-stumpfen Kante lässt sich Compression generieren. Das ist auch nötig, denn das Trittangebot ist mässig - und klippen muss man auch noch einmal. Schliesslich erhascht man etwas bessere Leisten am Ende der Kante und muss der Sache fast campusmässig entkommen. Insgesamt eine taffe Bouldersequenz.

Hier verläuft die Kissing Arete im Bereich rechts der Kante, dann über das kleine Dächli hinweg und links am Moos vorbei. Oben ist die äusserst kompakte Platte, eben der Blank Space gut zu erahnen. Diese Boulderstelle hebt den Grad von 7b für den unteren Teil auf 8a für die volle Linie.

Bucolique (6b)

Gereizt hat mich diese potenzielle Möglichkeit an der rechten Kante vom Trollfels sofort, eingerichtet habe ich die Route schliesslich während meinen Pausen zwischen den Versuchen in der Blank Space. Die Route startet mit wunderschönem, griffigem Lochfels, orientiert sich dann zur Kante, wo man sich gegen die offene Tür wehren muss und kulminiert mit der Crux im Ausstieg, wo man nicht die (Tritt-)Übersicht verlieren darf.

Ob hier drin der Troll daheim ist?!?

Topo

Der Trollfels ist im SAC-Kletterführer Glarnerland von Sämi Leuzinger und Thomas Wälti veröffentlicht und beschrieben. Unten das (nicht vollständige) Topo aus diesem Führer, dafür ergänzt um die neuen Möglichkeiten auf der Westseite.

Dank

Gebührt meinem Vater für die tatkräftige Unterstützung bei diesen Projekten. Merci vielmals Neni!

Freitag, 16. Januar 2026

Weihnachtstrip nach Valencia: Teil 5

Hier geht's unsere Spanienreise nun ins Abschlussfeuerwerk, was sowohl die beschriebenen Tage wie auch diese Reihe von Blogs betrifft. Die hier im Zentrum stehende Pared de Enfrente ist das Schaustück der Kletterei in Chulilla. Gleich vis-à-vis vom Dorf gelegen, bestens sichtbar, nach Osten exponiert und im Winter bis ca. 15.30 Uhr angenehm besonnt ist sie für ambitionierte Sportkletterer eine der ersten Adressen im Gebiet. Auch an regnerischen Tagen stellt sie eine gute Option dar, wovon wir zwischenzeitlich Gebrauch machen mussten.

Da schlägt das Herz gleich höher: Pared de Enfrente, muy muy bien!

Wir sind an drei Klettertagen in drei verschiedenen Sektoren an dieser Wand geklettert. Die Logistik ist immer dieselbe: man nutzt den Parkplatz im Dorf. Der ist zwar nur relativ klein, wir fanden aber doch jedes Mal eine Möglichkeit. Das liegt wohl an den 4 Euro Parkgebühr und der Tatsache, dass "Dorfbewohner" oder Vanlife-Menschen nicht da stationieren. Anzufahren ist er von Valencia übrigens am schnellsten von Norden her (via Losa del Obispo über die CV-394), durch Chulilla hindurch dauert länger und kann mühsam sein. Dann geht's zu Fuss weiter, am besten den Felsen vom Competicion-Sektor in die Schlucht hinunter, ein kurzes Stück dem Fluss entlang, über die Brücke und dann hinauf zur Wand, Gesamtzeit ca. 20 Minuten. 

Über die Brücke des Rio Turia, beim Schild danach geht's links hoch zur Wand.

Tag 3: Chulilla / Sex Shop & Tierra de Nadie

Ui, das ist mal wieder ein sinnvoller Name für einen Sektor, da rückt mein Blog in der Watchlist wohl in ganz andere Sphären. Anyway, an unserem dritten Tag in Spanien hatte der eisige Wind, welcher uns an Tag 1 durch die Glieder pfiff und dem wir am Tag 2 erfolgreich nach Süden auswichen, nachgelassen und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Wir mussten also nicht lange überlegen, Chulilla war unsere Destination und die Pared de Enfrente das angepeilte Ziel. Unsere Felslust muss riesig gewesen sein, denn wir stürzten uns im Sex Shop gleich auf das erste Objekt in der Auslage...

Bolas Chinas (6b+ hard, os): kann man zum Aufwärmen nutzen, es geht allerdings nach dem kurzen Vorbau dann bald einmal heftig los mit so richtig taffen Leistenmoves auf ultrapolierten Tritten. Ich war kurz vor dem Abschmieren, meine Frauen zeigten mir dann allerdings, dass es zwar durchaus nicht einfach ist, ich mich aber zusätzlich auch suboptimal angestellt hatte.

Larina beim Aufwärmen in der Bolas Chinas (6b+), die Crux eben passiert.

Eco Dildo (7a+, os): die ersten paar Meter gemeinsam mit der vorangehenden Route, dort wo die Schwierigkeiten beginnen zweigt man dann aber gleich nach rechts ab. Ein paar "Schlittschuh-Moves" an Leisten nach rechts, dann geht's besser dahin zur Schüttelposition auf dem Band vor dem Schlusswulst. Hier kann man die alpine Auskneifer-Linie links durch die Verschneidung wählen, das was direkt über den Haken erst unmöglich erscheint, erfordert zwar schon einen beherzten Power-Move, löst sich dann aber gut auf und ist auch nicht wirklich schwieriger.

So lässt sich Weihnachten geniessen! Larina beim üblichen Chillen, denn unser Ablauf war nicht vollständig ausgeglichen. 1) Marcel klettert, Kathrin sichert; 2) Larina klettert, Marcel sichert; 3) Kathrin klettert, Marcel sichert. Somit war mein Tag jeweils pausenlos mit "Arbeit" ausgefüllt, während sich unsere Top-Athletin bestens auf ihre Go's vorbereiten konnte.

Sensaciòn Azul (7b+, os): unmittelbar rechts der vorangehenden Routen wartet diese sehr attraktive grau-orange Wand. Nach ein paar henkligen Einstiegsmoves folgt bald eine kleingriffig-technische Crux, die mit gutem Positioning an Seit-/Untergriffen gelöst wird. Dann kann man Durchschnaufen (oder im Onsight nervös werden?!). Zwei weitere knifflige Bouldersequenzen bringen einen zu einem weiteren Rastpunkt am Band, bevor in der Abschlusswand nochmals Entschlossenheit gefragt ist.

Larina in Sensaciòn Azul (7b+) - techno-athletische Wandkletterei, super Sache.

Cantalobos (7b, os): die Handvoll Routen links auf dem Balkon vom Sex Shop waren alle besetzt, so verschoben wir uns etwas nach links in den Sektor Tierra de Nadie und ich konnte diese Perle in Angriff nehmen. Unten schon anhaltende und stets spannende Kletterei, nie jedoch verzweifelt schwer. Gegen das Ende hin spitzt sich die Sache dann zu. Das Runout-Finish zur Kette bleibt in Erinnerung: zwingende technische Kletterei an einem kleinen Pfeiler, fusslastig an kleinen Griffen - fast wie MSL at its best!

Ein bisschen Lesen an Weihnachten ist doch toll. Am besten im Kletterführer am Fuss der Felsen ;-)

Dumbo Love (7a, os): zum Tagesabschluss konnten wir hier noch einen Speedy-Go in Kathrins Projekt geben. Erst cool an unglaublichen Sintertöpfen, weiter geht's dann teils knifflig an glatten Slopern. Sehr spannende Sache. Mittig ist die Passage nur dank einem grossen, gebohrten Loch möglich - ohne dieses vielleicht nicht unmöglich, aber sicherlich keine homogene 7a und keine lohnende Route. Ein ethisches Dilemma. Sagen wir es so: ich war sehr froh, war das gebohrte Loch da war und gleichermassen, dass ich nicht selbst vor der Frage stand, ob ich dieses anbringen soll.

Das war's für diesen Klettertag. Hier der Blick von der Wand zum Dorf Chulilla.

Tja, schon wieder war es dunkel geworden. Wir fuhren zurück in unser Domizil, deckten uns mit Lebensmitteln ein und machten uns einen gemütlichen Heiligabend inklusive einer Videokonferenz mit dem sich in Finnland befindlichen Teil der Familie.

Tag 7: Chulilla / El Ramallar

Auch bei optimistischer Interpretation des Wetterberichts war dieser Tag als regnerisch angesagt, wobei in Chulilla nur eine relativ geringe Menge prognostiziert wurde. Dies schien also die richtige Ecke zu sein und zudem lässt es sich an der steilen Pared de Enfrente wetterunabhängig agieren. Mit Larinas Wunsch, auch Möglichkeiten im achten Franzosengrad zur Verfügung zu haben, betätigten wir uns etwas weiter links als beim ersten Besuch und machten uns im Sektor El Ramallar bereit.

Panorama vom Parkplatz, links Chulilla City, dann der Sektor Los Techos und schliesslich die von uns angepeilte Wand mit dem Sektor Muro de los Lamentaciones gerade voraus und der Pared de Enfrente rechts anschliessend. Wie mir scheint wäre La Baleine auch noch eine passende Bezeichnung für diesen Felsriegel... gibt's aber halt schon anderswo.

Las Roturas L1 (6c, os), L2 (7a+): viel Gängigeres zum Aufwärmen findet man in diesem Sektor kaum. Die Route fängt zwar einfach an, zum Zwischenstand hin warten dann aber schon ein paar kräftige Moves an seifigen Rissen. Vielleicht hätte mir das eine Lehre in Bezug auf die Fortsetzung sein sollen (oder auch die bis dato nur 37 erfolgreichen Begehungen auf 8a.nu, wo die benachbarten Routen teils >500 haben). Während es ja erst noch geht, ist das Finish auf über 40m dann echt bockhart und warf mich ab - das ist mir in diesen Ferien sonst in keiner 7a+ passiert. Ich meine 7b oder 7b+ wäre realistischer, in einem zweiten Go wäre es ziemlich sicher gegangen, aber...

Rainy Day Crag Vibes. Larina vor dem Go in La Casica del Malaire (8a).

Revuelta en el Frenepático (7b+, os): ...neue Route neue Chance (auf einen Onsight), darum hier probiert und gleich auf Anhieb reüssiert, die schon >500 Begehungen kommen nicht von ungefähr. Es wartet begeisternde technische Kletterei an kleinen, positiven Leisten und Broccoli-Slopern. Gut bewegen, dranbleiben und die Intuition spielen lassen waren die Schlüsselelemente zum Erfolg. Die im Vergleich zur vorangehenden Route milde Bewertung womöglich auch... ;-)

Mal pago (7c, rp): der Regen hatte sich intensiviert, die weniger überhängenden Routen wurden teilweise benetzt. Deshalb hiess es, sich in den steilsten Teil der Wand zu verschieben und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Der untere Teil bietet eine Schleuderstelle, dann lässt es sich weitgehend mit der Ausdauer erledigen, bis die komplett doof platzierte Kette geklippt werden muss. Viel zu hoch oben, wo es keinen brauchbaren Griff mehr gibt, gut habe ich lange Arme. Bisschen inhomogen und eben die Sache mit dem Umlenker, das stellt diese Route im Vergleich zu anderen im Sektor hinten an.

Es schifft zwar in Strömen, aber Wand und Route sind trocken: La Boca de la Voz (8a).

Gerade als ich meinen zweiten Go gestartet hatte, ging bei all unseren Handys der Alarm los. Eine Unwetterwarnung war es, mit dem Hinweis auf die starken Regenfälle und dem Ratschlag, erhöhte Standorte aufzusuchen. Na dann, hoch zum Umlenker, so musste mein Motto sein ;-) Wir liessen uns nicht ins Bockshorn jagen, komplettierten unsere letzten Versuche und kehrten wohlbehalten zum Auto und auch ins Apartment zurück. Wobei wir auf dem Rückweg zum Parkplatz komplett durchnässt wurden, ebenso goss es auf der Fahrt wie aus Kübeln. Offenbar hatte es auch schon den ganzen Tag über so runtergelassen - da täuscht halt einfach die Perspektive an einem solch grossen Überhang, wo der Wind nur hin und wieder ein paar Tropfen hintreibt. Aus dieser Optik hatten wir bestimmt das richtige Tagesziel ausgewählt.

Tag 8: Chulilla / Tierra de Nadie

Am unserem letzten Tag hatten wir heimreisebedingt 16.00 als Deadline für das Klettern definieren müssen, zudem war der starke Regen vom Vortag zu berücksichtigen. Da war es nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente oder ausgedehnte Ausflüge. Wir fuhren also nach Chulilla, wo die bestens einseh- und erreichbare Pared de Enfrente trocken war und einige scheue Sonnenstrahlen erhielt, während anderswo noch viele Wasserstreifen glänzten. Nun denn, es gab noch genug zu tun da, also auf bekanntem Weg zum Fels geschritten, das Gear montiert und angegriffen.

Pared de Enfrente... könnte man gerne auch bei mir daheim platzieren :-)

Terreros Royos (6b+, os): eine vergnügliche, grossgriffige Aufwärmroute. Interessant das aufgeschichtete Gestein zu Beginn der Route. Für meine Augen sieht das so aus, als ob es unmittelbar am Auseinanderfallen wäre - was es wohl in einer alpinen Umgebung auch täte. Doch hier im Süden ist das gut zusammengebacken und hält bombenfest.

Agua por Favor (7c, os): rein ins Abschlussfeuerwerk, das war hier die Devise. Zum Charakter war mir so viel bekannt, als dass hier mehrere Boulderstellen mit Schüttelpunkten warten. Das lässt bei einer entsprechenden Grundlagenausdauer die Möglichkeit, die richtigen Lösungen auszutüfteln, somit schien hier die Chance auf einen 7c-Onsight vorhanden. Eine erste Stelle an Leisten, dann ein Untergriff-Boulder, eine Wandstelle die Entschlossenheit an sloprigen Leisten erfordert, seichte Löcher welche gute Übersicht zur Fussplatzierung erfordern, ein drückender Wulst mit Leisten und zum Schluss noch der knifflige Ausstieg mit mindestens 3 unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Mir ging alles auf und ich war trotz der Onsight-Chance (die ja eben auch schnell für immer und ewig vergeigt ist) mit gutem mentalem Korsett und Vorwärts-Optik unterwegs. Erst am sloprigen Schüttler vor der letzten Sektion zum Umlenker kam dann leichte Nervosität auf... schon so nahe, nur noch der Endgegner fehlte, doch nur im defensiven "ja nicht mehr herschenken"-Modus war der nicht zu bezwingen. Doch ich konnte mir die Zeit nehmen und sämtliche Lösungen erwägen, setzte am Ende auf das richtige Pferd und klippte unmittelbar danach den Umlenker - wow, was für eine grandiose Sache!

Kurz für Auflockerung sorgen, bevor der Ernst in Agua por Favor (7c) beginnt.

Dann war Larina an der Reihe. Wir handhabten es jeweils so, dass sie die gemeinsamen Routen auch Onsight kletterte. Die Gründe dazu: sie kann das bestens und v.a. muss sie es als Wettkampf-Athletin auch als starkes Asset in ihrem Portfolio führen. Zudem ist das lautstarke Rumplärren von Beta nervig und sowieso passen meine Lösungen für sie nicht zwingend. Bzw. umso interessanter ist es, nachher auszuwerten, wo wir gleich und wo wir unterschiedlich vorgingen, respektive was die Beweggründe dazu waren. Zwei kleine (aber legitime) Vorteile hatte sie hier auf ihrer Seite: die nun bereits installierten Exen und das Wissen, dass es der alte Mann geschafft hat. Mit ihrem inzwischen in allen Belangen klar höheren Level lag die Möglichkeit auf der Hand.

Andererseits wird aus "hier habe ich eine gute Chance" halt auch schnell "das darf ich nun auch keinen Fall vergeigen" - und das macht wie wir alle Wissen einen grossen Unterschied dafür, wie schwierig sich das alles anfühlt, mit entsprechend dämpfendem Effekt auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. In diesem Sinne darf man die mentale Bürde meines Durchstiegs gerne als willkommenes, mentales Zusatztraining für die Wettkampf-Athletin betrachten. Denn wenn es dann wirklich zählt, ist das Ganze logischerweise noch viel komplizierter. Langer Rede kurze Essenz: es klappte auch bei Larina, nach einigem Gebastel im Untergriff-Boulder mit mehreren Limit-Moves, die ich so ganz sicher nicht gebacken gekriegt hätte, da war meine Lösung definitiv deutlich effizienter.

 Larina in Agua por Favor (7c): 35m an anhaltender Kletterei in steilem Gelände

Las Carcàmas de la Majà (7b/+, rp): es blieb noch Zeit für eine weitere Route und mit einem Grosserfolg in der Tasche konnte ich es wagen, trotz "hard" und hartem Schlussboulder hier einzusteigen. Nun, das Finish ist zwar komplex , aber nicht so megamässig, als dass es nicht im First Go machbar wäre. Aber es ist einfach hart, ohne die präzise Körperposition und Wissen wie man die Griffe nehmen muss kriegte ich das nicht auf Anhieb hin. Naja, so musste halt die 16 Uhr Deadline noch etwas geritzt werden, damit ein 2nd Go drin lag. Der sass dann und ich konnte die gloriose Schlusssequenz welche sich mit einem Comp-Style Toehook am besten auflöst nochmals geniessen.

¡Hasta la próxima, volveremos!

Packen, laufen, fahren, Auto abgeben, umpacken, Gepäck aufgeben lautete das weitere Programm, danach folgten dann ein paar ruhigere Minuten, bis es Zeit zum Einsteigen war. Der Flug verging dann dank einer spannenden Schachpartie fast zu schnell, aber mit der nötigen Geduld war auch dieser Gegner schlussendlich knapp vor dem Zeitpunkt besiegt, bevor man sich von den Sitzen erheben konnte. Das Fazit zu diesem Trip braucht nicht viele Buchstaben: GRANDIOS war es, so viel gute Kletterei und so viele erfolgreiche, sehr befriedigende Begehungen. Diese vielen Onsight-Battles, 100% try hard, mit jeder Faser des Körpers kämpfend, der Intuition vertrauend, den Blick vorwärts gerichtet und der Schwerkraft entfliehend, das liebe ich einfach. Davon hatte es eine satte Portion gegeben (genug davon kriege ich sicher nie), die Kletterei hatte mir prima gefallen und auch sonst war alles tiptop aufgegangen. Nun gut, das Wetter war insgesamt eher durchzogen, aber genügend warm und ausreichend trocken um jeden Tag voll anzugreifen, in dieser Hinsicht war die Planung perfekt aufgegangen.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Alternativ Online-Routenlisten wie The Crag. 

Saison & Charakter

Die Pared de Enfrente ist nach E exponiert und hat um den Jahrswechsel von frühmorgens bis maximal ca. 15.30 Uhr Sonne. Ideal wenn es kalt ist, bei höheren Temperaturen ab 10 Grad aufwärts und voller Einstrahlung wird es möglicherweise bald einmal zu heiss für die ambitionierte Sportkletterei. Am lohnendsten im Schwierigkeitsgrad 7a-8a, leichtere Routen gibt es vereinzelt, schwierigere hingegen kaum. Vorherrschend ist ausdauernde Wandkletterei in nicht allzu steilem Gelände, welche teilweise auch versintert ist. Fast alle Routen lassen sich bei leichtem Regen klettern, etliche davon auch bei starkem Niederschlag.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag.

Samstag, 10. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 4

Nach einer dringenden Empfehlung hatte ich die Wand von Araya auf unsere "must do"-Liste dieses Trips gesetzt. Tolle Ausdauerkletterei in sintrigem Gelände an noch weitgehend unverbrauchtem Fels in einer ruhigen und sonnigen Umgebung gäbe es da zu geniessen. Als dann (bei einer dynamisch-labilen Wetterlage) auch noch sämtliche Karten und Modelle im Gebiet ca. 80km nördlich von Valencia am meisten Sonne bei gleichzeitig minimalem Niederschlagsrisiko versprachen war der Tag gekommen. Die Details folgen hier erst noch, aber ganz kurz: Kletterei prima, Wetter naja.

Hm, ganz so attraktiv sieht das auf diesem Foto vielleicht nicht einmal aus?!? Womöglich dem eher grauen Himmel geschuldet. Der Hauptsektor im Bildzentrum ist rund 40m hoch und bietet echt gute Klettereien. Diese ziehen sich auch bis an den rechten Bildrand hin. Die Wand links aussen ist hingegen meines Wissens nicht erschlossen.

Tag 5: Araya (Teil 3 / Teil 5)

Das kleine Nest Araia (das Dorf wird gängig mit "i" geschrieben, das Gebiet aber mit "y") befindet sich im Hinterland der Küstenstadt Castellò de la Plana und ist von der Autobahn über ca. 8km an kurviger Bergstrasse anzufahren. Gerade am Eingang des Orts geht's rechts ab auf eine unbefestigte Piste. Gut befahrbar an sich, nur an einer Stelle wo einstürzende Altbauten die Strasse verschüttet haben, ist es kurz etwas eng. Google Maps kennt den Standort des zu wählenden Parkplatzes und leitete uns zuverlässig dahin. Für den Zustieg auf dem gut ausgetretenen Pfad (auf OSM/TheCrag verzeichnet) zu den noch nicht sichtbaren Felsen brauchten wir 25 Minuten. Grundsätzlich liegt das Gebiet sehr sonnig, wegen dem vorgelagerten Grat ist im Hochwinter aber bereits irgendwo zwischen 15-16 Uhr fertig mit der Wärmestrahlung. Das war insofern hypothetisch für uns, als dass es bewölkt war und bereits leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Möglichst schnell los mit der ersten Route, konnte das Motto nur lauten.

Pincha Perros (7a, os): Schöne, flowige Route mit durchgehend interessanter Kletterei. Sie weist eine relativ markante Crux auf, dort wo man von der Sintersektion wieder etwas flacheres Gelände gewinnt. Erstens einmal gilt es die Lösung zu erkennen, dann braucht's auch noch etwas Power um sie auszuführen.

Wo ist Walter bzw. Larina?!? Wer genau hinschaut, findet sie. Im athletischen Teil der Malos Pensiamentos (7c). Aus dieser Perspektive gibt's glaube ich keine Zweifel, dass diese Wand eine gehörige Portion Ausdauer und Athletik verlangt.

Bis wir alle drei die Route getoppt hatten, war aus dem Nieseln ein ausgewachsener Schauer geworden. Übrigens die einzige Regenzone, welche an diesem Tag über das von Valencia aus in diesem Radius erreichbare Gebiet hinweg zog, ganz im Gegenteil zu dem, was die Wettermodelle angekündigt hatten. Künstlerpech also... an weitere Kletterei war vorerst nicht zu denken: die Routen sind zwar überhängend und blieben mehrheitlich trocken. Doch es beginnen alle mit einer 5-10m hohen, eher plattigen Zone bevor es steil losgeht. Die wurde eben befeuchtet, und ebenso wäre man beim Sichern komplett durchnässt worden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Sache auszusitzen. Das war auch gar nicht mal so einfach hier, eigentlich verrückt, an einem spanischen Felsen keinen so richtig trockenen und meterweit geschützten Spot am Wandfuss zu finden. Immerhin wurden wir nur leicht betröpfelt, nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, wir griffen wieder an und hatten für den Rest vom Tag Ruhe vor dem Regen.

Red Chili (7a+, os): Ein weiterer, 35m langer Knaller - so genial! Abwechslungsreiche und immer spannende Kletterei an Broccoli-Fels, Sintern und Leisten. Zwei Abschnitte stechen heraus. Wie in der Pincha Perros (7a) ist das Verlassen der sintrigen Steilzone die Crux. Auch hier gilt es die Beta zu erahnen und sie dann mit Strom auszuführen. Weiter oben wartet dann auch noch eine leistige Wandkletter-Crux, die man aber gut wegstehen kann.

Malos Pensiamentos (L1 7b/+ os, L2 7c): Was für eine Route, welche mir einen riesigen Fight abverlangt hat. Nach steilplattigem Auftakt geht's erst athletisch einer Rampe entlang zur Sache. Dann eine kräftige Lochsektion, gefolgt von einem sehr technischen, nervenaufreibenden Mantle. Und zum Schluss gibt's dann noch zwei knifflige Wandkletter-Boulder mit Ruhepunkt dazwischen. It ain't over till it's over... nach heftigem Kampf, langem Schütteln und kreativem Tüfteln unterwegs hatte ich endlich den finalen Henkel in der Hand. Und somit natürlich auch gleich die Verpflichtung, noch den 7c-Abschlussboulder zur zweiten Kette auf 40m anzugehen - einfach ins Seil sitzen konnte bzw. wollte ich ja nicht. So viel hatte da schlussendlich nicht gefehlt, aber die entscheidenden kleinen Leisten ohne schlaue Füsse nach diesem Fight noch zu dübeln ging leider nicht ganz. Ich war mir aber sicher "Larina kann das", zumindest wenn sie den kniffligen Schluss vom ersten Teil meistert. Genau so kam es dann auch: nach kurzem Innehalten vor diesen Bouldersequenzen wurden die Leisten mit Leichtigkeit gehalten, ein souveräner Durchstieg war das Resultat.

Andere Perspektive, aber immer noch Larina in Malos Pensiamentos (7c).

Nachdem auch Kathrin ihr Projekt gemeistert hatte, brach schon wieder die Dunkelheit herein und wir machten uns auf den Rückweg. Naja, die besten Verhältnisse hatten wir nicht getroffen, die Kletterei und auch die Umgebung hatten uns aber sehr gefallen. Mit 3x35m an permanent spannender Herausforderung und den entsprechenden Punkten im Gepäck war auch das ein sehr erfolgreicher Klettertag gewesen.

Topo & Infos

Wir nutzten nur TheCrag, was einwandfrei funktioniert hat. Gedruckte Topos findet man im ganz neuen Costa Azahar CLIMB. (Domingo, 2025) oder im Levante Climbs North (2019). Der Parkplatz ist oben verlinkt, es haben ca. 5-6 Autos Platz. Achtung, auf keinen Fall die Durchfahrt behindern! Notfalls sollte man einige Minuten weiter weg an der Zufahrtsstrasse noch Abstellmöglichkeiten finden.

Dienstag, 6. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 3

Wie im vorangehenden Beitrag erwähnt, war nun der Zeitpunkt gekommen, um die Felsen von Chulilla zu besuchen. Aus dramaturgischen Gründen geht's hier allerdings nicht mit dem Folgetag weiter, sondern wir springen gleich zu Tag 4. Da war das uneingeschränkt sonnige Wetter bereits wieder Geschichte, es hatte auf bewölkt aber mild gewechselt. Darüber wurde aber nicht lamentiert, sondern wir nahmen es als Anlass, die populärste Wand im Gebiet zu besuchen, welche um diese Jahreszeit sowieso keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommt. In den nach Norden ausgerichteten Paredes del Pantano warten mehrere Sektoren mit rund 230 Ausdauerklettereien in oft versintertem Gelände, eine fabelhafte Mauer!

Ein Paradies, das Felsband der Paredes del Pantano, mit vielen Hundert Metern bestem Gestein.

Tag 4: Chulilla, Oasis & Algarrobo

Noch ohne die perfekte Orientierung fuhren wir an diesem Tag (es war gerade Weihnachten) durch Chulilla hindurch, stationierten östlich der Pantano-Schlucht und wählten den sehenswerten, aber längeren Zustieg, welcher insgesamt drei Brücken beinhaltet. Während der erste Teil gut ausgebaut ist und zügig bewältigt werden kann, beinhaltet der Schluss unter der eigentlichen Pantano-Wand einen dschungligen Ho-Chi-Minh-Pfad mit einigem Auf und Ab. Nach rund 40 Minuten waren wir da und versuchten uns eine Übersicht zu verschaffen. Wie gehabt ist das auch hier nicht ganz einfach. Angeschrieben ist nichts und die aus der Distanz aufgenommenen Fototopos helfen für die sichere Identifikation der überhängenden, dicht beeinander liegenden Routen vom Wandfuss aus nur bedingt. Schlussendlich waren wir aber sicher, wo wir sind und legten los.

Hängebrücke im Zustieg durch die Schluchten.

Richi (6b+, os): immer zuerst alle verfügbaren Online-Quellen zu checken vor dem Einstieg ist mir normalerweise viel zu mühsam. Hier hätte es sich unter Umständen gelohnt. Der Boulderstart ist "huere müesam", super slippery und richtig taff für 6b+. Der Rest ist dann zwar schöner bietet aber zwei weitere, für den Grad recht schwierige Stellen. Für denselben Aufwand kriegt man nebenan auch eine 7a, meinen wir.

Top of the Rock (7a, os): wir wechselten ca. 30m hinüber nach links in den Sektor Algarrobo, wobei die Abgrenzungen mir da an dieser durchgehenden Wand ziemlich willkürlich erschienen. Wie schon gehabt gibt's auch hier einen etwas öttelig-kleingriffigen Startboulder, weiter oben fordert eine zwingende Passage an kleinen Sintern mit zähem Untergriffzug, bevor ein Wulst Power und Entschlossenheit verlangt, um den Plaisir-Abschluss geniessen zu können.

Las Caquitas de Nazarten (7b, os): den Einstiegsboulder gibt's auch hier, wobei man sich bei einer 7b nicht mehr darüber beschweren darf und er auch vergleichsweise zahm daherkommt. Die Route baut sich anschliessend im überhängenden Ausdauergelände richtig schön auf und kulminiert mit kräftigen Moves am Abschlussdächli - puh, eher nur knapp bin ich da ungerupft ins Tropflochgelände oberhalb entkommen, aber geschafft ist geschafft!

El Oasis (7a, os): es war ja Weihnachten und so schenkte ich einen meiner Go's, damit Larina ihr Projekt Rin Ran (7c+) noch punkten konnte. Somit war die Absicht, hier bei zunehmender Dämmerung noch einen raschen Punkt zu holen. Das gelang wie gewünscht: zuerst der übliche Einstiegsboulder, wobei ein Clipstick fast unverzichtbar scheint. Der erste BH steckt hoch und man startet hier von einem schmalen Band 4m über Grund, sprich da dürfte man ohne Pre-Klipp nicht failen. Im Anschluss dann homogene, flowige Wandkletterei. Mir kam's insgesamt eher einfacher wie unsere Auftaktroute Richi (6b+) gleich nebenan vor, aber vielleicht hatte ich mich einfach an den Style gewohnt.

Nun hiess es, endgültig die Segel zu streichen. Im Schein der Stirnlampen wackelten wir den Dschungelpfad zurück. Dass ein kurzer Regenschauer alle Steine nass und glitschig gemacht hatte, erhöhte die Geschwindigkeit auch nicht gerade. Spielt aber alles keine Rolle, mit Freude im Herzen über die gelungenen Routen fuhren wir retour in unser Domizil und genossen den Weihnachtsabend im kleinen Kreis. Dass wir nochmals an die Paredes del Pantano zurückkämen, wussten wir da noch nicht mit Sicherheit, aber...

Larina in der Rin Ran (7c+), 35m Ausdauer-Wandkletterei vom Feinsten.

Tag 6: Chulilla, Balconcito, Oasis & Chorreras

Eigentlich sollte es an diesem Tag mehrheitlich trocken bleiben, doch mit der Zuverlässigkeit der Prognosen hatten wir inzwischen unsere Erfahrungen gemacht und "mehrheitlich" heisst ja auch, dass man zwischendurch mit Regen zu rechnen hat. "Play it safe" war unser Motto, besuchen wir nochmals die überhängenden Paredes del Pantano, wo uns allfällige Schauer nichts anhaben können. Dieses Mal hatte ich das nötige Zugangs-Engineering betrieben und dabei auf den westlichen Parkplatz bei Pantano de Loriguilla gesetzt. Der verspricht nämlich nicht nur einen kürzeren Zustieg, sondern ist von Valencia her auch schneller zu erreichen (etwas kontraintuitiv, da in Luftlinie weiter weg gelegen).

Blick auf den Sektor Chorreras - oh so good!

Larina wollte eine schwierige Route projektieren (8a und aufwärts), was für mich persönlich in meinem von vielen Onsight-Battles schon etwas angebrutzelten Zustand nicht das favorisierte Programm war:  lieber möglichst viele Onsights realisieren. Doch es ergab sich eine sehr interessante Gelegenheit. Ich wurde von einem Einzelgänger auf der Suche nach Kletterpartner angesprochen. Es dauerte einige Sekunden, bis mein Hirn prozessieren konnte, wer da vor mir stand. Ein Vater/Coach einer finnischen Konkurrentin von Larina, den wir schon im Sommer an der WM in Helsinki getroffen hatten, im Oktober dann in den Ewigen Jagdgründen im Zillertal und nun also in Chulilla. Er hatte sein Material bereits in einem 40m langen 8a+ Ausdauerhammer montiert und so war es nur naheliegend, dass Larina mit ihm klettern würde (die ersten beiden Aufwärmrouten bestritten wir noch gemeinsam). Die Tochter sozusagen verkauft, somit nur zu zweit statt wie üblich zu dritt gab es an diesem Tag unüblich viele Punkte...

Gargola L1 (6b, os) & L2 (7a+, os): der untere Teil bietet interessante Kletterei einer Verschneidung entlang und eignet sich tatsächlich gut zum Aufwärmen (die schwierigste Stelle kommt allerdings gleich ziemlich am Anfang). Nach der Kette auf 20m gehen die nächsten 4 BH noch gut über die Bühne, dann allerdings folgt eine heftige Crux: hohen, mässig guten Untergriff nehmen und ohne gescheite Füsse daran anlaufen und sich später an ein paar Leisten nicht mehr abschütteln lassen. Es war wohl mehr mein Wille, hier auf keinen Fall scheitern zu wollen, der mich diese Stelle bewältigen hat lassen. Zero Margin und statt Aufwärmen eher Anzeichen von Überhitzung...

Daños Collaterales (7b+, os): bis Frau und Tochter die Gargola ebenfalls geklettert hatten, war ich wieder auf optimaler Betriebstemperatur. Das ist insofern auch nötig, dass hier gleich ein heimtückischer, etwas schlipfrig-polierter Start wartet. Die folgende Tufa-Sequenz ging gut, aber der sloprige Ausstieg mit ein paar feuchten Stellen war hingegen ein Eiertanz. Die letzten 15m bieten dann Ausdauerkletterei an kleinen Tufa-Features und Leisten - lange gut kontrollier- und schüttelbar, gegen das Ende hin heisst es dann aber auf's Gas drücken. Doch der "Flucht nach vorne"-Schalter funktionierte, als er gebraucht wurde.

Cap i Cua L1 (7a+, os): spezielle Sache an teilweise absolut struktur- und reibungslosem Flowstone, welcher dann punktuell doch mit ein paar stachligen Broccoli bestückt ist - das muss wohl das Vorbild für die modernen Dual-Tex-Hallengriffe gewesen sein. Cool, so etwas auch in der Natur zu finden, mir hat's gefallen. Ich fand die Route noch recht leichtverdaulich, beim nicht so eng gebolteten Finish hilft's aber ziemlich sicher, a) über dem Grad zu stehen und b) etwas Körpergrösse mitzubringen.

La Paz del Borrego (7b, os): im Sektor Chorreras mit den grossen Sintern musste unbedingt noch eine Route geklettert sein. Diese hier wurde mir empfohlen und ich kann das nur mit Nachdruck bestätigen. Gute 40m pfeift die Linie zwischen riesigen Sinterorgeln in die Höhe, einfach geil! Die Kletterei ist über weite Strecken recht gutgriffig und v.a. nicht anhaltend schwierig. Mehrere Boulder erfordern aber Einfallsreichtum und diverse kreative Techniken (Jamming, Kneebar, Reinstemmen, Spreizen, ...). Oben eher weite Abstände, spürbarer Seilzug und die Sicherungspartnerin befindet sich gefühlt auf einem anderen Planeten, daher durchaus alpines MSL-Feeling. Speziell war auch noch, dass diese Route bereits mit Exen ausgerüstet war. Nehm ich noch 2 Exen mit oder doch lieber 4? Schliesslich 4 Stück an den Gurt gehängt und weiter oben festgestellt, dass jede einzelne davon noch gebraucht würde (die letzten 3 BH und der Stand waren nicht ausgerüstet, dies war vom schmalen Band am Einstieg so nicht ersichtlich).

Miguel Gomez (7a+, os): zum Tagesabschluss wurden wir hier noch eingeladen, bzw. gebeten, die bereits ausgerüstete Route doch bitte abzubauen. Nichts lieber als das, war mein Motto :-) Geboten kriegt man doch ganz andere Kletterei wie sonst im Sektor: positive Leisten statt Sinter, aber echt cool.

Mit diesem Onsight-Flow hätte es gerne noch länger weitergehen dürfen. Doch leider war das Tageslicht schon wieder zu Ende und wir mussten zum Rückzug blasen. Beim Power-Duo von Larina und ihrem finnischen Kletterpartner hatte sich leider kein Rotpunkt-Erfolg eingestellt, in ihrer Route war es offenbar mit dem zeitweiligen Regen und der feuchten Luft ziemlich schmierig, was für mich kein Problem dargestellt hatte.

Dieses Mal kamen wir von der anderen Seite in den Canyon und kletterten somit an den Wänden rechts.

Topo

Wir hatten den Chulilla Climbing Guide (Pedro Pons, 2022) ausleihen können, käuflich ist er glaube ich ausser im PizBuBe nicht mehr so einfach zu erwerben (vergriffen). Alternativ stehen auch diverse überregionale Auswahlführer zur Verfügung. Die hier im Beitrag beschriebenen und von uns bekletterten Sektoren sind auch auf The Crag gut und vollständig beschrieben. 

Saison & Charakter

Die in diesem Beitrag beschriebenen Wände sind nach NNW orientiert und im Winter ganztags im Schatten, im Sommer bis am späteren Nachmittag. Am meisten geloggt werden die Routen trotzdem im Hochwinter. Sobald das Thermometer einen Wert von 5-10 Grad überschreitet, wird hier heftig geriegelt. Die Konzentration von Routen im Bereich von 7a-8b ist enorm hoch, darunter wird man nur vereinzelt glücklich. Es handelt sich vorwiegend um überhängende, ausdauernde Wandkletterei mit Tufa Features, die jedoch doch nicht allzu steil bzw. athletisch-powerig ist. Sofern es nicht zu stark regnet, bleiben die meisten Routen gut kletterbar.

Parkplatz & Zustieg

Siehe oben im Beitrag. Wenn ich in Chulilla residiert hätte, so wäre ich sicherlich vom Ort aus gelaufen und nicht zu einem der beiden Parkplätze gefahren, da die Fahrerei zeitlich kaum mehr einen Vorteil bringt.

Samstag, 3. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 2

Der Auftakt am Vortag in Buñol hatte uns gelehrt, dass nicht nur Sonnenschein und Temperatur über angenehme Bedingungen entscheiden, sondern auch die Windprognose zu beachten ist. Mit immer noch frischen Temperaturen und einem böigen Nordwind in der Prognose fiel der Entscheid gegen Chulilla und wir wollten die 45 Minuten südlich gelegenen Felsen im Umland der Küstenstadt Gandia besuchen. Hier gibt es mit Peña Roja de Marquxera und Bovedòn zwei Gebiete mit je rund 200 Routen, welche ihrem Mikroklima sei Dank selbst an den kältesten Tagen angenehme Bedingungen versprechen.

Schon kurz vor dem Einstieg im Sektor Bovedòn. Hier zentral im Bild ist der linke Teil, welcher mit Routen von 6a-7b aufwartet. Die Grotten mit den steilen Routen befinden sich gleich rechts anschliessend, sind aber etwas hinter den Bäumen versteckt.

Tag 2: Bovedòn (Teil 1 / Teil 3)

Weil es in Marquxera oberhalb von 7b nur noch ein limitiertes Angebot von Routen gibt, setzten wir auf die gewaltige Grotte im Hauptsektor von Bovedòn. Hier gibt's die entsprechenden Sportgeräte für kräftige und ausdauertrainierte Athletinnen, bis zum Schwierigkeitsgrad 9a reicht die Skala. Der Parkplatz ist an dieser Stelle zu finden. Achtung, er weist nur Raum für gut 10 Autos auf, was bei unserem Besuch zum Glück kein Problem darstellte. Für den Zustieg läuft man zuerst einige Hundert Meter der Strasse entlang zurück bis zum lokal höchsten Punkt, steigt von dort der betonierten Strasse entlang auf und folgt schliesslich dem gut ausgetretenen Climbers Trail in total ca. 20 Minuten zum Gebiet. Vor Ort empfingen uns sehr angenehme Conditions und es war erst eine einzige Seilschaft am Werk. Wir verschafften uns erst eine Übersicht: nicht ganz so einfach mit diesen Fototopos, denn das Routennetz ist sehr dicht, die Perspektive am Fuss der grossen Überhänge limitiert und angeschrieben sind die Einstiege leider nicht. Nach einigem Knobeln hatten wir aber die gewünschten Linien identifiziert und konnten starten.

Gegenperspektive von den Felsen in das Umland hinaus, wo es viele Orangenplantagen gibt.

Ensalada de Lechunga (6a+, os): eine sehr schöne Aufwärmroute mit senkrechter oder leicht geneigter Wandkletterei in wasserzerfressenem Fels à la Südfrankreich. Natürlich keine Challenge für uns, aber gar nicht so einfach für den Grad, meinten wir.

Tambors Llunyans (7a, os): gleich nebenan konnten wir eine Schippe drauflegen. Sehr ähnlicher Charakter wie die vorangehende Tour rechts, wobei man sich in der ersten Hälfte an einem Wulst mal kurz leistig gut festhalten muss. Hier holten wir uns den besten Triple Send der Ferien... sonst kneifte Mama, verlegte sich auf Toprope oder verfehlte den stilreinen Durchstieg.

Ferrer y sus Cobardes (7b, rp): nun aber los, quer durch die grosse Grotte. Mit einem querenden Anstieg entlang einer natürlichen Linie geht die erste Hälfte (ca. 7a) bis zu einem No-Hander noch gut über die Bühne. Dann heisst es aber, sich durch das stark überhängende Schlussstück zu prügeln. Da sind die Griffe und Tritte gar nicht mal so gut, zudem ist das Klippen der nur noch 2 Haken zusätzlich fordernd. Die Route wurde mit fetten Glue-Ins saniert, wobei in diesem oberen Teil ursprünglich wohl 4 (besser platzierte) Haken steckten. Es kam wie es kommen musste, mit einem fetten Segler endete meine Begehung - schade! Der zweite Go sass dann, die Sache möglichst schnell von etwas weniger anstrengender Position zum nächsten Sammelpunkt machen zu können, war absolut hilfreich. Alles in allem: eine extrem geile Sache!
Aber Achtung: auf dieser Route waren fixe Exen mit Alu-Karabiner vorhanden. Wir es bei diesem kurvigen Routenverlauf und der staubigen Umgebung zu erwarten war, waren diese scharf eingeschliffen. Noch nicht unbedingt gerade so, dass ein sofortiger Seilriss drohte, sicherlich aber ist dem Strick bei wiederholten Stürzen nur eine begrenzte Lebensdauer gegeben. Besser eigenes Material verwenden, auch wenn das Ausräumen mühsam ist.

Stark überhängendes Gelände in Ferrer y sus Cobardes (7b).

Broccoli (7a+, os): um sich noch weitere Punkte zu holen, schien das Gelände links der massiven Grotte eher vorteilhafter. Doch auch hier, nach einem eher plattigen 6b-Auftakt bieten die letzten 10m taffes Pullen im Überhang mit weiten Zügen. Es hat zwar schon diverse gute Griffe, aber diese in eine effektive Sequenz einzureihen und die weiten Moves zu meistern ist nicht geschenkt - mir gelang es!

Patricio (7a, os): nun brach schon die Dunkelheit hinein, somit gab ich hier noch einen Go. Nach einem etwas komischen Auftakt an einem fetten Tufa folgt wiederum plattige Wandkletterei (6b), ab dem Zwischenstand dann die letzten 5m im Überhang zur 7a-Kette. Im Vergleich zu den beiden Routen vorher eher soft, aber auch nicht so lohnend.

Larina im powerigen Sinterknaller Lobos (8a) mit deftigem Abschlussfeuerwerk.

Nun war der Tag schon wieder zu Ende - mit einer sauberen Ausbeute für mich, leider waren die Efforts von Larina in ihrem Projekt Lobos (8a) nicht ganz von Erfolg gekrönt: 2x bis zum harten Schlussdyno durchgefightet, diesen aber leider nicht erfolgreich komplettieren können. Wir machten uns auf den Weg zurück nordwärts zu unserem Apartment und kochten ein stärkendes Znacht. Für den nächsten Tag sah das Wetter positiv aus, um die Crags von Chulilla besuchen zu können, darauf freuten wir uns sehr.

Belayers Perspective auf die Lobos (8a) - es ist definitiv steiler, wie einem das Foto glauben macht.

Topo

In gedruckter Literatur findet man Topos im Levante Climbs North (2019) oder auch im Costa Blanca Climbs (2020) und möglicherweise weiteren Büchern. Die Online-Infos auf The Crag sind ebenso sehr gut und die Schnitzeljagd nach dem richtigen Einstieg und der korrekten BH-Linie wird einem bei keiner dieser Quellen so wirklich erspart. Auch auf valenciaclimbs.com gibt's einige nützliche Infos zum Gebiet (aber keine Topos). 

Parkplatz und Zustieg

Sind oben erwähnt und verlinkt. Man halte sich bitte an diese angegebenen Parkplätze und Zustiege, um keinen Argwohn bei den Anwohnern zu erregen. Etwas Diskretion und der Verzicht auf lautes Herumlärmen schaden sicher auch nicht, auch wenn die letzten Häuser ein ganzes Stück vom Fels entfernt stehen.

Hier geht's weiter zu Tag 3...