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Donnerstag, 22. Oktober 2015

Kalymnos 2015 - Teil 1

Schon beinahe traditionell gab es auch dieses Jahr wieder einen Klettertrip auf die Insel. Zu berichten gibt es nichts sonderlich Spektakuläres, aber es war einfach schön. Während in der Schweiz Sauwetter mit in tiefe Lagen absinkender Schneefallgrenze herrschte, genossen wir das sommerliche Wetter mit Temperaturen um angenehme 25 Grad, schönem Wetter und noch badetauglichem Meer. Das erste Mal waren wir für uns alleine mit den Kindern vor Ort, was natürlich einige Konzessionen erforderte. So gab es täglich das Standardprogramm mit Frühstück, einem halben Tag Klettern, Glacé essen auf dem Heimweg, einem Töff-Ausfährtli-Erkundungstrip mit meinem Sohn, Baden in Pool und Meer mit der Tochter, zwei Sandburgen bauen inklusive einer Verbindung dazwischen, einem feinen griechischen Nachtessen und dann war schon wieder Nachtruhe angesagt. Folgende Sektoren und Routen wurden dabei beklettert.

Kalydna

Das Amphitheater mit der rund 60m hohen Wand direkt über der Gelateria in Masouri. Hier waren wir bisher nur an unserem allerersten Klettertag je in Kalymnos vorbeigekommen. Also war es wieder einmal Zeit für einen Besuch, gab es doch hier noch etliche Pendenzen im siebten Franzosengrad. Ein weiterer Vorteil: hier konnte sogar mit den Kindern der Zustieg ab der Unterkunft zu Fuss erfolgen, und es war noch kein fahrbarer Untersatz nötig.

Impressionen von meinem allerersten Klettertag im Kalydna auf  Kalymnos. Ist schon ein paar Jahre her...
Los ging es mit der Theodora (6c+, ***), einer schönen, technischen und eher plattigen Kletterei, die mit engen Sicherungsabständen aufwartet. Dann stieg ich in die Aurora (7b, ***) ein. Nach langem und eher einfachem Zustieg wartet lässige Sinterkletterei mit für den lokalen Standard weiten Abständen, ja fast schon Runouts. Strenge Crux 45m ab Boden mit viel Seilzug zum Umlenker hin. Eigentlich wollte ich noch die 8a-Verlängerung auschecken, doch einerseits war ich schon am ersten Umlenker platt, andererseits schien es mir zu wenig attraktiv, noch mehrere Male diese Seilzug-Monsterlänge für den Punkt in der 8a klettern zu müssen. Somit stieg ich als nächstes in Kaly Nikhla mit Extension (7b+, **) ein. Der erste Teil ist 6b und sehr genussvoll. Nach der Kette wartet dann eine kleingriffige Bouldercrux, eine seifig-einfache Verschneidung und ein kniffliger Ausstieg, der sauberes Hinstehen auf glatt-abschüssigen Trtitten und auch etwas Übersicht erfordert. Weiter ging es mit Sickle (7a+, ***), welche mit schöner Wandkletterei aufwartet. Eine Passage in der Mitte ist relativ zwingend und etwas "gewusst wie", danach marschiert man relativ locker bis kurz vor dem Umlenker durch, der (wie so oft auf der Insel), dann erst mit einigen kräftig-heiklen Zügen angeklettert sein will. Zur Verlängerung (7b+) mit den Metern 35-45 fehlte mir wegen starkem Seilzug dann der Mumm. Die lässt sich wohl besser als Ergänzung zur benachbarten Tassir klettern. Nun war die Sonne schon fast da und der Klettertag daher rum. Zumindest fast, für einen raschen Erfolg in Bigboo (7a, ***) mit ihrer schönen, eher feingriffigen Kletterei an scharfem Fels reichte es noch.

Odyssey

Bekanntlich einer meiner Lieblings-Sektoren auf der Insel, dementsprechend oft waren wir hier schon vorbeigekommen. Da Kathrin noch ein offenes Projekt hatte und man hier lange vom Schatten profitieren kann, wollten wir hier die noch frischen Kräfte einsetzen. Das Erlebnis war dann eher etwas ernüchternd, war der Sektor an diesem Tag doch stark besucht. Das wäre an sich im Angesicht von diesem grossen Angebot nicht so problematisch, doch wenn man a) auf eine bestimmte Route fixiert ist (Kathrin), bzw. b) nur noch wenige Routen offen hat (Marcel) und c) sich einmal mit den Kindern an einem Ort niedergelassen hat und es etwas mühsam ist, mit Sack und Pack 100m weiterzuziehen, so leidet etwas die Flexibilität und ein paar Wartezeiten waren nötig. Nichtdestotrotz, folgende Routen wurden geklettert.

Standardmässiger Ausblick auf die Nachbarinsel Telendos. Einfach schön diese Gegend!
Auftakt mit der Lucky Strike (7b, ****) hatte ich mir lange als letzte 7b im Sektor für einen Onsight aufgespart. Die schwersten Moves warten kleingriffig und mit Stehproblemen gleich am Start, dann geht's athletisch und ohne Ruhepause ziemlich anhaltend weiter. Die besten Griffe warten dann eigentlich am Schluss, aber dort ist es steil und wer nicht Reserven im Tank hat, kann durchaus versauern. Noch dazu sollte man sich gut überlegen, welche Hand in welches Henkelloch platziert wird. Meine Versuche in Moon Bridge (7c+, *) waren dann von wenig Erfolg gekrönt. Rutschig-glatte, schwitzige Aufleger muss man da halten, die Route ist wenig abgeklettert und stark unternutzt - hat mich nicht motiviert. Nach längerer Wartezeit war ich dann mit der Elies (7a+, **) dran. Schöne und gemütliche Sinterkletterei bis auf die letzten 2m zum Umlenker, die haben es dann aber in sich: athletisch und plötzlich ohne gute Griffe, da kam ich nur knapp durch! Schliesslich riefen dann wieder einmal die Sirenen (7c, ****). Hier hatte ich mich früher schon mehrmals versucht. Wie es ging, wusste ich natürlich nicht mehr und so hing ich wieder planlos in der Abschlusscrux, bzw. bald einmal im Seil. Um hier ohne genauen Plan etwas rumzutasten und improvisiert zu klettern, fehlt mir einfach deutlich der Saft. Daher: von den letzten guten Griffen rechts an den Seitgriff, eindrehen und Klippen. Dynamisch weit hoch links an den grossen Aufleger, Handwechsel, links ins Loch und links in die versteckte Mulde treten. Rechts diagonale Leiste auf Schulter, links hoch antreten und Dynamo mit richtig Schwung ans gute Henkelloch. Nochmals klippen, etwas über rechts noch 2x kleine Leisten dübeln, Füsse rauf und an den Ausstiegsgriff. Uff, nächstes Mal dann!

Noufaro

Nach den Erfahrungen vom Vortag wollten wir an diesem Tag einen weniger besuchten Sektor wählen, wo etwas mehr Freiheit bestand. Die Wände von Noufaro hatte ich schon oft bei der Vorbeifahrt betrachtet und mit dem Gedanken gespielt, hier etwas einzurichten. Im 2013/2014 wurde dies dann von anderen Kletterern ausgeführt, so dass wir in bester Konsum-Manier eine um die andere Route abknipsen konnten. Oder mit anderen Worten: wie man in einem Halbtag einen ganzen Sektor erledigt.

Die Wände von Noufaro, die nochmals mehrere Untersektoren aufweisen. Wir waren an der Wand in der Mitte, und (vor allem) an jener ganz rechts aussen.
Ohne zu zögern stieg ich gleich in Buona la Prima (7a, ***) ein. Schöne Kletterei an Tropflöchern, erinnert fast ein wenig an die Galerie. Softe Bewertung, 6b+ hätte da wohl auch gereicht, aber wir nehmen es gerne :-) Weiter dann zum zweiten Aufwärmen die Garbulli (7a+, ***), sehr schöne, etwas steilere Kletterei mit ein paar Sinterspuren und scharfen Tropflochgriffen. Dann versuchte ich mich an der Naoshi (7b+, *). Die Crux eine Einzelstelle, wo man einen kleinen, Rasiermesser-Griff fast ohne Tritte durchblockieren muss, um zwei weitere scharfe Crimper anzuschnappen. Rutschen dabei die hoch platzierten Füsse weg (realistisches Szenario, die Sache spielt sich an der Haftgrenze ab), so resultiert garantiert ein tiefer Cut im Finger. Das war mir am Tag 3 von 7 dann doch zu heikel, also Finger weg. Die Enttäuschung konnte mit zügigen Begehungen von Ho Perso la Bussola (7a+, ***) und Gecko's Team (7a+, **) kompensiert werden. Die erste bietet recht anhaltende Kletterei an Tropflöchern und kleinen Pockets, zweitere ist eine One-Move-Wonder mit einem kurzen Blockierer. Zuletzt gab's noch einen kurzen Ausflug in den oberen Sektor, um in der Mira (7b, ***) einen raschen Punkt zu holen. Steiler Auftakt, knifflig über die Kante schieben und technische Tropflochkletterei zum Top. Der erfolgreiche Tag hatte einiges an Haut gekostet, so musste für den nächsten Tag wieder einmal etwas Henkelkletterei ins Auge gefasst werden... hier geht's zu Teil 2.

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