- -

Donnerstag, 30. November 2023

Ofen - Kreml (7b)

Wieder einmal war der Herbst gekommen, die ideale Jahreszeit für den Ofen. Uns winkte die Chance, noch knapp vor Torschluss (am 15. November) eine Tour anzugehen. Viele (der begehrten) Routen fehlen mir inzwischen nicht mehr. Aber bevor nicht alle mindestens 1x geklettert sind, heisst es die Lücken zu schliessen und nicht verfrüht von vorne anzufangen. So einigten wir uns auf die Route Kreml. Wenn man deren stotzige Einstiegslänge über die korrupte Einstiegsvariante umgeht, so wartet bis auf eine Dachzone in der siebten Seillänge sehr homogen bewertete Kletterei im Bereich 6b/6b+.

Die Südwand am Ofen im Melchtal mit dem Verlauf der Route Kreml.

Ich habe mir jetzt nicht die Mühe genommen um nachzuzählen, wie oft ich schon davon geträumt und geschrieben habe, den ersten Teil des Zustiegs zum Unter Boden nicht mehr heftig schnaufend-tramplend mit einem konventionellen Mountain Bike zurückzulegen, sondern auf die bequeme Variante mit einem E-Bike zurückgreifen zu können. Aber nun war es soweit... oder jedenfalls fast. Denn schwarze Magie musste ihre Finger im Spiel gehabt haben. Mein Bike liess sich zwar einschalten, doch nach einer halben Pedalumdrehung zeigte das Display nur noch schwarz und liess sich nicht mehr zum Leben erwecken. Wie sich später zeigen sollte, hatte der Akku in ebendiesem Moment das Zeitliche gesegnet 💩 Ein Garantiefall zum Glück, somit blieb mir das Berappen von vielen Fränkli für einen neuen erspart. Das half mir vor Ort aber nur beschränkt weiter... dienlicher war da schon das zweite E-Bike und das Seilmaterial, so dass die Variante "Schlepp" zum Zuge kommen konnte. Im Vergleich zu allen anderen Lösungen war dies immer noch superkomfortabel und schnell, auch mit nur einem Motor waren wir in nur 15 Minuten beim Unter Boden und in weiteren 45 Minuten am Einstieg, der durch den markanten Goldstreifen gut identifizierbar ist. Etwas nach 10.15 Uhr legten wir los.

Herbstklettern am Ofen, das ist einfach eine tolle Sache!

L1, 30m, 7a+: Der Logik wegen beschreibe ich hier die offizielle Startlänge gleich am Anfang, auch wenn wir sie erst am Ende nach dem Abseilen geklettert sind. Die Vermutung, dass hier ein ziemlicher Kaltstart wartet, hat sich denn auch bewahrheitet. Schon bis zum Dach hoch ist es nicht trivial, dort wartet dann ein taffer Boulder, bevor es einfacher zum Stand geht - hart für 7a+. Wenig erstaunlicherweise starten deshalb die meisten wohl mit der einfacheren Einstiegsvariante. 

L1 (korrupte Variante), 35m, 6b: Dieser Einstieg gehört eigentlich zum Lügispiel, ihn hatten wir bereits bei einer früheren Gelegenheit schon geklettert. Gerade leichtverdaulich ist diese 6b dann auch nicht wirklich, obwohl sie mir an jenem Tag gut lief und weniger schwierig vorkam wie damals. Im wesentlichen Teil wartet eine betont senkrechte Leistenpassage, wo man Übersicht beweisen muss, kleine Griffe zu krallen hat und die Füsse geschickt einsetzen sollte - sonst kann man sich gut einen ersten, deftigen Pump holen. Die Querung nach rechts dann offensichtlich, dafür in weniger schönem Fels.

Vom Lügispiel-Einstieg quert man auf der korrupten Einstiegsvariante retour in Kreml (L1, 6b).

L2, 35m, 6b: Auf dieser Höhe trifft man in vielen Ofen-Routen auf die originelle Backstein-Kletterei, welche aber im Kreml nicht ausgeprägt zur Geltung kommt. In der Wand rechts neben einer seichten Verschneidung geht's in schöner Wandkletterei auffi - da waren ein paar Moves gar nicht mal so einfach! Man erreicht schliesslich ein Dach, welches rechtsherum umgangen wird. Ein etwas einfacheres Finish führt schliesslich zum Stand.

Sehr schöne Kletterei im quergebänderten Fels (L2, 6b).

L3, 25m, 6b: Eine relativ kurze und etwas inhomogene Seillänge, welche hinauf zum grasigen Querband führt. Der Fels ist nicht überall von Top-Qualität, die Hauptschwierigkeit besteht aus einer etwas kniffligen Boulderstelle an einem Wulst nach der Mitte der Seillänge.

L4, 40m, Gehgelände: Die Querung über das Band ist problemlos machbar. Für die Fortsetzung beachte man die Topos, die erste Station bzw. Linie gerade hinauf ist nämlich die Wolfsfeder, es geht erst eins weiter rechts weiter.

Jonas packt gerade den Wulst mit der Crux von L3 (6b) an.

L5, 30m, 6b: Steil geht's los mit einer kleinen Verschneidung, aber wer es geschickt anstellt, kann sich mehr oder weniger ausschliesslich an Henkeln bedienen. So gelangt man wieder in steilplattiges Gelände, wo sich die Sache aber schliesslich gut auflöst und man rechtsquerend schon bald den nächsten Stand erreicht.

L6, 35m, 6b+: Dieser Abschnitt verläuft nur wenig links einer superkompakten und sehr fordernden 7a vom Planet der Affen. Aber tatsächlich, hier gibt's einiges an Strukturen, welche ein bedeutend einfacheres Fortkommen erlauben. Trotzdem, die richtige Sequenz will erkannt und die Stellen erbouldert werden. Im oberen Teil der Länge kreuzt man dann den Planet der Affen, den Stand findet man in der gerölligen Flachzone vor dem nächsten Überhang.

Auftakt in L6 (6b+), in Bildmitte die Skitourenziele Hanghorn und Rotsandnollen.

L7, 35m, 7b+/7c (???): Nun wird es steil, ja sehr steil sogar. Zuerst aber doch noch einigermassen griffig, so dass man mit athletischen Moves freiklettern kann. Da die Seillänge in der Literatur auch als 6b+ mit 3pa gehandelt wird, sollte dieser erste Abschnitt nicht allzu fordernd sein - mir kam es ehrlich gesagt aber eher wie eine 7a vor, der Fels übrigens nicht restlos überzeugend. Bis vor den Ausstieg in flacheres Gelände kam ich aber doch ungerupft voran. Aber dann?!? War es subito fertig mit dem Onsight, denn a) weiss man nicht mal richtig, wo und in welche Richtung man über die Kante klettern soll, man sieht b) rein gar nix und hat c) auch keine Zeit, um ewig rumzumachen und zu tasten. Und nicht zuletzt ist es auch einfach richtig hart, denn einen richtigen Griff hat es da nicht wo man ihn sich wünscht, höchstens minimale Kratzer. Nach meinem Empfinden definitiv mehr wie 7b, laut Wandbuch hat es nach der Eröffnung der Route auch lange Jahre gedauert, bis diese Länge überhaupt rotpunkt geklettert wurde und oft (wenn überhaupt) wurde dieser Feat bisher nicht wiederholt. Nachher geht's dann wieder besser voran, erst in der Wand, dann doch an der etwas grasigen Verschneidung - am Ende stört leider der Seilzug. So beschliesst man die Seillänge bevorzugt am unteren Stand, eine Etage (d.h. kompakte Wandstufe) höher befindet sich nochmals einer, wo auch das Wandbuch platziert ist.

Das schwierige Dach in L7 ist überwunden. Die Bewertung checkt wohl eher 7b+/7c als bei 7b ein und wer maximal 6b+ klettern kann oder will, muss wohl auch öfters als die propagierten 3x zum Textilgriff langen. Obenraus gibt's erst schöne Wandkletterei, dann eine etwas grasige Verschneidung.

L8, 40m, 6b: Für die Kreml darf man sich nun mit der deutlich einfacheren linken Linie begnügen, die rechte Variante ist markant fordernder, gehört jedoch nominell zum Lügispiel. Nochmals ein prima Abschnitt, was schwierig erscheint löst sich am Ende doch alles gut auf, im Zweifel einfach nach links queren.

Auf der Zielgerade in L8 (6b). Eher plattiger Fels am Ende, aber die nötigen Strukturen sind da!

Um 14.15 Uh hatten wir nach knapp 4:00h der Kletterei das Top der Route erreicht. Wir rasteten kurz am Grat und seilten dann über die zentrale Piste zurück auf den Boden, um wie bereits schon erwähnt noch die offizielle erste Seillänge zu attackieren. Auch hier blieb mir der Onsight leider verwehrt. Mit einem 2nd Go wäre es vermutlich schon gegangen, aber da mir der Durchstieg in L7 ja auch fehlte, drängte sich dieser nicht unbedingt auf. So gingen wir gen Tal, zügig waren wir beim Unter Boden und nach wenigen Minuten rauschender Fahrt retour beim Parkplatz.

Goodbye Ofen - see you next year... maybe?!? Es gibt noch zu tun, wir kommen sicher wieder!

Facts

Ofen - Kreml 7b+/7c (6b obl.) - 8 SL, 270m - Winkler/Röthlisberger 1989; ***;xxxx

Der Kreml ist deutlich weniger begangen wie andere Routen der Wand und das kommt nicht ganz von ungefähr. Den anspruchsvollen Kaltstart kann man zwar über die korrupte Variante gut umgehen und der Quergang übers Band stört auch nicht sonderlich. Schon viel eher die harte Passage in L7, welche kaum für 7b freizuklettern ist und von den meisten wohl noch einige PA-Moves mehr wie die 3 laut Topo erlaubten fordert. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält eine durchaus lässige Route, welche den Grad 6b+ nicht übersteigt. Ganz gleich schön bzw. lohnend wie die beliebten Routen Leiterlispiel, Schwarz Peter oder Halma schien es mir jedoch nicht. Die Absicherung ist nach einer umfassenden (oder mehreren kleinen?!?) Sanierungen gut. Die im Extrem Ost empfohlenen Cams von 0.5-3 und die Keile führten wir mit. Leider habe ich mir damals keine exakten Notizen gemacht, was wirklich zum Einsatz kam - ich meine mich aber zu erinnern, dass man das Rack auch etwas abspecken kann (ohne Gewähr!).

Donnerstag, 23. November 2023

Ski & Fly Fanenstock (2236m)

Die Ski-Saison 23/24 ist gestartet! Wobei ich mich im Voraus durchaus gefragt habe, ob es denn der richtige Tag dafür sei. Klar, die Online-Tourenportale und Social Media zeigten genau, wo schon richtig winterliche Bedingungen mit guten Tourenverhältnissen herrschten. Aber leider waren diese Gegenden weiter von daheim entfernt, als es mir lieb war. Somit setzte ich lieber auf innovative Tourengestaltung mit dem Nervenkitzel, ob denn auch alles wie geplant aufginge.

Zur Abwechslung wieder mal ein Bericht hot from the press...

Sonne, Pulverschnee und ein paar gute Skihänge - da schlägt das Herz gleich schneller.

Als Ziel hatte ich den Fanenstock bei Elm erkoren. Natürlich war ich da schon etliche Male zuvor. Aber es lohnt sich eben immer wieder und seit dem letzten Mal war es doch schon eine Weile her. Kommt hinzu, dass man an diesen Hängen viel von der raren Novembersonne erhaschen kann und das einigermassen sanfte Gelände auch bei moderater Schneelage eine Tour zulässt. Wobei es eben derzeit in Elm absolut grün ist und die Hänge bis ziemlich weit hinauf aper sind. Somit machte der Fanenstock nur als Kombi-Tour Sinn: entweder käme das Bike als Schneetaxi zum Einsatz, oder dann würde zu Fuss aufgestiegen und mit dem Gleitschirm ins Tal geflogen. Da die Windprognose günstig war und das Flugzeug schon eine Weile nicht mehr in dieser Art zum Einsatz gekommen war, setzte ich darauf.

'Tief verschneit' wäre dann doch anders. In Elm ist es grün, und das bis weit hinauf.

Tourenstart war um 9.00 Uhr in Elm Wisli P.1025, mit angeschnallten Brettern und den Skischuhen lief ich los. So war es bequemer, der Strasse zu folgen. Ab etwa 1400m war der Boden teils weiss bedeckt, doch erst beim P.1575 nach einer Stunde Bootpack kamen die Bretter an die Füsse. Der Aufstieg über die Schindelegg war gerade so fellend machbar. Während es unten im Schatten kalt, dunkel und eisig gefroren war, konnte ich mich an der Sonne subito allen Kleiderschichten bis auf das T-Shirt entledigen. Ab dem Mittler Stafel von Gamperdun (P.1772) gab es etwas Altschnee-Unterlage - das entsprach genau meinen Vorstellungen, denn so würde es sich zu diesem logischen Gleitschirm-Startplatz abfahren lassen.

Im Aufstieg auf ca. 2000m. Rechts hinten die Hausstock Nordwand, das war auch eine super Tour!

Ich zog gleich weiter und konnte nun durch eine unberührte Winterlandschaft schreiten. Auf der kompakten Unterlage lag feiner Pulver, so war die Spurarbeit ein grosses Vergnügen. Um 11.15 Uhr schlug ich schliesslich am Gipfel-Wegweiser an. Es folgte eine gemütliche Pause - es war windstill, wolkenlos und sehr mild. Eine halbe Stunde Gipfelrast im T-Shirt und das nach dem vielen Regenwetter und Ende November - das war eine richtige Wohltat. Aufs Skifahren freute ich mich aber natürlich auch sehr, zumal erst noch absehbar sehr gute Bedingungen warteten. Tatsächlich, dank der kompakten Unterlage war es genial und man musste absolut keine Sorge vor Bodenkontakt haben. Nach dem Gipfelhang wählte ich die Ostvariante und gelangte zurück nach Mittler Stafel - mit der Einsicht, dass es dies nun noch nicht gewesen sein konnte.

First Line am Gipfelhang vom Fanenstock - oh yeah!

So klebte ich erneut die Felle auf meine Bretter und nahm die zweite Runde in Angriff. Das hätte ja auf meiner nun schon bestehenden Spur noch zügiger gehen können. Doch die Bedingungen fühlten sich inzwischen richtig frühlingshaft an. Um diesem Gefühl noch etwas Vorschub zu leisten, hefteten sich auch bald einige fette Stollen an die Felle. Aber was soll's, kein Grund sich die Laune zu vergällen. So wurde die Kadenz halt etwas zurückgenommen, auch so erreichte ich bald wieder den Gipfel. Eine weitere Halbstunde an Sonnenbad lag drin, bevor das zweite Mal grandioser Fahrspass folgte. Nun wählte ich nach dem Gipfelhang den kurzen Wiederaufstieg zum P.2168, um in seinen so anzüglichen, unberührten Südhang auch noch eine perfekte Spur zu legen.

Blick zum Sardonamassiv, prominent der sonnige Geissegg-Rücken - auch eine geniale Tour!

Das gelang, und so galt es dann noch, ohne Materialschaden retour nach Mittler Stafel zu kommen. Der wenige Schnee hatte sich ob den hitzigen Temperaturen nämlich durchaus schon sichtbar gemindert. Aber mit der geschickten Wahl einiger Mulden und Hangpartien in abscheiniger Exposition war es gut zu machen. So hiess es nun nur noch, das Tuch zu drapieren, sich an die Schnüre zu schnallen und bequem ins Tal zu gleiten. Das war kein Ding, gab es doch am Starplatz sogar ein bisschen Aufwind. Auch in der Luft traf ich hier und da auf aufsteigende Warmluftpakete, welche zur Verlängerung des genussvollen Abgleiters genutzt werden konnten. Mehr lag aber nicht drin, schliesslich haben wir ja doch Ende November und das Gerät war nur ein kleiner Singleskin-Leichtschirm. Tja, hätte sich der Wunschtraum einer Toplandung am Gipfel und einer 'Gratisfahrt' erfüllt, so hätte der Tag ganz sicher 1000 von 100 möglichen Punkten erhalten. Aber 100 von 100 gab es auch so, und das ist ja doch auch schon eine ganze Menge.

Facts

Fanenstock ab Elm Wisli, 1200hm Aufstieg (+500hm für die zweite Runde), Ski-Schwierigkeit WS

Freitag, 17. November 2023

1000x 7a

Ja, so ist es! Kürzlich konnte ich tatsächlich meine Route #1000 in den Graden 7a/7a+ durchsteigen 🥳 Mir geht's hier nicht ums Prahlen mit dieser Zahl, einer kleinen Genugtuung ist der Meilenstein aber wert und vor allem bietet er auch die Gelegenheit auf einen (hoffentlich interessanten) Rückblick auf mein Kletter(er)leben mit dem Schwierigkeitsgrad von UIAA 8. Nicht zuletzt ist der Beitrag aber auch dadurch motiviert, dass ein Kletterer vor Ort meine Jubiläumsbegehung fotografisch festgehalten hat und mir die Bilder nachher anonym hat zukommen lassen, vielen herzlichen Dank dafür!

In der When you Smile (7c) in Cresciano. Die 7a war das Aufwärmprogramm dafür 😉

Als ich zum Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er mit dem Klettern begann, war der Grad von 7a noch weit, weit weg. Klar, die Spitzenleute kletterten schon damals viel schwieriger (UIAA 8 wurde in der CH erstmalig ca. 1980 bezwungen). Aber zumindest nach meiner damaligen Wahrnehmung gab es fast niemanden, der diese Schwierigkeit meistern konnte. Mindestens aber war ich nicht in einer Umgebung oder mit Leuten bekannt, wo dies stattfand. Natürlich hatte ich damals den vagen Wunsch, besser und schwieriger zu klettern. Aber eben nicht das konkrete Ziel: einen bestimmten Grad zu erreichen oder dafür zu trainieren, das war absolut nicht auf dem Radar. Dafür fehlte mir die Peer Group, die ja ganz wesentlich definiert, was man als erstrebenswert und machbar taxiert. Kommt noch hinzu, dass die 7a-Routen damals noch viel dünner gesät waren als heute. Auch waren sie vielfach schlechter abgesichert, d.h. die Einstiegshürde war deutlich höher. Und natürlich gab es auch keine Kletterhallen, wo man hätte trainieren können, oder einfach mal so ohne nix in einen UIAA-Achter einsteigen. So war ich damals vorwiegend beim Bergsteigen oder auf schlecht abgesicherten, alpinen Kletterrouten unterwegs. In Klettergärten gingen wir nur selten und wenn, dann kletterten wir dort Routen, die wir sicher bewältigen konnten. 

Das ist sie, die #1000: Cenerentola (7a) in Cresciano.

So dauerte es dann über 7 Jahre Kletter"karriere", bis ich im Frühling 1997 mit der Route Indulgence in Volx (F) das erste Mal eine 7a punkten konnte. Damals war ich mit Studienkollegen während der Semesterferien für ein paar Wochen im Süden unterwegs. Die waren schon richtig ambitioniert und in höheren Graden unterwegs. Und siehe da, das färbte auch auf mich ab. Diesen Level hielt ich dann für einige Jahre +/- konstant bei. Er eröffnete mir neue Möglichkeiten, d.h. nun auch schwierigere MSL anzugehen, von welchen ich schon viele Jahre geträumt hatte - es gab noch so viel zu tun. Beim Sportklettern noch härter zu punkten war nicht etwas, das ich angestrebt hätte. So gingen wieder 7 Jahre vorbei. Erst im 2004 punktete ich dann das erste Mal eine 7b. Worauf erstmal eine intensive Gleitschirmphase folgte, wo ich nur reduziert kletterte und definitiv nicht stärker wurde. Erst nach deren Abschluss im 2007 erreichte ich den Grad von 7b wieder, bevor es dann mit 7c (2008) und 8a (2009) aufwärts ging. Notabene auch ohne echtes Training, nur mit häufigem Klettern, bzw. dem Einsteigen in bzw. Einüben von Routen dieser Schwierigkeit. Für weitere 7 Jahre stagnierte ich dann auf diesem Level, bevor ich mich im 2016 und damit bereits deutlich jenseits der 40-Jahre-Marke noch auf 8a+ und sogar 8b steigern konnte. Da war es dann tatsächlich eine etwas systematischere Herangehensweise, welche auch Off-the-Wall-Training inkludierte. Die wurde jedoch weniger durch den unbedingten Wunsch diese Grade zu klettern diktiert, sondern mehr durch andere Umstände im Leben. Spät kam der Mann auf den richtigen Pfad - oder den falschen, je nach Perspektive 🙄!

1000x gemacht hin oder her: meist ist es zwar keine Frage, dass ein rascher Punkt drin liegt. Eine Challenge ist's aber doch immer noch und wie das Bild zeigt, ohne Engagement geht eine 7a denn eben doch nicht her. Ist ja aber auch gut so, sonst wäre es ja nicht spannend oder der Erwähnung wert.

Zuletzt noch für die Zahlenfreaks zur Marke 1000: ob die ganz genau stimmt, sei dahingestellt. Sie ist zu hoch, weil Klettergrade keine besonders harte Währung darstellen und noch volatiler sind wie die türkische Lira. Sprich, einige als 7a gekletterte und notierte Routen gelten heute nicht mehr als solche, dafür habe ich nicht korrigiert. Andererseits ist sie zu klein, weil ich erst seit 2003 systematisch Buch führe und die einzelnen gepunkteten Längen bei MSL lange Zeit vernachlässigt hatte - dieser Fehler dürfte deutlich überwiegen. Zudem kommen von Indoor (wo ich wegen der Nicht-Permanenz der Routen kein Buch führe) sicher nochmals mehrere Hundert dazu. Kurzum, mit der Cenerentola in Cresciano habe ich einfach die tausendste Route im Grad 7a oder 7a+ in mein persönliches Logbuch geschrieben. Davon gelangen mir ~770 onsight, was auch zeigt, dass ich den Grad im Lauf der Jahre mehr oder weniger "mühelos" zu klettern gelernt habe und ihn sogar mal zum (verschärften) Aufwärmen nutze (ob dieser Bemerkung werden sich wohl manche ins Fäustchen lachen, die mich schon in einer 7a (oder noch tiefer bewerteten) Route haben herumlaborieren sehen 😂). Und weil's mich nun gerade selber interessiert: 7b/7b+ sind es aktuell ~510 Routen, bei 7c/7c+ nochmals ~225 und bei 8a/8a+ inzwischen doch auch ~65 (die Zahlen sind mit allen zuvor erwähnten Caveats). Zeigt vor allem eines: hier schreibt ein Mann, der viel Herzblut in die Kletterei investiert und die nötige Zeit dafür findet 😎

Montag, 6. November 2023

Wintergarten - Querdenker (7c)

Der Wintergarten ist ein Klettergebiet an den Balmenchöpf im Seeztal. Daniel Benz hat ab 2019 mit der Erschliessung dieser tollen Wand begonnen, auch meine Wenigkeit konnte dabei Unterstützung bieten und einige Routen einrichten. Während der Fokus zuerst und vor allem auf Baseclimbs lag bzw. liegt, ermöglicht die bis zu 100m hohe Wand auch einige kurze MSL-Routen. Kurz heisst aber nicht langweilig: anhaltende Kletterei über 3-4 Seillängen, oft perfekte Bedingungen in der kalten Jahreszeit und die Möglichkeit, den Tag mit dem Klettern von zusätzlichen Routen zu versüssen, machen einen winterlichen Ausflug für Multipitch-Fans auf jeden Fall lohnend. Beim Querdenker (4 SL, 7c) konnte ich bei der ersten RP-Begehung mit von der Partie sein. Die Kletterei begeistert trotz der relativen Kürze mit sehr abwechslungsreichen Moves und einer Qualität, die den Rätikon-Routen in Nichts nachsteht.

Übersicht über die Klettergebiete oberhalb von Heiligkreuz im Seeztal.

Der Zugang vollzieht sich vom normalen Parkplatz für die Katzenbach-Gebiete (555m). Man folgt dem üblichen Zustieg, wählt dann allerdings auf ca. 630m nicht die in der Nähe des Baches bleibende, leicht zu verpassende Abzweigung links hinauf Richtung Katzenbach, sondern folgt dem deutlichen Pfad geradeaus weiter. Dieser erreicht bald eine deutlich ausgeprägte Rippe und führt von dort horizontal weiter. An dieser Stelle gilt es, entlang der Rippe auf deutlichen Wegspuren aufzusteigen, bis man auf ca. 795m den Vorder Spinaweg erreicht. Diesem folgt man bis zur Kehre auf exakt 1000m, wo man ihn verlässt und in den Bachgraben traversiert (nach wenigen Metern erscheint ein Fixseil). Jenseits vom Bach steigt man wenig auf und quert nur leicht ansteigend nach links (S), es hat inzwischen gut sichtbare Spuren. Man erreicht den SE-Sporn auf ca. 1030m und quert von dort die schrofigen SW-Hänge etwas absteigend zum Wintergarten. Wenige Meter nach dem Sporn leiten Fixseile den Weg. Je nach Gehtempo benötigt man ca. 45-60 Minuten für den Zustieg. 

Unvollständiger Blick auf die tolle Wand an den Balmenchöpf, eine bessere Perspektive gibt's aber nur aus der Luft oder von vis-à-vis mit einem Teleobjektiv. Da von unten fotografiert, sehen die oberen Seillängen perspektivisch stark verkürzt aus. Ebenso fehlt auf dem Foto die erste Hälfte der Startlänge. Trotzdem, einen Eindruck von Charakter und Routenverlauf erhält man natürlich auch so.

L1, 30m, 6c, 7a oder 7a+: Für die erste Seillänge bestehen 3 sinnvolle Optionen. Die einfachste ist durch das Bewegungsrätsel (6c) gegeben, eine sehr interessante, technische Seillänge, auf welcher man sich wirklich gut bewegen und den Füssen vertrauen muss, die aber physisch keine sehr hohen Anforderungen stellt. Ähnlich im Charakter, aber mit einer zusätzlich sloprig-herausfordernden Schlusssequenz ist meine Jailbreak (7a) rechts davon. Wir wählten an diesem Tag die deutlich schwierigste Option für L1, nämlich Argus (7a+). Hier geht's schon gleich nach Beginn kräftig über ein Dach, gefolgt von technisch delikater Wandkletterei mit heiklem Ausstieg auf eine sich zurücklegende Zone. Auch der ganze Rest der Seillänge bietet fusstechnisch anspruchsvolle Kletterei, die hier und da etwas an Überwindung fordert, aber einfach genial ist. Vom letzten Zwischenhaken traversiert man dann 2-3m nach rechts zum Umlenker vom Bewegungsrätsel, der ideal für die Fortsetzung platziert ist und den bequemsten Standplatz hergibt.

L2, 30m, 7b: Erneut eine geniale Seillänge mit viel Abwechslung, genialen Moves und hohem Unterhaltungswert. Nach wenigen Auftaktmetern geht's hinein in eine steile Stufe, wo gleich Power und Entschlossenheit an Slopern und Seitgriffen gefragt ist, inklusive einem wackligen Mantle daraus hinaus. Nach dieser Stelle kann ein Camalot 2 ideal platziert werden, zum nächsten BH sind es nochmals 2-3m. Nun folgt vorerst gut gangbare, aber stets fordernde Kletterei im 6c-Bereich, bevor es gegen das Ende hin nochmals deutlich anzieht. Im weissen Streifen heisst es, sich eine gute Sequenz zu überlegen und über die Kraftreserven zu verfügen, um sie erfolgreich auf den Fels zu übertragen. Zum Ende gilt es dann auch noch, ein kühles Gemüt zu bewahren - es kommen dann schon "gute Griffe", aber auch ein kleiner Runout zum Stand und wer vom Pump eingeholt wird, könnte auch da noch abfliegen.

Daniel unterwegs in L2 (7b), auf dem Weg zum erfolgreichen roten Punkt.

L3, 15m, 7c: Eine technische Seillänge von erster Güteklasse, welche die steile Zone geschickt auf einer schwach ausgeprägten Rampe überwindet. Der Fels weist gerade genügend scharfe, kleine Strukturen auf, so dass es zusammen mit der guten Reibung kletterbar ist. Ohne Vertrauen in die Füsse, sorgfältig ausgesuchte Bewegungen und einer Portion Fingerstrom geht es hier definitiv nicht. Ob hier der Rotpunkt im ersten, scharfen Vorstiegs-Angriff tatsächlich gelingen würde war unsicher. Aber wie gewohnt war Daniel auf der Höhe der Sache und stieg souverän durch.

L4, 20m, 6c: Diese Seillänge fällt qualitativ gegenüber dem Rest klar ab. Und wenn man vom Stand hinaufsperbert, könnte man die Schwierigkeiten auch eher im 6a-Bereich vermuten. Doch nach ein paar Auftaktmetern folgt eine knifflige Stufe, die doch mehr verlangt, als es auf den ersten Blick scheint. Sie ist höher als gedacht und was von Weitem nach Henkel aussieht, entpuppt sich als sloprige Kante. Nun gut, das wird einen Anwärter vielleicht zum Nachdenken, aber nicht mehr zum Scheitern bringen. Bald danach wird's einfach und geht hinauf zum Ausstiegsbaum - um den schönen Platz am Top mit einem prima Blick auf den Spina-Kessel, Tschuggen und Gonzen zu erreichen, lohnt sich diese Sequenz unbedingt.

Ein sehr schöner und bequemer Rastplatz wartet am Ende der Route.

Wie erhofft war Daniel eine komplett sturzfreie RP-Begehung geglückt. Eingerichtet und ausgecheckt hatte er die Route mit dem Grigri am fixierten Seil. Doch den Plan dann auch gleich im ersten Vorstiegsversuch umsetzen zu können ist dann eben doch nicht so einfach. Meinereiner hatte ich immerhin alle Moves in freier Kletterei entschlüsseln können. Und noch viel wichtiger: einen tollen Tag beim Klettern verbracht und dabei die Inspiration gefunden, links nebenan eine weitere, etwas einfachere MSL-Route einzurichten. Daniel willigte in dieses Vorhaben ein und so entstand die 4-SL-Sequenz von Jailbreak, Getaway, Hideout und Sanctuary, über welche demnächst in einem separaten Beitrag berichtet wird. Der Abstieg vom Querdenker erfolgt entweder über die Route abseilend (3 Manöver mit einem 80m-Einfachseil, das für diesen Klettergarten nötig ist) oder alternativ und deutlich schneller zu Fuss über den Sporn und die Fixseilpiste zurück zum Einstieg.

Blick aufs Pflästertobel und die Rückseite vom Gonzen - eine spannende Landschaft, wo es noch vieles zu entdecken gibt.

Facts

Balmenchöpf / Wintergarten - Querdenker 7c (7a+ obl.) - 4 SL, 100m - Daniel Benz 2022 - ***;xxxx
Material: 2x40m oder 1x80m-Seil, 12 Express, evtl. Camalot 2

Kurze MSL-Tour für die Wintersaison, die auf den 100m Kletterstrecke trotzdem das volle Programm bietet. Die Kletterei über die ersten 3 SL bietet ideales Training für grössere Unternehmungen, sehr gute Felsqualität und fragt von Fingerkraft über Fusstechnik bis zur Bewegungsvielfalt alles ab. Dass ich nur 3 Sterne vergebe, hat rein mit der Kürze der Route zu tun, wäre die Route 3-4x so lang und stünde im Rätikon, so erhielte sie sicher 4-5 davon. Die Route ist prima mit Inox-BH abgesichert, nach den Massstäben von Daniel sogar sportklettermässig. Das kann ich absolut bestätigen, mit dem Zollstock gemessen sind die Abstände nie weit. Trotzdem kommt aber aufgrund der fusstechnischen Natur auch dem mentalen Aspekt eine entscheidende Komponente zu, an manchen Stellen heisst es eben, sich filigran an den Fels zu schmiegen und nicht einfach der Kraftausdauer vertrauend positive Leisten ohne Ende zuzuballern. Ein Topo und weitere Infos zum Gebiet findet man im SAC-Kletterführer St. Galler Oberland von Thomas Wälti.

Mittwoch, 1. November 2023

Ticino Bouldering Herbst 2023

In meinem Beitrag zur Tis-sa-ack im Val Calnègia hatte ich ja schon angetönt, dass für Larina und mich in den Herbstferien "nur" ein Trip ins Tessin drin lag. Das "nur" ist wirklich sehr despektierlich im Angesicht der unzähligen Klettermöglichkeiten und erst recht der Bouldergebiete, für welche die Leute aus der ganzen Welt anreisen. Da können wir uns wirklich glücklich schätzen, diese Möglichkeit in Kurztrip-Distanz zu haben. Nun wollten wir dies wieder einmal so richtig ausnutzen und ehrlich gesagt, was kann man mehr wollen wie einen solchen Ausflug?!? Vor allem für meine eigene Erinnerung hier ein kurzer Abriss über das Geschehen. Der Informationsgehalt vielleicht für einmal nicht extrem gross, hoffentlich besteht wenigstens ein gewisser Inspirationsgehalt. Wobei, wenn hier vor allem Mehrseillängen-Fans lesen, bin ich da auch nicht zu 100% sicher...

Session 1 - Chironico Boggalagga

Nach Arbeit und Anreise blieb uns bis zum Einbruch der Dunkelheit nur noch ein kurzes Zeitfenster für eine Session. Was ja aber zum Glück beim Bouldern gut ausreicht, um auf die Kosten zu kommen. Aber Parkplatznähe sowie einige interessante Probleme nahe beieinander waren dann doch gewünschte Attribute. Da wir ja irgendwie doch eher ausdauernde Kletterer als schnellkräftige Boulderer sind, nehmen mir auch immer gerne Traversen in Angriff. Hier zuerst mit der Blue Trav's (6C+). Die gelang uns ziemlich schnell, somit zogen wir weiter an den Block mit der Royal Traverse (7A/+). Nachdem wir die einfacheren Möglichkeiten an diesem Block erledigt hatten, widmeten wir uns dieser Herausforderung. Das war aber eine zähe Sache, massiv härter wie die Blue Trav's und wir konnten leider keinen Durchstieg verbuchen.

Geklettert: 🔴Blue Trav's (6C+), ⚡Masso 4.1 (6A+), ⚡Masso 4.2 (6B), ⚡Masso 4.3 (6A+), 🔴Golden Goal (6B), ⚡Malus (6B)

Probiert: ❌Giandollaro (6C+, Marcel), ❌Royal (7A), ❌Pirus (6C+)

Kurzer Augenschein in Giandollaro (6C+): cool aber hoch und scary, braucht mehr Matten und einen Erwachsenen als Spotter.

Session 2 - Chironico Rah Plats Plats

Nach einer Nacht im Hotel Octavia waren wir früh vor Ort und wollten von Grumo aus eines der etwas mehr Aufwand erfordernden Gebiete besuchen. Wobei man zum Sektor Rah Plats Plats auch nicht mehr wie 15-20 Minuten zu laufen hat. Wir klapperten erst einmal alle Boulder im Sektor ab, um uns die Projekte für den Tag zu definieren. So war es dann nach dem Aufwärmen der Block mit dem bekannten Number One aka Sloper Attack (7A), wo wir uns niederliessen. Erst einmal widmeten wir uns jedoch der athletisch-dachartigen Traverse Professor Bambèla (7A) mit ihrem kniffligen um-die-Ecke-Mantle ganz am Ende, um am linken Rand auf die Platte auszusteigen. Die gelang uns beide mehr oder weniger rasch. Larina war dann auch im genialen Number One recht zügig erfolgreich. Ich tüftelte da viel länger, schaffte es von 'two moves in', aber der Gesamtdurchstieg blieb schliesslich verwehrt - für diese Sloper müssen kühlere Temperaturen her, war das Fazit. Schon etwas angezählt kletterten wir noch diverse einfachere Boulder und beschlossen dann reichlich platt am Ende des Tages, am Folgetag mit einer MSL wieder etwas zu Kräften kommen zu wollen.

Geklettert: ⚡Durabase (6A), 🔴Eyorjoi (6B), ⚡Ölwechsel (6A), ⚡Fast Food (6A), 🔴Professor Bambèla (7A), 🔴Number One (7A, Larina), 🔴Petit Beurre (6C, Marcel), ⚡Cordon Rouge (6A+), ⚡Dinastia Minch (6A+), 🔴Grande Minch (6C)

Probiert: ❌Number One (7A, Marcel), ❌Petit Beurre (6C, Larina)

Das ist nur das Warm-Up: Eyorjoi (6B)
Hotel Octavia (mit integrierter Frühstücksbar)

Session 3 - Val Bavona Picaduro

Auch an diesem Tag ging es an die Blöcke. Doch in diesem Fall sind diese so hoch, dass eine Matte nicht ausreicht und man zwingend ans Seil muss - wobei es auch coole, jedoch noch weitgehend unerschlossene Bouldermöglichkeiten gäbe. Bei unserer Fahrt ins Val Bavona waren wir uns noch nicht sicher, welchem der vielen kürzlich erschlossenen Sektoren wir an diesem Tag den Vorzug geben würden. Die hausgrossen Picaduro-Blöcke liegen jedoch direkt an der Strasse, so dass ein Augenschein ohne Zusatzaufwand möglich war. Der herausfordernden Linien warten da noch viele und so blieben wir dann auch gleich vor Ort. Einmal aufgewärmt, probierten wir es mit der Route mit dem vielversprechenden Namen La legge del dolore. Im Topo steht noch NL (=non liberata, d.h. nicht freigeklettert), wir schafften jedoch beide den Durchstieg und schlagen mal den Grad 7b+ vor. Nach einem einfacheren Auftakt wird es am Ende wirklich sehr, sehr kleingriffig, bevor man sich dynamisch an eine Henkelschuppe rettet. Als nächste Linie nahmen wir die Nouvelle vague (8a) vor. Da war der spannende Fakt vor allem, dass die Moves in der Crux verblüffend ähnlich zum Pièce de Résistance in Larinas Finalroute an der kürzlichen Lead-SM waren. Der Schrauber musste wohl zuvor genau hier geklettert sein, war unser Fazit. Nach einigem Austüfteln hatten wir zwar eine funktionierende Sequenz beisammen, die langsam einsetzende Dunkelheit trieb uns aber zur Eile an und es blieb uns nur je ein einziger Durchstiegs-Shot. Dieser liess sich zwar gut an, doch fehlte uns beiden ein Mü, um uns über die knifflige Traverse nach links hinüber an besseres Griffmaterial zu retten - Grund genug, um bald wieder dahin zurückzukommen.

Geklettert: 🔴La legge del dolore (7b+)

Probiert: ❌Nouvelle vague (8a)

Spielerei beim Ausbouldern: auch in einer 8a können rustikale Techniken zum Einsatz gebracht werden... im Durchstieg wurde dieser Rastpunkt jedoch nicht umgesetzt. Er ist nicht wirklich nötig bzw. vorteilhaft, da es bis dahin nicht allzu schwierig ist und der Aufwand sich in der Ecke zu platzieren eher grösser wie der Nutzen daraus.

Session 4 - Brione Brionesque/Amber

Aus einer Sichtweise hätte es durchaus seine Logik gehabt, das offene Projekt im Val Bavona gleich noch zu bereinigen, da wir ja schon (bzw. noch) in der Nähe waren. Aber einerseits hatten wir uns schon lange geeinigt, am Ende noch 2 Tage in Brione zu bouldern. Vor allem aber obsiegte die jugendliche Logik von "irgendwann komme ich schon dahin zurück" und "dann bin ich eh noch stärker als heute und kann einfacher senden" - da waren des Vaters Torschlusspanik-Gedanken ob er es nochmals dahin schaffte während er noch stark genug sei kein Argument dagegen. Nun denn, wir kurvten ins Verzascatal und machten uns auf in Richtung Molonk, wobei uns dann die ersten Blöcke an welchen wir vorbeiliefen schon so überzeugten, dass wir die Matten erst mal abwarfen und mit dem Bouldern begannen. Vertieft ins Tun kamen wir dann auch nicht mehr weiter, es war schlicht und einfach nicht nötig. Nachdem uns mit dem Fragola matta (6C+) schon beim verschärften Aufwärmen ein ziemlich hoch bewerteter Boulder gelungen war, versuchten wir uns beim extrem tüfteligen Australian Open (7B+). Der ist sehr kurz und übersichtlich, dennoch sind unzählige Detaillösungen denkbar. Wir puzzelten und puzzelten, für Larina passten die Teile dann schliesslich und der Durchstieg sah bemerkenswert einfach aus (siehe Video). Mir blieb dieser jedoch verwehrt. Nahezu jede erdenkliche Lösung ging beinahe, aber eben nur beinahe. So fehlte es ein wenig an Beweglichkeit, anders gerade an der entscheidenden Reichweite und bei der x-ten Lösung war es ein Jota zu wenig an Stützkraft, et cetera. Doch irgendwo musste sich der entscheidende Kniff verstecken, der es möglich machte... Klein beigegeben habe ich schliesslich, als meine Handflächen vom vielen Stützen einfach zu schmerzhaft waren. So verschoben wir uns an den steil-athletischen Oblivion-Block. In seinem zentralen Teil bietet der 2 verschiedene Starts mit je 3 möglichen Exits, was alles in allem 6 verschiedene Boulder ergibt. Mir lag der eine, schwierige Sitzstart sehr gut, so konnte ich tatsächlich noch am selben Tag wie Larina auch erstmals eine 7B+ ziehen. Mit dem Fazit, dass wir langsam ans Buchen des Ticket fürs Yosemite Valley denken können (denn wenn wir da sind, so gehört neben dem Send von Freerider (~30 SL, 7c+) am El Cap ein Durchstieg von Midnight Lightning (V8 / 7B+) am Columbia Boulder im Camp IV zum Pflichtprogramm) machten wir uns im letzten Licht zurück zum Basecamp.

Geklettert: ⚡Masso 01b.4 (4+), ⚡Masso 01b.5 (5), 🔴Arpia (6B), 🔴Fragola matta (6C+), 🔴Australian Open (7B+, Larina), ⚡Learn to park (6B+), 🔴Winter Classic Stand (6C), 🔴Winter Classic (7B, Marcel), 🔴Brahama (7B+, Marcel)

Probiert: ❌Oblivion (7A), ❌Australian Open (7B+, Marcel), ❌Winter Classic (7B, Larina)

In Arpia (6B) muss man sich schon recht gut festhalten.
Unser Power Crag Food: Apfel-Cookie-Mandel-Joghurt-Müesli

Session 5 - Brione Brionesque/Amber

Wenig innovativ zogen wir nochmals in denselben Sektor wie am Vortag. Woran das liegt, mag der Leser schon ahnen. Einerseits waren gewisse Pendenzen ja unerledigt geblieben, andererseits hatten wir noch weitere, interessante Linien in diesem Sektor erblickt. Aufgewärmt wurde an den Massi 06 und 07, wobei wir am ersteren Block die für uns logische Gesamttraverse kletterten, d.h. den bestehenden Boulder Bocca Rosa (6A) zur Bocca Totale (6A+) erweiterten. In unserem Rücken gelang dann mit El Lasagna (6C+) schon ein schöner Erfolg, worauf wir uns (nach einem meinerseits kurzen jedoch erfolglosen Abstecher zum Australian Open (7B+)) den unerledigten Kombis am Oblivion-Block widmeten. Als die roten Punkte eingetütet waren, zogen wir weiter zum Masso 12, wo die restliche Zeit, Haut und Kraft verpulvert wurde. Während uns Crimpbergen (6B) eher schwer fiel, so konnten wir dafür beide Polenta e Merluzz (7A+) flashen und die persönliche Bestleistung in diesem Stil anheben. Doch der Block bot noch mehr als uns das Topo versprach. Die Sloper-Traverse von links her in den Ausstieg von Crimpbergen bot eine fantastische, ausdauernde Challenge ganz nach unserem Gusto! Wir mussten doch einige Zeit herumpröbeln und dann einige Durchstiegsversuche geben, bis die Sequenz optimiert war und der Strom dann auch für die kniffligen Moves um die letzte Ecke reichte. Da diese Linie im Topo nicht gelistet ist und es auch überhaupt keine Kletterspuren gab, war das vermutlich ein First Ascent. Wir würden ihn Südkurve nennen, er checkt wohl irgendwo im Bereich 6C-7A ein, bzw. wenn wir uns konkret festlegen müssen, dann bei 6C+. Das war es dann, einerseits wurden wir daheim zu fixer Zeit erwartet, andererseits war die Tankanzeige bei Haut und Kraft auf dem Stand von null angelangt, so dass wir die Segel strichen und uns mit wohliger Müdigkeit und grosser Zufriedenheit auf den Heimweg machten.

Geklettert: ⚡Gost shot (4+), ⚡Hhey fill (6A), 🔴Bocca totale (6A+), ⚡Moogie (6A+), ⚡La trav (5+), ⚡Uela lì (6A+), 🔴El Lasagna (6C+, Marcel), 🔴Oblivion (7A), 🔴Light Blue (7A+, Marcel), ⚡Polenta e Merluzz (7A+), 🔴Crimpbergen (6B), ⚡Stuzzichino (6A), 🔴Südkurve (6C+)

Probiert: ❌Australian Open (7B+, Marcel), ❌El Lasagna (6C+, Larina)

Larina beim Flash von Polenta e Merluzz (7A+)
Larina kurz nach dem Sitzstart in die Südkurve (6C+), der sich sehr logisch links aussen vollzieht. Man quert dann ausdauernd der sloprigen Kante entlang nach rechts, wobei sich die Durchstiegscrux an der Ecke des Boulders in Bildmitte befindet, wo man sich in die Crux des schon existierenden Boulders Crimpbergen (6B,  Sitzstart von der roten Matte) etablieren muss. Über diesen steigt man dann auf den Block aus.
Nochmals Larina in der Slopertraverse der Südkurve (6C+).
Time to go home...