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Sonntag, 20. Juli 2014

Sanierung Garten Eden

Auf meinem Sanierungsappell für die Route Garten Eden an der Schafbergwand hatte sich zwar nicht ein riesig grosses, aber doch genügendes Echo ergeben. Herzlichen Dank Euch, Oli, Stefi, Adi, Kornelius und Markus, für den sehr geschätzten Beitrag. So waren die Kosten für die Haken mehr oder weniger gedeckt und an der Motivation, die Route mit zuverlässigem Material auszustatten um sie aus dem Dornröschenschlaf zu heben, fehlte es sowieso nicht. Mit Werner Küng, dem Autor des SAC-Kletterführers Alpstein und Regional-Vertreter der SAC-Gruppe Sanieren und Erschliessen, konnte ich einen äusserst kompetenten Partner für die Ausführung finden.

An diesen Häklein mussten man die Route bisher klettern. Total unzuverlässiges Material mit minimaler Haltekraft.
Nachdem der Monsun vorüber war, wir früh aus den Federn gekommen waren und heftig Eisen an den Wandfuss geschleppt hatten, konnte es losgehen. Unsere Absicht war es, gleich die ganze Route in einem einzigen Tag zu sanieren. Die Taktik bestand darin, dass ich die Route im Vorstieg mit meiner Maschine am Gurt klettern würde. Wo aus Gründen der Sicherheit nötig, würde ich gleich neue Haken bohren und auch die Standplätze an bessere Orte verlegen. An allen anderen Stellen markierte ich nur die Position der neu zu bohrenden Haken, welche dann von Werner am fixierten Seil ersetzt wurden. Sein Nachsteigen mit den Jümars liess mir natürlich die Hände frei, so dass ich mich meist Ablassen und auch noch einige Haken ersetzen konnte, oder dann einige andere, wichtige Nebenarbeiten erledigen konnte. Dementsprechend ging es flott voran, und wir konnten die Sanierung tatsächlich in einem einzigen Tag abschliessen. Und sie war bitter nötig: die meisten Haken waren M8-Selbstbohrdübel, in welche eine Öse mit einem 15mm langen und an der dünnsten Stelle 6mm dicken Gewindestift geschraubt war. So etwas war schon zu Zeiten der Erstbegehung 1991 nicht der übliche Standard. Nachdem nun auch noch der Zahn der Zeit an diesem Schrott genagt hatte, genügten ein paar wenige, kräftige Hammerschläge zum Abbrechen der Haken. Was das im Sturzfall geheissen hätte? Wirklich zu beantworten mag ich diese Frage nicht. Hingegen weiss ich aus eigener Erfahrung, dass ein qualitativ guter, einwandfrei gesetzter A4-Inoxanker mit einem Hammer nicht abzuschlagen ist. Und das gibt einem doch ein deutlich besseres Gefühl, denn schliesslich hängt ja doch unser Leben an den Dingern!


Was haben wir also genau gemacht? Schliesslich war es so, dass wir jeden Standplatz der Route an einen anderen Ort verschoben haben. Keiner ist aber mehr als 3m vom alten Platz entfernt und auch wenn nicht jeder ein absoluter Deluxe-Stand mit Sitzgelegenheit und allem Komfort ist, so kann man jetzt doch immerhin überall vernünftig stehen. Alle gefährlichen Stellen haben wir durch bessere Platzierung der Haken entschärft, und auch zwei, drei vorher zwingende Passagen sind durch faires Platzieren der Haken verschwunden. Nun passt auch die Angabe von 6b obligatorisch, so wie vom Erstbegeher gewollt. Nicht wesentlich verändert hat sich hingegen die Hakenanzahl. Es stecken jetzt rostfreie A4-Anker der Dimension 10x90mm, ein Material, welches in Bezug auf die Korrosion sicher die nächsten 100 Jahre überdauert. Hingegen ist durch die Sanierung die im SAC-Führer erwähnte Möglichkeit mit einem 55m-Einfachseil abzuseilen verloren gegangen. Wie lange ein Einfachseil nun sein müsste, damit man wieder runterkommt, vermag ich nicht zu garantieren. Sicher würden 70m reichen, 60m vermutlich auch. Sinnvollerweise rückt man aber mit 2x50m-Seil an, darauf ist die Abseilerei mit 3 Manövern nämlich perfekt ausgelegt.

Bolting on lead bei der Sanierung, hier die erste Crux der 7a-Länge. Den alten BH konnte man leider erst danach bzw. gar nicht auf eine vernünftige Art und Weise einhängen.


Aktualisierte Routenbeschreibung

Der Einstieg befindet sich immer noch ganz rechts bei den östlichen Südwandplatten, dort wo das Band am Wandfuss in einer kaminartigen Rinne aufgeht. Am Einstieg steckt nun ein Bohrhaken, auf dessen Plättli der Routenname eingraviert ist. Danke Stefi für diese prompte Spezialanfertigung!

L1, 35m, 6b: Schöne Kletterei, auch wenn der Fels noch nicht ganz so kompakt ist und man ab und zu an einem Grasbüschel vorbeiklettert. Die Schwierigkeiten bestehen aus einer plattigen Querung am dritten BH und Mantle an einer Schuppe weiter oben.

L2, 25m, 6a: Vom Charakter ähnlich wie L1, mit einer für 6a schweren Stelle gleich nach dem Stand. Hier hilft es, wenn man etwas links ausholend klettert. Man steigt dann aufs Grasband aus, klippt dort (für den Nachsteiger zwingend!) einen Haken an der oberen Wand und steigt etwas nach links ab, wo sich nun ein gut eingerichteter Stand (nochmals mit Namensplakette) befindet.

Routenverlauf und Position der Garten Eden am Berg.
L3, 30m, 7a: Die Cruxlänge bietet sehr schöne Steilplattenkletterei in kompaktem Fels. Bei anhaltender Kletterei gibt es 3 deutliche Schlüsselstellen, welche nun nach der Sanierung nicht mehr zwingend zu meistern sind. Ich vermute, dass diese Länge mit 7a eher generös bewertet ist. Allzu hart schien es mir nicht, aber vielleicht lag es auch dran, dass ich nun die entscheidenden Stellen schon kannte.

L4, 25m, 6c: Ebenfalls eine sehr schöne Länge in perfektem Fels. Die früher heikle Crux konnte durch sinnvolle Hakenplatzierung entschärft werden und folgt nun direkt nach dem zweiten BH. Gewusst wie und mit einer zuverlässigen Sicherung ausgestattet, war es nun gar nicht mehr so wild. Der Stand wanderte vom maximal unbequemen Plattenschuss auf die kommode Grasmutte linkerhand.

In der sehr schönen L4 (6c), das Bild allerdings vom letzten Mal und nicht vom Sanieren.
L5, 30m, 6c+: Erneut fantastische Plattenkletterei in kompaktem Fels. Der Auftakt über ein Dächlein hinweg entpuppt sich als erstaunlich gängig, bevor eine nun gut gesicherte Reibungscrux gefühlvolles Antreten verlangt. Zuletzt dann in anhaltender 6b-Kletterei an Wasserrillen und der einen oder anderen Griffschuppe zum Stand auf schmaler Fussleiste.

L6, 25m, 6c: Das Schlussbouquet wartet nochmals mit prima Kletterei auf, die mit nun verbesserter Hakenplatzierung deutlich aufgewertet werden konnte, weil man nicht mehr auf die Vegetation linkerhand angewiesen ist. Zuletzt hat die Wand dann weniger und weniger Struktur und verlangt noch einige gefühlvolle Züge zum Abschlussstand hin.

Kompakte Plattenkletterei in L5 (6c+), ebenfalls vom letzten Mal und nicht beim Sanieren.
Hier, ganz am Ende nahmen wir den grössten Eingriff in die alte Route vor. Nach langem Abwägen kamen wir zu einem gemeinsamen Entschluss, setzten den Stand 3m tiefer als früher und eliminierten damit die letzte, beinahe unmögliche Stelle. Diese hatte ich schon letztes Mal als einzige Stelle nicht klettern können. Nachdem ich mich nun erneuten an den alten Stand hochgetecht hatte, suchte ich eine halbe Stunde lang nach einer Freikletter-Lösung, konnte aber, egal wie und wo, keine finden. Wohl bemerkt hatte ich alle anderen Moves in der Route bereits beim ersten Mal auf Anhieb klettern können. Die im Topo angegebene 6c+ ist also mit Sicherheit nicht korrekt. Damit man diese Stelle ohne Mühe und Gewürge bewältigen kann, hätten wir noch zwei zusätzliche Haken setzen müssen, mit welchen man die letzten 3m der Route dann A0 bewältigt hätte. Dies schien uns aber sinnlos, da der alte Stand auch irgendwo im Nirgendwo war, d.h. an keinem logischen Platz und total unbequem dazu. Wer jetzt die ethische Moralkeule schwingen will, der darf a) die Arbeit das nächste Mal selber und besser machen und b) die Stelle trotzdem noch klettern. Perfekt am neuen Inox-BH gesichert (auf selber Höhe wie der ursprüngliche letzte Zwischen-BH) klettert jeder der will diese unmögliche Stelle hinauf zum alten Stand. Dort habe ich den besseren der beiden Standhaken mit einem Umkehrkarabiner belassen, so dass man sich problemlos zum neuen, bequemeren Stand ablassen kann. No Problems also, wobei jeder Normalo ganz bestimmt froh darum ist, die Route nun in freier Kletterei am logischen Endpunkt beenden zu können.



Facts

Schafbergwand - Garten Eden 7a (6b obl.) - 6 SL, 165m - F.Umlauft 1991, saniert M.Dettling & W.Küng 2014 - ****; xxxx
Material: 2x50m-Seil, 10 Express.

Prächtige Steilplattenkletterei durch den rechten Teil der östlichen Südwandplatte in der Schafbergwand. Sie bietet anhaltende Schwierigkeiten und vorzüglichen, meist kompakten und weitgehend grasfreien Fels der vom Wasser zerfressen ist und ein hervorragende Reibung aufweist. Es handelt sich nach meiner Einschätzung um eine der lohnendsten, wenn nicht die aktuell lohnendste Route dieses Sektors. Die BH-Absicherung ist nach der Sanierung nun als vorzüglich zu bewerten, es ist nur mehr (aber immer noch!) der Grad 6b obligatorisch.

Update und Topo

Wie meinem (aus historischen Gründen unveränderten) Text und auch den untenstehenden Kommentaren zu entnehmen ist, waren die ursprünglich aufgeführten Bewertungen eher zu hoch angesetzt. Im Konsens von verschiedenen Wiederholern wurde die Route schliesslich mit den Graden 6b/6a+/6c+/6b+/6c/6b+ eingestuft. Werner Küng hat bereits ein neues Topo mit Sicherungssymbolen und angepassten Schwierigkeiten erzeugt, man kann es hier downloaden.

Kommentare:

  1. Hoi Marcel,
    vielen Dank an Euch für die Speed-Sanierung! Nun kann ich mich ja auch ohne Stick in die Route wagen und sogar mit besseren Standplätzen (die alten waren wirklich sehr unangenehm). Das Material ist ja noch wesentlich schlimmer als ich vermutet habe; vor allem dass die Stifte nur so kurz waren ist ja übel. Gut haben wir uns bei der Begehung Anfang Juli defensiv verhalten.
    Gruss Hans

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  2. Hallo Marcel
    Vielen Dank für die Sanierung....wir sind die Route vermutlich genau einen Tag nach eurer Sanierung geklettert....einfach perfekt....Wir sind zufällig in die Route eingestiegen....super Route, super Absicherung (vielleicht zu gut für die Schafbergwand?) und dankbare Bewertung (im Führer steht 7a/7a+ für die Schlüsselseillänge, niemals). Vielen, vielen Dank für eure Arbeit.
    Gruss Ramon

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    1. Danke fürs Feedback, freut mich dass es Euch gefallen hat! Wie im Bericht erwähnt, an der Absicherung hat sich durch die Sanierung nicht viel geändert, ausser dass jetzt zuverlässige Haken stecken, diese optimal platziert sind und die Stände nicht mehr unbequem sind. Was die Bewertungen anbetrifft, der Ausdruck "dankbar" trifft es wohl gut. Ich bin die Route halt 1x etwas "tense" wegen den schlechten Haken geklettert, das zweite Mal dann mit der Bohrmaschine und daher ist es für mich nicht so einfach zu sagen. Also das mit dem "niemals 7a+" würde ich durchaus unterschreiben, wenn man streng sein will könnte man wohl auch sagen, dass die Cruxlänge ca. 6c/6c+ ist und der Rest meist so um 6b/6c herum. Weiteres Feedback hierzu ist aber sicher erwünscht.

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  3. Hallo Marcel,
    ich bin die Tour heute mit meiner Frau gegangen. Wir haben Werner in der Tour getroffen. Vielen Dank euch beiden für die Sanierung! Besser kann man es nicht machen!
    Markus Grabher

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  4. jes, soft for the grade. max. 6c+, but awesome rock.

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    1. As already stated above in a comment, I agree with that sentiment. In fact, Werner has already drawn an official topo, where the entire route has new grades. As you say, the crux pitch is now graded 6c+ and the remaining pitches have been adjusted accordingly. You can find that topo here: click!

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