- -
Posts mit dem Label Chli Glatten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chli Glatten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Oktober 2024

Chli Glatten - Giannas Line (7a)

Wunderbares Spätsommerwetter ist angesagt, dazu ist für Kathrin und mich wieder einmal die Gelegenheit für eine gemeinsame MSL-Tour da. Neben all dem familientechnisch Nötigem und dem Wünschbaren bleibt uns ein nicht allzu langes Zeitfenster. So zogen wir wieder einmal den Chli Glatten zu Rate: der kurze Zugang und die moderaten Routenlängen sind kompatibel mit einem beschränkten Zeitbudget, trotzdem sind die Klettereien steil, anspruchsvoll und so richtig kernige MSL-Touren. Nach meiner Erinnerung bin ich nicht nur schon oft am Chli Glatten geklettert (das stimmt), sondern auch vor nicht allzu langer Zeit. Das täuscht hingegen, sind es doch schon wieder drei Jahre her, seit wir am Schwert des Samurai (7a+) geturnt haben. Nun wollten wir der steilen Seite vom Flachen Pfeiler wieder einmal unsere Aufwartung machen. Für mich war es kaum zu glauben, dass seit der Begehung der Open Air (7a+) tatsächlich eine ganze Dekade verstrichen war - tja, die Zeit rennt wirklich!

Bisschen ein Bottom-Up-Shot, aber der Verlauf von Giannas Line ist prima erkennbar.

Wir fuhren auf den Klausenpass (und hatten Glück, dass dieser wegen dem Klausenmonument erst am Sonntag und nicht schon am Samstag gesperrt war) und stationierten auf der Alp Bödmer. Das sollte man nur tun, wenn kein Alpbetrieb mehr herrscht, was an diesem zweiten Septemberweekend zutraf. Und es lässt sich sicher eine Win-Win-Situation mit den Älplern kreieren, wenn man quasi als Obulus für den Parkplatz im Self-Service-Hofladen etwas einkauft (Alpkäse, Getränke, Konfitüre, Sirup, Bezahlung per Twint oder Bargeld möglich). Von Bödmer sind es ~300hm bis an den Fuss der Plattenwand. Der eine Seillänge über dem Wandfuss liegende Einstieg von Giannas Line wird dabei von rechts einquerend entlang von Drahtseilen erreicht. Achtung, den Installationen ist nur beschränkt zu vertrauen. Teils ist das Seil ausgerissen und die Verankerungen an gebohrten Sanduhren und auf Dübel geschraubte Kettenglieder sind eher improvisiert. Vor allem wirkt alles etwas in die Jahre gekommen und nicht mehr geprüft und unterhalten. Mit alpinem Sachverstand ist es aber gut machbar, so starteten wir um 12.00 Uhr bei besten Bedingungen in die Route.

Die Querung im Zustieg führt durch exponiertes Gelände. Hinten der Clariden mit Wolkenkappe.

L1, 45m, 6a+: Der Einstieg ist nicht näher bezeichnet und befindet sich ca. 10-15m vom linken Ende des Drahtseils (wo die Open Air beginnt). Der erste Abschnitt bietet unschwierige Kletterei, das Gelände ist aber bof bof und zur Absicherung gibt's nur eine Schlinge. Alternativ kann man rechts einen BH und eine verrottete SU-Schlinge der Skyline klippen. Nachher gilt's dann richtig abzubiegen (links mit Fixé-Plättli Giannas Line, rechts mit Petzl-Longlife Skyline). Die Kletterei am ortstypisch mit horizontalen Leisten gespickten Gestein ist cool - gewisse davon sind sloprig, andere positiver und bei denjenigen mit der rauen Kante kann man sozusagen "gratis" anhängen.

Die ersten Meter noch etwas durchzogen, nachher folgt in L1 (6a+) aber griffig-kompakter Klausenfels.

L2, 30m, 6b+: Vom Stand kurz rauf zu NH, dann geht's über die Verschneidung hinweg und in der Wand oberhalb deren Begrenzungskante aufwärts. Prima griffige Kletterei in gutem Fels, die Crux besteht in einer drückenden Zone mit einem athletischen Seitgriffzug. Am Ende heisst's dann an den richtigen Stand zu klettern. Der linke der beiden mit den zwei Sondy-Ringhaken ist die richtige Adresse. Diese gelten inzwischen nicht mehr als zuverlässiges Sicherungsmaterial, zudem sind die Exemplare auch noch eher zu wenig tief im Fels versenkt - wird schon halten, immerhin droht hier kein harter Sturz in den Stand.

Sehr schön die zweite Seillänge (6b+) mit einer athletischen Cruxsequenz.

L3, 30m, 6b: Es folgt nämlich ein horizontaler Quergang nach links hinaus an die Kante, wobei man zuerst sogar etwas abklettern muss. Im Bereich dieser Kante geht's dann in fotogener Position aufwärts. Der Fels nicht mehr ganz so schön wie in der Länge zuvor, aber trotzdem von guter Qualität. Wahnsinnig schwierig fand ich das nicht, jedoch muss stets überlegt werden, ob man eher links oder eher rechts steigt. Meist geht vermutlich alles, halt einfach bei (vermutlich nicht allzu stark) unterschiedlicher Schönheit und Schwierigkeit.

Querung an die Pfeilerkante in L3 (6b), dann geht's dort steil auffi.

L4, 40m, 7a: Vom bequemen Stand weg kommt jetzt das Highlight der Route. Die markante Spiegelwand am Pfeiler fällt bereits von der Passstrasse auf und die Kletterei wird den Erwartungen absolut gerecht. Die ersten 20m gehen recht gäbig über die Bühne (~6b), es gilt jedoch hier und da die Linie zu erkennen. Dann geht's mit einem Crescendo in die Crux. Man befindet sich da in einem seichten Winkel, welcher über die steile Seite nach rechts verlassen wird. Die Frage ist allerdings wann, wie und wo... kleine bis mikromässige Griff- und Trittmöglichkeiten gibt's im scharf zerfressenen Fels unzählige. Nur jedoch keine offensichtlichen und guten. Somit heisst es Abtasten, der Intuition vertrauen und sich geschickt zu positionieren. Im Aftermath der Crux muss man noch kurz etwas Rési beweisen, dann lässt es deutlich nach. Im Finish ist der Fels nicht so toll und man muss (im leichten Gelände) auch noch etwas über den Haken steigen.

Die entscheidende Sequenz in der Crux (L4, 7a) lässt sich mit der Kamera nicht einfangen.

L5, 30m, 6c+: Am erneut superbequemen Stand kann man sich gut erholen, bevor es ins steile Schlussbouquet geht. Und dies mit einer Traverse nach links, wo sich ca. 7m drüben erst ein NH und dann der erste von vielen eng steckenden BH befindet. Die Kletterei führt diagonal nach rechts aufwärts, recht athletisch mit Seit-/Untergriffen und ein paar Leisten. Da muss man schon etwas dranbleiben, aber gefühlt war das für mich eher eineinhalb statt nur einen halben Grad leichter wie die Crux. Im oberen Teil heisst es noch kurz auf die Füsse zu stehen, bevor das Abschlussdach dann tatsächlich jene Griffqualität bietet, die man sich erhofft. Der Abschlusstand rechts dann gut an der Gamelle zu erkennen.

Kurz vor dem Top, mit Blick ins Schächental und seine Windgällen.

Um 15.30 Uhr und damit nach 3:30h sehr genussreicher Kletterei hatten wir das Ziel erreicht. In meinem Fall nicht nur das Top der Route, sondern auch der Komplett-Onsight im Vorstieg. Weitgehend waren Reserven da, aber für die Cruxsequenz musste ich wirklich aus der Komfortzone treten. Die ist kleingriffig, kompliziert und schwierig zu lesen. Da musste ich 100% geben, an jeder Unebenheit die der Fels bot den Widerstand suchen und konnte mich auch so nur mit dem allerletzten Quäntchen Energie vor dem Sturz retten. Und das alles in einer 7a?!? Ehrlich gesagt kam es mir schon schwieriger vor, aber natürlich ist es sehr wohl möglich, sich aus einer 7a mit suboptimaler Beta eine 7b zu zimmern, erst recht in solch kniffligem Gelände ohne jegliche Kletterspuren. Vielleicht wäre es mit dem Wissen wo die Griffe sind und wie man sich effizient von Position zu Position bewegt auch nicht so schwierig, d.h. im Rahmen einer taffen 7a?!? Oder ist die Stelle doch härter?!? Ich kann es wirklich unmöglich sagen, ausser dass ich es nur mit vollem Einsatz auf dem allerletzten Zacken geschafft habe.

Seitenblick auf eine Seilschaft in der Route Der Wolf im Schafspelz (6b+).

Obwohl es unten in der Wand sehr angenehm warm und windstill gewesen war, ging am Top ein unangenehm zügiger Föhn. Sowieso ist der Ausstiegsstand kein gemütlicher Platz für eine Pause und weil sich das Wandbuch ebenfalls in Pappmaché verwandelt hatte (der Gamellendeckel fehlt leider) warfen wir gleich die Seile aus und glitten in die Tiefe. Das ist teils ziemlich eindrücklich steil: vom Top 25m zu Stand 4 von Skyline, dann 50m freihängend gerade runter zu Off-Route-Abseilstand, 25m zu Stand 1 von Giannas Line, von wo man 40m retour zum Einstieg schwebt. Von dort zieht man trotz ein paar losen Steinen im Gelände am einfachsten vom Ende des Fixseils (Beginn von Open Air) einen 45m-Abseiler an den Wandfuss. Auch da machten wir uns gleich auf den Weg, denn wir hatten abgemacht, die Jungmannschaft am Swiss Cup im Griffig zu treffen, dort gemeinsam den Final zu verfolgen und die nationale Elite anzufeuern. Ganz so viele erfolgreiche Durchstiege wie bei uns in der Giannas Line gab's da nicht zu bestaunen - auch wenn sich die 7a so richtig taff angefühlt hatte, so ist sie wohl halt doch wesentlich einfacher wie die Wettkampfgeräte in der Halle... 😎

Steile, weitgehend freihängende Abseilerei über Skyline (7a+)

Facts

Chli Glatten - Giannas Line 7a (6b obl.) - 5 SL, 175m - Gisler/Müller 2004 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht nötig

Schöne, steile, luftige und eindrückliche Kletterei in meist gutem, ja teilweise hervorragendem Klausenfels. Einige andere Abschnitte bieten nicht Top-Felsqualität und erfordern etwas Umsicht in der Griffauswahl, für alpin orientierte und erfahrene Sportkletterer ist das aber absolut problemlos. Die Absicherung mit verzinkten BH mit Fixé-Laschen ist an den schwierigen Stellen (ab ca. 6b) sehr gut und klettergartenmässig. Im einfacheren Gelände gibt's auch mal einen etwas längeren Abstand, aber es ist auch dort alles im grünen Bereich und gut/sinnvoll eingebohrt. Stand 2024 ist das (nicht so langlebige) Material in der Route noch recht gut im Schuss, Vorsicht erheischen v.a. die Fixseile und deren Verankerungen im Zustieg. Mobile Sicherungen führte ich keine mit und empfand sie nicht als nötig, auch wenn man vereinzelt wohl etwas unterbringen könnte. Topos zur Route bzw. zum Gebiet finden sich im Extrem Ost, im leider vergriffenen Führer Kletterrouten im Schächental und auch in verschiedenen Werken des SAC-Verlags. Am besten/präzisesten sind jedoch die Originaltopos der Erschliesser, die hier unterhalb aufgeführt sind.

Das Originaltopo der Erschliesser - vielen herzlichen Dank!

Wichtige Hinweise:

  • die Mutter bzw. die BH-Lasche zu Beginn der Cruxsequenz der 7a-Länge war lose und kurz vor dem Abfallen. Ich habe sie von Hand kurz so festgezogen, dass sie bei einem Sturz nicht abfällt, mich dann aber auf den Durchstieg fokussiert. Beim Abseilen kommt man da dann nicht mehr vorbei, somit wird die Lasche bald wieder wackeln oder fällt im dümmsten Fall sogar ab. Reparaturmaterial mitzuführen ist also nicht verkehrt und es wäre hilfreich, wenn die Bolts in dieser Länge kontrolliert bzw. nachgezogen würden.
  • In der benachbarten Skyline fehlt in der letzten Seillänge in der Cruxsequenz (oder das, was für mich beim Abseilen auf den ersten Blick danach ausgesehen hat) schon seit längerem eine BH-Lasche. Leider hatte ich keine Gelegenheit, das zu reparieren. Nötig wäre ein verzinktes Plättli und eine verzinkte 17er-Mutter (M10). Aus der Kletterstellung dürfte das kaum zu machen sein, man kann/muss das Top über die letzte SL von Giannas Line erreichen, kann es beim Abseilen fixen und dann die letzte SL von Skyline angehen.
  • Vorsicht an den Fixseilen im Zustieg, diesen keinesfalls blindlings vertrauen!
Fototopo der Erschliesser - vielen herzlichen Dank!

Montag, 6. September 2021

Chli Glatten - Schwert des Samurai (7a+)

Ja, an diesem Tag hätte man höher hinaus gekonnt. Aber die eine Hälfte unserer Seilschaft war nach einem harten Bohrtag schon etwas angezählt, die andere Hälfte musste am Tag davor lange "richtig" arbeiten und besuchte am Abend bis spät eine im Ausland wohnhafte Freundin, die gerade in der Schweiz zu Besuch war. Erst einmal durch erholsamen Schlaf wieder zu Kräften kommen und gemütlich frühstücken, so lautete die Devise. Nachher würden wir dann sehen, was noch an Kletterei drin läge - mussten wir doch abends auch wieder zurück sein, um die KInder bei ihrer Rückkehr aus den Trainings zu empfangen. Und eben, wie der Titel schon zeigt, auf den Chli Glatten fiel schliesslich unsere Wahl. Früher waren wir hier recht oft zugegen, doch nun waren es schon geschlagene 6 Jahre seit dem letzten Besuch...

Der Blick auf den rechten Sektor am Chli Glatten mit dem Verlauf vom 'Schwert des Samurai' (7a+).

Während mir viele Routen an dieser Wand schon gelungen sind und ich mit dem Uristier sogar eigene Spuren hinterlassen konnte, blieb das Schwert des Samurai immer für einen besser geeigneten Tag offen. Nun war dieser gekommen: eine kleine Herausforderung in Bezug auf die Schwierigkeit mochte es noch leiden, mit limitierten Kräften mochte ich aber nicht mehr in eine Route einsteigen, wo weit über der letzten Absicherung am Limit gemoved werden muss. Zudem war ein einwandfrei sonniger und warmer Tag angesagt, was die Kletterei an der luftigen und oft zugigen Kante sicherlich zum Genuss machen würde, während man im Schwert bei marginalen Bedingungen oft schlottert und an den Griffeln friert. Um 12.10 Uhr brachen wir an der Klausenstrasse auf (man kann/soll nur ausserhalb der bewirteten Zeit bei der Alp Bödmer abstellen!). Meine schweren Beine machten sich bemerkbar, nachdem mein Sack aber rund 25kg leichter wie am Vortag war, fühlte es sich doch noch fast wie fliegen an und es ging einigermassen zügig in die Höhe. Nach 35 Minuten und 380hm waren wir am Einstieg, ich konnte Kathrin zum Vorstieg von L1 überzeugen und so legte sie um ca. 13.00 Uhr los.

Hier geht's los (Aufschrift in der rechten, unteren Bildecke), das Schwert oben droht!

L1, 40m, 6a+: Der Einstieg befindet sich in der markanten Schlucht (gebohrte Sanduhr, derzeit ist der Name gut sichtbar mit Farbe angeschrieben) an einer westlich ausgerichteten Wandpartie. Dementsprechend ist der erste Abschnitt bis weit nach dem Mittag im Schatten und fühlt sich aufgrund der Lage oft klamm und kühl an. Da gleichzeitig auch der Fels eher auf der glatten und abschüssigen Seite ist, kann sich das unangenehm anfühlen. Wir trafen aber auf prima Bedingungen, entlang der griffigen Verschneidung inkl. Ausspreizen waren die Einstiegsmeter rasch überwunden. Später hält sich die Route an die Kante, ja verläuft im zweiten Teil gar rechts in der südlich ausgerichteten Partie. Bis am Ende wartet immer einmal wieder ein anspruchsvollerer Schritt, richtig schwierig wird es aber nie.

L2, 35m, 6b: Im ersten Teil dieser Seillänge wurde die Route im 2019 durch den Erstbegeher saniert (und etwas im Verlauf korrigiert?!?), hier stecken nämlich formidable Inoxbolts, während der Grossteil der Route noch mit verzinkter Ware eingerichtet ist. Der Fels sieht klausentypisch klötzlimässig aus, aber auf der ersten Hälfte warten keine grossen Schwierigkeiten und das Gestein ist erfreulich solide. Weiter oben zieht's dann an, die Route schlängelt sich um die wenig ausgeprägte Kante. Eine Stelle, wo von rechts nach links zurück gewechselt wird, darf man sogar als durchaus knifflig bezeichnen, ebenso muss man kurz vor dem Ausstieg noch einmal "hinlangen". Erwähnt sei auch, dass total 13 Bolts hier sehr dicht stecken, auch weniger kühne Kletterer können hier frohen Mutes voll angreifen.

Dem Schwert schon näher, Kathrin im Vorstieg in L2 (6b).

L3, 30m, 6c: Man steigt unschwierig auf ein Band empor, wo man sich unterhalb einer ausladenden Dächerzone befindet. Doch wie die fix installierte Exe anzeigt, gilt es tatsächlich durch die hinauf zu klettern. Nach einem kräftigen Einstiegszug gewinnt man bald erstklassige Henkel. So weit so gut, aber nun heisst es an Seitgriffen dranbleiben, während mit den Füssen auf mässigen Tritten weit aussen Gegendruck erzeugt werden will - eine Stelle, an welcher lange Beine wohl für einmal keinen Nachteil darstellen. Wenn's nicht geht auch nicht weiter schlimm, die nahezu hallenartige (aber aufgrund des Bandes unterhalb absolut sinnvolle) Absicherung erlaubt hier sowieso das Fortkommen. Im Mittelteil der Länge geht's dann gemässigt-griffiger dahin, während zum Ende hin noch sehr schön und fein von rechts nach links über eine Steilplatte mit bestem Fels traversiert werden muss.

Die strengsten Meter durch die Dachzone von L3 (6c) sind geschafft!

Am Ende von L3 (6c) wird dann mehr noch die Feinmotorik auf dieser Platte abgefragt.

L4, 15m, 7a+: So, nun beginnt definitiv der Ernst der Sache! Zum Glück waren meine Lebensgeister inzwischen wieder erweckt worden und ich war motiviert, dieser Länge einen guten Fight zu geben! Zügig steigt man, für den angegeben Grad noch 'unschwierig' unter das markante Dach mit der fixen Kette empor. Dessen Überwindung kann man leicht als die Crux identifizieren. Dies geht so in "Patsch-patsch"-Art an Seitgriffen in Form eines schwierigen Aufrichters oberhalb vom Dach, wobei wohl auch etwas Glück dazu gehört, auf die jeweils besser anhängenden Stellen zu schnappen. So lässt sich der nächste Bolt klippen und der Weg zum folgenden Exemplar antreten - dies der wohl forderndste Abstand der Route?!? Mir war jedenfalls nicht ganz klar wie und wodurch, ein gewisser Pump war fühlbar, das hin-und-her Griffe ertasten machte den nicht besser, doch mit einem Kraftakt ging es dann doch gut im Onsight auf, vielleicht wäre es ja auch gar nicht so schwierig wenn man einfach steigen würde... mit ein paar weiteren Moves erreicht man schon den sehr luftig auf der Kante sitzenden Stand.

Herzhaftes Zupacken im wohl forderndsten Hakenabstand der Route (L4, 7a+).

L5, 15m, 7a: Es bleibt zu hoffen, dass während dem Sichern der Akku wieder etwas aufgeladen werden konnte (Steckdose allerdings ist keine vorhanden ;-)), denn auch auf diesem kurzen Abschnitt ist durchaus etwas Finger- und Schulterpower nötig. Schon zum Auftakt wartet ein kniffliges, trittarmes Wanderl mit Seit-/Untergriffen und Mikrocrimps. Dann ein Dächli, wo es athletisch schräge Kleingriffe zu schultern gilt, wobei auch da der Schlüssel in guter Fussarbeit liegt. In ähnlicher Manier geht's noch ein paar Meter weiter, ein cooler Hand-Foot-Match war letztendlich der Schlüssel zum erfolgreichen Durchstieg - einfach richtig genial, solche Bouldermoves in einer Alpintour zu vollführen! Die letzten fünf Meter zum Stand trumpfen dann mit grösserem Griffangebot auf, so dass man hier kaum mehr ans Limit kommt. Insgesamt kam mir diese Länge nicht einfacher, ja eher sogar schwieriger wie L4 vor. Aber während man am Dach in L4 eher auf eine schwierige Einzelstelle trifft, wo man mit etwas Vorstellungskraft rasch einmal Allez-Hopp darüber weg ist, kann/muss man in L5 ewig an den vielen Mikrostrukturen tüfteln und sich richtig aussaften - wenn man den genauen Ablauf kennt, so ist es im Rotpunkt vielleicht schon dankbarer.

Da hat man die Sache in der Tasche! L5 (7a) wartet mit bester Felsqualität auf die Begeher!

L6, 40m, 6b: Der Plattenschild in dieser Länge sieht von unten unnahbar aus... und erfordert schon nach dem ersten Bolt eine technisch schwierige Bewegung, die wohl auch etwas morpho ist?!? Nachher geht's über die kompakte Wandzone, doch dank einigen zwar recht kleinen, aber schön positiv-bissigen, ideal platzierten Leisten für Hände und Füsse geht das fast mühelos. Schliesslich wird das Gelände einfacher und ist auch nicht mehr ganz so attraktiv. Zuletzt steigt man auf das flache Gelände aus und quert nach rechts hinüber zum gemeinsamen Ausstiegsstand mit dem Altherrenweg, wo sich auch das Wandbuch befindet.

Kathrin unterwegs im Plattenschild von L6 (6b), das aber dank positiver Struktur sehr gut aufgeht!

Für einmal gebührt Kathrin die Ehre, das Foto vom am Top ankommenden Nachsteiger zu machen!

Um 16.30 Uhr und damit nach 3:30 Stunden vergnüglicher Kletterei waren wir am Top. Nach den beiden gemütlichen Auftaktlängen hatte die Kletterei in L3-L5 gefordert, dafür aber auch die Müdigkeit des Vortags vergessen gemacht. Wir sassen mit dem Gefühl am Top, nun wirklich genau die richtige Herausforderung für den Tag gefunden zu haben - und noch dazu, sie erfolgreich mit einem perfekten Onsight/Flash-Durchstieg gemeistert zu haben. Die schöne Nachmittagsstimmung und die wunderbaren Ausblicke auf Clariden, Schärhorn und das Schächental taten das ihrige dazu. Da die Uhr aber schon vorgerückt war, konnten wir nicht allzu lange verweilen. Zum Abseilen ist es zwar nicht nötig, auf 2x60m-Seile zurückgreifen zu können - es sind so aber nur 3 statt 5 Manöver nötig. Das empfiehlt sich aber nur für jene, die a) sich bis ganz ans Seilende abzufahren trauen, b) die Übersicht über die Position der vielen Standplätze behalten haben und c) auch so versiert sind, die Seile schön parallel zu legen, sonst könnte das Abziehen (insbesondere beim obersten Abseiler) kritisch werden. Uns gelang es wie am Schnürchen, so waren wir bald am Wandfuss bei Speis und Getränk und nach einem Geröllsurf und ein paar raschen Schritten um 17.30 Uhr zurück an der Strasse. Beschwingt fuhren wir heimwärts und freuten uns auf das Wiedersehen mit den Kindern.

Der Blick vom Einstieg zum Clariden mit seiner immer mehr abtauenden Nordwand.


Abendstimmung das Schächental hinaus! Schön war's, wir kommen sicher wieder an den Glatten!

Facts

Chli Glatten - Schwert des Samurai 7a+ (6b obl.) - 6 SL, 175m - Müller/Gisler 2004 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile (oder zum Abseilen praktisch 2x60m), 15 Express, Keile/Cams nicht nötig

Lässige Klausenroute in durchgehend solidem, ja meist sehr gutem Fels mit einer originellen und luftigen Linie entlang der eindrücklichen Kante. Zuerst warten zwei Aufwärmlängen, während es dann zuerst athletisch gutgriffig und schliesslich kräftig und technisch an eher kleinen Strukturen in die Höhe geht, bevor die Route mit der letzten Seillänge gemütlich ausklingt. Die Bohrhaken stecken hier meist dicht (xxxx), abschnittweise sogar in ausgesprochen kurzen Abständen (xxxxx), so dass die Cruxen kaum obligatorisch zu klettern sind. Cams/Keile sind definitiv unnötiger Ballast, abgesehen davon dass man sie auch kaum einsetzen könnte. Hingehen, geniessen und klettern, bzw. noch besser durchsteigen, kann man da nur sagen. Mit Vorteil wartet man dafür einen warmen und nicht zu windigen Tag ab. Der Start liegt nämlich für eine Südwand ausgesprochen schattig und auch sonst war es uns an einem 30-Grad-im-Tal-Tag niemals je zu hitzig. Ein Topo zur Route findet man z.B. im (leider vergriffenen) Lokalführer Kletterrouten im Schächental, im Extrem und im Plaisir Ost sowie möglicherweise auch in Führern des SAC-Verlags.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Chli Glatten - Kamasutra (7b+)

Das über 1km breite und 200m hohe Felsband des Chli Glatten über dem Klausenpass braucht man kaum noch näher vorzustellen. Die griffig-steile Kletterei in sonnigem Ambiente mit kurzem Zustieg sind weitherum bekannt. Auch ich hatte an dieser Wand schon meine Spuren hinterlassen, einerseits natürlich mit meiner eigenen Linie Uristier (6c+), andererseits durch zahlreiche Wiederholungen bereits existierender Routen. Noch gefehlt hatte mir aber eine der besten, schwersten und steilsten Routen, die Kamasutra (7b+).

Wandansicht vom Gelben Pfeiler am Chli Glatten mit dem Verlauf von Kamasutra.
An einem herbstlich anmutenden Tag mit Nebelfeldern in den Niederungen, einem ersten Schneekleid in den Bergen und eher tief angesagten Temperaturen war der Zeitpunkt gekommen. Zu dritt ging es schliesslich los, Dani und Anika waren mit dabei. Nach einigen Zeitverlust aufgrund von Alpabtrieb usw. gelangten wir schliesslich zur Alp Bödmer auf 1930m. Kühe und Älpler hatten diesen Ort bereits verlassen, nur dann sollte man sein Auto dort abstellen, ansonsten bitte an der Strasse unten. Der Zustieg umfasst rund 200hm auf einer Wegspur am Bödmerstöckli vorbei und nimmt keine halbe Stunde in Anspruch. Mit der Örtlichkeit des Einstiegs war ich ebenfalls bereits bestens vertraut, hatte ich doch die benachbarte Route Poker (7b) bereits geklettert, und sogar bei der Begehung der Illuminati (7a+) die Einstiegslänge vom Kamasutra benutzt. Um 10.50 Uhr waren wir aufgeschirrt, und es konnte bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein losgehen.

Herbstliches Ambiente am Klausenpass mit Blick zu Chammliberg, Gross Schärhorn, Mittler Griessstock und Gross Windgällen.
ACHTUNG: für einmal notiere ich mir bei der Beschreibung der Seillängen auch etwas Beta, damit ich für zukünftige Begehungen mit den nötigen Tipps für einen allfälligen Rotpunkt gerüstet bin. Puristen, welche auf einen sauberen Onsight aspirieren, sollten die Routenbeschreibung also nicht lesen!!! Ich bin selbst eigentlich eher negativ gegenüber genauen Einzelstellenbeschreibungen im Internet eingestellt und vermeide diese normalerweise. Allerdings gibt's für mich persönlich keinen besseren Platz, diese (wenigen) Tipps jederzeit griffbereit zu versorgen.

L1, 45m, 6c: Schöne Wandkletterei von eher technischer Natur, teilweise reichlich knifflig. Die Hakenabstände sind teils (und vor allem am Anfang) recht weit und erfordern sicheres klettern. Im oberen Teil gehört ein Haken der Nachbarroute Poker imperativ mit dazu, leider verursacht dieser aber ziemlich Seilzug. Diesen Abschnitt unter Zuhilfenahme des tiefer liegenden Poker-Standes in zwei aufzuteilen, wäre wohl gar keine so schlechte Idee.

Der Autor startet, wieder einmal im Luis-Trenker-Style. Der Anfang von L1 (6c) ist noch einfach, aber weit gesichert...
...der obere Teil von L1 (6c) bietet dann knifflige, technisch anspruchsvolle Kletterei.
L2, 30m, 6c+: Zäher Abschnitt mit überhängender Wandkletterei in teils etwas schieferigem Klötzlifels, der sich hier aber ausreichend solide präsentiert. Schon im ersten Teil, der noch nicht ganz so steil ist, muss man eine ziemlich kleine Leiste fixieren und trittarm nach rechts traversieren (O-Ton von Dani: "ein solcher Griff hat in einer 6c+ nichts verloren"). Im zweiten Teil dann ausdauernd und kräftig dranbleiben. Der entscheidende Trick ist es, von der Untergriffschuppe den versteckten Riss links aussen zu greifen, ohne diesen ist's nochmals ein rechtes Stück härter.

Der Autor fightet gegen den Pump in der steilen L2 (6c+), während man sich 8000m weiter oben einen Drink genehmigt...
...die beiden Nachsteiger haben aber ebenfalls keine Hand frei, L2 (6c+) erfordert durchaus Einsatz!
L3, 25m, 6b: Schöne, gemütliche Kletterei in meist bestem, grau-rauem Klausenfels. Die Linie ist etwas gesucht linksrum, dafür wird einem schönere und anspruchsvollere Kletterei geboten, als wenn die Verschneidung gerade hinauf gewählt worden wäre.

Schöne, gemütliche Kletterei in L3 (6b), leider machen die ersten Nebelschwaden ihre Aufwartung.
L4, 35m, 7b: Die erste Cruxlänge beginnt gleich fulminant: über den Wulst hinweg und von den Seitgriffen den zweiten Bohri klinken. Tief an kleine Diagonalleiste für links kreuzen, rechts 1x mässige Leiste hart durchblockieren und an die offensichtliche, fixierte Schuppe hoch. Die Querung zur Kante ist pumpig, um die Ecke rum ist dann etwas Zauberei erforderlich... auch wenn ich's mir gern notieren möchte, so richtig genau im Kopf habe ich die gewählte Sequenz nicht. Danach noch kurz kräftig dranbleiben, das letzte Stück zum Stand hinauf ist dann einfacher, weist dafür aber die zwingendsten Passagen der Route auf. Dort evtl. Möglichkeit, den Runout mit klein/mittleren Cam zu entschärfen. Wer seine Begehung verewigen möchte, sollte dies am Stand nach dieser Länge im Buch vom Gelben Pfeiler tun. In der Gamelle einen Stand höher befindet sich nämlich nur noch naturwissenschaftliche Fachliteratur, aber kein Routenbuch.

In L4 (7b) wartet eine Boulderstelle am zweiten BH, sowie um die Kante rum. Beim Rest: einfach dranbleiben!
Eben, dranbleiben (und Hand auflegen...) im oberen, schönen Teil von L4 (7b) ist das Motto.
L5, 25m, 7b+: Rüberqueren, den zweiten Bolt etwas von unten an Sloper-Leisten angehen und dann die Crux zum dritten. Hier kurz und athletisch an Slopern höherzaubern und auf die unscheinbare, positive Leiste unter dem dritten BH zielen. Kurz umsortieren und der Rastpunkt in der Verschneidung ist erreicht. Ab hier noch 1x kräftig und weit an Leisten ziehen, der Rest der Seillänge bietet dann "nur noch" athletische Ausdauerkletterei an eigentlich durchgehend positiven Leisten. Nur nicht versauern...

Nein, nein, ich habe den Foto schön gerade gehalten! Der Start von L5 (7b+) ist so nach hinten gekippt steil!
Zähe, powerige Leistenkletterei dann am Ende von L5 (7b+). Einfach nichts mehr herschenken!
L6, 35m, 6c: Steiler und griffiger Auftakt, der sich weitgehend als harmlos entpuppt. Vorsicht, danach wird's für einen Moment ziemlich brüchig mit auch grösserem Material zum Abwerfen, das zudem direkt den Sicherungspartner gefährdet. Einfach vorsichtig Klettern, dann geht's schon, es gibt genügend feste Griffe. Die Crux dann am Dächli, einfach gerade drüber, keine wilde Sache.

Die wenig fotogene L6 (6c) wird an dieser Stelle durch einen Eindruck aus dem Wandbuch ersetzt. Es handelt sich in etwa um die unverfänglichste und themenverwandteste  Seite aus dem ganzen Werk. Wer möchte nicht gerne eine Kletterpflanze haben (oder sein)... ;-)
L7, 25m, 6a+: Die billige Variante wäre, vom gemeinsamen Stand mit dem Gelben Pfeiler nach links über die Platte auszusteigen. Das hat auch noch den Vorteil, dass man so direkt zum Start der Abseilpiste kommt. Kamasutra wählt aber eine Linie gerade hinauf, der Fels ist dabei nicht von bester Qualität. Die Absicherung zwar nicht richtig schlecht, stürzen wäre aber trotzdem eher unangenehm.

Gar nit so easy, die letzten Meter der Route in L7 (6a+).
Um 15.30 Uhr sind wir in dichtem Nebel am Top. Leider hatte nur während der ersten 3 Seillängen uneingeschränkter Sonnenschein geherrscht. Danach hatte die Bise erste Nebelschwaden über den Klausenpass getrieben. Diese wurden immer dichter und liessen später teils sogar die Sichtverbindung zum Kletterpartner abreissen. Nachdem die Sonne den Fels aber erst hatte aufwärmen können, waren die Bedingungen trotzdem weiterhin brauchbar. Dani holte sich hier mit einer solchen Leichtigkeit den Komplett-Onsight, dass ich mir durchaus Fragen zu meiner Performance stellte. Zwar hatte ich nur in der Crux von L2 und L5 einen Sturz/Hänger zu verzeichnen, den Rest konnte ich durchziehen. Am Top war ich aber ziemlich platt, doch die Route ist wohl einfach nicht zu unterschätzen und meine Leistung war vermutlich gar nicht so schlecht - obwohl man sich natürlich immer höhere Ziele setzen kann. An einigen Schneeresten vorbei ging's vom Top etwas absteigend entlang einem malträtierten Fixseil zum Beginn der Abseilpiste. In vier steilen und schnellen Manövern ist man hier bald am Einstieg retour. Wir hielten uns nicht mehr lange auf und stiegen talwärts. Ein Trupp von 4 Mann mit schwerem Gepäck kam uns entgegen. Von uns unbemerkt hatte sich im Sektor Plattenwand ein Steinschlagunfall ereignet, und da wegen dem dichten Nebel ein Helikopterflug nicht möglich war, war eine terrestrische Bergung nötig. Wir hoffen, dass dabei alles gut ausgegangen ist!

Facts

Chli Glatten - Kamasutra 7b+ (6c obl.) - 7 SL, 220m - Gisler/Müller 2002 - ****;xxx-xxxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, evtl. Camalots 0.3-0.75

MSL-Sportklettertour in meist gutem bis sehr gutem Fels durch die steilsten Zonen am Chli Glatten. Geboten wird einem der für die Zone typische Mix an athletischer und ausdauernder Leisten- und Auflegerkletterei, gewürzt mit ein paar Boulderstellen. Die Absicherung mit BH kann an den einfacheren Stellen als gut (xxx) bezeichnet werden, die schweren Stellen sind sogar sehr gut bis ausgesprochen kurzabständig (xxxx-xxxxx) eingerichtet. Am Ende von L4 ist 6c dennoch obligatorisch und bestimmt macht eine Begehung nur dann Sinn, wenn man zumindest 7a im Onsight sauber beherrscht, sonst wird man in den beiden schweren Längen nicht viel Land sehen. Hinweis: es handelt sich um eine der am schnellsten trockenen Routen am Chli Glatten. Das gute Topo der Erstbegeher lässt sich hier downloaden.

Dienstag, 23. September 2014

Chli Glatten - Open Air (7a+) & Halloween (6c+)

Für ein weiteres Mal hatten uns die Wetterfrösche nichts erfreuliches zu berichten. Ja, es blieb sogar unklar, ob, wann und wo die Sonne scheinen oder es regnen würde, ja gar Blitz und Donner wurden als mögliches Szenario genannt. Also wollten wir es wieder einmal am Chli Glatten versuchen. Dank dem kurzen Zustieg und der moderaten Routenlänge ist hier ein Rückzug im schlimmsten Fall rasch bewerkstelligt. Dennoch bieten die steilen Routen richtiges Alpinkletter-Feeling, und dieses wollten wir auf keinen Fall missen. Unsere Wahl fiel schliesslich auf die 5-SL-Route Open Air (7a+). Nachdem wir von rechts her an den Drahtseilen auf den Vorbau gestiegen waren, konnten wir um 8.20 Uhr zeitig loslegen.

Open Air (7a+)

L1, 30m, 5c: Die Einstieglänge ist noch etwas nass, doch in wahrer Alpinistenmanier meint Jonas "kein Problem". Ist es dann auch nicht, dank der guten Absicherung und den moderaten Schwierigkeiten stören auch die noch etwas klammen Hände nicht allzu sehr. Die Kletterei schon steil, der Fels eher von alpiner Durchschnittsqualität, einige lose Steine liegen auch herum.

Sicht auf L1, 5c. Die Route führt danach links am steilen Pfeiler hoch, in der grossen Verschneidung ist der historische Klausenweg.
L2, 20m, 6c+: Nun muss das Aufwärmen bereits erledigt sein. Diese an sich recht kurze Länge hängt etwa 4m über und bietet Henkelspass par excellence. Die Absicherung ist vorzüglich, nur das Anklettern des zweiten BH muss man sich etwas verdienen. Erst arbeitet man sich irgendwie mit den Seitgriffen der Kante links und denjenigen im Riss rechts in die Höhe. Kurz vor dem Stand spitzt sich die Sache zu, und an einigen flachen Leisten wird geprüft, ob noch Saft in den Armen ist.

Sehr steile Kletterei, die gleich mehrere Meter überhängt, trifft man in L2, 6c+.
L3, 25m, 6c+: Vom Hängestand aus geht es im selben Stil weiter. Ziemlich überhängende Wandkletterei an flachen Leisten und dem einen oder anderen Seitgriff bei bester Absicherung. Knifflig ist dann der Übergang in die senkrechte Zone danach. Hat man diese griffarme Passage gemeistert, warten zwei längere Runouts zum Stand hin. Es ist einfacher dort, einfach schön cool bleiben und den Pump sauber aus den Armen schütteln.

L4, 45m, 6c: Absolut geniale Seillänge, die nicht mehr ganz so steil ist und nach einem leicht überhängenden Wändchen zu Beginn eher technische Kletterei bietet. Der Fels ist rauh und strukturiert, bis auf die hier viel bessere Absicherung wähnt man sich wie an den Wendenstöcken! Es ist vielleicht nicht die spektakulärste, aber sicher doch die schönste Länge der Tour!

Auf sehr schönen, wasserzerfressenen Fels trifft man in L4 und der ersten Hälfte von L5 (7a+), wo Jonas hier klettert.
L5, 30m, 7a+: Bald nach dem Stand folgt die erste Crux, wo man wiederum die seitgriffige Kante links geschickt einbauen muss und schliesslich komplett aufgespannt einen ziemlich weiten Dyno macht, zack! Danach wird mal links abgebogen und einfacher hochgestiegen, um nach einer bereits kräftigen Traverse nach rechts den Abschlussüberhang anzupacken. Dieser hängt nochmals etwa 3m über und ist sausteil. Der Klötzlifels mit seinen flachen Leisten scheint hier nur mässig solide. Da aber von dern Erstbegehern geputzt wurde, kann man vermutlich an ziemlich allem ziehen, was den Händen und Füssen Widerstand bietet. Irgendwie schlägt dieser Fels aber (mir) doch leicht auf die Psyche, jedenfalls war ich um die hier mehr als gute Absicherung froh.

Der extrem steile Abschlussüberhang in L5 (7a+) hat es echt nochmals in sich!
Um 11.20 Uhr erreichten wir nach 3 Stunden Kletterei das Top. Das war jetzt echt eine coole und wirklich spektakulär athletische Route! Der Weg retour an den Einstieg ist rasch erledigt. Praktisch freihängend geht es die obersten zwei Seillängen nach unten. Von dort gelangt man mit 2x60m-Seilen bereits und wiederum komplett freihängend an den Einstieg. Mit 50er-Seilen muss hingegen noch der Stand nach L2 angependelt werden, um dort das Seil nochmals einzufädeln. 

Halloween (6c+)

Weil das Wetter noch zu halten schien, unsere Kräfte noch nicht komplett erschöpft waren und der Hunger nach Fels noch nicht gestillt, wollten wir in eine weitere Route einsteigen. Um im Stil noch etwas Abwechslung zu haben, fiel unsere Wahl auf die in der Plattenwand etwa 60m weiter rechts gelegene Halloween (6c+). Betrachtet man das Topo im Extrem Ost, so werden Open Air und Halloween in Bezug auf Absicherung und Schönheit gleich bewertet (welch ein Witz!). So gingen wir davon aus, dass wir diese auf dem Papier doch markant leichtere Route zügig würden abspulen können. Wir sollten jedoch eines Besseren belehrt werden.

L1, 40m, 6a+: Ich steige die ersten Meter hinauf, und schon beim Blick nach oben fällt mir auf, dass hier nix mit "Klink & Climb" sein wird. Jonas reicht mir Keile und Friends, die wir in der Open Air nicht mitgeführt hatten. In schöner Wandkletterei, sich an eine Verschneidung haltend, führt diese erste Seillänge nach einem etwas grasig-lottrigen 10m-Vorbau in die Höhe. Es ist schon recht fordernd, mit ein paar gelegten Cams ist die Absicherung aber passabel.

Noch schöne Kletterei in L1 (6c+) von Halloween.
L2, 48m, 6b+: Jonas ist dran mit der zweiten Länge. Schon vom Stand aus sieht die etwas einschüchternd aus. Der Fels ist schwarz, staubig und teils auch etwas splittrig. Schon die Passage über die ersten zwei Bolts gleich ob dem Stand ist nicht trivial und etwas heikel. Danach folgt eine überhängende Zone, wo die ca. 6-7m zum nächsten Bohri geklettert sein wollen. Ich übernehme, und kann den Runout meistern, wer's nicht packt, kann sich auf einen 10-15m-Segler am Stand vorbei einstellen. Auf den nächsten, einfachen Metern stecken die Haken dann wieder in Abständen von 2-3m, welch ein Hohn! Später muss dann hingegen ein Wulst wieder 5m über dem letzten Bolt geklettert werden, bevor noch die Crux an einer abwärtsgeschichteten, staubigen und unangenehm zu kletternden Platte folgt. Sie ist hart für 6b+, voll obligatorisch aber ok gesichert, mit dem BH bei den Füssen.

Das ist noch längst nicht der schlechteste Bolt, der in der Halloween steckt.
L3, 35m, 6c+: Meine psychischen Kräfte sind etwas erschöpft, so lasse ich gerne mal Jonas vor. Der Beginn von L3 ist noch nicht so schwer, und auch vernünftig eingebohrt. Dann wird es steil und saumässig staubig. Nach der Crux um den Bolt herum folgt wiederum ein 6m-Abstand im überhängenden Gelände. Ich gehe ran, ok die Henkel sind da, aber stürzen sollte man trotzdem nicht. Weiter geht es mit technisch anspruchsvoller, senkrechter Kletterei an abschüssigem, staubigem Fels. Zuletzt kommt dann zum Stand hin ein 8m-Runout über eine staubige und teils mit roten Algen bewachsene Platte, anhaltend schwer. Ein weiter Sturz droht und dort wo man hinfällt warten labile Gesteinsmassen auf ihren Absturz - Hilfe und nein danke!

Bildunterschrift hinzufügen
Die letzte Länge bleibt uns verwehrt, das Wetter hat zugezogen und Regen liegt in der Luft. Leider steckt an den Halloween-Ständen kein Material, so dass wir auf die Direkte Plattenwand links daneben wechseln müssen. Bald hat uns Terra Firma wieder und läck, da wurden unsere Erwartungen wirklich total enttäuscht. Zudem ist auch die Absicherung teils fragwürdig, mit heiklen Runouts in schwerem Gelände, und dann wieder zahlreicheren Bolts wo man durchmarschiert. Item, ab ins Tal. Während wir es erst noch gemütlich nehmen, treiben uns erste Regentropfen schliesslich doch zur Eile an. Der Schauer gewinnt an Intensität, doch bald darauf sind wir am Auto, und können dem Treiben den Scheibenwischer betätigend locker entgegensehen.

Facts

Chli Glatten - Open Air 7a+ (6b obl.) - 5 SL, 150m - Gisler/Müller 2004 - ***; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile, Keile/Friends nicht nötig und einsetzbar

Interessante und schöne Route rechts am Flachen Pfeiler, die für bei relativ moderaten Schwierigkeiten sehr steile und athletische Kletterei bietet. Dass man in diesem Grad auf gleich mehrere Meter überhängende Seillängen trifft, ist ja doch eher selten. Die Felsqualität in diesen Steilzonen ist ok, jedoch nicht überragend. Die Erstbegeher haben jedoch loses Material gut ausgeräumt und einige hervorstehende Zacken anzementiert, daher kann man hier dennoch sorgenlos moven. Die Absicherung mit vielen BH ist über weite Strecken hervorragend ausgefallen und bewegt sich meist auf Niveau xxxxx. Nur an wenigen Stellen (Anfang L2, Ende L3, Mitte L5) sind die Abstände dann auch einmal etwas weiter, und die Haken müssen teils deutlich überstiegen werden.

Chli Glatten - Halloween 6c+ (6b+ obl.) - 4 SL, 160m - Raillard et al. 1995, Gisler/Müller 2005 - **; xx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile, Camalots 0.3-2

Für mich eine total enttäuschende Kletterei, unter den mir ca. 15 bekannten Routen am Chli Glatten die schlechteste und kein empfehlenswertes Ziel am Klausenpass. Klar, stellenweise ist auch hier die Kletterei recht schön, öfters ist der Fels aber sehr staubig und manchmal auch etwas brüchig. Die Absicherung ist eher schlecht. Es stecken zwar regelmässig Bohrhaken, doch gerade an den schweren Stellen sind die Abstände manchmal weit (teils xx), während an einfacheren Stellen dann wieder mehr steckt (bis zu xxxx). Insgesamt einfach unlogisch, und stellenweise auch mit Potential für nicht ungefährliche Stürze. Hinzu kommt, dass die Bohris teils schon arg verrostet sind. Das verzinkte Material ist für diese häufig mit aus einer Vegetationszone kommendem Wasser überronnene Wand einfach nicht geeignet. Ich denke, diese Route wird in den nächsten Jahren weiter vergammeln und vermutlich vergessen gehen.

Ein sehr gutes Topo mit den beiden Routen und weiteren in diesem Sektor gibt es als PDF.

Montag, 17. Juni 2013

Chli Glatten - Illuminati (7a+)

Kaum zu glauben, schon beinahe 7 Monate waren seit meiner letzten MSL-Tour vergangen. Eine Frist, die länger ist, als es diejenige zwischen der letzten Skitour der alten, und der ersten Skitour der neuen Saison war. Aber was bringt es noch, darüber zu lamentieren. Am letzten Samstag war die Gelegenheit gekommen. Die Wetterlage war zwar nicht restlos überzeugend, der viele Schnee allenthalben in der Tourenwahl noch sehr hinderlich. Doch schliesslich ging es gen Klausenpass, mit dem Ziel am Chli Glatten eine Route zu klettern.

Vor Ort zeigte es sich dann, dass nur gerade die Touren am Südpfeiler und Gelbem Pfeiler nicht flächig nass waren. Die Schnittmenge von den weder mir noch meinem Tourenpartner bereits bekannten Routen beschränkte sich auf die Illuminati (7a+), eine Kreation aus dem Jahr 2011 von Hans Gisler und Heinz Müller. Das schien gemäss Topo eine attraktive Wahl, so mussten wir nicht lange studieren und stiegen über Schnee und Geröll zum Wandfuss empor. Um 11.15 Uhr ging's los.


Der Gelbe Pfeiler am Chli Glatten mit der von uns gekletterten Linie.

SL 1, 6c bzw. 7a+: die erste Länge hält gleich die nominelle Crux bereit. Sie ist aber nur eine Variante zur 6c der Kamasutra, die nach kleingriffig-überhängender Wandkletterei aussieht. Mir war nicht nach Kaltstart und Scheitern gleich zu Beginn von Saison, Tag und Route, an entscheidender Stelle drückte auch noch die Nässe. Somit war die Entscheidung getroffen. Die 6c bietet schöne, technische Wandkletterei mit zum Teil recht weiten Hakenabständen. Insbesondere vor dem zweiten und dritten Haken gilt „stürzen verboten“.


Kurzes Nebel-Intermezzo in SL 1, sonst aber meist bestes Bergwetter, da hatten wir auch etwas Glück!
Durch diese irre steile Wand geht es hoch. Oben eine Seilschaft, die den Höhenpunkt in Kamasutra (7b+) bereits erreicht hat.

SL 2, 6c: in einem leicht fallenden Quergang geht es rund 20m nach rechts. Die Tritte sind zwar recht gut, die Griffe aber winzig und die Wand leicht drückend. Spezielle Art von rüberschleichen also. An der Absicherung gibt es nicht viel zu meckern, dennoch sollte gerade der Nachsteiger die Schwierigkeiten im Griff haben, sonst wird es unangenehm. Kleiner Hinweis: der erste Zwischen-BH steckt jetzt nicht gerade in einem Filetstück von Fels...


Der Quergang der 2. SL: Erich on lead...
... und yours truly schleicht fotogen hinterher.

SL 3, 7a: fulminanter Start mit überhängender Wandkletterei. Doch leider ist die Felsqualität hier nicht über alle Zweifel erhaben. An schiefrigen Auflegern oder etwas fragilen Leisten und Schuppen muss man hier ordentlich Guzzi geben. Da fehlte mir das Vertrauen und der Onsight war rasch passé. Während die Haken erst +/- klettergartenmässig stecken, wartet dann dort, wo sich die Wand zurücklegt, ein 10m-Runout im anhaltenden 6b-Gelände, der ganz schön kühles Blut verlangt. Zuletzt dann noch eine 6a+-Verschneidung zum Stand. Achtung: der letzte BH steckt in einem nicht solide verwachsenen Block. Man lässt ihn besser gleich aus (macht eh nur Seilzug…) und legt am Verschneidungsansatz den 0.4er Camalot.


Kurze Ruhepause in SL 3. Von der Position des Akteurs bis zur gut sichtbaren Exe im dunkelgrauen Fels gibt es keine Sicherungsmöglichkeit, dies bei anhaltenden Schwierigkeiten von 6b. Kühles Blut ist unabdingbar...
...geschafft. Kurz bevor ich im Vorstieg beim Haken war, begann ich doch noch zu Überlegen "was wäre wenn". Auf dümmere Gedanken kann man in einer solchen Situation schlicht und einfach nicht kommen. Mit Verkrampfung und Zuschrauben wie im 8a gelangen die letzten Moves dann doch.

SL 4, 6b+: der Stand und die ersten Meter dieser SL sind an einer grossflächig hohlen Schuppe lokalisiert. Wird ja wohl halten, ist aber schon ziemlich spooky – wenn nicht, dann heisst’s definitiv Tschüss. Die Kletterei an sich steil und athletisch mit guten Griffen. Ziemlich streng, gar nix easy, dafür gut gesichert. Nach etwa 10m biegt man dann nach rechts ab und erreicht mit einem einfacheren Quergang den nächsten Stand an der Kante draussen.


Erich on lead in SL 4...
... und der Autor im Nachstieg.

SL 5, 6c: der Start in diese SL ist gleich knifflig. Für uns wurde das durch die Tatsache verstärkt, dass ein Teil des Schmelzwasserfalls aus dem Stärntaler hierher gewindet wurde, womit auch noch alles feucht bis nass war. Dank dem rauhen Fels ging es trotzdem, sorgen macht hier eher die Absicherung: der erste BH kommt bald, doch dann geht’s etwa 6m bis zum nächsten. In dieser Zone ist die Crux zu meistern, und auch der Sturzraum ist nicht wirklich frei. Achtung, solide Nerven und Können sind erforderlich. Die obere Hälfte der Seillänge hält dann die besten Meter der Route bereit, steile Kletterei an rauhem, griffigem Fels.


Hart neben dem Wasserfall durch in SL 5. Ohne eine kurze Dusche ging's nicht...
Aber bis zum Stand ist man schon wieder trocken. Kniffliger Abschluss-Mantle zum Ende von SL 5.

SL 6, 6c+: schon wieder sind es bereits die ersten Meter, welche einem Schweissperlen auf die Stirn treiben. Erneut kommt der erste BH bald, und dann eine obligatorische Stelle in eine Verschneidung hinein. Man solle einen Cam platzieren, weil es sonst expo sei… ich frage mich bloss wo? Irgendwann klickte dann der Karabiner in den nächsten Bolt, puh überstanden! Nach ein paar einfacheren Zügen warten dann weitere knifflige Stellen: erst eine griffarme Passage in der Verschneidung, dann eine athletische Passage nach rechts hinaus, zuletzt ausdauernde Wandkletterei an Slopern. Während die Moves echt cool sind, ist der Fels etwas soso, und man muss zumindest teilweise schuhschachtelgrosses Zeugs benützen, das nicht sonderlich solide wirkt.


Man überlege sich gut, ob man dem Start in SL 6 gewachsen ist. Ab hier folgt die Crux und 5m Runout zum nächsten BH, den Sturz auf die Platte runter möchte ich lieber nicht von nahem sehen... 
An den Stand von SL 6 wartet zum Schluss noch schöne, ausdauernde Sloper-Wandkletterei.

SL 7, 6b+: nun noch das Abschlussbouquet. Aufgepasst, es ist nicht garantiert, dass dieses einen ungerupft entlässt. Die Crux, technische Moves welche saubere Fussarbeit erfordern, ist nochmals voll obligatorisch zu meistern. Ist diese Passage einmal überwunden, folgt ein 5c-Linksquergang auf glatten Platten. Auf wundersame Weise ist die Absicherung hier nun ziemlich üppig ausgefallen, also irgendwie nicht restlos den Schwierigkeiten angepasst.


Unterwegs in SL 7. Noch zwei einfachere Schritte aufwärts, dann startet die obligatorische Crux-Sequenz.

Um ca. 17.15 Uhr erreichen wir das Top. Das hatte nun ganz schön Einsatz und Effort gefordert. Die Kletterschwierigkeiten wären ja das eine, so wirklich megaschwere Moves (auf jeden Fall im Vergleich zu dem, was ich sonst im Klettergarten mache) gab es hier eigentlich nicht. Doch die Runouts im bisweilen zweifelhaften Fels hatten ihren Tribut gefordert. So ganz frei und unbeschwert bewegte ich mich hier nicht, und auf diese Weise ist halt bereits eine 6c+ anforderungsreich. Wie wusste doch schon Wolfang Güllich: „der wichtigste Muskel beim Klettern ist das Gehirn“. Tja, das war heute wieder mal Beweis dafür…

Via die Abseilpiste über Harakiri und dem klassischen Gelben Pfeiler traten wir alsbald den Weg ins Tal an. Der Verspätung noch nicht genug verklemmte sich beim Abziehen prompt das Seil, so dass wir noch in den Genuss von zwei Zusatz-SL auf der üppig sanierten klassischen Linie des Gelben Pfeilers gelangten. Irgendwann war dann auch das bereinigt, bald darauf standen wir am Wandfuss und nach rasantem Schneefeld-Rutschen wenige Minuten später mit nassen Schuhen bereits beim Automobil. Dennoch, zwei, drei Stunden Rückstand auf die Marschtabelle hatten wir uns eingehandelt. Also nix wie ab nach Hause…


Am Nachmittag gingen die Lawinen im Minutentakt über die Clariden-Nordwand ab,  ein eindrückliches Schauspiel.

Facts

Chli Glatten – Illuminati 7a+ (6b+ obl.) – 7 SL, 230m – Gisler/Müller 2011 – ***, xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3 – 0.5

Anspruchsvolle alpine Sportkletterroute durch die SE-Wand des Gelben Pfeilers. Die Kletterei in der überhängenden Wand ist über weiteste Strecken steil und athletisch. An den Schlüsselstellen ist die Route gut abgesichert, der eine oder andere etwas unglücklich-heikle Runout fehlt aber nicht (Hinweis: diese Stellen wurden offenbar nach unserer Begehung mit zusätzlichen BH entschärft, siehe Kommentare). Der Fels ist meist solide und griffig, teils auch wirklich schön, insgesamt von der Qualität her aber leider nicht überall top. Ich vergebe der Route hier 3*, die 4* aus dem Extrem Ost sind für mich eindeutig nicht vertretbar (siehe auch die Diskussion in den Kommentaren). In meiner persönlichen Glatten-Hitliste rangiert sie deutlich hinter Touren wie Kamasutra, Poker, Herbstwind, Yog Sothoth oder Uristier. Wer will, findet hier das Topo zum Download.