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Donnerstag, 6. August 2026

Hautes Alpes 2026

Wie schon seit einem Jahrzehnt sind wir auch diesen Sommer wieder in die Hautes Alpes in Frankreich gereist. In den früheren Jahren wurden die Erlebnisse blogtechnisch jeweils in die MSL-Berichte verpackt. Im 2026 sind längere Klettereien aber so spärlich ausgefallen, dass ein separater Beitrag fällig ist, um die Erinnerungen für später aufzubehalten. Ob, wann und wie der Trip überhaupt stattfinden würde, war bis kurz zuvor unbekannt und davon abhängig, für welche internationalen Wettkämpfen sich Larina selektionieren konnte. Nun, die Gelegenheit um nach Frankreich zu reisen kam und mit ihr viele tolle Klettererlebnisse - auch wenn das Geschehen vor Ort durchaus im Zeichen des Wettkampfsports stand. Aber seht selbst!

Unterwegs zu einer Nachmittagssession am dann schattigen Rocher Prat im Vallé Clarée.

Etwas Hals über Kopf reisten wir schliesslich an. Erst zu zweit, die andere Hälfte der Familie musste sich erst noch den arbeits- und schultechnischen Verpflichtungen widmen. Etwas Künstlerpech hatten wir bei der Anreise: in der Schweiz herrschte bestes, heisses und stabiles Wetter, im Süden war genau dieser Tag hingegen instabil. Generell war der Sommer 2026 natürlich auch (viel zu) trocken. Ja, in unmittelbarer Nähe zum Basecamp wütete während einer Woche sogar ein grosser Waldbrand. Nun gut, ziemlich sicher hätten man diesen behördenseitig besser managen können. Aber immerhin war er für uns weder gefährlich noch einschränkend, schade ist es vor allem für die Natur. Kurzum, der Regentropfen fielen nicht manche. Aber leider gerade am ersten Abend, als wir unser Basecamp installierten. Nicht gerade die Erfahrung, die man unbedingt braucht. Aber naja, diese Episode hatten wir natürlich bald wieder vergessen.

Blick vom Klettergebiet Rue des Masques auf den Waldbrand im Raum Freissinières - L'Argentière.

Natürlich war es auch sehr heiss, so dass nur die schattigen und idealerweise die hoch gelegenen Spots genutzt wurden. Wir schickten uns in unseren Rhythmus, welcher 1 Tag hart projektieren, 1 Tag mehr ausdauerorientierte Mileage und 1 Tag Krafttraining, aber Ruhe für die Griffel bedeutete. Wobei dies für mich mehr bzgl. dem Sichern galt, ich kletterte schliesslich wie so oft praktisch jeden Tag und halt das, was mir unter die Finger kam. Eine der ersten Adressen waren die Konglomeratüberhänge im Rue des Masques. Schon seit 3 Jahren hatten wir der Ciao Criquet (8a) immer mal wieder einen Versuch gegeben. Larina erledigte sie dieses Jahr nach dem Motto "progress is sweet" souverän im 2nd Go. Bei mir gilt hingegen erneut: maybe next year, idealerweise vielleicht mit kühl-grippigen Conditions statt einer Affenhitze. Mit der Big Bolchoï (7c) konnte ich schliesslich doch noch einen Erfolg verbuchen - verbunden mit der schon oft konstatierten Erkenntnis, dass mir die stark athletische Kletterei an den kleinen Löchli im Konglomerat eher nicht so liegt.

Dieses Foto ist nicht vom (generell eher nicht so fotogenen) Rue des Masques, sondern vom alpinen Klettergebiet in Tournoux, welches wir ebenfalls an den ersten Tagen zwecks ausdauerorientierter Mileage besucht haben. So richtig steil sind diese Wände definitiv, wie man es am linken Bildrand problemlos erahnen kann.

Ein weiterer Fixpunkt mit besserem Liegefaktor für mich ist die ebenfalls steile, klein-feine Granitwand in Entraygues. Dieses Jahr versüsst mit der Anwesenheit von Weltklasse-Athleten und tatsächlich konnten wir allerbesten Klettersport live miterleben: gleich 2x einen Send einer 9a+ und obendrein noch eine 8c+ im Flash, absolut crazy. Eindrücklich ist nicht nur der physische Level dieser Athleten, sondern sie können halt auch einfach verdammt gut moven. Diese Effizienz und Präzision auch unter höchstem Druck und am absoluten physischen Limit, crazy! Das imponiert mir sehr und während es mir klar ist, dass man mein altes Chassis nicht mehr mit den neusten, leistungsfähigsten Hardware bestücken kann, so hat man den Eindruck, dass man zumindest die Software auf ebensolche Effizienz programmieren können sollte. Aber wie man es kennt, wenn man auf einem alten Computer ein neues Betriebssystem installieren will - es funktioniert nicht immer wie gewünscht.

Das ist nicht in Entraygues (sondern am Pont d'Asfeld) und zur internationalen Spitze zählt die Kletterin auch nicht. Aber hier vollführte sie einen lupenreinen Onsight in der sehr technischen und komplexen Misanthrop'hic (7c+), das war ebenfalls sehr eindrücklich anzuschauen!

Eine Fun Story dieser Gegebenheit in Entraygues ist noch, dass die Crew einem Athleten hoch oben in der Wand eine Exe zuzuwerfen versuchte, da sie ausgetauscht werden musste. Bei den vielen Fehlversuchen landete sie mal hier und mal da auf dem Boden, und irgendwann genau in meiner Hand. "Next try is mine!", und der war gleich erfolgreich! "Nice one, I'm sure you are a basketballer" war der Kommentar. Kommt nicht von ungefähr, denn schliesslich bin ich tatsächlich mindestens einen Kopf grösser wie alle diese Spitzenkletterer. Aber nein, Basketball ist nicht mein Hobby, meine Versuche fanden in der Maudite Draperie (7c+) statt. Na gut, für 9a+ Cracks ist das vielleicht in etwa dasselbe wie Basketball 🤭 Eigentlich hätte es gehen können, aber auf den abschüssigen Leisten ging mir jedes Mal die Power aus, bevor die Cruxsequenz komplett gemeistert war. Als ich dann müdigkeitsbedingt nicht einmal mehr meinen Highpoint matchen konnte, schien mir der Send endgültig aus den Fingern zu gleiten. Doch plötzlich kam eine starke Brise auf (die schliesslich nur etwa 20 Minuten anhielt), das war der Game Changer. Nochmals los, tatsächlich fühlten sich die Griffe gleich eine Klasse besser an. Mit dem absoluten Drang nach oben pfefferte ich den Dyno auf den Sloper am Ende der Crux und blieb durchaus etwas mirakulös an der Wand. Im 6. Go des Tages noch gesendet, das war Beharrlichkeit pur.

Sorry, keine Fotos gemacht in Entraygues. C'est la vie wenn der Autor klettert und seine Frau sichert. Aber dann zeigen wir halt nicht meinen Jump zum Rettungs-Sloper in der Maudite Draperie (7c+), sondern einen von Jerome im Bikepark von L'Argentière. Auch dieser eine tolle Attraktion und immer einen Besuch wert (gratis für alle!).

Weiter auf Tuchfühlung mit (anderen) Spitzenathlet:innen waren wir bei unserem Besuch in Céüse. Für die von uns gekletterten Routen erhalten wir jedoch sicherlich keinen Orden. Aber dafür vielleicht für die Tatsache, dass wir nun 10 Jahre in Folge jeden Sommer mindestens 1x dort hinauf gepilgert sind?!? Das ist jedes Mal ein sehr schöner Ausflug und die Kletterei dort sagt mir sehr zu. Gut, auf die vielen Leute und die Politur könnte man verzichten, das Bolting ist nicht immer sehr konsumentenfreundlich. Dafür aber sicherlich für Emotionen sorgend und der Fels ist halt einfach göttlich. Da immer nur auf kurzer Visite habe ich mich dort stets nur auf zügig machbare Routen fokussiert. Auf 30 Stück zwischen 7a und 7b+ steht der Counter, inzwischen gibt's schon fast das Problem, dass die besten Touren in den Hauptsektoren auf diesem Level etwas ausgeschöpft sind. Trotzdem, nächstes Jahr kommen wir hoffentlich wieder. Ob wir erneut mit Janja und Alberto klettern und Pizza essen können ist zwar nicht garantiert, eine Menge an starken Leuten werden aber sicher trotzdem dort sein.

Dieses Jahr kletterten wir in Céüse im Sektor Grand Face.

An einer noch nie dagewesenen Menge von 2 Tagen ruhten meine Griffel komplett. Am einen davon nahm ich mit Jerome die Tour auf den Mont Chaberton (3131m) in Angriff. Das ist ein dominanter Gipfel über dem Col de Montgenevre von militärisch-strategischer Bedeutung. Deswegen wurde in der Zeit zwischen den Weltkriegen auf dem Gipfel von den Italienern eine Festungsanlage installiert, welche 1940 von den Franzosen zerstört wurde. Die verfallenden Ruinen mit all ihren Gängen und Kavernen sind im Sinne eines Lost Place zugänglich. Sportlich wie wir ja sind, reisten wir mit dem Bike hin, nahmen einige Trails und somit Extra-Höhenmeter mit und fuhren so weit wie es ging (ca. 2130m). Es blieben also noch 1000hm Ultra-Schottering über die geröllige Westflanke hinauf, wo sich die Hitze nur so staute. Spannend war's, aber streng - stattdessen einen weiteren Tag einfach Sportklettern zu gehen, hätte mich sicherlich weniger Körner gekostet. Nächstes Jahr werden die Ruhetage also wieder gestrichen.

Impression aus den Kavernen am Mont Chaberton.

Mont Chaberton: Ruinen am Abgrund.

Der Mont Chaberton ist hoch und steht isoliert. Links am Bildrand die Geschütztürme.

Einige kürzere Klettertage ergaben sich auch durch das Training von Larina. Eine coole Entdeckung war die Mur d'Escalade von Briançon, wo im 2024 das letzte Mal der Weltcup Halt machte. Zum Training für Wettkämpferinnen war's genial. Es gab viele, im Comp-Style geschraubte Routen ab 8a aufwärts. Outdoor, Wind und Schatten erlaubten gute Bedingungen (jedenfalls viel bessere als in den hitzegeplagten Hallen hierzulande!) und gerade mal 12 Euro Eintritt bezeugen schon, an welche Preisverhältnisse wir uns in der CH gewöhnt haben. Selbst kletterte ich jedoch nie am Plastik und verlegte meine Aktivität jeweils am Nachmittag an den Fels. Da gaben wir logischerweise dann einigen nach Osten exponierten Gebieten den Vorzug, die wir bis dahin noch nie besucht hatten - für ganztägige Felssessions bieten sich diese halt weniger an. So kriegten am Ende schlussendlich alle das, was sie am liebsten hatten.

Sowas wie Le Nid in Briançon nähmen wir hier auch sehr gern!

Der Höhepunkt vom Kunstwand-Klettern war dann schliesslich das Tout à Bloc. Diesen sehr populären, internationalen Boulderwettkampf kannten wir natürlich schon von den früheren Jahren bestens. Zwei Mal hatte Larina bis dato teilgenommen, nämlich im 2020 (U12) und im 2024 (U16). Rein altersmässig hätte es dieses Jahr noch für die U19 gereicht. Diese war jedoch schon ausgebucht, freie Plätze gab es nur noch bei der Elite. Aber wer an die Spitze will, darf diese Konkurrenz natürlich nicht scheuen. Es fehlten zwar die absoluten Topshots der Weltbühne, doch unter den Teilnehmerinnen waren doch etliche dabei, welche Halbfinal-Teilnahmen an Weltcups vorweisen können. Und natürlich mangelt es an talentiertem, französischem Nachwuchs auch ganz und gar nicht. Jedenfalls, 2x2.5h standen fürs Punktesammeln bei total 31 Bouldern zur Verfügung. Insbesondere das geschickte Haushalten mit der Energie und das Beobachten bzw. Ausnutzen von Beta-Finessen machten sich hier natürlich bezahlt - und dieser Strategie-Part war meine Aufgabe als Coach, das machte ich natürlich sehr gerne. Belohnt wurde der Einsatz mit sehr zufriedenstellenden 20 Tops und Rang 17 - bravo!

Die Boulder am Tout à Bloc sind zu ca. 2/3 outdoor, der Rest ist in einer Turnhalle. Mit einer Session am späten Vormittag und der zweiten gegen Abend hiess es auch, so zu planen, dass man vorwiegend am Schatten klettert. Bei Nr. 31 allerdings zwecklos, der wurde permanent bestrahlt.

Alors, c'est ça mit den Hautes Alpes 2026. Bis hoffentlich im nächsten Jahr wieder. Der Leser darf sich etwas kurzfristiger noch auf den Bericht der einzigen MSL-Kletterei von diesem Trip freuen, demnächst auf diesem Kanal.

Freitag, 20. Februar 2026

Strategic Decisions

Allzu viel in Sachen grosse Touren läuft im Moment nicht, weder für zünftige Skitouren noch zum MSL-Klettern waren die Verhältnisse so richtig geeignet. Wobei, etwas tun kann man immer. Kleinere Ausflüge mit den Tourenski, an der Sportkletterform feilen oder wie es schon längst bekannt ist: auch beim Indoor-Bouldern habe ich Spass und wenn's noch ein Wettkämpfli zum mitmachen gibt, umso besser. Darum hier ein kurzer Rückblick auf auch schon wieder einige Wochen vergangene Zeiten mit dem Leitmotto "strategische Entscheidungen".

Am Sparta Fight, die Fotos von der Halle zur Verfügung gestellt: vielen Dank!

Quadrel Rock Rodeo

Los ging's mit dem Quadrel Rock Rodeo, wo ich inzwischen das fünfte Mal de suite antreten konnte. Wie immer natürlich in der Patschifig-Kategorie, wobei es da eben nicht so easy zu und her geht, weil ein happiges Programm von 40 Bouldern zu absolvieren ist. Klar, 9 Stück davon waren wirklich einfach mit Schwierigkeitsgrad 1 und 2 (von 6), 8 weitere mit Schwierigkeitsgrad 3 muss man einfach auch bringen, aber dann wird es dann schon zäh. Schlussendlich konnte ich aber auch alle 9 Vierer punkten und auch von den Fünfern gelangen mir noch drei Stück - und die sind für mich allesamt schon richtig taff. Unter dem Strich ergibt das 29 von 40 Tops und eine sehr gute Session. Dennoch, auf der Rangliste reicht das inzwischen nirgendwo mehr hin, Rang 10 von 30 das Verdikt. Fürs Podest hätte man noch 5 weitere Boulder in den Schwierigkeiten 5 und/oder 6 ziehen müssen... era fuori dalla mia capacità!

Warum sieht es auf den Fotos eigentlich immer so aus, als ob ich die Hände nur so auf die Griffe lege, bzw. diese nur streichle, denn richtig festhalte? Einfach oder gar eine Rastposition ist das für mich wie die Beinmuskulatur zeigt, nun definitiv nicht. Wobei sanftes Greifen statt Overgripping zwar vielleicht keine strategische, aber ganz sicher eine gute Entscheidung ist.

Skitour Hinterfallenchopf

Am Folgetag fiel dann eben die strategische Entscheidung. In den Bergen lag nur wenig Schnee und die Tourenbedingungen wurden in den einschlägigen Portalen als miserabel beschrieben. Mit sorgfältiger Analyse erschloss sich aber, dass man auf unbefahrenen Südhängen in tiefen Lagen mit genussreichen Sulzverhältnissen rechnen durfte. Nach dem Engineering mit Schneekarten und Webcams wurde der Hinterfallenchopf ab Rietbad zum Ziel erkoren. Eine strategische Entscheidung auch deshalb, weil dieses Halbtagestüürli auf meinen doch etwas geschlauchten Zustand Rücksicht nahm. Vor allem aber lag wie am Vortag nochmals ein guter halber Tag an Arbeit drin. Das machte es mir möglich, in der als sonnig und mild angekündigten Folgewoche zwei Nachmittage beim Sportklettern am Fels zu geniessen - so soll es doch sein! Die Tour war dann wirklich richtig genussreich. Gerade noch ausreichend Schnee, keine Leute, schönes Ambiente und eine prima Sulzabfahrt wurden bilanziert - eine perfekte Strategie.

Eine neue Tour und Gegend entdecken, Zeit an der Sonne über dem Nebel verbringen: perfekt!

Sparta Fight

Am darauffolgenden Samstag war der Sparta Fight angesagt. Seit 2019 habe ich da bei jeder Austragung teilgenommen und da ihn Larina sowieso als Vorbereitungswettkampf für die Saison nutzen wollte, gab es noch mehr Argumente dafür. Nun, hier geriet meine oberhalb als so perfekt beschriebene Strategie ins Wanken. Müde von den Sportklettersessions, mit generell wenig Haut und wegen einem Cut komplett getaptem Finger waren die Voraussetzungen für eine gute Performance eher limitiert. Wobei es zu sagen gilt, dass meine persönliche Strategie eben der Spass-Maximierung folgt und nicht jener der Performance (an einem Wettkampf). Für einen Ü50-Amateur natürlich auch völlig logisch so.

So müde gewesen, dass es die Bürste zum Festhalten braucht?!?

Die Konsequenz war dann halt, dass die Mission mit der Titelverteidigung in der Ü40 krachend scheiterte. Es gelangen mir 30 von 46 Bouldern, was nur Rang 7 bedeutete. De fakto zog ich an dem Tag keinen einzigen Boulder, den ich auf meiner persönlichen Skala als "wirklich schwierig" beurteilt hätte... und es hätte auch nur einen einzigen gebraucht, um wenigstens das Podest zu erklimmen. Wäre ich mir dem bewusst gewesen, dann hätte ich dieses NoTex-Slab-Koordo-Ding vielleicht so lange bearbeitet, bis ich doch mal nicht weggezippt wäre. Wie auch immer, trotz nicht ganz frischen Kräften hatte es Freude gemacht und der Strategie, den Spass zu maximieren wurde ganz klar genüge getan.

Larina war stark, aber ebenso ohne Haut. Leider hat's mit Rang 7 ganz knapp nicht für die Finalquali gereicht. Immerhin hat uns Kathrin die Familienehre mit Rang 2 bei den Ü40-Damen gerettet.

Freitag, 12. Dezember 2025

Quergang Team Boulder Event 2025

Es ist definitiv besser, seine Erinnerungen kurz zu notieren und im persönlichen Album zu verewigen, anstatt sie in der Mottenkiste verstauben zu lassen. In diesem Sinne ein kurzer Beitrag zum Team Boulder Event in der Boulderhalle Quergang, wo ich nun schon das fünfte Mal de suite am Start war (hier gibt's die früheren Berichte). Dies in derselben Konfiguration wie im Vorjahr, d.h. mit Kathrin und einem vielversprechenden Nachwuchstalent, dem 10-jährigen Bartek. 

Body-Positioning-Boulder in der Quali - vielen Dank an dieser Stelle an Slawek für die Fotos!

Neu war, dass ein grosser Teil des Felds vom Herkulis-Universum gestellt wurde. Sonst blieb eigentlich alles beim Alten: 33 Qualifikationsboulder für welche 3 Stunden zur Verfügung standen, der Wertungsmodus mit 1-3-5 Punkten (für 1-2-3 Tops im Team) und anschliessend ein Final mit 3 Teams, wo jede Person genau 1 Boulder klettern musste und man die Zuordnung nach eigenem Gusto taktisch gestalten durfte.

Bartek in Action in der Quali, bei einem langen Quergang-Boulder durch den grossen Überhang.

Mit der Quali konnte ich persönlich, bzw. wir als Team zufrieden sein: ich musste 5 Boulder unbezwungen lassen, wobei 3 sehr athletische Herausforderungen im steilsten Teil der Wand sich als "next level" entpuppten und von niemandem getoppt wurden. Dass mir der schwierigste Koordinationsboulder nicht gelang (welcher von 2 young guns getoppt wurde) mag wenig erstaunen. Da war die Pille, dass ich ein anderes Problem mit kleinen Leisten nicht hinkriegte, schon ein wenig bitterer. Das hiess nämlich, dass ich im Familien-Ranking nicht auf ex aequo stellen konnte. Aber dieser Climb war einfach zu "small box" für mich.

Larina in einem der schwierigeren (aber noch machbaren) Quali-Boulder. Rein aufgrund vom Foto hätte ich dessen Realisierbarkeit für mich jedoch eher pessimistisch eingeschätzt. Solch kleine Griffe und dann erst noch diese glitschig-runden Cheetah-Slimper, zudem gehört der 3-Finger-Drag auch nicht zu meinen (sowieso beschränkt vorhandenen) Stärken. Aber nix da, dieser Send war mir auch vergönnt.

Das war insofern egal, als dass wir als drittklassiertes Team in den Final schlüpfen konnten. Nach einem Teller mit stärkender Kürbissuppe durften wir zur Verteilung der Aufgaben schreiten. Für Bartek kam rein reichweitenbedingt nur ein einziger Boulder in Frage. So mussten Kathrin und ich nur noch entscheiden, wer im athletisch-überhängenden Problem einen Mangel an Athletik, bzw. im Koordo-Boulder einen Mangel an Souplesse an den Tag legen würde.

Hätte vielleicht besser noch einen zweiten oder dritten Teller davon genommen... ;-)

Nach diversen taktischen Erwägungen schickte ich mich daran, im starken Überhang eine möglichst gute Figur abzugeben. Immerhin, bis zur Zone gelang das (die Reichweite half noch ein wenig mit), ab da war es dann wieder ein wenig zu sehr "small box" und "small holds". Keine Chance für mich, Larina bezeugte aber in der After-Final-Session die Machbarkeit der Sache... Somit gab's auch im fünften Jahr für mich keinen Durchstieg im Finalboulder. Ich werde es aber gerne wieder versuchen und erhalte hoffentlich noch oft die Gelegenheit dazu.

"So far so good" lautet mein Kommentar zum hier abgebildeten Go im Finalboulder. Doch ab hier dann, an miesen Griffen sehr eingezwängt auf Gegendruck... da fehlte es gleich an diversen Stellen im Körper an der nötigen Muskelkraft. Vielleicht besser mehr Kilterboard als Rätikonplatten...?!?

Der Clou ist noch, dass der Koordo-Boulder unerwartet gutmütig war. Auch die dynamische Bewegung wäre nicht allzu schwierig gewesen, noch dazu liess sie sich statisch austricksen. Das stehtechnische Finish konnte dann zwar im Rahmen des Finals niemand toppen, mir gelang der Boulder dann aber nach der Rangverkündigung sogar im Flash. Pff, hätte ich etwas mehr auf meine (nur sehr ansatzweise vorhandenen) Koordo-Fähigkeiten (oder der Beta-Break-Möglichkeit) vertraut, so wäre es für uns eventuell ganz gut herausgekommen.

Aus dieser Optik sieht's wohl tatsächlich so unmöglich aus, um vom Startgriff an den nächsten (Unter)griff zu kommen, wie wir es a priori eingeschätzt hatten. Doch mit (dem auf den Rätikonplatten erlangten...?) Trittgefühl war das Volumen für den rechten Fuss sehr gut zu belasten, so war's dann gar keine so grosse Sache. Tja, falsch taktiert ist schlussendlich auch nicht geklettert.

Jedenfalls belegten wir am Ende im Final den dritten und somit letzten Platz im Final. Das spielte natürlich keine Rolle - es hatte wie üblich sehr viel Spass gemacht und es hatte sich eine geniale Bouldersession in kameradschaftlicher Atmosphäre ergeben. Vielen Dank dem Quergang-Team für diesen tollen Event!

Ranking: 1. Pubertiere, 2. Die 3 Erdnussflips, 3. Erfahrung und Talent.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Jedermensch Cup 2025

Der Jedermensch-Cup im Elys Boulderloft passte anfangs Mai 2025 perfekt in unsere Familienagenda. Garantiert werden einem viele tolle Boulder in allen Schwierigkeiten und ein stimmungsvolles Finale. Mit guten Vibes reisten wir nach Basel und wollten sehen, was wir erreichen konnten. Dieser Beitrag schildert nicht nur unsere Erlebnisse, sondern beleuchtet die Grundsatzfrage, wie die Gestaltung von Kletterwettkämpfen mit Stärkeklassen ablaufen könnte.

Kathrin bouldert im Plaisir-Finale am Jedermensch-Cup 2025. Foto: Elys Boulderloft.

Grundsätzlich gibt's bei diesem Wettkampf zwei Kategorien, nämlich Plaisir und Elite. Einteilen kann man sich (mehr oder weniger) nach Selbstdeklaration. In meinem Fall ist es zwar vielleicht nicht restlos klar, ob ich alle Attributen von einem typischen Plaisirmenschen aufweise. Nur eines ist sicher, zur Elite gehöre ich ganz bestimmt nicht. Jedenfalls attackierte ich die 20 Plaisir-Boulder, welche ich schliesslich in der 6 Stunden dauernden Quali alle komplettieren konnte. Daneben galt es noch die 10 Jedermensch-Boulder zu absolvieren, welche sowohl für Plaisir wie Elite auf dem Menü standen. Acht Stück davon konnte ich bezwingen und die Konsequenz dieser Performance war zu erahnen: zu stark für Plaisir, d.h. meine Teilnahme wurde annulliert und ich war nicht für das Plaisir-Finale zugelassen.

Mein wertvollstes Top war diese (echt schwierige) Slab hier, welche Balance, Fusstechnik und Dynamik abfragte. Was man im Sinne meines Beitrags sagen muss: eigentlich machte dieser Boulder im Plaisir-Set herzlich wenig Sinn, da für die dort vorgesehenen bzw. zugelassenen Athlet:innen deutlich zu schwierig. Bzw. wer diesen Boulder eben schaffte, war nach der Definition der Veranstalter kein Plaisirmensch mehr. Und damit eben zum Widerspruch bei diesem Anlass: welchen Sinn macht es, diesen Boulder ernsthaft zu probieren und alles zu geben, wenn der Erfolg darin die Teilnahme in der Kategorie annulliert? Bild: Elys Boulderloft.

Fair enough, damit konnte und kann ich natürlich gut leben. Schliesslich ging es mir nicht um das Finale oder die Rangliste, sondern darum eine gute Bouldersession zu haben. Und dazu war dieses Set von 30 Bouldern einfach perfekt für mich. Von den Elite-Bouldern wären die meisten jenseits von meinem Können und meinem Style gewesen, die hätten mir deutlich weniger Spass gemacht. Sprich, auch in Retrospekt würde ich mich erneut für die Plaisirkategorie entscheiden. Trotzdem kann ich die Ereignisse nicht unkommentiert lassen, welche sich erst noch an einem Event abspielten, der mit seinem Namen und Charakter voll auf Inklusion macht. 

  • Ich meine, wenn es Kategorien gibt, so funktioniert (zur Zeit) nur die Teilnahme nach Selbstdeklaration. Wenn man nicht möchte, dass sich starke Athlet:innen in die tiefere Kategorie einschreiben, so muss man die höhere halt entsprechend attraktiv machen.
  • Jeder Versuch einer Objektivierung der Einteilung ist m.E. zum Scheitern verurteilt, solange es beim Klettern nicht wie in anderen Sportarten (z.B. Tennis) ein Ranking bzw. eine Klassierung gibt, welche aufgrund vergangener Wettkampfresultate ermittelt wird. 
  • Insbesondere ist ein ein Widerspruch am Wettkampfgedanke an sich, wenn eine gute Performance am Event selbst einen von der Teilnahme ausschliesst. Man kann nicht gleichzeitig versuchen, eine möglichst gute Leistung zu zeigen, aber dann doch nicht zu stark für die Kategorie zu sein.

Am Jedermensch-Cup ist die Idee, dass die Anzahl geschaffter Jedermensch-Boulder darüber entscheidet, in welche Kategorie man gehört. Wenn dies 6 bzw. 7 oder mehr sind (die Angabe war nicht einheitlich), so gehört man zur Elite. Doch einerseits wurde dies auch nicht konsequent gehandhabt im Sinne, dass man mit nur 5 Jedermensch-Bouldern aber 20 Plaisir-Bouldern eben doch auch ausgeschlossen wurde da "zu gut für Plaisir". Somit wirkten die Entscheidungen schlussendlich auch etwas willkürlich und der Versuch Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu kreieren in der Plaisirkategorie schaffte wiederum neue Ungerechtigkeiten.

Bei Larina stellte sich die Kategorien-Frage nicht. Aber weil ich mit ihr "dabei" und im Austausch war, weiss ich umso genauer, dass die allermeisten der Elite-Boulder für mich einfach nix gewesen wären und mir dieses Set ganz sicher viel weniger Spass bereitet hätte. Bild: Elys Boulderloft.

Ein weiterer Aspekt: wie erwähnt lag für mich der Fokus auf einer optimalen Session mit maximalem Spass. Und dies beisst sich leider mit dem Regularium bzgl. den Jedermensch-Bouldern. Denn ich gehe progressiv vor, mache erst die einfachen Boulder, gefolgt von allem was flashbar ist. Und zuletzt sind dann die harten Geräte dran. Somit wusste ich erst am Ende, in welcher Kategorie ich mich aufgrund der Leistung einzuordnen hatte. Und dann wäre es sowieso zu spät gewesen, um diese noch zu wechseln. Es war a priori alles andere als offensichtlich für mich, dass ich die (progressiv nach Schwierigkeit geordneten) Jedermensch-Boulder #7 und #8 würde toppen können.

Immerhin, einen der Elite-Boulder habe ich also dann doch noch geschafft. Und das erst noch in meinem Antistyle (Campus 🫠) und quasi schon auf dem Heimweg in den Sandalen. Solange sie dafür nicht die kleinen Leisten nehmen, sollte ich vielleicht meine Kategorienwahl für das nächste Mal doch überdenken...

Vielleicht fragt sich mancher nun ob der Sinnhaftigkeit von diesem Beitrag. Naja, ich möchte nicht den Event an sich oder die Entscheidungsträger kritisieren. Ich war ja auch freiwillig da, mir dem "Problem" schon im Vornhinein bewusst und es hat meine Freude an dem Tag auch nicht getrübt. Das eingesetzte System finde ich aber unlogisch und inkonsistent, das darf gesagt sein. Ebenso wie dass Kathrin gut genug aber nicht zu gut für die Teilnahme am Plaisir-Finale war und sich dabei den dritten Platz sicherte, bravo! Da bleibt nur noch das Schlusswort: nächstes Jahr kommen wir (vielleicht) wieder. Und wenn das der Fall ist: ich werde wohl wieder auf die Plaisir-Boulder setzen und den resultierenden Konsequenzen harren 😎

Es bitzli warm aagleit für Indoor. Dieser Tooly-Boulder war ein Side-Event zum Wettkampf. Beim Toppen der Route hätte man die teure Daunenjacke behalten können. Ich war zwar gut genug, um eine Weile an der Wand zu bleiben und die schöne Jacke zünftig zu verschwitzen. Doch für das Top fehlten dann doch einige Körner. Immerhin, ein schönes T-Shirt hat es als Obulus für meine Leistung, danke @Kaemp. Spät wurden also meine früheren Efforts bei feuchter Kälte in dieser Disziplin doch noch honoriert 🤪

Montag, 31. März 2025

Zigerschwitz 2025

Ich haderte mit meiner Teilnahme am Zigerschwitz 2025, denn schliesslich war es schon Ende März: die Saison für Outdoor-Projekte an den Blöcken und beim Sportklettern war schon wieder voll im Gange, zudem hatte ich auch bereits schon wieder MSL angepackt. Die staubigen Boulderhallen lagen hinter mir zurück, sozusagen. Ich überlegte mir kurz eine Volksinitiative, die Ausführung von solchen Wettkämpfen auf die Monate November bis Februar einzuschränken. Dann besann ich mich wieder meiner Situation: die war nicht ganz optimal. Erst hatte ich wegen einer Erkältung kürzer treten müssen. Als diese kein wesentlicher Faktor mehr war, so lockte unmittelbar vor dem Zigerschwitz draussen bestes Wetter. Solches konnte ich mir nicht entgehen lassen und warf je eine Session im Bouldern und am Seil ein - was vor allem die Haut auf den Fingerbeeren schon einmal Richtung null brachte.

Nr. 43, einer der easy von der Hand ging. Foto by Martin Knobel.

Hinzu kam am Tag der Austragung ebenfalls outdoortaugliches Wetter, die Verabredung zum RP-Versuch in der Milzbrand am Gonzen für den Folgetag (Blog folgt) und ein Blick auf das starke Teilnehmerfeld verhiess auch nicht unbedingt die Versprechung, die tollen Erlebnisse mit den Finalteilnahmen von den beiden Vorjahren (2023, 2024) wiederholen zu können. Viele gute Gründe (ok, der letztere ist natürlich definitiv keiner!) um die Flinte ins Korn zu werfen. Schliesslich besann ich mich eines anderen und fuhr trotzdem Richtung Näfels, und zwar ohne das Felsgear im Gepäck. Um 13.00 Uhr fiel der Startschuss für die gut 100 Teilnehmer:innen. Während 4:30h Qualifikationszeit galt es bei 46 Bouldern möglichst viele Zonen und Tops zu holen, die Anzahl Versuche dabei wurde für die Rangliste hingegen nicht berücksichtigt. 

Nr. 14, auch dieser war zügig im Flash erledigt. Foto by Martin Knobel.

Ich kam gleich zügig voran, die Auswahl aus augenscheinlich machbaren Bouldern war gross und dieser visuelle Eindruck täuschte nicht. Top um Top im Flash fand Eingang auf das Laufblatt und ob dem guten Fortschritt konnte ich mir jedesmal eine längere Pause gönnen, wenn ein Problem doch einen gewissen physischen Effort erfordert hatte. Schliesslich stand ich bei 37 Tops, wovon ich 33 Boulder hatte flashen können. Bei den restlichen vier hatte ich 1x den machbaren Flash doof verschenkt, 2x erforderte eine etwas schwierigere Slab ein bisschen Tuning und einen Swing Jump löste ich schliesslich mit einem Beta Break. An den restlichen 9 Bouldern gelang mit trotz genügend Zeit- und Kraftreserven kein Top mehr, ja nicht einmal eine Zone. Dass ich mangels Haut zu diesem Zeitpunkt mit komplett getapten Griffeln agieren musste, spielte mir zwar nicht in die Karten. Aber de fakto waren diese Boulder auch einfach zu schwierig für mich. Wobei sie tatsächlich auf einem sehr hohen Level waren: auch von den Elite-Cracks konnte niemand mehr als 42 Stück lösen, vier blieben im Rahmen des Wettkampfs unbezwungen.

Nicht wirklich cool, so klettern zu müssen. Aber manchmal halt unumgänglich...

Das Ranglisten-Verdikt lautete schliesslich Platz 14 und damit deutlich ausserhalb des 5er-Finals. Wie oben schon erwähnt, war dies schon aufgrund vom starken Teilnehmerfeld schon im Voraus absehbar und sowieso: die Platzierung ist mir nicht sonderlich wichtig, bzw. vorne sein zu können ist nicht der Antrieb zum Mitmachen. Schwerer wog da schon die persönliche Emotion, eigentlich nur eine Session mit "ein paar einfachen Bouldern" gemacht zu haben, um dann noch gute 2 Stunden an ein paar "unmöglichen" Problemen seine mangelnden Fähigkeiten demonstriert zu erhalten. Ich gebe zu, dieser letzte Satz ist nun gar drastisch formuliert. Er soll auch keine Kritik am Event darstellen, sondern er widerspiegelt nur meine persönliche Emotion nach Abschluss der Quali - andere haben hoffentlich anders empfunden und ich nehme mir nicht den Anspruch raus, dass der Wettkampf nach meinem Gusto konzipiert sein müsste. Aufgegeben habe ich übrigens keine Sekunde vor Ablauf der Qualizeit, Spass hatte es mir dennoch sehr gemacht und auch den Wert vom Erlebnis, im Wettkampfsetting vor solchen schwierigen bzw. unmöglichen Bouldern "nicht einfach weglaufen zu können" ist nicht zu unterschätzen. Hin und wieder aufgezeigt zu erhalten, dass es noch diverse Hausaufgaben zu erledigen gibt, ist doch das Öl im Getriebe, das die Sache am Laufen hält 😎. 

Unfruitful Effort bei Nr. 40. Links steht auf gar nichts, rechts auf einem ultraglatten Mini-No-Tex und dann sollte so wohl ein Paddle Dyno eingeleitet werden  🤨. Hätte ich jetzt nicht schreiben müssen, das Foto sieht ja noch halbwegs gekonnt aus, auf einem Video sähe es wohl anders aus... Foto by Martin Knobel.

Samstag, 22. Februar 2025

Bimano Open 2025

Wie meine früheren Berichte zeigen, hat die Teilnahme am Boulderwettkampf im Bimano in unserer Familie Tradition. Und weil ich im Vorfeld nochmals alle Berichte zu den früheren Ausgaben konsultierte und als sehr wertvolle Auffrischung der Erinnerungen taxierte, gibt es nun auch dieses Mal einen. Für Larina war der Jugend-Regiocup als Vorbereitung für die anstehende Saison mit den nationalen (und hoffentlich internationalen) Wettkämpfen sowieso gesetzt. Da draussen gleichzeitig ein stahlblauer Neuschneetag mit sehr guten Tourenverhältnissen stattfand, wurde meine Standfestigkeit etwas auf die Probe gestellt. Doch mit dem Wunsch von Larina, sie als Wasserträger, Sekretär und (wo nötig) als Coach zu unterstützen war die Sache dann schnell klar. Diesen Support leistete ich nur zu gerne und da ihr Wettkampf schliesslich bis fast um 16 Uhr und dem Startschuss in der Open-Kategorie dauerte, liess ich mich natürlich nicht für eine anschliessende, persönliche Bouldersession lumpen.

Brush your boulders! Das war der Finalboulder #1 für Larina.

Seit wir das letzte Mal im Bimano gebouldert hatten, war die Anlage erweitert worden. In diesem neuen, sehr grosszügigen Hallenteil fand die Qualifikation statt, wofür 71 Probleme in den Bimano-Schwierigkeiten 3 bis 12 an die Wand geschraubt waren. Für die Jugend dauerte die Quali nur gerade 2h. Ob der Vielzahl and Bouldern waren Übersicht, eine gute Strategie und ein schlauer Umgang mit den Kraftreserven imperativ. Die Punktevergabe für die Boulder war wiederum so gestaltet, dass ein Grad höher eine um 50% bis 100% höhere Ausbeute versprach. Larina war effizient und gewandt, so füllte sich das Laufblatt und das Punktekonto zügig. So konnte sie gegen Ende das Gas sogar etwas zurücknehmen. Die Finalteilnahme schien gesichert und so schien es weise, dafür noch einige Körner aufzusparen. Aus 56 Tops bestand ihre Ausbeute schliesslich.

Larina im Finalboulder #3, hier war viel Flexibilität gefragt.

Der Final bestand in ihrer Kategorie aus 3 Bouldern. Jede Athletin hatte zuerst aus der Isolation kommend einen Onsight-Go zu absolvieren. Nach diesem durfte man auf der Matte bleiben und den Konkurrentinnen bei ihren Bemühungen zusehen. Reihum wurden dann weitere Versuche gegeben, bis der Boulder getoppt wurde oder die Judges die Übung nach Erreichen eines Zeitlimits abbrachen. Mit einem Score von 2T2z kürte sich Larina schliesslich zur Siegerin in der Kategorie U18F. Ein bisschen schade war einzig, dass die Hand beim dritten Boulder auch schon an der Zone war, diese jedoch nicht als kontrolliert taxiert werden konnte und das Problem schliesslich im Rahmen des Wettkampfs unbezwungen blieb. Alles in allem war es eine sehr gelungene Vorstellung und ein absolut positiv verlaufener Test für die kommende Wettkampfsaison.

Larina im Finalboulder #2. Das schöne Pad im Hintergrund war (leider) nicht für die U18 bestimmt.

Nachdem ich schon jeden einzelnen Boulder im Detail hatte studieren können, war ich dann natürlich umso mehr gespannt, wie sich diese denn tatsächlich anfühlten. Ziemlich gut, das merkte ich bald und konnte voller Zuversicht sein, auch ein schönes Set auf die Scorecard zu bringen. Zudem stand mir als Altersbonus noch eine Stunde an zusätzlicher Zeit zur Verfügung (d.h. 3h statt 2h). Nichtsdestotrotz, zu trödeln galt es trotzdem nicht, es standen ja im Schnitt keine 3 Minuten Zeit pro Boulder zur Verfügung. Mein Ansporn war es, zumindest in die Nähe der von Larina gesetzten Marke zu kommen, so nach dem Motto "ganz zum alten Eisen gehöre ich dann im Fall noch nicht". Schliesslich blieb ich mit einer Länge Rückstand bei exakt 55 Tops (wovon 46 Flash) stehen. Von mir nicht bezwungen wurde erst noch eine trickreiche Spezialaufgabe mit Risskletterei und einem Inverted Foot Jam Start, wo Larina meine Beratung zur richtigen Technik entscheidend geholfen hatte. Tja, gescheit reden ist einfacher als selber machen...

Das Top bei diesem Boulder ist gelungen. Aber war es im hier abgebildeten Versuch?

Ein bisschen schade war dann, in den letzten Sekunden des Wettkampfs bei einem (für mich) superathletischen Boulder kurz vor dem Topgriff noch von einem Power Out erlitten zu werden. Wobei ich mir nichts vorwerfen kann: in Bezug auf die kurzfristig beeinflussbaren Faktoren wie Technik und Taktik alles richtig gemacht, es haben halt einfach die nötigen PS gefehlt. Futsch war damit der familieninterne Gleichstand. Und was noch viel schwerer wog: auch die Finalteilnahme. Wie ich diesbezüglich stand, war mir während dem Wettkampf komplett unbewusst. Die Boulder mussten in der Toplogger-App eingetragen werden, und welche der verschiedenen Metriken schlussendlich zur Wertung herangezogen wurde, war (zumindest mir) nicht klar. In der entscheidenden war ich nach Ablauf der 3h schliesslich auf Rang 7 klassiert und damit einen Platz ausserhalb der Finalteilnehmer. Immerhin brachte das den Vorteil, mich zurücklehnen zu können. Wie immer hatte ich während der Quali alles gegeben und auch noch die allerletzten Körner verschossen. Wie ich da im Final noch hätte eine gute Figur abgeben wollen, das hätte ich nicht gewusst - aber natürlich trotzdem das Beste versucht.

Egal wie ich es versucht habe: die schmerzhaften Foot Jams blieben nicht genügend lang drin 😏

So verbleibt im letzten Abschnitt noch der Vergleich gegenüber den früheren Ausgaben und das Fazit. Nachdem ich das letzte Mal sogar eine grafische Auswertung meiner Tops gemacht hatte, drängt sich eine Wiederholung dessen natürlich auf. Und wie man sieht, die grüne Farbe für den Erfolg hat sich in den Schwierigkeitsgraden 7 und 8 üppiger breit gemacht. Das liegt im Idealfall an persönlich besserer Disposition. Oder vielleicht ist es die Motivation, mit der Tochter mitzuhalten. Selbstverständlich könnte man auch eine softer gewordene Bewertung als Argument heranziehen. Genau wird sich das nicht ergründen lassen und es ist auch nicht nötig. Eines ist sicher, es war ein tolles Erlebnis und ich habe im Bimano keine Sekunde an den schönen Pulverschnee gedacht, welchen man draussen hätte zerpflügen können.

Donnerstag, 6. Februar 2025

Sparta Fight 2025

Auch wenn es mich immer wieder magisch an diese lässigen Events zieht, von Wettkämpfen wird hier nur noch relativ selten berichtet. Sprich, da muss etwas Aussergewöhnliches passiert sein oder es wird eine lange Tradition von Blogs fortgeführt. Im Rahmen vom Sparta Fight trifft beides zu: einerseits gibt es bereits eine Serie von Reports die im Jahr 2019 startet und andererseits stand wie im Vorjahr wieder eine Ü40-Kategorie im Programm. Dass die Chancen auf eine gute Rangierung so höher sind, als wenn man gegen die jungen Wilden antreten muss, versteht sich von selbst.

Alle Bilder sind von Sparta Bouldering & mediasquad.ch, vielen Dank!

Einige Aspekte am Sparta Fight waren bei der Ausgabe 2025 neu. So war er heuer ein für die Nachwuchs-Nationalmannschaft ein verpflichtender Trainingsevent. Somit wurde neben der für lizenzierte Wettkämpfer gedachten Elite eine Plausch- und eben ein Ü40-Kategorie geschaffen. Wie in alten Zeiten war die Familie Dettling wieder einmal vollzählig am Start: 1x Damen-Elite, 1x Herren-Plausch und je 1x Ü40 bei Damen und Herren. So reisten wir zeitig an und konnten gleich das professionelle Warm-Up der Nati (zu) kopieren (versuchen).

Larina vor einem kniffligen Mantle.

Erstmals waren sowohl die neue wie auch die alte Halle für den Wettkampf beschraubt. Während der 4:30h dauernden Qualifikation waren 45 Boulderprobleme zu lösen. Dem Teilnehmerfeld entsprechend gab es natürlich diverse sehr schwierige Aufgaben. Davon musste ich schliesslich 9 Stück ungelöst lassen, sprich es konnten 36 Tops notiert werden - ein bisschen verbunden mit dem Wermutstropfen, dass ich an zwei Bouldern viel Zeit und Energie investierte, aber am Ende so, so, knapp scheiterte. Hätten diese beiden Einträge auf der Scorecard gemacht werden können, so hätte ich ein gutes Gefühl in Bezug auf die Rangliste gehabt. Aber so?!?

Auch Kathrin gibt ordentlich Gas.

Es zeigte sich schliesslich, dass es trotzdem reichte. Ganz konkret sogar für Rang 1. Eingebracht hatte mir dieser Erfolg vor allem das Top an Boulder #33. Diese als Coordo-Problem gedachte Aufgabe konnte ich mit einem Beta Break überlisten. Ganz so schwierig war das am Ende nicht, andererseits reizte es doch jede Faser meiner körperlichen Möglichkeiten aus. Naja, das macht einen wesentlichen Teil vom Erfolg beim Bouldern aus - innovativ denken und immer daran glauben, dass es einen (individuell machbaren) Lösungsweg gibt. Und natürlich freue ich mich jedes Mal diebisch, wenn gewitzt mit Köpfchen ein Top gesichert werden kann, welches auf der offensichtlich angedachten und meistverwendeten Variante vermutlich nicht gelungen wäre.

Herzlichen Dank an die Sponsoren für die schönen Preise 😀

Ein Final stand für die Senioren nicht im Programm. Hätte ich beim High-Noon vor Publikum antreten wollen, so hätte ich bei der Plausch-Kategorie teilnehmen müssen. Da hätte es mir effektiv für die Qualifikation gereicht (niemals jedoch bei der Elite, nur dass dies ganz klar herausgestrichen ist, dort hätte man 42 Tops bieten müssen). Wobei ich dann, so wie sich der Plausch-Final entpuppte, durchaus nicht unglücklich war, meine Fingerspitzen schon an einem frisch aus dem Eiskasten kommenden Getränk abkühlen zu können. Die Boulder waren nämlich hammerhart konzipiert: es gab kein einziges Top und auch Zonen-Erfolge waren sehr rar. Am Ende mit leeren Händen (0t0z) dazustehen wäre ein Verdikt im Bereich des zu Befürchtenden gewesen. Natürlich hätte ich auch das genommen, gebraucht habe ich es allerdings nicht unbedingt 😉

Hier kann man erahnen, dass kaum ein Muskel nicht zu Einsatz kommt.

Familienintern konnten wir uns mit einem zweiten Rang für Kathrin bei der Damen-Ü40 über ein weiteres Podest freuen. Mit Larina im Final mitzufiebern war uns leider hingegen nicht vergönnt. Es hätte dazu nur ein weiteres Top am richtigen Boulder gebraucht. Und wenn man weiss, wie nahe das war... aber so ist das eben beim Klettern und generell beim Wettkampfsport: knapp vorbei ist auch daneben und auch wenn der Unterschied in der Leistung schlussendlich marginal ist - im richtigen Moment braucht's das Epsilon mehr und die Kunst liegt genau darin, es bei der entscheidenden Gelegenheit auf die richtige Seite zu zwingen. Nichtsdestotrotz machten wir uns beglückt und zufrieden auf den Heimweg. Der Sparta-Fight hatte wieder einmal das geboten, was wir uns erhofft hatten: tollen Sport, viele Emotionen und einen gehörigen Trainingsreiz für alle Muskeln welche das Klettern in Anspruch nimmt.

Donnerstag, 28. November 2024

2*(Ski+Bloc) + Epilog

Nach einem kurzen (W)intermezzo im September ist der Schnee nun im November erneut gekommen, dieses Mal mit einer Dicke von 30cm bis in die tiefsten Flachland-Lagen. Das ergab drei schöne Tüürli in der nahen Umgebung. Dass diese nicht zu viele Höhenmeter aufweisen, gereichte nur zu meinem Vorteil. Denn mit zwei back-to-back Boulderevents am Freitag- und Samstagabend war das Programm ja eh schon reichhaltig gefüllt. Aber deswegen den Schnee einfach Schnee sein zu lassen wäre dann doch jammerschade gewesen.

Tag 1

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag schneite es ausgiebig, am Freitagvormittag gab es dann ein paar schöne Aufhellungen. Also durfte es wieder einmal der Standard-Aufstieg zum Bachtel sein, wo ich seit über 30 Jahren bei (fast) jeder passenden Gelegenheit meine Spur ziehe. Es ist übrigens schon deutlich merkbar, wie viel Popularität das Skitourengehen erlangt hat. Gab es vor Jahrzehnten noch wenig bis keine Konkurrenz um die schönsten Lines, so war ich jetzt selbst direkt nach dem Schneefall um 8 Uhr morgens nicht einmal mehr für die Spurarbeit zuständig. Wie sich am Gipfel zeigte, waren es zwei alte Bekannte von mir, welche den Job übernommen hatten. Ich wünschte ihnen eine gute Abfahrt, besuchte noch den Turm und fuhr dann auf meiner "Geheimlinie" ab, welche nochmals etwas Wiederaufstieg erfordert. Erstaunt war ich dann, als ich am Parkplatz nochmals meine beiden Jahrgänger antraf. Wegen der Kälte hatte der Funkschlüssel seinen Dienst quittiert - ich kann allen nur empfehlen, sich einmal damit zu beschäftigen, wie man in diesem Fall die Karre öffnet und sie trotzdem zum Fahren bringt. Bis die beiden das vor Ort ausgetüftelt hatten, war eine satte Dreiviertelstunde verstrichen.

Fantastische Stimmung auf dem Weg zum Bachtel am Freitagmorgen.

Mein nächster Programmpunkt bestand aus dem Arbeitstag, welcher hier nicht näher beschrieben werden muss. In freudiger Erwartung machte ich mich dann auf zum Boulderbingo im Griffig. Ein sattes Programm von 50 frischen Bouldern hatten sie uns da an die Wand geschraubt. Das Ganze läuft unter Boulderplausch und nicht unter Wettkampf. Einen gewissen Anreiz, möglichst viele Boulder zu toppen gibt es aber dennoch. Die Bingokarte weist nämlich fünf 9er-Felder auf. Um die Gewinnchancen zu maximieren, mussten also mindestens 45 Probleme erfolgreich gelöst werden. Mir lief es wie geschmiert, sogar in der "Spezialdisziplin" des Alpinkletter-Grufties, den Koordinationsbouldern war ich erfolgreich. Vielleicht war es ja das ausgiebige Aufwärmen am Vormittag gewesen oder der Skischwung half für den richtigen Dreh beim Jump & Swing?!? Jedenfalls konnte ich die mir gesetzte Vorgabe erfüllen und selbst bei den wenigen verbleibenden Bouldern erkannte ich noch die Aussichten auf Erfolg, wenn noch mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Vernünftigerweise gab ich dann dem Spiel statt weiterer vertikaler Aktivität den Vorzug. Wobei mir das Spielglück leider überhaupt nicht hold war und der angepeilte Hauptpreis mit der Bouldermatte in andere Hände wanderte. Mit einer Packung Chalk und trotzdem viel Freude im Herzen machte ich mich auf den Heimweg.

Tag 2

Am Bingo wurde es zwar spät, aber für den Samstagvormittag war Wintermärchen angekündigt. Toller Sonnenschein und Pulverschnee bis ans Ufer vom Zürisee. Solche Gelegenheiten kommen nur alle 5-10 Jahre und in Zukunft womöglich noch seltener. Also konnte ich diese Möglichkeit natürlich nicht im Bett verschlafen, sondern machte mich auf die Socken. Das Pflichtenheft für die Tour bestand aus einem Start "ganz unten" und einem schönen Hang mit geeignetem Skigelände. Dieser ward mit Startort Maseltrangen und dem Gipfel der Steinegg identifiziert. Im 2002 war ich das letzte Mal mit den Ski (auf leicht anderer Route) zu diesem Kulminationspunkt unterwegs. Wunderschöne Stimmungen und toller Schnee versüssten den Ausflug. Dass es nur 800hm waren, störte mich keineswegs - denn noch etwas Pfupf für den Abend aufzusparen gehörte sich eh. Und sowieso bin ich - auch wenn hin und wieder eine anstrengend-lange Tour lässig ist - zum Glück nie in den Groove gekommen, den Wert einer Skitour in der Anzahl der Aufstiegshöhenmeter zu messen. Daheim reichte es dann noch, um relaxt die Speicher wieder aufzufüllen und die Beine etwas hochzulagern.

Dass es von ganz unten richtig gut geht in der Linthebene ist mittlerweile ein sehr seltenes Ereignis.
Aber wie man sieht: absolut genialer Schnee, tolle Hänge und keine Spuren. Take your chances!

Das Samstagabendprogramm wurde durch den 3er-Teamwettkampf im Quergang markiert. Hier war ich bereits 2021, 2022 und 2023 am Start. Bei den ersten beiden Austragungen jeweils mit Kathrin und Larina, bis sich letztere im 2023 entschloss, lieber mit ihren fitten Freundinnen aus dem Team als mit den Eltern teilzunehmen. Für die diesjährige Austragung konnten wir aber eine richtige Trumpfkarte in unser Blatt integrieren. Sie bestand aus dem eben 9 Jahre alt gewordenen Bartek, ein absolutes Versprechen für die Zukunft und die derzeit wohl stärkste Nachwuchskraft der Altersstufe U10 in der Schweiz (natürlich haben wir mit seinem Management gleich einen 10-Jahresvertrag abgeschlossen 😁 ).  Trotzdem, gegen die drei U16-Girls (Hannah, Julia, Larina) würden wir wohl einen schweren Stand haben. Aber sowieso galt es, sich erst einmal für den Final in Stellung zu bringen. 29 Probleme standen auf dem Qualiprogramm. Trotz schon etwas Ermüdung in den Knochen lief es mir erneut prima. Selbst die beiden Koordo-Boulder waren ausreichend gutmütig und bei einem Tricky-Move half noch das Reibungsvermögen und die Spannweite mit. So waren bald einmal 26 Tops notiert und mit einem beruhigten Lächeln auf den Stockzähnen konnte den Girls die aufdringlich-nervige Frage gestellt werden "wie viel Tops händ ihr scho?". Die Antwort lassen wir an dieser Stelle offen, jedenfalls qualifizierte sich ihr Team Hokus Pokus Herkulis auf Rang 1 vor unserem Trio Erfahrung und Talent für die Finalrunde. 

Hokus Pokus Herkulis in Aktion (man musste die Boulder nicht simultan klettern 😄).
Links ein funny Shot vom Autor, welcher gerade den Swingjump landet. Der zweite Teil der dynamischen Koordination (rechtes Bild) liess sich für einen alten Felshasen mit gefühlvollem Antreten auf Reibung, schön auf die Hüfte schieben und einer Prise Reichweite auch statisch nach dem Motto "1000x im Rätikon geübt" lösen (und ähm, im Rätikon-Runout gilt das Motto dann umgekehrt). Die finale und entscheidende Crux bei diesem Boulder war jedoch das Top zu matchen, trickreich und mit erspüren der korrekten Body Position.

Auch im Final mussten wir den Girls dann den Vortritt lassen. Natürlich wollten sich die Schrauber nicht mit einem Beta Break düpieren lassen und schraubten die Griffe im Koordinationsboulder ganz sicher ausserhalb jeder vernünftigen Reichweite an. Die absolut verrückte Geschichte ist nun aber die, dass Larina genau diesen zwar offensichtlichen, aber "unmöglichen" Beta Break doch hinkriegte. Mir gelang es aber trotz gut 20cm mehr Spannweite nicht, denn ich konnte nicht genügend gleichzeitige Freiheitsgrade in Hüfte, Wirbelsäule und Schultern an den Tag legen, so dass der Spreiz-Twist-and-Reach-Move im Bereich des Machbaren gelangt wäre (siehe Foto unten). Tja, so kommt die Revanche für die aufdringlichen Fragen dann manchmal schneller, als es einem lieb ist. Jedenfalls, wieder etwas erkannt, woran gearbeitet werden kann. Doch ob die alten Knochen noch einmal schön gummig und geschmeidig werden?!? Man darf es bezweifeln... Nicht bezweifelt werden darf jedoch, dass dies ein absolut toller, spassiger und gelungener Abend war. Viva la vida!

Das ist der im Text oberhalb angesprochene Finalboulder. Eigentlich ein dynamischer Koordo-Boulder, aber man kann's ja mal mit einer statischen Beta versuchen. Doch selbst mit meiner Spannweite war es nicht möglich, beim Abstützen mit rechts an der Wand den Griff links zu erhaschen. Larina hat es mit Lösen der rechten Hand geschafft, was für mich (und weitere Aspirant:innen) absolut unmöglich war. Die rechte Wand ist unbeschichtetes, flitzeglattes Holz, so mit Druck auf dem Fuss Hüfte, Wirbelsäule und Schultern zu drehen: unmöglich. Danach folgte noch böses Leistengeballere, von Mrs. Trickkiste gekonnt mit einem akrobatischen Toehook entschärft. Ich kann euch sagen, da fühlt sich jeder Rätikon-Runout gegen diese Position geradezu harmlos an 🙄😁
Team Erfahrung und Talent. Die Leser wissen bestimmt, wo erstere und zweiteres zu finden ist 😎.

Epilog

Nach dem Teamwettkampf wurde es noch später, immerhin war am Folgetag kein frühes Aufstehen angezeigt. Denn 48h nach dem frischen Schneefall und 24h nach dem Wintermärchen war am Sonntag nur noch Resteverwertung angezeigt. Mit einem gemütlichen Frühstück intus war Larina mit von der Partie, um sich die Beine ein wenig zu vertreten und das doch leidlich sonnige Wetter zu geniessen. Nochmals auf den Bachtel mit den Tourenski sollte es gehen, dieses Mal jedoch auf einer anderen Route auf dessen Rückseite. Lässig war es und nachdem der Schnee bereits im Aufstieg die Konsistenz von Kartoffelstock hatte, konnten wir einen gemütlichen Vesper in der Beiz nehmen und auf die Geschehnisse der vergangenen beiden Tage Rückschau halten. Die einzige Gefahr bestand nur fast darin, dass der Schnee während unserer Mittagsrast bereits schon weggeschmolzen wäre. Ganz so schlimm war es zum Glück doch nicht, einige schöne Kurven später war dieses zweite (W)intermezzo der Saison 24/25 dann aber doch Geschichte.