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Dienstag, 10. Februar 2026

Powderhamstern am Fluebrig

Nach langer Zeit hatte es endlich wieder einmal eine Portion Neuschnee gegeben, noch dazu war ein sonniger und kalter Tag angesagt. Mit müden Knochen vom Training und Bouldern passte ein Ausflug in den Schnee bestens ins Programm. Mitunter am meisten der weissen Pracht war im Wägital gefallen, somit wollte ich da mein Glück suchen. Oben wo noch eine Altschnee-Unterlage vorhanden war, rechnete ich mit Top-Verhältnissen. Unten würde es wohl eher prekär. Doch ich hoffte, zumindest einen Teil des Zustiegs mit dem Bike absolvieren zu können.

What a beautiful day in Skitoureneldorado Wägital.

Vor Ort fielen mir dann gleich zwei Dinge auf: a) viele andere Tourengänger waren auf dasselbe Ziel gekommen und b) das Bike konnte ich gleich am Auto montiert belassen, denn auch am See unten hatte es 25cm der Neuschnee gegeben, da war mit dem Zweirad kein Fortkommen. Relativ spontan änderte ich mein Tourenziel dann auf den Fluebrig, das versprach weniger Leute und mehr Sonne, zudem war ich da im Gegensatz zu Rederten/Muttri schon eine Weile nicht mehr unterwegs. Es liess sich gleich fellend aufsteigen, wobei insbesondere in den waldigen Abschnitten schon da um die Steine herumgetreten werden musste. Das rauere Steilstück im Wald ob Schlänggen und die nachfolgende Querung wiesen ebenfalls Schneemangel auf, nachher war es dann aber Wintertraum pur. Einige Tourengänger hatte ich auf dem Weg überholt, doch zwei Dreiergruppen blieben mir bis zum Skidepot voraus und erledigten die Spurarbeit, danke!

Blick auf die Berge östlich vom Wägitalersee. Von links: knapp sichtbar das Bockmattli, dann der breite Schiberg, der dreieckige Plattenberg, das Doppelmassiv mit Brünnelistock und Rossalpelispitz (wo ich im Dezember eine tolle Skitour hatte), sowie der kecke Zindelspitz.

So konnte ich mich bereits darauf fokussieren, die Optimallinie für die erste Abfahrt festzulegen. Man muss ja hier nicht gleich alle Geheimnisse preisgeben, doch wer seine Scheuklappen auf eine Distanz von mehr als 20m von der Aufstiegsspur öffnet, wird ganz viele Möglichkeiten finden. Jedenfalls, es ergab sich eine absolute Traumabfahrt in herrlich fluffigem Powder mit First Line, einfach perfekt. Vor der Querung auf 1430m zog ich meine Felle wieder auf, eine zweite Runde im Gipfelbereich war an diesem Tag unverzichtbar. Das Timing passte perfekt, um bei der noch sonnigen Alp Fluebrig eine Pause einzulegen und mit unseren Skidamen bei deren zweitem Lauf mitzufiebern. Doppelter Podestplatz, da konnte ich mich mit demselben Gerät an den Füssen nicht lumpen lassen und musste auch eine gute Spur in den Schnee zaubern [ok, ich gebe es an dieser Stelle zu: obwohl ich nur wenig TV konsumiere, für den Skirennsport habe ich eine (mir selbst etwas unerklärliche) Faiblesse...].

Einige der vielen schon vor dieser Tour vorhandenen Kratzer auf dem Skibelag sind auf diesem Foto erkennbar. Nachher waren es ganz bestimmt noch etliche mehr. Somit: diese Tour an diesem Tag war nur mit Material zu empfehlen, wo die Kratzer nicht mehr gezählt werden können/müssen.

Eventfrei lief ich wieder hoch in den Gipfelbereich, dieses Mal mit dem Ziel, noch den Turner mitzunehmen. Dort war ich zwar auf meiner Wägital-Rundtour vorbeigekommen, mit den Ski stand ich jedoch noch nie an seinem Top. Doch Project Pending heisst es immer noch: nordseitig kann man da nicht durchgehen, und südseitig war das nur knapp verschneite Gelände mit rutschigem Gras und losen Felsen ohne Steigeisen nicht mit ausreichender Sicherheitsmarge passierbar. Insofern egal, dass ich östlich von P.2058 einen idealen Einstieg in die Nordflanke fand und dort einen perfekten Hang mit einer makellosen Spur drapieren konnte. Ich muss sagen, auf diese Ästhetik von einer ideal ins Gelände gelegten, zackigen Aufstiegsspur und/oder einem perfekten Kurzschwung-Zöpfli gefällt mir schon sehr und liefert neben vielen weiteren Vorteilen auch eine Motivation, in unberührtem Gelände unterwegs zu sein. Wie mir aber scheint, ist es den meisten Tourengängern (heutzutage?) egal, welche Spuren sie zurücklassen. Wohl der Zeitgeist, denn dasselbe kann man auch abseits vom Skitouren über die Menschheit generell sagen. Und wenn wir schon dabei sind: das gedankenlose und oft komplett unnötige Zerfahren der Aufstiegsspur ist eine weitere Untugend, die sich leider immer mehr manifestiert.

Wow!

Nun denn, ich bin in die Gesellschaftskritik abgedriftet, vielleicht als Kontrast zu den absoluten Traumverhältnissen?! Der reale Weckruf aus den Skitouren-Träumen kam dann in der Querung auf 1400m, nach dem dank dünner Altschnee-Unterlage nochmals gut fahrbaren Schlänggen-Hang war dann auf 1150m definitiv fertig mit lustig, den letzten Teil stieg ich dann sogar zu Fuss ab. Himmel und Hölle lautete das Fazit des Tages ganz eindeutig, wobei man abschnittweise den Teufel sogar schon recht heftig mit seiner Gabel an den Ski kratzen spürte. Oder mit anderen Worten: gut dass ich die bereits komplett abgeschriebenen Steinski genommen hatte. Sonst wäre ich am Ende noch auf die Idee gekommen, dass dieser Schneefall nur eine Propaganda-Aktion der Sportgeschäfte und Hersteller für ihre Services und Produkte gewesen wäre.

Facts

Fluebrig ab Au / Allmeindli
1180hm (+650hm) Aufstieg, Ski-Schwierigkeit S-

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