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Sonntag, 4. Oktober 2020

MYCC / Boulder-SM Biel 2020

Wieder einmal ein Wettkampf, von welchem wir ein wenig ernüchtert heimkehren! Nachdem Larina einen Startplatz zugesprochen erhalten hatte, freuten wir uns extrem auf diese Comp. Wir hatten uns nicht nur beim Bouldern gewissenhaft vorbereitet, sondern auch zig-Seiten Covid-Reglemente studiert, die nötigen Formulare ausgefüllt und fuhren mit Schutzmaterial bestens bestückt ins Grip nach Biel. Nachdem dann auch noch der Fieberthermometer-Test am Einstieg bestanden war, machten wir uns frohen Mutes ans Aufwärmen. Der Wettkampf sollte (anders als gewöhnlich) im Weltcup-Onsight-Modus ausgeführt werden, d.h. 5 Boulders à jeweils 4 Minuten Kletterzeit mit 4 Minuten Pause dazwischen. Zuschauer waren keine zugelassen, auch die Coaches durften nur als stumme Beobachter vor Ort sein

#1, ein easy Plattenboulder (14 von 16 Teilnehmerinnen toppten)

Mit viel Freude, etwas Nervosität, ja insgesamt einfach dem absolut richtigen Mindset ging Larina ans Werk. Es lief soweit perfekt, vier der fünf Boulder waren Ruckzuck erledigt, sie stellten keine grossen Schwierigkeiten dar. Für die Finalteilnahme musste man diese 4 Probleme flashen - was Larina prinzipiell geschafft hatte. Nur wurde leider beim ersten Boulder ein Startfehler angekreidet und dieser eine zusätzliche "Versuch" war eben entscheidend. Insgesamt 9 von 16 Teilnehmerinnen hatten am Ende 4T4z in der Wertung, aufgrund vom Fehlstart hiess dann am Ende nur Rang 10 statt Finalteilnahme - eine bittere Pille, wegen einem Technical Error an einem supereinfachen Boulder ausgeschieden zu sein :-/ 

#2, viel zu einfach, konnten glaube ich alle Teilnehmerinnen flashen.

Klar, es wäre noch ein fünfter Boulder da gewesen, wo mit einem Top die Malfortune abzuwenden gewesen wäre. Leider war bei diesem der Startmove extrem morpho, sprich stark von der Armspannweite abhängig. Die vier am grössten gewachsenen Kletterinnen konnten ihn relativ mühelos bezwingen, sonst hingegen niemand. Mit ausreichend langen Armen konnte man nach links ziehen und die offene Tür mit der auf dem Startgriff verbleibenden Hand kontrollieren. Bei weniger Spannweite ging das nicht, da hätte man den ganzen Körperschwung 1-händig am Sloper auffangen oder gleich nochmals weiterziehen müssen, was mindestens 3 Klassen schwieriger als die semi-statische Lösung einzustufen ist. Das Foto unten mit der  Ausgangsposition für diesen Move lässt erahnen, wovon ich schreibe.

Der Morpho-Startmove in #4, blieb von den Kletterinnen unter einer gewissen Armspannweite unbezwungen. Die am Startmove erfolgreichen Kletterinnen liessen danach auch den Zonengriff am schwarzen Volumen weg und zogen von der oberen Banane direkt mit rechts nach oben. Hier hätte den kleiner gewachsenen Athletinnen wohl gleich nochmals eine deutlich härtere Sequenz mit Verwendung des Zonengriffs für rechts und der Volumenkante für links geblüht... der Grössenunterschied zwischen der längsten und kürzesten Athletin in der U12 übrigens ca. 30cm.

Tja, so hiess es dann nach Hause gehen - bzw. noch eine richtige Session auf privater Basis einzulegen. Denn anstrengend sei es null gewesen, meinte die Athletin im Rückblick... Ein Scheitern vor der Finalrunde wäre ja durchaus zu verkraften, wenn man wenigstens alles hätte geben können und Kräfte/Können zu wenig gewesen wären. Aber wenn man mit dem Gefühl weggehen muss, gar nicht gezeigt haben zu können, was man eigentlich drauf hätte... Nun ja, eine gewisse Frustrationstoleranz ist in jedem Wettkampfsport unabdingbar, das ist uns durchaus wohlbewusst. Nichtsdestotrotz, für eine SM hätte ich ein adäquateres Setting der Boulder erwartet... da gehören einfach 5 so richtig knifflig-kräftige Probleme hin, welche das Teilnehmerfeld effizient differenzieren und obendrein nicht von Spannweite oder vertikaler Reichweite abhängig sind. Das ist absolut hinzukriegen, man lese z.B. meine Einschätzung über das Tout à Bloc.

#3 war besser, an sich noch ein kreativerer Boulder mit ein wenig "Problem"-Charakter, insbesondere beim Ausstieg aus der Verschneidung, der  mit einem Dropknee am besten zu lösen war - aber auch zu einfach (14 von 16 toppten, 12 davon flash). 

#5 fragte Fusstechnik und Beweglichkeit ab, das fand ich auch noch recht kreativ und ein für die Zielgruppe geeignetes Problem. Aber auch das war leider zu einfach konzipiert und differenzierte kaum, 15 von 16 Tops mit 12 Flashes.

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