An die Planggwand oder sogar noch genauer in die Silence wollte ich in der grauen Vorzeit der frühen 1990er-Jahre bereits einmal gehen. Doch kurz davor kamen wir vom Vorhaben ab und seit damals habe ich stets einen Bogen um dieses Gemäuer gemacht. Doch einerseits wurden die existierenden Routen um 2014/2015 saniert, noch viel wesentlicher war aber der Beitrag von Daniel Benz, welcher im Verlauf der letzten Monate einige Neutouren hinterlassen hat - sei es in Form von Verlängerungen der bisherigen, meist nur 3 SL umfassenden Routen, sei es in gänzlich neuen Unternehmen. Zum Abschluss seiner Planggwand-Erschliessungstätigkeit konnte ich mit dabei sei für das Punkten der verlängerten Silence und noch etwas Sportkletterei im oberen Wandteil.
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| Sicht auf die Planggwand vom Nauskopf, die Silence verläuft im hier sichtbaren Wandbereich. |
Wir fuhren ab Sargans mit dem E-Bike bis zum Auto-Parkplatz bei P.731, dann weiter auf dem Rheintal-Höhenweg bis Maienberg P.955, wo man sich scharf links hält und via Naus im Sattel noch bis zum Sattel auf ca. 1025m kommt. Ab dort steigt man noch kurz zum Einstieg ab (tw. Fixseile vorhanden). Für E-Biker ist dies der beste und schnellste Weg, wer zu Fuss ab P.731 geht, erreicht die Wand am schnellsten via Unter Nuntlisboden von SE her. Wir rüsteten uns für die Kletterei und packten zwei Rucksäcke. Die vollständige RP-Begehung der neuen Silence war zwar unser erstes Vorhaben, das vorrangige Ziel bestand aber im Sportklettern am Abschlusswulst, dafür führten wir alles Nötige und Wünschenswerte für einen angenehmen Nachmittag mit.
| Die Anschrift am Einstieg hat auch noch etwas neue Farbe erhalten. |
L1, 30m, 5c+: Wie der Anblick der Wand schon vermuten lässt, es handelt sich um eine plattige Angelegenheit in eher etwas glattem Fels. Es stehen zwar durchaus immer wieder Löcher und Schlitze zur Verfügung, aber antreten heisst es immer wieder einmal auf dem Tanzparkett und so stellt dieser Abschnitt durchaus einige Anforderungen. Unten eher mehr als oben, es lässt mit der Zeit etwas nach.
| Los geht's in plattigem Gelände, etwas zwischen dem Grünzeug durch in L1 (5c+). |
L2, 45m, 6a+: Dieser Abschnitt zeigt einen ziemlich gewundenen Verlauf, so dass das Verlängern der Sicherungen hilfreich ist. Geklettert wird über weite Strecken an Seitgriffschlitzen, angetreten hingegen oft recht strukturlos. So ist trotz liegendem Gelände eine gewisse Athletik gefragt und es wird nicht einfach so durchmarschiert. Wobei der Schwierigkeitsgrad auch der Interpretation bedarf... der stammt vom Plattenspezialist T. Wälti aus dem Jahr 1993, das ist nicht unbedingt dieselbe Valuta wie die 2026 gängigen Plaisirgrade. Gehen tut's aber schon, eine Bemerkung ist aber noch zur Crux nötig: der neue BH von der Sanierung steckt ca. 1m tiefer als der alte Kronen-BH (der zum Glück belassen wurde). Den schwierigsten Gegendruck-Move macht man, wenn die Füsse ungefähr auf Höhe des alten Hakens sind... wenn man nur den nocht tiefer liegenden sanierten klippt, ist durchaus Mut und Können nötig.
| Die Schlüsselstelle von Silence in L2 (6a+) an einer dünnen Gegendruckschuppe. |
L3, 20m, 6a: In einer Schleife rechtsherum gewinnt man in leidlich strukturiertem Gelände an Höhe. Mir ging es gut auf, aber vermutlich kann man sich das je nach Linienwahl doch einiges schwieriger machen, als es ist. Zuletzt mit einem Runout zum Stand in relativ leichtem Gelände, gemessen am Rest "fehlt" da aber ein BH.
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| Daniel folgt in L3 (6a), von seiner Position bis zum Stand gibt es keinen BH mehr. |
L4, 20m, 6b: Vor dem Abschlusswulst endet die Silence, aber Daniel hat bemerkt, dass man hier doch im 6b-Terrain über den Überhang hinwegkommt und zwei zusätzliche SL bis zum Ende der Wand hinzugefügt, welche genau genommen unter dem Namen Silencium laufen. Man quert ein paar Meter nach rechts, dann folgt ein weiter Zug von Untergriff zu Henkel, diesen wieder aufzulösen fordert auch nochmals. Über eine mit den nötigen Strukturen gespickte Platte geht's weiter, erst an deren Ende wartet dann eine feine Linksquerung mit der Crux. Das Hochkommen ist dank optimal platziertem BH hier kein Thema, die freie Passage hingegen... sagen wir es so, obwohl erst 2026 erschlossen, schien es mir, dass die 6b eher noch in der 1990er-Währung gehalten ist - was der Konsistenz wegen vielleicht auch Sinn macht.
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| Am Dach in L5 (6b) heisst es Zupacken, die Crux folgt aber für mich erst später mit einer Plattenstelle. |
L5, 15m, 5b: Eine kurze, griffige Stufe führt vom Absatz mit dem Stand weg auf die Abschlussplatte. Diese Anlage empfiehlt auch das Beziehen des (Zwichen-)Standes vor dieser Seillänge, vom Stand nach L3 und ohne Sichtkontakt kann man den Vorsteiger in dieser Stufe nicht adäquat vor einem Sturz auf das Band sichern.
| Blick beim Abseilen auf die letzten Meter der Route in L5 (5b). |
Die Standplätze sind alle zum Abseilen eingerichtet, je nach Länge der mitgeführten Seile muss man unterschiedlich viele davon nutzen. Wir gingen nur eine Etage tiefer auf Höhe des früheren Endes von Silence und Manonegra. Ein leidlich bequemes Band ermöglicht hier den Aufenthalt für eine Sportkletter-Session am Abschlusswulst. Im Gegensatz zum sonst plattigen Gelände in dieser Wand heisst es da kräftig riegeln. Die Steilzone misst jeweils maximal 10m, fordert aber doch die Maximalkraft und eine Portion Ausdauer. Bis unsere Session rum war, hatte Daniel alle erreichbaren Routen in den Graden 7c, 7b+, 7c, 7c+ (teils doppelt) durchgestiegen. Meine Ausbeute an roten Punkten war hingegen gleich null... vielleicht lag's am 100%-Effort vom Zigerschwitz vom Vortag, der noch in den Knochen steckte. Vielleicht an meinen generell limitierten Fähigkeiten oder vielleicht sind auch die Routen einfach taff - eine zuverlässige Aussage dazu kann ich nicht wirklich machen, ausser dass ich gar nichts stilrein durchstiegen habe.
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| Auf dem Heimweg, die Herausforderung der neuen, schwierigen Plattenseillängen lässt sich erahnen. |
Lässig war es natürlich trotzdem. Ob ich zurückkommen werde, um diese Aufgaben noch zu erledigen?!? Wie immer wird es die Zeit zeigen. Eine Tour wie der Schlafwandler (5 SL, 7b+) würde einen trotz der relativen Kürze ganz gut beschäftigen können und stelle komplexe Anforderungen an Technik, Physis und Psyche. Von daher kriegt man auch an der überschaubaren Planggwand das volle Programm, und dies auch noch fast das ganze Jahr über. Die Argumente sind also ganz klar vorhanden. Nun braucht es nur noch motivierte Partner für das andere Ende vom Seil...
Facts
Gonzen / Planggwand - Silence 6b (6a obl.) - 5 SL, 130m - T. Wälti 1993, D. Benz 2026 - **;xxxx
Material: mind. 1x80m oder 2x50m-Seil, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig
Kurze, aber interessante, plattig orientierte Kletterei, welche mit der Verlängerung um zwei neue Längen im 2026 an Attraktivität gewonnen hat. Teilweise spriesst etwas Botanik aus dem Fels, was jedoch ausserhalb der Vegetationszeit nicht sonderlich stört. Die Kletterei umgeht diese Zonen weitgehend und spielt sich in kompaktem Fels von guter Qualität ab. Abseits von griffigen Löchern und Schuppen ist dieser oft nicht üppig strukturiert, was immer wieder zum Nachdenken anregt. Die Absicherung mit seit der Sanierung 2014 rostfreien BH ist gut. Die Bolts stecken nicht übermässig dicht, es gibt aber auch keine bedenklich weiten Hakenabstände, eine Einstufung im Grenzbereich von xxx bis xxxx scheint am besten passend. Das aktuellste gedruckte Topo vom Gebiet findet sich im SAC-Kletterführer St. Galler Oberland von Thomas Wälti. Hier das Update nach Daniels Erschliessungen im 2025/2026 zum Download als PDF, unten auch als Bild.
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| Das aufdatierte Topo von der Planggwand, auch als PDF zum Download erhältlich. |





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