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Freitag, 8. Februar 2013

Kalymnos 2012 - Teil 2

Draussen Schnee und Kälte, da helfen Erinnerungen an die Sportkletterferien im Süden: ...nun gingen wir also bereits in die zweite Woche. Ursprünglich hatte ich gedacht, vielleicht auch den einen oder anderen Klettertag mal auszulassen, wenn 14 Tage am Stück zur Verfügung stehen. Doch irgendwie liegt mir das Konzept von Zurückhaltung und Ruhetagen ganz und gar nicht. Vollgas geben, bis die Hände nicht mehr greifen mögen, das scheint für mich natürlich. Aber sowieso: während mich zu Beginn der Ferien oft die Müdigkeit plagte und ich mich irgendwie kraftlos fühlte, kam ich mit der Zeit immer besser in Schwung. Dies allerdings nicht ganz unerwartet: während ich weder fürs Klettern noch für andere Sportarten mit besonderem Talent oder Hochleistungs-Genen gesegnet bin, so ist immerhin meine Rekuperationsfähigkeit vermutlich überdurchschnittlich. Ich mag noch so kaputt sein, wenn ich danach etwas anständiges zu Futtern kriege und ein paar ungestörte Stunden Schlaf, so bin ich am nächsten Tag wieder voll einsatzbereit.

Links: Teil 1 / Teil 2 / Teil 3

Sikati Cave - Ein Hammertag!

Kathrin und mir war die Sikati Cave vom Vorjahr wohlbekannt. Sie bietet zwar nicht allzu viele Routen, diese sind aber zumeist von bester Qualität, und diesen sehr speziellen Ort muss man einfach gesehen haben. So lag es nahe, Basti & Manu dorthin zu begleiten. Mit der 45m langen Super Lolita hatte ich eine weitere 8a auf der Liste, die ich probieren wollte. Wenn das gelingen sollte, so durfte es kein Zögern geben. Also stieg ich, schwer bepackt mit Exen, in noch sengendem Sonnenschein gleich ein. Die erste Hälfte läuft unter dem Namen Lolita (7a, os) als eigenständige Tour, die für ihre weiten Hakenabstände berüchtigt ist. Nach zähem Ringen und schweissgebadet erreichte ich die Kette onsight. Die Absicherung ist zwar tatsächlich bisweilen wendenmässig weit, die Kletterei dort aber einfach. Die Schlüsselstellen sind hingegen gut gesichert.

Yep, there it is: Sikati Cave.
Anyway, am Zwischenstand war mir die Lust auf den Weiterweg vergangen. Auch im 8a-Teil sahen die Abstände weit aus, und es warteten nochmals 20m Kletterei, welche ja noch deutlich schwerer sein sollte. Und nach diesem Zustieg, mit einigem Seilzug in 40m Höhe noch harte Moves zu ziehen, schien mir zu jenem Zeitpunkt einfach unerreichbar. Also beschloss ich, die Super Lolita sein zu lassen, und liess mich ab. Mag ja sein, dass sie tatsächlich eine leichte 8a ist - um sie einfach so abzuknipsen, müssen aber doch anstrengende 45 Klettermeter abgespult werden, was einem höchstens dann leicht fallen und rasch gelingen dürfte, wenn man solide auf diesem Niveau unterwegs ist. Und dies trifft für mich leider zu wenig zu. Auch jetzt im Nachhinein denke ich, dass der Entscheid vor Ort taktisch vernünftig war. Andererseits, wenn man 8a klettern will, und sich dann nicht mal getraut einzusteigen, dann wird es sowieso nix.

Nach diesem ziemlich intensiven Aufwärmen zog ich mich erst mal in den Schatten zurück. Nach einiger Zeit fühlte ich mich erholt und liess mich zu einem Versuch in Kathrins Projekt, der El Chupodromo (6c+, os) hinreissen. Spannende Kletterei, technisch und athletisch zugleich. In der schwersten Stelle gleich oberhalb des Bändchens stecken die Haken zwar sehr nahe, bei einem Sturz muss der Sichernde allerdings sehr gut parat sein, damit des Kletterers Füsse heil bleiben. Die unmittelbar daneben gelegene Les Pirates du Sikati (7a+, os) wird im Führer als Tour mit grossen Hakenabständen beschrieben. Von der Seite sah dies aber gar nicht so schlimm aus... Ist es auch nicht mehr, denn zwischen den ursprünglichen Haken wurde überall noch ein zusätzlicher Bolt gesetzt. So handelt es sich jetzt um eine spannende technische Kletterei, für den Grad von der sehr gemütlichen Sorte, d.h. sie kam mir eher einfacher wie die El Chupodromo vor.

Finde den Kletterer... No-Hand-Rest in der Armata Sikati (7b)
Somit waren drei Erfolge in der Tasche, so dass ich beschloss, einen Versuch in der Armata Sikati (7b, os) zu geben. Im Führer steht etwas abschreckend "tricky for the grade", allerdings auch verlockend "35m of tufa blobs, pockets and organ pipes: it simply doesn't get any better". Und ja, ich muss sagen, dass dieses Lob voll und ganz berechtigt ist. Es handelt sich tatsächlich um eine der besten Sportkletterrouten, die ich je geklettert habe! Steil, athletisch, zumeist super griffig, in tollem Fels mit genialer Linie. Die ersten Meter gehen noch recht gut, mit der Zeit folgen einige etwas schwerere, bouldrige Stellen, die aber immer wieder von gutgriffigen Zonen unterbrochen sind. Nach zwei Dritteln folgt dann ein No-Hand-Rest in einem Loch. Dieses ist so tief, dass man gleich ganz reinliegen kann (siehe Fotos). Es zahlt sich aus, sich dort nochmals voll zu erholen, denn danach folgt eine kräftige Passage ohne Ruhepunkt an Orgelpfeifen-Sintern. Zuletzt gibt ein saugt ein etwas kniffliger Mantle noch das letzte Restlein Strom aus den Unterarmen, bevor man den Stand einhängen kann. Wirklich am Limit, aber doch souverän ohne Zittern und Zögern konnte ich mich durchkämpfen - eine Begehung und ein Erlebnis, die mich sehr happy machten!

In der Crux der Armata Sikati (7b). Total powerige Sequenz dort oben und dann der Mantle aufs Band hoch...
Meine Kraft war alle, etwas Zeit noch übrig - was tun? Schon im letzten Jahr hatte ich in der Cave das Felspotential für Neutouren studiert. Daher führten wir in weiser Voraussicht auch gleich die Bohrmaschine mit. Die Schwierigkeit in diesem überhängenden Gelände ist aber, sich zuerst mal eine Verankerung am Routenende in Wandmitte zu schaffen (der obere Teil zum Rand der Cave ist nicht kletterbar). Mittels Abseilen ist da wegen der Steilheit nichts zu bewerkstelligen, somit bleibt nur das Klettern. Über die Route Body Buldeuse (7c) kämpfte ich mich nach oben, um dann in einem ungesicherten, aber klettertechnisch nicht allzu schweren 12m-Quergang den geplanten Standplatz zu erreichen - vom Feeling her voll und ganz wie eine Erstbegehung im alpinen Gelände. Nach einigen Mühen mit dem für solche Aktionen nicht so ganz tauglichen Bohrgerät (Trade Mark: Basti) waren dann die Haken gesetzt. Ich querte dann gleich nochmals 8m nach links und richtete gleich noch einen zweiten Stand ein. Die Zeit war aber schon fortgeschritten, so blieb nix anderes übrig, als uns auf den Heimweg zu machen. Das Seil liessen wir in den neu gebohrten Ständen fixiert zurück, mit der Absicht so bald wie möglich zurückzukommen.

Erneut ein traumhafter Sonnenuntergang, fotografiert auf dem Scooter beim Heimweg über den Pass.
Arginonta & Erstbegehungen in der Sikati Cave

Für den nächsten Tag schwebte uns vor, erst mit der ganzen Truppe in Arginonta zu klettern. Nachdem dort schon um 13.30 Uhr die Sonne kommt, würden ich zusammen mit Basti in die Sikati Cave weiterziehen, um unsere Routen zu komplettieren, während die anderen an den Strand gehen. Das war doch mal ein guter, wenn auch ambitiöser Plan. Mit der schönen aber jetzt gar nicht so einfachen Anna Maria (6c, os) wärmte ich mich auf. Da Basti mit der Fire Wall (7b+) beschäftigt war und mir bereitwillig Auskunft über die Moves gab, probierte ich dort einen Flash. Nur ganz, ganz wenig fehlte und es hätte geklappt. Ich hatte den guten Griff nach der Crux bereits in der Hand, schaffte es aber nicht mehr, korrekt nachzufassen und vorbei war es. Danach zeigte ich, wie man es nicht machen sollte: ungeduldig stieg ich gleich nochmals ein, und kam, nun mit deutlich weniger Strom, nochmals bis zu derselben Stelle. Das konnte ja nicht sein, so dass ich es nach einer kurzen Pause erneut wissen wollte, doch nun ging es noch schlechter. Nach dem Flash war nun wegen miserabler Taktik auch gleich noch der Durchstieg vergeigt. Den Frust konnte ich dann immerhin mit einer sauberen Begehung von No Sleep 'til Hammersmith (7a+, os) bewältigen. Diese hat am Anfang ein paar Powerzüge, danach folgt einfacheres, ausdauerndes Sintergelände mit immer wieder guten Ruhepunkten.

In der Sikati Cave. Irgendwie schon ein total eindrucksvoller Ort, muss man gesehen haben!
Dann kam bereits die Sonne und es war auch höchste Zeit, in die Sikati aufzubrechen. Nach einem Glacé setzte ich mich das erste Mal im Leben hinten auf einen Scooter (what a scary experience!!!) und bald trabten wir der Cave entgegen. Überraschend waren da bekannte Gesichter anzutreffen: gerade noch waren wir rechtzeitig, um Evi beim Rotpunkt-Durchstieg ihrer ersten 7b zu beobachten. Für uns hiess es aber an die Arbeit zu gehen, denn es war bereits 15.00 Uhr und in den knapp 5 Stunden bis zur Dunkelheit wollten wir ja doch immerhin 2 Routen auschecken, einbohren und Rotpunkt klettern. Dank dem fixierten Seil waren rasch zwei, drei Toprope-Durchgänge gemacht und die idealen Hakenpositionen bestimmt. Die Bohrerei war dann aber, wie immer in diesem massiv überhängenden Gelände, eine etwas anstrengende und mühsame Sache. 

Finalmente war es dann geschafft, und ich konnte einen ersten Rotpunkt-Versuch starten. Dieser führte mich in meiner Route Dropzone (6c+, rp, FA) gleich sofort zum Erfolg. Die Route startet mit cooler technischer Kletterei an ein paar Löchern. Nach einem Rest folgt schöne Tufa-Kletterei, bevor es den grossen Überhang zu überwinden gilt. Das ist die Crux, dank super griffigem Henkelfels checkt das aber nur bei 6c+ ein. Steht man einmal oberhalb der Steilzone, so führt prima Kletterei an Tufa Blobs zum Stand. Folgende Info wird im Kletterführer über die Route stehen:

Dropzone - 6c+ - 3* - 25m - 10 bolts from stainless A4 steel plus lower off with 2 bolts
Technical start, then nice tufa climbing to a steep crux section on big jugs with a cool exit on tufa blobs.

Ausschnitt aus dem Führer mit unseren beiden Routen. Die linke ist Dropzone, die rechte Happy Boyfriend. Weiter ist Nr. 22 die oben im Text erwähnte Lolita, Nr. 26 ist die super Route Armata Sikati. Nr. 30 ist Body Bouldeuse, über welche ich eingestiegen bin, um auf dem Band zwischen grauem und roten Teil den Stand unserer Routen einzurichten.
Bei Basti dauerte das Einbohren noch etwas länger. Einerseits waren wir uns über die Position der Standhaken nicht ganz einig, andererseits mussten dort die ersten 2-3 etwas staubigen Meter gut geputzt werden. Ziemlich knapp vor Einbruch der Dunkelheit war es dann aber soweit, und Basti konnte seine Tour auch erfolgreich Punkten. Als Bewertung schlagen wir einmal 6a+ vor, vielleicht ist es auch eine 6b, wer weiss. Sicherlich dürfte es sich jedoch um die beste Sikati-Route in diesem Schwierigkeitsbereich handeln. Beim Namen "Happy Boyfriend" liessen wir uns natürlich vom Pendant "Happy Girlfriend" in der Grande Grotta inspirieren. Der Kletterführer-Text ist wie folgt:

Happy Boyfriend - 6a+ - 2* - 20m - 9 bolts from stainless A4 steel plus lower off with 2 bolts
Start on jugs, then move through the steep flowstone wall with pockets and slopers.

Bis wir unsere Siebensachen eingesammelt und gepackt hatten, war es bereits dunkel geworden. Rasch verzogen wir uns aus der Cave und stiegen in 35 Minuten, deutlich weniger kaputt wie am Vortag, zurück zu unserem Scooter. Es wartete die erneut beängstigende Fahrt auf dem Sozius und das Nachtessen in einer Kneipe, bevor wir nach diesem ausgiebigen Tageswerk in die Betten sanken. Natürlich waren damit unsere Ferien in Kalymnos noch nicht zu Ende, doch vom Schlussbouquet mit einigen der bedeutendsten Onsight-Highlights meiner Kletterkarriere werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten.

Zeit, um nach Hause zu gehen. Ausstieg an den Fixseilen aus der Sikati Cave nach den erfolgreichen Erstbegehungen.

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