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Montag, 4. Mai 2026

Skitouren für Spätaufsteher

Es ist nicht so, dass ich der geborene Langschläfer bin. Doch regelmässige Nachtruhe ist wichtig, und genügend Erholung auch. Insbesondere die Sportklettersessions fordern nämlich ihren Tribut. Auch wenn man dabei keine übermässigen Distanzen oder Höhenmeter zurücklegt, so fordert man doch 100% von seinem Körper ab. Und so schadet eine sonntägliche Zusatzstunde in der Horizontalen ganz und gar nicht. Jedenfalls: ich erhob mich um 8 Uhr aus dem Bett und wollte trotzdem noch ein schönes Recovery-Tüürli in sulzigem Schnee machen. Meine Pläne spielten sich im Klöntal ab. Nach dem Zmorge mit der Familie wurde das Material verladen und Nägel mit Köpfen gemacht.

Auf dem Weg dem Schnee entgegen: hinein ins schon frühlingshafte Rossmatter Tal.

Meine Tour startete um 10.15 Uhr beim Fahrverbot in Klöntal Plätz. Mit dem Schneetaxi ging es zügig hinauf nach Wärben (1385m), wo ich den Blinker stellte und den steilen Karrweg Richtung Zeinenstafel einschlug. Dieser Abschnitt mit grobem, losem Schotter ist an der Grenze der Fahrbarkeit und bei der Kehre auf 1450m war sowieso Schluss, ein Schneefeld belagerte das Trassee. Um 10.50 Uhr mogelte ich mich erst zu Fuss weiter, da ich um die nächste Ecke wieder aperes Gelände befürchtete. Das manifestierte sich genau so. Erst beim Zeinenstafel (1568m) kamen die Bretter an die Füsse, von da weg ging es dann aber durchgehend. Wobei man sagen muss: 118hm Fussmarsch sind kein Drama.

Bikedepot: dagegen ist auch mit dem Boost-Modus am E-Bike kein Kraut gewachsen.

Die Route hinauf zur Zeinenmatt war mir von der Tour auf den Hinter Gassenstock noch bestens bekannt. Und genau bei diesem Anlass hatte ich die tollen NW-Hänge am Munggenchöpfli vorbei als lohnendes Skigelände in meinen Hirnwindungen abgespeichert. Gut, das Abspeichern ist das eine, aber die Erinnerung im richtigen Moment wieder in den Kortex zu laden das andere. Hier war es mir gelungen und ich fellte bei besten Bedingungen hinauf. Im oberen Teil steilt sich das Gelände auf bis zu 40 Grad auf und stellte mit der glatten, harten Schneedecke eine gewaltige Rutschbahn dar - Harscheisen waren unabdingbar. Um 12.15 Uhr erreichte ich das Top der Rinne auf ca. 2180m. Für Fernsicht ist man da zu tief, aber die Nahblicke zur Zeinenfurggel, den Gassenstöcken und dem Bös Fulen sind nicht zu verachten.

Tolle Tourenverhältnisse in der Nähe von daheim gesucht und sie gefunden!

Nach einer kurzen Pause schnallte ich die Bretter an die Füsse. Der Zeitpunkt war genau richtig, die steilen Hänge gerade mit "al dente"-Sulz präpariert. Wie im Rausch ging's retour in die Zeinenmatt, auch die folgenden Hänge retour zum Zeinenstafel boten mehr von dem, weswegen ich gekommen war. Dann wurden die Bretter für einen kurzen Marsch geschultert, später dann auf's Bike verladen und zu Tale gebracht. Um 13.15 Uhr war ich wieder auf dem Weg nach Hause, der Plan hatte sich so materialisiert, wie ich mir das vorgestellt hatte - perfekt!

Der Bös Fulen und die Gassenstöcke, gut sichtbar meine Route zum Hinter Gassenstock von 2025.

Disclaimer: dieser Beitrag soll nicht dazu verleiten, im Frühjahr spät auf Skitouren aufzubrechen. Ein rechtzeitiger Start und eine frühe Rückkehr sind essenziell. Hier, an diesem steilen NW-Hang relativ nahe bei mir daheim ging sich die Tour ausnahmsweise ohne frühes Aufstehen aus. Ich hatte jedoch einen genauen Zeitplan, welche ich strikte einhalten konnte. Zudem war die Situation aussergewöhnlich günstig: nach einer langen Schönwetterperiode herrschte Warnstufe 1 und die Gefahr von nassen Lawinen war ebenfalls nicht sehr akut.