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Mittwoch, 23. April 2025

Skitour Höch Hund (2215m)

Nach einigen Tage de suite mit Kletteraktivitäten und -trainings plädieren die Griffel wieder einmal auf Schonung, so soll es zur Abwechslung noch einmal auf die Ski gehen. Nach einigem Abwägen entscheide ich mich auch an diesem Tag wieder für eine Tour in der Nähe. Vielleicht das letzte Mal in diesem Winter? Die Zeit wird es zeigen, jedenfalls dauert meine Skisaison im Ybrig nun schon ziemlich genau 7 Monate. Mitte September hatte deren Auftakt am unweit vom Höch Hund gelegenen Rütistein stattgefunden. Dass selbst in diesen tiefen Höhenlagen im Idealfall also während mehr als der Hälfte vom Jahr Ski gefahren werden kann ist schon erstaunlich!

Blick zum Gipfel vom Höch Hund vom Anfellpunkt beim Austritt aus dem Sihlwald (ca. 1370m).

Nach ausreichend Schlaf war ich um 7 Uhr am Ochsenboden und musste feststellen, dass meine Pläne A und B beide verworfen werden mussten. Im einen Fall war die Schneehöhenkarte vom SLF deutlich zu optimistisch, im anderen schreckte mich die starke Grundlawinenaktivität am Berg ab. Die beste Alternative schien, einmal durch den Sihlwald hochzusteigen und sich das interessanteste Ziel im Bereich der Hinteren Gräte herauszusuchen. Die Strasse war bis zum Gribschli P.1206 aper und darf auch bis dort per PW befahren werden. Somit hätte ich mir die Bikefahrt vom Ochsenboden auch sparen können, wobei es immer hübsch ist und kaum zusätzliche Zeit kostet, die letzten Kilometer bei einer gewissen Unsicherheit in Sachen Strassenverhältnisse, Parkplatz und Fahrverbot mit dem Zweirad zurückzulegen.

Schneebrücke zu bequemen Bachtraverse bei P.1449.

Die 150hm durch den (auch bei Schneelage zum Skifahren unlohnenden) Sihlwald waren aper und schnell zurückgelegt. Bei dessen Ausgang begann die geschlossene Schneedecke, die Bretter kamen also an die Füsse. Ich entschied mich schliesslich durch die Chlims zu gehen, was nochmals eine kurze Portage erforderte. Die Brücke bei P.1449 war natürlich noch nicht montiert, eine noch mächtige Schneebrücke erlaubte aber eine bequeme Bachüberquerung. Einmal bei der Sihltalhütte angekommen legte ich mich dann so fest, als dass ich den Höch Hund von Osten angehen wollte. Bei meinen beiden vorherigen Touren zu diesem Gipfel war ich den Normalaufstieg am Teuf Hund vorbei gegangen. Der Ostaufstieg war somit noch eine Neuheit für mich - zudem ist er kaum steiler, länger oder weniger bequem wie die Normalroute.

Kurz vor der Sihltalhütte. Ziel und Aufstiegsroute werden definitiv festgelegt.

Das Gelände im oberen Teil hinauf zum P.2203 weist über ca. 100hm eine Steilheit von 40-45 Grad auf. Dank der idealen Schneedecke (tragend aber nicht hart, mit griffiger Oberfläche) konnte ich die Krete zwar mit etlichen Spitzkehren, aber doch ohne Portage erreichen. Einmal oben angekommen, war es dann noch eine kurze Gratwanderung hinüber zum neu mit einem Gipfelkreuz ausgestatteten (u.a. von Wendy Holdener gesponsort) Höch Hund zu gehen. Der Grat war südseitig bzw. "obendrauf" schon komplett aper und konnte problemlos beschritten werden. Um 9.40 Uhr schlug ich bei eitel Sonnenschein, sehr milden Temperaturen und Windstille dort an - alleine auf weiter Flur in dieser eindrücklichen Berglandschaft, so haben wir es gern.

Der Gipfelkopf vom Höch Hund mit dem im 2024 neu erstellten Kreuz am höchsten Punkt der Gemeinde Unteriberg.

Nachdem ich ausgeruht und mich sattgesehen hatte, sollte es noch ein wenig Skigenuss geben. Diesen fand ich bei sulzigen Verhältnissen durchaus vor. In der Steilpartie zu Beginn war der Schnee aber nicht so homogen, weshalb ich mich ein wenig zu zügeln brauchte. Unten war es in dieser Hinsicht besser, wobei nach über 2 Wochen Sonne und Wärme die Schneeoberfläche auch da nicht mehr ganz die samtene Glätte hatte, wie es bei perfekten Frühlingsverhältnissen der Fall ist. Exakt meiner Aufstiegsroute folgend gelangte ich problemlos und zügig ins Tal. Noch vor Mittag war ich wieder daheim: duschen, essen und dann noch den Arbeitgeber glücklich machen lautete das Programm. Schon schön, wenn an einem solchen Frühlingstag auch noch eine tolle Skitour ihren Platz findet.

Blick vom Gipfel nach SE, meine Bretter sind beim Gipfelchen deponiert, welches sich ziemlich genau in der Falllinie des einen Kondensstreifen ziehenden Flugzeugs deponiert. Eine schöne und erstaunlich einfache Gratwanderung führte von da zum Top.

Donnerstag, 3. November 2022

Wändlispitz-Traverse

Wer auf der Suche nach gehobener Kletterkost ist, mag ob diesem Beitrag vielleicht die Nase rümpfen. Kann man machen, muss man aber nicht: es kommt bestimmt der Tag, wo die Griffel schon müde sind oder für eine bevorstehende Session geschont werden müssen. Und dann lässt sich am Wändlispitz im Fluebrig-Massiv mit der Überschreitung von Schäferweg im Aufstieg und dem SE-Grat im Abstieg eine interessante und landschaftlich absolut lohnende Tour erleben. Für mich persönlich wurde der Ausflug von einem sehr schönen Gleitschirmflug gekrönt. Im perfekt anstehenden SW-Wind liess es sich in der Gipfelregion nach Belieben soaren und das Top überhöhen.

Wändlispitz vom P.1972, aus dieser Perspektive kaum zu glauben, dass man den vom Gipfel sich nach rechts herunterziehenden SE-Grat problemlos seilfrei begehen kann. Die Schwierigkeiten liegen bei ca. T5, II.

Meine Hauptmotivation für die Tour war der Fact, dass wir uns zum ab 16 Uhr stattfindenden Team-Boulder-Event im Quergang eingeschrieben hatten. Draussen herrschte tolles und rekordwarmes Herbstwetter. Irgendwie zu schade, um bis 16 Uhr einfach zu "warten", aber Klettern und die Kräfte schon verpulvern schien auch nicht das Richtige. Um 9.00 Uhr lief ich beim Klubhaus der Golfanlage im Ochsenboden P.933 los, der Strasse entlang gibt's Berggänger-Parkplätze. Schon über 26 Jahre ist es her, seit ich dem Weg nach Unterwand das letzte Mal begangen hatte. Für die Erstbegehung des Direkten S-Pfeilers (5 SL, 6a+) waren wir damals unterwegs, seither kam ich nie mehr vorbei.

Bei den Hütten von Unterwand (ca. 1430m) mit Blick auf die Wändliflue.

Die Abzweigung von der Waldstrasse bei P.1161 hin zum wenig markanten Pfad, welcher zu den Hütten auf ~1430m führt, ist leicht zu verpassen. Zwei markante Blechrohre talseitig der Strasse sind ein Indikator, sonst hilft die Kartennavigation. Bei den Hütten eröffnet sich der Blick auf die langgezogene Wändliflue, ebenso ist auch die Rampe des Schäferwegs schon prominent sichtbar. Von den Hütten führt eine klar erkennbare, teils markierte Wegspur dahin. Um sie aufzugreifen, quert man von der oberen Hütte horizontal nach links ca. 50m zu einigen Steinen, an welchen sich die erste Markierung befindet. Ab da gelangt man ohne Orientierungs- und Geländeschwierigkeiten zur Leiter am Einstieg des Schäferwegs (1515m).

Blick auf die hier stark verkürzt erscheinende Rampe vom Schäferweg. Der Einstieg befindet sich in der Grotte mittig am rechten Bildrand.

Diese hinauf (die 2.5m hohe, überhängende Stufe gäbe einen nichttrivialen Boulder her), dann ~10m weiter über plattigen Fels (Fixseil, Eisen als Tritte, bei trockenen Verhältnissen sind die Hilfsmittel nicht nötig). Bald einmal steht man wieder im Grasgelände. Es ist gut gestuft und hat ordentliche Trittspuren. Auch wenn sich die Passage vor allem zu Beginn eindrücklich luftig über einem Felsabbruch befindet, so war es doch viel einfacher, wie die kolportierte T6-Bewertung es mich im Voraus vermuten liess. Für diejenigen, die es brauchen hat es in dieser Passage auch 3 gebohrte Standplätze und einige Zwischensicherungen. Bald einmal legt sich das Gelände zurück, auf Wegspuren geht's die Rampe hinauf zu deren Ausstieg auf 1615m.

Leiter beim Einstieg, die Stufe geht frei, aber nicht trivial (ca. 6b/6c-Kletterstelle).

Nun wandert man über die nach WNW ausgerichtete Gipfelabdachung, eigentlich immer direkt an der Abbruchkante der Wändliflue. Es hat Wegspuren und ist unschwierig, offeriert aber immer wieder tolle Tiefblicke in die Flue, ebenso wie Weitblicke in die Gegend vom Sihlsee. Bald einmal kommt das Gipfelkreuz (1971m) in Sicht, einige Minuten nach 11.00 Uhr hatte ich dieses erreicht, wobei ich den Puls beim Wandern im Schonmodus bewusst nie in die Höhe getrieben hatte. Bei der Rast am Top klingelte das Handy. Ein telefonischer Beratungstermin für meine Tochter war gefragt, welche sich beim Kleidereinkauf befand. Wir Männer wissen ja, dass sich solche Dinge immer in die Länge ziehen und so war es auch hier.

Panorama auf dem Wändlispitz-Rücken, links der Sihlsee, rechts die Gipfel von Diethelm und Wändlispitz.

Meine Geduld für derlei Dinge war am Ende. So legte ich zwar nicht auf, sondern beschloss schon einmal mit dem Abstieg über den SE-Grat (T6,II) zu beginnen. Mit solcherlei Unterhaltung fallen Diskussionen mit Teenies um Klamotten deutlich leichter, ich kann es also nur empfehlen. Man kann nun unken, dass man auf einer T6-Route erstens die Hände frei haben und zweitens die Konzentration aufrecht erhalten sollte. Ersteres war dank Lautsprecherfunktion kein Thema, zweiteres auch nicht so gravierend, da auch hier die Schwierigkeiten doch merklich tiefer lagen wie erwartet. Vielerorts braucht es kaum die Hände, und höchst selten bzw. nur für ganz wenige Stellen heisst es mit beiden Pfoten zuzupacken.

Das eine der beiden Felsenfenster am Fuss des Wändlispitz SE-Grat.

Bald einmal war ich schon am Fuss des Grates bei den eindrücklichen Felsenfenstern (die Kleider waren inzwischen gekauft und mein Konto damit belastet ;-)). Da ich gut in der Zeit lag, wollte ich noch einen Erkundungsgang Richtung Südpfeiler unternehmen. Ob man nämlich vom Fuss des SE-Grats der Wand entlang querend zum Einstieg gelangen könnte, liess sich mit Luftbildern und den mir zur Verfügung stehenden Fotos nicht zweifelsfrei klären. Doch es geht, absolut problemlos sogar, und so stand ich wenig später am Punkt, wo wir damals den Bohrer angesetzt hatten. Hey, nur zu gerne wäre ich jetzt gleich stantepede in die Route eingestiegen, um meine verblassten Erinnerungen wieder aufzufrischen.

Kurz vor dem Gump, idealer, südausgerichteter Startplatz bei P.1949

Das war weder vernünftig noch möglich. Also lief ich zurück zu den Felsenfenstern, stieg zum namenlosen Gipfel P.1972 auf. Dessen Südseite ist unangenehm steil für einen Gleitschirmstart, doch etwas unterhalb dem Übergang von P.1949 sichtete ich eine prima Möglichkeit. Kurzum war ich da, breitete das Tuch aus und schwang mich in die Lüfte. Wie erwartet ging's aufwärts, an der Südflanke soarend liess sich auch mit dem kleinen Ultraleichtschirm erst der Startplatz, später sogar der von zahlreichen Wanderern besuchte Fluebrig-Gipfel überhöhen. Welch ein Genuss und schöner Tourenabschluss! Zeitig war ich nach einer Stunde Flug zurück im Tal, das ermöglichte mir vor dem anstehenden Wettkampf noch ausreichend Zeit für Verpflegung und Relaxing - perfekt war diese Tour aufgegangen! Über den Team-Boulder-Event berichte ich dann in einem Folgepost...

Samstag, 16. Januar 2021

Skitour Sihltaler Biet / Saasberg (1968m)

Ein weiterer prächtiger Wintertag stand uns bevor, ideale Verhältnisse für eine Skitour. Doch das was, wie, wohin war wieder einmal alles andere als einfach - Schicksal einer Familie, deren Kinder Leistungssport betreiben. Der Sohn konnte dahin auf die Sprungschanze, die Tochter dorthin in die Kletterhalle. Super natürlich, aber um neben dem ganzen Family-Management auch noch auf Tour zu gehen, das ist gar nicht so einfach. Der langen Rede kurzer Sinn, für Kathrin und mich stand schliesslich nur ein beschränktes Zeitfenster zur Verfügung, das wir für eine Tour nutzen konnten. Doch nun eben, was liess sich daraus noch machen, das originell, aussergewöhnlich, lohnend und nicht überlaufen war?!?

Schon als wir bereits unterwegs waren, ratterte es in meinem Hirn noch ganz heftig, zig Optionen wurden durchgespielt und das Ergebnis war schliesslich, dass wir nochmals Richtung Sihltal fuhren. Erst einige Tage zuvor hatte ich dort an den Chläbdächern tollen Schnee gefunden. Meine Blicke streiften da auch noch den tollen, jungfräulichen Gipfelhang vom Sihltaler Biet. Genau da wollten wir nun hin, da diese Tour nicht auf den Skitourenkarten angegeben ist, vermuteten wir sie noch nicht komplett umgeackert. Soviel vorweg, es sollte schliesslich noch besser kommen und es stand uns das Privileg der First Lines zu.

Wie gehabt ging es also beim P.1067 im Sihltal los: zuerst der Strasse entlang Richtung Gribschli, natürlich wieder mit Seitenblick auf die Eisfälle bei Fläschen. Ein paar Tage zuvor hatte die Eisbildung  noch mager ausgesehen, doch heute wäre es schon gegangen. Somit kribbelte es in dieser Hinsicht gleich in den Fingern... doch vor uns stand der steile Aufstieg durch den Wald nach Aussersihl. Der schmale Bergweg war inzwischen noch stärker ausgerutscht, aber mit guter Steigtechnik nach wie vor mit den Fellen zu machen. Der kürzeste Weiterweg führt sodann in die Chlims, d.h. dem Wanderweg entlang in den schluchtartigen Bachabschnitt - Vorsicht, Schneerutschgefahr bei Wärme! Aufgrund der vielen Warnschilder ist es bestens bekannt, dass die Brücke bei Stägli (P.1449) im Winter demontiert ist. Der Bach war aber auf einem Schneekegel problemlos zu überqueren, wir mussten nicht einmal die Ski ausziehen. Jenseitig geht's dann über schönes Gelände zum namenlosen Stall zwischen Sihltal- und Lauiberghütte.

Kurz vor dem namenlosen Stall, markant der Lauiberg, rechts vom Skier unscheinbar das Biet.

Man erreicht in einer kurzen Querung die letztere und geht dann der Nase nach (idealerweise auf dem Trassee des Wanderwegs) über kupiertes Gelände zum Sihlseeli, wo sich der bis zu 40 Grad steile Gipfelhang ideal präsentiert. Es versteht sich von selbst, dass ein solches Terrain nur bei günstigen Verhältnissen anzugehen ist - hier dazu umso mehr, da allfällige Lawinen am Fuss der Flanke auch sehr, sehr ungünstig gestaut würden. Mit LWS 1 konnten wir auf eine stabile Schneedecke zählen, bzw. bestand diese aus kohäsionslosem Lockerschnee. Im Aufstieg gingen wir einstweilen via Saaspass, vor allem weil der Herr Peakbagger nach dem Motto "wenn schon, denn schon" diesem kotierten Übergang auch noch einen Besuch abstatten wollte. Dem knapp verschneiten Grat entlang erreichten wir wenig später den mit einem kleinen Kreuz geschmückten Gipfel.  

Mit Temperaturen um -10 Grad und einer fühlbaren Bise hielten wir uns nicht allzu lange auf, zudem lockte die Abfahrt und auch die Familienpflichten standen ja noch auf der Agenda. Dazu wählten wir die logische Linie, zuerst etwas nordwärts und dann durch die am wenigsten steile Partie (35 Grad) der Gipfelflanke zum Gewässer bei Böden herunter. Die folgenden 200hm sind dann nicht so attraktiv, einerseits muss man im kupierten Gelände zu einigen Querungen ansetzen, andererseits war hier der Einfluss der Bise deutlich stärker wie am Gipfel. Eigentlich hinter jeder Kuppe hatten sich markante Triebschneeansammlungen gebildet, die extrem auslösefreudig waren. Nach Belieben konnte man diese Pakete lostreten, manchmal auch von beachtlicher Grösse - hier war das noch safe und einfach Spielerei, aber an einem ungünstigen Ort im Steilgelände könnte einem ein solches Brett auch bei LWS 1 ohne Weiteres zum Verhängnis werden. Wie immer in den Bergen, mitdenken und proaktiv handeln unumgänglich.

Los geht's, hinten der Fläschenspitz und der Blick ins Mittelland.

Ab den Hütten bis in die Schlucht hinunter lag dann wiederum perfekter Schnee mit Gelegenheit für First Lines, einige schöne Schwünge gab's auch noch bis Untersihl. Das steile, enge Waldstück gehört dann bei den Sihltal-Touren eher zum Pflichtprogramm. Durch die zahlreichen Abrutscher waren inzwischen auch ein paar Steine hervorgetreten, aber irgendwie machte es doch auch Spass, in diesem Terrain eine ansehnliche Figur abzugeben. Nach einer Schussfahrt über die Strasse waren wir retour beim Ausgangspunkt mit Tourende gerade noch rechtzeitig, um dem gröbsten Verkehr auszuweichen. Ja, heute hatten wir aus den beschränkten Möglichkeiten eine sehr gute Tour gemacht, da war das Freizeit-Management wieder einmal bestens aufgegangen :-)

First Lines am sehr schönen Gipfelhang vom Sihltaler Biet.

Facts

Sihltaler Biet oder Saasberg (1968m) ab Ochsenboden P.1067. Aufstieg netto ca. 950hm, Ski-Schwierigkeit ca. ZS, steiler Gipfelhang mit ca. 35 Grad auf 150hm. Da keine offizielle Skiroute nicht so häufig besucht wie andere Ziele in der Umgebung. 

Freitag, 8. Januar 2021

Skitour Chläbdächer (2177m)

Die Suche nach einer spannenden Vormittagsskitour brachte mich wieder einmal in den Playground Hinter Sihltal. Touren aus dieser Gegend hatte ich ja schon früher einige beschrieben, z.B. die Eisfälle bei Fläschen, die Tour zum Mieserenstock oder natürlich auch die Wägital Rundtour. Alles ein wenig abenteuerlich und nicht ganz Mainstream - das trifft auf alle Touren in dieser Gegend zu und wenn man mit den Ski unterwegs ist, so ist es äusserst vorteilhaft, die Kickspitzkehre gut zu beherrschen.

Blick auf das hintere Sihltal, mein Tourenziel die Chläbdächer in Bildmitte auffällig felsgebändert.

Bekannte hatten hier wenige Tage zuvor das Tourenjahr 2021 eröffnet, den Höch Hund angespurt und von guten Bedingungen berichtet. Ich wollte mir die Feinwahl des Tourenziels noch aufsparen, bis sämtliche Möglichkeiten im Kessel auf rund 1600m im Blickfeld waren. Die Zufahrt über die weiss geräumte Strasse war bis zum P.1067 problemlos möglich, der Aufstieg zum Gribschli und durch den steilen Wald nach Untersihl war gut gespurt - es liegt nicht üppig Schnee, aber doch gut ausreichend. Nachdem ich auf rund 1400m aus dem Wald trat, überschritt ich auch die Nebelgrenze.

Immer ein erhabener Moment, das Überschreiten der  grauen Nebeldecke.

Es zeigte sich dann, dass fast alle Ziele im Hinteren Sihltal bereits angespurt waren. Für mich bedeutete das, in Richtung Chläbdächer zu gehen. Dieser Anstieg war mir bisher noch unbekannt. Von Weglosen, aus dem nächsten Tal war ich früher bereits einmal zum Chläbdächer Westgipfel (2142m) gegangen, somit war auch mit dem kecken Felsturms des Hauptgipfels noch eine Rechnung offen. Erst ging es noch in langen Kehren aufwärts, bis ein in Felsen eingebettetes Couloir viele Spitzkehren erfordert und einen schliesslich auf den 45 Grad steilen, über einer Felsstufe abbrechenden Schlusshang führt. Hier war ich aufgrund von rutschiger Auflage auf hartem Untergrund zu einer Portage (letzte ca. 40hm) gezwungen.

Steil geht's in das Couloir hinauf, ob der Felsstufe dann sehr exponiert nach rechts hinaus.

Einmal aus dieser Flanke ausgestiegen geht's dann zügig auf den Chläbdächer Westgipfel und damit endlich auch an die Sonne. Von hier sind es doch noch rund 400m zum Hauptgipfel. Knapp die Hälfte davon lässt sich noch mit den Ski zurücklegen, doch die Sache spitzt sich zu: der Grat wird immer schmaler und beim ersten felsigen Abschwung müssen die Bretter zurückgelassen werden. Ich machte mich per Pedes auf den Weiterweg. Doch das war gar nicht einfach: das Gelände ist auf beide Seiten gehörig luftig-exponiert und auf dem schmalen Grat lag doch reichlich unkonsolidierter Schnee.

Der sehr exponierte Grat zum kecken Felsturm hat es in sich, vor allem bei winterlichen Verhältnissen. Auf dem runden Hubel im Vordergrund musste ich schliesslich die Segel streichen, ein Weitergehen war nicht mehr zu verantworten. 

Nur ca. 25m vor dem finalen Felsturm, schon fast auf gleicher Höhe wie der Gipfel, musste ich schliesslich die Segel streichen. Der nun nochmals schmalere Grat war einfach mir einfach zu heikel, das war nicht mit vernünftigem Risiko machbar - schade! Selbst mit alpiner Komplettausrüstung (Steigeisen, Sicherungsmaterial) wäre bei solchen Verhältnisse der Gipfelerfolg ungewiss, auch da ein Sichern auch sehr schwierig scheint. Besser geht's sicher bei aperen Verhältnissen, ich denke gegen den Frühling hin könnte man solche durchaus auf einer Skitour antreffen. Ich komme aber wohl eher im Rahmen eines Hike & Fly in Kombination mit dem Druesberg Südaufstieg wieder, um diese Pendenz zu erledigen!

MS Druesberg, das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt - gewaltig!

Nun, Trübsal zu blasen gab es überhaupt nicht. Die Stimmung auf dem Gipfelgrat war fantastisch. Die Sicht auf die diversen Nebelmeere rundherum, die majestätische MS Druesberg und vor allem war es hier oben windstill, tiefblau sonnig und somit warm genug für eine lange Pause! Nach ausgiebigem Tanken der Sonnenstrahlen lockte dann die Abfahrt. Der steile Tophang noch unregelmässig, das Couloir etwas windgepresst aber schon toll, aber dann einfach nur noch prima Powder bis hinunter zur Nebelgrenze - einfach mega! Mit etwas Umsicht liess sich auch der Wald befahren und schon bald war ich zurück beim Ausgangspunkt mit klarem Fazit: das war die bisher beste Tour des Winters!

Fantastische Pulververhältnisse, einfach genial!

Facts

Chläbdächer ab P.1067 im Sihltal, 1100hm. Teilweise enges und steiles Gelände (45 Grad, Ski-Schwierigkeit SS) erfordern solides Können und solide Schneedecke. Der Chläbdächer Westgipfel (2142m) gibt alleine schon ein lohnendes Ziel her. Die Gratbegehung zum Hauptgipfel ist in verschneitem Zustand alpinistisch anspruchsvoll mit ungewissen Aussichten auf Erfolg - eher eine Einlage für Liebhaber.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Just an ordinary family weekend: Powder am Mieserenstock und mehr...

Jetzt wäre die Zeit da, um die grösseren Skitouren zu reissen. Das lag an diesem Weekend organisatorisch nicht drin, aber ein paar gute Schwünge hat's trotzdem gegeben. So war uns am Samstag ein Ausflug am Vormittag vergönnt, galt es doch am Nachmittag mit den Kindern noch einen Boulderwettkampf zu besuchen. In den Tagen davor hatte ich meine Pre-Work-Touren im Tössbergland bereits bei besten, frühlingshaften Sulzverhältnissen geniessen können. Doch nun stellte sich die Frage, ob wir dies auch für die Samstagmorgentour tun sollten, oder wir doch noch in einem Schattenloch auf die Suche nach etwas Pulver gingen. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns schliesslich fürs Hintere Sihltal und zogen damit voll den Joker.

Skitourenidylle im hinteren Sihltal mit Mieserenstock, Höch Hund und den Chläbdächern.
Ein paar Minuten nach 8.00 Uhr starteten wir beim P.1067, die vereiste Strasse vom Ochsenboden her war mit ausreichend Schwung gerade so bis dahin zu passieren. Nach einigen Minuten konnten wir unseren Blick auf die Eisfälle bei Fläschen richten. Tolle Erlebnisse mit der Begehung dieser Routen kamen wieder auf. Augenscheinlich herrschten noch gute Bedingungen, obwohl es in den Tagen zuvor auch nicht mehr wirklich kalt gewesen war. Wenig später galt es, einen üblen Lawinenkegel zu überqueren - ein klares Indiz, dass der Übergang vom Hochwinter in den Frühling rasch vollzogen worden war und es auf die tageszeitliche Erwärmung Acht zu geben galt. Durch den gut eingeschneiten Sihlwald gelangten wir hinauf auf die Ebene von Feldmoos und hatten uns für ein Tourenziel zu entscheiden. Da eine Vierergruppe bereits weit oben den Höch Hund anspurte und zwei weitere Tourengänger ihnen folgten, entschieden wir uns, den Mieserenstock anzupeilen, wo noch niemand unterwegs war.

Blick auf die Eisfälle bei Fläschen. Da kommen Erinnerungen an unsere Begehungen vor ein paar Jahren auf.
Zu passierender Grundlawinenkegel auf dem Weg zum Gribschli.
Hier war ich vor 7 Jahren das letzte Mal gewesen. Damals war auf den Karten noch der östliche Punkt (2199m) als Gipfel markiert, deswegen steht auch heute noch das Kreuz an diesem Ort. Auf den neusten Karten ist jedoch der 150m weiter westliche gelegene P.2203 als Gipfel bezeichnet. Da höher, macht das jeden Sinn und skifahrerisch ist das auch gleich noch lohnender, weil man von dort in deutlich direkterer Linie abfahren kann. In noch mässig steilem (aber trotzdem nicht harmlosem!) Gelände fellten wir hinauf zum engen Couloir, welches den Durchschlupf in die Gipfelflanke erlaubt. Wie schon letztes Mal waren wieder viele Spitzkehren notwendig. Danach hat man wieder mehr Platz zur Verfügung. Die steilen Hänge erfordern aber gehörig Respekt, die letzten 150hm sind durchgehend >35 Grad mit einer Schlüsselstelle, die sogar über 40 Grad steil ist. Hier müssen bedingungslos sichere Verhältnisse herrschen, welche mit der Gefahrenstufe "gering" jedoch gegeben waren. Auf dem Gipfel herrschte Panorama Grande bei sehr angenehmen Bedingungen, exzellent!

Formvollendete Schönheit :-) Die letzten Meter über den Grat zum Mieserenstock P.2203.
So haben wir's gern! Gipfelpanorama auf dem Mieserenstock mit Blick zur Silberen und in die Glarner bzw. Urner Berge.
Die Abfahrt war dann nicht weniger grandios: sowohl die Gipfelflanke wie auch die langen Hänge ins Chräloch hinunter wiesen noch prima gesetzten, sehr gut drehenden Pulver auf kompakter Unterlage auf. Dank der guten Schneelage konnte ich sogar das Couloir auslassen und die felsige Steilstufe etwas östlich in fast direkter Falllinie des Gipfels durch eine steile Rinne bewältigen. Weiter ging's genussvoll bis ob dem Sihlwald. Im Wald war der Schnee bereits aufgeweicht, doch selbst das machte Spass! Dann noch rasch vom Gribschli retour zum Parkplatz sausen (bis auf die Passage über den Lawinenkegel) und dann ab zum nächsten Programmpunkt. Wie sich zeigen wollte, waren die Zeitreserven bereits ziemlich ausgereizt... also rasch daheim die Kinder aufgeladen und gleich in den Skiklamotten weiter ans Move & Groove im Grindelboulder.  Schon letztes Jahr hatten wir dem Kinder-Wettkampf beigewohnt, dieses Jahr wollten wir es nicht anders machen.

Grandioser Fun auf der Abfahrt in kompaktem, pulvrigem und sehr gut drehendem Schnee!
Auch heuer standen wieder extra für die Kinder geschraubte, interessante Probleme zur Auswahl. Noch dazu ein interessanter Modus, der die Kinder so richtig animierte. Fast ein wenig schade, dass die Teilnehmer hier noch nicht ganz so zahlreich kommen wie z.B. am Sparta Fight. Für unsere Kinder ging's sehr gut aus: Boy auf Rang 1 in der unteren Altersklasse, Girl auf Rang 2 in der oberen. Schliesslich wurden sie auch noch eingeladen, am folgenden Wettkampf für die Erwachsenen in der Easy-Kategorie teilzunehmen. Hier waren die Boulder jetzt logischerweise nicht mehr ganz so kindergerecht geschraubt - aber der Challenge beim Klettern ist ja gerade, mit allem möglichen fertig zu werden und nicht nur mit dem, was einem speziell präpariert wurde. Das Video vom Finalboulder (unbedingt mit Ton anschauen) zeigt wohl, warum die Teilnahme an den Wettkämpfen so richtig Spass macht - Move & Groove eben! Die Efforts wurden schliesslich mit einem weiteren zweiten Rang für die Tochter belohnt.



Doch vor lauter Kämpfen und Mitfiebern war es spät geworden. Irgendwie zu spät, um bei der in diesen frühlingshaften Verhältnissen schnell tickenden Uhr noch auf eine grosse Skitour zu gehen. Somit gab's dann nur ein Morgentüürli an die fabelhaften Sulzhänge im Tössbergland, gefolgt von Sportklettern am Fels. Irgendwie heisst das, die Top-Bedingungen nicht ganz aufs letzte ausgereizt zu haben. Andererseits aber auch egal - mir gelang's, gleich noch ein wenig mit bereits bestehenden Projekten aufzuräumen. Somit wird die Woche klettermässig mit einer 7c+ und einer 8a rotpunkt beschlossen. So könnte es weitergehen :-) Bzw., so (oder noch etwas besser, schliesslich ist ja schon Mitte Februar) müsste es weitergehen, wenn's bis zum Jahresende 100 Routen auf diesem Niveau sein sollen, wie ich in meinem Ausblick davon geträumt hatte. Naja, sehen wir, was die Zukunft bringt!

Dienstag, 20. September 2011

Eisklettern im Sihltal

Die Temperaturen sinken, der erste Schnee fällt. Zeit, um an den Winter und ans Eisklettern zu denken. Das ist ein Teil, aber nicht die wahre Motivation für diesen Bericht. Unter heisser Sonne, aber an einer schattigen Wand hatten wir in Kalymnos wieder einmal Eismeister Urs Odermatt getroffen. Thema war dabei unter anderem unsere "Fläscheposcht" im Sihltal, welche in einem sehr schönen Beitrag Aufnahme in seinen Eiskletterführer Schweiz: Band Ost fand.

Zusammen mit Jonas hatte ich kurz danach noch zwei weitere tolle Fälle im Gebiet begangen. Leider verpassten wir es daraufhin, diese Begehungen auch zu publizieren, so dass sie im Führer keine Aufnahme fanden. Schade, aber selber schuld. Doch nun ist Zeit, um diesen Fauxpas zu beheben, und es wird hier das aktuelle Topo aus dem hinteren Sihltal präsentiert.

Das Topo vom Sihltal. Eine hoch aufgelöste PDF-Version gibt es auch: klicke hier!
Wir haben damals zuerst den "Fläschegeischt" angepackt. Vom Depot sind zuerst weitere ca. 200m Kletterstrecke an Zustieg zu bewältigen. Es handelt sich meist um etwa 45 Grad steile Schneehänge in einer Art Couloir, teilweise hat es aber auch etwas Eis, und auch den Fels berührt man. Wir begingen dieses Stück seilfrei, mir hat es sehr viel Spass gemacht!

Der Fall beginnt dann fulminant, mit einer ersten Seillänge in ca. 80 Grad steilem Eis (WI 3+). Sofort fiel die eher schlechte Eisqualität auf: nach unserer Begehung der "Fläscheposcht" gab es einen föhnigen Wärmeeinbruch, bevor die Kälte zurückkam. Dementsprechend war das gefrorene Nass etwas morsch und hatte Lufteinschlüsse, so dass man den Pickel teilweise bis zum Schaft versenken konnte.

Die zweite Seillänge ist dann eine einfachere Schrägtraverse (WI 2) an den Fuss der eindrücklichen, breiten und fast 100m hohen Schlusswand. Diese ist mit 80-85 Grad Neigung ordentlich steil. Wir begingen sie in 2 Seillängen (WI 4- und WI 4), in der Mitte bot sich eine nicht komplett zugefrorene Felsnische als Standplatz geradezu an. Die Ausstiegslänge endet dann mit einer fast senkrechten Stufe, vor allem die letzten Züge in dünner werdendem Eis waren nicht unspannend.

Kathrin in der "Fläscheposcht". Von den anderen beiden Fällen gibt es leider keine Kletterbilder.
Glücklich darüber, den ersten Fall bereits gemeistert zu haben, seilten wir (von unten gesehen) rechts davon durch gestuftes Gelände an Bäumen ab. Vor allem Jonas wollte es nicht entgehen lassen, auch noch den steilsten Zapfen im Gebiet zu versuchen - d.h. die Linie, die jetzt als "Fläschebier" bekannt ist. Nach 2 Abseilmanövern und kurzer Traverse zu Fuss ist man bereits am Einstieg.

Die erste Seillänge führt von dort an den Fuss der steilen Säule. Es bestehen unterschiedliche Routenmöglichkeiten. Die linke, direkte Linie erreicht auch 85 Grad und ist etwa WI 4-. Rechts davon kann man aber auch die Schwachstellen ausnützen, und kommt wohl mit WI 3/3+ durch. Am Fuss der Säule gibt es einen bequemen und sicheren Stand, an welchem erst mal mein vaterländischer Kuhnagel behoben werden musste.

Jonas packte dann erfolgreich die auf 25m anhaltend steile Säule (gut 85 Grad, WI 4+) an und konnte sie erfolgreich ohne zu ruhen durchsteigen - Chapeau! Zuletzt erreicht man über einige einfachere Meter und etwas Schnee den ersten Baum. Von dort kann man weiter aufsteigen und dann links an den Bäumen abseilen wie zuvor, man kann den Fussabstieg über den Sommerweg erreichen, oder auch unsere Variante wählen.

Wir seilten nämlich über den Fall ab, was am mittleren Stand allerdings das Einrichten einer Sanduhr erforderte. Am Einstieg angelangt, steigt man dann erst über Schneehänge zu Fuss ab, bevor über die letzte Steilstufe nochmals 50m abgeseilt wird. Das "Fläschebier" lässt sich auch von unten erreichen indem man den Einstieg der "Fläscheposcht" benützt und dann quert. Weiter links sind auch wilde, teilweise steile, aber etwas inhomogene Varianten möglich (120m, 40-75 Grad).

Das war es dann mit unserem Ausflug ins Sihltal, ein toller Eisklettertag mit 260 "richtigen" Eisklettermetern, und etwa 200 einfacheren Zustiegs-Klettermetern, für die etwa die Hochtourenbewertung ZS gilt. Ein Enchainement der beiden Fälle ist für genügend schnelle und fitte Seilschaften sicher die aktuelle Königstour im hinteren Sihltal.

Alle Facts und nützlichen Hinweise entnimmt man meinem extra angefertigten PDF: klicke hier!