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Dienstag, 23. April 2013

Osterklettern in Sizilien - Teil 7

An dieser Stelle erscheinen in loser Folge die Berichte zu unseren Kletterferien in San Vito lo Capo. Hier folgt nur der letzte Klettertag, an welchem wir noch eine schöne Erstbegehung realisieren konnten. Manche Leute nehmen aus den Ferien ein Souvenir nach Hause, andere lassen eines da...


Tag 7: Salinella, Sektoren Torre Isulidda & Pietraia

So, nun blieb uns nur noch ein einziger und letzter Klettertag. Die Kräfte hatten bereits etwas nachgelassen und so stellte sich die Frage, was denn zu tun sei. Eines meiner Ziele war es auch, in Sizilien eine lohnende Neutour einzurichten, weshalb ich mein Bohr-Equipment mitgenommen hatte. Meine Begehung der einfachen King for a Day (5b) am Tag 5 war nicht alleine um die Wartezeit für Stargate (7c) zu überbrücken. Ich hatte nämlich zwischen der King for a Day und der Barracuda (7a) die Möglichkeit für eine prima Tour entdeckt, und sie im Toprope auch gleich begangen.

Kathrin in Cocodrillo (6a). Die Route führt über den überhängenden Pfeiler in der Verlängerung des Seils.
Nun kehrten wir also zurück, und wollten die Tour einrichten. Um das Seil nach oben zu bringen, kletterten wir die Matter of Trust (5c). Nach je zwei Toprope-Durchgängen waren wir uns über die Hakenpositionen rasch einig. Während Kathrin ein Sonnenbad genoss, erledigte ich das „Dirty Work“. Neben einem Irniger-Stand mit Karabiner stecken nun 8 grundsolide A4-Inoxbolts, welche die 20 Klettermeter absichern. Kathrin erhielt dann die Ehre, der Tour die erste Rotpunktbegehung abzuringen. Das war für sie wie für mich bloss eine Formsache, da wir den Grad auf 6a einschätzen. Dennoch ist hier nix billig oder unnötig, es handelt sich um eine sehr schöne Route an perfektem Fels. Unten senkrecht mit Tropflochleisten, oben athletisch an grossen, griffigen Löchern und Schuppen. Getauft haben wir die Route spontan auf den Namen Cocodrillo (6a) – das Krokodil, denn schliesslich hat sie ja doch einige Zähne. Dass wir, ohne Wörterbuch oder Internetverbindung am Fels, einen Schreibfehler gemacht haben, ist halt etwas Künstlerpech...

Nun eben an diesem Pfeiler, die Durchstiegscrux gerade erfolgreich gemeistert.
Auf die ersten Wiederholer mussten wir nicht lange warten: eine Truppe von Tiroler Kletterern stieg ein, sobald wir fertig waren. Der eine oder andere kam zwar ganz schön ins Schwitzen, doch unsere Vorstellung von Schwierigkeitsgrad, Schönheit und Eleganz der Kletterei wurde von ihnen gerne bestätigt. Für uns blieb nun noch etwas Zeit, um eine Abschlussroute zu klettern. Dazu wechselten wir hinüber nach links ins Amphitheater im Sektor Pietraia. Hier wollte ich der Route mit dem schönen Namen Seltsam anmutende Vollspacken (7b) noch einen Onsight abringen, bevor sie, da als eher leichte Beute bekannt, womöglich in einer nächsten Führerausgabe abgewertet wird.


Allerdings fiel mir die Route doch nicht ganz so locker wie ich gemeint hatte: eine sehr athletische Dachpassage zu Beginn erfordert doch noch einen soliden Blockierer. Ich murkste etwas rum, fand den richtigen Griff lange nicht und konnte mich fast erst in letzter Verzweiflung darüber hinweg retten. Nach diesem Dacherl wartet dann weiterhin steile, griffige Kletterei, dank ein paar guten Ruhepositionen sollte hier jedoch nichts mehr anbrennen. Achtung: in dieser Route sind 2 Fixexen vorhanden, die gefährliche, eingeschliffene Karabiner aufweisen! Diese sind NUR ZUM ABLASSEN/ABBAUEN der Tour zu verwenden, keinesfalls als Zwischensicherung beim Klettern (der Unfall in Magletsch dient als Warnung). Auf diese Art und Weise wäre ich bedient gewesen, doch nach meiner letzten Sizilien-Route gab es noch eine allerletzte, da ich zu einer Express-Rettungsaktion in der steilen Boandlkramer (7a) gerufen wurde. Auch deren athletischen Boulder konnte ich auf Anhieb bezwingen, und so war die Sache rasch bereinigt. So trollten wir uns vom Fels, mit den Kindern gab es einen letzten Besuch am Strand und am Spielplatz sowie das Abschlussessen, denn am nächsten Tag sollte es bereits im Morgengrauen Richtung Palermo und seinem Flughafen gehen.

Kathrin klettert In Summe gelungen (6b) im Amphitheater. Der Boandlkramer verläuft unmittelbar links davon, die seltsam anmutenden Vollspacken klettern direkt durch die enorm steile und schattige Wand links davon. Aus dieser Perspektive kaum zu glauben, dass dies eine leichte 7b  ist.

Routenverzeichnis

Matter of Trust (5c, 34m, ***): Schöne, jedoch im unteren Teil etwas gesuchte Kletterei. Die Zusatzmeter ab dem Stand der KfaD nebenan sorgen wohl am Ende des Tages für einen höheren Zählerstand bei den Klettermetern, sind aber nicht mehr berauschend.

Cocodrillo (6a, 20m, ****): Begeisternde, homogene Kletterei die in senkrechtem Gelände startet und dort mit Tropflöchern aller Grössen aufwartet. Nach einigen sinterähnlichen Strukturen folgt am überhängenden Pfeiler Ausdauerkletterei an grossen Löchern und griffigen Schuppen. 

Seltsam anmutende Vollspacken (7b, 30m, ***): Spe(c)ktakuläre Route mit einer athletisch-kräftigen Bouldercrux am ersten Dacherl. Oben raus wartet dann Ausdauerkletterei an Henkeln, bei der man von mehreren No-Hand-Ruhepositionen profitieren kann. Vorsicht, die vorhandenen Fixexen prüfen!

Boandlkramer (7a, 30m, **): Erst an einem Sinter, dann mit einer powerigen Boulderstelle geht es aus einer Art Grotte/Nische hinaus. Die restlichen Meter zum Umlenker sind dann gutgriffig und nur noch Formsache. Achtung, die Sicherungsperson steigt besser über das 2er-Gelände hoch und positioniert sich in der Nische, anstatt unten auf dem Einstiegsband zu bleiben. Wegen dem ungünstigen Seilverlauf (Schlappseil/Dehnung) braucht es sonst nicht viel für einen Bodensturz... 


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