- -

Samstag, 1. Februar 2014

Cogne - Eis und Mixed in Moline

Den ganzen Vortag und auch über Nacht hatten die Flocken fast ununterbrochen getanzt, etwa 25cm an Neuschnee waren hinzugekommen. Obwohl eigentlich eine Besserung angesagt war, war auch noch der Morgen total verhangen und die Schneeflocken wirbelten durch die Gegend. Unser Plan wäre es eigentlich gewesen, das Lillaz Gully zu klettern, doch irgendwie hatten wir den Eindruck, dass dafür bessere Tage kommen würden, wo man die Tour mit deutlich mehr Genuss klettern könnte.

Um doch noch ein wenig an die frische Luft zu kommen, beschlossen wir einmal dem Eis- und Mixedklettergarten am Bach zwischen Cogne und Lillaz einen Besuch abzustatten. Dieser ist rasch erreicht und da sollte auch der viele Neuschnee nicht so stören. Das Topoblatt listet doch immerhin 19 verschiedene Routen auf, von WI2 bis M6 ist ziemlich alles vorhanden. So machten wir uns also auf den Weg, von Cogne aus kann man gut zu Fuss gehen. Natürlich zeigten sich bei diesem Marsch urplötzlich die ersten blauen Störungen, der Schneefall hörte auf und quasi innert Minuten riss der Himmel auf. Doch noch umdrehen und fürs Lillaz Gully packen?!? Nein, wir blieben beim Klettergarten und nachmittäglichem Skifahren mit den Kindern.

In der Schlucht mit dem Klettergarten. Gibt es noch einen weiteren Sektor? Ich denke nein, bin aber nicht ganz sicher.
Der erste Blick auf den Klettergarten sieht durchaus interessant aus. Tatsächlich gibt es einige spannende und auch gar nicht so einfache Eislinien, und im steilen linken Teil stecken Bohrhaken, welche die Mixed-Routen definieren. Bei genauerer Betrachtung frage ich mich (auch im Nachhinein) allerdings, wo diese 19 Routen denn zu finden sein sollen. Vielleicht (eher unwahrscheinlich allerdings) gibt es weiter flussabwärts nochmals einen Sektor, doch da wo wir waren gibt es meines Erachtens exakt 3 Eislinien und eine einzige Mixed-Route, bei welcher die BH nicht dermassen verrostet sind, dass man sich schon am Einstieg fürchten muss.

Die einfachste Eisroute ganz rechts aussen, mit ca. WI3 zu bewerten.
Uns sollte dies nicht stören, denn für unser Zeitbudget gab es genügend zu tun, dennoch denke ich, dass es wichtig ist hier nicht mit falschen Vorstellungen anzureisen. Irgendwie hat es mich auch etwas verblüfft, denn sonst überall in den Routen von Cogne ist die Ausrüstung mit BH an den Ständen perfekt und up-to-date, und die Informationen zu den Routen akkurat. Just im Klettergarten ist es anders. So pickelten wir uns also an den Eislinien ab, welche nach meiner Einschätzung (von rechts her kommend) mit ca. WI3, WI4- und WI4 zu bewerten wären. Hier allerdings, im Gegensatz zu den längeren Touren ohne Kletterspuren, und dementsprechend eher schwieriger für den Grad als in den alpineren Routen.

Der Kletterer in der lohnendsten Eislinie im Gebiet, ca. WI4-.
Mein persönliches Highlight war dann die Mixed-Route. Diese führt durch ziemlich überhängenden Fels, dessen Schichtung für einige positive Hooks sorgt, am Schluss folgt dann ein Eisvorhang. Insbesondere der Wechsel an diesen ist ziemlich athletisch. Im Vergleich zu meinen Erfahrungen auf dem Urnerboden oder auch dem Tösstal denke ich, dass diese Route schon im Bereich von M6+/7- einzuordnen ist. Im Onsight war ich da chancenlos, ganz einfach weil es nicht geht, wenn man nicht einfach den Hooks blindlings vertraut und an dem zieht, was dem Pickel Widerstand bietet. Nach dem Auschecken konnte ich dann allerdings rotpunkt durchsteigen und von daher bot dieser Trip nach Cogne also auch eine neue Bestleistung in dieser Skala. Jaja, ich weiss, das ist noch auf sehr bescheidenem Niveau, Freude gemacht hat es mir trotzdem! Mit diesem Erfolg in der Tasche liessen wir es für gut sein und trotteten nach Hause, um mit den Kindern die Pisten am "grossen Lift" in Cogne unsicher zu machen. Bei hervorragendem Schnee, bestens präparierten Abfahrten und keinen Leuten war auch dies eine tolle Sache!

Ziemlich steile Mixedkletterei, hinten die steilste Eislinie, ca. WI4.
Facts

Eis- und Mixedklettergarten bei Moline/Cogne, ca. 8 Routen im Bereich WI3-WI4 bzw. M6-M7
Material: 6-8 Eisschrauben, 50m Einfachseil

Rasch erreichbarer Klettergarten am Fluss gleich unterhalb der Strasse zwischen Cogne und Lillaz. Die Routen bieten Kletterlängen von 15-25m und geben für einen An- oder Abreisetag, bzw. bei Schlechtwetter durchaus eine interessante Möglichkeit, sich etwas zu betätigen. Die Lage ist schön, und wenn die Sonne scheint, gibt es gar einige wärmende Strahlen. Wer möchte, kann auch von der Strasse aus Topropes installieren. Leider ist gerade dieser Klettergarten nur mässig eingerichtet. Mit ein paar sinnvoll platzierten Ständen und brauchbaren Zwischensicherungen gäbe es doch noch etliche zusätzliche, interessante Möglichkeiten. Insgesamt also eher etwas für den kleinen Hunger, oder dann die Bohrmaschine mitbringen und dem Gebiet einen neuen Schliff verleihen!

Zugang: von Cogne Richtung Lillaz gehen/fahren, beim letzten Kreisel ist der Ortsteil Moline. Man passiert die letzten Häuser und geht noch ca. 300-400m weiter. Dort, wo rechts die Leitplanke aufhört, es befindet sich da auch ein Kieslagerplatz mit Bagger, geht es runter ins Bachbett. Ein paar wenige Schritte flussabwärts führen zum Ziel. Zeit von Cogne ca. 15-20 Minuten.

Routen: so wie ich es einschätze, gibt es hier 3 Eisrouten, an denen man noch die eine oder andere Variante einbauen kann. Mixedrouten gibt es im linken Teil etwa 3-4 Stück, welche von der Hakenanzahl her vernünftig abgesichert sind. Allerdings ist das Material total verrostet und nur 1 Route weist neue BH auf, dies ist denn auch die einzige, die ich als kletterbar einstufen würde. Die anderen kann man allenfalls im Toprope machen.

The dark side: total verrostete BH, nicht fachmännisch gesetzt (Dübel steht zu weit raus). Weckt nicht gerade das Vertrauen...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über Ergänzungen zu diesem Blog via Kommentarfeld!
Kontakt: mdettling@bluewin.ch.