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Dienstag, 20. März 2018

Rubihorn - Rubi Love (M7, 11 SL, Erstbegehung)

Meine erste Bekanntschaft mit dem Rubihorn war von der eher ruppigen Sorte. In der Ruby Tuesday wurde ich aufgrund von einem Bohrhakenausbruch (!) abgeworfen. Mit etwas auf die Zähne beissen konnten wir die Route damals komplettieren. Auf dem Heimweg stiegen wir schliesslich, meinereiner mit ein paar Schrammen und einem verstauchten Fuss, übers Geröllfeld am Wandfuss ab. Die Blessur war Grund genug, um hin und wieder stehen zu bleiben und den Blick in die Wand schweifen zu lassen. Welchen Blick?!? Natürlich den Erstbegehungs-Röntgenblick, der die Rubihorn Nordwand nach lockenden, logischen und machbaren Linien abscannte. Und tatsächlich, da war etwas! Mein Seilpartner Tobias, seinereiner bereits ein richtiger Rubihorn-Aficionado, war von der Idee gleichermassen begeistert. So wurden Pläne geschmiedet, 4 Wochen später im Januar 2014 ging's nach den Studium von vielen Wandbildern und dem Einzeichnen potenzieller Routenverläufe dann gemeinsam los. Fast auf den Tag genau 4 Jahre nach dem ersten Angriff konnten wir die Route, von A-Z ein Gemeinschaftsprojekt, im Januar 2018 vollenden.

Rubi Love! Ja, es ist eine imposante Wand und ein tolles Klettergebiet - und das Einrichten hat sehr viel Spass gemacht!

Wandbild mit Routenverlauf, eine imposante Sache mit ca. 300hm von Ein- zu Ausstieg.
Der Zustieg zur Rubihorn Nordwand beginnt in Reichenbach bei Oberstdorf (ca. 860m) in den Allgäuer Bergen. Das tönt nach einer fernen Destination, jedoch sind's von Zürich Nord/Ost weniger als 2 Fahrstunden, also gar nicht so extrem weit weg. Der Anmarsch umfasst nur gut 550hm und ist bei guten Verhältnissen in einer Stunde erledigt. Bis kurz vor der Gaisalpe (Gasthof, 1150m) kann man die als Schlittelbahn geräumte Fahrstrasse benützen, dann geht's bis nach der oberen Richteralpe (1200m) bequem dahin, erst der der letzte Abschnitt zum Wandfuss und Einstieg (ca. 1420m) hinauf ist dann steiler. Bei sehr wenig Schnee tritt ein mühseliges Geröllfeld zu Tage, bei weichem, tiefem Schnee ist viel Kondition erforderlich. Bei guten Bedingungen jedoch (und nur dann sollte man die Rubi Love angehen!) wird hingegen meist gespurt sein, die klassische Rubihorn Nordwand (M4) ist eine regional sehr begehrte und beliebte Tour. So wird man für den Zustieg in aller Regel auf Hilfsmittel wie Schneeschuhe oder Ski verzichten können. Der Einstieg in die Rubi Love am Fuss einer markanten Schlucht dürfte kaum zu verfehlen sein. Darüber hinaus ist er mit Schlaghaken, Seilstück und einem Herz markiert. Rollen wir nun Geschehnisse und Erlebnisse mit den einzelnen Seillängen auf:

Am Einstieg gibt's einen bequemen und sicheren Platz. Neu mit einigen Schlaghaken auch als Garderobe ausgestattet ;-)

Hier geht's los! Hinein in die Gedärme vom Berg, nahezu wie an der Civetta - Ambiente total.
L1, 40m, M3: Bei sehr üppiger Schneelage wird man noch weit auf der weissen Unterlage in die Schlucht hinaufsteigen können (45 Grad). Meist sind jedoch gleich zu Beginn zwei klemmblockartige Aufschwünge zu meistern (M3). Am Ende der Schneepassage trifft man dann auf die Felsen. Der Stand befindet sich einige felsige Meter (M3) höher. Man mag befinden, dass dieser unbequem sei und sich an einem unlogischen Ort befinde - dafür ist er durch einen Überhang geschützt. Für Kletterer mit einer harten Schädeldecke liesse sich hingegen auch am Ende des Schneefelds (BH, NH) Stand beziehen.

Noch im Morgengrauen unterwegs in L1 (M3) an unserem dritten Bohrtag. Der Sack drückt sehr schwer auf die Schultern!
L2, 35m, M4+: Nach dem Stand klettert man links am "Hookup Crack" (M4). Dieser ist clean geblieben, nimmt jedoch Cams willig auf. Im zweiten Teil dieser Seillänge gilt es dann 2x, in etwas glatte, v-förmige Verschneidungen zu steigen (M4+, je 1 BH). Beim Felsklettern würde man sich ob den Grasbüscheln im Grund der Verschneidungen stören, hier sind sie eine willkommene Hilfe (bitte pfleglich behandeln!). Zuletzt geht's dann nach rechts hinaus (BH) und hinauf (M3+) in die "Love Cave", die Nische unter der nächsten Wandstufe.

Vorstieg am clean belassenen 'Hook-up Crack' in L2 (M4+) am zweiten Bohrtag.

Yours Truly in der Love Cave am Ende von L2 (M4+). Die Fortsetzung mit der M7-Stelle direkt ob dem Kletterer.
L3, 35m, M7 oder M5+ A0: In der Love Cave verweilt man aus naheliegenden Gründen gerne noch ein wenig länger... nein, nicht wegen dem, was ihr meint. Sondern, weil die nächsten Meter gleich richtig schwierig zu klettern sind. Leicht überhängend geht's zur Sache, der Riss hat leider Offwidth-Breite und der Ausstieg ins flachere Gelände darob ist nicht allzu strukturiert. Wir schätzen diese Passage auf M7 (oder A0 an 2 BH). Auch die folgenden Meter sind nicht einfach (M5+) und erfordern quasi zwingend den Camalot 3. Schlauerweise hatten wir diesen zur Gewichtsersparnis am zweiten Bohrtag daheim gelassen. Mit Schwitzen, Stöhnen und Fluchen ging's dann doch. Nach einem dritten BH kommt man in etwas einfacheres Gelände, welches schliesslich zu einem Abschlussriegel (M4+, BH) führt. Vor allem der Ausstieg auf Schneefeld darob ist tricky, dieses führt einen dafür dann einfach (40 Grad) zum Stand vor der nächsten Wandstufe.

Nach dem schwierigen, felsigen Auftakt in L3 (M7) wartet am Ende noch eine 40 Grad steile Schneepassage...

...der Ausstieg von der leicht überhängenden Wandstufe aufs Schneefeld ist jedoch wegen den plattigen Felsen knifflig.
L4, 40m, M6: Hier wartet zuerst so richtig typische Rubihorn-Kletterei an mit Grasmutten gespicktem Fels, wo man ideal seine Eisgeräte zum Einsatz bringen kann. Vorerst klettert man rechts an und in der Verschneidung (2 BH, M4+). Nach dem zweiten Bolt quert man aber nach links hinaus auf die dort mehr geneigte Wandpartie (2 BH, M4) und quert schliesslich nach rechts zurück (BH, M4). Hier passierte es mir beim Einrichten tatsächlich, dass sich die Exe unglücklich am Bolt verdrehte. Als ich dann das Seil ein wenig schüttelte, um die Exe wieder freizukriegen, so war sie schwupps ausgehängt. So stand ich nun in ungemütlicher Situation weit über dem vorletzten Haken - an sich eine ziemlich prekäre Situation. Jedoch nicht unbedingt beim Einrichten, wo mit dem Revolver am Gurt wieder für Sicherheit gesorgt werden kann. Der finale Abschnitt dieser Länge wird dann steiler und felsiger (3 BH) und wartet mit einer kniffligen Stelle (M6) mit bescheidenen Hooks auf. Zuletzt dann gerade hinauf zum Stand unter dem grossen Dach.

Auftakt in L4 (M6). Zähes Gelände mit plattigem Fels, hier ist man um jeden Grasbüschel froh!

Rückblick auf die finale Crux in L4 (M6). Es ist steil hier und so richtig gute Hooks (oder Griffe) fehlen.
L5, 25m, M4: Das grosse Dach haben wir "Brush-off Roof" getauft, denn hier haben wir tatsächlich einen Korb kassiert. Zwar war es nie der Plan, es direkt zu überwinden. Aber all die farbigen Linien, welche wir zuhause auf die Wandfotos aufgemalt hatten, führten an dieser Stelle nach rechts. Vor Ort war jedoch sofort ersichtlich, dass die dort zu überwindende Wandstufe sehr kompakt, geschlossen und glatt war, daher eine schlechte Option. Worin liegt also die Alternative? Tja dann wohl im "Seitensprung". Mit einem Quergang (2 BH, M4) geht's über eine felsige Stufe nach links hinaus, danach bald einfacher an Grasmutten diagonal hoch. Man trifft schliesslich auf die Linie vom Osterspaziergang (BH), dessen Stand (links an überhängender Wandpartie) man hier idealerweise mitbenutzt.

Stimmungsbild vom Quergang zu Beginn von L5 (M4). Im Vordergrund das durchschnittliche Eisvorkommen der Route ;-)

Auf der finalen Grasrampe in L5 (M4), welche nach links zu einem Stand vom Osterspaziergang führt.
L6, 30m, M5-: Was macht man als Lover nach dem Seitensprung? Genau, man geht nach Hause und legt sich ins "Bed of Roses". Genau so läuft's auch am Rubihorn. Vom Stand auf der Linie des Osterspaziergangs etwas rechtshaltend (BH) und hinauf (weiterer BH, kurz M4- und einfacher), um diesen schliesslich zu verlassen und auf das 1m breite und problemlose Latschenband (eben das "Bed of Roses") zu steigen, welches bequem und problemlos an sein rechtes Ende zu queren ist. Hier klettert man wieder im Fels (BH) und schliesslich athletisch an einer Art Graszapfen hinauf (M5-) zum luftigen Stand auf einer kleinen Kanzel.

Alpine Ambiance beim Rückblick auf L6 (M5-). Deutlich sichtbar das schneeige Latschenband genannt 'Bed of Roses'.

Die finale Felspassage in L6 (M5-) bietet die Crux, der Stand auf der Felskanzel extrem luftig.
L7, 50m, M7 oder M5+ A0: Gleich vom Stand weg folgt ein weiteres Pièce de Resistance der Route, nämlich der "Black Dancefloor". Bis hinein in die grosse, offensichtlich gut kletterbare Verschneidung sind es zwar nur wenige Meter, jedoch ist die schwarze Platte (3 BH) einfach grausam glatt, es herrscht hohe Schleudergefahr! Wer hier direkt über die Haken klettert sieht sich mit einer Passage konfrontiert, die gut im siebten Mixedgrad anzusiedeln sein dürfte. Am einfachsten ginge es (genau wie im Hinterstoisser-Quergang am Eiger) sicher, wenn eine solide Schnee- oder Eisschicht auf der Platte angefroren wäre. Doch wann und wie oft ist das der Fall?!? Das sind vermutlich sehr, sehr seltene Gelegenheiten. Die einfachste Freikletterlinie führt womöglich vom Stand weit absteigend in die Verschneidung - etwas umständlich, so dass wir dies nicht wirklich in Erwägung gezogen haben. Wer seine Begehung als Freikletterei verkauft, sollte aber so ehrlich sein und klar sagen, ob er den Black Dancefloor über die Haken geklettert oder umgangen hat. Nach dieser Schlüsselstelle geht's dann etwas leichter dahin (2 BH, M4+), bis zur Passage "Scherben bringen Glück". Hier quert man knapp unterhalb von einem Wandausbruch, wo viel brüchiges Gestein zurückblieb nach rechts (tief bleiben empfehlenswert!). Bei der ersten Gelegenheit jedoch wieder hinauf und auf einer Rampe, entlang einer schwach ausgeprägten Verschneidung in typischer Rubihorn-Kletterei (felsig mit Grasmutten gespickt) hinauf (3 BH, M4) zu Stand. An dieser Stelle hatte unser zweiter Bohrtag geendet.

Am unteren Bildrand der 'Black Dancefloor', Tobias hingegen bohrt kurz vor 'Scherben bringen Glück' - alles in L7 (M7).

Die finale Rampe in L7 (M7). Auch hier ist man um jeden Grasbüschel dankbar, wo die Haue solide beisst.
An unserem zweiten Bohrtag hatten wir beim Rückzug 20 Bohrhaken fest verzurrt in der Route hängen lassen, es war ja unsere Absicht, möglichst bald wiederzukommen. Schliesslich verging doch beinahe ein Jahr und die drängende Frage war, ob die Bolts denn noch vor Ort wären. Der geneigte Leser mag es vermuten - obwohl der Autor schon viele Routen eingerichtet hat, er hatte bis dato seine Ware immer komplett nach Hause getragen und beim nächsten Mal das Nötige wieder mitgenommen. Wenig effizient zwar, dafür auch frei von Unabwägbarkeiten. So stellte sich im Vorfeld des dritten Bohrtages die Frage, wie viele Bolts wir denn zusätzlich mitführen wollten. Konnten wir noch auf die deponierte Ware zählen? Es zu tun und schliesslich wegen fehlenden Bolts den ganzen Aufwand für nichts getrieben zu haben, das wäre bitter gewesen. Da schien die Mitnahme von zusätzlichem, wenn auch möglicherweise unnötigem Gewicht die bessere Option. Also hievten wir nochmals 24 Haken hinauf - nach Murphy's Law bestimmt auch optimal, um das Schicksal so zu beeinflussen, dass keine der deponierten Haken abhanden gekommen waren. So stellte es sich dann tatsächlich heraus... und weil bis zum Routenende nur noch 16 Bolts zum Einsatz kamen, trugen wir schliesslich sogar 4 der deponierten (und natürlich alle 24 zusätzlich mitgenommenen) Haken wieder nach Hause.

Das Bohrhakendepot... zum Glück waren die guten Stücke ein Jahr später noch vor Ort.

Tobias auf dem 'Black Dancefloor'. Die Platte ist listig glatt und bietet weder den Füssen noch Händen oder Hauen so richtig Widerstand. Meinung der alpinistisch äusserst kompetenten Erstwiederholer: "passt schon, man muss einfach mit den Frontzacken auf Reibung antreten, zum Festhalten braucht's auf einer Platte ja nicht unbedingt viel". Na dann... viel Erfolg!
L8, 35m, M4+: Der Weg ins Ungewisse am dritten Bohrtag startete unscheinbar, jedoch gar nicht so einfach. Die nach dem Start zu kletternde Stufe, wo sich die Verschneidung zu einer abstehenden, fast kaminartigen Schuppe verengt, sieht auf den ersten Blick easy aus. Ein zweites Hinsehen lässt einen dann jedoch den wenig strukturierten Fels erkennen. Und tatsächlich, nachdem ein Cam platziert ist, bin ich auf einmal mittendrin im Geschehen und es gibt nur noch die Flucht nach vorne - da noch den Revolver zur Verteidigung von Leib und Leben zu ziehen war utopisch (M4+). Danach steckt ein BH, es geht einfacher hinauf und schliesslich geht man eine Rechtsquerung auf einem schmalen, exponierten Band an (BH, M4). Über eine letzte, kurze Stufe (BH, M3) erreicht man ein spinnenartiges Schneefeld. Es geht hinauf zu dessen oberem Ende und auf einer Schneerampe (45 Grad) nach links hinauf. Hier (sehr empfehlenswert) die Möglichkeit zu  Zwischenstand an BH und einem kleinen Tannenbaum mit markantem Doppelstamm. Wer seine Sicherungen unten sehr grosszügig verlängert hat, kann sicherlich auch weiterklettern und die nächste Seillänge gleich anhängen.

Die Verschneidung mit der glatten linken Seitenwand zu Beginn von L8 (M4+).

Puh, da war ich ziemlich froh, als ich schliesslich diesen Haken platzieren konnte! Es ist die erste Sicherung in L8 (M4+).
L9, 20m, M3+: Das Ziel in dieser Seillänge ist die bereits erkennbare Nische 20m höher oben. Das Gelände dahin lässt sich bei etwas beliebiger Linienführung an Grasmutten gut beklettern. Unterwegs steckt nur ein einziger BH, dies jedoch genau vor der schwierigsten Stelle.

Graslastige Kletterei in der kurzen, leichtverdaulichen L9 (M3+). Guter Torf kletter sich definitiv besser als schlechtes Eis!

Früh im Zeitplan und damit guter Dinge, dass es am dritten Bohrtag bis hinauf zum Ausstieg reicht!
L10, 35m, M5: Nun gilt's aber nochmals ernst! Auf einem schmalen Band quert man entlang von einem kleinen Dach nach rechts hinaus, dann geht's hinauf zu BH (M4). Es folgt eine steile Passage an Schuppen (M5), welche mit Cams mobil abzusichern ist, zuletzt rammt man seine Geräte so richtig charakteristisch in zwei Grasbüschel und zieht sich aus der Senkrechte in einfacheres Gelände empor. Weiter geht's in ortstypischer Kletterei (BH, M3+) der Nase nach gerade oder vielleicht einen Tick linkshaltend hinauf, ein paar Latschen links und rechts säumen den Weg. Am Fuss einer kompakteren Wandstufe war dann klar, hier braucht's nochmals einen Standplatz.

Blick ins grüne Alpenvorland, den Microcam im Dach und die Querung am Anfang von L10 (M5).

Nach einer kniffligen, mobil zu sichernden Passage wartet zum Schluss von L10 (M5) gängiges Gelände.
L11, 40m, M4+: Die bereits erwähnte Steilstufe lässt sich erstaunlich einfach knacken, indem man ca. 8m nach links quert, direkt geht's (deutlich schwieriger) jedoch auch. Der BH oberhalb jedenfalls ist bereits vom Standplatz aus sichtbar, dort geht es gerade hinauf (zwei weitere BH, Stelle M4+). Schliesslich wird das Gelände weniger steil und verschneit, es geht dem BH-Stand an der letzten Felsstufe entgegen. Wer noch will, kann auch diese 3m überklettern und gelangt zu den Latschen, welche den letzten Verteidigungsgürtel vor dem Grat darstellen. Für diejenigen die wollen, befindet sich dort an etwas unbequemer Stelle eine Abseilschlinge. Wer sich nun noch durch die Latschen hindurchzwängt, erreicht nach 4m den Grat.

Das ist bereits die Passage vom Wandbuch hinauf zum Alternativstand an der Latsche wenig Meter höher oben.

Die allerletzten Meter zum Grat hinauf - ganz oben gibt's jedoch keine Abseilverankerung mehr, man muss retour klettern.
Hat man die Route bis zum Ende geklettert, was uns am dritten Bohrtag gelungen war, so bieten sich für den Rückweg verschiedene Optionen an. Am bequemsten ist es sicher, abseilend in die Tiefe zu gelangen. In 6 teilweise ausgereizten Manövern mit 2x60m-Seilen (Stände 11, 9, 7, 6, 3, 2) erreicht man bequem und in direkter Linie wieder den Wandfuss. Achtung, mit kürzeren Seilen wird die Abseilerei sehr mühsam! Von Stand 6 gelangt man zu Stand 5 wegen dem Quergang nur durch Zurückklettern, Stand 4 ist unter dem grossen Dach nur sehr beschwerlich mit tiefer abseilen und wieder hinaufklettern erreichbar und auch sonst muss das Seil noch 2x zusätzlich umgefädelt werden. Wir raten also ausdrücklich vom Abseilen mit kürzeren Seilen als 2x60m ab! Ein allenfalls nötiger Rückzug ist hingegen von jedem Standplatz aus vernünftig durchführbar. 

Teilweise freihängender, sehr effizienter 60m-Abseiler im zentralen Wandteil, über das 'Brush-Off Roof' hinweg.

Rückkehr in die 'Love Cave'. Nein, das ist nicht etwa Regen oder Angstschweiss, der da tropft. Sondern Spindrift.
Weiter schien es uns problemlos möglich, vom Ausstieg am Grat zu Fuss rückseitig zum unteren Gaisalpsee abzusteigen und von dort via den Wanderweg zurück zur oberen Richteralpe. Allenfalls wird hier die Lawinengefahr zum Thema, wobei bei guten Rubihorn-Kletterbedingungen dann wohl eher doch nicht. Für richtige Alpinisten besteht auch die Möglichkeit, über einfaches Schneegelände mit ein paar Stufen die rund 200hm zum Rubihorn-Gipfel aufzusteigen und von dort über den Normalweg zurück zu gelangen. Der Nachteil beider Fussabstiege ist jedoch, dass man nicht mehr am Einstieg vorbeikommt und dort keine Sachen deponieren kann. Jedenfalls, genau 4 Jahre und 2 Tage nach unserem ersten Angriff hatten wir am 13. Januar 2018 die Rubi Love vollendet. Welche ein grandioses Erlebnis - herzlichen Dank an Tobias für das tolle Teamwork. Hier hatten wir uns von der  Idee über Materialtransport bis zum Vorstieg alles brüderlich geteilt.

Möglicher Weiterweg vom Ausstieg zum Rubihorn Hauptgipfel. Es sind noch gute 200hm bis zum Gipfelkreuz.

Blick in die Allgäuer Berge mit dem bekannten Nebelhorn (2224m) und der rückseitige Abstieg zum unteren Gaisalpsee.

Byebye, ein letzter Blick auf die Wand. Der Einstieg befindet sich vom Kopf des Kletterers linkshaltend in den schneeigen Einschnitt, der Ausstieg ist am (vermeintlich) höchsten Punkt am Grat. Das Einrichten der Rubi Love war ein grandioses Erlebnis!

Facts

Rubihorn Nordwand - Rubi Love M7 oder M6 A0 - 11 SL, 385m - Bailer/Dettling 2018
Material: 2x60m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-3, Steigeisen, Eisgeräte (vorzugsweise mit alten Hauen). Haken, Keile, Eisschrauben und weiteres, exotischeres Sicherungsmaterial nicht nötig.

Typische Voralpen-Nordwandkletterei an einem Gemisch von Fels, gefrorenen Grasbüscheln und einigen Schneepassagen, welche nur in der kalten Jahreszeit mit Steigeisen und Eisgeräten begangen werden kann/soll. Die Route ist auch in perfekten Bedingungen nahezu eisfrei. Diese sind gegeben, falls kompakter, verfestigter Schnee liegt und die Grasbüschel nach einer trocken-kalten Periode solide durchgefroren sind. Keinesfalls bei Tauwetter oder in komplett schneefreien Bedingungen einsteigen. Ebenso bekommt die Kletterei eine völlig neue (Schwierigkeits-)Dimension, wenn die Wand mit Pulverschnee überzogen ist, ebenso dürfte dann das Auffinden der Bohrhaken zur schwierigen Herausforderung werden. Die Felsqualität darf man als grösstenteils gut und solide bezeichnen, dennoch ist eine gewisse Erfahrung alpine Erfahrung im Umgang mit schwierigem Gestein sicherlich hilfreich bzw. notwendig. Auf den Bändern liegt auch allerhand an Schutt, was bei korrekter Schneelage jedoch kein Faktor ist. Trotz allem geht man ein Risiko ein, wenn man hier hinter einer anderen Seilschaft einsteigt! Die Route ist mit rostfreien Bohrhaken gut abgesichert, wobei wir grösstmögliche Sorgfalt angewandt haben, diese in solidem und zuverlässigem Fels zu platzieren. Es sei einem jedoch bewusst, dass in jeder Seillänge zusätzlich Klemmgeräte anzubringen sind und auch einige längere, anspruchsvollere Passagen mobil abzusichern sind, was dort jeweils gut möglich ist. Alles in allem handelt es sich um eine zugängliche, objektiv sichere und gut abgesicherte Linie, welche trotzdem gewisse Ansprüche ans Können stellt und eine wohldosierte Portion an alpinem Abenteuer bietet.

Topo

An dieser Stelle lässt sich das komplette Topo zur Rubi Love in voller Auflösung als PDF downloaden. Weitere Informationen zum Gebiet und den anderen Klettereien in der Rubihorn Nordwand findet man im Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch aus dem Panico-Verlag. Den Bericht von meinem Seilpartner Tobias findet man auf dem Rocksports-Forum.


Donnerstag, 12. Dezember 2013

Rubihorn - Ruby Tuesday (M6) mit Sturz nach BH-Ausbruch

Mit Tobias war ich bisher schon in der Schweiz und allen Nachbarländern exklusive Deutschland unterwegs. Diese letzte Lücke konnte nun geschlossen werden: er berichtete mir von optimalen Verhältnissen am Rubihorn und schlug eine Begehung der 'Ruby Tuesday' (11 SL, M6) vor. Mir war zwar nicht restlos klar, was einen da erwartet. Doch eine Nordwand-Kletterei mit Steigeisen und Eisgeräten tönte auf jeden Fall spannend. Und vielleicht würde es mich ja näher an meinen Traum bringen, die Begehung der Heckmair-Route in der Eiger-Nordwand.

Hinweis: die Route wurde im Januar 2022 von Alban Glaser und Tobias Bailer grundlegend saniert. Für Details zum aktuellen Stand siehe die Kommentare unter dem Beitrag.

Die gewaltige Bastion der Rubihorn-Nordwand im Allgäu, hier soll es hochgehen!
Bevor ich mit dem eigentlichen Tourenbericht beginne, nehme ich aber auf den für viele wohl spannendsten Teil Bezug, den schon im Titel erwähnten Vorfall mit dem BH-Ausbruch. Am Rubihorn ist der Fels durchaus nicht immer bombenfest, doch die in der Tour vorhandenen Bolts sind in der Regel prima platziert, so dass ich sie durchaus als sicher bezeichnen würde. Nun war ich aber in SL 9 (M6) im Vorstieg. Die schwierige Verschneidung mit einer glatten rechten und einer aus losen Blöcken bestehenden linken Seite hatte ich erfolgreich gemeistert. Nun galt es, diese nach links zu verlassen und im zwar leichteren, aber brüchig-plattig-abwärts geschichteten Gelände den Stand zu erreichen. An einem markanten Block befand sich ein weiterer BH zur Zwischensicherung.

Diesen kletterte ich etwas heikel an, auf den verschneiten und glatten Platten stand ich ziemlich eierig auf den Steigeisen und zudem hatte ich auch schon üppig Seilzug. Froh darum, den vermeintlichen Rettungsanker erreicht zu haben, hängte ich die Exe in den Bolt und zögerte keine Sekunde, diese zu ergreifen um das Seil einzuhängen. Gut, solcherlei ist vielleicht sportlich nicht ganz einwandfrei, aber ich hatte bei früherer Gelegenheit auf die harte Tour gelernt, die Ambitionen auch einmal rechtzeitig zurückzustecken. In der bisher unveröffentlichten und undokumentierten Felstour mit dem Namen 'Slippery when wet' hatte ich im Sommer 2012 in prekärer Position und mit Seilzug das Seil sauber einzuhängen versucht. Dabei rutschten mir die Füsse weg, und es folgte ein unkontrollierter 15m-Sturz, der schmerzhaft aber glimpflich ausging.

Ein anderes, einfacheres aber lohnendes Ziel für ein nächstes Mal: der Gaisalpfall (WI3)
Solcherlei wollte ich also vermeiden, griff zur Exe und ging sogleich etwas auf Gegendruck, um ja nicht mit den Füssen wegzurutschen. Dabei passierte es augenblicklich: der Fels zerbarst, etwa 2 Schuhschachteln an Material rund um den und mit dem BH brachen aus. Mich drehte es herum, und mit Blick die Wand hinunter trat ich den Weg in die Tiefe an. Nach etwa 10m kam ich zum Stillstand, die Zwischensicherung darunter hatte glücklicherweise ihren Dienst erfüllt. Ein kurzer Check zeigte eine blutende Wunde an der Hand, einen angeknacksten Fuss und ein paar Prellungen hier und da - definitiv Glück gehabt, dass nix schlimmeres passiert war. Ich bezog improvisierten Stand und liess einmal Tobias nachkommen. So umzudrehen war irgendwie auch eine schlechte Option. Also biss ich auf die Zähne, so dass wir doch noch zum Top gelangten und die Tour würdig abschliessen konnten. Die Stelle mit dem BH-Ausbruch liess sich einige Meter linksherum in kühner Manier auch ohne die nun fehlende Zwischensicherung passieren.

Warum der Ausbruch? Wie beschrieben, der Fels ist am Rubihorn teilweise nur von mässiger Qualität und die Touren lassen sich nur im Winter ohne grösseres Gefahrenmoment begehen. Das Felsmaterial ist zudem ständigen Wechseln von Frost und Auftauen ausgesetzt, was natürlich auch die Verlässlichkeit vom steckenden Hakenmaterial herabsetzen kann. Einen BH-Ausbruch ohne Sturz, nur aufgrund einer blossen Haltebelastung von Hand hätte ich aber ehrlich gesagt dennoch nicht erwartet. Behalten wir doch einfach im Hinterkopf, dass auch Bohrhaken keine 100%-Sicherheit bieten - falls das Leben, sei es beim Abseilen oder in Form einer entscheidenden Zwischensicherung, nur von einem einzigen BH abhängt, dann sollte man entsprechend defensiv agieren.

Zuletzt anstrengende, steile 300hm hoch übers Geröllfeld am Wandfuss...
Tourenbericht

Wir starteten unsere Tour um Schlag 7.00 Uhr beim Parkplatz in Reichenbach, kurz vor Oberstdorf. Für die Leser aus der Schweiz: von Zürich Nord/Ost gelangt man in 1:45 Stunden dahin, braucht also kaum länger als ins Avers und sicher weniger lang als zB nach Kandersteg. Auf gepfadeter Strasse und über den Schluchtweg erreichten wir die Gaisalpe, von wo es über ein unter Umständen mühsames Geröllfeld den Wandfuss zu erreichen gilt. Dank vorhandener Spuren und einer mehr oder weniger soliden Schneedecke war die Sache aber vernünftig gut gangbar, so dass wir um 8.20 Uhr nach rund 700hm Zustieg den Einstieg erreichten. Rasch waren wir aufgerödelt und starteten um 8.45 Uhr gemeinsam mit einer weiteren Seilschaft, die in die 'Horny Rubi' wollte, die Kletterei.

Kurz vor dem Einstieg, welcher in der rechten Bildhälfte ersichtlich ist.
SL 1, M3-4: Erst über die einfache Rampe diagonal nach links hinaus. An deren Ende wartet eine etwas heikle Stelle über einen Wulst hinweg, danach einfach im Schnee zum Stand. Auf dieser Länge gibt es keine Sicherungsmöglichkeit! Ein BH vor der Crux wäre mE Gold wert.

SL 2, 70 Grad: Einzige SL mit Eiskletterei. Dieses ist allerdings zu Beginn sehr dünn und liegt auf plattigen Felsen auf, eine heikle Sache ohne Absicherung. Erst nach 15m wird es etwas dicker, so dass auch die kurzen Schrauben setzbar sind. Danach über ein Schneefeld nach rechts zu Stand, der allerdings unter dem Schnee begraben war. Mit etwas Strecken liess sich aber der erste Zwischen-BH erreichen.

Tobias in der ersten SL, die etwas heikle Crux ohne Sicherung bereits überwunden. Der leichtere Eisschlauch links war leider zu dünn.
SL 3, M5: Je nach Schneelage sind gleich die ersten Meter schwer. Danach abdrängende Rechtsquerung in eine Verschneidung hinein, mit BH und Fix-Hexentric gut abgesichert. Die Passage in der Verschneidung dann selbst abzusichern, mit zuletzt einer etwas heiklen, glatten Stelle. Danach noch etwa 20m in einfacherem Mixed-Gelände ohne Sicherungsmöglichkeit diagonal rechts hoch zum Stand.

SL 4, M6: Der plattige Beginn schüttelt Tobias gleich mal ab, der Purzelsturz ins Schneefeld ist aber harmlos. Nach diesem Auftakt quert man nach rechts in die Verschneidung, welche athletisch und schwer bezwungen werden will. Vor allem der Abschlussmantle hat es in sich - offenbar gibt es hier manchmal einen Eispilz, der die Sache erleichtert... nicht so für uns. Danach in mühsamem, plattigem Bruch ohne Sicherungsmöglichkeit aufwärts, erst kurz vor dem Stand kommt nochmals ein Bolt zur Zwischensicherung.

Eiger-Feeling in SL 5 (M4). Durchaus heikle Kletterei über verschneite, etwas brüchige Platten.
SL 5, M4: Rechts hinaus und diagonal hoch in etwas brüchigem Plattengelände, das aber mit BH gut abgesichert ist.

SL 6, M4+: Bestens abgesicherte Querung nach links und sehr originell an einem Rasenbalkon athletisch traversieren. Danach noch etwas aufwärts im Flaschenhals zum Stand. Dieser ist am Auslass des grossen Kessels extrem dem Steinschlag aus der ganzen oberen Wandhälfte ausgesetzt. Alle anderen Standplätze liegen hingegen gut geschützt unter Überhängen oder Wulsten, hier gibt es einfach keine bessere Alternative.

Felskletterei mit Steigeisen an den Füssen in SL 6 (M4+).
SL 7, M2: Vorwiegend Gehgelände im Schnee, keine Sicherungsmöglichkeit. Der Stand links oben an 1 BH.

SL 8, M2: Horizontale Rechtsquerung, kurze Felsstufe und im Schnee zum Fuss der markanten Plattenverschneidung.

In der einfacheren SL 7 (M2) klettert man über eine Rampe...


...zum Beginn des 'Götterquergangs'  (SL8, M2) und dann zur  'Spinne' - naja, alles eine Dimension kleiner und wohl auch leichter.
SL 9, M6: Anspruchsvoll durch die Verschneidung hoch. Rechts ist's sehr plattig, links sehr brüchig mit ziemlich grossen, losen Blöcken. Die Absicherung mit BH ist aber nervenschonend ausgefallen. Zuletzt dann links hinaus ins brüchig-plattige Scheissgelände. Der Bolt, welcher da zur Zwischensicherung steckte, ist nun eben ausgebrochen. Deutlich linkshaltend gelangt man einfacher aber heikel zum Stand.

SL 10, M4: Hier waren wir wohl nicht richtig unterwegs. Wie querten vom Stand auf einem Band deutlich nach links und stiegen dann direkt in Torfkletterei zum nächsten Stand hoch. Die richtige Linie führt vom Stand wohl direkter hoch und quert erst weiter oben nach links (etwas unlogisch, vermutlich brüchiger und schwerer). Bei unserer Variante ist dafür die Absicherung problematisch...

SL 11, M6: An gefrorenen Grasmutten geht's aufwärts zu einem BH in ca. 12m Höhe (erste Sicherung). Danach in fast grasfreiem Fels an BH gesichert unter das Dach hoch. Dieses athletisch und schwierig nach links hinaus überwinden - der Mantle auf den Grasbüschel hinauf ist die Crux. Danach einfacher hinauf zu Stand an der Föhre rechterhand.

Nachher käme dann wohl der 'Quarzriss': die schwierige Mixed-Verschneidung (SL 9, M6), an deren Ende ich den BH ausgerissen habe.
Um ca. 15.00 Uhr hatten wir das Top erreicht. Wow, das war jetzt eine ziemlich abenteuerliche Sache, die aber (vom Sturz mal abgesehen) dennoch grossen Spass bereitet hatte. Während man vom Ausstieg über Schneehänge den eigentlichen Gipfel des Rubihorns erreichen und zu Fuss absteigen könnte, ist der schnellste Weg ins Tal das Abseilen über die Route. Dieses ist ob der von losen Steinen ausgehenden Gefahr nicht als komplett 'tubelisicher' zu bezeichnen. Nach reiflicher Überlegung kamen wir aber zur Einsicht, dass es den ganzen Tag über eigentlich kaum spontanen Steinschlag gegeben hatte. Wenn es 'räbelte', dann war es weil wir selber Steine und Blöcke ausgelöst hatten. Dies ist übrigens bei der aktuellen Schneelage kaum zu vermeiden: somit sei man sich Gewahr, dass ein Einsteigen hinter einer anderen Seilschaft absolut lebensgefährlich wäre. Mit der entsprechenden Vorsicht gelangten wir aber eventfrei zurück an den Wandfuss. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg ins Tal. Das Schneefeld war nun, insbesondere nach meinem Misstritt und dem verstauchten Fuss, durchaus etwas mühsam. Etwas nach 17 Uhr erreichten wir im letzten Licht wieder den Parkplatz.

Facts

Rubihorn - Ruby Tuesday M6 (M5+ obl.) - 11 SL, 440m - Glaser/Faulhaber/Kocher 2005-2007
Material: 10 Express, 3 kurze Schrauben, Camalots 0.3-2, 2x60m-Seile, Stirnlampe

Anspruchsvolle, alpine Nordwand-Kletterei. Den Mixed-Bewertungen zum Trotz klettert man bis auf die zweite SL kaum im Eis. Hin und wieder gibt es etwas Frozen Turf, zumeist überwiegt aber Felskletterei. Je nach Geschmack und Können ist man hier mit oder ohne Eisgeräte am Klettern. Der Fels ist oft eher etwas plattig. Man könnte ihn wohl als genügend solide bezeichnen, an manchen Stellen ist er jedoch auch splittrig und teilweise sind auch lose Steine und Blöcke vorhanden. Achtung, nie bei Tauwetter einsteigen, bei viel Schnee ist auch die Gefahr von Rutschen und Lawinen zu beachten. Generell dürften bei viel Schnee die Absicherungen schwerer zu finden sein. Während gewisse Passagen dann leichter werden, dürften andere dafür schwieriger sein. Von daher ist es schwierig zu definieren, was 'optimale Verhältnisse' in dieser Tour bedeuten. Eine vernünftige Grundabsicherung (Stände und Zwischensicherungen) mit Bohrhaken ist über weite Strecken vorhanden. Dennoch sind (v.a. im unteren Wandteil und an einigen leichteren Stellen) weite Abstände vorhanden, wo gefährliche Stürze möglich sind. Zusätzliche Absicherung ist nicht immer einfach anzubringen, das Gelände ist generell sehr klemmkeil- und hakenfeindlich.

Mixed-Klettern in der Rubihorn-Nordwand. Trotz ein paar BH eine abenteuerliche Geschichte!
Eine ausführliche Beschreibung zur Tour inklusive einem guten Topo mit allen Zwischensicherungen findet sich im 'Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch'. Den Text, ein Übersichtsfoto mit dem Routenverlauf und weitere Bilder hat der Erstbegeher Alban Glaser aufs Rocksports-Forum gestellt, herzlichen Dank dafür und natürlich auch fürs Einrichten dieser Tour!