In Spanien war ich in früheren Jahren schon in Katalonien an den Crags von Siurana und Margalef sowie in der Region um Lleida unterwegs, ebenso in Andalusien in El Chorro und Konsorten. An die auch sehr bekannten Felsen von Chulilla in der Gegend von Valencia oder die zahlreichen Gebiete an der Costa Blanca hatten wir es bisher noch nie geschafft. Nun kam die Gelegenheit ziemlich unverhofft und spontan, versprach die Gegend doch am meisten Sonnenschein und Trockenheit in noch erreichbarer Nähe.
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| Im normalerweise trockenen Flussbett des Barranco de Carcalìn. Hinten die markante Eisenbahnbrücke Puente de Carcalìn, welche auch als Sehenswürdigkeit bekannt ist und besucht wird. |
Grundsätzlich war die Aussicht auf 8 Tage Sportklettern über Weihnachten 2025 ja sehr positiv. Wie so oft wären wir am liebsten entweder nach Südfrankreich oder Italien gepilgert. Doch ein Mittelmeertief versprach dort während der ersten Tage viel Regen und die danach angekündigte Wetterbesserung erschien aus der Planungsperspektive auch noch sehr unsicher. So wurde in Windeseile ein Trip nach Spanien organisiert und keine 24h später dann auch angetreten. Just in time funktioniert schon "cheibe gäbig" heutzutage, zumindest tat es das in diesem Fall. Somit positionierten wir uns am Rande von Valencia verkehrsgünstig gelegen, um je nach Situation das passende Gebiet auszuwählen - solche gab es in einem Halbkreis mit Radius von 1.5h Fahrzeit nämlich sehr viele. Empfehlenswert schien das schon nur deswegen, weil die Prognosen plötzlich auch in dieser Gegend Jojo spielten. Ein Höhentief oder eben eine DANA («Depresión Aislada en Niveles Altos») wollte da auch noch ein wenig in die Suppe spucken. Schlussendlich löste sich aber doch alles super auf und wir kletterten 8 Tage am Stück bei zwar teilweise etwas durchzogenem Wetter, aber doch immer guten Conditions.
Tag 1: Buñol
Die Felsen in der Sierra de Malacara sind in Mitteleuropa sicherlich kaum bekannt. Es ist jedoch das vom Flughafen in Valencia in knapp 30 Minuten am schnellsten erreichbare grössere Gebiet mit Routen ab 7a und aufwärts. Somit eine durchaus logische Wahl nach der Anreise am Vormittag. Eine Empfehlung ist es sicherlich auch für wärmere Tage, da es auch schattige Sektoren gibt, welche auf dem Papier richtig gut aussehen. Wir hingegen wählten den sonnenexponierten Bereich von Carcalìn, wo der nach SW exponierte Corral de Cabras und das rechts anschliessende Techo del Corral den Hauptsektor für die winterliche Kletterei bieten. Der Zustieg ist unkompliziert und in 10 Minuten rasch erledigt, viel Sonne gibt's auch - wobei diese durch die Lage im (nicht allzu tiefen) Canyon Ende Dezember schon relativ früh zwischen 15 und 16 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Nicht so ganz auf der Rechnung hatten wir die heftige Brise, welche doch ziemlich durch Mark und Bein ging. Subito wurde die Thermounterwäsche montiert und dann gleich angegriffen. Denn einerseits sprühten wir nur so von Motivation, andererseits war es für eine gemütliche Pause am Fels doch eher zu kalt und die Zeit zu knapp.
Els Bunyolers (6b, os): diese Korallenwand ist der Blickfang im Gebiet und lockt nur so zum Klettern. So schien es logisch, hier zu starten. Die Route ist in der Tat echt cool, wenn man den dritten Haken einmal geklippt hat. Der Start an einem abgelutschten Riss ist hingegen taff und tricky - da musste man sich gleich mehr wie zum Auftakt gewünscht festhalten, um nicht schon zu Beginn der Ferien abzuschmieren.
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| Tolle Felsstruktur in Els Bunyolers (6b). |
Arsenio Torero (7b, rp): weil die Sonne hier zuerst verschwinden würde, die 12m-Route in der begrenzten Zeit einen raschen Tick versprach und die kompakte Steilplatte auch eine interessante Challenge darstellte, verlegten wir uns hier drauf. Sowohl bei Larina und auch bei mir war je ein zweiter Go nötig. Der technische Boulder auf zweidrittel Höhe liess sich einfach nur mit einer ausgeklügelten Funky-Beta an der Haftgrenze bewältigen, welche nicht auf Anhieb zu ermitteln war.
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| Wer den Onsight verzockt, muss nachher im Schatten punkten: Arsenio Torero (7b). |
Lakass (7a+, os): hier am mehr breiten als massiv ausladenden oder hohen Dach gibt's Routen bis 8c+. Zu viel für (nicht nur) heute, ein wenig Steilturnen links am Techo durfte es dann aber dennoch sein. Henkelzieherei mit (sehr) weiten Zügen lautet das Programm. Die Crux wurde entweder mit einem heftigen Blockierer (Larina) oder einem subtilen Kneebar (Marcel) gelöst, die bei der Besichtigung vom Boden aus angedachte Option mit einem Figure 4 blieb hingegen unerprobt.
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| Dachkletterei mit weiten Zügen in Lakass (7a+). |
La Semilla del Riesgo (7b, os): die deutlich meistgetickte Route im Carcalìn ist diese hier. Die orange-kompakte, überhängende Wand erinnert an die Klettereien in Siurana und diese kriegt man dann auch geboten. Zuerst heisst es Durchbeissen beim kräftig-leistigen Start, dann folgt eine knifflige Wand mit einer seichten Rissspur, bevor henkliges Ausdauergelände zum Top führt - geilo! Ich war da ziemlich am Limit, bei Larina sah es dann eher nach randonné aus...
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| Man beachte die Wurzel des Baumes im Riss! Durch die Wand links im Bild verläuft die Semilla del Riesgo (7b). |
Nun war das Tageslicht schon am schwinden, somit strichen wir die Segel und freuten uns darauf, die Heizung im Auto gleich mal aufs Maximum einzustellen. Das war nun ein richtig gutes Ergebnis für die erste Session mit doch 5 Go's und einigen Punkten gewesen. Rückblickend nach Abschluss des Trips gilt es allerdings auch zu sagen, dass es in diesem Gebiet/Sektor durchaus nette Routen mit Spassfaktor gibt, es jedoch in Sachen Auswahl und Qualität natürlich nicht mit einem Topspot wie Chulilla mithalten kann. Der Vorteil liegt dafür in der tiefen Frequentierung (durch nichtspanische Kletterer) und der Nähe zum Ballungsraum Valencia, bei entsprechenden Bedingungen wären u.U. auch die schattig gelegenen Sektoren vielversprechend. Anschliessend ein paar nützliche Tipps zum Gebiet Buñol.
Topo
Als gedruckter Kletterführer wäre der Levante Climbs North (2019) das Werk der Wahl. Für einen kurzen Besuch kommt man auch mit den frei verfügbaren Online-Topos auf valenciaclimbs.com oder The Crag gut aus. Eine prima Übersichtskarte mit Zustieg und Sektoren gibt es zudem hier.
Sperrung
Die Sektoren im Gebiet El Dique sind vom 1.1. bis am 30.6. jeden Jahres gesperrt. Dies betrifft jedoch die hier im Beitrag beschriebenen Felsen nicht, auch das Verbotsschild am Parkplatz darf in dieser Hinsicht ignoriert werden, wenn man nur im Bereich Carcalìn klettert.
Parkplatz
Befindet sich hier, es hat dort für ca. 5 Autos Platz. Falls es voll sein sollte, so dürfte man in einigen Minuten zusätzlicher Fussdistanz weitere Abstellmöglichkeiten finden.






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