- -

Donnerstag, 14. Mai 2026

Pizzo d'Eus - L'araba fenice (7b)

Es war schon April, höchste Zeit für die jährliche Pizzo-Visite mit Viktor, meinen Standard-Partner für die Eus-Routen. Beide haben wir uns dem Ziel verschrieben, dereinst möglichst alle der Touren am Berg geklettert zu haben. So wie es scheint, ist das ein eher aussergewöhnlicher Spleen. Denn noch nie haben wir andere Kletterer vor Ort gesichtet, die Spuren werden im Gelände immer schwächer und Online gibt's über die noch nicht auf diesem Blog beschriebenen Touren auch kaum etwas zu erfahren. Dieses Mal sollte es die Araba fenice sein: ein mythologischer Vogel, der als Zeichen für Hoffnung, Stärke und Resilienz gilt. Von dieser drei Ingredienzen sollte man für einen Versuch sicherlich nicht zu wenig mitbringen...

Blick zum Pizzo Vogorno mit unserem treuen, schon reichlich abgewetzten und manchmal auch etwas störrisch-lästigen Begleiter. Aufgrund der Steilheit der Route und dem langen Tag, welcher für ihre Begehung nötig ist, macht das Mitführen eines Haulbags auf jeden Fall Sinn. 

Ohne frühes Aufstehen gehen Eus-Touren nicht über die Bühne, aber mit dem Ziel vor Augen wurde die Weckerzeit von 4.25 Uhr billigend in Kauf genommen. Nach einer staufreien und smoothen Anfahrt liefen wir um 7.45 Uhr schliesslich in Cognera los, auf das Exengebastel vom letzten Mal konnten wir zum Glück verzichten. Das erste Hindernis stellte sich mit der Überquerung des Riale di Pincascia bald in den Weg. Dass diese im April bei Schneeschmelze mit trockenen Füssen gelänge, schien schon im Vornhinein unwahrscheinlich. Tatsächlich stand das Wasser hoch... entweder galt es die bis zu den Hüften reichende Erfrischung im eiskalten Wasser zu akzeptieren, oder dann über das Drahtseil zu hangeln. Als bekennender Warmduscher wählte ich gerne die luftige Variante, während Viktor durchs Wasser schritt. Fazit: das Wasser ist a...zapfenkalt, das Hangeln dafür streng. Zeitlich macht es keinen allzu grossen Unterschied, die Vorteile diesbezüglich sind bei der Tyrolienne.

Das Problem: Steinehüpfen funktioniert um diese Jahreszeit nicht und kaltes Wasser ist brrr... 

Der weitere Aufstieg verlief dann problemlos über die uns inzwischen bestens bekannte Route via Cürt. Natürlich war das Trassee unter einer dicken Schicht Laub begraben. Die Rechen leisteten gute Dienste, ermöglichten uns später einen bequemen Abstieg und erhalten diesen Pfad hoffentlich für die Zukunft. Sonderlich frisch und busper fühlte ich mich auf dem Zustieg nicht - vielleicht der fehlende Effekt vom kalten Morgenbad?!? Nach rund 1:45h waren wir beim Abzweig vom Wanderweg, von wo es noch rund eine Viertelstunde über das teilweise mit alten Fixseilen versehene Steilgelände zur Wand hinauf ist. Der Einstieg ist exakt am selben Ort wie jener der Variante Gege, die wir zuletzt als Start in die Va Pensiero genutzt hatten. Bei sonniger Wärme und nach dem Entfernen diverser Zecken fiel der Startschuss um ca. 10.10 Uhr.

Da war der Startschuss bereits verhallt. Man hat schon etwas zu beissen, bis diese Position in L1 (6a+) erreicht ist.

L1, 45m, 6a+: Auf der ersten Hälfte geht's noch relativ zugänglich los, allerdings drückt da lange die Feuchtigkeit und dementsprechend ist der Fels oft auch etwas dreckig - coole Strukturen hat er aber. Die Schwierigkeiten beginnen beim letzten BH, bevor man die ansetzende Verschneidung erreicht, dies mit einer Wandstelle über ein kleines Dächli hinweg. Die Verschneidung dann etwas rustikal-rampfig, teilweise auf Gegendruck. Nebst einigen altertümlichen NH muss mobil gesichert werden, das volle Set an Gear ist nötig. Die Crux klettert man etwas engagiert im Layback oder dann rechts in der Wand, vermutlich ist beides in etwa ähnlich schwierig.

Die Gegenperspektive zum Bild oberhalb, Nachstieg in L1 (6a+), die Verschneidung nicht geschenkt.

L2, 30m, 7a+: Eine Angewöhnungszeit wird einem hier nicht gewährt, der Ernst der Sache beginnt schon unmittelbar nach dem Stand. Zwar ist die Kletterei da noch nicht voll die Härte, dafür klettert man mindestens ein Dutzend Meter, bis der erste BH geklippt werden kann. Man kann schon Cams legen, es gibt aber nicht Bomber-Placements à discretion, irgendwie leicht unangenehm. Später folgen dann die BH in kurzen Abständen - das kann nur heissen, es wird richtig schwierig. Die ersten Stellen lassen sich noch lösen oder austricksen, bei der Crux heisst es dann aber, die Füsse vom seichten Untergriffriss entschieden auf die glatte und etwas sandig-brösmelige Platte zu pressen. Not really my cup of tea, da hat mir die finale, athletische Wandstelle mit einer Querung nach links viel besser gefallen.

Endlich ist der erste BH in L2 (7a+) geklippt. Zuvor kann man zwar wie das Bild zeigt schon Cams legen, es sind einfach nicht alle davon sonderlich gut. Von der Position des Akteurs beginnt nun die richtig schwierige Kletterei - eine Buckelei mit den Füssen auf glatter Platte.
Eine coole athletische Wandstelle bildet den Abschluss von L2 (7a+).

L3, 25m, 7b: Da sind die Aussichten doch schon viel besser und der Motivationspegel steigt gleich an! Offensichtlich wartet athletische Wandkletterei, welche sehr gut mit BH abgesichert ist. Die Cams lasse ich mir (zurecht) nicht an den Gurt hängen. Sie würden in der steilen Cruxpassage nur unangenehm nach aussen-unten ziehen. Hat man sich an diese herangepirscht, so heisst es erst ein schräges Dächli an ein paar Leisten und Untergriffen, dann eine etwas sloprige Kante vor allem an Seitgriffen zu meistern. Leider fehlt mir die Intuition um die Finken im entscheidenden Moment auf den korrekten Tritten zu platzieren und der Spirit, um es dennoch zurechtzubiegen. Fazit: der Onsight scheitert knapp, schade! Ob der Cruxzone dann etwas einfacher, aber immer noch athletisch-anhaltend zum Stand.

In L3 (7b) wartet überhängende, powerige Wandkletterei, prima mit BH gesichert 🤩

Auch nach der eigentlichen Crux in L3 (7b) muss noch 1-2x kräftig durchblockiert werden.

L4, 30m, 7b: Schlicht und einfach: DAS IST DIE BESTE SEILLÄNGE! Nicht nur von dieser Route, sondern vom ganzen Berg. Zumindest soweit ich ihn bisher beklettert habe, und das umfasst 6 MSL-Routen mit total rund 75 Seillängen. Los geht's mit einer Wandstufe, dann kurz etwas Gegendruck-Gelände an kleinen Verschneidungen. Relativ unschwierig, wenn man nicht (nur) dem steckengebliebenen 1er-Cam mit seiner verblichenen Schlinge vertraut, sollte man selbst noch 0.75 oder 1 und 0.4 mitnehmen, der Rest ist prima mit BH ausgerüstet. Nach dieser Passage geht's los, eine knifflige Wandsequenz mit sloprigen Löchern bringt einen unter das Dach. Powerig-athletisch über dieses hinweg, oberhalb helfen oh Wunder zwei grosse Löcher, welche sich genau an der erwünschten Stelle befinden. Zum Abschluss heisst es noch ausdauernd am Ball bzw. den oft quarzigen Leisten, Tritten und Henkeln bleiben, die in einem luftigen Quergang nach rechts hinaus zum (nicht so sonderlich bequemen) Stand führen - affengeil!

Ausblick auf L4 (7b), aufgrund von Seil und v.a. Haulbag kann man erahnen, wie steil diese Länge ist.

Es heisst kräftig dranzubleiben, bis der Stand geklippt ist - dies in sehr luftiger Position (L4, 7b).

L5, 45m, 7a+: Vorerst macht es den Eindruck, es gehe gleich weiter wie zuletzt. Das stimmt, aber nur für die ersten ~15m der Seillänge: steile und kräftige Kletterei an guten Griffen, super. Dann gelangt man in sich zurücklegendes Gelände, welches mit Löchern und Quarzhenkeln gespickt ist. Dementsprechend physisch deutlich einfacher, doch die sehr weiten Hakenabstände mahnen zur Vorsicht und lassen gewisse Fragezeichen offen, wo es überhaupt durchgeht (leicht linkshaltend gerade hoch, Cams bis Grösse 1 nötig!). Später fordert dann ein kniffliges Plätteli mit seiner Querung - einmal geschafft und mit der Hoffnung die Crux in der Tasche zu haben, wird man sich dann gewahr, dass noch ein verdammt hartes Finish mit plattiger Wandkletterei folgt. Erst hier, fernab von der Sicherungsperson und ohne Kommunikation mit dieser, entscheidet sich der Durchstieg in wirklich marginalem Terrain. Der gelang uns nicht, für mich fühlte sich diese Passage klar härter an wie die 7b-Längen davor. Immerhin, die Bolts stecken da genügend dicht, dass man schon ohne allzu grosse Mühen hochkommt.

So richtig taffes Geschlabber am Ende von L5 (7a+), der Grad ist meiner Meinung nach zu knapp bemessen.

L6, 35m, 7b: Ja, gleich am Überhang ob dem Stand geht's zur Sache. Wobei der steile Teil nicht das Problem ist, sondern viel mehr das Etablieren in der Platte darob. Im Originaltopo stand 6b+ 1pa und darauf sollte man sich vielleicht besser auch einstellen. Wir waren jedenfalls trotz seriöser Versuche nicht fähig, diese Passage freizuklettern - im Minimum 7A bloc, vermutlich eher mehr (also im richtigen Minimum wäre der Boulder sicherlich Schwierigkeit rot, was das heisst weiss der Leser entweder oder darf es gerne selbst herausfinden). Zum Rest gibt's dann nicht mehr so viel zu erzählen. Eher unschön, ziemlich botanisch und wegen der spärlichen Absicherung mit unklarer Linienführung gilt es in relativ einfachem Gelände voranzukommen. Eine recht grosse Rechtsschleife ist die richtige Lösung, ein paar Cams hinter dumpf tönenden Schuppen bringt man schon unter, ein paar wenige BH dienen als Richtungsweiser.

Nach verdammt harten Boulder wird's in L6 (7b) einfacher und ziemlich vegetativ.

L7, 55m, 6c: Auch hier stellt sich vom Stand aus erst einmal die Frage, wo es überhaupt durchgeht, denn BH sind keine sichtbar. Linksrum ginge es vermutlich sogar relativ easy (aber in unschönem Gelände). Doch das Originaltopo bringt uns auf die richtige Spur. Richtung 13 Uhr geht's, das attraktivste Gelände nutzend, später kommt dann tatsächlich ein von unten nicht sichtbarer BH. Die Routenführung ist jedoch eigenwillig, es geht nach links mit einem Mantle-Boulder über eine Kante hinweg und später dann sehr gesucht in einem Winkel über das Dach hinweg. Im Nachstieg war mir gar nicht bewusst, dass Viktor da linksherum auf dem logischen Weg ausgekneift ist - da ist das Dach bloss noch eine Stufe und deutlich einfacher zu haben, die zur Sicherung gelegten Cams sahen jedoch eher windig aus. Schliesslich führt eine Platte zum Grasband hoch. An dieser Stelle drückt (wie bei allen Eus-Routen) gerne die Nässe. Selbst bei unserer Begehung, lange nach den letzten Regen-/Schneefällen und bei voller Sonneneinstrahlung im April war es nicht restlos trocken. Es ging gut, aber hier kann man auch ausgebremst werden. Wissenswert: 50m-Seile sind definitiv zu kurz, um den BH-Stand am oberen Ende des Grasbandes zu erreichen. Deshalb Stand an einer Birke gemacht.

Das ist der Start in L7 (6c), der erste BH befindet sich (vom Stand unsichtbar) am Bauchnabel des Kletterers.

L8, 20m, 6b: Puh, was soll denn das?!? Obwohl durchaus zugängliche und attraktive Linien möglich gewesen wären, haben sich die Erschliesser auf eine sehr rustikale Linienführung im Quergang unter einer Dachreihe eingelassen, wo es auch ganz offensichtlich häufig raussaftet (immerhin das war bei unserer Begehung kein wesentliches Problem). Nach wenigen Metern des kurz-problemlosen Auftakts wird es ganz schnell ernst: Cam 2, dann Untergriff-Gegendruck mit den Füssen auf unstrukturierter, brösmeliger Platte. Weitere Sicherungen zu legen ist so absolut unmöglich und dementsprechend heisst es, mit 100% Committment über eine längere Strecke durchzuziehen. Wobei es nicht absehbar ist, wie gut es geht und wie lange man durchziehen muss. Sollte es nicht klappen, so scheppert man Vollgas in den 2er-Cam und falls der nicht halten sollte, aus 10-12m Höhe auf das Band unterhalb. Wie Maloney tat ich, was man in dieser Situation sinnvollerweise tut: Aid-Climbing an den Cams... Viktor zieht die Länge im Nachstieg dann tatsächlich frei durch (freundlicherweise habe ich noch etwas Backcleaning betrieben). Aber voll am Limit, knapp vor dem Abschmieren und versiert in dieser Art von Kletterei. Der Grad 6b ist hier pures Hirngespinst, 7a sicherlich angebracht.

Viktor chillt mal eben L8 (mehr 7a wie 6b) hoch - oder auch nicht. Selbst im Nachstieg sind Einsatz und Mut erforderlich!

L9, 30m, 7a+: Vorerst geht's so weiter wie zuletzt: Untergriff-Gegendruck der Dachfuge entlang, brösmelige Füsse, häufig ist das feucht/nass (auch bei uns teilweise). Ist man einmal um die Ecke gebogen, wartet dann bald eine unmögliche Boulderstelle à la "7a+ wtf". Wir konnten keinen Plan entwickeln, wie man diese Passage frei hinkriegen soll. Wohlgemerkt handelt es sich da um athletische Kletterei und keine Slab. Wie auch immer, der hier angegebene Grad korrespondiert null mit den 7b-Längen im unteren Teil. Zum Glück geht's mit etwas Einsatz A0. Letzteres gilt nicht für das henklige Rési-Finish wo man etwas steigen muss, jedoch ist dieser Abschnitt vergleichsweise easy und hellt die Miene nach dem Ablöscher davor wieder etwas auf.

Der Start in L9 (7a+), vorerst geht's weiter an Untergriffen dem Dach entlang.

L10, 40m, 6b+: Erst athletisch, dann plattig, so lautet hier das Motto. Hier kann man sich wieder mit der Route versöhnen, es ist wirklich eine coole Länge. Griffig-steil zuerst mit eher weiten Hakenabständen, wer aber über etwas Reserven verfügt, wird trotzdem kaum ins Schwitzen kommen. Eher noch der Fall sein könnte dies beim zunehmend plattigen Finish. Hier gibt's viel Interpretationsspielraum für die Optimallinie und zum Ende hin dann auch noch saftige Runouts. Die Felsstrukturen sind aber genial, erst quarzige Knubbel und zum Ende dann rund-ausgewaschene Formen. Meine Meinung: es ist relativ gutmütig für den Grad... insbesondere gemessen an dem was uns sonst teilweise im Tessiner Reibungs-Gneis als "6b+" verkauft wird.

Geniale Felsstrukturen, tolle Kletterei, aber weiträumige Absicherung in L10 (6b+).

L11, 45m, 6b+: Vom Stand her gesehen sieht's trivial aus und fast übertrieben gut abgesichert... Nun, besonders mutig muss man hier im ersten (vom Stand überschaubaren) Teil für einmal wirklich nicht sein, aber das mit "trivial" ist eine komplette Täuschung. Die Platte ist zwar nicht so steil, aber dafür sehr abschüssig und 100% Zutrauen in die Reibung erfordernd. In diesem Rahmen macht's mir aber echt Freude und es gelingt sogar - gefühlt am persönlichen Limit. Die letzten zwei Drittel sind dann zwar deutlich einfacher, dafür stecken kaum mehr Bolts. Die Steilzone geht gut auf, stürzen sollte man da seinem Wohlergehen zuliebe aber besser nicht. Der wahnwitzige Abstand auf der Platte zum Ende lässt sich mit recht guten Placements zum Glück entschärfen (ca. 0.3-1 sind da unterzubringen). Der Stand steckt deutlich rechts drüben, ist aber von Weitem gut sichtbar.

Der Start in L11 (6b+) sieht easy peasy aus, aber das täuscht doch eher. Anspruchsvolle Reibung!

Um 20.10 Uhr und somit nach ziemlich genau 10 Stunden der Kletterei hatten wir das Top erreicht und die Mission erfüllt. Das Punktekonto war nur relativ bescheiden gefüllt worden. In den beiden athletischen 7b-Längen konnte ich mir immerhin einen ehrenvollen Knapp-nicht-Onsight notieren, wohingegen ich in den anderen, eher plattigen 7a+/7b-Längen chancenlos war. Wenn wir aber das Glas in der bewährten und typischen Ami-Manier halbvoll füllen, so war es vermutlich auch hier noch ein ~97% Free Ascent. Von der langen Zeitdauer ist ein Teil einfach der Kombi vom Gelände und unseren Fähigkeiten zuzuschreiben. Einen anderen Part muss ich auf meine Kappe nehmen. Larina war in Portugal an der Boulder-Comp der European Youth Series im Einsatz, wo ich natürlich live mitfiebern musste. Nicht zuletzt deshalb brach am Top schon bald die Dämmerung herein...

Den Tag voll ausgenutzt. Tolle Stimmung auf den letzten Metern von L11 (6b+).

Es lief also wieder einmal auf ein Abseilen bei einbrechender Dunkelheit hinaus. Im oberen Teil ist dabei ein routenunabhängiger Stand zu nutzen. Dieser befindet sich a) höher wie in den Topos gezeichnet, d.h. nicht auf der Höhe von Stand 10, sondern etliche Meter oberhalb und b) etwas westlich (und nicht östlich!) der Falllinie. Das hätte ich auch gerne vorher gewusst, so hätte ich mir den Wiederaufstieg am Seil im freihängenden Gelände gespart. Von diesem Stand erreicht man das Band, wobei man auf dem Band weiter nach Westen traversieren muss und dann (mit 2x50m) besser von einem Baum abseilt, um den Stand nach L6 zu erreichen. Von da lief es dann zum Glück besser, wobei man von Stand 4 mit einer freihängenden 50m-Strecke direkt zu Stand 2 abseilt. Das war im Dunkeln mit beschränkter Sichtweite relativ spooky, aber kurz vor Seilende hat man den Stand dann wirklich vor seiner Nase und erreicht auch den Fels wieder problemlos.

Die Warmduscher-Methode, um über den Fluss zu kommen. Auf diese griffen wir auch auf dem Rückweg gerne wieder zurück, dann natürlich aber in vollständiger Dunkelheit. Wer auf diesem Weg trockenen Fusses vom einen ans andere Ufer kommen möchte, kann sich mit dem Mitführen einer Seilrolle die Sache wesentlich bequemer machen.

Um 21.30 Uhr hiess es Touchdown am Wandfuss, nach einer Pause und dem Verpuffen vom Material liefen wir um 21.50 Uhr dann los, stiegen vorsichtig entlang der Fixseile zum Wanderweg ab. Der Rest über den Pfad (wiederum via Cürt) war dann Formsache, dank mehrere Besuche kennen wir den Wegverlauf inzwischen gut und finden ihn auch in der Dunkelheit problemlos. Zuletzt wartete dann noch die Bachtraverse. Auf das Waten im kalten Wasser bestand überhaupt keine Lust mehr, so gab's einen letzten Effort am Drahtseil, welcher uns um 23.10 Uhr schliesslich zum Parkplatz brachte. Nun wartete noch die Heimfahrt über immerhin fast leere Strassen - nur im Gotthard findet sich natürlich um jede beliebige Zeit ein Vorfahrer, der mit nur 65km/h durch den Tunnel tuckert. Das ist wohl mindestens so sehr ein Naturgesetz, wie dass eine Route am Pizzo d'Eus in einem >20h door-to-door Unternehmen endet.

Facts

Pizzo d'Eus - L'araba fenice 7b (6c obl.) - 11 SL, 400m - Fratagnoli/Petazzi/Turchetto 2005 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, evtl. 2x60m, 12 Express, 1x Cams 0.2-3

Eine typische Eus-Route mit einigen hervorragenden Seillängen und anderen, die weniger attraktiv sind. Die Herausforderungen liegen eher auf der athletischen Seite, harte Plattenstellen kommen relativ selten vor, sind aber nicht gänzlich absent. Der Fels ist über weite Strecken hervorragend, teilweise aber auch etwas grasig oder mit brösmelig-sandiger Auflage. Die Route ist nur nach einer Trockenperiode sinnvoll, sonst könnte man im Bereich des Bandes oder spätestens danach in den dachartigen Verschneidungen ausgebremst werden. Wie so oft am Pizzo d'Eus sind einige der Bewertungen mit Vorsicht zu geniessen, hier gibt der Haupttext nähere Auskünfte. Die Absicherung mit rostfreien BH ist gut bis sehr gut ausgefallen. Die steil-schwierigen Stellen sind eigentlich alle auf Niveau xxxx bis teilweise sogar xxxxx eingerichtet. Bei den plattig-schwierigen Stellen ist die Sache tendenziell anspruchsvoller und eher nur xxxx, aber man kommt mit 6c obl. durch und muss nirgends viel Mut beweisen oder das Risiko von einem heiklen Sturz in Kauf nehmen. Die einfacheren Seillängen weisen hingegen grössere Abstände auf. Mit etwas Gear kommt man da aber auch noch weitestgehend auf xxx und verbleibt im grünen Bereich. In Sachen Schönheit, Attraktivität und Zugänglichkeit der Kletterei würde ich die Route als in derselben Liga wie Cacciatori di Parete und Magic Rampit einstufen, bzw. höher als Va Pensiero und Vai con gli amici. Auf einen Vergleich mit den tendenziell plattigeren Routen Radici del Silvio und Vai col blues weiter rechts sei hingegen verzichtet. Topo und weitere Infos findet man im SAC-Führer Tessin und im Extrem Sud. Hier anschliessend das (Low-Resolution)-Originaltopo der Erschliesser, welches ich dereinst im World Wide Web ergattert hatte.

Originaltopo der Erschliesser, mit wissenswerten Zusatzinfos.



Montag, 4. Mai 2026

Skitouren für Spätaufsteher

Es ist nicht so, dass ich der geborene Langschläfer bin. Doch regelmässige Nachtruhe ist wichtig, und genügend Erholung auch. Insbesondere die Sportklettersessions fordern nämlich ihren Tribut. Auch wenn man dabei keine übermässigen Distanzen oder Höhenmeter zurücklegt, so fordert man doch 100% von seinem Körper ab. Und so schadet eine sonntägliche Zusatzstunde in der Horizontalen ganz und gar nicht. Jedenfalls: ich erhob mich um 8 Uhr aus dem Bett und wollte trotzdem noch ein schönes Recovery-Tüürli in sulzigem Schnee machen. Meine Pläne spielten sich im Klöntal ab. Nach dem Zmorge mit der Familie wurde das Material verladen und Nägel mit Köpfen gemacht.

Auf dem Weg dem Schnee entgegen: hinein ins schon frühlingshafte Rossmatter Tal.

Meine Tour startete um 10.15 Uhr beim Fahrverbot in Klöntal Plätz. Mit dem Schneetaxi ging es zügig hinauf nach Wärben (1385m), wo ich den Blinker stellte und den steilen Karrweg Richtung Zeinenstafel einschlug. Dieser Abschnitt mit grobem, losem Schotter ist an der Grenze der Fahrbarkeit und bei der Kehre auf 1450m war sowieso Schluss, ein Schneefeld belagerte das Trassee. Um 10.50 Uhr mogelte ich mich erst zu Fuss weiter, da ich um die nächste Ecke wieder aperes Gelände befürchtete. Das manifestierte sich genau so. Erst beim Zeinenstafel (1568m) kamen die Bretter an die Füsse, von da weg ging es dann aber durchgehend. Wobei man sagen muss: 118hm Fussmarsch sind kein Drama.

Bikedepot: dagegen ist auch mit dem Boost-Modus am E-Bike kein Kraut gewachsen.

Die Route hinauf zur Zeinenmatt war mir von der Tour auf den Hinter Gassenstock noch bestens bekannt. Und genau bei diesem Anlass hatte ich die tollen NW-Hänge am Munggenchöpfli vorbei als lohnendes Skigelände in meinen Hirnwindungen abgespeichert. Gut, das Abspeichern ist das eine, aber die Erinnerung im richtigen Moment wieder in den Kortex zu laden das andere. Hier war es mir gelungen und ich fellte bei besten Bedingungen hinauf. Im oberen Teil steilt sich das Gelände auf bis zu 40 Grad auf und stellte mit der glatten, harten Schneedecke eine gewaltige Rutschbahn dar - Harscheisen waren unabdingbar. Um 12.15 Uhr erreichte ich das Top der Rinne auf ca. 2180m. Für Fernsicht ist man da zu tief, aber die Nahblicke zur Zeinenfurggel, den Gassenstöcken und dem Bös Fulen sind nicht zu verachten.

Tolle Tourenverhältnisse in der Nähe von daheim gesucht und sie gefunden!

Nach einer kurzen Pause schnallte ich die Bretter an die Füsse. Der Zeitpunkt war genau richtig, die steilen Hänge gerade mit "al dente"-Sulz präpariert. Wie im Rausch ging's retour in die Zeinenmatt, auch die folgenden Hänge retour zum Zeinenstafel boten mehr von dem, weswegen ich gekommen war. Dann wurden die Bretter für einen kurzen Marsch geschultert, später dann auf's Bike verladen und zu Tale gebracht. Um 13.15 Uhr war ich wieder auf dem Weg nach Hause, der Plan hatte sich so materialisiert, wie ich mir das vorgestellt hatte - perfekt!

Der Bös Fulen und die Gassenstöcke, gut sichtbar meine Route zum Hinter Gassenstock von 2025.

Disclaimer: dieser Beitrag soll nicht dazu verleiten, im Frühjahr spät auf Skitouren aufzubrechen. Ein rechtzeitiger Start und eine frühe Rückkehr sind essenziell. Hier, an diesem steilen NW-Hang relativ nahe bei mir daheim ging sich die Tour ausnahmsweise ohne frühes Aufstehen aus. Ich hatte jedoch einen genauen Zeitplan, welche ich strikte einhalten konnte. Zudem war die Situation aussergewöhnlich günstig: nach einer langen Schönwetterperiode herrschte Warnstufe 1 und die Gefahr von nassen Lawinen war ebenfalls nicht sehr akut.

Montag, 27. April 2026

Skitour Chilchalphorn (3039m) & Lorenzhorn (3048m)

Das Saisonende für Skitouren naht, doch die guten Verhältnisse wollen zur Erholung vom Sportklettern nochmals ausgenutzt werden. Mit den noch nicht geöffneten Passstrassen stehen nur relativ wenige Touren mit entsprechend viel Andrang zur Verfügung. So will ich kreativ werden und eine Tour angehen, welche sich nur in Kombination mit dem E-Bike lohnt. Mit dem sehr populären Chilchalphorn ist diese identifiziert. Bei winterlichen Powder-Verhältnissen wird diese Tour von Alpinisten aus Nord und Süd überrannt. Aber jetzt, wo unterhalb von 2000m schon gar kein Schnee mehr liegt, ist man da alleine unterwegs. Die eingesparten Höhenmeter zu Beginn der Tour habe ich den Abstecher zum Lorenzhorn investiert. Einsam und abgelegen erreicht man dieses Ziel über den Fanellgletscher in sehr schöner Landschaft und exzellentem Skitouring.

Hier ist noch (fast) alles grün, und wir sind doch schon auf 2000m! Aber der Schnee kommt, und es geht wirklich vom (sich im Bildzentrum befindenden) Bikedepot weg. Links dann der Gipfel des Chilchalphorns (3039m), rechts der Wenglispitz (2841m).

Um 7.45 Uhr sattle ich das Schneetaxi unmittelbar bei der Autobahnausfahrt von Hinterrhein. Preu heisst diese Lokalität, und somit gleich wie der Informatiklehrer meiner Tochter. Nein, ich glaube dieser Computer-Nerd hätte keine Freude an einer solchen Tour. Zügig geht's über den betonierten Chilchalpweg mit dem Boost-Modus in die Höhe. Bei P.2084 überdeckt der erste Schneefleck die Strasse, mit dem Bike kann er über die Wiese umfahren werden. Nach 20 Minuten (4.4km, +500hm) bin ich bei der Brücke über den Rappierbach auf ca. 2110m. Hier ist Bikedepot und Wechselzone, ein schmaler Schneestreifen neben dem Bach erlaubt es, direkt mit den Fellen loszugehen.

Hier nebem dem Rappierbach geht's mit den Fellen los, im Visier das Chilchalphorn.

Das Gelände im unteren Teil der Tour ist schon recht stark ausgeapert. Ich habe aber Glück, finde die richtige Linie und komme komplett mit den Ski durch. Nach Belieben konnte ich mir einen Plan zurechtlegen. Erst zum Lorenzhorn? Oder erst zum Chilchalphorn? Mein Entscheid fiel auf letzteres. Mit dieser Reihenfolge vermutete ich, noch besser von den Schneeverhältnissen profitieren zu können. Und es erlaubte mir, auf dem Rückweg von der Chilchalplücke direkt gen Tal gehen zu können - was ja durchaus auch ein Faktor sein kann, bei vorherrschender Müdigkeit und Wärme. Eventfrei habe ich schliesslich den Gipfel um ca. 10.30 Uhr erreicht. Direkt am Top ging ein giftiger Nordwind, südseitig unterhalb fand ich einen bequemen, windstillen Sitzplatz - perfekt!

Top of Chilchalphorn mit Blick in die Talschaft Rheinwald.

Dann wurden die Ski angeschnallt und in die Tiefe gestochen. Ganz oben an den NE-seitig ausgerichteten Hängen fand ich sogar noch etwas lockeren Schnee auf solider Unterlage, der genussvolle Schwünge erlaubte. Die Chilchalplücke liess sich direkt ohne Aufstieg anfahren, ich wechselte auf die Westseite. Naturgemäss war der Schnee da eher auf der harten Seite. Geräuschvoll schwang ich in die Tiefe, erst im flachen Gelände auf 2550m kamen die Ski zum Stehen und es wurde angefellt. Mein Interesse war von einem Loch im Gletscher geweckt worden, welches ich unbedingt besichtigen wollte.

Der Gletschertunnel, ein sehr eindrückliches Erlebnis!

Tatsächlich war es dann ein ca. 80-100m langer Gang in der Grösse eines Strassentunnels. Ganz ungefährlich war dessen Begehung aufgrund von Einsturzgefahr sicherlich nicht. Trotzdem, diese einmalige Gelegenheit wollte ich mir dann doch nicht nehmen lassen. Sehr eindrücklich war es, schön auch, gleichzeitig aber auch traurig - das Loch ist ja nur deswegen entstanden, weil der Gletscher am Sterben ist. Schon im nächsten Sommer wird es vermutlich Geschichte sein und das verbleibende Eis des Fanellgletschers hat auch höchstens noch ein paar Jahrzehnte vor sich. Umso besser, dass ich es noch in seiner ganzen Länge bis zur Rotgrätlilücke beschreiten konnte. Es zieht sich, ist aber eine wunderbare Passage in einer abgeschiedenen Landschaft. Man fühlt sich da weit abseits der Zivilisation, fast ein wenig wie in Grönland - zumindest in Bezug auf Handy-Empfang sind die Verhältnisse gleich.

Blick zum Fanellgletscher, der Tunnel ist zu erahnen. Links der Bildmitte das Lorenzhorn (3048m).

Schliesslich erreichte ich die Lücke und beschritt die Nordhänge gegen den Gipfelkamm hinauf. Hier lag wieder ein wenig pulvriger Schnee auf kompakter Unterlage, der es einem nicht so leicht machte. Bald war ich aber da und deponierte meine Ski am Fuss des kecken Gipfelturms. Dieser erfordert zuerst plattige Kletterei, zuletzt geht's über den schmalen, exponierten Grat in leichter Kletterei zum Top. Ja, es ist richtig luftig über der überhängenden Südwand. Um ca. 12.10 Uhr hatte ich den kleinen Platz am höchsten Punkt mit seinem kümmerlichen Steinmann erreicht. Und verliess ihn nach einem Rundumblick gleich wieder - das Skidepot versprach die gemütlichere Rast.

Der kecke Gipfelaufbau vom Lorenzhorn (3048m) von unten gesehen...
Im Vordergrund der Gipfelgrat, der sich ganz schön luftig präsentiert. Am Horizont Rheinwaldhorn und Güferhorn.

Die Abfahrt zur Rotgrätlilücke war dann prima, jene in Traumsulz über den Fanellgletscher sogar exzellent. So hätte das noch ewig weitergehen dürfen, aber im flachen Gelände auf 2550m kamen die Bretter zum Stoppen und wurden wieder mit den Fellen beklebt. Es wartete die Pflichtaufgabe mit dem 260hm umfassenden Wiederaufstieg zur Chilchalplücke. Bald war diese erreicht, die Abfahrt von da bot dann auch nochmals tollen Sulzgenuss in abwechslungsreichem Gelände. Nur die letzten 100hm zum Bikedepot waren dann auf dem letzten Streifen an schon etwas faulem Schnee nicht mehr der Brüller, aber doch bis zum Zweirad fahrbar. Um 13.30 Uhr setzte ich mich auf den Sattel, zuerst müssen noch einige Höhenmeter gewonnen werden, bald heisst es dann aber die Handkraft einzusetzen, um auf der steilen Betonstrasse die potenzielle Energie in Reibungswärme zu verwandeln. Etwa so heiss wie die Bremse war diese Tour, eine geniale Sache!

Traumhafte Bedingungen mit zischendem Sulz auf dem Fanellgletscher.
Der Schnee ist auch auf dem Rückweg noch da :-) Abschwingen also direkt neben dem Bike.

Sonntag, 19. April 2026

Terasc - Alice (7a+)

Diese Route ist monumental, aber doch nur wenig bekannt. Dazu passend hat der lockende, eindrückliche Gneisdom im Val Bavona, an welchem sich die Kletterei abspielt, noch nicht einmal einen Namen auf der Landeskarte. Wie kann das sein, bei einer Route die von der Strasse aus gut sichtbar und auch relativ rasch erreichbar ist? Ein Grund ist natürlich der Felssturz im Jahr 2023, welcher die Route in L6 unmöglich gemacht hat. Wir haben an dieser Stelle nun eine neue Seillänge eingerichtet, womit die Alice neu zum Leben erweckt ist. Trotzdem muss man für einige Herausforderungen gewappnet sein, welche dieser Bericht darlegt. Doch so viel vorweg: ursprünglich, d.h. für die erste Zeit nach der Erschliessung wurde die Route El Cagon ("der Hosenscheisser") genannt, bevor sie später zu Alice umgetauft wurde. Der erstvergebene Name kommt sicher nicht von ungefähr, denn auf dieser Kletterei zum Hosenscheisser zu werden ist relativ leicht möglich.

Blick vom Talboden auf unser Programm am Osterweekend 2026: Filo a piombo und Alice.

Prolog

Das Valle di Foiòi ist ein mythischer und geschichtsträchtiger Ort. Dies hat vor allem mit Giuseppe Zan Zanini zu tun, welcher hier ab 1833 in mühevoller Handarbeit einen Zugang in der Form eines Alpwegs geschaffen hat, welcher unwegsames Gelände mit Hilfe von Steintreppen überwindet.

Io Giuseppe Zan Zanini di Caveg fece la strada per pasare le bestie bovine su l’alpe l’anno 1833+

So lautet die Inschrift an den Felsen an der Stelle, wo der schärfere Teil des Zustiegs beginnt. "Ich, Giuseppe Zan Zanini aus Cavergno habe diesen Weg ab 1833 erstellt, um das Vieh auf die Alp zu treiben". Zuerst einmal scheint es aus heutiger Perspektive unglaublich, dass Rinder diesen Weg überhaupt beschreiten können, bzw. konnten. Zudem muss der Aufwand für die Erstellung von Mauern, Treppen und Behausungen aus Natursteinen in reiner Handarbeit gigantisch gewesen sein. Das kann nur vermuten lassen, wie gross die aus der Not und Entbehrlichkeit geborene Motivation der Menschen damals gewesen sein muss - es gab schlicht keine Alternativen. Eckpunkte aus der Biografie von Zan Zanini unterstreichen dies. Während er selbst erst im Alter von 75 Jahren verstarb, so war der Tod im gefährlichen Alltag ein ständiger Begleiter. Insgesamt 39 Kühe stürzten beim Alpauf- und -abtrieb in den Tod. Zan Zanini überlebte auch seine 3 Ehefrauen, mit denen er insgesamt 17 Kinder zeugte. Viele von diesen verstarben bereits im Kindesalter, nicht ungewöhnlich für die damalige Zeit. Ein heftiger Schlag des Schicksals muss jedoch der tödliche Absturz seiner 20-jährigen Tochter auf dem Alpweg gewesen sein. Kurzum, man begibt sich hier auf historisches und nicht ungefährliches Parkett.

Die sehr gut erhaltene Hütte von Terasc P.1267, vor knapp 200 Jahren von Zan Zanini im mühevoller Handarbeit erbaut. Bei der Alice kommt man hier nur auf dem Fussabstieg vorbei, das Foto wurde bei unserem Erkundungsgang am Folgetag der Tour aufgenommen.

Zustieg

Wie schon am Vortag für die Filo a piombo starten wir bei der Brücke nach Faedo. Dieses Mal sind wir deutlich früher unterwegs und laufen um 7.50 Uhr los. Es gilt die Brücke zu überqueren, dann folgt man der Bavona rund 500m talaufwärts. Nachdem man das (oft trockene) Bett des aus dem Foiòi kommenden Bachs traversiert hat und kurz vor der Lichtung von La Sertà zweigt man rechts ab auf den Pfad, der ins Foiòi führt. Am Eingang des Canyons 50 Höhenmeter weiter oben gibt es eine kurze Stelle mit Eisenbügeln und Kette, dann folgt man weiter dem Weg, bis dieser auf ca. 915m kehrt macht und nach links hinauf zur berühmten Treppenpassage mit der oben erwähnten Inschrift führt. Die Treppe hinauf und dem Weg entlang zuerst ein "Hufeisen" beschreibend, dann nordwärts dem Hang entlang, bis sich der Weg beim (ehemaligen P.1037) wieder nach rechts wendet. Bald danach kommt die Stelle "Barbacane" mit der an den Fels gebauten Mauer und dem alten Drahtseil. Von dort sind es noch ca. 100m (?) weiter bis zu einer 2m hohen Platte mit 3 Eisenbügeln. Nur 5m weiter zweigt der Zustieg zur Alice vom Weg ab (evtl. Steinmann vorhanden). Zuerst ca. 25m hinauf, dann eine Platte nach links queren. Man traversiert über eine Kante hinweg und quert einen Kessel, bevor wieder einfacheres, bewaldetes Gelände folgt. Zuletzt wartet nochmals eine Kraxelpassage, in welcher man etwas absteigend zum Einstieg gelangt. Auf diesem letzten Teil sind ca. 3 Markierungen in Form von alten, blauen Bandschlingenstücken an Bäumen vorhanden. Das Gelände ist teilweise exponiert und bei Nässe, Laub oder dürrem Gras heikel. Sichern bzw. Gehen am laufenden Seil ist sicherlich kein Fehler.

Ich weiss, es ist kein extrem hilfreiches Foto. Aber an dieser Stelle zweigt der letzte Teil des Zustiegs zur Alice vom Zanini-Weg ab. Auf diesem Foto sieht das Gelände sehr banal aus. Auch wenn es nicht wirklich extrem ist, gänzlich harmlos ist der letzte Teil vom Zustieg dann auch wieder nicht.

In die Route starteten wir schliesslich um 9.27 Uhr. Davor hatten wir uns noch die Freiheit genommen, am Einstieg einen BH zu setzen. Da wir die Ausrüstung zum Sanieren von L6 dabei hatten, schien dies ein sinnvoller Move. Man steht am Einstieg im Absturzgelände und es gab zuvor keine Möglichkeit sich zu sichern. Sprich, das Risiko von einem Seilschaftsabsturz, bevor der erste BH auf 7m Höhe geklippt ist, war real.

Routenbeschreibung

L1, 50m, 6a+: Rein optisch ist der Eindruck nicht mega berauschend. Aber es handelt sich hier wirklich um eine schöne Steilplatten- und Wandkletterei mit horizontalen Leisten. So gesehen die einzige Seillänge mit Plaisircharakter, ein angenehmer, aber nicht ganz repräsentativer Auftakt in Route. Mit 9 BH ordentlich abgesichert, bis auf die Linkstraverse durch die Botanik am Schluss, wo 1-2 Cams nötig sind.

Los geht's mit L1 (6a+), der neu gesetzte BH am Einstieg ist in der rechten, unteren Bildecke gerade noch sichtbar. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Fotoausbeute von dieser Tour etwas eingeschränkt ist. Durch einen Defekt beim Ladegerät im Bus war strenge Akku-Rationierung angesagt, damit im Falle des Falles noch das Absetzen eines Notrufs in Frage gekommen wäre.

L2, 35m, 6a+: Es gilt zuerst rechts auszuholen zu nicht sichtbarem BH, ob welchem es gerade voraus in die Verschneidung mit dem dünnen Fingerriss im Grund ginge (6c+). Eher logischer ist der breite Riss ob dem Stand. Nach einem weiteren BH passen erst #2, dann #3, später dann nur noch #4 oder sogar #5. Dank einigen Leisten und schön scharfer Risskante geht's auch ohne viel Rampf und mit einem Runout ohne die grossen Geräte (für welche es später keine Einsatzmöglichkeiten mehr gibt). Dann etwas rechtsherum, hinauf über eine steile Zone und über ein Platte zu Stand.

L3, 30m, 7a+: Zuerst gilt es ganz klar festzuhalten: 7a+ ist diese Länge nur auf dem Topo-Papier, mit der Realität hat diese Einstufung gar nichts zu tun. Das gilt selbst eine potenzielle Pinkpoint-Begehung für Grossgewachsene. Rotpunkt ist das eine andere Nummer: das Platzieren vom Gear aus der Kletterstellung ist herausfordernd. Onsight ist das gleich nochmals fordernder, zudem ist der Riss oft etwas dreckig, bei unserer Begehung war es sogar teilweise komplett zugemoost. Uns kam es so vor, als dass diese Länge schwieriger zu punkten wäre wie die 7c der Filo a piombo (wobei wir weder das eine noch das andere gemacht haben...). Zuletzt: für Kleingewachsene, welche nicht direkt über den ersten BH hinauf können (je nach Armlänge ist die entscheidende Passage unter ca. 180cm unmöglich) und den Untergriffpiaz von links her machen müssen, ist die Schwierigkeit vermutlich nochmals in einer anderen Dimension.

Viktor in L2 "an der Arbeit", "beim Klettern" kann man ja nicht wirklich sagen.

Das Klettertechnische im Einzelnen: es geht kurz links ausholend an einem Hangelriss zum BH, dann folgt das erwähnte Grössenproblem hinauf in den Untergriffriss, gefolgt von strengen Moves um die Ecke zum zweiten BH (bis da schon ca. 7a). Nun folgt der anstrengende Piaz an Fingertips-Riss mit Füssen auf glatter und etwas brösmeliger Platte. Erst noch kletterbar, dann wird der Riss dünner und neigt sich ungünstig gegen rechts...zum dritten BH hin heisst es dann irgendwas zusammenzaubern. Erwähnt sei, dass dort im schwierigsten Abschnitt auch oft die Feuchtigkeit aus dem Riss drückt. Der finale Abschnitt verläuft dann mehr oder weniger horizontal unter dem Dach nach rechts, an sehr kleinen und schlechten Untergriffen, bei mickrigem Trittangebot. Erst drüben an der Kante folgen dann schliesslich die rettenden Henkel, zuletzt 2m absteigen zum Stand beim Baum. Für RP-Aspiranten sei noch erwähnt, dass man von dieser Stelle nur sehr erschwert zum unteren Stand zurück kommt (Tagline bzw. fixiertes Seil nötig).

Auf diesem Bild sieht man deutlich das Moos, welches teilweise wichtige Untergriffe besetzt. Die BH in der Rechtsquerung sind apropos auch eher tief und Aid-optimiert gesetzt. Zum Freiklettern müsste man Vollgas am Untergriff-Riss und an jenem im Dach möbeln, wobei die Bolts dann eher auf Fusshöhe unten sind.

Für die meisten Begeher heisst die Realität hier wohl Tekkno... Die Länge ist mehr oder weniger vollständig als Aid-Länge kletterbar, es gibt kein nennenswertes mandatory free climbing. Im Valley ginge dies wohl schon auch als C1 durch (und dann stecken ja noch die 5 BH zur Versicherung). Trotzdem ist es deutlich anspruchsvoller zu techen wie die 7c von Filo a piombo. Gute Selektion von kleinen Cams und Micros/TCUs nötig (mind. 2 volle Sätze) und das Vertrauen in diese darf dann nicht fehlen. Die Placements sind teils eher marginal, etwas dreckig und/oder feucht - viel Spass!

Hier der Blick auf den längeren Aid-Abschnitt von BH #2 zu #3. Da sind doch ein paar kleine Cams nötig!

L4, 25m, 6b+: In griffigem Fels hinauf zu markanter, athletischer Bouldercrux nach dem zweiten BH, der offizielle Grad ist eher tief gegriffen. Obwohl eigentlich gut gesichert (Füsse auf Hakenhöhe) ist die Passage zwingend. Das Hauptproblem besteht im Baum, der sich unterhalb im Sturzraum befindet... Vielleicht auch eher 6c+, oder ist es nur das Gefühl vom ja-nicht-stürzen-dürfen?!? Wenn man den Cruxmove gepackt hat, geht's links hinauf an/neben Verschneidung, zum Schluss deutlich linkshaltend in grasigem Gelände zum Stand. Die BH gerade voraus gehören zu einer anderen Route/Projekt.

Lieber ein kurzer Check bei der (harten) Crux in L4 (6b+), statt bei einem Sturz im Baum zu landen.

L5, 30m, 6b: Neben der allerersten Länge ist dies der einzige weitere Abschnitt, welcher einen Plaisircharakter hat. Bohrhaken gibt's hier jedoch nur limitiert und vorwiegend zu Beginn, wo eine Wandstufe mit ein paar kniffligen Moves zu meistern ist. Später folgt dann eine schöne Schuppe, welche genussvoll zu klettern und mit Cams abzusichern ist.

In L5 (6b) folgt nochmals ein Abschnitt ohne Mängelrüge. Schöne Kletterei, gute Absicherung.

L6, 25m, 6b+, NEU: Hier hat sich 2023 der Felssturz ereignet, wo auf ca. 10-15m Kletterstrecke das Material ausgebrochen ist. Früher wurde anscheinend an einer Schuppe kaminartig an Höhe gewonnen, diese ist nun nicht mehr vorhanden. Interessanterweise sind die Haken bis dahin alle unbeschädigt und auch die ersten 2 BH der früheren Linienführung dieser Länge sind noch präsent. Die neue Variante haben wir nicht direkt hoch durch den Ausbruch gelegt. Dies wäre eventuell schon möglich und frei kletterbar (Wandkletterei mit Gegendruck an Kanten), aber sicher nicht im 6b/6c-Bereich. Unsere Option zieht diagonal nach links mit plattigen Moves, folgt dann einer Fuge und quert links um die Kante. Dort griffig hinauf und vor dem Gebüsch wieder nach rechts in die Wand hinaus, dann zu bequemer Stand-Terrasse. Die Schwierigkeit liegt (im Kontext der Route) bei geschätzt ~6b+, der Einsatz von verlängerbaren Alpinexen ist ob der Linienführung zwingend. Die Länge ist nicht speziell hübsch, könnte noch besser geputzt werden - aber sie funktioniert und macht die Route wieder begehbar (6 BH, evtl. Cam 0.3).

Marcel (gut getarnt) beim Einbohren der neuen L6 (6b+). Auf den allerersten Metern quert man die Ausbruchzone auf dem gut begehbaren Band in der linken, unteren Bildecke. Nachher führt die neue Linie links der vom Ausbruch betroffenen Zone hinauf. 

L7, 25m, 6b, NEU: Eine kurze Traverse (1 BH) führt zurück auf die vorherige Linienführung (Achtung, nicht das erste Risssystem wählen, welches nach links hoch zur Kante führt, sondern erst den nächsten Riss rechts. Mit dem BH sollte der Weg klar sein). Dieser Fingerriss war komplett zugewachsen. Einmal geputzt, bietet er sicherlich schöne Kletterei. An seinem Ende ist der Verlauf dann etwas unklar, am einfachsten wohl nach rechts mit Hilfe des Baums gegen den Kamin hin... und hinauf zum ehemaligen Stand von L6. Diesen kann man Auslassen und das 10m lange 4c-Verbindungsstück (ehemalige L7) gleich anhängen. Direkt hoch war alles zugewachsen und schien sehr unangenehm, wir sind eine grosse Linksschleife geklettert.

Ein wenig repräsentative Bild für die neue L7, welche schöne Kletterei an einem 6b-Fingerriss bietet. Zumindest dann, wenn dieser geputzt und nicht verwachsen ist, was wir verbessert haben. Das Bild zeigt die ehemalige L7, d.h. das kurze 10m-Verbindungsstück durch die Botanik, hinauf zum Start der 7a-Länge.

L8, 55m, 7a: Boah, welch ein Pièce de Résistance, sehr taff bewertet, mit heftigen zwingenden Stellen und abschnittweise weit gesichert mit Potenzial für Stürze, die nicht verletzungsfrei ausgehen (starke Schürfungen, Prellungen, Füsse kaputt...). Die Seillänge schien uns wegen Länge und eckiger Linienführung kaum in einem Stück kletterbar. Der Seilzug macht die eh schon schwierige Kletterei nicht einfacher und die fehlende Sichtverbindung die Runouts nicht weniger heikel. Wir haben uns mit einem improvisierten Zwischenstand hochgekämpft und finden 7b (7a obl.) angebracht. Im Einzelnen:

Der Auftakt in L8 (7a) ist noch gut kletterbar und auch die Absicherung im grünen Bereich.

Zu Beginn ist es noch einfach und griffig, 1-2 Cams sind für den Abschnitt zum ersten BH hilfreich. Es folgt eine Traverse nach rechts. Wer die Seillänge komplett durchsteigen möchte, sollte den rechts aussen steckenden BH #3 massiv verlängern (120er-Schlinge), auch wenn es wegen der folgenden Plattenstelle unangenehm ist - sonst bremst der später massiv. Dann zunehmend plattig hinauf, erst helfen coole Knobs, ein paar Leisten und Löcher noch weiter. Taffe Reibung folgt aber... Empfehlung: vom BH #6 wieder zu BH #5 ablassen und dort nach ~25-30m Kletterei (bis dahin unsere Bewertung 7a) auf guter Trittleiste (No-Hand-Rest) einen Zwischenstand improvisieren.

Mangels eigener, guter Fotos und um einen Eindruck der Seillänge zu vermitteln, habe ich hier die Bilder der Erschliesser von geklaut. Wie man sieht, es ist brutal plattig und die Abstände sind weit. Der Akteur ist hier gerade in der im Text erwähnten Stelle nach BH #3. Wer die 55m durchsteigen will, muss diese Sicherung massiv verlängern - nicht angenehm im Angesicht von dem, was danach kommt! (c) by Picalciot.

Der zweite Teil ist deutlich schwieriger: harte und sehr zwingende Sektion vom BH #6 weg mit weitem Runout (ca. 8m) zu BH #7. Es wird dann zuletzt wieder einfacher, es gilt jedoch 5m über dem Haken noch eine gewagte Rechtsquerung zu machen. Wer da fällt und vom Stand nach L7 gesichert wird, kann sich ob dem Seilverlauf auf einen 15m-"Plattenrutscher" einstellen... nein danke! Nach BH #8 dann der unseres Erachtens schwierigste Boulder (min. Fb 6C Plattenboulder, mit Knien bis Füssen auf Hakenhöhe). Dann etwas einfacher werdend ein Mantle auf Trittleiste und mit Runout nach links über die runde Kante hinweg). Das Finish dann etwas zugänglicher mit Linksquerung und einer nochmals steilen Stufe (kann nass sein!), spätestens da würde einen der Seilzug definitiv killen, wenn man das am Stück durchzieht.

Nochmals eines der Erschliesser das zeigt, wie crazy dieser Shit ist. Das ist die im Text erwähnte Stelle von BH #6 weg. Der Hakenabstand ist hier geschätzte 8m bei brutal plattiger, maximal schwieriger Kletterei - noch dazu ohne Sichtverbindung zum Stand. Und der Clou (wie wir im Nachhinein mit diesen Fotos herausgefunden haben) ist noch: wir haben da eine andere Beta geklettert. Dass es vom unteren Haken weg rechts raus klettern könnte, stellten wir auch fest. Aber ob es dann weit über dem Haken wieder nach links zurück zum BH geht, schien sehr, sehr unsicher. Wir sind darum erst links vom BH gestiegen, da ist die (taffe!) Crux wenigstens auf den ersten 3-4m nach dem Bolt, während sich das Gelände in der zweiten Hälfte des Runouts dann etwas zurücklegt. (c) by Picalciot.

L9, 30m, 6b+: Plattige Sache mit der Crux gleich zu Beginn: ein dynamischer Aufsteher gefolgt von einer Mantle-Sequenz. Das Band unterhalb ist noch nah, aufmerksame Sicherungsarbeit ist nötig und den letzten Aufsteher sollte man besser nicht vergeigen. Dann weit und relativ easy etwas gestuft hoch mit teilweise guten Leisten/Absätzen, bevor es am Ende nochmals kurz steil und dann sehr plattig wird. Dank 2 BH ist das zum Glück nicht so wild.

L9 (6b+). Auch nicht einfach, aber einfacher wie die davor und danach. Und die Sonne hat schon "ciao" gesagt.

L10, 50m, 6c: Nochmals ein 50m-Plattenschocker in ähnlichem Stil wie L8, wenn auch nicht ganz so verschärft von der Kletterei her - die Absicherung ist jedoch gleichermassen crazy. Erst plattig nach rechts hinaus, wobei man die Linie gut wählen/erkennen muss. Es folgt eine seichte, runde Rissspur (tricky), bevor man zur genialen Quarzleiter kommt. Diese lässt einen mühelos ein paar Meter machen, ist aber leider viel zu kurz. Weiter dann nach rechts zu einer weiteren Rissspur, gefolgt von sich etwas zurücklegendem, aber zunehmend plattigem Gelände. Die Abstände sind extrem weit und es läuft auf ein Spekulieren hinaus, mit welcher Beta man den nächsten BH ungerupft erreicht. Auch da fehlt die Sichtverbindung zum Stand und 15 oder sogar 20m-Stürze liegen locker drin, mit entsprechenden Konsequenzen für das Wohlergehen. So richtig cool ist es schon, dass die Sequenz mit den vereinzelt vorhandenen Knobs aufgeht, ohne dass es nochmals richtig hart würde - psycho ist es trotzdem. Der Stand dann vor dem Steilriegel.

Nochmals eines der Erschliesser um zu zeigen, was hier in L10 (6c) Sache ist. Es lohnt sich, genau hinzuschauen: die letzte Exe ist am unteren Bildrand geklippt, der nächste BH befindet sich in der linken, oberen Bildecke - ein unverantwortlicher Runout, anders kann man es nicht benennen. (c) by Picalciot.
Die Quarzleiter in L9 (6c) ist richtig cool, diese quasi geschenkten Meter nimmt man sehr gerne. Es sind allerdings nur etwa 5 auf 50 Meter...

L11, 50m, 6a+: Easy peasy denkste nun, nix da! Links um den Riegel herum (BH an seinem Ausläufer) und hinauf. Hier hat's auch einiges an Moos auf den Platten und Botanik, welche die Risse besetzt. Mittig dann eine heikle Plattensequenz über einem Band, die Absicherung schützt nicht wirklich vor einem Sturz auf dieses. So scheint auch diese 6a+ nochmals richtig schwierig, es wird einem nichts geschenkt...

Nicht so das Filetstück der Route. Grasige Risse und moosige Platten in L11 (6a+, hart für den Grad!)

L12, 15m, 5c: Kurzes 15m-Stück mit 2 BH, welches ohne den Ausflug an den grasig zugewachsenen Riss rechts seine Bewertung sicherlich auch übersteigt (eher 6b-Platte ohne Nutzung der Graswasen). Wenigstens ist es schnell einmal vorüber. Zuletzt dann hinauf zum Top mit Schlingen an Baum, vergammelten Pappmaché-Wandbuch, einem Bärli und einer Seifenblasen-Dose...

Es war inzwischen 20.15 Uhr und die Dämmerung war schon weit fortgeschritten. Wir hatten aber nicht klein beigeben können und wollten die Sache unbedingt zu Ende bringen, so wie es die Grössen à la Seb Berthe auch zu tun pflegen. Dies mit einer neu eingebohrten Seillänge, 10:48h Kletterzeit und unter Inkaufnahme von einem Abseilen im Stirnlampenschein, was - wenn auch etwas spooky - gut zu verantworten schien. Jedenfalls war das Tageswerk mit L12 beschlossen, die (sowieso etwas fakultativ wirkende und im Extrem Sud nicht verzeichnete) Schlusslänge L13 auf dem Abstiegsweg lag nicht mehr drin. Somit fädelten wir die Seile und glitten in die Tiefe: 12 -> 11 -> 10 -> 9 -> 8 -> 7 -> 5 -> 4 waren problemlos. Der untere Teil ist hingegen kniffliger und man muss zwingend mindestens einen Stand auslassen (3 -> 2 ist nicht möglich), zudem war es inzwischen zappenduster. Wir entschieden uns schliesslich für 4 -> 2 -> 1 -> Einstieg. Das Erreichen von Stand 2 ist aber nicht so einfach, es sind ca. 10m Traverse in steilem, plattigem Gelände und man berührt den Fels nur knapp. Nichtsdestotrotz, um 21.25 Uhr und damit nach 70 Minuten Abseilen waren wir relativ zügig retour am Einstieg. 

Nun ja, vom Abseilen gibt es nicht viel zu zeigen. Die Gegend ist wunderschön. Das Foto wurde am Start der Route aufgenommen. Der Ausgangspunkt bei der Brücke über den Fluss ist am unteren Bildrand gut sichtbar.

Nun galt es noch, die Traverse zum Zan Zanini-Pfad retour zu gehen. Diese fanden wir im Stirnlampenlicht problemlos, am Ende über die Platte haben wir aber nochmals einen 25m-Abseiler von einem Baum über die Platte gezogen. Nun konnten wir die Klettersachen ablegen und versorgen, der Abstieg über den Weg war dann Formsache, um 22.35 Uhr waren wir schliesslich zurück beim Ausgangspunkt. Das macht Summa Summarum 14:45h Car-to-Car, ein episches Abenteuer.

Jeder Meter will geklettert sein!

Am nächsten Morgen besprachen wir unsere Pläne. Da sich Viktor bei einem Sturz erheblich an den Fingern abgeschürft hatte, war eine anspruchsvolle MSL nicht mehr realistisch. Nun hätte man die Sache bequem handhaben und eines der Sportklettergebiete ansteuern können, welches es im Bavona sogar unmittelbar an der Strasse gibt. Das traf jedoch das Gusto nicht und so entschlossen wir uns schliesslich, auf dem von den Erschliessern beschriebenen Abstiegsweg zum Top zu gehen und dort noch die am Vortag ausgelassene L13 (6c) und ihre Rechtsvariante (7a) in Augenschein zu nehmen. Schliesslich schien schon der (Weiter)weg auf den historischen Pfaden zur Hütte von Terasc und zu den früheren Installationen interessant.

Sorry, das muss sein. Rissklettern, schmerzhafte Sache. Und der Grund für unsere Planung an Tag 3.

Nun denn, um 9.55 Uhr zottelten wir los, liefen wie an den Vortagen in den Canyon de Foiòi hinein und über den Treppenweg hinauf. Vorbei am Abzweig zum Einstieg von Alice und am Abzweig zum Ausstieg von Filo a piombo gelangten wir schliesslich zur erstaunlich gut erhaltenen Steinhütte von Terasc (11.00 Uhr), welche von Zan Zanini im frühen 19. Jahrhundert erbaut worden war. Von dieser folgt man noch für ca. 70m dem Pfad, bevor man VOR der nächsten Rinne (mit ihrer Steinmauer) über den Rücken hinaufsteigen muss. Zuerst über dürres Gras zu einer Platte (mit Eisenstift). Hier nahmen wir ob dem sehr exponierten Gelände das Seil hervor. Nach ca. 25m kommt man wieder in waldiges Gelände (mit viel rutschigem Laub bedeckt). Immer im flachsten Terrain verbleibend kamen wir in einer grossen rechts-links-rechts-links-Schleife auf das ebene Terrain am Top des Berges auf ca. 1480m. Über eine kleine Scharte gelangten wir zu P.1470, welcher das Top von L13 markiert (ca. 12.00 Uhr). Schliesslich identifizierten wir den Stand und konnten ihn an einem Baum abseilend erreichen. So gelangten wir auf die flache, idyllische Waldterrasse am Top von L12. Nach einer Mittagspause griffen wir schliesslich an.

Im Aufstieg zum Top der Route. Genau am Standort des Fotografen verlässt man den Weg von Zan Zanini nach links hinauf. Ich bin da schon zu weit um kurz Nachschau zu halten, ob nicht eine noch geeignetere Stelle für den Aufstieg folgt. Dem ist aber nicht so.  

L13 (rechte Variante), 25m, 7a: weil das Seil schon installiert war, ob der mit nur 5 BH knapp gehaltenen Absicherung und wegen zwei bereits vorhandenen Bail-Karabinern zogen wir es vor, diesen Abschnitt im Toprope anzugehen. Zu Beginn geht's noch gut, an einem Riss kann man Cams (0.3/0.4) legen, nach BH #3 kommt die Crux. Heftige Sache an etwas flechtig-rutschigen Slopern, quasi trittlos. Wir kriegten es nach einigem Üben gerade so hin, unseres Erachtens eher 7b als 7a und zudem zwingend (7a obl.). Der Rest geht dann besser, bis auf den finalen Abschnitt zum Stand. Direkt über den BH verdient dies das Prädikat unmöglich. Rechts herum ist es wohl kletterbar. Der Mantle auf das dreckige Ausstiegsband (Flechten, Nadeln, Brösmelibelag, Dreck) ist aber etwas heikel und man nimmt das Risiko eines fetten Pendlers in Kauf - naja! Von einem Vorstieg sah ich schliesslich aufgrund der Gegebenheiten ab, die Seillänge ist eher unlohnend.

L13 (linke Variante), 25m, 6c (???): Mein Minimalziel bestand noch darin, wenigstens hier den Punkt zu holen - etwas Besseres konnte ich nämlich in der Alice noch nicht vorweisen. Da ich 6c (solange nicht objektiv gefährlich) unter mehr oder weniger allen Voraussetzungen onsight klettern kann, sollte das in einer übersichtlichen 25m-Länge mit 9 BH in Wandkletterei keine grosse Sache sein. Die Mission hätte aber nicht krachender scheitern können: 6c, wtf!!!

Das ist die linke Variante von L13 (6c, wtf!). Die Absicherung ist gut, aber die Moves ultrahart.

Schon das, was zu Beginn optisch noch recht einfach aussieht, ist ob dem nicht recht griffigen Fels taff. Bis kurz vor BH #4 kam ich noch in sauberem Stil - aber doch schon mit 2-3 Slab-Bouldern, welche im Minimum definitiv als blau (Fb 6C-7A) bewertet würden. So erreicht man eine Sektion mit einer schlechten Pinch, die zu einem diagonalen Untergriffrail führt, an welchem man +/- trittlos durch senkrechtes Gelände moven muss. Nur schon das Etablieren in einer Position ist hart, das Moven zwischen den Positionen und Füsse umstellen war teilweise unmöglich. Gewürzt wir die Sache von einem grifflosen Exit, wo wir mit aller Fantasie keine Lösung erkannten. Über die letzten 2 BH geht's dann wieder besser, so à la 6c/7a-Gelände mit engagée-Touch.

Diese linke Variante ist sicherlich besser und lohnender wie die rechte. Aber auch viel schwieriger. Eine 6c ist das definitiv nie und nimmer. Ich wage sogar die Behauptung, dass 8c näher an der Realität liegt wie 6c. Denn unter 7c geht dieser Abschnitt bestimmt nicht weg, so weit wage ich mich auf das Glatteis (oder eben die Reibungsplatte) hinaus. Zu erwähnen ist auch noch der körnig-scharfe, aber doch etwas brösmelige Fels - ein Hautfresser par excellence. Kurzum, "normale Leute" werden das nach den ersten 12 SL der Alice kaum mehr klettern wollen (und können). Wenn, dann würde man die Längen vermutlich eher auch Umlenken als oben Stand machen und aussteigen, auch wenn der Abstieg von oben (P.1470, nach L13) etwas einfacher ist wie vom unteren Plateau nach L12. 

Abstieg

Die Beschreibung der Erschliesser (siehe hier für die Details) ist sehr gut. Sie sei hier aber mit noch etwas mehr Worten in tedesco angereichert: vom Stand nach L12 mit Wandbuch ca. 30m durch das flache Waldstück zum nächsten Felsriegel (ca. 1430m), wo die beiden Varianten von L13 beginnen. Hier nach rechts über ein Band am Fuss der Felswand queren. Das geht erst problemlos, zum Ende kommt aber eine enge, exponierte und häufig nasse Stelle. Diese entweder klettern (Stelle 2) oder an Stand mit 2 BH ca. 15-20m abseilen. Nun auf keinen Fall das Couloir hinabsteigen, sondern (eher etwas aufsteigend) auf den folgenden, ca. 100m breiten Rücken traversieren (ca. 1440m).

Das Routenbuch muss man leider als verloren werten - total durchnässt und vergammelt. Wir haben es zwar zum Trocknen ausgelegt, aber das hat nicht wirklich funktioniert. Einträge darin haben wir nur ganze 2 Stück entdecken können... Es wäre echt noch wissenswert, wie viele Komplettbegehungen die Route erhalten hat. Die wenigen Einträge, welche man online findet, zeigen alle nur Fotos bis maximal L6 - nicht ohne Grund vermutlich.

Wer L13 auch geklettert hat, geht vom Ausstieg Richtung NE über den flachen Boden (P.1470), überschreitet eine kleine Scharte und erreicht etwas aufsteigend das Plateau auf ca. 1480m, welches das Top des vorher erwähnten, ca. 100m breiten Rückens darstellt. Bei beiden Varianten steigt man nun "der Nase nach", d.h. etwas mäandrierend und im am wenigsten steilen Gelände bleibend über den Rücken ab. Der in den Beschreibungen erwähnte Köhlerplatz ist wenig markant (kurzes Flachstück mit kleiner Steinmauer talseitig) und folgt ca. mittig in diesem Abstieg. 

Der Rücken wird schliesslich ca. 70m im ENE der Hütte von Terasc verlassen, bzw. man trifft dort auf die Wegspur. Das steilste Stück folgt fast am Ende auf ca. 1330m und wird durch eine kompakte Felsplatte markiert. Die Kletterei ist in der Plattenzone zwar relativ einfach (Stellen 2), Nässe, Laub und rutschiges Gras können aber stören. Zudem ist die Stelle sehr exponiert. Deshalb am besten 25m von einem Baum über die Platte abseilen, dann in einfacherem Gelände zum Weg hinab und rechtshaltend unmittelbar zur Hütte von Terasc.

Das ist die Platte, über welche wir 25m an einem Baum abgeseilt haben.

Von dieser auf der mit einigen farbigen Punkten markierten und meist gut erkennbaren Wegspur ins Tal. Dieser Abschnitt wird als T5 gewertet. Wenn auch unschwierig, so ist das Gelände exponiert, bei einem Fehltritt droht einem dasselbe Schicksal wie Zan Zaninis Tochter und seinen Kühen: ein Absturz über die Wand des Canyon de Foiòi wäre kaum mehr aufzuhalten.

Fazit

Alice ist ein Monument, welches Respekt, Ausdauer und die richtige Einstellung erfordert. Mit der von uns erschlossenen, neuen Seillänge 6 wurde der Route nach dem Bergsturz 2023 wieder neues Leben eingehaucht. Auf Konsum und Bequemlichkeit orientierte Kletterer sind hier sicher fehl am Platz - auch wenn's Einsatz braucht, ganz den Schnauf, die Entbehrungen und Verluste von Giuseppe Zan Zanini muss man zum Glück nicht in Kauf nehmen, um hier eine Portion Ambiente im Valle di Foiòi zu schnuppern.

Die gute Frage: was ist der richtige Weg beim/zum Klettern? 

Das grosse, logische Projekt wäre eigentlich der Link-Up von Filo a piombo und Alice. Laut Topo macht das 24 SL bis maximal 7c. Trotzdem - da bin ich mir sicher - braucht es doch schon eine satte Portion an Fähigkeiten, um das in 1 Tag zu realisieren. Ich zweifle nicht, dass es im Yosemite Valley eine ganze Menge an Leuten gibt, welche diesen Feat pullen könnten und auch würden - insgesamt ist es wohl "nur" in der Grössenordnung von einem Half Dome Regular NW Face. Die Routen am El Cap sind sowohl länger wie auch schwieriger, und selbst da sind Tagesbegehungen keine Seltenheit. Wie es aber scheint, gibt es hierzulande kaum Climbers, welche Ambitionen auf einen solchen Link-Up haben. An Ostern 2026 war zwar ein grosser Trupp von starken Jungs und Mädels im Val Bavona. Diese haben sich aber alle an den Blöcken im Talgrund vergnügt... wer kann es ihnen verübeln? Bequemer hat man es ganz sicher und die soziale Interaktion ist ebenso umfangreicher.

Facts

Terasc - Alice 7a+ (6c obl.) - 13 SL, 450m - Koch, Cavargna, Pagano, Gehring 2014 - ***;xx
Material: 2x60m-Seile, 12 Express, 2 Sätze Cams von Micro-0.75, evtl. Grösse 4, evtl. plus 0.2-0.5

Ein Gewaltsunternehmen, welches in der unteren Hälfte bis und mit L7 vorwiegend Riss-, Verschneidungs- und Wandkletterei bietet, oberhalb dann mehrheitlich anspruchsvolle Platten. Zu beachten sind die harten, teils sogar komplett unrealistischen Bewertungen. Insgesamt ist die Route deutlich anspruchsvoller wie das Topo suggeriert. Die Gesamtanforderung ist ob Länge, Schwierigkeit und Absicherung viel höher wie z.B. in der Filo a piombo. Die Absicherung ist eher knapp. Einige clean gebliebene Passagen an Rissen und Verschneidungen sind da nicht das Problem, die können mit Cams gut passiert werden. Hingegen sind Platten im oberen Routenteil sehr fordernd gebohrt. Mehr als Stufe xx ist das nicht, mit zwingenden Schwierigkeiten deutlich über dem Haken! Es ist ein klares Verletzungspotenzial bei Stürzen vorhanden. Lebensgefährlich ist das schon nicht gerade, mit heftigen Abschürfungen, Prellungen und beschädigten Fussgelenken ist im Falle des Falles aber schon zu rechnen. Was man auch noch wissen muss: die Risse wachsen offenbar recht schnell wieder zu. Sollte dies der Fall sein, dann ist natürlich sowohl das Klettern wie auch das Absichern schwierig und ohne laufend zu putzen, kommt man nicht voran (genügend Begehungen bitte, dann ist das kein Problem). Die Route ist nur nach einer Trockenperiode sinnvoll. Aus der Rissverschneidung in L3 saftet es sehr lange raus, die ist sogar eher nur im Ausnahmefall in richtig guten Bedingungen. Ob der Länge, den Schwierigkeiten und der spärlichen Absicherung ist eine Begehung zeitraubend (jedenfalls für Normalos). Wenn man oben ankommen will, dann ist ein früher Start wichtig. Die Sonne erreicht den Einstieg jedoch erst spät (ca. um die Mittagszeit). Der obere Routenteil ist sehr sonnig und wird bis in den Abend bestrahlt. Den Füssen und der Reibung zuliebe wählt man besser einen nicht zu warmen Tag. Der Zustieg und auch der Fussabstieg sind mit den Beschreibungen gut machbar. Das Terrain ist jedoch hier wie da >45 Grad steil. Bei Nässe, Dunkelheit bzw. schlechter Sicht würde ich vom Fussabstieg abraten. Das Abseilen funktioniert gut und zügig - ausser im Optimalfall und für Ortskundige ist es vermutlich nicht so viel zeitraubender wie der Fussabstieg. Die Route ist im Extrem Sud und im SAC-Kletterführer Tessin beschrieben. Sehr empfehlenswert ist die Original-Doku der Erschliesser. Hier als Bild das Update mit der neuen Situation in L6/L7.

Update vom Originaltopo der Erschliesser mit den neuen L6 und L7.

Literatur

Wer mehr über die Geschichte dieser Gegend und ihren prägenden Protagonisten Giuseppe Zan Zanini erfahren möchte, dem seien die folgenden beiden Bücher ans Herz gelegt: (1) "Giuseppe Zan Zanini e la Valle di Foiòi" von Giuseppe Brenna. Das Buch gibt es nur auf Italienisch, hier erhältlich bei Pizbube. (2) "Il fondo del sacco" oder die deutsche Version "Nicht Anfang und nicht Ende" von Plinio Martini, welche beide einfach im allgemeinen Buchhandel erworben werden können. Es handelt sich um einen Roman, welcher das harte Leben in den Tessiner Tälern beschreibt und auch das Schicksal von Zan Zanini aufgreift.