Der Auftakt am Vortag in Buñol hatte uns gelehrt, dass nicht nur Sonnenschein und Temperatur über angenehme Bedingungen entscheiden, sondern auch die Windprognose zu beachten ist. Mit immer noch frischen Temperaturen und einem böigen Nordwind in der Prognose fiel der Entscheid gegen Chulilla und wir wollten die 45 Minuten südlich gelegenen Felsen im Umland der Küstenstadt Gandia besuchen. Hier gibt es mit Peña Roja de Marquxera und Bovedòn zwei Gebiete mit je rund 200 Routen, welche ihrem Mikroklima sei Dank selbst an den kältesten Tagen angenehme Bedingungen versprechen.
Tag 2: Bovedòn (Teil 1 / Teil 3)
Weil es in Marquxera oberhalb von 7b nur noch ein limitiertes Angebot von Routen gibt, setzten wir auf die gewaltige Grotte im Hauptsektor von Bovedòn. Hier gibt's die entsprechenden Sportgeräte für kräftige und ausdauertrainierte Athletinnen, bis zum Schwierigkeitsgrad 9a reicht die Skala. Der Parkplatz ist an dieser Stelle zu finden. Achtung, er weist nur Raum für gut 10 Autos auf, was bei unserem Besuch zum Glück kein Problem darstellte. Für den Zustieg läuft man zuerst einige Hundert Meter der Strasse entlang zurück bis zum lokal höchsten Punkt, steigt von dort der betonierten Strasse entlang auf und folgt schliesslich dem gut ausgetretenen Climbers Trail in total ca. 20 Minuten zum Gebiet. Vor Ort empfingen uns sehr angenehme Conditions und es war erst eine einzige Seilschaft am Werk. Wir verschafften uns erst eine Übersicht: nicht ganz so einfach mit diesen Fototopos, denn das Routennetz ist sehr dicht, die Perspektive am Fuss der grossen Überhänge limitiert und angeschrieben sind die Einstiege leider nicht. Nach einigem Knobeln hatten wir aber die gewünschten Linien identifiziert und konnten starten.
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| Gegenperspektive von den Felsen in das Umland hinaus, wo es viele Orangenplantagen gibt. |
Ensalada de Lechunga (6a+, os): eine sehr schöne Aufwärmroute mit senkrechter oder leicht geneigter Wandkletterei in wasserzerfressenem Fels à la Südfrankreich. Natürlich keine Challenge für uns, aber gar nicht so einfach für den Grad, meinten wir.
Tambors Llunyans (7a, os): gleich nebenan konnten wir eine Schippe drauflegen. Sehr ähnlicher Charakter wie die vorangehende Tour rechts, wobei man sich in der ersten Hälfte an einem Wulst mal kurz leistig gut festhalten muss. Hier holten wir uns den besten Triple Send der Ferien... sonst kneifte Mama, verlegte sich auf Toprope oder verfehlte den stilreinen Durchstieg.
Ferrer y sus Cobardes (7b, rp): nun aber los, quer durch die grosse Grotte. Mit einem querenden Anstieg entlang einer natürlichen Linie geht die erste Hälfte (ca. 7a) bis zu einem No-Hander noch gut über die Bühne. Dann heisst es aber, sich durch das stark überhängende Schlussstück zu prügeln. Da sind die Griffe und Tritte gar nicht mal so gut, zudem ist das Klippen der nur noch 2 Haken zusätzlich fordernd. Die Route wurde mit fetten Glue-Ins saniert, wobei in diesem oberen Teil ursprünglich wohl 4 (besser platzierte) Haken steckten. Es kam wie es kommen musste, mit einem fetten Segler endete meine Begehung - schade! Der zweite Go sass dann, die Sache möglichst schnell von etwas weniger anstrengender Position zum nächsten Sammelpunkt machen zu können, war absolut hilfreich. Alles in allem: eine extrem geile Sache!
Aber Achtung: auf dieser Route waren fixe Exen mit Alu-Karabiner vorhanden. Wir es bei diesem kurvigen Routenverlauf und der staubigen Umgebung zu erwarten war, waren diese scharf eingeschliffen. Noch nicht unbedingt gerade so, dass ein sofortiger Seilriss drohte, sicherlich aber ist dem Strick bei wiederholten Stürzen nur eine begrenzte Lebensdauer gegeben. Besser eigenes Material verwenden, auch wenn das Ausräumen mühsam ist.
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| Stark überhängendes Gelände in Ferrer y sus Cobardes (7b). |
Broccoli (7a+, os): um sich noch weitere Punkte zu holen, schien das Gelände links der massiven Grotte eher vorteilhafter. Doch auch hier, nach einem eher plattigen 6b-Auftakt bieten die letzten 10m taffes Pullen im Überhang mit weiten Zügen. Es hat zwar schon diverse gute Griffe, aber diese in eine effektive Sequenz einzureihen und die weiten Moves zu meistern ist nicht geschenkt - mir gelang es!
Patricio (7a, os): nun brach schon die Dunkelheit hinein, somit gab ich hier noch einen Go. Nach einem etwas komischen Auftakt an einem fetten Tufa folgt wiederum plattige Wandkletterei (6b), ab dem Zwischenstand dann die letzten 5m im Überhang zur 7a-Kette. Im Vergleich zu den beiden Routen vorher eher soft, aber auch nicht so lohnend.
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| Larina im powerigen Sinterknaller Lobos (8a) mit deftigem Abschlussfeuerwerk. |
Nun war der Tag schon wieder zu Ende - mit einer sauberen Ausbeute für mich, leider waren die Efforts von Larina in ihrem Projekt Lobos (8a) nicht ganz von Erfolg gekrönt: 2x bis zum harten Schlussdyno durchgefightet, diesen aber leider nicht erfolgreich komplettieren können. Wir machten uns auf den Weg zurück nordwärts zu unserem Apartment und kochten ein stärkendes Znacht. Für den nächsten Tag sah das Wetter positiv aus, um die Crags von Chulilla besuchen zu können, darauf freuten wir uns sehr.
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| Belayers Perspective auf die Lobos (8a) - es ist definitiv steiler, wie einem das Foto glauben macht. |
Topo
In gedruckter Literatur findet man Topos im Levante Climbs North (2019) oder auch im Costa Blanca Climbs (2020) und möglicherweise weiteren Büchern. Die Online-Infos auf The Crag sind ebenso sehr gut und die Schnitzeljagd nach dem richtigen Einstieg und der korrekten BH-Linie wird einem bei keiner dieser Quellen so wirklich erspart. Auch auf valenciaclimbs.com gibt's einige nützliche Infos zum Gebiet (aber keine Topos).
Parkplatz und Zustieg
Sind oben erwähnt und verlinkt. Man halte sich bitte an diese angegebenen Parkplätze und Zustiege, um keinen Argwohn bei den Anwohnern zu erregen. Etwas Diskretion und der Verzicht auf lautes Herumlärmen schaden sicher auch nicht, auch wenn die letzten Häuser ein ganzes Stück vom Fels entfernt stehen.
Hier geht's weiter zu Tag 3...





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