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Donnerstag, 15. Oktober 2026

Läged Windgällen - Novämber Sunnä (6b)

Ein Bericht vom Juni 2026: nach intensiven Sportklettertagen sollte es zum Genuss und der Abwechslung noch eine chillige MSL geben. An einem heissen Tag mit einer auf den Abend angekündigten Gewitterfront schienen uns die Schächentaler Wände das richtige Ziel. Obwohl wir vom November jahreszeitlich fast nicht weiter entfernt sein könnten, wählten wir die Novämber Sunnä - die neuste und laut dem Topo attraktivste Route in dieser Wand. Sie verspricht homogene und gut abgesicherte 6b-Kletterei im rauen und griffigen Klausenfels.

Die Südwand der Läged Windgällen mit Start und Top der Novämber Sunnä.

Den Zustieg wählten wir vom Mettener Butzli, wofür 20 CHF an Taxe zu bezahlen sind. Der Obulus kann an verschiedenen Orten entrichtet werden. Eine Tafel beim Fahrverbot klärt darüber auf, wir wurden beim ersten Bauernhof gleich nach der Tafel freundlich bedient. Aber Achtung, im Schächental gilt noch: nur Bares ist Wahres, man führe einen Zwanziger mit! Die Strasse hinauf ins Butzli ist am Ende nur geschottert und eher rau, war aber auch mit einem normalen PW befahrbar. Eine optimale Alternative wäre sicherlich das E-Bike: zu öffnende und schliessende Gatter, wiederholtes Kühe von der Strasse treiben und ein paar Kreuzungsmanöver verschieben das Zeitgleichgewicht erheblich in Richtung der Zweirad-Lösung.

Hier und jetzt geht's los, dies bei tollem Blick auf Clariden, Chammliberg und Schärhorn.

Vom Parkplatz kurz vor dem Butzli geht's dann durch die Lawinenverbauungen hinauf, es sind mehrere Pfadspuren vorhanden. Nach deren Ende quert man vom Zaun weg erst noch eine Schuttrunse und steigt dann nach ca. 100-150m in mergeligem Gelände über einen Rücken zur Wand hinauf. Eine kurze Traverse an deren Fuss führt einen schliesslich zum Einstieg. Im Juni 2026 war dieser durch einen rostfreien BH und einen roten Punkt markiert. Die Basler Route war ca. 10m weiter rechts noch mit abblätterndem Lack namentlich angeschrieben. Kurz vor 9.15 Uhr legten wir los, die Sonne hatte den Wandfuss eben erreicht.

L1, 25m, 6a+: Erst gestuft und etwas grasig, dann neben einer teilweise mit in die Sequenz einbezogenen Verschneidung auch noch bei zugänglichen Schwierigkeiten hinauf. Der Hauptteil besteht dann aus griffiger und recht athletischer Wandkletterei. Da darf man durchaus ein bisschen zupacken und ist nachher sicher gut aufgewärmt.

Im oberen Teil von L1 (6a+) heisst es zupacken: athletische Kletterei an guten Griffen.

L2, 25m, 6b: Ein goldiges Wandstück wartet wenig oberhalb vom Stand. Es empfiehlt sich, dieses tolle Stück Fels auch wirklich auszunutzen und auf der angedachten Sequenz rechtsherum zu klettern. Die Griffe sind so gut wie erwünscht und bringen einen zügig in eine raue Steilplattenzone in einem seichten Winkel. Die Crux folgt erst da - ein, zwei Moves waren durchaus tricky und erforderten entschiedenes Antreten. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, diese Passage mit der Brechstange gelöst und nicht die leichteste Beta gefunden zu haben.

Lukas folgt in L2 (6b), hier gerade die knifflige Cruxzone im seichten Winkel.

L3, 35m, 5b: Es geht Richtung 13 Uhr hinauf, auf den ersten Metern kreuzt man hier die Basler Route. Es geht erst an einigen recht gut verankerten Schuppen über den Aufschwung hinweg, nachher legt sich das Gelände zurück und ist etwas durchzogen. Der Fels ist jedoch recht solide und die nächste tolle Sequenz folgt schon bald.

L4, 30m, 6b: Die ersten Meter noch leicht zu einer Steilzone, welche sich dank guten Griffen sorgenlos bewältigen lässt. Ganz ähnlich wie in L2 gelangt man auch hier wieder in eher technisches Gelände in hervorragendem Fels, welches ziemlich überraschend der etwas kniffligen Crux aufwartet. Ein kurzer Move, rasch war's erledigt - ob meine Sequenz die 6b-Lösung war, bin ich mir aber nicht sicher. Zuletzt wieder griffiger, aber mit einem etwas weiteren Abstand zum Stand, der sich links um die Ecke versteckt.

Super Kletterei in hervorragendem Fels zum Ende von L4 (6b).

L5, 25m, 6b: Diese Länge verschiesst ihr Pulver gleich zu Beginn: es geht über eine Dachzone hinweg. Nicht alle Griffe bzw. blockigen Strukturen wirken super solide - dem nützlichsten Griff habe ich nicht getraut, wobei der laut den Spuren zu urteilen regelmässig genutzt wird und wohl standhält (es ging auch ohne gut). Einmal oben, lassen die Schwierigkeiten rasch nach. Der Stand befindet sich vor dem Ausstieg in einfacheres Gelände links und ist einfach zu übersehen.

L6, 20m, 4c: Kurze und wenig attraktive Verbindungslänge nach rechts. Der Fels ist nicht schön, aber doch ausreichend solide und die Absicherung passt auch. Der Stand dann links oben in der Nische unter der markanten Verschneidung.

L7, 40m, 6b: Eindrücklich und alpin sieht diese Passage aus. Die einfachste Sequenz nutzt im unteren Teil die Verschneidung mit. Aber Achtung, die linke Wand ist ziemlich chossy und das Sicherungspersonal befindet sich direkt unterhalb in Schusslinie. Ich bin hier im Nachstieg nur rechts in der Wand geklettert. Vielleicht nicht so logisch, aber absolut empfehlenswert und auch nur ca. 6a/6a+. In der zweiten Hälfte stecken die BH dann etwas kreuz und quer, lange Exen oder Halbseiltechnik zum Vorbeugen von Seilzug sind sinnvoll. Die Crux folgt dann am Schluss mit zwei kräftigen Zügen über ein Dacherl hinweg, eher leichtverdaulich für 6b.

Alpines Ambiente in der grosszügigen L7 (6b).

L8, 40m, 6b: Ein tolles Abschlussbouquet über den steilen Pfeiler. Der Auftakt gemässigt schwer und griffig, wobei es vor der Hälfte 1x einen weiteren Hakenabstand gibt. Die Kletterei ist da einfach, allerdings ist das Gestein nicht so solide. Geht aber schon, einfach aufpassen. Die Crux kommt dann erneut unverhofft mit einer technischen Passage bei kurzer Rechtsquerung und hinterliess wiederum das Gefühl, möglicherweise nicht die beste Option gefunden zu haben. Die Zielgerade bietet dann griffig-tolle Kletterei, der Stand folgt kurz vor dem Pfeilergipfel etwas rechts aussen, die BH sind nicht sofort sichtbar.

Yours truly in der stotzigen Schlusslänge am steilen Pfeiler (L8, 6b).

Etwas nach 12.15 Uhr und damit nach gut 3:00h der Kletterei waren wir am Top. Das war nun eine sehr vergnügliche Sache gewesen. Wie geplant bzw. erhofft, hatten wir den Flow gefunden, waren nicht an unsere Grenzen gelangt und konnten einen stilreinen Durchstieg notieren. Relativ umgehend machten wir uns an den Abstieg. Kurz übers Top hinweg, jenseitig ca. 10m absteigen, bis eine Schlinge an der Kante (nicht sehr offensichtlich) auf den Beginn der Abseilpiste hinweist. 

Wie man auf diesem Foto von kurz vor dem Ausstieg erahnen kann: es gibt in dieser Wand viele Steine, welche nur darauf warten, von einem Seil hinunter zu ihren vielen Artgenossen in den Geröllreissen spediert zu werden. Falls mehrere Seilschaften in der Wand sind, sind Umsicht und defensives Verhalten angezeigt!

Es sind nun 5 Manöver à 30-45m Länge zurück an den Einstieg. Zu erwähnen ist, dass der (auch im neusten Plaisir Ost von 2026 verzeichnete) Abseilstand nach der ersten Strecke demontiert war - nur die nackten Dübel waren noch im Fels. Wir behalfen uns am Stand der Neuen Südwand, das geht auch. Dann sind es zwei Standplätze der Novämber Sunnä und zuletzt noch einer der Basler Route, siehe Topo. Zu erwähnen ist: ein Abseilen bzw. Seilabziehen komplett ohne Steine zu lösen ist schwierig bis unmöglich. Die Eigengefährdung dadurch ist gut zu handeln, aber andere Seilschaften in der Wand wären dem Risiko von einem Treffer ausgesetzt. Das Szenario "Mehrfachbesuch" scheint jedoch von überschaubarer Wahrscheinlichkeit. Die Novämber Sunnä wird laut Wandbuch ~5x pro Jahr geklettert, die anderen Routen sicher auch nicht häufiger. Auch nicht auf null beläuft sich das Verhängerrisiko bei der Abseilerei. Das Glück war uns in dieser Hinsicht aber hold. So waren wir bald zurück am Einstieg und liefen beglückt über die schöne Kletterei und mit viel Zeitreserve vor Eintreffen der Gewitterfront talwärts.

Facts

Läged Windgällen - Novämber Sunnä 6b (6a obl.) - 8 SL, 240m - Fullin/Rhyner 2011 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht zwingend nötig

Tolle Kletterei in griffig-rauem Klausenfels, welche einer interessanten und luftigen Linie folgt. Schöne und sehr kompakte Passagen mit Premier-Cru-Fels wechseln sich ab mit etwas einfacherem, teils auch etwas blockigem Gelände. Der Fels ist auch dort weitestgehend solide, in einigen Passagen schadet etwas Umsicht bei der Griffauswahl jedoch nicht. Insgesamt dünkt es mich aber trotz allem eine Route, wo man sich gut ans alpine Klettern im 6b-Gelände herantasten kann. Die Hauptschwierigkeiten sind kurz und sehr gut mit rostfreien BH abgesichert. Generell hinterlässt die Absicherung einen freundlichen Eindruck. Mir schien sie klar besser als "Plaisir ok", wie es in der Ausgabe des Band Ost 2026 steht - mindestens "gut", an den Schlüsselstellen sogar zweifellos "super". Wenn man möchte, so könnte man vermutlich schon noch den einen oder anderen Cam unterbringen. Nicht häufig jedoch und mir schien dies (bei solider Reserve auf den geforderten Grad) nirgends nötig.

Dienstag, 16. Juni 2026

Goodbye Winter 25/26

Mittlerweile, beim Tippen dieser Zeilen, liegt der Event exakt 4 Wochen zurück, aber eine kleine Notiz mit Rückblick auf den Tourenwinter 2025/26 ist trotzdem angebracht. Während Trockenheit und Wärme schon im April und Anfang Mai zu MSL-Touren in höheren Lagen lockten, deponierte ein Kaltlufteinbruch um die Eisheiligen herum nochmals eine satte Portion Schnee bis unterhalb von 2000m. So ging's noch in der Nähe und dank kalter Temperaturen ohne nächtlichen Aufbruch, was mich zum Genuss von diesem Mai-Powder brachte.

Am Klausenpass wollte ich meine Spuren ziehen, aber dieser war aufgrund der Schneefälle wieder gesperrt worden. Mit dem Schneetaxi war das kein Problem: bis zur Chlus (ca. 1700m) war die Strasse aper, die Pulverauflage danach und ein paar vereiste Stellen liessen sich gut managen. So schnallte ich meine Bretter am Pass an die Füsse und schritt spurend durch den winterlichen Neuschnee. Auf den ersten Höhenmeter war der Schnee noch unregelmässig, d.h. teils verblasen und anderswo auf bereits aperen Grund gefallen. Nach ca. 150hm war es dann aber das Wintermärchen pur - bis zu 50cm lockerer Powder auf Unterlage. Welch ein Genuss, ganz alleine durch diese Landschaft zu schreiten.

Der Blick voraus: welch ein Genuss, seine Spur elegant auf diese weisse Leinwand zu legen.

Richtung Clariden führte meine Spur, doch ob ich diesen Gipfel auch erreichen würde? Mit dem vielen Neuschnee schien ein Gipfelgang aufwändig. Zudem ging in der Höhe viel Wind, welcher sich ab der Steilstufe auf 2800m bemerkbar machte, indem er einem durch die Knochen pfiff, und auch den schönen Powder verpresste. Just an diesem Punkt hatte ein weiterer Tourengänger zu mir aufgeschlossen. Er würde nun lieber abfahren und den hervorragenden Schnee geniessen, meinte er. Ich war für einen Moment hin und her gerissen zwischen der Ski- und der Gipfeloptik. Die letztere schien aber nicht allzu vernünftig und beinhaltete die Gefahr, die derzeit noch tollen Verhältnisse entweder durch Windeinfluss oder Tageserwärmung zu vergeigen.

Der Blick zurück Richtung Jegerstöck und Urnerboden mit der frisch gelegten Spur.

So zog auch ich meine Felle von den Ski und wir rauschten gemeinsam in die Tiefe. First Lines bei Top-Verhältnissen, absolut fantastisch. Etwa 150hm über der Passhöhe kamen die Bretter zum Stehen. Wir wollten mehr davon, das war absolut keine Frage. Somit gab es einen zweiten Aufstieg. Um doch noch einen Gipfel zu besuchen, stieg ich zum Rau Stöckli (2469m), mit tollem Blick auf die Clariden Nordwand (eine Pendenz, die es auch irgendwann einmal zu erledigen gilt!). Um noch etwas bessere Skimeter zu ermöglichen, stieg ich noch bis zum P.2525 am Tierälpligrat auf. Auch die zweite Abfahrt war super - wobei man schon etwas mehr darauf achten musste, nicht zu sehr sonnenexponierte Stellen zu wählen. Die hoch stehende Maisonne ist mit anhaltenden Powderverhältnissen wenig kompatibel.

Blick auf die Clariden Nordwand vom Rau Stöckli bei meinem Zweitaufstieg.

Nach dieser letzten Abfahrt im Winter 2025/26 war ich bald retour am Pass. Die Strasse war inzwischen mit dem Pfadschlitten geräumt worden, somit komplett aper und sogar trocken. Für den Autoverkehr war sie aber weiterhin gesperrt, somit blieb viel Platz für den Downhill. Absolut zufrieden mit meinem Ausflug machte ich mich auf den Heimweg und sagte mir, dass das nun ein schöner Abschluss der Tourentätigkeit gewesen sei - wenn's denn so wäre. Nun, einige Wochen später beim Tippen dieser Zeilen weiss ich, dass dies zutrifft. Auf 27 Touren und Tüürchen haben mich meine Bretter diesen Winter begleitet - ich bin sehr zufrieden mit der Ausbeute.

Dienstag, 22. Oktober 2024

Chli Glatten - Giannas Line (7a)

Wunderbares Spätsommerwetter ist angesagt, dazu ist für Kathrin und mich wieder einmal die Gelegenheit für eine gemeinsame MSL-Tour da. Neben all dem familientechnisch Nötigem und dem Wünschbaren bleibt uns ein nicht allzu langes Zeitfenster. So zogen wir wieder einmal den Chli Glatten zu Rate: der kurze Zugang und die moderaten Routenlängen sind kompatibel mit einem beschränkten Zeitbudget, trotzdem sind die Klettereien steil, anspruchsvoll und so richtig kernige MSL-Touren. Nach meiner Erinnerung bin ich nicht nur schon oft am Chli Glatten geklettert (das stimmt), sondern auch vor nicht allzu langer Zeit. Das täuscht hingegen, sind es doch schon wieder drei Jahre her, seit wir am Schwert des Samurai (7a+) geturnt haben. Nun wollten wir der steilen Seite vom Flachen Pfeiler wieder einmal unsere Aufwartung machen. Für mich war es kaum zu glauben, dass seit der Begehung der Open Air (7a+) tatsächlich eine ganze Dekade verstrichen war - tja, die Zeit rennt wirklich!

Bisschen ein Bottom-Up-Shot, aber der Verlauf von Giannas Line ist prima erkennbar.

Wir fuhren auf den Klausenpass (und hatten Glück, dass dieser wegen dem Klausenmonument erst am Sonntag und nicht schon am Samstag gesperrt war) und stationierten auf der Alp Bödmer. Das sollte man nur tun, wenn kein Alpbetrieb mehr herrscht, was an diesem zweiten Septemberweekend zutraf. Und es lässt sich sicher eine Win-Win-Situation mit den Älplern kreieren, wenn man quasi als Obulus für den Parkplatz im Self-Service-Hofladen etwas einkauft (Alpkäse, Getränke, Konfitüre, Sirup, Bezahlung per Twint oder Bargeld möglich). Von Bödmer sind es ~300hm bis an den Fuss der Plattenwand. Der eine Seillänge über dem Wandfuss liegende Einstieg von Giannas Line wird dabei von rechts einquerend entlang von Drahtseilen erreicht. Achtung, den Installationen ist nur beschränkt zu vertrauen. Teils ist das Seil ausgerissen und die Verankerungen an gebohrten Sanduhren und auf Dübel geschraubte Kettenglieder sind eher improvisiert. Vor allem wirkt alles etwas in die Jahre gekommen und nicht mehr geprüft und unterhalten. Mit alpinem Sachverstand ist es aber gut machbar, so starteten wir um 12.00 Uhr bei besten Bedingungen in die Route.

Die Querung im Zustieg führt durch exponiertes Gelände. Hinten der Clariden mit Wolkenkappe.

L1, 45m, 6a+: Der Einstieg ist nicht näher bezeichnet und befindet sich ca. 10-15m vom linken Ende des Drahtseils (wo die Open Air beginnt). Der erste Abschnitt bietet unschwierige Kletterei, das Gelände ist aber bof bof und zur Absicherung gibt's nur eine Schlinge. Alternativ kann man rechts einen BH und eine verrottete SU-Schlinge der Skyline klippen. Nachher gilt's dann richtig abzubiegen (links mit Fixé-Plättli Giannas Line, rechts mit Petzl-Longlife Skyline). Die Kletterei am ortstypisch mit horizontalen Leisten gespickten Gestein ist cool - gewisse davon sind sloprig, andere positiver und bei denjenigen mit der rauen Kante kann man sozusagen "gratis" anhängen.

Die ersten Meter noch etwas durchzogen, nachher folgt in L1 (6a+) aber griffig-kompakter Klausenfels.

L2, 30m, 6b+: Vom Stand kurz rauf zu NH, dann geht's über die Verschneidung hinweg und in der Wand oberhalb deren Begrenzungskante aufwärts. Prima griffige Kletterei in gutem Fels, die Crux besteht in einer drückenden Zone mit einem athletischen Seitgriffzug. Am Ende heisst's dann an den richtigen Stand zu klettern. Der linke der beiden mit den zwei Sondy-Ringhaken ist die richtige Adresse. Diese gelten inzwischen nicht mehr als zuverlässiges Sicherungsmaterial, zudem sind die Exemplare auch noch eher zu wenig tief im Fels versenkt - wird schon halten, immerhin droht hier kein harter Sturz in den Stand.

Sehr schön die zweite Seillänge (6b+) mit einer athletischen Cruxsequenz.

L3, 30m, 6b: Es folgt nämlich ein horizontaler Quergang nach links hinaus an die Kante, wobei man zuerst sogar etwas abklettern muss. Im Bereich dieser Kante geht's dann in fotogener Position aufwärts. Der Fels nicht mehr ganz so schön wie in der Länge zuvor, aber trotzdem von guter Qualität. Wahnsinnig schwierig fand ich das nicht, jedoch muss stets überlegt werden, ob man eher links oder eher rechts steigt. Meist geht vermutlich alles, halt einfach bei (vermutlich nicht allzu stark) unterschiedlicher Schönheit und Schwierigkeit.

Querung an die Pfeilerkante in L3 (6b), dann geht's dort steil auffi.

L4, 40m, 7a: Vom bequemen Stand weg kommt jetzt das Highlight der Route. Die markante Spiegelwand am Pfeiler fällt bereits von der Passstrasse auf und die Kletterei wird den Erwartungen absolut gerecht. Die ersten 20m gehen recht gäbig über die Bühne (~6b), es gilt jedoch hier und da die Linie zu erkennen. Dann geht's mit einem Crescendo in die Crux. Man befindet sich da in einem seichten Winkel, welcher über die steile Seite nach rechts verlassen wird. Die Frage ist allerdings wann, wie und wo... kleine bis mikromässige Griff- und Trittmöglichkeiten gibt's im scharf zerfressenen Fels unzählige. Nur jedoch keine offensichtlichen und guten. Somit heisst es Abtasten, der Intuition vertrauen und sich geschickt zu positionieren. Im Aftermath der Crux muss man noch kurz etwas Rési beweisen, dann lässt es deutlich nach. Im Finish ist der Fels nicht so toll und man muss (im leichten Gelände) auch noch etwas über den Haken steigen.

Die entscheidende Sequenz in der Crux (L4, 7a) lässt sich mit der Kamera nicht einfangen.

L5, 30m, 6c+: Am erneut superbequemen Stand kann man sich gut erholen, bevor es ins steile Schlussbouquet geht. Und dies mit einer Traverse nach links, wo sich ca. 7m drüben erst ein NH und dann der erste von vielen eng steckenden BH befindet. Die Kletterei führt diagonal nach rechts aufwärts, recht athletisch mit Seit-/Untergriffen und ein paar Leisten. Da muss man schon etwas dranbleiben, aber gefühlt war das für mich eher eineinhalb statt nur einen halben Grad leichter wie die Crux. Im oberen Teil heisst es noch kurz auf die Füsse zu stehen, bevor das Abschlussdach dann tatsächlich jene Griffqualität bietet, die man sich erhofft. Der Abschlusstand rechts dann gut an der Gamelle zu erkennen.

Kurz vor dem Top, mit Blick ins Schächental und seine Windgällen.

Um 15.30 Uhr und damit nach 3:30h sehr genussreicher Kletterei hatten wir das Ziel erreicht. In meinem Fall nicht nur das Top der Route, sondern auch der Komplett-Onsight im Vorstieg. Weitgehend waren Reserven da, aber für die Cruxsequenz musste ich wirklich aus der Komfortzone treten. Die ist kleingriffig, kompliziert und schwierig zu lesen. Da musste ich 100% geben, an jeder Unebenheit die der Fels bot den Widerstand suchen und konnte mich auch so nur mit dem allerletzten Quäntchen Energie vor dem Sturz retten. Und das alles in einer 7a?!? Ehrlich gesagt kam es mir schon schwieriger vor, aber natürlich ist es sehr wohl möglich, sich aus einer 7a mit suboptimaler Beta eine 7b zu zimmern, erst recht in solch kniffligem Gelände ohne jegliche Kletterspuren. Vielleicht wäre es mit dem Wissen wo die Griffe sind und wie man sich effizient von Position zu Position bewegt auch nicht so schwierig, d.h. im Rahmen einer taffen 7a?!? Oder ist die Stelle doch härter?!? Ich kann es wirklich unmöglich sagen, ausser dass ich es nur mit vollem Einsatz auf dem allerletzten Zacken geschafft habe.

Seitenblick auf eine Seilschaft in der Route Der Wolf im Schafspelz (6b+).

Obwohl es unten in der Wand sehr angenehm warm und windstill gewesen war, ging am Top ein unangenehm zügiger Föhn. Sowieso ist der Ausstiegsstand kein gemütlicher Platz für eine Pause und weil sich das Wandbuch ebenfalls in Pappmaché verwandelt hatte (der Gamellendeckel fehlt leider) warfen wir gleich die Seile aus und glitten in die Tiefe. Das ist teils ziemlich eindrücklich steil: vom Top 25m zu Stand 4 von Skyline, dann 50m freihängend gerade runter zu Off-Route-Abseilstand, 25m zu Stand 1 von Giannas Line, von wo man 40m retour zum Einstieg schwebt. Von dort zieht man trotz ein paar losen Steinen im Gelände am einfachsten vom Ende des Fixseils (Beginn von Open Air) einen 45m-Abseiler an den Wandfuss. Auch da machten wir uns gleich auf den Weg, denn wir hatten abgemacht, die Jungmannschaft am Swiss Cup im Griffig zu treffen, dort gemeinsam den Final zu verfolgen und die nationale Elite anzufeuern. Ganz so viele erfolgreiche Durchstiege wie bei uns in der Giannas Line gab's da nicht zu bestaunen - auch wenn sich die 7a so richtig taff angefühlt hatte, so ist sie wohl halt doch wesentlich einfacher wie die Wettkampfgeräte in der Halle... 😎

Steile, weitgehend freihängende Abseilerei über Skyline (7a+)

Facts

Chli Glatten - Giannas Line 7a (6b obl.) - 5 SL, 175m - Gisler/Müller 2004 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Schöne, steile, luftige und eindrückliche Kletterei in meist gutem, ja teilweise hervorragendem Klausenfels. Einige andere Abschnitte bieten nicht Top-Felsqualität und erfordern etwas Umsicht in der Griffauswahl, für alpin orientierte und erfahrene Sportkletterer ist das aber absolut problemlos. Die Absicherung mit verzinkten BH mit Fixé-Laschen ist an den schwierigen Stellen (ab ca. 6b) sehr gut und klettergartenmässig. Im einfacheren Gelände gibt's auch mal einen etwas längeren Abstand, aber es ist auch dort alles im grünen Bereich und gut/sinnvoll eingebohrt. Stand 2024 ist das (nicht so langlebige) Material in der Route noch recht gut im Schuss, Vorsicht erheischen v.a. die Fixseile und deren Verankerungen im Zustieg. Mobile Sicherungen führte ich keine mit und empfand sie nicht als nötig, auch wenn man vereinzelt wohl etwas unterbringen könnte. Topos zur Route bzw. zum Gebiet finden sich im Extrem Ost, im leider vergriffenen Führer Kletterrouten im Schächental und auch in verschiedenen Werken des SAC-Verlags. Am besten/präzisesten sind jedoch die Originaltopos der Erschliesser, die hier unterhalb aufgeführt sind.

Das Originaltopo der Erschliesser - vielen herzlichen Dank!

Wichtige Hinweise:

  • die Mutter bzw. die BH-Lasche zu Beginn der Cruxsequenz der 7a-Länge war lose und kurz vor dem Abfallen. Ich habe sie von Hand kurz so festgezogen, dass sie bei einem Sturz nicht abfällt, mich dann aber auf den Durchstieg fokussiert. Beim Abseilen kommt man da dann nicht mehr vorbei, somit wird die Lasche bald wieder wackeln oder fällt im dümmsten Fall sogar ab. Reparaturmaterial mitzuführen ist also nicht verkehrt und es wäre hilfreich, wenn die Bolts in dieser Länge kontrolliert bzw. nachgezogen würden.
  • In der benachbarten Skyline fehlt in der letzten Seillänge in der Cruxsequenz (oder das, was für mich beim Abseilen auf den ersten Blick danach ausgesehen hat) schon seit längerem eine BH-Lasche. Leider hatte ich keine Gelegenheit, das zu reparieren. Nötig wäre ein verzinktes Plättli und eine verzinkte 17er-Mutter (M10). Aus der Kletterstellung dürfte das kaum zu machen sein, man kann/muss das Top über die letzte SL von Giannas Line erreichen, kann es beim Abseilen fixen und dann die letzte SL von Skyline angehen.
  • Vorsicht an den Fixseilen im Zustieg, diesen keinesfalls blindlings vertrauen!
Fototopo der Erschliesser - vielen herzlichen Dank!

Freitag, 26. November 2021

Mettener Butzli - z'Schlanggä Unghyyr (6b) & Butzliläll (6b)

Nachdem wir schon das Saisonende vermutet hatten, so ging der MSL-Sommer doch noch in Verlängerung. Das nahmen wir sehr gerne, denn einen goldenen Novembertag an der Wärme zu verbringen während im Flachland dichter Nebel wabert, hat einen extrem grossen Genussfaktor. Im Vorjahr waren wir bei 'derselben' Gelegenheit am Gabchopf über dem Urnerboden geklettert. So wollten wir es dieses Jahr nun westlich der Passhöhe beim Mettener Butzli versuchen. Eine taxpflichtige Strasse führt dort bis auf fast 2000m hinauf und damit in unmittelbare Nähe der Einstiege. Vor allem auch wird sie, im Gegensatz zur Passstrasse selber, nie mit einer offiziellen Wintersperre belegt, so dass man am Butzli wirklich bis zum Wintereinbruch klettern kann.

Sicht vom Ausgangspunkt auf Berglichopf und Butzlichopf mit dem Verlauf der gekletterten Routen.

Somit kurvten wir ins Schächental, die Bewilligung (10 CHF/Tag, 100 CHF/Jahr) kauft man nicht mehr im Posthaus Urigen, sondern auf einem Bauernhof, der 250m nach der Abzweigung von der Passstrasse folgt (vor Ort ausgeschildert, Kartenlink). Zudem gibt's da übrigens deliziösen Alpkäse zu kaufen, den ich wirklich sehr empfehlen kann. Meistens dürfte auf dem Hof jemand vor Ort sein, der einem mit den Besorgungen hilft, bei Abwesenheit geht's auch im self-service. Ab diesem Punkt gewinnt man noch 700hm mit dem Fahrzeug, zuerst auf Teer, zuletzt dann auf einer etwas rauen Naturstrasse. Einmal in der Arena des Butzli parkiert, gibt's dann viele Möglichkeiten: Berglichopf, die Butzli-Wände, Alpler Stock, Schächentaler Windgällen und selbst für die Touren an der Läged Windgällen handelt es sich um den Ausgangspunkt mit dem kürzesten Zugang. Zu unserem Ziel, den Wänden über dem Mettener Butzli, beschränkt sich der Zugang auf gerade mal 100hm und ~10-15 Minuten. Hatten wir ursprünglich eine 'Family Affair' zu dritt geplant, so ergab sich kurzfristig noch die Begleitung von Viktor, der mit Kathrin ein Team bildete. Larina und ich waren um ca. 11.20 Uhr parat und stiegen ein in ...

z'Schlanggä Unghyyr (4 SL, 6b)

L1, 5c: Unmittelbar rechts der grossen Höhle geht's los, der Einstieg ist mit einem Klebehaken und einer Anschrift markiert. Gleich mal ordentlich steil und griffig geht's los. In der Mitte der Seillänge wartet dann sogar eine leicht überhängende Passage mit Oho-Effekt für den angegebenen Grad, wenn man direkt über die Haken klettert. Ein lässiger Auftakt!

Zum Auftakt klettert man gleich eine richtig steile Seillänge (L1, 5c).

L2, 6a+: Eine ziemlich lange Reise mit viel Abwechslung! Erst hält man sich unschwierig rechts hinaus, erklimmt dann einen Pfeiler und passiert einen Abseilstand, bevor man die grosse Verwerfung nach links hin überquert und in einem luftigen, jedoch sehr eng gebohrten Quergang entlang von einer Fuge über dem Abgrund zum Stand quert. Der letzte Move zum Stand hinauf ist dann ziemlich knifflig! Hinweis: für diese Länge sind ca. 14 Exen nötig, einige verlängerbare helfen, um den Seilzug einzudämmen.

Die Crux in L2 (6a+) befindet sich in den letzten Moves zum Stand hinauf.

L3, 6b: Sehr schöne, eng abgesicherte Tropflochkletterei. Nach einer kleinen Linksschleife zum Auftakt folgt bald die Crux, wo man einige kleinere Griffe bedienen muss, bei nicht allzu üppigem Trittangebot. Bald lassen die Hauptschwierigkeiten wieder nach, in genussreicher, gutgriffiger Kletterei geht's hinauf zum Stand.

L4, 6a+: Diese eher kurze Seillänge kann gut an L3 angehängt werden. Dies erfordert allerdings, dass man entweder viele Exen mitführt (ca. 18 Stück) oder hin und wieder eine wieder aushängt, was aufgrund der kurzen Hakenabstände gut möglich ist. Einer Art Verschneidung entlang gewinnt man hier an Höhe, der Fels teilweise mit sintrigen Strukturen, cool! Am Ende versperrt ein steiler Wulst den Ausstieg, eine Rechtsquerung und ein kräftiger Abschlusspiaz bieten die Lösung.

Die letzten beiden Seillängen (L3/L4, 6b) kann man gut verbinden, super Tropflochkletterei!

Um 13.00 Uhr, somit nach 1:40h Kletterei, hatten wir das Top erreicht und konnten uns ins säuberlich geführte Wandbuch eintragen. Viel länger hielten wir uns nicht auf, lag doch das Routenende bereits im Schatten und wir wollten sowieso noch eine zweite Route attackieren. Das Abseilen geht sehr zügig vonstatten, sind doch nur zwei Manöver nötig. Vom Top geht's schon steil zu Stand 2, der mit einem kleinen Seitpendel erreicht wird. Ab dort dann 45m freihängend, sehr luftig und mit der Möglichkeit für tolle Schattenspiel-Fotos zurück auf den Boden. Nach einem kurzen Imbiss wechselten wir 30m nach links zum 'Butzliläll', wo Kathrin und Viktor noch in der letzten Länge engagiert waren. Ein paar Minuten nach 13.30 Uhr kletterten wir los...

Das Abseilen ist spektakulär luftig und bietet Gelegenheit zum Schattenspiel.

Butzliläll (4 SL, 6b)

L1, 6a: Auch diese Route ist angeschrieben und weist einen Startbolt auf, der sich jedoch fast eher zu weit links befindet. Der Start ist gemächlich und griffig, die Absicherung dort allerdings noch nicht sehr üppig (v.a. im Vergleich zu später). Nach der Hälfte steigt man dann gerade hinauf, hier warten ein paar zügige Tropflochpassagen, wo man sich für eine 6a doch ganz schön festhalten muss! Am Ende dann einige Meter horizontal nach links querend zum Stand.

Super Tropflochfels im Butzliläll, hier folgt Larina in L1 (6a).

L2, 5b+: Achtung, Verhauergefahr! Dem Topo entsprechend quert diese Länge beständig nach rechts. Zu Beginn ist das auch der logische Weg, doch nach ca. 15m lockt rechts ein Stand, den man horizontal anklettern könnte (falsch!) und links hinauf locken einem Zwischenbolts (falsch!). Letzteres scheint an diesem Punkt die offensichtlichste und logischste Variante, vorerst ist's auch mit 5b-Schwierigkeiten kletterbar, aber man landet so im Zigermandli. Wer seine Augen öffnet, findet sicher auch den korrekten Bolt, in Richtung 13/14 Uhr klettert man zum Stand vom Butzliläll.

Das Ende von L2 (5b+) erlaubt es, das Panorama Richtung westliche Urner Alpen zu zeigen.

L3, 6b: Das Herzstück der Route mit luftiger und ziemlich anhaltender Tropflochkletterei. Das fühlt sich echt fast ein bisschen wie an den Wendenstöcken oder am Schweizereck an, ziemlich aussergewöhnlich jedenfalls für eine Plaisirroute! In einer seichten Verschneidung geht's leicht linkshaltend hinauf, über ein paar anhaltende Meter muss man seine Moves schon sorgfältig planen und sich mit bisweilen suboptimalen Seitgriffen geschickt auf abschüssigen Tritten positionieren. Dank der sehr eng gehaltenen Absicherung ist diese Passage aber wenig zwingend. Die zweite Hälfte ist dann einfacher, bietet aber immer noch tollen Fels und führt zu einem bequemen Stand in luftiger Position.

Oh yeah, fantastischer, wasserzerfressener Fels und geniale Kletterei in L3 (6b).

L4, 6a: Nochmals eine coole Länge, v.a. der griffige Auftakt im Steilgelände ist grandios. Nach ca. 7m gelangt man auf's sich zurücklegende Abschlussterrain. Erst kommt man da, einem Riss folgend, zügig voran. Doch unverhofft wird der doch nochmals überraschend knifflig, erst die letzten Meter sind dann wieder Formsache.

Die letzten Meter zum Top in L4 (6a) und schon die letzten Sonnenstrahlen dieses Tages...

Ein paar Minuten vor 16.00 Uhr und somit nach 2:15h Kletterei waren wir oben. Der Butzliläll hatte uns damit ein wenig mehr Zeit gekostet - erklärbar damit, dass die Kletterstrecke einerseits länger ist, andererseits im Schnitt auch schwieriger. Auch hier, wie schon im Unghyyr, war uns eine perfekte Team Onsight/Flash-Begehung gelungen - scheint bei diesem Schwierigkeitsgrad vielleicht selbstverständlich, aber die Crux in L3 vom Butzliläll ist keine Trivialität, erst recht nicht für eine 6b. Vom letzten Stand schien es möglich, auf den Gipfel vom Butzlichopf zu steigen. Das Zeitbudget erlaubte dies, das Alpinistenherz verlangte danach. Jedoch ist das Top wenig selbständig und bietet nicht viel neues, zu Fuss absteigen (was möglich wäre) wollten wir in den Finken auch nicht. Somit stiegen wir zurück und fädelten die Seile. In 3 Manövern über routenunabhängige Standplätze ging's zurück auf den Boden, wobei die letzte Strecke wieder teils freihängend ist, jedoch nicht ganz so spektakulär wie beim Unghyyr. Damit war der Tag schon beinahe um, wird es ja im späten November um 17.00 Uhr bereits dunkel. Wir ramisierten unseren Waren zusammen, trotteten hinab und fuhren mit der goldigen Novembersonne im Herzen heimwärts.

Beim Seilabziehen nach dem Butzliläll, mit Panorama zu Clariden, Chammliberg, Schärhorn und Gross Ruchen.

Frage: kann jemand erhellende Infos zur Route beitragen, deren Standplätze man beim Abseilen über den Butzliläll nutzt?!? Die oberen Seillängen sehen richtig lohnend und auch bestens abgesichert aus. Die Plättli mit der Prägung 'FZ' lassen den Glarner Frigg Zimmermann als Erschliesser vermuten. Da er schon lange verstorben ist, wäre diese Route alles andere als neu - die gedruckte Literatur, egal ob alt oder neu, schweigt sich darüber jedoch aus.

Facts

Mettener Butzli - Butzliläll 6b (6a obl.) - 4 SL, 140m - A. & H. Arnold, D. Furrer 1985 - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express

Sehr lohnende, spektakuläre Tropflochkletterei in luftigem Gelände mit meist bestem Fels. Man kriegt hier wirklich ein wenig Wendenstöcke im Miniaturformat bei zugänglichen Schwierigkeiten geboten. Wenn die Route 3x so lange wäre, so wäre es in dieser Schwierigkeit sicher eine der besten MSL-Unternehmungen in der Schweiz. Die Route wurde im 2011 saniert und ist grosso Modo bestens mit einem Mix von Klebehaken und Einschlagankern abgesichert. Einzig an den wenigen leichteren Stellen sind die Abstände etwas grösser, an den Cruxen ist die Route fast hallenmässig eingebohrt.

Mettener Butzli - z'Schlanggä Unghyyr 6b (6a obl.) - 4 SL, 120m - R./A./G. Arnold 1985 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express (davon 3-4 verlängerbar)

Auch das Ungeheuer ist eine wirklich gute Route, im Vergleich zum Butzliläll ist sie etwas weniger homogen, weniger schwierig und auch in Sachen Felsqualität einen Tick weniger gut. Trotzdem, für den Grad ist es eine spektakuläre Sache, die Linie äusserst luftig und einen solchen Tropflochfels wie in L3/L4 findet man nicht überall. Die Route wurde 2005 saniert und ist sehr gut mit einem Mix von Klebehaken und Einschlagankern abgesichert, einzig an ein paar einfacheren Stellen sind die Abstände etwas länger. Topos zu beiden Routen findet man im Extrem Ost oder in diversen regionalen SAC-Führern

Montag, 6. September 2021

Chli Glatten - Schwert des Samurai (7a+)

Ja, an diesem Tag hätte man höher hinaus gekonnt. Aber die eine Hälfte unserer Seilschaft war nach einem harten Bohrtag schon etwas angezählt, die andere Hälfte musste am Tag davor lange "richtig" arbeiten und besuchte am Abend bis spät eine im Ausland wohnhafte Freundin, die gerade in der Schweiz zu Besuch war. Erst einmal durch erholsamen Schlaf wieder zu Kräften kommen und gemütlich frühstücken, so lautete die Devise. Nachher würden wir dann sehen, was noch an Kletterei drin läge - mussten wir doch abends auch wieder zurück sein, um die KInder bei ihrer Rückkehr aus den Trainings zu empfangen. Und eben, wie der Titel schon zeigt, auf den Chli Glatten fiel schliesslich unsere Wahl. Früher waren wir hier recht oft zugegen, doch nun waren es schon geschlagene 6 Jahre seit dem letzten Besuch...

Der Blick auf den rechten Sektor am Chli Glatten mit dem Verlauf vom 'Schwert des Samurai' (7a+).

Während mir viele Routen an dieser Wand schon gelungen sind und ich mit dem Uristier sogar eigene Spuren hinterlassen konnte, blieb das Schwert des Samurai immer für einen besser geeigneten Tag offen. Nun war dieser gekommen: eine kleine Herausforderung in Bezug auf die Schwierigkeit mochte es noch leiden, mit limitierten Kräften mochte ich aber nicht mehr in eine Route einsteigen, wo weit über der letzten Absicherung am Limit gemoved werden muss. Zudem war ein einwandfrei sonniger und warmer Tag angesagt, was die Kletterei an der luftigen und oft zugigen Kante sicherlich zum Genuss machen würde, während man im Schwert bei marginalen Bedingungen oft schlottert und an den Griffeln friert. Um 12.10 Uhr brachen wir an der Klausenstrasse auf (man kann/soll nur ausserhalb der bewirteten Zeit bei der Alp Bödmer abstellen!). Meine schweren Beine machten sich bemerkbar, nachdem mein Sack aber rund 25kg leichter wie am Vortag war, fühlte es sich doch noch fast wie fliegen an und es ging einigermassen zügig in die Höhe. Nach 35 Minuten und 380hm waren wir am Einstieg, ich konnte Kathrin zum Vorstieg von L1 überzeugen und so legte sie um ca. 13.00 Uhr los.

Hier geht's los (Aufschrift in der rechten, unteren Bildecke), das Schwert oben droht!

L1, 40m, 6a+: Der Einstieg befindet sich in der markanten Schlucht (gebohrte Sanduhr, derzeit ist der Name gut sichtbar mit Farbe angeschrieben) an einer westlich ausgerichteten Wandpartie. Dementsprechend ist der erste Abschnitt bis weit nach dem Mittag im Schatten und fühlt sich aufgrund der Lage oft klamm und kühl an. Da gleichzeitig auch der Fels eher auf der glatten und abschüssigen Seite ist, kann sich das unangenehm anfühlen. Wir trafen aber auf prima Bedingungen, entlang der griffigen Verschneidung inkl. Ausspreizen waren die Einstiegsmeter rasch überwunden. Später hält sich die Route an die Kante, ja verläuft im zweiten Teil gar rechts in der südlich ausgerichteten Partie. Bis am Ende wartet immer einmal wieder ein anspruchsvollerer Schritt, richtig schwierig wird es aber nie.

L2, 35m, 6b: Im ersten Teil dieser Seillänge wurde die Route im 2019 durch den Erstbegeher saniert (und etwas im Verlauf korrigiert?!?), hier stecken nämlich formidable Inoxbolts, während der Grossteil der Route noch mit verzinkter Ware eingerichtet ist. Der Fels sieht klausentypisch klötzlimässig aus, aber auf der ersten Hälfte warten keine grossen Schwierigkeiten und das Gestein ist erfreulich solide. Weiter oben zieht's dann an, die Route schlängelt sich um die wenig ausgeprägte Kante. Eine Stelle, wo von rechts nach links zurück gewechselt wird, darf man sogar als durchaus knifflig bezeichnen, ebenso muss man kurz vor dem Ausstieg noch einmal "hinlangen". Erwähnt sei auch, dass total 13 Bolts hier sehr dicht stecken, auch weniger kühne Kletterer können hier frohen Mutes voll angreifen.

Dem Schwert schon näher, Kathrin im Vorstieg in L2 (6b).

L3, 30m, 6c: Man steigt unschwierig auf ein Band empor, wo man sich unterhalb einer ausladenden Dächerzone befindet. Doch wie die fix installierte Exe anzeigt, gilt es tatsächlich durch die hinauf zu klettern. Nach einem kräftigen Einstiegszug gewinnt man bald erstklassige Henkel. So weit so gut, aber nun heisst es an Seitgriffen dranbleiben, während mit den Füssen auf mässigen Tritten weit aussen Gegendruck erzeugt werden will - eine Stelle, an welcher lange Beine wohl für einmal keinen Nachteil darstellen. Wenn's nicht geht auch nicht weiter schlimm, die nahezu hallenartige (aber aufgrund des Bandes unterhalb absolut sinnvolle) Absicherung erlaubt hier sowieso das Fortkommen. Im Mittelteil der Länge geht's dann gemässigt-griffiger dahin, während zum Ende hin noch sehr schön und fein von rechts nach links über eine Steilplatte mit bestem Fels traversiert werden muss.

Die strengsten Meter durch die Dachzone von L3 (6c) sind geschafft!

Am Ende von L3 (6c) wird dann mehr noch die Feinmotorik auf dieser Platte abgefragt.

L4, 15m, 7a+: So, nun beginnt definitiv der Ernst der Sache! Zum Glück waren meine Lebensgeister inzwischen wieder erweckt worden und ich war motiviert, dieser Länge einen guten Fight zu geben! Zügig steigt man, für den angegeben Grad noch 'unschwierig' unter das markante Dach mit der fixen Kette empor. Dessen Überwindung kann man leicht als die Crux identifizieren. Dies geht so in "Patsch-patsch"-Art an Seitgriffen in Form eines schwierigen Aufrichters oberhalb vom Dach, wobei wohl auch etwas Glück dazu gehört, auf die jeweils besser anhängenden Stellen zu schnappen. So lässt sich der nächste Bolt klippen und der Weg zum folgenden Exemplar antreten - dies der wohl forderndste Abstand der Route?!? Mir war jedenfalls nicht ganz klar wie und wodurch, ein gewisser Pump war fühlbar, das hin-und-her Griffe ertasten machte den nicht besser, doch mit einem Kraftakt ging es dann doch gut im Onsight auf, vielleicht wäre es ja auch gar nicht so schwierig wenn man einfach steigen würde... mit ein paar weiteren Moves erreicht man schon den sehr luftig auf der Kante sitzenden Stand.

Herzhaftes Zupacken im wohl forderndsten Hakenabstand der Route (L4, 7a+).

L5, 15m, 7a: Es bleibt zu hoffen, dass während dem Sichern der Akku wieder etwas aufgeladen werden konnte (Steckdose allerdings ist keine vorhanden ;-)), denn auch auf diesem kurzen Abschnitt ist durchaus etwas Finger- und Schulterpower nötig. Schon zum Auftakt wartet ein kniffliges, trittarmes Wanderl mit Seit-/Untergriffen und Mikrocrimps. Dann ein Dächli, wo es athletisch schräge Kleingriffe zu schultern gilt, wobei auch da der Schlüssel in guter Fussarbeit liegt. In ähnlicher Manier geht's noch ein paar Meter weiter, ein cooler Hand-Foot-Match war letztendlich der Schlüssel zum erfolgreichen Durchstieg - einfach richtig genial, solche Bouldermoves in einer Alpintour zu vollführen! Die letzten fünf Meter zum Stand trumpfen dann mit grösserem Griffangebot auf, so dass man hier kaum mehr ans Limit kommt. Insgesamt kam mir diese Länge nicht einfacher, ja eher sogar schwieriger wie L4 vor. Aber während man am Dach in L4 eher auf eine schwierige Einzelstelle trifft, wo man mit etwas Vorstellungskraft rasch einmal Allez-Hopp darüber weg ist, kann/muss man in L5 ewig an den vielen Mikrostrukturen tüfteln und sich richtig aussaften - wenn man den genauen Ablauf kennt, so ist es im Rotpunkt vielleicht schon dankbarer.

Da hat man die Sache in der Tasche! L5 (7a) wartet mit bester Felsqualität auf die Begeher!

L6, 40m, 6b: Der Plattenschild in dieser Länge sieht von unten unnahbar aus... und erfordert schon nach dem ersten Bolt eine technisch schwierige Bewegung, die wohl auch etwas morpho ist?!? Nachher geht's über die kompakte Wandzone, doch dank einigen zwar recht kleinen, aber schön positiv-bissigen, ideal platzierten Leisten für Hände und Füsse geht das fast mühelos. Schliesslich wird das Gelände einfacher und ist auch nicht mehr ganz so attraktiv. Zuletzt steigt man auf das flache Gelände aus und quert nach rechts hinüber zum gemeinsamen Ausstiegsstand mit dem Altherrenweg, wo sich auch das Wandbuch befindet.

Kathrin unterwegs im Plattenschild von L6 (6b), das aber dank positiver Struktur sehr gut aufgeht!

Für einmal gebührt Kathrin die Ehre, das Foto vom am Top ankommenden Nachsteiger zu machen!

Um 16.30 Uhr und damit nach 3:30 Stunden vergnüglicher Kletterei waren wir am Top. Nach den beiden gemütlichen Auftaktlängen hatte die Kletterei in L3-L5 gefordert, dafür aber auch die Müdigkeit des Vortags vergessen gemacht. Wir sassen mit dem Gefühl am Top, nun wirklich genau die richtige Herausforderung für den Tag gefunden zu haben - und noch dazu, sie erfolgreich mit einem perfekten Onsight/Flash-Durchstieg gemeistert zu haben. Die schöne Nachmittagsstimmung und die wunderbaren Ausblicke auf Clariden, Schärhorn und das Schächental taten das ihrige dazu. Da die Uhr aber schon vorgerückt war, konnten wir nicht allzu lange verweilen. Zum Abseilen ist es zwar nicht nötig, auf 2x60m-Seile zurückgreifen zu können - es sind so aber nur 3 statt 5 Manöver nötig. Das empfiehlt sich aber nur für jene, die a) sich bis ganz ans Seilende abzufahren trauen, b) die Übersicht über die Position der vielen Standplätze behalten haben und c) auch so versiert sind, die Seile schön parallel zu legen, sonst könnte das Abziehen (insbesondere beim obersten Abseiler) kritisch werden. Uns gelang es wie am Schnürchen, so waren wir bald am Wandfuss bei Speis und Getränk und nach einem Geröllsurf und ein paar raschen Schritten um 17.30 Uhr zurück an der Strasse. Beschwingt fuhren wir heimwärts und freuten uns auf das Wiedersehen mit den Kindern.

Der Blick vom Einstieg zum Clariden mit seiner immer mehr abtauenden Nordwand.


Abendstimmung das Schächental hinaus! Schön war's, wir kommen sicher wieder an den Glatten!

Facts

Chli Glatten - Schwert des Samurai 7a+ (6b obl.) - 6 SL, 175m - Müller/Gisler 2004 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile (oder zum Abseilen praktisch 2x60m), 15 Express, Keile/Cams nicht nötig

Lässige Klausenroute in durchgehend solidem, ja meist sehr gutem Fels mit einer originellen und luftigen Linie entlang der eindrücklichen Kante. Zuerst warten zwei Aufwärmlängen, während es dann zuerst athletisch gutgriffig und schliesslich kräftig und technisch an eher kleinen Strukturen in die Höhe geht, bevor die Route mit der letzten Seillänge gemütlich ausklingt. Die Bohrhaken stecken hier meist dicht (xxxx), abschnittweise sogar in ausgesprochen kurzen Abständen (xxxxx), so dass die Cruxen kaum obligatorisch zu klettern sind. Cams/Keile sind definitiv unnötiger Ballast, abgesehen davon dass man sie auch kaum einsetzen könnte. Hingehen, geniessen und klettern, bzw. noch besser durchsteigen, kann man da nur sagen. Mit Vorteil wartet man dafür einen warmen und nicht zu windigen Tag ab. Der Start liegt nämlich für eine Südwand ausgesprochen schattig und auch sonst war es uns an einem 30-Grad-im-Tal-Tag niemals je zu hitzig. Ein Topo zur Route findet man z.B. im (leider vergriffenen) Lokalführer Kletterrouten im Schächental, im Extrem und im Plaisir Ost sowie möglicherweise auch in Führern des SAC-Verlags.

Montag, 30. November 2020

Gabchopf - Diä Gääch (6c)

Der Gabchopf ist eine auffällige Felsformation hoch über dem Urnerboden. Er befindet sich noch unterhalb vom Zingelfad, also etwas unterhalb der eigentlichen Jegerstöck. Der Zustieg dahin fordert rund 600hm und bietet ausser weglosem Gelände noch keine grossen Schwierigkeiten, die Routen weisen maximal 150m Länge auf, sind gut abgesichert und wurden in den 2000er-Jahren saniert. Alles in allem heisst das, hier gibt's die Jegerstöck Experience in der Light-Version. Keine Abstriche muss man hingegen bei der Felsqualität machen, die ist nämlich weitgehend exzellent, ja die Routen sind hier eigentlich sogar homogener gut wie in der oberen Etage. Nachdem auch am letzten Novemberwochenende nochmals bestes Bergwetter herrschen sollte, entschieden wir uns für 'Diä Gääch', eine Route die man ja nur schon dem Namen wegen einmal geklettert haben muss. Ob sie wohl ihrem Namen gerecht würde?!? Rein von der Papierform her, mit 5 SL bis maximal 6a+, durfte man das durchaus in Zweifel ziehen...

Oh ja! Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schnee am Urnerboden (Eis hat es im Moment übrigens  trotzdem keines, ist wohl zu trocken), Sonne und sichtbare Wärme an den Jegerstöcken. Dort hinauf wollen wir also so rasch wie möglich!

Eben früh waren wir nicht unterwegs, um 11.00 Uhr starteten wir beim Hotel Tell auf dem Urnerboden. Aber der Skisprung-Trainingstag startete halt nicht früher - Family Business, wer kennt es nicht. Anyway, so mussten wir halt ein wenig schneller laufen. Das klappte bis nach Zingel (ca. 1750m) prima, die letzten 200hm über weglose Wiesen und Geröll brauchten dann noch etwas mehr Zeit und auch Kraft. Nach einer guten Stunde schirrten wir uns am Sockel vom Gabchopf auf. Die letzten Meter zur Wand hinauf sind dann recht steil, die Querung zum Einstieg von 'Diä Gääch' ist dann zusätzlich noch ziemlich exponiert, da liegt kein Ausrutscher mehr drin (ca. T5). Um 12.30 Uhr ging's mit der Kletterei los - ob all diesen Zeiten könnte man meinen, wir seien im Stress gewesen. Das stimmt aber absolut nicht, wir waren guten Mutes, dass das Timing sich locker ausgehen würde, dazu ganz alleine am Berg, bei goldenem Herbstlicht und perfekten Temperaturen - was will man noch mehr!

Bottom-Up-Sicht auf den Gabchopf mit dem Routenverlauf, durch die Perspektive ziemlich verzerrt. Es wäre gut, einmal mit dem Gleitschirm ein adäquates Wandfoto zu knipsen. Hmm, da hätte ich eigentlich die Gelegenheit dazu gehabt, als ich nach der Rapunzel am Rot Nossen oder der Venus am Läckistock zu Tale geschwebt bin.

L1, 40m, 6b (offiziell 6a+): Der Start noch eher von plattiger Natur in prima Fels, bevor man in einer kleinen Verschneidung auf etwas unzuverlässigeres Gestein trifft. Das ist aber nur ein kurzes Intermezzo, denn sobald geht es tatsächlich rechts in die irre steile Wand hinaus. Beste, wasserzerfressene Leistenkletterei folgt und zehrt an den Kräften, erst für die letzten 10m legt sich die Neigung wieder auf die günstige Seite der Senkrechten zurück. Diese Seillänge ist sicherlich jenseits von nur 'hart' für 6a+, sondern eher im Bereich 6b/+ einzustufen. Die Absicherung ist tadellos, um alle Bolts zu klippen sind 14 Express nötig (und nicht bloss 12 wie in den Topos angegeben).

Nach einer steilen Wand folgt in L1 (6b) noch eine sehr schöne Abschlussplatte.

L2, 30m, 6a+ (offiziell 5c+): Hier wartet eine super Platte, doch schon die ersten Moves aus dem Stand sprengen wie vermutet den Rahmen einer 5c+ deutlich. Auch nachher geht's anhaltend dahin. Super Kletterei, bester Fels, direkt über die Haken spielt sich diese Seillänge im Bereich 6a+/6b ab. Vielleicht ginge es etwas linksrum im weniger kompakten Gelände ringer, was aber freilich keinen Sinn macht. Auch hinauf zum Stand muss man sich nochmals richtig festhalten.

Super Kletterei auch in L2 (6a+). Vermutlich wäre es in deren Mittelteil einfacher, links im grasdurchsetzten Gelände zu klettern. Viel schöner, aber auch schwieriger ist es, konsequent rechts im kompakten Fels zu bleiben. Zum Glück wurden anlässlich der Sanierung die Haken so platziert, dass dies auch einwandfrei möglich ist! 

L3, 20m, 6c (offiziell 6a): Wow, was für eine richtig coole Seillänge. Senkrechte bis leicht überhängende Kletterei an scharfen Tropflöchern führt unter das markante Dach hinauf. Diverse bouldrige Moves sind echt fordernd und die richtige Sequenz will auch erst einmal gefunden werden. Wir konnten das alle 3 mit etwas unterschiedlichen Lösungen flashen. Nach aller Dafürhalten geht diese Sequenz sicher nicht unter 6b+/6c daher! Unter dem Dach quert man dann an einer Hangelschuppe sehr luftig zum exponierten Stand hinüber. Immerhin, dieser Abschnitt ist einfach und darum sowohl im Vor- wie im Nachstieg trotz dem etwas längeren Hakenabstand unbedenklich. Anlass zu Diskussionen hat hingegen die Hangelschuppe selbst geführt. Ich habe von anderen Kletterern gehört, welche diese als unsicher taxiert haben. Natürlich habe ich mich ihr nicht einfach blindlings anvertraut, sondern zuerst angeklopft. Dieses wirklich grosse Stück Fels (ca. 5m breit, 3m hoch, oben 40cm dick) dröhnt tatsächlich etwas. Ich fand es aber unbedenklich und bin mit absolut gutem Gefühl daran geklettert. Wie solide diese Schuppe wirklich ist, bleibt aber natürlich offen... wie immer in den Bergen, man vertraue auf seine eigene Meinung!  

Da fühlt sich jemand zuhause in der vertikalen Welt!

Kathrin hangelt am Corpus Delicti in L3 (6c).

L4, 35m, 6c (offiziell 6a+): Lange Seillänge mit etwas inhomogenen Schwierigkeiten. Der sehr eng gesicherte Wulst gleich zum Auftakt lässt knifflige Moves vermuten. Und ja, während es erst noch geht, konnte ich mich schliesslich nur mit der Brute-Force-Brechstange retten, sprich mit zwei Moves, die eher in eine 7a+ als in eine 6a+ gehören. Aber naja, vielleicht habe ich es schlecht erwischt, doch auch dieser Abschnitt dürfte kaum einfacher als 6b+/6c zu haben sein. Schliesslich folgt gemässigteres Gelände, das einen in die grosse Verschneidung führt. Diese klettert sich dann wie eine ganz brave 6a+, nur beim luftig-athletischen Finish muss man sich nochmals gut festhalten, um das Wandbuch zu erreichen.

Auch zum Schluss von L4 (6c) folgt nochmals eine coole Hangel-Passage.

Wir blättern mit Interesse im Büchlein. In den ersten Jahren nach der Erstbegehung im 1989 gab es einen richtigen Ansturm von lokal kundigen Glarner und Urner Kletterern. Scheinbar wurde dieser Schatz gehütet, denn auswärtige Begehungen gab es damals keine. Die traten erst später auf den Plan, vorerst als einzelne Ausreisser, später dann mit der Publikation im GLclimbs etwas häufiger. Inzwischen hat die Route in den 31 Jahren ihres Bestehens gute 100 Begehungen auf dem Buckel, trotz der Sanierung hat die Frequenz in den letzten Jahren eher abgenommen. Vielleicht mag ihr ja dieser positive Bericht ein neues Leben einhauchen?!? Einzig sicher ist: das Wandbuch ist voll, wir trugen uns auf dem letzten freien Platz der Umschlagrückseite ein. Es mögen die nächsten Besucher ein neues Exemplar mitbringen, Format maximal A6.

Das wär's doch noch, ein Wandbuch wo jeder ein Selfie einkleben muss/darf/kann ;-)

L5, 30m, 6a (offiziell 5c+): Nun denn, vor lauter Geschichte dürfen wir die letzte Seillänge nicht vergessen. Man biegt rechts um die Ecke in etwas ghüdriges Gelände, über welches man ungesichert ebenfalls auf den Gipfel steigen könnte (expo, heikel!). Doch die Route überquert nach dem zweiten BH die Kante nach links auf die Abschlussplatte, die nochmals interessante Moves in etwas glattem, abwärtsgeschichtetem Fels bereithält. Auch hier, für 5c+ ist das kein Geschenk, doch für einmal ist die Bewertung nicht ganz so weit von der Realität entfernt wie in den unteren Seillängen.

Frau Dettling junior auf der Abschlussplatte (L5, 6a), just mit den letzten Sonnenstrahlen.

Mit den letzten Sonnenstrahlen sind wir etwas nach 15.30 Uhr alle auf dem Gipfel, das macht gerade rund 3:00 Stunden an sehr genussvoller und interessanter Kletterei. Wären die Tage ein wenig länger (oder wäre man tageszeitlich früher unterwegs), so liesse sich gut noch eine zweite Route am Gabchopf anhängen, oder wie ich es auch schon gemacht habe, zum Rot Nossen hinaufsteigen und dort noch eine Route angreifen (ca. 15 Minuten, T5). Für uns heisst es hingegen Abseilen. Dafür sind 4 Manöver fällig, den Station nach L3 kann/muss man auslassen, allerdings muss jener von L2 angependelt werden - die Wand ist überhängend und der Stand ist etwas seitlich versetzt. Immerhin ist so auch auf dem Rückweg für etwas Spannung gesorgt. Am Einstieg trödeln wir nicht mehr lange, packen unsere Sachen und machen uns auf die Suche nach dem feinkörnigen Geröll, über welches wir möglichst bequem auf die Alp Zingel abfahren können. Das gelingt ganz ordentlich. Nun heisst es noch zum Urnerboden absteigen, ein toller Vollmondaufgang sorgt für geniale Bergstimmung. Ein paar Minuten nach 17.00 Uhr sind wir retour beim Hotel Tell, das Timing ging also perfekt auf, ohne dass wir die Stirnlampe hätten zücken müssen. Bald auf dem Heimweg tauchen wir in die Dunkelheit und eine dicke Nebelsuppe. Die Erinnerungen an diesen goldigen Spätherbsttag sind so aber nur umso mehr wert!

Der Geröllhaldensprint sollte doch eigentlich olympische Disziplin werden ;-)

Facts

Gabchopf - Dia Gääch 6c (6a+ obl) - 5 SL,  150m - Furter/Vogel 1989 - ***;xxxx

Material: 2x50m-Seile, 14 Express, Cams/Keile nicht nötig

Schöne, steile und eindrückliche Kletterei, die ihrem Namen absolut gerecht wird. Allerdings sollte man sich hier wie aufgrund der offiziellen Topos zu vermuten auf eine gemütliche Plaisirroute einstellen, sondern auf alpines Sportklettern. Dieses kriegt man in meist bestem Fels geboten, die für den Klausenpass üblichen Ausreisser mit minderer Felsqualität beziehen sich auf wenige Meter. Seit der Sanierung in den 2000er-Jahren ist die Route fair und solide abgesichert. Einziger Wermutstropfen: die inzwischen verpönten, originalen Sondi-Ringhaken der Erstbegeher wurden alle belassen, somit klettert man die schwierigsten Moves an den schlechtesten Bolts. Passt aber dank der üppigen Absicherung schon. Alles in allem dank der sonnigen Lage auf ca. 1950m ein tolles Ziel für sehr früh oder sehr spät in der Saison. Ein schematisches Topo und Infos zu weiteren Routen am Berg findet man im SAC-Kletterführer Glarnerland.