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Dienstag, 25. Oktober 2011

Läged Windgällen – Insider (6c+)

Gefragt war eine Herbstkletterei mit guten Seillängen, tollem Fels und alpinem Ambiente. Zudem an einer Ecke, wo wir schon eine Weile nicht mehr waren. Da fiel die Wahl auf die Läged Windgällen. In den entsprechenden Routen ist das Gestein dort von allererster Güteklasse, mit 7 Seillängen hat der „Insider“ genau die richtige Länge für die zweite Oktoberhälfte. Und es gibt dort oben Sonne satt, so dass uns auch die auf Gipfelhöhe liegende Nullgradgrenze nicht zu beunruhigen brauchte.

Nach einer im Gegensatz zum letzten Mal ruhigen Nacht kommen wir wohl früher los, starten aber dennoch erst um 9.15 Uhr zuhause. Unser Plan, bis zur Heidmannegg zu fahren (kein Fahrverbot, freiwilliger Beitrag zum Unterhalt, bitte Folge leisten!) wird schon kurz nach Vorder Rustigen vereitelt. Es hat wohl nicht mehr viel Schnee, aber ein mächtiger Lawinenkegel blockiert die Strasse.


Läged Windgällen mit den von uns gekletterten Routen
Also machen wir uns um 11.00 Uhr per pedes auf den Weg. Leicht überzuckert und ganz alleine sind wir in dieser schönen Berggegend unterwegs, da macht einem auch eine etwas weitere Wanderung nichts aus. Um 12.10 Uhr sind wir am Wandfuss, um 12.30 Uhr geht es los. Der eigentliche „Insider“ startet erst auf einem Band in Wandmitte, somit gilt es eine Route zu wählen, um dorthin zu kommen. „Südrippe“ und „Schmarotzer“ kennen wir bereits, also wollen wir die Tour am rechten Vorbau wählen, die am schönsten aussieht. Das ist meines Erachtens ganz klar die „No Name“, oder nennen wir sie doch besser „HK 96“, das ist nämlich am Einstieg per Bohrmaschine graviert.

Routenbeschrieb „No Name“ bzw. „HK 96“ (6b, 6a+ obl.)

SL 1, 25m, 6a+: Zackig geht es gleich auf den allerersten Metern los, und die Länge bleibt anhaltend bis kurz vor Schluss. Die Kletterei ist sehr gut, steil, athletisch und pumpig. Ich empfand es deutlich schwerer wie angegeben, 6b ist hier ganz sicher angebracht.


Kathrin folgt in SL 1 (offiziell 6a+, eher 6b)
SL 2, 20m, 6a+: Kurzer Quergang aus dem Stand raus nach links an eine kleine Verschneidung mit einem Riss. Dort kurzzeitig aufpassen, damit man nicht abgeschüttelt wird. Doch bald lässt es nach, und nach einigen einfacheren Metern kommt der Stand. Insgesamt deutlich leichter wie SL 1.


Die letzten Meter in SL 2 (6a+) sind nicht mehr ganz so kompakt und schwierig.
SL 3, 40m, 6a: Vom Stand rechts herum in auf wenigen Metern nicht ganz solidem Fels. Dann griffig über das Dach hinweg und sehr schön aufwärts. In der Mitte der Länge ein kniffliger Reibungsaufsteher (Crux) deutlich über dem Haken, gefolgt von einer athletischen Verschneidung. Zuletzt einfacher zum Stand auf dem Pfeilerkopf. Für 6a ist das auch wirklich hart, 6a+ passt besser.

Danach folgt man dem ansetzenden breiten Grasgrat bis zur Wand hoch und quert dann nach links. Nach total ca. 70m vom letzten Stand erreicht man den Ringhaken, an welchem der „Insider“ beginnt.


Wir waren nicht einmal ganz alleine: Eine Seilschaft am Werk im Zentralpfeiler (6a).
Routenbeschrieb „Insider“ (6c+, 6a+ obl.)

SL 1, 40m, 6a+: Los geht’s in typischem Klausenfels, braungrau, sehr kompakt und mit prima Reibung. Gut, aber etwas abschüssig strukturiert, und genau auf diese Art will auch die Crux überlistet werden. Gegen Ende der Seillänge dann weniger kompakt, aber OK. Der Grad geht in Ordnung, nach meinem Dafürhalten die bisher einfachste Länge.


Dasselbe in grün auf den letzten Metern von SL 1 (6a+) im Insider: nicht mehr ganz so kompakt und schwierig.
SL 2, 25m, 6b: Diagonal nach rechts hoch, und Quergang an einem horizontalen Schlitz nach rechts. Dann hoch und an phänomenalem Tropflochfels in technischer Kletterei gegen den von weitem sichtbaren Stand hoch. Der letzte Zwischenbolt steckt leider etwas (zu) hoch, daher wartet eine obligatorische Stelle. 6b geht in Ordnung, im Vergleich zum unteren Teil könnte man eventuell sogar nur 6a+ geben.


Spitzenmässige Kletterei in Hammer-Fels: SL 2 (6b)
SL 3, 45m, 6c+: Gleich vom Stand weg folgt die Crux: steil, schlecht zum Stehen, kleingriffig. Obwohl die Haken hier eng beieinander stecken, wäre ein Sturz ungünstig, weil man doch dem Partner auf die Rübe fällt. Nach 3 Bolts ist das schwerste überwunden, dann geht es sehr schön im 6a+-Bereich weiter, zuletzt dann noch ca. 20m griffiges 5c-Gelände von allererster Güteklasse, mit jedoch weiten (ca. 8m) Hakenabständen. Hier könnte mit Camalots (0.3-0.75) oder allenfalls auch Keilen entschärft werden. Ich hatte nichts dabei, das geht auch, wenn man sich in dieser Schwierigkeit zuhause fühlt. 


Super Fels bis zum letzten Meter der Route, wirklich vom allerfeinsten: SL 3 (6c+)
Zum Grad: gemäss den Erstbegehern VIII-, d.h. 6c+, ebenfalls im Schweiz Extrem 1994 so bewertet, im Wandbuch kein Widerspruch dazu. Warum das im Schächentaler Kletterführer bloss noch 6c bewertet ist: keine Ahnung, ist wohl ein Fehler. 6c+ passt meines Erachtens.


Wandbuch-Eintrag der Erstbegeher, sowie der ersten Wiederholer
Um 17.00 Uhr sind wir am Ausstieg und können im Wandbuch die 29. Begehung der Route eintragen. Und erst noch eine saubere Onsight-Begehung! Während in den 90er-Jahren noch 3-4 Seilschaften pro Jahr antanzten, waren es in den letzten 10 Jahren mit unserer noch genau 10 Begehungen. Allerdings liegt das sicher nicht an der Routenqualität, sondern ganz einfach daran, dass diese Tour zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Für Klausenverhältnisse sind Fels und Kletterei tiptop.

Das Abseilen, 2x à 50m bis zum Band, dann noch 2x à 50m über „Schmarotzer“ zum Einstieg geht eventfrei. So machen wir uns bei schöner Abendstimmung an den Abstieg und steigen um 19.00 Uhr ins Auto. Das Thermometer zeigt -1 Grad an – unglaublich, ich war den ganzen Tag im T-Shirt (Aufstieg, Kletterei) bzw. im leichten Faserpelzpulli (Sichern, Abstieg) unterwegs!


Tolle Abenstimmung im Schächental.
Facts:

Läged Windgällen – „HK 96“ & „Insider“ 6c+ (6a+ obl.) – Franz & Lük Gisler, Hans Kempf 1993 – 7 SL, 265m – ***, xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seil, evtl. Camalots 0.3-0.75 (verzichtbar, nur für die letzten 20m im 5c, sonst nicht einsetzbar)

Tolle Kletterei in fast durchgehend prima Schächentaler Kalk, meist an Querschlitzen, Leisten, Auflegern und Tropflöchern. Die Wand ist durchgehend +/- senkrecht, d.h. Athletik ist gefragt. Die schweren Stellen sind eng behakt (xxxx), an den einfacheren, griffigen Stellen müssen diese auch überstiegen werden (xxx). Achtung, es stecken ausschliesslich Sondi-Ringhaken, die gemäss diesen Infos nicht (mehr) über alle Zweifel erhaben sind.


Topo von "Insider" und "No Name" an der Läged Windgällen. Für ein PDF: klicke hier!


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