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Mittwoch, 5. Februar 2014

Cogne - E Tutto Relativo (WI4)

Ein bisschen spürten wir schon die Efforts der vorangegangenen Tage und da es zudem draussen auch noch schneite, nahmen wir gerne einen zweiten Cappuccino und verweilten noch etwas länger beim Frühstück. Schliesslich obsiegte dann aber doch die Motivation, einen weiteren Eisfall zu begehen. Weil wir schon zuvor wegen Fernarbeitspflichten den Schichtwechsel für die Kinderbetreuung auf 14 Uhr festgesetzt hatten, passte der Tutto Relativo perfekt ins Programm. Dies tönt nun ein wenig nach Ausweichtour, was aber der Wahrheit nicht entspricht. Diese Route hatte ich daheim noch ganz oben auf die Wunschliste gesetzt. Vor Ort waren aber nun einige deutlich schwierigere Routen geglückt und so verblieb natürlich auch ein Stück weit die Verlockung, eine weitere Herausforderung anzunehmen.

Routenübersicht, aufgenommen kurz vor dem Einstieg
Aber fertig der kühnen Träume, die Tourenwahl war erfolgt und wir fuhren nach Lillaz. Der Zustieg zum Tutto Relativo ist ziemlich kurz und dauert rund 20-30 Minuten. Natürlich war bereits eine optimale Spur vorhanden, Konkurrenz aber zum Glück keine in Sicht - man sei sich gewahr, dass dies an Weekends ganz anders aussehen wird, handelt es sich doch hiermit um eine der beliebtesten Touren des Valeille. Wie immer waren wir zwecks Bequemlichkeit mit bereits montierten Steigeisen und Klettergurten zugestiegen und so konnte es sogleich losgehen. Die erste Länge bietet gemütliche Kletterei von 70-75 Grad in prima Sorbet und war dementsprechend rasch erledigt: 50m, 4 Schrauben, mit der Zeit gewöhnt man sich einfach an das Medium Eis und fühlt sich auch über den Sicherungen wohler. Der BH-Stand befindet sich links an den Felsen und gibt den Blick frei auf das Prunkstück der Route, die zentrale Säule. Bevor man diese anpackt, gilt es aber noch eine einfache Überführungslänge (40m, max. 60 Grad) zu überwinden. Stand macht man entweder rechts an einem Baum, oder dann hinter der Säule an BH. Bei unserer Begehung floss rechts im steilen Teil eine massive Dusche, und so war die Option mit dem BH-Stand in der Nische deutlich angenehmer und trockener.

Tiefblick auf die einfachere L2, zumeist im Schnee, am Schluss kurz 60 Grad im Eis.
Die Säule selber liess sich dann prima klettern: erst rausqueren auf einer schmalen Leiste und dann aufwärts. Im zentralen Teil war das Eis trocken und von idealer Konsistenz, perfekt zum Schrauben und der eine oder andere Hook bzw. Tritt war ebenfalls vorhanden. Die Steilheit beträgt auf wenige Meter 90 Grad, und legt sich dann rasch graduell zurück. Insgesamt kann man sagen, doch deutlich schwerer wie die Patri-Fälle, aber auch klar einfacher wie Tuborg oder Sentinel Ice. Anyway, den BH-Stand nach der Säule erreicht man in etwa 10-15m weiterem Aufstieg über Schnee links an den Felsen. Zum Glück waren noch Fussspuren von Vorgängern sichtbar, ansonsten wäre es hier echt schwer geworden, waren doch die BH schon komplett zugeschneit und nicht mehr erkennbar.

Blick auf die Säule, im rechten Teil tropft es gewaltig, am besten grossräumig ausweichen.
Die letzte Seillänge bietet dann noch eine tolle Gully-Kletterei, anregend aber ohne grosse Schwierigkeiten. Eis hatte es hier nicht mehr allzu viel und da auch noch Schnee lag, musste man etwas aufpassen, um Felstreffer zu vermeiden. Kletterei und Absicherung waren aber tadellos möglich. Nach dem Ausstieg auf den Schnee steigt man noch etwa 15m weiter, bis wiederum links in den Felsen ein Stand à l'Italienne mit Schlingenverhau um einen Block plus ein BH sichtbar wird. Somit war ein weiteres Ziel erreicht, und ob den winterlich-feuchten Bedingungen hielten wir uns nicht lange auf. Um ins Tal zu gelangen, steigt man noch etwa 20hm durch die Rinne auf, bevor man sich nach links wendet und in einer ziemlich steilen Querung einfacheres Gelände erreicht. Hier käme man gerade am Einstieg der Cristal Giusy (80m, WI4) vorbei, mit der man weiteren Eishunger stillen könnte. Für uns lag dies zeitlich nicht mehr drin, zügig stiegen wir über die Schneehänge ab und waren wie abgemacht zeitig zurück daheim - zur Freude unserer Kinder blieb noch ausreichend Gelegenheit, um nochmals am Sylvenoire-Sessellift Skifahren zu gehen.

Blick auf die letzte SL, auch wenn es hier einfach aussieht wartet in der Rinne nochmals richtige Eiskletterei.
Facts

E Tutto Relativo II WI4 180m
Material: 6-8 Schrauben, 2x60m-Seile, mit 2x50m muss man in L4 kurz (gefahrlos) gemeinsam steigen.

Zugang: durch den Ort Lillaz hindurch und auf gespurtem Wanderweg ins Valeille hinein und auf die erste Anhöhe hinauf. Dort, wo der Weg wieder etwas abfällt, bei der Ausschilderung links den Hang hinauf und zum Einstieg. Zeit ca. 20-30 Minuten.


Route: in L1 (50m) eine homogen geneigte Rampe von 70 Grad, oft feucht. Stand danach links in den Felsen. In L2 (35m) Schnee oder leichtes Eis, zum Schluss kurz etwas steiler (60 Grad) an den Stand an Baum rechts oder an BH rechts hinter der Säule. In L3 (35m) die markante Säule, mit kurzem senkrechtem Stück, danach um 85 Grad, BH-Stand etwa 15m darüber im Fels links. In L4 (60m) eine schöne, enge Rinne um 70 Grad und etwas Schneegestapfe, BH-Stand in den Felsen links.

Abstieg: abseilen über die Route ist mit 2x60m gut möglich, bequemer ist aber der Fussabstieg. Man steigt noch etwa 20hm auf und quert dann nach links hinaus und steigt über das Schneefeld ab. In 10 Minuten ist man retour beim Einstieg, wenn man nicht noch die 2 SL der Cristal Giusy (WI4, 80m) anhängt, an deren Einstieg man direkt vorbeiläuft.

Im Fussabstieg, hinten sind gut noch die 2 schönen SL der Cristal Giusy (WI4, 80m) erkennbar.
Gefahren: auch dieser Eisfall befindet sich in einer Lawinenrinne mit recht grossem Einzugsgebiet oberhalb, deshalb Vorsicht nach starken Schneefällen und/oder viel Wind. Dank dem, dass die Kaskade von einigen Schneefeldern unterbrochen ist, kann man hier unter Umständen auch anderen Seilschaften folgen, ohne sich einer allzu grossen Gefahr von Eisschlag auszusetzen.

Stand à l'Italienne.

Samstag, 1. Februar 2014

Cogne - Eis und Mixed in Moline

Den ganzen Vortag und auch über Nacht hatten die Flocken fast ununterbrochen getanzt, etwa 25cm an Neuschnee waren hinzugekommen. Obwohl eigentlich eine Besserung angesagt war, war auch noch der Morgen total verhangen und die Schneeflocken wirbelten durch die Gegend. Unser Plan wäre es eigentlich gewesen, das Lillaz Gully zu klettern, doch irgendwie hatten wir den Eindruck, dass dafür bessere Tage kommen würden, wo man die Tour mit deutlich mehr Genuss klettern könnte.

Um doch noch ein wenig an die frische Luft zu kommen, beschlossen wir einmal dem Eis- und Mixedklettergarten am Bach zwischen Cogne und Lillaz einen Besuch abzustatten. Dieser ist rasch erreicht und da sollte auch der viele Neuschnee nicht so stören. Das Topoblatt listet doch immerhin 19 verschiedene Routen auf, von WI2 bis M6 ist ziemlich alles vorhanden. So machten wir uns also auf den Weg, von Cogne aus kann man gut zu Fuss gehen. Natürlich zeigten sich bei diesem Marsch urplötzlich die ersten blauen Störungen, der Schneefall hörte auf und quasi innert Minuten riss der Himmel auf. Doch noch umdrehen und fürs Lillaz Gully packen?!? Nein, wir blieben beim Klettergarten und nachmittäglichem Skifahren mit den Kindern.

In der Schlucht mit dem Klettergarten. Gibt es noch einen weiteren Sektor? Ich denke nein, bin aber nicht ganz sicher.
Der erste Blick auf den Klettergarten sieht durchaus interessant aus. Tatsächlich gibt es einige spannende und auch gar nicht so einfache Eislinien, und im steilen linken Teil stecken Bohrhaken, welche die Mixed-Routen definieren. Bei genauerer Betrachtung frage ich mich (auch im Nachhinein) allerdings, wo diese 19 Routen denn zu finden sein sollen. Vielleicht (eher unwahrscheinlich allerdings) gibt es weiter flussabwärts nochmals einen Sektor, doch da wo wir waren gibt es meines Erachtens exakt 3 Eislinien und eine einzige Mixed-Route, bei welcher die BH nicht dermassen verrostet sind, dass man sich schon am Einstieg fürchten muss.

Die einfachste Eisroute ganz rechts aussen, mit ca. WI3 zu bewerten.
Uns sollte dies nicht stören, denn für unser Zeitbudget gab es genügend zu tun, dennoch denke ich, dass es wichtig ist hier nicht mit falschen Vorstellungen anzureisen. Irgendwie hat es mich auch etwas verblüfft, denn sonst überall in den Routen von Cogne ist die Ausrüstung mit BH an den Ständen perfekt und up-to-date, und die Informationen zu den Routen akkurat. Just im Klettergarten ist es anders. So pickelten wir uns also an den Eislinien ab, welche nach meiner Einschätzung (von rechts her kommend) mit ca. WI3, WI4- und WI4 zu bewerten wären. Hier allerdings, im Gegensatz zu den längeren Touren ohne Kletterspuren, und dementsprechend eher schwieriger für den Grad als in den alpineren Routen.

Der Kletterer in der lohnendsten Eislinie im Gebiet, ca. WI4-.
Mein persönliches Highlight war dann die Mixed-Route. Diese führt durch ziemlich überhängenden Fels, dessen Schichtung für einige positive Hooks sorgt, am Schluss folgt dann ein Eisvorhang. Insbesondere der Wechsel an diesen ist ziemlich athletisch. Im Vergleich zu meinen Erfahrungen auf dem Urnerboden oder auch dem Tösstal denke ich, dass diese Route schon im Bereich von M6+/7- einzuordnen ist. Im Onsight war ich da chancenlos, ganz einfach weil es nicht geht, wenn man nicht einfach den Hooks blindlings vertraut und an dem zieht, was dem Pickel Widerstand bietet. Nach dem Auschecken konnte ich dann allerdings rotpunkt durchsteigen und von daher bot dieser Trip nach Cogne also auch eine neue Bestleistung in dieser Skala. Jaja, ich weiss, das ist noch auf sehr bescheidenem Niveau, Freude gemacht hat es mir trotzdem! Mit diesem Erfolg in der Tasche liessen wir es für gut sein und trotteten nach Hause, um mit den Kindern die Pisten am "grossen Lift" in Cogne unsicher zu machen. Bei hervorragendem Schnee, bestens präparierten Abfahrten und keinen Leuten war auch dies eine tolle Sache!

Ziemlich steile Mixedkletterei, hinten die steilste Eislinie, ca. WI4.
Facts

Eis- und Mixedklettergarten bei Moline/Cogne, ca. 8 Routen im Bereich WI3-WI4 bzw. M6-M7
Material: 6-8 Eisschrauben, 50m Einfachseil

Rasch erreichbarer Klettergarten am Fluss gleich unterhalb der Strasse zwischen Cogne und Lillaz. Die Routen bieten Kletterlängen von 15-25m und geben für einen An- oder Abreisetag, bzw. bei Schlechtwetter durchaus eine interessante Möglichkeit, sich etwas zu betätigen. Die Lage ist schön, und wenn die Sonne scheint, gibt es gar einige wärmende Strahlen. Wer möchte, kann auch von der Strasse aus Topropes installieren. Leider ist gerade dieser Klettergarten nur mässig eingerichtet. Mit ein paar sinnvoll platzierten Ständen und brauchbaren Zwischensicherungen gäbe es doch noch etliche zusätzliche, interessante Möglichkeiten. Insgesamt also eher etwas für den kleinen Hunger, oder dann die Bohrmaschine mitbringen und dem Gebiet einen neuen Schliff verleihen!

Zugang: von Cogne Richtung Lillaz gehen/fahren, beim letzten Kreisel ist der Ortsteil Moline. Man passiert die letzten Häuser und geht noch ca. 300-400m weiter. Dort, wo rechts die Leitplanke aufhört, es befindet sich da auch ein Kieslagerplatz mit Bagger, geht es runter ins Bachbett. Ein paar wenige Schritte flussabwärts führen zum Ziel. Zeit von Cogne ca. 15-20 Minuten.

Routen: so wie ich es einschätze, gibt es hier 3 Eisrouten, an denen man noch die eine oder andere Variante einbauen kann. Mixedrouten gibt es im linken Teil etwa 3-4 Stück, welche von der Hakenanzahl her vernünftig abgesichert sind. Allerdings ist das Material total verrostet und nur 1 Route weist neue BH auf, dies ist denn auch die einzige, die ich als kletterbar einstufen würde. Die anderen kann man allenfalls im Toprope machen.

The dark side: total verrostete BH, nicht fachmännisch gesetzt (Dübel steht zu weit raus). Weckt nicht gerade das Vertrauen...

Donnerstag, 30. Januar 2014

Cogne - Sentinel Ice (WI5+)

Nach dem Abenteuer im Tuborg am Vortag hatte es Kathrin schon etwas gefuxt, dass sie bei unseren Erfahrungen im fünften Eisgrad nicht mitreden konnte. Also musste ein adäquates Projekt her, dieses sollte sich auch zeitlich im Rahmen halten, da wir am frühen Nachmittag wieder retour sein mussten, um Jara zurück in die Schweiz zu verabschieden. Die richtige Wahl war Sentinel Ice, der Wächter des Valnontey. Er bietet bei kurzem Zustieg drei spannende, steile Seillängen und ist zudem nicht jedes Jahr gewachsen. Aufgrund von Tourenberichten im Internet war ich mir aber gewiss, dass aktuell gute Bedingungen herrschen.

Von uns gekletterter Routenverlauf mit Position der BH-Stände.
So machten wir uns auf, über eine gute Spur und tragenden, windgepressten Schnee erreichten wir den Einstieg in weniger als 30 Minuten. Aufgeschirrt waren wir bereits, und sogleich konnte es losgehen. Die erste Seillänge bietet schon wirklich spannende Kletterei mit einem kurzen Stück, das an die Senkrechte heranreicht. Wer mehr daraus machen will, kann im linken Teil fakultativ schon eine 10m-Säule klettern. Der Stand befindet sich dann rechterhand an den Felsen.

Zoom auf die erste Länge, die im Mittelteil steiler/schwerer ist wie man meinen könnte.
Die zweite Länge bietet gemütliche Kletterei (75-80 Grad) und führt unter die Abschlusssäule hoch. Standmöglichkeiten gibt es an der Lärche rechts, oder in der Nische hinter der Säule. Zum Sichern und Weiterklettern ist meines Erachtens der Baum viel vorteilhafter. Und dann eben das Prunkstück der Route: was von weitem wie eine solide Säule aussah, war in Tat und Wahrheit eine Mischung zwischen Vorhang und Zapfen. Dieses Ding reichte zwar gerade so bis zum Boden runter, allerdings war es unten komplett gerissen und somit eben doch ein freihängender Vorhang. Die ersten paar Meter waren zudem auch nicht gerade eben dick (weniger wie 50cm), wie ein Blick von der Seite zeigte.

Das ist das zweite Teilstück im Sentinel Ice, die einfachste der drei Seillängen.
Hätte ich dieses Stück Eis in jungfräulichem Zustand angetroffen, so hätte ich wohl kehrt gemacht. Notabene, für die ganz Starken gäbe es übrigens noch die massiv überhängende Drytooling-Version an Normalhaken aus der Nische raus, die sieht echt schwer aus! Item, nachdem schon etliche Seilschaften diesen Vorhang beklettert hatten und er der Belastung problemlos standgehalten hatte, so würde es für uns wohl auch reichen. Vor allem auch, weil eigentlich gar keine (heftigen) Pickelschläge mehr nötig waren: die Löcher waren schon gut ausgeschlagen, und man konnte im steilen Teil eigentlich fast durchgehend hooken. Dies war sicher eine sehr grosse Erleichterung, denn ansonsten wäre es in diesem alten, harten, glatten und etwas glasigem Eis ein hartes Stück Arbeit gewesen, die 15 sehr steilen Meter zu überwinden.

Fast wie wenn der Zapfen die Zunge rausstrecken würde... er ist mit dem Boden nicht (!) verbunden.
Auf diese Weise gelang uns beiden aber das Enchainement dieses Teilstücks, bzw. natürlich auch der ganzen Route. Lustig dabei ist immer wieder meine Hook-Paranoia, und die anschliessende rasche Gewöhnung daran, ein Phänomen das mir vom Cliffen beim Bohren bestens bekannt ist. Setzt man den Hook, so überwiegt in der ersten Sekunden das Feeling "uh, oh, wird das wohl halten, oh Mist gleich fliegt mir der ganze Scheiss um die Ohren und ich trete den Weg in die Tiefe an". Mangels Alternativen belastet man aber dann doch, und nachdem man mal eine Zeit lang daran gehangen ist, so fühlt man sich rasch wohler und wohler.

So sieht es von der Seite aus, eine delikate Sache!
Philosophieren hin oder her, wir hatten das Top vom Sentinel bereits erreicht, es wird durch einen BH-Stand an den rechten Begrenzungsfelsen markiert, etwa 15m oberhalb vom Ausstieg der Säule. Mit unseren 50m-Seilen waren dann 3 Abseilfahrten notwendig, mit 2x60m spart man sich eines der Manöver. Dennoch, rasch hatte uns der Boden wieder und innert Minuten waren wir retour in Valnontey. Es blieb sogar noch Zeit für das kleine Eltern-Wellness-Programm, d.h. rasch in Ruhe eine Cappuccino zu trinken. Dann ab nach Hause, beim Kinderhüten war Schichtwechsel angesagt und sogleich wurde man natürlich in Beschlag genommen. Von den gemütlichen Lunchs, Saunagängen und einem nachmittäglichen Nickerchen kann ich definitiv höchstens Träumen, wieder raus in die Kälte und ab auf die Piste heisst es da jeweils für mich!

Die steile Passage sauber durchgezogen und das Top erreicht, bravo Kathrin!
Facts

Sentinel Ice I WI5+ 110m
Material: 6-8 scharfe (!) Eisschrauben, 2x50m oder 2x60m geht beides gut.

Schöne Kaskade mit drei interessanten Seillängen, die am Taleingang des Valnontey wacht. Hat man nur wenig Zeit zur Verfügung, so findet man hier eine spannende Kletterei und je nach persönlichen Niveau und den Verhältnissen auch eine Herausforderung.

Zustieg: von Valnontey auf dem gespurten Wanderweg etwa 400m ins Tal hinein und bei einem im Winter verwaisten Bar-Gebäude links hinauf zum gut sichtbaren Fall, der Abzweiger ist auch ausgeschildert. Liegt eine Spur, was bei guten Verhältnissen die Regel ist, dauert der Zustieg keine 30 Minuten.

Route: L1 (35m) bietet nach gemässigtem Auftakt einige steile Meter in der Gegend von 85 Grad, je nach Gusto auch noch mehr. L2 (35m) ermöglicht nochmals entspannte Kletterei mit einer Neigung von 75-80 Grad. In L3 (40m) geht es erst am freihängenden Zapfen 15m im kompromisslosen 90-Grad-Gelände dahin, bevor die Neigung ausklingt und man zuletzt über ein Schneecouloir den letzten Stand erreicht.

Gefahren: im Gegensatz zu vielen anderen Fällen in Cogne empfiehlt es sich hier definitiv nicht, hinter einer anderen Seilschaft einzusteigen. Sämtliche losgelösten Eisbrocken fallen exakt über die Route hinunter und treffen auch den Einstieg. Bei viel (Neu)Schnee drohen auch Lawinen und/oder heftige Spindrifts.

Abstieg: Abseilen über die Route an 3 bestens eingerichteten Kettenständen.

Aussicht aufs Valnontey und dem PP bei den letzten Häusern, hinten Punta Arpisson (3035m) und Pointe Garin (3451m).

Mittwoch, 29. Januar 2014

Cogne - Tuborg (WI5-)

Frühmorgens zeigte das Thermometer in Lillaz frische -15 Grad. Ich fragte meine Begleiter, ob sie denn gerne in der Sonne oder lieber am Schatten klettern würden. Die Antwort darauf kann man sich ja denken, ergo war das SE-seitig ausgerichtete Rive Gauche des Valeille das Ziel. Hier weisen alle gängigen und rasch erreichbaren Fälle eine Bewertung von mindestens WI4+ auf, ein rechter Challenge für meine Begleiter, die erst das zweite Mal beim Eisklettern waren. Als letzte Frage verblieb mir noch, ob sie die steilen Meter lieber am Anfang oder am Ende hätten. Das Steile zum Auftakt, hiess es, also waren die Würfel gefallen. In den Tuborg sollte es gehen.

Ein frostig-kalter Traumtag im Gran Paradiso Nationalpark. Hier das Rive Droite des Valeille mit Stella Artice (WI5).
Der Anmarsch dauert je nach Qualität der vorhandenen Spur ca. 40 Minuten. Bevor dann die Eiskletterei richtig beginnt, gilt es ein Couloir hinaufzusteigen, das schon einige 65-70 Grad steile Stufen aufweist. Das ist im Aufstieg für Kletterer dieses Niveaus seilfrei zu machen, bei einer Führungstour hat man den Strick aber bereits auszupacken. Nach 50m hat es rechts einen BH zum Nachnehmen, von da sind es nochmals 60m zum BH-Stand links der steilen Länge. Eine Seilschaft war da bereits am Tun, und so hatten wir optimale Sicht auf das Geschehen.

Zwei französische Kletterer bereits in Aktion, in der Cruxlänge von Tuborg (WI5-)
Nicht nur für meine Begleiter, sondern auch für mich hiess es anschliessend tief Luft holen. Einigermassen anspruchsvoll sah die Sache nämlich aus: die Crux bestand aus dem baldigen Überwinden eines überhängenden Wulstes, danach ging es aber noch viele Meter knapp unter der Senkrechten weiter und auch eine leichte Dusche war unvermeidlich. Ich machte mich auf den Weg und konnte die Sache gut durchziehen, nach dem steilsten Teil bot sich ein No-Hand-Rest ideal zum Wechsel auf trockene Handschuhe an, und sogar ein Foto lag drin. Zügig hatte ich danach den Stand erreicht, dieser befindet sich entweder links (alter BH und NH) oder gerade oben (neue BH). Meine Begleiter hatten indes dann etwas zu kämpfen, gelangten aber schliesslich mit Stolz, Freude und Pump erfüllt an den Stand.

Tiefblick vom No-Hand-Rest nach dem Überhang der Cruxlänge.
Damit war quasi der Mist bei diesem Eisfall geführt, der Ausstieg jedoch noch lange nicht erreicht. Zunächst galt es nun einmal, mittels einer 60m langen Schneefeld-Traverse den Fuss den nächsten Aufschwungs zu erreichen (BH-Stand links im Fels). Die nächste Mauer ist anhaltend 80 Grad steil und bietet sehr schöne, etwas weniger ernste Kletterei. Zum Schluss dann in weniger steilem Gelände mit Neige Polystyrene an den BH-Stand hoch, der sich rechts in den Felsen befindet. Nun hatte auch ich zu kämpfen, und zwar beim Sichern: bei der Dusche in der Cruxlänge waren die Seile nass geworden, nun waren sie steifgefroren und es war ein harter Fight, sie durch das Sicherungsgerät zu zwingen!

Blick auf die nächste Mauer, welche auch anhaltende 80 Grad steil ist.
Zum Dessert wartet dann eine weitere Seillänge, mit einem 20m langen Aufschwung von 80-85 Grad. Das Eis war hier teilweise ziemlich dünn, so dass auch einige Grasbüschel zum Pickeln herhalten mussten. Mit etwas Rubihorn-Erfahrung macht man das ja aber liebend gerne. Nun hatten wir es also geschafft, und so konnte ich meinen Begleitern auch mitteilen, in welchem Schwierigkeitsgrad sich unsere Tour abgespielt hatte. Nur das wohlverdiente Tuborg konnte ich vor Ort leider nicht offerieren, weshalb wir uns auf den Weg ins Tal machten.

Chapeau Baba & Jara, das Eiskletterbrevet ist bestanden!
Vom Top muss man oberhalb der Abbruchkante etwas nach unten queren, um von dort an einem Baum abzuseilen. Der Rest verläuft dann über die im Aufstieg benützten Stände. Das tönt ja eigentlich recht easy, doch musste ich meine Begleiter natürlich auch auf den einfacheren Teilstücken sauber sichern bzw. ablassen, so dass total doch 6 Manöver fällig waren. Mit den total vereisten Seilen war dies einfach ein Riesenmurks und eine grosse Qual, und dementsprechend dauerte es auch viel länger, als die meisten dafür brauchen werden. Anyway, irgendwann hatten wir wieder die Schneeflanke am Einstieg unter den Füssen und machten uns schnurstracks auf den Weg retour nach Lillaz. Das Thermometer im Auto zeigte bereits wieder -12 Grad an, ein wahrhaft frostiger Tag, aber wir hatten das beste daraus gemacht!

Was ist hier falsch`?
Facts

Tuborg - II WI5- 260m
Material: 10 Eisschrauben, 2x60m-Seile

Toller Eisfall mit einer fordernden Cruxlänge, in welchem man in den späten Vormittagsstunden ideal an der Sonne klettern kann. Da diese den Fall eher von der Seite bestreicht und nicht allzu lange anhält, muss man sich bei einigermassen kalten Temperaturen keinerlei Sorgen bezüglich der Solidität machen. Nach der Crux geht's dann nicht mehr so anhaltend weiter, die obere Mauer lohnt aber den Aufstieg übers Schneefeld dazwischen bestimmt.

Zustieg:
Vom Parkplatz vor Lillaz ins Dorf hinein, und dann auf dem gespurten, ausgeschilderten Eisfall-Wanderweg ins Tal hinein. Nachdem man den Tutto Relativo und Konsorten passiert hat, überquert man die Brücke, folgt eine Weile der orografisch linken Talflanke und steigt dann (wie ausgeschildert) steil hinauf zum Beginn des Couloirs.

Route:
L1 und L2 führen über gut 100m durchs Couloir hinauf, im Schnee mit einigen Stufen von 65-70 Grad. Die Cruxlänge L3 ist auf 50m sehr anhaltend 80-85 Grad steil, am Beginn wartet über etwa 8m ein senkrechtes Stück. Danach in L4 eine 50m langes Schneefeld hochsteigen, bevor in L5 eine weitere, anhaltende Mauer von 80 Grad wartet. Zuletzt dann in L6 ein kurzer Aufschwung, der auf einigen Metern nochmals 80-85 Grad erreicht.

Abstieg:
durch Abseilen über die Route, zuoberst an einem Baum, dann an perfekten BH-Ständen.

Topo von gulliver.it

Montag, 27. Januar 2014

Mr. & Mrs. Spindrift

Über Nacht hatte es 10cm Neuschnee gegeben, aber das sollte uns nicht am Trip ins Valnontey hindern. Wenn man den Kletterführern glauben schenken mag, ist hier die ‚Mur de Patri‘ die erste Adresse. Wir wollten (und konnten schliesslich) die Patri de Gauche WI4 klettern und so bezüglich dem Schwierigkeitsgrad schon einmal eine Schippe drauflegen.

Der Zustieg war (und ist allermeistens) auch für Fussgänger gut gespurt. Warum hier allerdings die meisten zu Fuss ins Tal hineinwackeln erschliesst sich mir nicht so ganz. Wir wählten die Tourenski, was selbst auf dem Weg ins Tal hinein und auf den gespurten Pfaden einerseits schneller, und andererseits bequemer und kraftsparender ist. Je nach Fitness und Wegzustand sind zu Fuss 1.5-2h zu veranschlagen, wir waren schliesslich in 1:15h vor Ort. Ganz die ersten waren wir nicht, drei Seilschaften waren bereits eingestiegen um das Eis vom Schnee zu putzen, was uns nur recht sein konnte.

Situation kurz vor dem Einstieg. In der ersten SL gibt es mehrere Optionen, die Sache anzupacken.
Die erste Seillänge bietet eine fast 50m lange Genuss-Eiskletterei (70-75 Grad). Das Eis war optimal bissig, immer wieder hatte es auch von den vielen Begehungen am Weekend zuvor gute Tritte oder tiefe Hooks. Den Stand bezogen wir in der Höhle an Sanduhr und Schraube, es gäbe auch unbequem steckende NH und wer noch 15m weiter nach rechts raus quert findet dort einen Stand mit BH. Die zweite Länge bietet neben zwei Schneehängen einen rund 10m langen Aufschwung von 80-85 Grad, der BH-Stand befindet sich danach rechterhand gut sichtbar an einem markanten Block.

Kathrin folgt in der ersten SL, der Neuschnee war beim Klettern nicht  störend.
Ab da steigt man in weiteren rund 100 Wegmetern hinauf ins Amphitheater mit dem oberen Wandteil. Zu überwinden sind dabei zwei eher kurze Stufen im Bereich 70-75 Grad, der Rest ist meist Gehgelände. Nach dem zweiten Aufschwung befindet sich links im Fels nochmals ein BH-Stand zum Nachnehmen (nicht gut sichtbar). Nun waren wir also da: die Seilschaft vor uns aspirierte auf den schwierigeren rechten Fall (WI5), so blieb für uns die klassische Linie frei, optimal! Links packt man an, die erste Seillänge bietet wiederum sehr schöne Genusskletterei mit Steilheit von ca. 75-80 Grad. Bevor der Fall aufsteilt und enger wird, gibt es links am Fels einen gut geschützten, optimalen BH-Stand.

Die dritte Seillänge bietet oft Gehgelände und zwei kurze Eisaufschwünge.
Zu spüren war hier bereits der Spindrift. Der bei kalten Temperaturen gefallene Schnee war so locker und leicht, dass bereits ein moderater Wind genügte, um ihn das Gully der letzten Seillänge hinunterzuspülen. Die anderen beiden Vorgängerseilschaften hatten von hier ob dem garstigen Ambiente den Rückzug angetreten, doch gefährlich war die Lage keineswegs – einfach ein bisschen alpine Härte war notwendig. So wurde also die Kapuze montiert und der Kragen zugeschnürt und los ging’s. Diese letzte SL ist sowohl die schönste, spannendste wie auch schwerste. Man quert erst nach rechts hinaus, hat dann eine recht anhaltende Meter im Bereich 80-85 Grad und kommt schliesslich in eine tolle Goulotte. Eingekesselt zwischen zwei Felswänden klettert man hier in einem kaum meterbreiten Eisstreifen dem Ausstieg entgegen. Das war eine echt geniale Sache!

Nun im oberen Teil, das wäre dann die insgesamt vierte SL.
Am Ausstieg hatte ich kurz etwas Mühe, den BH-Stand zu lokalisieren. Natürlich war hier alles mit Pulverschnee zugekleistert, so dass ich sämtliche Felsen im Umkreis putzen musste. Mit etwas Spürsinn war ich aber rasch am richtigen Ort, eigentlich war es gar nicht schwierig. Es genügte mir die Frage zu stellen, wo ich die Bolts platziert hätte und tatsächlich, da waren sie. Beim Nachnehmen gab es dann die eine oder andere Dusche, der feine Pulverschnee kroch dabei in jede denkbare Ritze. Als Kathrin dann da war, hiess es nichts wie runter. Mit 2x Abseilen ist man rasch wieder unten am Fuss des Amphitheaters, von wo man (mit Blick ins Tal) rechtshaltend zu Fuss absteigen kann. 

In der Goulotte zum Ausstieg der Tour. Der Spindrift hatte für einmal kurz abestellt, so gemütlich war's nicht immer.
Es war schon erstaunlich, wie extrem auslösefreudig der frische Triebschnee war. Zum Glück waren die Mengen aber so gering, dass keinerlei Gefahr drohte. In rund 10 Minuten waren wir retour beim Depot am Einstieg. Abfellen und Aufsatteln hiess es, für den Rückweg waren wir nun gegenüber den Fussgängern definitiv im Vorteil. Zuerst gab es sogar noch einige Schwünge im Pulver, dann eine rasante Fahrt auf dem Climber’s Track und schliesslich ging es skatend und schiebend retour nach Valnontey. Nur gerade 20 Minuten braucht dies, zu Fuss dauert es mindestens 3-4x so lange!

Blick in den Talschluss des Valnontey, Teil des Nationalparks am Grand Paradiso 4061m.
Facts

Patri de Gauche II WI4 250m
Material: 6-8 Eisschrauben, 2x50m-Seile reichen gut aus

Klassischer und viel besuchter Eisfall im Valnontey. Die Kletterei ist wirklich sehr schön, die Schwierigkeiten sind nicht anhaltend und waren für die Bewertung von WI4 auch nicht sonderlich hoch. Aber gut, im Eis machen die Bedingungen natürlich immer viel aus. Besonders stimmungsvoll ist die obere Wand, mit der homogenen Startlänge und der einzigartigen Goulotte zum Ausstieg. Der ziemlich weite Zustieg ins Tal hinein kann zwar gut zu Fuss erfolgen, denn meistens ist gespurt. Insgesamt deutlich schneller und bequemer ist man aber definitiv mit den Ski.



Sonntag, 26. Januar 2014

Cogne - Cascades de Lillaz (WI3)

Was klettert man zum Ferienauftakt in Cogne? Die Cascades de Lillaz sind auf jeden Fall eine gute Wahl. Geboten wird einem ein landschaftlich tolles Erlebnis mit Eiskletterei über 5-6 Seillängen und ein paar Gehpassagen durch die Schlucht. Das Ambiente ist gemütlich und wenig alpin, d.h. es handelt sich um eine Genusskletterei ersten Ranges. Die Schwierigkeit auf dem einfachsten Weg ist mit WI3 zu veranschlagen, doch in den meisten Seillängen kann man je nach individuellem Können und Geschmack auch schwierigere Varianten einbauen.

So sollte es also das erste Mal Eisklettern für Barbara und Jara werden. Die Anfahrt von Cogne nach Lillaz ist in minutenschnelle erledigt, beim Ortseingang gibt es reichlich Parkfläche. Zuerst zu Fuss über die Brücke und in den Ort hinein, danach der Beschilderung folgen. Es geht auf jeden Fall (im Aufstiegssinn) rechts vom Fluss entlang, was für Ortsunkundige jetzt nicht a priori klar ist. Hat man den richtigen Track einmal gefunden, erreicht man in rund 10 Minuten auf flachem Pfad den Einstieg. Nachdem sich am Parkplatz eine Riesenmeute an Eiskletterern am präparieren war, hatten wir hier freie Bahn, tiptop!

Der erste Aufschwung an den Cascades de Lillaz (ca. 50m, 60-75 Grad, WI3, 1-2 SL)
Am ersten Aufschwung gibt es wie überall mehrere Linien. Um meine beiden Begleitern nicht gleich zu überfordern, wählte ich die Linie links, mit Steilheiten zwischen 60-75 Grad. Unterwegs gibt es linkerhand sogar noch 2 gebohrte Stände, welche ich gerne benutzte, um die Kommunikation nicht gleich abzuschneiden. Ansonsten reichen aber 50m bis über die Kante hinauf, wo neuerlich zwei gebohrte Stände zu finden sind.

Barbara am ersten Aufschwung, nicht schlecht fürs erste Mal!
Danach folgt ein kurzes Gehstück, wo man einen teilweise zugefrorenen, tiefen Pool umrundet. Hier ist äusserte Vorsicht angebracht, in diesem Pool sind auch schon Leute eingebrochen und ertrunken. Man kann sich aber auf sicherer Linie dem Rand entlang halten. Am Start des nächsten Aufschwungs sieht man dann auch, dass es sich beim Pool um eine Art Trevi-Brunnen der Eiskletterer handelt. An dessen Boden befinden sich allerhand Opfergaben und es gäbe massenhaft Booty-Gear zu fischen, wenn das Wasser denn nur nicht so kalt und tief wäre. Die Kletterei an diesem zweiten Aufschwung ist dann easy und nur etwa 25m lang, ganz rechts herum um 70 Grad, direkt eine kurze Steilstufe von 80 Grad. Danach rechts ein ideal gelegener BH-Stand, etwas weiter in der Schlucht hat es auch links nochmals einen.

Der Trevi-Brunnen der Eiskletterer am Fuss des zweiten Aufschwungs. Vorsicht, reinfallen ist tödlich!
Danach folgt ein längeres Gehstück (150-200m) durch die schöne Schlucht. Es lohnt sich, die Seile aufzurollen, ansonsten zieht man diese nur durchs Wasser. Beim danach folgenden Amphitheater war dann die grosse Gruppe vom Parkplatz vor Ort, welche die unteren Stufen umgangen hatte und mit Topropes beschäftigt war. Praktisch gezwungenermassen wählten wir mittig eine steile Säule, auf 15m ca. 85 Grad. Dank idealer Hooks und Tritte, noch dazu in einer Art Verschneidung für die Steilheit aber sehr gutmütig, so dass auch die Anfänger an meinem Seil ohne Mühe passieren konnten. Nach ein paar einfacheren Metern stehen dann oberhalb gleich mehrere BH-Stände zur Verfügung.

Courte passage raide (85 Grad, kann umgangen werden) am dritten Aufschwung. Tolle Kletterei, ideales Eis!
Nach einem weiteren kurzen Gehstück folgen die Ausstiegslängen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, entweder links oder rechts. Da am Fuss des rechten Aufschwungs ein wahrer Stau herrschte, wählten wir die linke Linie. Die sah zwar von den Bedingungen her durchaus grenzwertig aus, doch vielleicht würde es ja doch gehen. Eine erste Länge (60m, WI3) bis zum Kettenstand am Baum rechterhand liess sich noch gut klettern. Doch der Weiterweg, mit nur sehr dünnem Eis auf den Felsplatten und viel fliessendem Wasser sah dann zwar vermutlich kletterbar, doch sicher nicht absicherbar aus. Da war mir dann das Risiko doch zu hoch. Also Abseilen und rüber zur rechten Variante.

Schlechte Bedingungen im linken Ausstieg, dünnes und mieses Eis, das zu viel Sonne erwischt hat.
Dort hatte sich die Meute mehr oder weniger aus dem Staub gemacht. Entlang einer grossen Felsverschneidung klettert man in sehr schönem, geneigten und kompakten Eis (60m, WI2). Richtige Tritte waren hier ausgetreten, so kam man dementsprechend schnell und bequem voran. Am Ende der Verschneidung, oben auf der Fläche gibt es rechterhand wiederum zwei BH-Stände. Ab da sind es nochmals 60-65m bis zum Ausstieg, über weitestgehend einfaches Eis (WI2). Ganz zum Schluss war dann auch nur noch ein schmaler Eisstreifen vorhanden, so dass auf den letzten 20m keine Sicherungen mehr platziert werden konnten. Dank moderaten Schwierigkeiten war dies aber problemlos.

Jara in Action, meine alten Rambos waren genau das richtige Werkzeug für ihn: je kräftiger man schlägt, desto besser halten sie.
Vom Ausstieg wendet man sich nach links und erreicht zuerst etwas aufsteigend das Trassee eines Wegs. Diesem folgt man bequem in rund 15-20 Minuten direkt retour zum Parkplatz, am Einstieg kommt man nicht mehr vorbei. Zumeist wird hier bei diesem vielbegangenen Fall gespurt sein, somit sollte es kaum Sorgen bezüglich der Routenfindung geben. Zufrieden über das Erreichte setzten wir uns ins Auto, meinen Begleitern hatte ihre erste Tour grossen Spass bereitet und auch für mich war es ein toller Einstieg. Die Bedingungen waren sehr angenehm gewesen, die Softshell war ausreichend und den ganzen Tag konnte ich mit ein- und demselben Paar an Windstopper-Handschuhen klettern – so sollte es doch immer sein!

Was ist hier falsch?
Facts

Cascades de Lillaz WI3 (einfachster Weg, steilere Varianten existieren) – 5 SL + einiges an Gehgelände
Material: 2x60m-Seile vorteilhaft, 6-8 Eisschrauben, die Stände sind alle gebohrt

Tolle Genusskletterei in schöner Landschaft, auch für stärker kletternde eine Empfehlung, da auch schwierigere Varianten eingebaut werden können. Zudem hat man hier nur einen sehr kurzen Zustieg und praktisch keine objektiven Gefahren. Zu beachten ist indes, dass der Fall ziemlich der Sonne ausgesetzt ist, und da nur auf 1600-1800m gelegen, auch nicht immer in guten Bedingungen.