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Freitag, 3. August 2012

Chli Glatten - Erstbegehung von Uristier (6c+)

Welcher Kletterer aus der Region kennt sie nicht, die Felsmauer des Chli Glatten oberhalb vom Klausenpass? Ein dank kurzem Zustieg und sonniger Lage gern gewähltes Tourenziel mit gegen 40 MSL-Routen in steilem, griffigem Kalk. Nachdem ich alle Touren am markanten Südpfeiler wiederholen konnte, fiel mir in dessen rechtem Bereich eine noch unberührte Zone auf, welche eine vielversprechende Möglichkeit für eine Erstbegehung bot. Bereits im Herbst 2010 machte ich mich das erste Mal ans Werk, nun, im Sommer 2012, konnte ich das Projekt mit der Rotpunktbegehung abschliessen.

Wo soll es langgehen? Topostudium bei einer Wiederholung der Route Herbstwind, gedacht als Rekotrip für die neue Linie. Die 4. SL von unserem Uristier sollte dann wenige Meter rechts durch die kompakte Wand hochführen. Bild: J. Leuzinger.
Herzlichen Dank gebührt meiner Familie für die Unterstützung: insbesondere meinem Vater, welcher sich bereit erklärte, mich beim Bohren zu sichern. Vom festen Grund aus ginge das ja noch, doch mit dem Fortschreiten der Linie kämpfte er sich mit Haken und Ösen über die für ihn viel zu schwere Kletterei hoch, und obwohl die Standplätze recht bequem sind, gibt es dort dann natürlich auch keine Fauteuils. Dann weiter meiner Frau Kathrin für die Begleitung bei der Rotpunktbegehung und die intensive Bewertungsdiskussion, und meiner Mutter für das Kinderhüten bei dieser Angelegenheit, die wir am 1. August 2012 erledigen konnten. Ich fahre fort mit einem Bericht zu dieser Begehung, respektive einer Beschreibung der einzelnen Seillängen.

Yours truly am Bolten, bzw. im Cliff, bevor gebohrt wird - prima Fels in SL 1, 6c.
SL 1, 6c, 50m, 9 BH: Sehr schöner Auftakt in griffig-rauhem Fels. Eine erste Bewegungscrux an Slopern folgt schon beim zweiten BH, danach geht es in anhaltender Kletterei an kleinen Leisten nach rechts hoch an eine stumpfe Kante. Hier wartet die athletische Schlüsselpassage dieser Seillänge. Danach ist es noch nicht ganz gegessen, die folgenden Meter sind immer noch anhaltend, bevor die Kletterei auf den letzten 15m einfacher wird. Zuletzt erreicht man über das Grasband den Stand. Während ich die Seillänge beim Einbohren für eine 6b hielt, musste ich mich beim Durchsteigen jedesmal zusammenreissen um sie zu punkten. Somit stand 6b+ oder 6c zur Diskussion, weil Kathrin es richtig schwer fand, schlage ich jetzt mal das letztere vor.

Vamos! Auftakt zum kompletten RP-Durchstieg, hier in SL 1, 6c.
SL 2, 6c+, 50m, 10 BH, 1 NH: Die Seillänge startet mit sehr schöner Wandkletterei. Es gibt viele Aufleger, aber hier und da auch eine griffige Leiste. "Nur zum säge", den kleinen und einfachen Runout nach dem dritten BH habe ich so eingebohrt und danach 4x auf diese Weise geklettert. Um die Stelle komplett harmlos zu machen, habe ich beim Abseilen nach der RP-Begehung dann noch einen NH geschlagen. Bald darauf kommt die Crux, ein athletischer Zug über einen Wulst hinweg, gefolgt von überhängender Ausdauerkletterei. Zum Schluss noch einige einfachere Meter dem Riss entlang zum Stand. Dort sind die BH eher auf der linken Seite an der Seitenwand zu suchen. Die Schlüsselstelle dieser Länge hielt ich immer für eine potentielle 7a. Doch beim kompletten RP-Durchstieg fiel sie mir so leicht, dass ich zu 6c tendiert hätte. Kathrin hat mich dann auf den Kompromiss von 6c+ eingeschworen.

Kathrin folgt in SL 2, 6c+. Sorry für die schlechte Qualität, leider den Föteler vergessen und somit nur mit der Handykamera geknipst, und dort dann dummerweise auch noch eine hundslausige Auflösung eingestellt gehabt. Für einen Eindruck reicht es aber trotzdem...
SL 3, 6b+, 30m, 7 BH: Vom Stand nach rechts hinaus in griffig-rauhem Superfels. Leicht überhängendes Gelände, wo man dranbleiben muss. In der Mitte der Länge folgt dann ein etwas kniffliger Riss. Hier bin ich beim Bohren ganz rechts auf der Platte geklettert. Das ist schön, aber mir kam es beim Punkten selbst etwas unlogisch vor, so dass die meisten wohl den Riss klettern werden. Die BH können aber auch so gut eingehängt werden, somit null Problemo. Als Challenge wartet dann ein weiterer Überhang, erst die letzten Meter zum Stand hin versprechen etwas einfachere Kletterei. Insgesamt wohl zu hart für 6b, zu einfach für 6c, also 6b+.

Aus SL 3 ist kein Livebild verfügbar, dafür dieses sehr schöne Stimmungsbild vom Bohren im Oktober 2010.
SL 4, 6b, 20m, 5 BH: Super geniale Kletterei im Wenden-Style. Die leicht überhängende Wand ist fast unverschämt griffig, weist Schlitze, Rillen und Tropflöcher auf. Da muss man über einige Meter durchaus dranbleiben. Die Schlusspassage ist dann auch sehr originell: athletisch geht es über einen Wulst hinweg, als Griffe dienen mehrere grosse, etwas runde Löcher - fast wie in einem Emmentaler Käse. Obwohl nicht geschenkt, geht das wohl als eine 6b durch!?!

Super kompakter Fels und Kletterei im Wenden-Style: SL 4, 6b.
SL 5, 6b, 30m, 7 BH: Die ersten Meter dieser Seillänge führen durch für die Zone typischen "Klötzlifels". Ich habe hier mit etlichem Aufwand sämtlichen labilen Fels entfernt und sehr gut mit BH abgesichert, die auch alle in gesundem Fels stecken. Somit kann diese kurze, weniger schöne Passage problemlos und sicher beklettert werden. Die Crux dann erst athletisch mit weiten Zügen, schliesslich wird es feingriffiger und man muss technisch sauber manteln - hier ist der Fels übrigens schon längst wieder prima. Da ich kurz vor der RP-Begehung hier alle Griffe sortiert und studiert habe, fällt mir der Bewertungsvorschlag schwer. Ich denke, es könnte schon auch 6b sein, oder doch nur 6a+?!?

Manchmal ist durchaus etwas Biss nötig, um durchzusteigen!
SL 6, 6b, 20m, 3 BH, 1 SU: Obwohl man mit 50m-Seilen die beiden SL 5 & 6 verbinden kann, empfiehlt sich dies wegen Seilzug und Kommunikationsproblemen nicht, daher habe ich einen Zwischenstand eingerichtet. Die Crux geht nämlich aus der Nische/Höhle hinweg stark überhängend über den Wulst. Die BH-Abstände sind dort wohl kurz, der Sichtkontakt zum Belayer am Zwischenstand ist aber für eine zuverlässige Sicherung dennoch von Nutzen. Zuletzt dann erstaunlich anhaltend und ausdauernd zum Stand (mit Wandbuch) unmittelbar vor der flachen Wiese. Dieser ist bis zuletzt nicht so gut ersichtlich, im Zweifelsfall nach der Sanduhr auf der rechten Seite suchen! Direkt über die Haken geklettert würde ich hier sicher nochmals 6b vorschlagen. Evtl. kann der erste Wulst linkerhand etwas einfacher bewältigt werden, wie gut man von dort die BH klippen kann, weiss ich aber nicht. Diesen linken Weg habe ich bewusst vermieden, weil der danach in weniger schönes Gelände führt, und der Ausstieg aus der Nische toll, athletisch und in bestem, griffigem Fels ist.

Es wartet auf Deinen Besuch! Allerdings muss man bis zum letzten Meter dranbleiben!
Die RP-Begehung gelang mir mühelos, ohne dass ich je Kämpfen musste. Wie oben erwähnt war ich deshalb darauf und daran, alle Bewertungen nach unten zu korrigieren. Weil Kathrin vielerorts aber ganz schön am Anschlag war, hat sie sich hier etwas dämpfend auf die Bewertungsdeflation ausgewirkt. Wie immer bin ich natürlich sehr gespannt, wie die Wiederholer die Linie erleben werden. Zuletzt noch ein Wort zum Abstieg: dieser vollzieht sich durch Abseilen. In vier gestreckten Manövern erreicht man bequem wieder den Einstieg. Die Stände unserer Tour sind alle dafür eingerichtet und geeignet. Noch einen Tick bequemer ist es, wenn man als letzten Abseilstand denjenigen der Yog Sothot wählt - wer sich das nicht zutraut oder ihn nicht findet, kann aber problemlos den ersten Stand vom Uristier benützen.

Wissenswertes

Chli Glatten - Uristier 6c+ (6b obl.) - 6 SL, 200m - Marcel mit Sepp & Kathrin Dettling 2010/2012
Material: 12 Express, 2x50m-Seil. Keile und Friends sind nicht nötig und kaum einsetzbar (Absicherung: xxxx)

Alle weiteren Informationen kann man dem Topo entnehmen, das hier unten zur Illustration in Bildern verfügbar ist. Das PDF-Original mit hoher Auflösung steht natürlich ebenfalls zur Verfügung: klick!



1 Kommentar:

  1. Süper Sach! Endlich gibt's wieder einen Grund an den Klausenpass zu reisen. Der Bericht macht Lust nach mehr. Und hey, der kernige Routen-Name wird vermutlich auch den Urnern gefallen ;-)

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