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Sonntag, 25. Dezember 2011

Äscher - Erstbegehung von "z'baare Födle" (7a)

Was kann ich den Lesern dieses Blogs als Weihnachtsgeschenk bieten? Ah, da hätte ich noch etwas. Von der Herbst- und Winterkletterei am Äscher hatte ich bereits in diesem Beitrag geschwärmt. Die Motivation für eine Rückkehr eine Woche nach dem ersten Besuch beruhte nicht nur darin, dass es uns so gut gefallen hatte. Sondern auch darin, dass ich da noch so eine Linie entdeckt und im Toprope bereits ausprobiert hatte.

Schwer war sie mir gefallen damals, zwar sicher kletterbar, doch die Schlüsselstelle hatte mir dermassen Mühe gemacht, dass ich nicht sicher war, ob da der rote Punkt für mich zu holen sei. Doch wie bei einem Ohrwurm, dessen Töne einen immer wieder einholen, war hier die Herausforderung des Ungewissen verlockend. Und so zogen wir dann, mit Kind und Kegel, Sack und Pack, sowie mit tatkräftiger Begleitung, los.

Über die "I Feel Good" war das Seil schnell im Umlenker, und so konnte es losgehen: der Einstiegsboulder war schnell entziffert, die 17m an kompakter Wandkletterei um 6c rum bis zur Crux einfach ein Genuss. Und für die Schlüsselstelle konnte ich nach einigem Tüfteln eine Lösung identifizieren, die sich gut und fehlerfrei reproduzierbar machen liess. Nun galt es noch, die Position der Bolts zu bestimmen: 10 Stück erwiesen sich auf die 25m Kletterstrecke als sinnvoll. Und gebohrt waren sie mit meiner neu gepimpten Maschine (Beitrag dazu folgt...) im Nu.

Topo - für ein hoch aufgelöstes PDF klicke hier!
So blieb noch der Challenge der Rotpunktbegehung. Nach Anmarsch, einhängen, auschecken, bohren und zwischenzeitlicher Kinderbetreuung war die Uhr doch schon ziemlich vorgerückt. Wenn es mit der letzten Bahn talwärts gehen sollte, so blieb nur ein einziger Versuch. Problemlos und souverän ging es bis zur Crux. Dort ein kurzes Zögern, denn schiefgehen durfte nix, die einstudierten Moves sassen dann aber sauber, und für das Publikum war es gar eine grundsolide Vorstellung, wo ich "bestechende Sicherheit zeigte". 

Im Nu war danach der Umlenker geklippt. Ablassen, ausräumen und tschüss! Bzw. wieder wie ein Sherpa bepackt, mit der Tochter auf den Schultern auf die Ebenalp hochhecheln. Aber egal, dieser Tag war ein voller Erfolg, möge der Winter nun kommen, dachte ich darauf hin. Nun, so schnell ging es dann schliesslich doch nicht mit dem Winter, einige tolle weitere Touren warteten noch, und so liess auch das Topo und die Veröffentlichung auf sich warten. 

Im Nachhinein studierte ich natürlich intensiv über den Grad nach, mit welchem diese Tour eingestuft werden sollte. War ich erst nicht einmal sicher, ob ich den Cruxboulder überhaupt lösen kann, ging es schliesslich so "ring", dass ich nicht einmal sicher bin, ob der Grad 7a, bei der traditionell harten Bewertung im Gebiet, überhaupt gerechtfertigt ist. Das Feedback der Wiederholer wird es zeigen...

Facts:

Äscher - Sektor Privatweg - "z'baare Födle" (7a) - Marcel Dettling, 20.11.2011 - 1 SL, 25m
Material: 12 Express. Vorsicht, 50m-Seil reicht nur ganz knapp, daher besser: 60m-Seil.

Tolle, kompakte, lotrechte Wandkletterei in rauhem, vom Wasser strukturiertem Fels mit Einstiegsboulder und knifflig-technischer Crux. Im Sektor gibt es rund 30 weitere Touren zwischen 6a und 7b+, welche alle von ähnlichem Charakter sind. Generell handelt sich um einen der steilsten, griffigsten, athletischsten und für Hardmover interessantesten Sektoren am Äscher.  

Hier geht es zu einem Fototopo der Route. Alle weiteren Infos finden sich im SAC-Kletterführer Alpstein.

Kommentare:

  1. Hoi Marcel,
    Heute habe ich deine Route geklettert; sie ist sehr schön (wie die meisten in diesem Sektor) und die Bolts sind gut gesetzt; vielen Dank!
    Ich konnte sie beinahe Onsight klettern; nur an der Crux oben musste ich leider kurz reinhängen, ich hab die Lösung dann aber schnell gesehen. 7a finde ich etwas hoch, rsp. dann wäre es für den Äscher eher soft. Teilweise bin ich kurz etwas links geklettert (den Bolt dann rechts aussen geklinkt), vielleicht ist das nicht die Idee und deshalb empfand ich es vielleicht nicht ganz so schwer. Man kann sich zwischendurch auch wieder gut erholen (im Gegensatz zu anderen 7a-Routen im Gebiet). In der Mitte hatte es noch einen recht grossen Stein, der nicht so gut mit dem Fels verwachsen ist; hoffentlich kommt der nicht mal runter (dann würde die Stelle wohl ziemlich schwer, der Sicherende würde kaum vom Stein getroffen). Vielleicht würde es was bringen den Stein 'anzubetonieren' (wie das am Äscher auch in anderen Routen schon gemacht wurde).
    lg Hans

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    1. Lieber Hans,

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Eine kurze Stellungnahme:

      Bzgl. dem Grad bin ich, wie oben zu lesen ist, auch etwas gespalten. Lokalmatador Werner Küng hat mir hingegen rückgemeldet, dass er die Route schon als solide 7a empfunden hat. Das kurz etwas nach links klettern in der Mitte hat keinen Einfluss auf den Grad, es ist dort auch direkt einfacher als 7a. Vor der Schlüsselstelle kommt ein totaler Ruhepunkt und die Crux muss man dann einfach so klettern wie gedacht, da gibt es keine Ausweichmöglichkeit.

      Das mit dem Stein ist mir klar, ich kenne diese Schuppe, die etwas wackelt. Ich habe versucht, sie zu entfernen. Dies war aber nicht möglich, da müsste man mit schwerem Gerät (Brecheisen und Vorschlaghammer) anrücken. Sie ist einfach zu gut verkeilt und somit erachte ich es als unmöglich, dass ein Kletterer diese ausreisst. Zumal man sie als Griff gar nicht zwingend benützen muss, sondern ohne höhere Schwierigkeit einfach daneben in den Riss greifen kann. Aus diesem Grund erachte ich es hier auch als legitim, auf die Sika-Bastelei zu verzichten.

      Besten Dank für Dein Feedback und herzliche Gratulation zur erfolgreichen Begehung der Route!

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