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Freitag, 10. April 2026

Canyon di Foiòi - Filo a piombo (7c oder 5.11 C1)

Die gegen 200m hohe Wand im Canyon de Foiòi wurde erst 2008 zum Klettern entdeckt und bietet mit der Filo a piombo ein Trad-Gustostücklein erster Güte. Weitgehend clean, mit nur wenigen, strategisch platzierten Bolts gewinnt man hier entlang von Rissen und Verschneidungen an Höhe. Das Gelände ist eindrücklich steil, die Wand im Schnitt überhängend und weitgehend vor Regenfällen geschützt. Die Kletterei folgt dem natürlich-logischen Weg und fragt viele verschiedene Styles ab: nebst vortrefflichen Jam-Rissen gibt es Layback-Verschneidungen, gewürzt ist das Ganze mit einigen kniffligen Wandstellen. Sicherlich ein Highlight im Schweizer Gneis!

Die Wand im Canyon di Foiòi mit dem Verlauf von Filo a piombo (7c oder 5.11 C1).

Vorgeschichte

Der Wettkampfsport fordert wieder einmal seinen Tribut, ein Familientrip liegt an Ostern 2026 wegen dem Selektionswettkampf im Bouldern nicht drin. Wenn auch schade, so gilt es keinen Trübsal zu blasen: ich kann mit Viktor gemeinsame Sache machen. Es soll für 3 Tage ins sonnige Tessin gehen, um gneisige MSL zu attackieren. Wir entscheiden uns für das abgelegene Val Bavona, welches wir bisher noch nie im Rahmen eines Tagestrips angesteuert haben. Während wir vorab ausgiebig über Ziele und Strategien diskutieren, so bleibt uns auf der etwas Sitzleder und Geduld erfordernden Anreise am Gründonnerstag genügend Zeit, um nochmals alle Optionen durchzuspielen. Nach einer mässig gemütlichen Nacht auf einem Autobahnparkplatz legen wir die letzten Kilometer zurück und erhalten die gelobten Wände zu Gesicht. Das was wir wollen ist trocken und scheinbar in Top-Conditions. Also gehen wir, solange wir noch im Vollbesitz der Kräfte sind, gleich aufs Ganze und setzen auf die Filo a piombo.

Da wird es einem gleich warm ums Herz, wenn man ins Little Yosemite of Switzerland einbiegt. Hier im Blick die majestätische Cascata di Foroglio, gleich oberhalb die Wand von Puntid im Val Calnègia, welche eine plattige MSL-Challenges bereithält. Wir blieben stehen und überlegten, ob wir gleich hier schon attackieren sollten - schliesslich hatte ich mit der Tis-sa-ack weiter hinten in diesem Seitental sehr gute Erfahrungen gemacht. Doch es zog uns schliesslich weiter...

Zustieg

Wir stationieren bei der Brücke nach Faedo, exakt von da startet auch der Zustieg. Um 10.30 Uhr liefen wir schliesslich los, d.h. überquerten die Brücke und folgten der Bavona rund 500m talaufwärts. Nachdem man das (oft trockene) Bett des aus dem Foiòi kommenden Bachs traversiert hat und kurz vor der Lichtung von La Sertà zweigt man rechts ab auf den Pfad, der ins Foiòi führt. Am Eingang des Canyons 50 Höhenmeter weiter oben gibt es eine kurze Stelle mit Eisenbügeln und Kette, dann folgt man weiter dem Weg, bis dieser auf ca. 915m kehrt macht und nach links hinauf zur berühmten Treppenpassage führt. Zum Einstieg der Filo a piombo geht's hingegen noch ca. 50m geradeaus weiter der Wand entlang nach rechts. Der Start ist nicht näher bezeichnet, er befindet sich kurz bevor man auf das Geröllfeld käme, die ersten 2 BH der Route sind gut sichtbar. Der Zustieg hatte uns knapp 30 Minuten in Anspruch genommen. Während ein schneidig-kühler Bergwind durch die Schlucht pfiff, machten wir uns bereit und packten uns dementsprechend ein. Ob der Verhältnisse hatten wir uns für einen Blockvorstieg entschieden, ich legte um 11.30 Uhr los.

Ja, genau an dieser Stelle startet die Route. Die Crux von L1 (7a) besteht darin, das Dach zu überwinden. Ein richtiger Kaltstart also, der zudem durch die vorherrschenden Verhältnisse noch akzentuiert wurde. Die Route führt dann mehr oder weniger direkt oberhalb vom Kletterer durch die Wand hinauf.

Routenbeschreibung

L1, 30m, 7a: Der Eindruck vom Einstieg überzeugt auf den ersten Blick nicht wahnsinnig. Die Wand wirkt am Sockel ziemlich botanisch und der Fels etwas dreckig. Schlussendlich ist das aber eine Täuschung, schon dieser erste Abschnitt bietet lässige Kletterei. Die Crux mit einem kniffligen Boulder wartet gleich zu Beginn. Mit den 2 BH ist sie fair gebohrt. Aufmerksam sichern muss man trotzdem, denn man kann da schon abgeworfen werden... so geht's mir. Beim Restart kann ich rp passieren. Nach leichterem und etwas durchzogenem Gelände folgen schöne und nicht allzu schwierige Risse, die mit eher kleinem Gear zu sichern sind. Der Stand auf der markanten Schuppe muss dann selbst eingerichtet werden. Z.B. mit den Camalots 2 und 3, zusätzlich habe ich so hoch wie möglich einen weiteren 3er als Dummy Runner für die nächste SL mit einbezogen. Zum Glück ist der Wind auf dieser Höhe nicht mehr fühlbar und bald kommt beim Nachsichern die Sonne und es wird wohlig warm.

Der Auftakt ist nicht so mega-mega, das Finish von L1 (7a) an diesem Riss ist aber toll.

L2, 25m, 6b+: Den Faustriss jammend geht's steil und zackig die Rissverschneidung hinauf auf die Schuppe, dann folgt eine coole Hangelquerung an grossen Slopern nach links. Die Stelle, wo man nach oben abzubiegen hat, ist gar nicht mal so offensichtlich. Ich wurde mir erst 5m zu weit drüben gewahr, dass der Weg da nicht weiterführt und musste wieder ein Stück retour klettern. Die mit einem BH abgesicherte, griffige Wandstelle ist nicht ganz trivial, aber doch gut machbar. Wenige Meter später steigt man auf ein Band aus und findet den Stand.

Steile Jamming-Passage an dieser Schuppe zum Auftakt in L2 (6b+).

L3, 15m, 7a+: Zuerst über ein paar Stufen hinauf zur kompakten Wand, wo sich der nächste Abschnitt in einem seichten Winkel abspielt. Zuerst mit ein paar artistischen Verrenkungen über den ersten BH hinweg, wenn man den bald folgenden zweiten geklippt hat, heisst es dann sich Übersicht zu verschaffen, sich eine gute Strategie zurechtzulegen und diese dann gekonnt auszuführen. Bisschen Zauberei an kleinen Griffen, die Balance und gutes Antreten sowie eine Portion Committment verlangt. Mit dem Ausstieg auf das Band ist schon der Stand da. Voll im Schwung liess ich diesen aus und hängte den nächsten Abschnitt gleich an, was gut möglich ist. Auch zu erwähnen: vermutlich könnte man diesen Abschnitt komplett linksherum in einfachem Gelände umgehen (de visu, von uns nicht verifiziert).

Nicht so das Hammer-Foto von L3 (7a+). Ich habe aber leider nur das. Wie man sieht, die beiden BH sind geklippt. Nun heisst es die beste Lösung finden und sie dann ausführen. Die Route führt dann durch das steile Gelände oberhalb weiter. Zuerst rechts der Bildmitte, später dann links.

L4, 30m, 6c: Zu Beginn scheinen mehrere Möglichkeiten zu existieren. Durch den kolossal rostigen Schlaghaken links der Rampe reduziert sich das aber rasch. Schliesslich in cooler Wandkletterei an einem BH vorbei zu einem weiteren NH, wo man sehr cool an einer sloprigen Rampe die Füsse von links nach rechts zu schwingen hat. Das Finale besteht aus einer seichten Verschneidung mit zwei dünnen Rissen und ist neben einem BH selbst mit kleinen Cams oder gar Micros zu sichern - cool stemmen und den Füssen vertrauen heisst die Losung, die einen auf die sehr bequeme Stand-Terrasse führt.

Tolle und sehr fotogene Sektion zum Ende von L4 (6c), die mit Micro-Cams abzusichern ist.

L5, 25m, 7c oder 5.11a C1: Wenn man sich den Freikletterpunkt holen will, dann heisst es nun Guzzi geben! Diese Länge wurde tatsächlich von Könnern schon onsight geklettert. Für einen Menschen wie mich, der 7c pro Jahr unter Idealvoraussetzungen in einem soften Sportklettergebiet höchstens 1-2x pro Jahr in diesem Stil schafft, war das Spiel schon vor dem Start entschieden. Einen Versuch mit der Einstellung "es ist eh aussichtslos" schon im Vornhinein zu verwerfen kann man als mutlos verurteilen, doch aus meiner Perspektive war das einfach purer Realismus. Also machte ich mich auf, diesen cleanen Abschnitt (es ist nur in der Mitte 1 alter Fixkeil vorhanden) mit Cams und Keilen zu techen. Das geht geschmeidig, ist wenig mühsam und macht durchaus Spass - straightforward and easy aid! Grundsätzlich ist diese Passage aber sicher kletterbar: erst ein stark überhängender Fingerriss, dann etwas "Erholung" an ein paar Fist Jams, knifflig an einem dünnen Flake, zuletzt bringen einen Wand- und Gegendruck-Moves zu ein paar Henkeln. Gerade hinauf ginge es von da nahtlos mit der 7a+ weiter. Der Stand befindet sich aber ca. 7m links auf einem Band und ist mit einer obligatorisch zu kletternden Traverse im 6c-Bereich anzuklettern - da liegt kein Gear mehr, die Absicherung ist aber sowohl für den Vor- wie auch den Nachstieg gut.

Die Cruxlänge L5 (7c) von unten, mit dem Akteur bereits am Standplatz.

Die Gegenperspektive in L5 (7c), Viktor in der Gegendruck-Passage.

L6, 30m, 7a+: Eine Hammerlänge! Die Topos zeigen zwar ein etwas anderes Bild, aber de fakto klettert man hier zuerst die 7m lange Traverse genau gleich zurück zu den Henkeln ob dem 7c-Riss. Dann kräftig hinauf an einer Schuppe. Wenn man einmal auf dieser steht, kann man sich kurz etwas sammeln, bevor es mit kräftigem Gegendruck eine Rissverschneidung im besten Yosemite-Style hinaufgeht. Ein paar Jams sowie gelegentliche Möglichkeiten das Gewicht ein wenig auf die Füsse zu stellen, sorgen für etwas Entlastung. Das Finish nach links hinaus auf die nächste Terrasse ist dann nicht mehr so schwierig, aber doch etwas knifflig und v.a. nässeanfällig (bei uns war es zum Glück zu 98% trocken). Zuletzt noch ein Strategie-Tipp: da wir L5 und L6 im Wechselvorstieg gemacht haben (und den 7c-Riss eh geaidet haben), hat sich Viktor die hin-und-her-Traverse an den Stand geschenkt und ist direkt hinauf. Wer genügend Gear hat, wenig legt oder ausreichend Backcleaning macht, kann die beiden Abschnitte auch im Vorstieg gut verbinden.

Kräftiger Layback in L6 (7a+), die folgenden Meter ab diesem Sammelpunkt sind die Crux.
Die Gegenperspektive, Marcel am "Buckeln" im entscheidenden Abschnitt von L6 (7a+).

L7, 15m, 6a: Kurze, horizontale Traverse nach links. Sie nimmt im ersten, einfacheren Teil etwas Gear, im schwersten Abschnitt ist dann ein BH vorhanden. Also ehrlich gesagt ist die Kletterei etwas mühsam und unter dem Dach saftet es auch oft raus. Andererseits ist es herrlich luftig, exponiert und super fotogen, dann muss man sich erst klein machen und unters Dach quetschen und am Ende an einem Henkelband hangeln - so verbleibt das Fazit am Schluss dieses Verbindungsabschnitts doch bei "leider geil".

Eigentlich ist L7 (6a) nur ein Verbindungsstück - trotzdem fotogen und cool.

L8, 25m, 6b: Das letztgenannte Prädikat vergibt man hier gerne schon im Voraus. Der Splitter in Faustbreite auf der luftigen Rampe ist schlicht und einfach genial - und weder richtig schwierig noch richtig einfach (umso mehr wohl für diejenigen mit filigranen Händen). Der Schluss dann etwas spooky an Klemmschuppe und -block, den man zudem auch noch voll auf Gegendruck aus der Wand zu hebeln versucht. Was Millionen von Jahren an Schwerkraft und schon Dutzende von Climbers versucht haben, ist uns aber auch nicht gelungen (zum Glück natürlich...). Der Stand dann um die Ecke auf der Rampe an 2 BH vor dem Wachholder-Gebüsch (Hinweis: die älteren Topos wie z.B. im Extrem Sud weisen diesen Abschnitt als 2 SL aus, das war für uns im Gelände aber nicht nachvollziehbar).

Toller Faust-Splittercrack in L8 (6b), der einen elegant über steiles Gelände hinwegbringt.

L9, 30m, 6c: Zuerst durchs Gebüsch, dann die Verschneidung mit dem breiten (Offwidth-)Riss hinauf, hier sind die 4er-Cams nötig! Je nachdem wie gerne man rampft, wird die Wahrnehmung der Schwierigkeit wohl stark unterschiedlich sein. Man kommt dann in eine Ecke, wo man sich fast kaminartig verklemmen kann, bevor es links über die Rampe hinausgeht. Bevor man den BH klippen kann, ist das mal rasch nicht so günstig gesichert (aber einfach). Auch die Rampe selbst geht dann (sofern nicht nass, was hier öfters der Fall sein könnte) gut, man entsteigt so dem steilsten Wandteil - oberhalb ist der Fels wiederum nicht mehr gleich kompakt und schön.

Die Rissverschneidung von L9 (6c) mit einer Offwidth-Passage an der Stelle mit dem Akteur.

L10, 30m, 6c: Hinauf an Rissspuren unter das erste Dach, dieses nach links unterqueren und hinauf ans rechte Ende des zweiten Dachs. Hier sind die Topos nicht so eindeutig. Viktor ist im Vorstieg schliesslich rechts vom zweiten Dach hoch und ist oberhalb nach links gequert. Das hat gut funktioniert, der Fels wirkte aber etwas brösmelig und ungeputzt. Vermutlich wäre es im Sinne des Erfinders (und mutmasslich schwieriger), hier unterhalb vom zweiten Dach zu queren und an dessen linkem Ende steil am Riss hochzuklettern. Schlussendlich führen aber beide Wege nach Rom, bzw. kommen wieder zusammen und bald darauf ist der Stand auf einer Terrasse erreicht.

Nachstieg in L10 (6c), hier pfeift's luftig bis weit in den Canyon hinunter!

L11, 30m, 6a: Der Originalausstieg bietet botanisches Abenteuergelände, ist nicht ganz einwandfrei abzusichern, zudem war der Anfang auch noch nass (aber trotzdem gut kletterbar). Ist man einmal um die erste Ecke, erreicht man einen Grasfleck und quert auf einem überwucherten Thank-God-Ledge etwas absteigend nach links um die nächste Ecke (nicht vom Grasfleck direkt die Verschneidung hinauf!). Hier ist die Sicherung eher schlecht... ist man um die zweite Ecke gequert, geht's dann an Rissspuren hinauf, zuletzt warten nochmals ein paar steile aber griffige Meter, bis man die Wand verlässt und oberhalb vom markanten, in die Wand herausragenden Baum Stand macht.

Der letzte Abschnitt (L11, 6a) ist botanisch, unlohnend, mässig gesichert und etwas heikel.

Alternativ könnte man nach L10 auf dem Band auch nach rechts queren und dort die rechte Ausstiegsvariante (hinzugefügt 2019, mit 2 SL à 7c, 5c) klettern. Der erste Abschnitt führt zuerst über eine Dachzone hinweg, welche boulderig aber doch recht griffig aussieht, der weitere Verlauf ist nicht einsehbar. Das noch zu probieren lag aber aus zeitlichen Gründen gar nicht erst drin... Bis wir die Route komplettiert hatten, schlug es bereits 20.00 Uhr und das Tageslicht war zügig am Schwinden. Das macht also 8:30h an Kletterei, das Schneckentempo sei mit viel selbständigem Absichern und dem Reorganisieren von 3 Komplett-Racks an jedem Standplatz und dem Haulen erklärt. Rein vom Klettern her war es aber prima gelaufen, bis auf die 7c hatte ich die ganze Route punkten können, somit absolut zufriedenstellend.

Fussabstieg auf dem "Weg", welcher im Gelände oft nicht viel besser ersichtlich ist, wie hier auf dem Foto. Wer jedoch nicht zum ersten Mal in alpinem Gelände bzw. in den steilwaldigen Tessiner Bergsockeln unterwegs ist, wird da keine Probleme haben, die Passage zu finden.

Vom Baum am Ausstieg sind es noch ca. 40-50m an Traverse auf die Wegspur von/nach Terasc. Das Gelände ist exponiert und das dürre, rutschige Gras sowie Laub erheischen Vorsicht und Seilsicherung. Einmal auf dem Pfad konnten wir die Sachen aber ablegen, zusammenpacken und dann loslaufen. Der Weg führt durch eindrückliches Steilgelände, ist aber gut zu verfolgen und wo nötig mit Drahtseilen oder aufwändig gebauten Steintreppen gut hergerichtet (die Story dazu gibt's dann im Folgebeitrag). Man kommt nochmals in 50m Distanz am Einstieg vorbei und kann dort deponierte Sachen abholen. Insgesamt brauchten wir ca. 40 Minuten Gehzeit vom Ausstieg bis zum Parkplatz, wo wir hungrig und müde eintrafen. Das war jetzt aber ein genialer Auftakt gewesen - dass uns diese auf dem Papier so richtig anforderungsreiche und einschüchternde Route so gut gelungen war, erfüllte uns mit viel Freude.

Facts

Canyon di Foiòi - Filo a piombo 7c (5.11 C1, 6c obl.) - 11 SL, 280m - Auguadri/Mazzuchelli 2008 - ****;xxxx
Material: 1x50m-Seil plus Tagline, 12 Express, 2 Sets Cams von Micro bis Grösse 4, Keile

Tolle und etwas abenteuerliche, aber doch gut machbare, freundliche Trad-Route auf einer natürlichen Linie durch eine eindrücklich steile Wand. Die Felsqualität ist dabei weitestgehend sehr gut, wobei es am Anfang und Ende etwas Botanik gibt. Einige Abschnitte können nach intensiven Regenperioden oder der Schneeschmelze nass sein, extrem anfällig ist die Route aber nicht (den markanten dunklen (Wasser)streifen in L6 lässt man knapp links liegen). Achtung, obwohl nach Süden exponiert, erhält die Route im engen Canyon nicht so viel Sonne. Anfang April ist der Einstieg ab etwa 13 Uhr besonnt, die Wand oberhalb schon etwas früher, die Sonne bleibt dann bis um ca. 17.30 Uhr in der Wand. Im Herbst. Gerade im Herbst dürfte das Sonnenfenster nur sehr kurz sein. Die Bewertungen schienen uns fair und realistisch. Obwohl nur 10 BH als Zwischensicherungen in 11 SL stecken, darf man hier auch als Normalo einsteigen. Die Bolts sind fair und sinnvoll platziert, den Rest kann man mit Cams meist sehr gut absichern. "Gfürchige" Stellen mit schlechter Sicherung gibt es eigentlich nicht, bzw. höchstens im einfachen Gelände ganz am Ende. Als Minimalanforderung würde ich eine 6c obl. bzw. ein 7a-Onsight-Niveau sehen. Die deutlich schwierigere Cruxlänge kann man damit natürlich nicht freiklettern. Die Route lohnt sich aber absolut auch (und ist ein tolles Erlebnis), wenn man diese 20m am steilen Riss technisch begeht. Bei uns ist dieser Stil halt wenig geläufig, im Yosemite wäre die Route wohl ein sehr gesuchtes Ziel mit einer Bewertung von 5.11 C1. Als Material braucht es für Normalos sicher zwei volle Sätze Cams von sehr klein bis Grösse 4 plus einen Satz Keile. Von den Grössen 0.3-3 noch ein drittes Exemplar mitzuführen vereinfacht das Techen der Cruxlänge weiter. Zum Abseilen ist die Route nicht eingerichtet und auch nicht so geeignet, sowieso ist der Fussabstieg schneller und bequemer. Die Standplätze sind bis auf denjenigen nach L1 mit BH ausgerüstet (meist 2 Stück, tw. 1 BH, 1 NH). Falls ein Rückzug nötig ist, kommt man schon wieder runter. Ein Topo zur Route findet man im SAC-Kletterführer Tessin oder im Extrem Sud (Achtung, dieses zeigt nicht den neusten Stand). Die Bemerkung in Klammern gilt auch für das Originaltopo der Erschliesser, welches via picalciot.ch abzurufen ist.

Mittwoch, 8. April 2026

Frischer Pulver, alter Gneis

Zugegeben, der Titel zu diesem Beitrag macht nur in Retrospekt Sinn. Er wurde aber erst nach Ostern 2026 getippt und nimmt Bezug auf die Geschehnisse vor und an den Feiertagen. Eine winterliche Episode auf der Nordseite bescherte den Voralpen Ende März und Anfang April eine fette Ladung an Schnee und kreierte ideale Verhältnisse, wie es sie den ganzen Winter über nicht gab. Und so genoss ich noch am Gründonnerstag ein Morgentüürli mit Start auf 880müM bei winterlichem Pulver, während ich tags darauf dann an sonnengewärmten, Millionen Jahre altem Gneis im Ticino klettern konnte - ein starker Kontrast!

Die Schwyzer Voralpen in tief winterlichen Bedingungen im April 2026.

Skitour Vilan

Mit Kathrin machte ich mich auf in Richtung Bündner Herrschaft bzw. ins Prättigau. Für einmal waren die Schneekarten nicht sehr akkurat und meine ursprünglichen Pläne materialisierten sich nicht ganz wie gewünscht. Immerhin, es lag deutlich mehr Schnee wie angegeben, so "mussten" wir das Schneetaxi bald am Strassenrand deponieren und uns mit der Standardroute auf den Vilan zufrieden geben. Immer wieder schön, kann man da nur sagen - insbesondere dann, wenn wegen den Gegebenheiten nur ganz wenige Tourengänger unterwegs sind. So konnten wir im Aufstieg von einer bereits gelegten Spur profitieren (danke!), für die Abfahrt fanden wir dann auf unserer Variante komplett unverspurtes Gelände bei idealem Powder vor. Nur ganz unten war der Wassergehalt in der Schneedecke durch die intensive Einstrahlung schon hoch geworden und erforderte entsprechend Rücklage bei der Abfahrt.

Wunderbare Bedingungen am Vilan 🤗

Skitüürli im Atzmännig

Der Atzmännig ist fast bei mir vor der Haustür und grundsätzlich mit Skiliften erschlossen. Diese waren trotz einer soliden Schneedecke von 40-60cm dicke anfangs April aber natürlich nicht mehr in Betrieb, bzw. das Personal war mit Vorbereitungen für einen (erhofften) Sommerbetrieb über Ostern beschäftigt. Trotz der tiefen Höhenlage mit Startpunkt auf nur 800m hält sich der Schnee hier stets erstaunlich lange und auch wenn es nur 380hm bis zur Bergstation sind, so ist es einfach ein formidabler Hang, mit einer konstant idealen Neigung für schöne Schwünge. In einem Wetterfenster über Mittag konnte ich ein paar wunderschöne Linien ziehen - der Zauber, einen frisch verschneiten Hang zuerst durchschreiten zu können und die Spur anzulegen verliert nichts von seiner Magie!

First Line im Atzmännig, hinten Farner und Schwarzenberg.

Skitour Flüechrüz / Stockrai

Obwohl für den Abend bereits die Anreise ins Tessin geplant war, konnte ich dem fantastischen Vormittag am Gründonnerstag nicht widerstehen. Zumal es auch noch in der Nähe tollen Powder zu geniessen und eine neue Tour zu entdecken gab. Vom Parkplatz beim ehemaligen Skilift am Sihlsee bei Euthal folgte ich nicht der auf der Landeskarte eingezeichneten, etwas umwegigen Skitourenroute, sondern dem vor Ort ausgeschilderten Schneeschuhtrail. Rund 550hm sind es nur bis zum Gipfel, aber mit Spurarbeit in tiefem Schnee reichte mir das als Auftakt ins Osterweekend vollauf. Ein tolles Ambiente am Gipfel und eine richtig lässige Abfahrt belohnte den Effort. Hier im Gelände lagen 80-100cm Schnee, verrückt um diese Jahreszeit. So konnte ich der offiziellen Abfahrtsroute folgen und am Ende durch die steile Chalberstock-Schneise schwingen. Es gibt wohl nicht einmal in jedem Winter ein paar wenige Tage, wo diese richtig gut ist - an dem Tag war sie es, da hatte ich den richtigen Riecher.

Die Gunst der Stunde genutzt - im April auf nur 880m zu starten, geht definitiv nicht immer.

Somit war mein Tüürli #20 im Winter 25/26 im Kasten. Die grossen Gipfelziele oder die Touren mit vielen Höhenmetern fehlen dabei weitestgehend. Wichtiger ist es mir, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Wintermagie beim Spuren durch die frische, weisse Decke zu spüren. Das war mir an diesen Tagen hervorragend gelungen. 

Donnerstag, 26. März 2026

Trollfels News

Der Trollfels ist ein kleiner Klettergarten in unmittelbarer Nähe der Plattenwand, am Eingang zum Glarnerland. Er überzeugt mit einem kurzen Zustieg und ein paar spannenden Linien im siebten Franzosengrad in seiner Nordwand. Auf der Westseite gibt es einige einfachere Klettereien in schönem, sandsteinartigem Fels. Im 2025 und 2026 hat es nun einen Zuwachs an Routen gegeben, so dass nun statt 10 neu 12 bzw. 13 Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Toller, strukturierter, sandsteinartiger Lochfels. Diese Griffe nutzt man in der Bucolique (6b).

Kissing Arete (7b)

Diese Route verläuft unmittelbar rechts der Kante, welche die Nord- von der Westseite trennt. Sie bietet trickreiche, fingerkräftige, leicht überhängende Ausdauerkletterei mit homogener Schwierigkeit. Es stecken 6 BH, die Kletterlänge beträgt ungefähr 15m. Sicherlich eine gute Route zum Projektieren, wenn dies der persönliche Pay Grade ist.

Blank Space (8a) 

Das ist die Verlängerung der Kissing Arete, und die Route heisst nicht umsonst so. Kompromisslos senkrecht schiesst hier die strukturarme Platte in den Himmel, auf den ersten Blick unmöglich. Doch die rechte Hand findet zwei ~8mm-Crimps und mit der Linken an der sloprig-stumpfen Kante lässt sich Compression generieren. Das ist auch nötig, denn das Trittangebot ist mässig - und klippen muss man auch noch einmal. Schliesslich erhascht man etwas bessere Leisten am Ende der Kante und muss der Sache fast campusmässig entkommen. Insgesamt eine taffe Bouldersequenz.

Hier verläuft die Kissing Arete im Bereich rechts der Kante, dann über das kleine Dächli hinweg und links am Moos vorbei. Oben ist die äusserst kompakte Platte, eben der Blank Space gut zu erahnen. Diese Boulderstelle hebt den Grad von 7b für den unteren Teil auf 8a für die volle Linie.

Bucolique (6b)

Gereizt hat mich diese potenzielle Möglichkeit an der rechten Kante vom Trollfels sofort, eingerichtet habe ich die Route schliesslich während meinen Pausen zwischen den Versuchen in der Blank Space. Die Route startet mit wunderschönem, griffigem Lochfels, orientiert sich dann zur Kante, wo man sich gegen die offene Tür wehren muss und kulminiert mit der Crux im Ausstieg, wo man nicht die (Tritt-)Übersicht verlieren darf.

Ob hier drin der Troll daheim ist?!?

Topo

Der Trollfels ist im SAC-Kletterführer Glarnerland von Sämi Leuzinger und Thomas Wälti veröffentlicht und beschrieben. Unten das (nicht vollständige) Topo aus diesem Führer, dafür ergänzt um die neuen Möglichkeiten auf der Westseite.

Dank

Gebührt meinem Vater für die tatkräftige Unterstützung bei diesen Projekten. Merci vielmals Neni!

Freitag, 13. März 2026

Gonzen / Planggwand - Silence (6b)

An die Planggwand oder sogar noch genauer in die Silence wollte ich in der grauen Vorzeit der frühen 1990er-Jahre bereits einmal gehen. Doch kurz davor kamen wir vom Vorhaben ab und seit damals habe ich stets einen Bogen um dieses Gemäuer gemacht. Doch einerseits wurden die existierenden Routen um 2014/2015 saniert, noch viel wesentlicher war aber der Beitrag von Daniel Benz, welcher im Verlauf der letzten Monate einige Neutouren hinterlassen hat - sei es in Form von Verlängerungen der bisherigen, meist nur 3 SL umfassenden Routen, sei es in gänzlich neuen Unternehmen. Zum Abschluss seiner Planggwand-Erschliessungstätigkeit konnte ich mit dabei sei für das Punkten der verlängerten Silence und noch etwas Sportkletterei im oberen Wandteil.

Sicht auf die Planggwand vom Nauskopf, die Silence verläuft im hier sichtbaren Wandbereich.

Wir fuhren ab Sargans mit dem E-Bike bis zum Auto-Parkplatz bei P.731, dann weiter auf dem Rheintal-Höhenweg bis Maienberg P.955, wo man sich scharf links hält und via Naus im Sattel noch  bis zum Sattel auf ca. 1025m kommt. Ab dort steigt man noch kurz zum Einstieg ab (tw. Fixseile vorhanden). Für E-Biker ist dies der beste und schnellste Weg, wer zu Fuss ab P.731 geht, erreicht die Wand am schnellsten via Unter Nuntlisboden von SE her. Wir rüsteten uns für die Kletterei und packten zwei Rucksäcke. Die vollständige RP-Begehung der neuen Silence war zwar unser erstes Vorhaben, das vorrangige Ziel bestand aber im Sportklettern am Abschlusswulst, dafür führten wir alles Nötige und Wünschenswerte für einen angenehmen Nachmittag mit.

Die Anschrift am Einstieg hat auch noch etwas neue Farbe erhalten.

L1, 30m, 5c+: Wie der Anblick der Wand schon vermuten lässt, es handelt sich um eine plattige Angelegenheit in eher etwas glattem Fels. Es stehen zwar durchaus immer wieder Löcher und Schlitze zur Verfügung, aber antreten heisst es immer wieder einmal auf dem Tanzparkett und so stellt dieser Abschnitt durchaus einige Anforderungen. Unten eher mehr als oben, es lässt mit der Zeit etwas nach.

Los geht's in plattigem Gelände, etwas zwischen dem Grünzeug durch in L1 (5c+).

L2, 45m, 6a+: Dieser Abschnitt zeigt einen ziemlich gewundenen Verlauf, so dass das Verlängern der Sicherungen hilfreich ist. Geklettert wird über weite Strecken an Seitgriffschlitzen, angetreten hingegen oft recht strukturlos. So ist trotz liegendem Gelände eine gewisse Athletik gefragt und es wird nicht einfach so durchmarschiert. Wobei der Schwierigkeitsgrad auch der Interpretation bedarf... der stammt vom Plattenspezialist T. Wälti aus dem Jahr 1993, das ist nicht unbedingt dieselbe Valuta wie die 2026 gängigen Plaisirgrade. Gehen tut's aber schon, eine Bemerkung ist aber noch zur Crux nötig: der neue BH von der Sanierung steckt ca. 1m tiefer als der alte Kronen-BH (der zum Glück belassen wurde). Den schwierigsten Gegendruck-Move macht man, wenn die Füsse ungefähr auf Höhe des alten Hakens sind... wenn man nur den nocht tiefer liegenden sanierten klippt, ist durchaus Mut und Können nötig.

Die Schlüsselstelle von Silence in L2 (6a+) an einer dünnen Gegendruckschuppe.

L3, 20m, 6a: In einer Schleife rechtsherum gewinnt man in leidlich strukturiertem Gelände an Höhe. Mir ging es gut auf, aber vermutlich kann man sich das je nach Linienwahl doch einiges schwieriger machen, als es ist. Zuletzt mit einem Runout zum Stand in relativ leichtem Gelände, gemessen am Rest "fehlt" da aber ein BH.

Daniel folgt in L3 (6a), von seiner Position bis zum Stand gibt es keinen BH mehr.

L4, 20m, 6b: Vor dem Abschlusswulst endet die Silence, aber Daniel hat bemerkt, dass man hier doch im 6b-Terrain über den Überhang hinwegkommt und zwei zusätzliche SL bis zum Ende der Wand hinzugefügt, welche genau genommen unter dem Namen Silencium laufen. Man quert ein paar Meter nach rechts, dann folgt ein weiter Zug von Untergriff zu Henkel, diesen wieder aufzulösen fordert auch nochmals. Über eine mit den nötigen Strukturen gespickte Platte geht's weiter, erst an deren Ende wartet dann eine feine Linksquerung mit der Crux. Das Hochkommen ist dank optimal platziertem BH hier kein Thema, die freie Passage hingegen... sagen wir es so, obwohl erst 2026 erschlossen, schien es mir, dass die 6b eher noch in der 1990er-Währung gehalten ist - was der Konsistenz wegen vielleicht auch Sinn macht.

Am Dach in L5 (6b) heisst es Zupacken, die Crux folgt aber für mich erst später mit einer Plattenstelle.

L5, 15m, 5b: Eine kurze, griffige Stufe führt vom Absatz mit dem Stand weg auf die Abschlussplatte. Diese Anlage empfiehlt auch das Beziehen des (Zwichen-)Standes vor dieser Seillänge, vom Stand nach L3 und ohne Sichtkontakt kann man den Vorsteiger in dieser Stufe nicht adäquat vor einem Sturz auf das Band sichern. 

Blick beim Abseilen auf die letzten Meter der Route in L5 (5b).

Die Standplätze sind alle zum Abseilen eingerichtet, je nach Länge der mitgeführten Seile muss man unterschiedlich viele davon nutzen. Wir gingen nur eine Etage tiefer auf Höhe des früheren Endes von Silence und Manonegra. Ein leidlich bequemes Band ermöglicht hier den Aufenthalt für eine Sportkletter-Session am Abschlusswulst. Im Gegensatz zum sonst plattigen Gelände in dieser Wand heisst es da kräftig riegeln. Die Steilzone misst jeweils maximal 10m, fordert aber doch die Maximalkraft und eine Portion Ausdauer. Bis unsere Session rum war, hatte Daniel alle erreichbaren Routen in den Graden 7c, 7b+, 7c, 7c+ (teils doppelt) durchgestiegen. Meine Ausbeute an roten Punkten war hingegen gleich null... vielleicht lag's am 100%-Effort vom Zigerschwitz vom Vortag, der noch in den Knochen steckte. Vielleicht an meinen generell limitierten Fähigkeiten oder vielleicht sind auch die Routen einfach taff - eine zuverlässige Aussage dazu kann ich nicht wirklich machen, ausser dass ich gar nichts stilrein durchstiegen habe. 

Auf dem Heimweg, die Herausforderung der neuen, schwierigen Plattenseillängen lässt sich erahnen.

Lässig war es natürlich trotzdem. Ob ich zurückkommen werde, um diese Aufgaben noch zu erledigen?!? Wie immer wird es die Zeit zeigen. Eine Tour wie der Schlafwandler (5 SL, 7b+) würde einen trotz der relativen Kürze ganz gut beschäftigen können und stelle komplexe Anforderungen an Technik, Physis und Psyche. Von daher kriegt man auch an der überschaubaren Planggwand das volle Programm, und dies auch noch fast das ganze Jahr über. Die Argumente sind also ganz klar vorhanden. Nun braucht es nur noch motivierte Partner für das andere Ende vom Seil...

Facts

Gonzen / Planggwand - Silence 6b (6a obl.) - 5 SL, 130m - T. Wälti 1993, D. Benz 2026 - **;xxxx
Material: mind. 1x80m oder 2x50m-Seil, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Kurze, aber interessante, plattig orientierte Kletterei, welche mit der Verlängerung um zwei neue Längen im 2026 an Attraktivität gewonnen hat. Teilweise spriesst etwas Botanik aus dem Fels, was jedoch ausserhalb der Vegetationszeit nicht sonderlich stört. Die Kletterei umgeht diese Zonen weitgehend und spielt sich in kompaktem Fels von guter Qualität ab. Abseits von griffigen Löchern und Schuppen ist dieser oft nicht üppig strukturiert, was immer wieder zum Nachdenken anregt. Die Absicherung mit seit der Sanierung 2014 rostfreien BH ist gut. Die Bolts stecken nicht übermässig dicht, es gibt aber auch keine bedenklich weiten Hakenabstände, eine Einstufung im Grenzbereich von xxx bis xxxx scheint am besten passend. Das aktuellste gedruckte Topo vom Gebiet findet sich im SAC-Kletterführer St. Galler Oberland von Thomas Wälti. Hier das Update nach Daniels Erschliessungen im 2025/2026 zum Download als PDF, unten auch als Bild.

Das aufdatierte Topo von der Planggwand, auch als PDF zum Download erhältlich.

Donnerstag, 5. März 2026

Skitour Heustock (2470m)

Die Skitour von Engi durchs Mülibachtal auf den Heustock hatte ich schon früher einmal unternommen. Exakt datiert das Unternehmen auf den 24.12.2005 und somit liegt das schon länger als 20 Jahre zurück. Damals war ich in den USA wohnhaft und nur über die Feiertage in der Schweiz zu Besuch. Eigentlich verrückt, wie sich die Welt und die persönlichen Umstände seit damals verändert haben. Die Berge sind aber noch da wie immer. Trotzdem ist diese aktuelle Tour nicht einfach eine Kopie der früheren. Gab's damals frischen Powder ab Engi und wieder bis dahin zurück, so war es dieses Mal eine Bike & Ski-Frühlingstour bei Sulzverhältnissen.

Skihütte Mülibachtal

Um 8.50 Uhr trat ich beim Schneetaxi in Engi Vorderdorf beim P.772 in die Pedale und erreichte in rund 15 Minuten auf aperer Strasse den Schnee, der wie vermutet bei der Brücke beim P.1168 begann. Dort wechselt der Weg auf die Schattenseite und es lag eine geschlossene Schneedecke - ohne die Bretter nochmals abzuschnallen, ging es bis zum Gipfel hinauf. Zuerst (im Aufstiegssinn) rechts vom Bach auf der Sunnenhörnli-Abfahrtsroute bis zu den Gebäuden von Gamszinggen, dann auf dem Alpweg durch den steilen Wald hinauf zur Skihütte Mülibachtal. Bald öffnet sich das Gelände, durch lichten Wald erreicht man die Fläche der Glattmatt, wo noch rund 500hm durch den bis zu 40 Grad steilen Gipfelhang warten.

Der Gipfelhang, wer mit der Lupe schaut, findet auch meine Abfahrtsspur.

Um ca. 11.15 Uhr hatte ich den Gipfel erreicht. Der angekündigte Saharastaub befand sich noch weit im Südwesten. Doch der Wind, der ihn herbringen sollte, war im Kammbereich deutlich zu spüren. Zum Glück fand ich im Lee doch einen angenehmen Rastplatz. Die Abfahrt über die kompakte und schön aufgesulzte Schneedecke versprach dann viel - und hielt es auch. Nach vielen tollen Schwüngen war ich zurück bei der Skihütte, die im Aufstieg besichtigte Schneise zwecks Abkürzung und Fahrspass funktionierte ebenfalls. Auch im unteren Bereich war die bisweilen rumplige Piste nun nicht mehr hart gefroren, so liess es sich da ohne durchgeschüttelt werden zum Bike zurückschwingen. Mit einem kurzen Downhill ging's nach Engi, von wo der Fokus auf einen arbeitstechnisch produktiven zweiten Abschnitt des Tages gelegt wurde - schön war's!

Facts

Heustock ab Engi Vorderdorf via Skihütte Mülibachtal
1700hm, Ski-Schwierigkeit ZS-

Donnerstag, 26. Februar 2026

Rätikon Saison 2026

Obwohl es zur Zeit noch zu früh für das Klettern an den Rätikon-Wänden ist, hier eine wichtige Mitteilung zur Planung der Saison 2026. Weil der erste Abschnitt der Strasse von Schuders zum Grüscher Älpli (bis zur Abzweigung Richtung Schuderser Maiensäss) erneuert wird, gibt es wochentags Sperrungen, d.h. die Zufahrt ins Rätikon ist nicht bzw. nur eingeschränkt möglich.

Im Vordergrund der Alpweg von Schuders zum Grüscher Älpli, im Hintergrund die Drusenfluh.

Ganz konkret:

  • Die Bauzeit dauert von März bis Mitte Oktober 2026, d.h. die ganze Saison
  • Werktags von 7.00-17.00 Uhr kann die Baustelle nur zu Fuss oder per Bike (mit allenfalls kurzen Wartezeiten) passiert werden. Mit anderen Fahrzeugen ist keine Durchfahrt möglich.
  • Werktags zwischen 17.00-7.00 Uhr ist die Durchfahrt für landwirtschaftliche Fahzeuge und solche mit 4x4-Antrieb gewährleistet.
  • Am Wochenende (d.h. von Freitag 17.00 Uhr bis Montag 7.00 Uhr) ist die Durchfahrt mit sämtlichen Fahrzeugen möglich.
  • Vom 6. bis zum 19. Juli gibt es eine Pause der Bauarbeiten, d.h. die Durchfahrt ist für alle Fahrzeuge möglich.
Alle diese Angaben stammen aus mir zur Verfügung gestellten Informationen welche direkt von der Bauleitung kommen. Ob allfällige Änderungen bei den Terminen und Bedingungen auch zeitnah zu mir gelangen ist unklar - in diesem Sinne sind die Angaben ohne letzte Gewähr.

The way to go!

Zusammenfassend kann man folgendes sagen: am Weekend ist die Kletterei nicht eingeschränkt, wochentags hingegen eher schwierig. Die beste Lösung wird an dieser Stelle schon seit längerer Zeit propagiert und von mir gewählt: die Zufahrt per Bike von Schuders zum Grüscher Älpli. Spart die Taxe, entledigt einem aller Parkplatzsorgen und länger dauern tut es auch nicht.  

Freitag, 20. Februar 2026

Strategic Decisions

Allzu viel in Sachen grosse Touren läuft im Moment nicht, weder für zünftige Skitouren noch zum MSL-Klettern waren die Verhältnisse so richtig geeignet. Wobei, etwas tun kann man immer. Kleinere Ausflüge mit den Tourenski, an der Sportkletterform feilen oder wie es schon längst bekannt ist: auch beim Indoor-Bouldern habe ich Spass und wenn's noch ein Wettkämpfli zum mitmachen gibt, umso besser. Darum hier ein kurzer Rückblick auf auch schon wieder einige Wochen vergangene Zeiten mit dem Leitmotto "strategische Entscheidungen".

Am Sparta Fight, die Fotos von der Halle zur Verfügung gestellt: vielen Dank!

Quadrel Rock Rodeo

Los ging's mit dem Quadrel Rock Rodeo, wo ich inzwischen das fünfte Mal de suite antreten konnte. Wie immer natürlich in der Patschifig-Kategorie, wobei es da eben nicht so easy zu und her geht, weil ein happiges Programm von 40 Bouldern zu absolvieren ist. Klar, 9 Stück davon waren wirklich einfach mit Schwierigkeitsgrad 1 und 2 (von 6), 8 weitere mit Schwierigkeitsgrad 3 muss man einfach auch bringen, aber dann wird es dann schon zäh. Schlussendlich konnte ich aber auch alle 9 Vierer punkten und auch von den Fünfern gelangen mir noch drei Stück - und die sind für mich allesamt schon richtig taff. Unter dem Strich ergibt das 29 von 40 Tops und eine sehr gute Session. Dennoch, auf der Rangliste reicht das inzwischen nirgendwo mehr hin, Rang 10 von 30 das Verdikt. Fürs Podest hätte man noch 5 weitere Boulder in den Schwierigkeiten 5 und/oder 6 ziehen müssen... era fuori dalla mia capacità!

Warum sieht es auf den Fotos eigentlich immer so aus, als ob ich die Hände nur so auf die Griffe lege, bzw. diese nur streichle, denn richtig festhalte? Einfach oder gar eine Rastposition ist das für mich wie die Beinmuskulatur zeigt, nun definitiv nicht. Wobei sanftes Greifen statt Overgripping zwar vielleicht keine strategische, aber ganz sicher eine gute Entscheidung ist.

Skitour Hinterfallenchopf

Am Folgetag fiel dann eben die strategische Entscheidung. In den Bergen lag nur wenig Schnee und die Tourenbedingungen wurden in den einschlägigen Portalen als miserabel beschrieben. Mit sorgfältiger Analyse erschloss sich aber, dass man auf unbefahrenen Südhängen in tiefen Lagen mit genussreichen Sulzverhältnissen rechnen durfte. Nach dem Engineering mit Schneekarten und Webcams wurde der Hinterfallenchopf ab Rietbad zum Ziel erkoren. Eine strategische Entscheidung auch deshalb, weil dieses Halbtagestüürli auf meinen doch etwas geschlauchten Zustand Rücksicht nahm. Vor allem aber lag wie am Vortag nochmals ein guter halber Tag an Arbeit drin. Das machte es mir möglich, in der als sonnig und mild angekündigten Folgewoche zwei Nachmittage beim Sportklettern am Fels zu geniessen - so soll es doch sein! Die Tour war dann wirklich richtig genussreich. Gerade noch ausreichend Schnee, keine Leute, schönes Ambiente und eine prima Sulzabfahrt wurden bilanziert - eine perfekte Strategie.

Eine neue Tour und Gegend entdecken, Zeit an der Sonne über dem Nebel verbringen: perfekt!

Sparta Fight

Am darauffolgenden Samstag war der Sparta Fight angesagt. Seit 2019 habe ich da bei jeder Austragung teilgenommen und da ihn Larina sowieso als Vorbereitungswettkampf für die Saison nutzen wollte, gab es noch mehr Argumente dafür. Nun, hier geriet meine oberhalb als so perfekt beschriebene Strategie ins Wanken. Müde von den Sportklettersessions, mit generell wenig Haut und wegen einem Cut komplett getaptem Finger waren die Voraussetzungen für eine gute Performance eher limitiert. Wobei es zu sagen gilt, dass meine persönliche Strategie eben der Spass-Maximierung folgt und nicht jener der Performance (an einem Wettkampf). Für einen Ü50-Amateur natürlich auch völlig logisch so.

So müde gewesen, dass es die Bürste zum Festhalten braucht?!?

Die Konsequenz war dann halt, dass die Mission mit der Titelverteidigung in der Ü40 krachend scheiterte. Es gelangen mir 30 von 46 Bouldern, was nur Rang 7 bedeutete. De fakto zog ich an dem Tag keinen einzigen Boulder, den ich auf meiner persönlichen Skala als "wirklich schwierig" beurteilt hätte... und es hätte auch nur einen einzigen gebraucht, um wenigstens das Podest zu erklimmen. Wäre ich mir dem bewusst gewesen, dann hätte ich dieses NoTex-Slab-Koordo-Ding vielleicht so lange bearbeitet, bis ich doch mal nicht weggezippt wäre. Wie auch immer, trotz nicht ganz frischen Kräften hatte es Freude gemacht und der Strategie, den Spass zu maximieren wurde ganz klar genüge getan.

Larina war stark, aber ebenso ohne Haut. Leider hat's mit Rang 7 ganz knapp nicht für die Finalquali gereicht. Immerhin hat uns Kathrin die Familienehre mit Rang 2 bei den Ü40-Damen gerettet.

Dienstag, 10. Februar 2026

Powderhamstern am Fluebrig

Nach langer Zeit hatte es endlich wieder einmal eine Portion Neuschnee gegeben, noch dazu war ein sonniger und kalter Tag angesagt. Mit müden Knochen vom Training und Bouldern passte ein Ausflug in den Schnee bestens ins Programm. Mitunter am meisten der weissen Pracht war im Wägital gefallen, somit wollte ich da mein Glück suchen. Oben wo noch eine Altschnee-Unterlage vorhanden war, rechnete ich mit Top-Verhältnissen. Unten würde es wohl eher prekär. Doch ich hoffte, zumindest einen Teil des Zustiegs mit dem Bike absolvieren zu können.

What a beautiful day in Skitoureneldorado Wägital.

Vor Ort fielen mir dann gleich zwei Dinge auf: a) viele andere Tourengänger waren auf dasselbe Ziel gekommen und b) das Bike konnte ich gleich am Auto montiert belassen, denn auch am See unten hatte es 25cm der Neuschnee gegeben, da war mit dem Zweirad kein Fortkommen. Relativ spontan änderte ich mein Tourenziel dann auf den Fluebrig, das versprach weniger Leute und mehr Sonne, zudem war ich da im Gegensatz zu Rederten/Muttri schon eine Weile nicht mehr unterwegs. Es liess sich gleich fellend aufsteigen, wobei insbesondere in den waldigen Abschnitten schon da um die Steine herumgetreten werden musste. Das rauere Steilstück im Wald ob Schlänggen und die nachfolgende Querung wiesen ebenfalls Schneemangel auf, nachher war es dann aber Wintertraum pur. Einige Tourengänger hatte ich auf dem Weg überholt, doch zwei Dreiergruppen blieben mir bis zum Skidepot voraus und erledigten die Spurarbeit, danke!

Blick auf die Berge östlich vom Wägitalersee. Von links: knapp sichtbar das Bockmattli, dann der breite Schiberg, der dreieckige Plattenberg, das Doppelmassiv mit Brünnelistock und Rossalpelispitz (wo ich im Dezember eine tolle Skitour hatte), sowie der kecke Zindelspitz.

So konnte ich mich bereits darauf fokussieren, die Optimallinie für die erste Abfahrt festzulegen. Man muss ja hier nicht gleich alle Geheimnisse preisgeben, doch wer seine Scheuklappen auf eine Distanz von mehr als 20m von der Aufstiegsspur öffnet, wird ganz viele Möglichkeiten finden. Jedenfalls, es ergab sich eine absolute Traumabfahrt in herrlich fluffigem Powder mit First Line, einfach perfekt. Vor der Querung auf 1430m zog ich meine Felle wieder auf, eine zweite Runde im Gipfelbereich war an diesem Tag unverzichtbar. Das Timing passte perfekt, um bei der noch sonnigen Alp Fluebrig eine Pause einzulegen und mit unseren Skidamen bei deren zweitem Lauf mitzufiebern. Doppelter Podestplatz, da konnte ich mich mit demselben Gerät an den Füssen nicht lumpen lassen und musste auch eine gute Spur in den Schnee zaubern [ok, ich gebe es an dieser Stelle zu: obwohl ich nur wenig TV konsumiere, für den Skirennsport habe ich eine (mir selbst etwas unerklärliche) Faiblesse...].

Einige der vielen schon vor dieser Tour vorhandenen Kratzer auf dem Skibelag sind auf diesem Foto erkennbar. Nachher waren es ganz bestimmt noch etliche mehr. Somit: diese Tour an diesem Tag war nur mit Material zu empfehlen, wo die Kratzer nicht mehr gezählt werden können/müssen.

Eventfrei lief ich wieder hoch in den Gipfelbereich, dieses Mal mit dem Ziel, noch den Turner mitzunehmen. Dort war ich zwar auf meiner Wägital-Rundtour vorbeigekommen, mit den Ski stand ich jedoch noch nie an seinem Top. Doch Project Pending heisst es immer noch: nordseitig kann man da nicht durchgehen, und südseitig war das nur knapp verschneite Gelände mit rutschigem Gras und losen Felsen ohne Steigeisen nicht mit ausreichender Sicherheitsmarge passierbar. Insofern egal, dass ich östlich von P.2058 einen idealen Einstieg in die Nordflanke fand und dort einen perfekten Hang mit einer makellosen Spur drapieren konnte. Ich muss sagen, auf diese Ästhetik von einer ideal ins Gelände gelegten, zackigen Aufstiegsspur und/oder einem perfekten Kurzschwung-Zöpfli gefällt mir schon sehr und liefert neben vielen weiteren Vorteilen auch eine Motivation, in unberührtem Gelände unterwegs zu sein. Wie mir aber scheint, ist es den meisten Tourengängern (heutzutage?) egal, welche Spuren sie zurücklassen. Wohl der Zeitgeist, denn dasselbe kann man auch abseits vom Skitouren über die Menschheit generell sagen. Und wenn wir schon dabei sind: das gedankenlose und oft komplett unnötige Zerfahren der Aufstiegsspur ist eine weitere Untugend, die sich leider immer mehr manifestiert.

Wow!

Nun denn, ich bin in die Gesellschaftskritik abgedriftet, vielleicht als Kontrast zu den absoluten Traumverhältnissen?! Der reale Weckruf aus den Skitouren-Träumen kam dann in der Querung auf 1400m, nach dem dank dünner Altschnee-Unterlage nochmals gut fahrbaren Schlänggen-Hang war dann auf 1150m definitiv fertig mit lustig, den letzten Teil stieg ich dann sogar zu Fuss ab. Himmel und Hölle lautete das Fazit des Tages ganz eindeutig, wobei man abschnittweise den Teufel sogar schon recht heftig mit seiner Gabel an den Ski kratzen spürte. Oder mit anderen Worten: gut dass ich die bereits komplett abgeschriebenen Steinski genommen hatte. Sonst wäre ich am Ende noch auf die Idee gekommen, dass dieser Schneefall nur eine Propaganda-Aktion der Sportgeschäfte und Hersteller für ihre Services und Produkte gewesen wäre.

Facts

Fluebrig ab Au / Allmeindli
1180hm (+650hm) Aufstieg, Ski-Schwierigkeit S-

Samstag, 31. Januar 2026

Jahresrückblick 2025

Gerade noch knapp ist es Januar, somit in etwa der letzte Moment für den Jahresrückblick 2025. Es läuft halt einfach so viel mit eigenen Bergaktivitäten, dem ganzen Geflecht von Training, Betreuung, Familie und der richtigen Arbeit, dass der Blog oft hinten anstehen muss. Es heisst aber nicht, dass es im 2025 nicht doch sehr lohnenswerte und befriedigende Aktivitäten gegeben hätte. Somit wäre es schade, die Serie der Jahresrückblicke abreissen zu lassen. Wer den Blog verfolgt hat, weiss es ja schon: der Fokus liegt auf dem sportlichen Klettern vom Bouldern über Wettkämpfe zum Klettergarten und natürlich den MSL-Touren. Und das Entdecken von neuen Möglichkeiten im Fels ist auch nicht zu kurz gekommen, auch wenn darüber auf dem Blog meistens nicht "just in time" berichtet wird.

Passt zum Jahresabschluss - perfekter Sonnenuntergang auf Mullern nach Top-Sportklettertag im November 2025.

Neutouren

Für mich ist das mitunter die spannendste Rubrik, für den Leser dürfte das womöglich umso zutreffen, weil es hier tatsächlich noch einige News zu hören gibt, über welche der Blog noch nicht berichtet hat. Grundsätzlich war es wiederum ein absolutes Hammerjahr was MSL-Erstbegehungen anbetrifft: 

✅ Schon im März konnten wir das Heimspiel (7c, 8SL) in der Wangwand am Gonzen punkten, bei welchem Daniel und ich im Verlauf der letzten Jahre die Grundlage gelegt hatten - ein forderndes Testpiece für Fans von alpiner Sportkletterei durch ein eindrückliches und bisher selten besuchtes Gemäuer.

Daniel "on the go" in L2 vom Heimspiel, oben wartet noch sehr viel Wand auf uns.

✅ Mitte Juni war dann das Rätikon genügend ausgeapert, um in der im November 2025 eingebohrten Pizzicato (12 SL, 6c+) zusammen mit Guido den Rotpunkt-Go zu geben - fortgeschrittener Plaisir über Rätikonplatten in toller Umgebung an der Sulzfluh über dem Partnunsee. Darüber gibt es bisher nur einen Insta-Beitrag, das Topo erscheint dann auf die Saison 2026 hin im neuen Rätikonführer.

Die letzten Meter hinauf zum Gipfelgrat an der Sulzfluh, hoch über dem Partnunkessel.

✅ Vor den Sommerferien lag der Fokus dann auf dem Skyrace (8 SL, 7b+) in der Bockmattli Nordwand. Da ging es von Idee über Realisierung im Ropesolo bis zum Rotpunkt mit Kathrin nur Wochen und somit vergleichsweise zügig - die Ideallinie an der NW-Kante am Kleinen Turm wartet mit schattiger Kletterei im homogenen 6c/7a-Bereich, die paar Meter über das Dach der Westkante gehen auch A0 (frei 7b+). 

Bockmattli-Vibes: an einem Hitzetag leicht bekleidet angenehm im Schatten klettern, genial!

✅ Nach den Sommerferien lud mich Viktor dann an den Furkapass ein, wo wir die von ihm sanierte Via Matthias am Sunnig Berg um eine Variante und eine Trad-Verlängerung bereicherten. Sie lautet auf den Namen Kein Bockmist (total 9 SL, 6b+) - da gibt's ohne Andrang Granitgenuss und die Möglichkeit, seine Cams in perfekten Splitter Cracks zu versorgen. 

Probably Viktors Favourite Game: Trad-Climbing im Granit am Furkapass.

✅ Zum Herbstanfang war es dann soweit, dass ich mit Guido in das schon seit einer Weile im Wartezustand verharrende Projekt an der Horefelliflue aufbrechen konnten. Zwei sonnige und genussreiche Tage später war es vollbracht: nun darf man die Joyride (11 SL, 6c) in strukturiertem, steilplattigem Granit geniessen - die bei Schwierigkeiten, welche viele Kletterer bewältigen können.

An der Arbeit (oder doch viel mehr dem Vergnügen!) in der Joyride an der Horefelliflue.

✅ Nur 4 Tage danach schon das nächste Highlight im Rätikon mit Daniel: Saguaro (10 SL, 8a) an der Gamstobelwand im Rätikon. Ein Audétat-Projekt aus den 1990ern, nun wiederentdeckt, fertiggebohrt, saniert und gepunktet. Hart, komplex und mit maximaler Schärfe - etwas, wo sich auch Könner die Zähne ausbeissen können.

Diese Route ist ein unglaublicher Knaller: Saguaro, Kaktusfels mit maximaler Schärfe.

✅ Vielleicht gut, habe ich auf der Tour nicht gewusst, was da genau auf dem Spiel steht. In der Arwen (13 SL, 7b) konnte ich den FA mit einer lupenreinen Onsight-Begehung realisieren. Die Route an der 5. Kirchlispitze war im 2023 eingerichtet, aber bis dato noch nicht geklettert bzw. wiederholt worden. Am Bolting war ich nicht beteiligt und kam quasi "gratis" zu den Lorbeeren. Ganz sicher wird auch dieses gut abgesicherte und nicht allzu schwierige Unternehmen zu einem zukünftigen Klassiker im Rätikon. Topo und Infos folgen auf die Saison 2026 im Rätikonführer.

Angie folgt in der oberen Cruxlänge der Arwen, welche im hammermässigem Rätikonfels verläuft.

✅ Nach diesem Erlebnis und mit der geplanten Erscheinung des Rätikon Süd im 2026 auf der Agenda war ich dann umso motivierter, meine eigene Neutour mit dem Namen Cobra (12 SL, 7c oder 7a 2pa) ebenfalls an der 5. Kirchlispitze noch zu vollenden. Das gelang an den letzten schönen Tagen im Oktober und nachdem die Saison im November noch in Verlängerung ging, gelang auch tatsächlich noch der Komplettdurchstieg.

Da oben am Ende von L10 heisst es auch nochmals auf die Tube zu drücken in der Cobra!

Das macht summa summarum 8 MSL-FAs, das ist ja wirklich fast unglaublich! Wobei ich da natürlich teilweise von eigener Vorarbeit aus früheren Jahren und der Einboh-Arbeit anderer Kletterer profitieren konnte. Doch es ist so: einige meiner länger bestehenden Projekte haben im 2025 ihren Abschluss gefunden und die Anzahl der offenen Baustellen hat sich vermindert. Es gibt aber noch welche und an neuen Ideen mangelt es auch nicht. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, im Jahresrückblick 2026 wieder von 8 MSL-Neutouren schreiben zu können, leer wird die Rubrik aller Voraussicht und Hoffnung nach nicht bleiben. 

MSL

In Bezug auf die Wiederholung von langen Routen war 2025 ein sehr gutes Jahr. Gestartet wurde die Saison am 6. März am Pizzo d'Eus, beschlossen wurde sie am 18. Dezember im Ruogig - fast ein Ganzjahressport, also. Ich kam herum und konnte die Vielfalt der Gebiete geniessen: Tessiner Gneiswände, Gonzen-Testpieces, schattiger Bockmattli-Kalk, spiegelglatte Handegg-Platten, kleingriffiger Extremkalk an Kreuzbergen und Churfirsten, spannende Wendenrouten und auch 7 Routen im Rätikon. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind alle verfügbar und bilden das Rückgrat von diesem Blog. Einzige Ausnahme ist das Rätikon... da bleiben noch ein paar Überraschungen in der Schatulle, bis dereinst der neue Führer erschienen ist. Auf die Saison 2026 soll dies der Fall sein, we keep working on it! Bleibt zuletzt noch die Frage, welches denn die Highlights waren?! Ich dachte mir zuerst, dass ich hier drei spezielle Touren erwähnen würde. Doch wie ich es drehte und wendete, es blieben immer viele mehr als drei und einige davon unerwähnt zu lassen, hätte diesen Unternehmungen unrecht getan. Darum gibt's den goldenen Kletterfinken nun für eine einzige Tour. Die hat ihn sich ganz bestimmt verdient, auch wenn's für die 31 anderen Touren auch Argumente gäbe.

Goldener Kletterfinken: Troja (7a+, Wendenstöcke)

MSL-Pic of the Year: mit Bernat in der Malmstrom (7b) an den Wendenstöcken.

Sportklettern

Während das Vorjahr 2024 rein anhand der Ticklist rekordverdächtig war, so war das aktuelle Jahr 2025 im Vergleich dazu etwas enttäuschend. Ich denke jedoch nicht, dass es daran liegt, dass die Motivation fehlte oder mein Level gesunken wäre. Sondern einerseits sind es die natürlichen Schwankungen von Saison zu Saison, andererseits habe ich 2025 mehr gebouldert und vor allem haben wir nicht so viele Sportklettertrips machen können. Exemplarisch zeigen dies die Sommerferien, wo wir wegen der Teilnahme von Larina an der Jugend-WM nach Helsinki gereist sind, dort "nur gebouldert" haben und so auch die traditionellen Kletterferien in den französischen Alpen auf ein Minimum geschrumpft sind. Auch im Frühling, Herbst und zwischendurch haben wir solche Anpassungen vorgenommen. Es ist nicht so, als dass dies meinen Fun-Faktor limitiert hätte, aber an der Ticklist ist es sichtbar.

Gute Sportkletterfotos von mir sind Mangelware. Daher Bouldern: Traversatta (7A+) im Magic Wood.

Doch kümmern wir uns um die harten Fakten. Meine Benchmarks mit 8a rp und 7c os konnte ich auch dieses Jahr erfüllen. Der erste Aspekt ist mit 1x8a+ und 2x8a de fakto sogar übererfüllt, aber ein paar mehr Franzosenachter hätten es dennoch sein dürfen. Wobei ich nicht daran gescheitert bin, sondern viel mehr nicht die Zeit gefunden habe, welche zu projektieren. Mit der 7c os habe ich hingegen mehr gekämpft. Kurz vor dem Jahreswechsel 24/25 gelang mir noch eine im Val Pennavaire, dann war lange Zeit Flaute und ich fürchtete schon, da möglicherweise leer auszugehen. Denn in der näheren Umgebung von zuhause gibt es kaum mehr 7c, die für einen Onsight tauglich sind und die ich nicht schon gemacht habe. Doch "Reisen bildet", sagt man doch so schön - ganz sicher das Fundament für solche Erfolge. Im Oktober im Zillertal klappte es dann, wiederum kurz vor Jahresende in Chulilla sogar erneut. Am Ende stehen 112 Sends in Routen >= 7a zu Buche, mehr dürften es immer sein, aber ich bin zufrieden.

Best Effort: Nessie 8a+ (rp), Agua por Favor 7c (os)

Skitouren & Alpines

Der Schneesport hat mehr mir derzeit mehr den Charakter von einer Restday-Activity, als dass ich dies ausführlich pushen würde. Im Kalenderjahr 2025 komme auch auf 20 Tage mit den Tourenski. Immerhin kann man da sagen, denn im Züri Oberland war nur für eine kurze Phase in der ersten Januarhälfte und Ende November etwas drin und wie oft es in der näheren Umgebung geht, bestimmt die Anzahl Skitage sehr wesentlich mit. Wenn sich die Gelegenheit ergab, habe ich auch einige alpine Skitouren gemacht, welche dann auf dem Blog präsentiert wurden. Eine alpine Tour habe ich nur eine einzige gemacht, nämlich den Silvesterdurchstieg der Pilatus-Nordwand durch den Kulmchrachen. Alles in allem wird die folgende Skitour aufgrund von Exklusivitätsbonus und Abenteuerwert prämiert...

Goldenes Fell: Skitour Hinter Gassenstock 

Neuschnee und unverspurtes Gelände, so soll es sein! Hier am Vilan unterwegs im Januar 2025.

Ich möchte an dieser Stelle all jenen herzlich danken, welche im 2025 mit mir das Seil, den Weg oder die Spur geteilt haben. Auf ein tolles Bergjahr 2026!