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Samstag, 31. März 2018

Albigna: Wassersinfonie (5a+) & Torre dal Päl Piccolo (5b)

Ein Nachtrag unserer Chiavenna-Ferien im Sommer 2017, von welchen es ja bereits diverse Tourenberichte gibt (1,2,3). Nachdem wir das Leben in der Capanna da l'Albigna im Rahmen der SRF-Sendung Hüttengeschichten ausgiebig verfolgt hatten, drängte sich ein Besuch in derselben natürlich auf. Wegen dem instabilen Wetter wollten wir auf eine Übernachtung verzichten und setzten auf einen Tagesausflug. Was drängte sich da mehr auf, als den Hüttenzustieg teilweise kletternd via die plattige Wassersinfonie (5 SL, 5a+) zurückzulegen?!? Und da gleich oberhalb der Hütte noch mehr Fels zur Verfügung steht, gab's zum Dessert die Piccolo am Torre dal Päl (6 SL, 5b).

Wunderschöne Bergeller Bergwelt, gesehen von der Staumauer des Albigna-Sees.
Mit der neuen Seilbahn ging's hinauf bis unter die Staumauer und die Installationen der Arte Albigna bestaunend darüber hinweg. Nun auf dem Hüttenweg weiter, bis an offensichtlicher Stelle über einen Trampelpfad durch Kraut und Gebüsch in ein paar Minuten zuerst absteigend und dann wieder leicht aufsteigend zu den Einstiegen der Hüttenplatten traversiert werden kann. Inzwischen stehen auf diesen Platten 3 Routen zur Auswahl, wir wollten uns an die traditionelle Wassersinfonie (5 SL, 5a+) halten. Die Kletterei ist von plattiger Natur, bietet aber trotzdem Abwechslung und ist im rauen Bergeller Granit kurzweilig. Man lasse sich von den tiefen Bewertungen nicht täuschen. Diese sind vergleichsweise hart ausgefallen, die Ansprüche sind deutlich höher wie z.B. in der Fontana di Giovinezza oder der Condotta Libera. Ebenso stecken zwar regelmässig Bohrhaken, dazwischen ist jedoch durchaus Engagement gefragt. Für blutige Anfänger und sanfte Vorstiegsgemüter sind die Anforderungen m.E. zu hoch und die Kinder hätte ich hier auch keinesfalls vorsteigen lassen mögen.

Zupfige Plattenkletterei bei nicht ganz kurzen Hakenabständen in der Wassersinfonie (5a+).

Impressionen aus den Hüttenplatten, hinten der Piz Frachiccio, an welchem sich auch prima klettern lässt. 

Blick vom Top zurück, hinten die Spazzacaldeira, an deren Fuss sich (nicht sichtbar) die Seilbahnstation befindet.
Nun denn, im Nachstieg wurde die Route von der ganzen Familie aber flugs absolviert, das benachbarte Team schaffte in derselben Zeit kaum mehr als eine einzige Seillänge. Bald waren wir am Ausstieg, von wo man in ein paar Minuten die Hüttenterrasse erreicht. Während der eine Teil der Familie vom Mittagsmenü und den Spielmöglichkeiten um die Hütte sehr angetan war, zog ich mit der Tochter noch weiter zum Torre das Päl - von der Hütte ein richtig stolzer Zacken, jedoch trotzdem mit moderaten Schwierigkeiten zugänglich. Zum Einstieg sind's rund 10-15 Minuten. Klettern wollten wir die Route Piccolo (5b), welche entlang der Westkante in die Höhe führt. Was einen in der ersten Seillänge erwartet, war mir a priori nicht ganz klar - in vielen Kletterführern zeigen die Topos eine 6a-Seillänge. Dies ist jedoch irreführend bis falsch. Die einfachste, logische und auch gut abgesicherte Linie über die Einstiegsplatte checkt nur im oberen vierten Grad ein. Von deren Stand erreicht man problemlos (mit BH gesichert) den zunächst einfachen Grat, welchen man über 2 Seillängen verfolgt. Man querst schliesslich ein Couloir (durch welches man auch rückseitig im Schrofengelände zusteigen könnte) und erreicht den Schlussaufschwung.

Blick zum Torre dal Päl vom kleinen See wenig unterhalb der Capanna da l'Albigna. Piccolo führt der linken Kante entlang.

L1 von Piccolo, die logische Variante in der kleinen Verschneidung checkt bei ~4b ein, die Platten daneben sind schwieriger.

In L2 von Piccolo, welche nach der Einstiegsplatte etwas kraxlig zum Grat hinaufführt.
Nun wird die Wand wieder kompakter. Über wunderbar griffiges Gelände im dritten und vierten Grad gelangt man unter die steilere Abschlusspartie. Das luftige Finish befindet sich direkt an der runden Kante und ist mit 5b bewertet. Diese Einstufung ist jedoch deutlich gutmütiger wie die Bewertungen in der Wassersinfonie, zudem stecken die BH hier auch in enger Abfolge. Meine Tochter konnte die ganze Route problemlos in freier Kletterei zügig nachsteigen und erreichte den schmalen Gipfel stolz wie Oskar. Nun galt es nur noch, wieder in die Tiefe zu gelangen. Am effizientesten geht dies mit einem Abseilmanöver über die Südwand (Achtung, 1x50m-Seil ist zu kurz, zwingend 1x60m erforderlich!). Ein Trampelpfad führt dann zurück zur Hütte oder wahlweise auch zum Einstieg. Allerdings verzögerte sich unser Rückweg doch noch ein wenig. Die selbsternannte Kletterratte "musste" am Weg noch die diversen Boulderblöcke bezwingen. Alles in allem also ein höchst gelungener Tag in schöner Berglandschaft mit vielen Klettermetern für Gross und Klein.

Nun bereits im Schlussaufschwung zum Torre dal Päl. Erst eine geneigte und noch sehr gemütliche Seillänge...

...dann schon etwas steiler, dafür sehr griffig...

...und zuletzt das Finish an der runden Kante (5b). Nicht schwierig genug, als dass es nicht für ein paar Faxen reichen würde.
Facts

Hüttenplatten - Wassersinfonie 5a+ (5a obl.) - 5 SL, 150m
Material: 1x50m Seil, 8 Express

Kurze aber verngüngliche Plattenkletterei mit westseitiger Exposition unmittelbar unter der Hütte. Sehr guter Fels und abwechslungsreiche Kletterei machen diese Route lohnend. Die Bewertung ist vergleichsweise hart ausgefallen. Die Absicherung mit BH ist eher auf der knappen Seite und fordert Beherrschung der Schwierigkeiten - für Kindervorstieg und Anfänger weniger geeignet. Mobile Sicherungsmittel lassen sich kaum anbringen.

Torre dal Päl - Piccolo 5b (4a obl.) - 6 SL, 180m
Material: 1x60m Seil, 8 Express

Schöne und gutmütige Kletterei, welche unmittelbar über der Capanna da l'Albigna auf den stolzen Zacken des Piz dal Päl führt. Die Absicherung mit BH ist gut ausgefallen. Die Kletterei ist wenig anhaltend, die 5b-Schlüsselstelle lässt sich A0 entschärfen und dank dem griffigen Gestein darf man von einem gutmütigen Unternehmen sprechen, welches auch für fortgeschrittene Anfänger tauglich ist. Hier und da könnte man mobile Sicherungsmittel einsetzen, was mir jedoch nicht zwingend nötig erscheint.

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