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Donnerstag, 11. April 2024

Plagne - The Wall (6b+) & Stankill (7a)

Wird Klettern denn eigentlich nie langweilig? Diese Frage wird mir von Aussenstehenden oft gestellt. Die Antwort lautet selbstverständlich "nein" und erschliesst sich mit Blick auf das Programm über die Ostertage 2024 von selbst. Dessen Auftakt bestand aus einer Limit-Onsight-Session mit Larina in der Halle - bis zum letzten Hemd alles geben, bis der Umlenker geklippt ist, immer wieder eine coole Erfahrung. Am nächsten Tag knobelten wir gemeinsam an den Bouldern vom Swiss Cup der U18 und Elite-Kategorien in Sursee - puh, schwere Sache, aber ein paar Strichlein gab's doch auf's (gedachte) Laufblatt. Tag drei bestand dann aus der hier beschriebenen Klettersafari an den Wänden von Plagne, welche schon für sich alleine eine höchst abwechslungsreiches Potpourri definiert. Und zum Dessert gab's dann noch Sportklettersessions in der Gorges du Court, in Le Paradis und im Sektor Vachkiri von Plagne - zwar immer die dieselbe Disziplin, aber ganz andere Locations und Kletterei: da wir es einem nie fad.

Blick auf das Face de Plagne am linken Bildrand, mittig weitere Sektoren. Im Hintergrund die Stadt Biel.

Nun, es war das Osterwetter mit viel Regen im Süden und Föhnsturm in den Alpen, welches uns in diese Ecke der Schweiz verschlagen hatte. Das umfangreiche Gebiet von Plagne hatte ich bisher nämlich nur ein einziges Mal besucht und dieser Besuch liegt auch schon an die 20 Jahre zurück. Mit dieser Unterfrequentierung scheine ich aber nicht alleine zu sein: trotz optimaler Bedingungen zum Sportklettern wie auch für durchaus interessante MSL sichteten wir an 2 Tagen vor Ort gerade mal eine einzige, andere Seilschaft - uns war es natürlich recht so. So starteten wir um 10.45 Uhr beim Sportplatz in Plagne. Für den rund 30-minütigen Marsch zum Top der Leitern ("Les Echelles") wäre das Bike ein Zeitgewinn. Wie viel davon ob dem Overhead übrig bleibt ist ein wenig fraglich, wir hatten darauf verzichtet - und bereuten diesen Entscheid beim gefühlt ewigen Gwaggel über das flache Plateau. Beim Grillplatz am oberen Ende der Echelles schirrten wir uns auf und nahmen dann den Steig mit seinen Versicherungen und den vier Leitern, um zum Einstieg zu gelangen. Dieser befindet sich +/- am tiefsten Punkt der Wand und ist angeschrieben. Um 11.35 Uhr legten wir los.

Abstieg über die Leitern ('Les Echelles'). Alles gut versichert, geht zügig und schnell.
Wenn man einige Abzweigungen richtig wählt, dann steht man schlussendlich an dieser Stelle.

The Wall (6b+) 

4 SL, 120m - Boris Girardin, 1996 - ***; L1/L2 xxxxx, L3/L4 xxxx
Material: 1x35m-Seil, 12 Express

L1, 30m, 6b: Los geht's gutgriffig einfach, gefolgt von einer Traverse in nicht so perfektem Fels zur vom Einstieg sich markant präsentierenden Verschneidung. Diese erfordert etwas Gymnastik, löst sich aber ohne grössere Schwierigkeiten auf. Nachdem man auf ein blumiges Bödeli ausgestiegen ist, fordert die steil-kleingriffige Wand danach mit der Crux - trotz an sich guter Absicherung ist man da nicht vor einem Sturz auf den Absatz darunter gefeit. Zuletzt noch eine Rechtsquerung zum Stand, dann ist die Sache im Kasten.

Los geht's mit L1 (6b) von The Wall, welche in die Rissverschneidung am rechten Bildrand führt.

L2, 30m, 6a+: Steil gleich geht's los, die logisch-einfachste Linie führt an der Kante rechts draussen in die Höhe, wobei einen die Absicherung lockt, die Wand direkt ob dem Stand zu klettern. Das geht - bei höheren Schwierigkeiten allerdings, dafür wird man mit schöneren Moves entschädigt. Sowieso, nach ein paar Metern muss man obligatorisch mal links in die Wand halten, bevor es dann definitiv wieder nach rechts in eine steile Verschneidung geht. Spezieller Fels da, so müeslimässig halb gebacken, aber es ist dann eigentlich doch alles solide. Zuletzt ein etwas einfacherer Ausstieg in etwas botanisch-lottriges Gelände.

Steiler Auftakt in L2 (6a+) von The Wall.

L3, 30m, 6b+: Für mich die schönste Seillänge der Route. Sie spielt sich in der plattig-glatten Wand auf der NW-Seite des Pfeilers ab (bleibt lange im Schatten!). Die Wand ist aber von diversen Rissspuren durchzogen, welche sich gutgriffig präsentieren und so bei der Fortbewegung helfen. Trotzdem, immer wieder muss man sich überlegen, wie man nun die nächste Passage meistert. Das hat auch damit zu tun, dass die Absicherung längst nicht mehr so komfortabel wie auf den ersten beiden Längen ist. Hier muss man doch über die Bolts steigen, die Hauptschwierigkeiten sind nahezu zwingend.

Kräftig-weiter Zug von einer zur nächsten Rissspur in der Cruxlänge L3 (6b+) von The Wall.

L4, 30m, 6b: Auch hier bleibt man auf der NW-Seite der sich nun aufsteilenden Wand. Dafür sind die Strukturen etwas üppiger ausgefallen. Schon bald einmal heisst es entschlossen Guzzi geben mit einem weiten Move von mässigen Tritten - die markante Crux. So erreicht man einen Pfeiler, welcher zwar einfach aussieht, dann aber doch einiges an Links und Rechts verlangt und forderndere Moves verlangt, wie man sich gedacht hätte.

Wer die Kletterei in einem schönen, unberührten Tal wähnt, liegt definitiv falsch!

Um 13.20 Uhr waren wir nach 1:45h der Kletterei am Ausstieg von The Wall. Um zum Depot beim Abstieg von Les Echelles zu kommen, heisst es erst noch etwas durch den steilen Wald aufzusteigen (Achtung, keine Steine runterlassen, da liegen doch etliche Bomben herum!) und am Ende auf einer Pfadspur nach links zu traversieren. Nach einem Riegel und etwas Getränk machten wir uns umgehend wieder an den Abstieg, da wir noch weitere Routen klettern wollten.

Gamelle Trophy (7a)  

1 SL, 20m - B. Girardin & S. Probst, 1995 - ***; xxxxx
Material: 1x40m-Seil, war mit fixen Exen ausgestattet

An dieser sehr unorthodoxen Route läuft man beim Zustieg zu The Wall (und den anderen Sektoren in diesem Bereich) direkt vorbei. Schon gleich zu Beginn hatte sie uns gereizt, da hatten wir sie in weiser Voraussicht aber noch auf die zweite Runde verschoben. Absolut zurecht, ohne gut aufgewärmt zu sein, würde man sich da bestimmt gleich einen terminalen Pump holen. Sehr ungewöhnlich ist die Route, weil sie wenige Meter über dem Boden für ca. 20m nach rechts traversiert. Die Wand ist mir Ausnahme von zwei im Abstand von ca. 1m verlaufenden, horizontalen Rails ziemlich glatt und strukturlos. Die Kletterei ist an sich schon anstrengend, zusätzlich gibt's noch unzählige Beta-Optionen, so dass grundsätzlich schon viel Kraft und Ausdauer nötig ist. Leider war's oft etwas staubig, was mich kurz vor Schluss schliesslich den Onsight kostete. Im zweiten Go ging's dann bis auf ein kurzes Beta-Gehedder solide.

Cooles Testpiece, die pumpige Traverse der Gamelle Trophy direkt am Zustiegsweg.

Constellation (6b+)

3 SL, 50m - Boris Girardin, 2010 - **;xxxxx
Material: 1x30m-Seil, 10 Express

Nachdem uns die Gamelle Trophy doch einige Körner und für die 2x2 Go's insgesamt fast zwei volle Zeigerumdrehungen genommen hatte, machten wir uns um 15.45 Uhr daran, wieder mehr nach oben und damit zu Ausstieg und Depot zu klettern. Noch blieben uns gute 3 Stunden an Tageslicht übrig, somit entschieden wir uns die Route Stankill am Grand Face via zwei Seillängen am Vorbau im Sektor L'Aiguille zu erreichen. Es bestehen mehrere Optionen, laut Topo und Eindruck vom Wandfuss fiel die Wahl auf die Constellation.

L1, 20m, 6a: Der Einstieg direkt am Pfad kurz vor der Kante ist angeschrieben und problemlos aufzufinden. Die Kletterei in dieser Seillänge ist doch ordentlich steil und für eine 6a gehörig fordernd. Natürlich kein unüberwindbares Hindernis, aber gerade entlang der Kante muss man seine grauen Zellen schon in Betrieb setzen.

Im Jam-Riss (kaum wahrnehmbar) von L2 (6b+) der Constellation an der Aiguille.

L2 & Ausstieg, 30m, 6b+: Nach einem griffigen Wandkletter-Auftakt ist das Main Feature ein wunderbarer Splitter-Handcrack, der mit einigen Jams zu bewältigen ist. Wer diese Technik halbwegs beherrscht, darf sich auf eine relativ gutmütig bewertete Seillänge einstellen. Zudem ist die ganze Route auch eng mit BH abgesichert. Man erreicht schliesslich einen Umlenker, von wo man wieder zurück auf den Boden gelangen könnte und nimmt wahr, dass man tatsächlich an einer relativen fragilen Nadel geklettert ist (was von unten so nicht sichtbar ist). Unser Weg führte aber direkt weiter hinauf zum Band am Fusse vom Grand Face. Dieser erdig-steile und etwas geröllbedeckte Teil ist mit einer fixen Kette ausgerüstet, welche man gerne zu Hilfe nimmt.

Stankill (7a)

6 SL, 150m - Boris Girardin, 2001 - ***;xxxx
Material: 1x35m-Seil, 12 Express

Der nächste Programmpunkt bestand in der Traverse über das Band nach rechts am Fusse der steilen, dolomitisch-brüchigen Grand Face - eindrückliches Gelände. Erst quasi ein Spazierweg, so wird es gegen das Ende eng und man nimmt gerne die Drahtseile zu Hilfe. Der Einstieg zu unserer angepeilten Route Stankill befindet sich (noch schwach lesbar angeschrieben) etwas rechts oben im exponierten Schrofengelände. Um 16.35 Uhr fiel der Startschuss in diese Route - mit dem Bewusstsein, dass nun doch ziemlich auf die Tube gedrückt sein müsste, um den Ausstieg noch bei Tageslicht zu erreichen.

Die Traverse über das Band am Fusse des Grand Face de Plagne.

L1, 20m, 6a+: Zumindest in dieser Seillänge war das mit dem Gas geben allerdings nicht so einfach umzusetzen. Der tiefe Schwierigkeitsgrad täuscht, ist die Kletterei doch gehörig steil-athletisch und auch etwas kompliziert. Der klötzlimässige Fels mutet beinahe wie an den Zinnen an - schlussendlich ist doch fast alles solide, aber mit etwas Umsicht zu klettern schadet hier definitiv nicht.

Stankill L1 - nüme nüüt für eine 6a+!

L2, 20m, 6c: Hier gibt's mehrere BH-Linien auf engem Raum, die Wahl der richtigen Strecke ist nicht trivial. Das zur Stankill gehörige Set verläuft zuerst gesucht-gerade durch eine plattige Zone, welche direkt geklettert sauschwierig wäre. Der Konjunktiv bezieht sich darauf, dass man auch rechts im einfachen Gelände der 5c klettern kann bzw. laut Topo soll, die Bolts kann man trotzdem klippen. Und die 6c kriegt man auch so noch (mehr als) geboten. Oben am Steilwulst heisst es nach links hinaus zu traversieren. Ein heftiger, athletischer Boulder wartet da - mit der 7b-Brechstange konnte ich onsight passieren und den kurzen Rési-Teil zum Stand durchziehen... puh! Vorsicht, kurz vor dem Stand im Ausstieg aus der athletischen Sektion lockt eine gutgriffige 1m2-Schuppe, die schlecht verwachsen ist und sehr dubios tönt. Diese aus der Wand zu reissen wäre wohl das Ende...

Etwas Rési beim Ausstieg aus der Crux von L2 (6c), im Bild ob der Exe die gut zu erahnen ist die gefährliche, schlecht verwachsene Schuppe, die am besten gar nicht oder wenn dann nur sehr pfleglich angefasst wird.

L3, 25m, 6b+: Die Challenge besteht hier darin, auf der Stankill zu bleiben. Zuerst nach links zu traversieren ist laut Topo und vor Ort klar. Die logische Linie hinauf ist dann allerdings die Pour le Plaisir. Für die Stankill muss man tief bleiben und ca. 15m horizontal queren. Die BH sind nicht gut sichtbar, aber es hat eigentlich ziemlich viele davon. Dass wir uns hier zuerst verkoffert haben, liegt auch daran, dass die Traverse in wenig attraktiv scheinenden, dunkel-splittrigen Fels führt. Kein Gelände, wo es einen magisch hinzieht - wenngleich die Kletterei für solche, die mit 1b- oder 1c-Fels entsprechend umzugehen wissen, schlussendlich doch noch ganz cool ist. Für 6b+ fand ich es bockhart - ist es aber vermutlich auch schnell einmal, wenn man nur die soliden Strukturen nutzt und besseres, aber ausbruchgefährdetes Material ignoriert.

Wildes Gelände und eine lange Linkstraverse in L3 (6b+) der Stankill.

Bis wir an Stand 3 vereint waren, war die Uhr schon auf 18.05 vorgerückt. Mit rund einer Dreiviertelstunde Tageslicht konnten wir noch rechnen. Somit schien es (zu) ambitioniert, die noch verbleibenden drei Seillängen der Stankill (6c, 7a, 6a) in freier Kletterei zu bewältigen. Der vernünftige Alternativplan bestand darin, die beiden Ausstiegslängen von Pour le Plaisir zu klettern, welche auf dem Standband unmittelbar rechts beginnen.

L4, 30m, 6a+ (Pour le Plaisir): Aber holla du, eine 6a+ wie man sie auch an den Wendenstöcken finden könnte! Die Kletterei ist steil, athletisch, pumpig und einfach so richtig fordernd. Wenn auch gut abgesichert, so hilft wiederholt doch nur der mutige Schritt nach vorne. Da musste ich doch ein paar strategische Schüttelpausen einlegen und dann die Backen zusammenkneifen und hopp - nicht unbedingt das, was man in diesem Grad erwarten würde! Der Ausstieg dann mit einem athletischen Boulder nach rechts auf eine glatte Platte, zu speziellem Stand mit Anlehn-Baum. PS: das Hakenmaterial auf dieser Länge kann man nicht mehr als taufrisch bezeichnen.

Eines ist sicher, ein gigantischer Aufwand und Tausende von BH sind in die Erschliessung des Gebiets von Plagne geflossen. Noch ist alles gut machbar, aber wie mir schien, ist der Unterhalt dieses doch aufwändigen Gebiets für die Zukunft (wenn es der Erschliesser nicht mehr tun kann/will) nicht wirklich gesichert. Kommt noch hinzu, dass eigentlich durchgehend verzinktes Material steckt, bisweilen (wie hier) in der ungünstigen Kombi mit einer rostfreien Lasche.

L5, 30m, 6b (Pour le Plaisir): Die Anzeichen von fortschreitender Dämmerung waren inzwischen deutlich wahrnehmbar. Das konnte ja heiter werden, liess die Bewertung ein noch heftigeres Gerät erwarten. Dies trafen wir im Gelände jedoch nicht so an: es wartet nur eine kurze Crux an einem Überhängli mit Piaz-Ausstieg, die ich für 6b und gerade im Vergleich zu den anderen Längen ziemlich billig fand. Bald einmal steht man dann im steilen Schrofengelände, wo es noch ziemlich weit bis aufs Plateau hinauf und Stand an Baum gestiegen werden muss.

Kurz vor Schluss in L5 (6b)

Um 19.05 Uhr hatten wir es schliesslich im letzten Tageslicht geschafft und konnten das Seil aufrollen. Ein Stück weit ging's hinüber zum Depot, wo wir unsere Sachen auflasen und uns an den halbstündigen Rückmarsch über das Plateau machten. Ohne grosses Erstaunen nahmen wir zu Kenntnis, dass unser Automobil als letztes dastand. Die wenigen anderen Kletterer (wir hatten den ganzen Tag über nur 1 andere Seilschaft gesichtet) hatten den Heimweg schon früher angetreten. Wir taten es ihnen gleich und waren uns einig, dass dies ein hervorragender und mit 13 gekletterten Seillängen auch ergiebiger MSL-Tag war. Auch wenn's in Plagne auf dem Topo auf den ersten Blick vielleicht mehr nach einem Klettergarten aussieht, wo man vereinzelt mehrere Seillängen am Stück klettern kann, so entpuppte sich die Sache doch anders: steil, luftig, eindrücklich und fordernd, das sind in etwa die Attribute. Natürlich sind die Wände nicht Hunderte von Metern hoch, aber auf die Kosten kommt der MSL-Fan da durchaus. 

Epilog

Während es für Viktor nach Hause ging, waren die Ostertage für mich klettermässig noch nicht abgeschlossen und die Entdeckungsreise im Bieler Jura fand ihre Fortsetzung. Am Folgetag in der Gorges du Court: wir widmeten uns der Sportkletterei in den ostseitig ausgerichteten Wänden. Die höchste davon ist die Paroi des Romains, wo man ebenfalls einige kurze MSL findet, die wir als Alternativziel zu Plagne diskutiert hatten. "For the fun of it" und für einen Einblick gönnte ich mir mit Jerome den freihängenden 70m-Abseiler über dieses steile Gemäuer. Und ja, auch da findet man ganz bestimmt den Nervenkitzel und die Luft unter den Sohlen, die man sich auf einer MSL wünscht... 

Freihängender Mega-Abseiler über die Paroi des Romains.

Mittwoch, 3. April 2024

Skitour Firzstock (1923m): die Gunst der Stunde genutzt!

Am Sonntagmorgen gab es ein überraschendes Erwachen. Nach einem erneut sehr milden Winter war es Ende März tatsächlich nochmals weiss vor der Haustür. Tagsüber blieb es kalt, trüb und es folgten weitere Schneeschauer – naja, für einmal verschmerzbar, die Efforts vom Zigerschwitz forderten sowieso ihren Tribut. Zeit also, um Arbeit zu erledigen und sich so Zeitfenster für zukünftige Ausflüge bei besseren Bedingungen zu erschaffen. Denn die standen schon vor der Tür, war doch der Montag sehr sonnig angesagt.

Der Gipfelhang am Firzstock vorne, hinten das Massiv vom Mürtschenstock.

Mir war es vergönnt, über die Mittagszeit ein freies Zeitfenster organisieren zu können. Allzu weit würde ich damit nicht kommen, aber für den Firzstock sollte es gerade reichen. Dass der untere Teil der Tour vor den neusten Schneefällen bereits aper war, hatte ich bei meinen Sessions auf der Galerie mit eigenen Augen gesehen. Aber der famose Gipfelhang war noch eingeschneit, zusammen mit dem Neuschnee hoffte ich auf einen lohnenden Mix. Die (Neu)schneekarten nährten meine Zuversicht, aber nichtsdestotrotz, es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang. 

Unten ist schon Frühling, in der Mitte kehrt er rasch zurück, aber oben hat's noch Schnee!

Schon bevor ich den üblichen Ausgangspunkt zur Tour in den Hüttenbergen erreicht hatte, waren die Wiesen weiss – zum Skifahren (noch zu) knapp, allerdings. Die Option Schneetaxi machte sich wieder einmal bezahlt: mit E-Unterstützung (und entsprechendem Fahrkönnen) ging’s bis nach Altstafel (1223m) – aufsteigend mit den Fellen loslegen hätte man wohl bereits bei der Brücke P.1060 können, eine Abfahrt dahin auf dem Rückweg wäre jedoch nicht drin gewesen. Ab Altstafel war es in dieser Hinsicht besser, nur waren die ersten 200hm in Sachen Stollenbildung zum Verzweifeln: an sonniger Exposition unter den Bäumen war es schon pflotschig-feucht, während im Schatten noch eiskalter Powder lag. Dementsprechend anhänglich war der Schnee, durchbeissen bis zum P.1433 war aber die beste Option. Ab da ging es vom Alpweg ins freie Gelände, Zeit für einen Fellwechsel, damit war die Mühsal vorbei.

Wechselzone Bike/Ski, bei Altstafel (1223m), mit einer coolen Anfahrt bis dahin.

Der Rest vom Aufstieg war dann trotz der Spurarbeit purer Genuss: angenehme Bedingungen, super Ambiente und die Aussicht auf eine geniale Abfahrt. Einzig auf dem windexponierten Gipfeldach lag in Gratnähe teils nur eine ganz dünne Pulverauflage auf einer blankgefegten, pickelharten Regenkruste, was mich zu etwas flacherem Gehen und einigen Extra-Spitzkehren zwang. Aber schliesslich war das Top erreicht. Der Blick auf die Uhr verriet, dass zwar noch eine Pause drin lag, die Zeit für Extravaganzen (d.h. einer angedachten Doppelbefahrung der Gipfelpartie) aber nicht mehr vorhanden war – da hatten Stollen, Fellwechsel, Spuren und die Extra-Spitzkehren zu viel Aufstiegszeit gefordert.

Blick zu Walensee, Churfirsten und Alvierkette.

Aber anyway, die Nicht-Wiederholbarkeit einer Tourenabfahrt gibt dem Ganzen ja auch etwas einzigartig-einmaliges, das einen die Sache umso mehr geniessen lässt. Schon im Aufstieg hatte ich die Ideallinie mit einer soliden Pulverauflage identifiziert und die wurde dann zu 100% wie geplant in die Tat umgesetzt – einfach absolut geniales März-Skiing, das Privileg diesen Megahang als Erster befahren zu können, ist ja eh unschlagbar. Bis auf etwa 1350m hinunter gab es Unterlage und damit Top-Conditions. Aber dann war schlagartig fertig, die letzten 50hm zur Alpstrasse erforderten dann sehr defensive Herangehensweise. Aber es ging mit den Ski, ebenso wie die Alpstrasse zurück zum Altstafel, wo sich schon die ersten aperen Lücken aufgetan hatten. 

Fantastische Verhältnisse am Gipfelhang, und das Ende März auf nur 1900m!

Absolut richtig war der Entscheid gewesen, mit dem Bike dahin zu fahren, runter zur Brücke P.1060 wäre es inzwischen ein ständiger Wechsel zwischen Fahren und Gehen gewesen. Mit dem Bike runterzufetzen war ein grosser Spass und erlaubte eine zügige Rückkehr zum Ausgangspunkt – wo flugs die Ware eingepackt wurde, denn mein Freizeitfenster näherte sich schon dem Ende zu. Daheim blieb gerade noch Zeit, um mich frisch zu machen sowie ein kühles Getränk und ein Zmittagplättli bereitzumachen, bevor das erste Meeting bestritten werden wollte.

Donnerstag, 28. März 2024

Zigerschwitz 2024

Absolut genial war die erste Ausgabe vom Zigerschwitz im Vorjahr 2023 gewesen, mein Blog schwärmt in den höchsten Tönen. Wenig erstaunlich somit, dass ich mir den Termin für die diesjährige Durchführung in der Agenda gerne dick angestrichen hatte – komme was wolle. Doch sogar das Wetter zeigte sich kooperativ, ein trüber Tag mit Wind, Regen und tiefen Temperaturen lockte definitiv nicht zu einer Outdoor-Session. In den Tagen und Wochen zuvor war dies zum Glück oft anders gewesen. Deswegen war ich schon seit einer geraumen Weile nicht mehr am Plastik aktiv, was ja aber nicht heisst, deswegen nicht in Form zu sein…

Mit 100% Effort und Spannung am Werk, so soll es sein!

Die Teenies waren an diesem Samstag selbständig bei ihren Aktivitäten unterwegs. Somit konnte ich am Vormittag daheim (in weiser Voraussicht) noch einen Schübel an Arbeit erledigen, bevor ich in Begleitung von Kathrin nach Näfels in die GLKB-Boulderhalle aufbrach. Nach einem seriösen Warm-Up waren wir zum Startschuss um 13.00 Uhr parat. Ein sehr ausgewogenes Menü von 41 Bouldern in perfekt abgestufter Schwierigkeit galt es während einer Qualiperiode von 4.5 Stunden zu bewältigen. Erstmal mit den einfacheren Bouldern in Schwung kommen und einen guten Grundstock legen, so lautete meine Devise. Doch die ersten 1.5 Stunden fielen mir eher schwer: auch was einfach aussah, fühlte sich irgendwie streng an. Ob es an mir, bzw. der fehlenden Hallenroutine lag, oder ob die Probleme doch schwieriger waren wie sie optisch aussahen, bleibe mal dahingestellt.

The griffels of yours truly...

Später fühlte ich mich dann besser im Schuss und die Kräfte blieben bis ganz zum Ende der Quali erhalten. So ging sich Top um Top aus. Insbesondere konnte ich alle Slabs bezwingen und auch bei den athletischen Bouldern war die Ausbeute sehr solide. So schloss ich die Quali mit 34 Tops und 37 Zonen ab, davon waren mir 23 Boulder im Flash gelungen. Das fühlte sich unbesehen von der Rangliste wie eine starke, persönlich sehr zufriedenstellende Leistung an. Der Totomat sprach dann auch noch die gleiche Sprache, Rang 3 und damit die Startberechtigung für den 5er-Final war das Verdikt. Somit ging es (vorerst) nicht zum Pasta-Plausch, viel mehr stellte sich die Frage, wie man eine 90-minütige Pause bis zum Final-Beginn nach 4.5 Stunden Vollgas-Bouldern sinnvoll gestaltet... Die allumfassend gute Antwort darauf habe ich definitiv noch nicht parat. Ja vermutlich gibt's diese auch nicht, da es einfach zu stark von der Situation und dem persönlichen Befinden im Moment abhängt.

Die schwierigste Slab der Quali, sehr abschüssig-kleingriffig, dazu am Reibungslimit auf Volumen stehen... 😍

Der Final umfasste dann nochmals 3 Boulder, welche im Weltcup-(Onsight)-Modus mit 4 Minuten Rotationszeit zu absolvieren waren. Während wie immer in einer Boulderjam-Quali der Ausdauer, Beharrlichkeit und Strategie eine grosse Bedeutung zukommt, galt es nun einfach richtig harte Moves zu ziehen. Im Gegensatz zum "Dranbleiben" ist das bekanntlich nicht meine primäre Qualität, zudem war das Pulver an Kraft und Haut schon deftig verschossen. Natürlich habe ich alles gegeben und alles versucht, einen Boulder zu toppen war mir aber leider (wie schon im Vorjahr) nicht vergönnt. So reichte es dann am Ende auch nicht für einen Podestplatz, was aber natürlich meinen Gesamteindruck von diesem tollen Klettertag nicht wirklich schmälerte. Trotzdem, für nächstes gibt's Potenzial für Verbesserung - Zeit also, um dran zu bleiben, weiter an sich zu arbeiten und dann werden wir sehen, was das nächste Mal gelingt.

Dynamische Boulder statisch zu überlisten mach ich gerne - hier hat's aber nicht geklappt 💁🏼‍♂️

Vielen herzlichen Dank dem Team vom VKL für die Organisation, dem Fotografen Martin Knobel für die tollen Bilder und allen Sponsoren für den Support von solchen Events!

Montag, 18. März 2024

Skitour Spitzmeilen (2501m) & Wissmeilen (2481m)

Die Voraussetzungen waren gleich wie in der Vorwoche: es war wieder Donnerstag, es war wieder sonniges Wetter angesagt, in den Tagen zuvor hatte es Neuschnee gegeben und in der Agenda liess sich ein freies Zeitfenster für eine Skitour kreieren. Erneut galt es, die Lawinenlage auf Stufe 3 in die Planung mit einzubeziehen. Ebenso wie die Tatsache, dass es zum Ende der Niederschlagsperiode bis auf eine Höhe von gegen 2000m sehr feucht geschneit bzw. sogar geregnet hatte. Das Ergebnis meiner Planungen präsentierte sich in der folgenden Tour:

Mit den Liftanlagen der Flumserbergbahnen von Unterterzen zum Leist - Abfahrt zur Alp Fursch - Aufstieg zum Spitzmeilen via den ENE-Rücken ("Schönegg") - Abfahrt über den ESE-Hang - von SE via die Schönbielfurggel zum Wissmeilen - Abfahrt über die Nordflanke zur Alp Fursch - Maschgenlücke - Abfahrt über die Pisten nach Tannenboden - per Luftseilbahn zurück nach Unterterzen.

Die Motivation zu dieser Routenwahl war durch den mir so optimal scheinenden Mix zwischen Lawinensicherheit und Abfahrtsgenuss gegeben. Der Spitzmeilen-Aufstieg via Schönegg schien mir sicherer wie die Normalroute via Spitzmeilenfurggel. Und hätte ich die steilen Hänge zum Gipfelcouli als zu heikel beurteilt, so hätte ich die Tour unter Auslassung des Spitzmeilen-Gipfels ohne Änderungen oder Einbusse an Abfahrtsmetern durchführen können. Der ganze Rest der Tour liess sich sowieso in lawinentechnisch sicherem Gelände bestreiten.

Das Felsriff des Spitzmeilen (2501m) in der linken Bildhälfte mit dem Schönegg-Rücken (d.h. meiner Aufstiegsroute), der von links her zum Gipfel zieht. Der Wissmeilengipfel befindet sich leicht rechts der Bildhälfte. Während hier noch alles unverspurt ist, wurden später in all diese Hänge Linien gelegt.

An einem Wochentag nach der Skiferienzeit rechnete ich mit wenig Betrieb auf den Pisten. Mit dieser Einschätzung lag ich nicht ganz richtig. Es gibt doch viele Rentner und sonstige Freizeitspezialisten, die einen sonnigen Donnerstag im März gerne skifahrend verbringend - gut so, ich gönne es ihnen genau gleich wie mir selbst, der ja auch zu dieser Spezies gehört 😎 Zum Leist gelangte ich nach dem Löhnen von gut 30 CHF fürs Ticket (mit Halbtax) trotzdem ohne Anstehen und konnte von 2222m nach einem kurzen Auftakt über die Piste schon meine zweite Abfahrt antreten. Diese startete doch mit einer gewissen Ernüchterung, denn der fantastische Powder der Vorwoche wiederholte sich so nicht. An den steilen Hängen war der Schnee zäh. Immerhin drehbar, aber in den flachen Passagen war es eher etwas mühsam und durchaus schon als decklig zu bezeichnen. Es war aber nicht der richtige Zeitpunkt, die Flinte ins Korn zu werfen, möglicherweise wäre die Situation bei anderer Höhenlage, Exposition oder Tageszeit ja anders.

Auf der Normalroute zum Wissmeilen war man nicht alleine unterwegs...

Vorerst gestaltete sich der Aufstieg sehr bequem über die zur Spitzmeilenhütte angelegte Pistenspur. Auf rund 2000m verliess ich diese und spurte in direkter Linie dem Schöneggrücken entgegen und ab P.2252 über diesen hinauf. Erst auf den letzten 50m zum Spitzmeilen-Gipfelcouli hin bewegt man sich dann in Gelände, welches steil genug für eine Lawinenauslösung wäre. Doch auch da kann man sich direkt unter den Felsen halten und sowieso schien die Schneedecke schon sehr gut verfestigt, ich hatte beim bisherigen Aufstieg nie Setzungsgeräusche oder andere Alarmzeichen wahrgenommen. Sowieso waren mir von der anderen Seite her schon 2x2 Tourengänger zuvorgekommen und hatten das Couloir eingespurt. So konnte ich auf bequemen Tritten in optimalem Stapfschnee hinauf zum Gipfelbuch gelangen, die mitgeführten Steigeisen und der Leichtpickel blieben unbenutzt. Den kurzen Abstecher über die luftige Passage zum Gipfelkreuz liess ich mir auch nicht nehmen. Dann hiess es aber runter zum Skidepot, schliesslich wollte ich ja die First Line in den formidablen Osthang legen, bevor mir jemand zuvorkam. Das gelang, der Schnee war zwar kein Champagne Powder, sondern schon etwas feucht-kompakt, aber ohne Deckel und prima zu fahren. Nach hervorragenden Schwüngen stoppten die Bretter auf ca. 2200m, ich konnte eine Pause einlegen und die Felle wieder montieren.

Oh yeah! Spitzmeilen-Ostseite mit der Spur meiner ersten, tollen Abfahrt und Blick aufs Gipfecouli.

Der Wiederaufstieg zum Wissmeilen zieht sich trotz nur 300hm durchaus etwas, weil man relativ viel Distanz zurücklegen muss. Das störte mich aber nicht im geringsten, so durch diese frisch verschneite, komplett einsame und unberührte Winterlandschaft schreiten zu können, ist ein Element des Genusses und nicht eine Strafaufgabe! Leichte Kleidung genügte, denn es herrschte eine verrückte Wärme und die Sonnenstrahlung in der hellweissen Landschaft war extrem intensiv. Eventfrei erreichte ich den Wissmeilen-Gipfel, wo ich mir gewahr wurde, dass die Nordflanke vom Gipfel schon von ca. einem Dutzend Personen befahren worden war. Auch nicht falsch, denn die First Line dieser Direktabfahrt mit zu Beginn 35-40 Grad Steilheit hätte ich wohl nicht gewagt. Doch mit der Situation im Gelände (inzwischen war auch der noch deutlich steilere Spitzmeilen-Nordhang und eine noch wahnwitzigere Linie am Magerrain befahren worden) und der soliden Schneedecke standen die Lichter auf grün. Und es war einfach der Hammer! Auch hier nicht super fluffy, aber doch genial zu fahren - schon nach den ersten 50hm zudem auf einer komplett eigenständigen Linie in einer Geländekammer, wo noch niemand abgefahren war, und das bis zur Fursch hinunter. 

Der auf den ersten Höhenmetern doch gehörig steile Wissmeilen-Nordhang liess sich auch fahren!

Ab hier wartet nochmals ein langgezogener Gegenaufstieg retour ins Skigebiet. Mit einer Kombi von Skaten, zu Fuss laufen, bisschen Abfahren und einem Gratis-Skilift war der Punkt erreicht, wo nochmals die Felle an die Bretter mussten und bei sommerlicher Wärme die Maschgenlücke erreicht werden musste. Diese war der ideale Zeitpunkt für eine gemütliche Pause, bietet sich doch ein optimaler Blick ins Spitzmeilengebiet und auf die gezogenen Linien. Die Abfahrt über die gut präparierten, aber inzwischen doch sehr sulzigen Pisten war dann Formsache, machte aber doch auch mit den Tourenbrettli Spass. Dann hiess es noch ins Tal zu gondeln, bevor der Touring Thursday engültig im Kasten war. Das Fazit: super Sache, mit solchen Donnerstagen darf es gerne noch bis in den Juni hinein weitergehen 😁

Unverspurt und pulvrig, so haben wir's gern 👌🏼

Dienstag, 12. März 2024

Jackpot Day an Isisizer Rosswies (2334m) & Chli Fulfirst (2368m)

Allzu viele Skitouren habe ich auch diesen Winter bisher nicht bestritten. Das liegt in erster Linie daran, dass ich bei Sturm, diffuser Sicht oder ungeeigneten Schneeverhältnissen lieber aufs Klettern setze. Der Benefit dieser Strategie liegt dafür darin, dass alle bisherigen Touren super lohnend, ja sogar richtige Highlights waren. Und nun kam wieder ein sonniger Tag ausgiebigen Neuschneefällen, der sich potenziell nahtlos in diese Serie würde einreihen lassen. Ich entschied mich schliesslich für den Buchserberg, so konnte/musste das Bike für einmal zuhause bleiben. Meine Überlegungen tendierten nämlich dahin, dass zwar bis etwa 800m hinunter Neuschnee lag, die Verhältnisse aber doch erst ab 1500m mit vorhandener Unterlage so richtig gut wären. Da schien mir die Übergangszone von nicht mehr Bike-fahrbar zu richtig guten Skiverhältnissen bei den Touren mit tieferem Ausgangspunkt zu lange. Die Gegend um das Berghaus Malbun (1371m)  ist ein super Tourengebiet, welches ich aber schon seit einigen Jahren nicht mehr aufgesucht hatte. Das liegt in erster Linie daran, dass es ein richtiger Rummelplatz geworden ist und ich die meisten Gipfel, Routen und Optionen bereits früher begangen hatte. Doch an einem Donnerstag, mit einem (einigermassen) frühen Start sollte und einer komplett blanken Leinwand sollte der Andrang kein Faktor sein.

Das war ein Traumtag, den es nicht zu verpassen galt. First Line an der Rosswies.

Als ich um 8.30 Uhr fellend loslegte, war der Parkplatz trotzdem schon mit mehr als 20 Autos gefüllt und die Spur gut ausgetreten. Zu Beginn lagen nur die 30cm Neuschnee der letzten Niederschlagsperiode. Kein Problem für die Aufstieg und auch im Rückweg sollte es vernünftig gehen mit den Brettern an den Füssen. Einige Tourengänger passierend gelangte ich eventfrei zum Übergang von Isisizgrat (2016m), wo westseitig rund 100hm vernichtet werden müssen. Meist geschieht dies ohne Fellwechsel und so hätte ich es möglicherweise auch gemacht, wenn ich mir dadurch eine vorteilhafte Position für die Abfahrt hätte verschaffen können. Das war jedoch nicht der Fall, die Spurequipe war kurz vor dem Gipfel und mein Slot war absehbar um die Nummer 10 herum, egal ob ich mich beeilen würde oder nicht. Somit war der Fall klar, die Felle kommen für diese erste Abfahrt weg. Der Fellwechsel lässt sich zusätzlich amortisieren, wenn man noch etwas gegen den Margelchopf aufsteigt, so gibt's bis zu 200hm an erstem Skigenuss, der einfach schon einmal ein formidabler Auftakt war.

Panorama im Aufstieg, es war schon gut gespurt und noch frisch, so dass es keine Stollen gab.

Der Weiterweg zum Gipfel war dann zügig erledigt, etwas vor 10.30 Uhr war ich oben. Es war sehr angenehm windstill und mild, zu pressieren gab es nichts. Trotzdem war die Vorfreude riesig. Selbst auf dem Standard-Abfahrtskorridor hätte man links oder rechts noch eine unverspurte Toplinie gefunden. Aber warum nicht etwas ganz eigenes machen, wenn man kann?!? Deshalb kurz entschlossen das Kar unter dem Sichli gewählt und damit eine Geländekammer gefunden, welche noch komplett unberührt war. In Sachen Terrain und Neigung ist das sicher nicht schlechter wie die Standardvariante und ob die zusätzlichen ~50hm (an Zusatzaufstieg zum Isisizergrat, bzw. an Abfahrt) nun Bonus oder Malus sind, darf jeder selbst entscheiden. Auf jeden Fall, die Ski kamen zum Stillstand und die Felle wieder auf die Lauffläche.

Glitzerpulver so viel man will - geniale Verhältnisse!

Zur Einsattelung ist es nur ein Katzensprung, danach können die Felle wieder weg, ausser man will sich noch eine etwas vorteilhaftere Position für die Abfahrt via Farnböden verschaffen. Dies war meine erste Absicht, doch als ich mir gewahr wurde, dass inzwischen auch die Fulfirste angespurt worden waren, konnte ich ja auch noch etwas weiter aufsteigen. Beim Sattel zwischen den beiden Gipfeln endete die Spur, der Weiterweg der Krete entlang zum Chli Fulfirst war aber lawinentechnisch zu verantworten. Beim Vorgipfel war dann aber Schluss, für den exponierten Schlussanstieg (welcher erst kürzlich der Schauplatz von einem tödlichen Absturz war) passte mir das Verhältnis zwischen Risk und Reward hingegen nicht (zumal ich schon früher einmal am Top war). 

More of the same, hier schon bei der Abfahrt vom Fulfirst.

Somit stand die dritte und längste Abfahrt auf dem Programm: super lohnend ging's die Fulfirstmulde hinunter. Auf 2200m dann rechts raus, hier hatten 3 Tourengänger zuvor die Fährte gelegt, welche in die Abfahrt über das Altsäss führt. Diese Hänge hatte ich von meiner Tour 12 Jahre zuvor mit chmoser.ch noch in bester Erinnerung. Und auch dieses Mal war es einfach wieder der Hammer - top Pulver, unverspurtes Gelände in bester Neigung und Anlage, das gab unzählige Schwünge bis die Beine und der Skibelag rauchten. Erst ganz zuletzt bei der Ausfahrt zur Alpstrasse musste man sich dann wegen der knapper werdenden Schneelage etwas zügeln. Einzig die Traverse retour zum Berghaus Malbun war dann nicht mehr so der Brüller. Der hier feucht gewordene Schnee erforderte einiges an Stockeinsatz, aber in 15 Minuten war auch das erledigt. Somit hatte sich die geniale Runde geschlossen, nach einem feinen Zmittag im Berghaus machte ich mich auf den Weg, um noch meine Präsenz am Arbeitsplatz zu zeigen und mit Schwung möglichst viele Aufgaben zu erledigen - was nach einem solchen Tagesauftakt natürlich entsprechend viel leichter fiel.

Tourenabschluss und ab zur Arbeit...

Facts

Berghaus Malbun - Isisizgrat - Rosswies - Isisizgrat - Chli Fulfirst - Altsäss - Berghaus Malbun
Aufstieg/Abfahrt total ca. 1600hm, Ski-Schwierigkeit WS
Für die Besteigung der Fulfirste: Steigeisen & Leichtpickel

Montag, 4. März 2024

Mutteristock (2294m) - geht doch auch im Winter 23/24!

Wieder einmal eine herausfordernde Weekend-Planung, wer kennt das nicht auch?!? Klettern ja auf jeden Fall, aber wann und wo finden sich gute Bedingungen dazu? Nachdem es während der Woche Neuschnee gegeben hatte, stand auch eine Skitour auf dem Wunschzettel, zu beantworten gab es dazu die exakt gleichen Fragen. Dazu kam noch der Aspekt, welche Aktivität die Priorität vor der anderen geniesst und wie man die sportlichen Absichten mit der Familienagenda in Einklang bringt. Das Kopfzerbrechen hat sich aber ausbezahlt, lieferten doch sowohl die Sportklettersession wie die Skitour die tolle Erlebnisse.

Beim Ausgangspunkt an der Staumauer mit Blick auf Zindlenspitz, Redertengrat und Mutteristock.

Nach Abwägen aller Optionen und ausführlichem Studium der Wetterprognose sollte der Samstag der Klettertag sein. Der Sonntag war generell sonniger angesagt und der frisch gefallene Pulverschnee sollte bis dann konserviert werden. Das brachte den Vorteil mit sich, dass ich Larina am Samstagvormittag bei ihrer Comp Simulation supporten konnte. Dann ging's für mich aber an den Fels: die Temperaturen waren mit 5 Grad eher auf der frischen Seite angesagt, aber mit etwas Sonne ist das längst ausreichend. So wärmte ich mich vor Ort solide auf, und dann war High Noon: ohne nochmalige Anprobe gleich rein ins mit fixen Exen ausgestattete Projekt. So ein Start von (fast) null auf (nahezu) Hundert ist nicht immer einfach. Doch die Taktik ging auf: frischer Kraft sei Dank war die erste Schlüsselstelle bald sauber passiert. Noch gut beisammen kam dann an jedem Ruhepunkt mehr Kraft zurück als gewohnt und so kletterten sich auch alle noch folgenden, schwierigeren Passagen leichter, wie dies jeweils beim Auschecken der Fall gewesen war. Nach 40 Minuten Kletterzeit war die 8a in der Tasche, juhui! Somit wäre die Arbeit erledigt gewesen, aber natürlich war es noch zu früh, um schon wieder nach Hause zu fahren. Ein Sneek Peek ins nächste Projekt musste schon noch sein. Dass die Bedingungen dabei mit aufkommendem Wind und Wolken weniger freundlich wurden und am Ende gar in Richtung garstig gingen, müsste man hier nicht erwähnen... es spielte aber auch keine Rolle für die Einordnung des Tages.

Episode 2 im "ich gelobe Besserung beim Punkten von (für mich) schwierigen Routen".

Nachdem der Auftakt ins Weeekend so gut gelungen war, hoffte ich auf eine Fortsetzung mit einem weiteren Micro-Adventure bei der Skitour. Die Anforderungen an die Tour waren klar umrissen: kein Föhn, keine Wolken und kein Rummel. Das Patentrezept für die Erfüllung vom letzten Punkt konnte man auf diesem Blog in der jüngsten Vergangenheit mehrfach lesen: eine Tour wählen, wo es unten keinen Schnee hat (und diesen Abschnitt mit dem Bike zurücklegen). Im Wägital mit seinen nur 900m Starthöhe war das der Fall, auch die Meteo-Anforderungen liessen sich dort mit Sicherheit erfüllen. Zusätzlich kam diese Tourengestaltung noch mit dem Benefit daher, nicht früh aufstehen zu müssen und erst gemütlich mit der Familie das Frühstück geniessen zu können. Als Ziel wurde der Mutteristock definiert - von meiner Wohngegend ist das, bzw. dessen Nordabfahrt die beste sichtbare Linie, die man wählen für eine Skitour wählen kann (in Sachen MSL-Kletterei gilt selbiges übrigens für die Nordwände der Bockmattlitürme).

Kontrolle von einer sicheren Position, ob die Spur mit ausreichendem Abstand zur Krete gelegt wurde.

Um 10.30 Uhr startete ich bei der Staumauer mit dem Bike. Über das Westufer erreichte ich nach 5.5km einrollen den üblichen Ausgangspunkt für die Skitour, wo es wie bekannt grün war. Doch der Schnee liegt manchmal näher wie man denkt: schon bald nach der Brücke bei P.997 hätte man fellend loslegen können. Mit einer Abfahrt wäre dahin es aber auf den wenigen Zentimetern an Weiss kritisch geworden, darum radelte noch bis zur Aberen (1090m) weiter und deponierte mein Gefährt ebenda. Fellend ging es nun weiter, vor mir waren (aus meiner Perspektive durchaus etwas überraschend) doch schon eine Handvoll Personen aufgestiegen, so dass ich nur dem Track zu folgen brauchte. Diese Aufstiegsroute ist etwas umwegiger wie der Normalaufstieg via Schwantli und Chruter, daher sind da keine Rekordzeiten möglich und ich habe sie erst selten gewählt, somit fehlt auch noch die Vergleichsbasis. Also konnte ich es gemütlich nehmen und erreichte den Gipfel um 13.30 Uhr.

Die perfekte Absprungrampe für einen Ski-Base-Jump. Und Blick auf die Glärnisch-Nordwand.

Für die Abfahrt waren die Bedingungen gegeben, das Schneeloch zu fahren (wie es die Einheimischen sagen). Die Nordabfahrt bot einen absolut grandiosen Pulvergenuss, mit frischem und lockerem Neuschnee auf einer kompakten Unterlage. Und so ging das weiter, bis auf ~1400m hinunter gab es in den Rinnen dank vorhandenem Altschnee Top-Fahrspass. Dann war aber fertig lustig, mit etwas Umsicht konnte bis auf 1200m hinunter noch ohne Materialschaden gefahren und einiges an Distanz überbrückt werden. Erst in den letzten 100hm zum Bikedepot habe ich die Bretter dann getragen, das raue Gelände mit nur dünner Neuschneeauflage war nicht mehr sinnvoll mit den Ski zu bewältigen. Aber das war natürlich nur eine Sache von ein paar Minuten. Zuletzt wartete noch der Downhill ans Seeende, und um die Runde zu komplettieren, wählte ich für den Rückweg das Westufer. Eine weitere, geniale Mutteri-Tour kam so zu ihrem Ende. Auch wenn ich schon viele Male da unterwegs war, es war doch jedesmal anders und das hier war ganz sicher eine besondere Edition.

Top Conditions, hier nachdem die Nordabfahrt in die Rederten-Normalroute einmündet.

Facts

Mutteristock, ab Seeende via Aberen, Abfahrt über die Nordflanke
Ski-Schwierigkeit ZS, 1400hm, normale Skitourenausrüstung

Samstag, 24. Februar 2024

Two Days in Chironico

Mit der ganzen Meute plus Anhang nach Chironico zum Bouldern, das war der Plan von Alexandra mit ihrem Team Herkulis. Das klappte - zumindest fast. Denn genau die eigene Tochter war durch ein Natitraining schlussendlich nicht verfügbar. Das hinderte den Rest der Familie aber nicht daran, trotzdem an den Tessiner Gneis zu gehen. So verbrachten wir zwei extrem milde Februartage in den beiden Sektoren Rah Plats Plats und Serre moi fort.


Seit 2024 gilt ja ein neues Parkregime, welches auf dieser Webseite erklärt wird. In Kurzfassung: für die üblichen Tagesparkplätze wird ein Obulus von 0.50 CHF erwartet. Dieser muss via Webseite bezahlt werden. In Chironico schnappt man sich dann beim Overnight-Parkplatz 1 einen Zettel und füllt diesen von Hand mit seiner Quittungsnummer aus und klemmt ihn an die Scheibe. Das wirkt sehr handgestrickt und scheint auch wenig verbindlich. Die Parkplätze selbst sind nämlich nicht als kostenpflichtig gekennzeichnet, sondern kommen daher wie eh und je. Sprich die Ausrede "ich habe von all dem nichts gewusst" kann man bringen. Trotzdem, die Taxe im Sinne des Goodwill zu entrichten ist natürlich absolut sinnvoll und für mich eine Selbstverständlichkeit. Für eine Übernachtung plus die beiden angrenzenden Tage fällt eine Gebühr von 12 CHF (+2 CHF Kurtaxe pro Person >14 Jahre) an. Scheint fast geschenkt - allerdings kriegt man ausser einem Toitoi und einem Abfallcontainer (nur beim Overnight-Parkplatz 1) auch keinen Service. Uns insbesondere keinen garantierten Platz! Die drei offiziellen Plätze bieten Raum für ca. 25-30 Fahrzeuge - was an einem Weekend mit guten Conditions in der Prime Season niemals ausreicht. Die Bezahlung und Bestätigung der Overnight-Taxe funktionieren sonst übrigens gleich wie bei der Tagesparkgebühr.

Tag 1

Nun denn, wir hatten richtig Glück: wohl den noch vorhandenen Alpinkletter-Genen sei Dank waren wir so früh vor Ort, dass wir einen der gerade mal drei Stellplätze (vier bei 'very good parking') in der Overnight Area 3 sichern konnten. Von da war es nur noch ein Katzensprung in den Sektor Rah Plats Plats, welchen ich mit Larina zuletzt im Oktober 2023 besucht hatte. Und da war ja noch eine Rechnung offen geblieben.

Number One / Slooper Attack 7A

Der Klassiker und wohl der am meisten begangene Boulder in diesem Sektor. Erst ein bisschen Athletik, dann aber vor allem geschicktes Body Positioning und ein wenig Fingerkraft an Slopern. Die Beta-Optionen sind sehr zahlreich, somit geht's für alle Körpergrössen - für Kleine/Kids aber deutlich einfacher. Und ja, nach nochmaligem Feintuning der Beta konnte die offene Rechnung schliesslich souverän beglichen werden.

Yannick in Number One 7A. Der Vorteil für die Kleineren besteht darin, dass die hier an den schlechten Slopern gut auf die Tritte stehen können, während man bei mehr Körpergrösse sich mit den Füssen im Nichts befindet.

Bugs Bunny / Shield Variante 7A+

Ein ziemlich langer Boulder, der am Ende Ausdauer, Mut und Committment verlangt. Man vermeidet den Knaller-Startmove vom Shield 7C an den Henkeln gleich rechts. Es folgt eine Crimpy-Traverse an Schlitzen, bevor zwei dynamische Power-Moves in einer prekären Position folgen. Das suboptimale Gelände darunter braucht sehr viele Pads (~8-10 Stück), damit ein Sturz dort nicht gefährlich ist. Dank der Bouba- und der Bündner-Crew war das gegeben und das war auch gut so: 2x rutschte mir der Hook raus beim entscheidenden Move, das einen Kopfüber-Tumble-Down ergibt. Das reichte mir dann für den Moment, aber diesen Boulder einmal noch zu senden wäre schon das logische Ziel.

Bugs Bunny 7A+, ab hier gilt es so langsam dann richtig ernst mit zwei committing Moves.

Nittymaki 6C/+

Das ist sozusagen der Rah Plats Plats für die Kleinen: am selben Block, einfach beginnt man die Traverse am anderen Ende und steigt dann in der Mitte aus. Klettert sich nach einem einfachen Auftakt aber echt cool, etwas Tüfteln wie die Hooks in der Traverse solide sitzen war für mich durchaus nötig. Und wenn man dann (je nachdem) schon etwas gepumpt ist, wartet noch ein ziemlich hoher (aber safer) Ausstieg, wo man kleine Leisten durchblockieren muss. Fand ich für 6C noch recht hart. Sowieso wäre aufgrund der Länge der Unternehmung eine 7b+ Routenbewertung vielleicht passender?!?

Der Block mit Nittymaki 6C/+ und Rah Plats Plats 8A. Strenge Sache, kann zur Überhitzung führen 😁

Rah Plats Plats 8A

Mitica traversa da Fred Nicole, so steht's im Topo. Und mal einen Boulder in diesem Grad zu klettern wäre ja auch noch so ein Ding von der Bucket List. Das hier vorliegende Gerät könnte durchaus ein Kandidat dafür sein?!? Lang, ausdauernd, an Slopern und ohne einen extrem harten Move. Man hangelt sich hier über fast 20m der Kante des Blocks entlang. Erst sehr technisch mit vielen Hooks und gekonntem Positioning, dann mit reichlich Körperspannung, bevor dann in der zweiten Hälfte eigentlich nur noch die Ausdauer gefragt ist. Alle Positionen und die einzelnen Moves gingen schon einmal, das wäre eigentlich die Grundlage, um da dran zu bleiben. On verra...

Nach einer sehr ausgiebigen Session war es dann nur ein kurzer Marsch zu unserem Domizil. Ein Teil der Gruppe verabschiedete sich nach Hause, ein anderer zur Übernachtung im Hotel. Wir legten uns im Octavia auf's Ohr und verbrachten eine geruhsame Nacht.



Tag 2

Recht früh kommt bei der Overnight Area 3 die Sonne, und so gab es ein supergemütliches Zmorge, ein richtiger Genuss. Sowieso, es sei noch gesagt, dass es für Mitte Februar eine absolut abnormale Wärme war, ja eigentlich schon zu viel des Guten, um hart zu bouldern. Den ganzen Tag in Shorts und ohne T-Shirt rumzulaufen gehört ja zu den positiven Effekten. Sich vor einem guten Go aber erst 15 Minuten in den Schatten setzen zu müssen und um einen guten Luftzug für die Kühlung der Griffel beten zu müssen ist für Februar aber schon verrückt. Anyway, am zweiten Tag war der Himmel etwas überzogen und die Temperatur daher nicht mehr ganz so hoch. Als die Hotel-Fraktion eingetrudelt war, zogen wir in wenigen Minuten in den Sektor Serre moi fort.

Frühstücksplatz - so richtig gemütlich war es!

Survival Kit 6A

Diamant, Plattensymbol, Totenkopf und noch der vielsagende Kommentar "da non sottovalutare". Und echt, es war nicht meine Idee! Die Platte ist ca. 8m hoch und die obere Hälfte ist die Schwierigere. Wer sich in der Mitte zum Schritt nach vorne entscheidet, der muss nachher bis zum Top durchziehen, ein zurück gibt's nicht mehr. Kurzum, hier gilt Bouldern = Mehrseillängenklettern, zumindest was Mindset und Herangehensweise betrifft. So extrem schwierig ist es nicht einmal, ca. 6b/+ in Routenbewertung, würde ich sagen. Nur in einem Punkt bin ich mir nicht sicher: ob die Moves am Seil angenehmer wären? Oder anders formuliert: ist es (im Sturzfall) besser, wenn (beim Bouldern) nach 5m die Matte kommt oder würde man es (beim MSL-Klettern) bevorzugen, weitere 5m über die Platte zu schraddeln, bevor einen das Seil stoppt?!?

Naja, hier auf dem Foto sieht es nicht ganz so imposant aus. Vom Einstieg dann irgendwie schon mehr. Und wenn man oben steht und daran denkt, dass man den direkten Weg zurück zu den Pads antreten müsste, dann ist die Devise schon eher "never ever". Kurzum, das ist ein Boulder zum Flashen.

Frogatt Traverse 7A

Wieder ein Teil, das wohl eher den Sportkletterer anspricht, geht es hier doch um die rund 15m lange Umrundung eines Blocks. Wobei sich die Schwierigkeit auf den ersten Metern abspielt, wo dachartig ein paar sloprige Crimp-Schlitze bedient werden müssen. Hat man einmal das grosse Horn vom Autopilot 7A+ erreicht, so spielt sich der zweite Teil im Ausdauerbereich an Henkeln ab. Allerdings, bei den letzten zwei Moves kann man schon noch scheitern... uns ist es nicht passiert.

Frogatt Traverse 7A, ein Boulder absolut nach meinem Gusto.

Smooth Operator 6B+

Wird laut den Ticklisten nur relativ selten gemacht. Ich fand das aber eine echt coole, kräftige Traverse. Erst ein paar gute Griffe, dann eine knackige Crux um die Ecke und ein gemütliches Finish an Henkeln. Auch die Lage direkt beim 'Hauptplatz' ist ideal. Nur das Landegelände mit einem spitzen Block unter dem Geläuf und einem Baum im Rücken nicht so sehr.

Clin d'Oeil 6C+/7A

Eigentlich wäre es ja das Ziel gewesen, dem begehrtesten 7A-Boulder in diesem Sektor noch eine Begehung abzuringen (Selection Door). Aber er war gerade belegt und eine kurze Anprobe warf auch etwelche Zweifel auf, ob die abgekletterten Pfoten dies noch hergeben würden. Nun, die Ausweichmöglichkeit ist unmittelbar nebenan und vermutlich deutlich einfacher zu holen. Ein etwas murksiger Start, gefolgt von zwei langen Moves zu Leiste und zu Sloper et voilà - vielleicht liegt es auch an der Morphologie.

Das ist nicht der Clin d'Oeil, sondern Senza Mani 6B+. Nils Favre hat grad diese Woche ein Video auf Insta gepostet, wie er den tatsächlich ohne Hände gemacht hat - unglaublich! Viel um sich effektiv festzuhalten hat es zwar schon nicht, aber jedenfalls ist es schon mit den Händen sauschwer für mein Gusto - bzw. halt vor allem so unangenehm unkontrollierbar an der Abrutschgrenze.

Das war es dann schon wieder, wir packten unsere Waren und machten uns auf den Heimweg. Es sei noch bemerkt, dass die Liste in diesem Beitrag nicht ganz vollständig ist, einige einfachere Boulder standen auch noch auf dem Menüzettel, wurden aber hier nicht beschrieben. In einem waren wir uns einig, eine möglichst baldige Wiederholung dieses Events ist angezeigt. Wobei es am heutigen, darauffolgenden Weekend regnet und dann folgt für die Kids erstmal die Wettkampfsaison. Ein bisschen Geduld wird es wohl brauchen, bis sich die ganze Gruppe wieder in Chironico trifft. Mir persönlich reicht es aber hoffentlich schon vorher wieder für eine Session an den Blöcken!