- -

Donnerstag, 1. Januar 2026

Weihnachtstrip 2025 nach Valencia: Teil 1

In Spanien war ich in früheren Jahren schon in Katalonien an den Crags von Siurana und Margalef sowie in der Region um Lleida unterwegs, ebenso in Andalusien in El Chorro und Konsorten. An die auch sehr bekannten Felsen von Chulilla in der Gegend von Valencia oder die zahlreichen Gebiete an der Costa Blanca hatten wir es bisher noch nie geschafft. Nun kam die Gelegenheit ziemlich unverhofft und spontan, versprach die Gegend doch am meisten Sonnenschein und Trockenheit in noch erreichbarer Nähe.

Im normalerweise trockenen Flussbett des Barranco de Carcalìn. Hinten die markante Eisenbahnbrücke Puente de Carcalìn, welche auch als Sehenswürdigkeit bekannt ist und besucht wird.

Grundsätzlich war die Aussicht auf 8 Tage Sportklettern über Weihnachten 2025 ja sehr positiv. Wie so oft wären wir am liebsten entweder nach Südfrankreich oder Italien gepilgert. Doch ein Mittelmeertief versprach dort während der ersten Tage viel Regen und die danach angekündigte Wetterbesserung erschien aus der Planungsperspektive auch noch sehr unsicher. So wurde in Windeseile ein Trip nach Spanien organisiert und keine 24h später dann auch angetreten. Just in time funktioniert schon "cheibe gäbig" heutzutage, zumindest tat es das in diesem Fall. Somit positionierten wir uns am Rande von Valencia verkehrsgünstig gelegen, um je nach Situation das passende Gebiet auszuwählen - solche gab es in einem Halbkreis mit Radius von 1.5h Fahrzeit nämlich sehr viele. Empfehlenswert schien das schon nur deswegen, weil die Prognosen plötzlich auch in dieser Gegend Jojo spielten. Ein Höhentief oder eben eine DANA («Depresión Aislada en Niveles Altos») wollte da auch noch ein wenig in die Suppe spucken. Schlussendlich löste sich aber doch alles super auf und wir kletterten 8 Tage am Stück bei zwar teilweise etwas durchzogenem Wetter, aber doch immer guten Conditions.

Blick auf den Bereich Carcalìn in Buñol. Links am Grund der Sektor Corral de Cabras, rechts daran anschliessend das Techo del Corral. An den oberen Wänden von El Templo del Metal gibt es noch weitere Routen, welche anscheinend noch seltener beklettert werden. Der Vorteil zum Jahresende liegt darin, dass oben die Sonne ca. 30-45 Minuten länger bleibt.

Tag 1: Buñol

Die Felsen in der Sierra de Malacara sind in Mitteleuropa sicherlich kaum bekannt. Es ist jedoch das vom Flughafen in Valencia in knapp 30 Minuten am schnellsten erreichbare grössere Gebiet mit Routen ab 7a und aufwärts. Somit eine durchaus logische Wahl nach der Anreise am Vormittag. Eine Empfehlung ist es sicherlich auch für wärmere Tage, da es auch schattige Sektoren gibt, welche auf dem Papier richtig gut aussehen. Wir hingegen wählten den sonnenexponierten Bereich von Carcalìn, wo der nach SW exponierte Corral de Cabras und das rechts anschliessende Techo del Corral den Hauptsektor für die winterliche Kletterei bieten. Der Zustieg ist unkompliziert und in 10 Minuten rasch erledigt, viel Sonne gibt's auch - wobei diese durch die Lage im (nicht allzu tiefen) Canyon Ende Dezember schon relativ früh zwischen 15 und 16 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Nicht so ganz auf der Rechnung hatten wir die heftige Brise, welche doch ziemlich durch Mark und Bein ging. Subito wurde die Thermounterwäsche montiert und dann gleich angegriffen. Denn einerseits sprühten wir nur so von Motivation, andererseits war es für eine gemütliche Pause am Fels doch eher zu kalt und die Zeit zu knapp.

Els Bunyolers (6b, os): diese Korallenwand ist der Blickfang im Gebiet und lockt nur so zum Klettern. So schien es logisch, hier zu starten. Die Route ist in der Tat echt cool, wenn man den dritten Haken einmal geklippt hat. Der Start an einem abgelutschten Riss ist hingegen taff und tricky - da musste man sich gleich mehr wie zum Auftakt gewünscht festhalten, um nicht schon zu Beginn der Ferien abzuschmieren.

Tolle Felsstruktur in Els Bunyolers (6b).

Arsenio Torero (7b, rp): weil die Sonne hier zuerst verschwinden würde, die 12m-Route in der begrenzten Zeit einen raschen Tick versprach und die kompakte Steilplatte auch eine interessante Challenge darstellte, verlegten wir uns hier drauf. Sowohl bei Larina und auch bei mir war je ein zweiter Go nötig. Der technische Boulder auf zweidrittel Höhe liess sich einfach nur mit einer ausgeklügelten Funky-Beta an der Haftgrenze bewältigen, welche nicht auf Anhieb zu ermitteln war.

Wer den Onsight verzockt, muss nachher im Schatten punkten: Arsenio Torero (7b).

Lakass (7a+, os): hier am mehr breiten als massiv ausladenden oder hohen Dach gibt's Routen bis 8c+. Zu viel für (nicht nur) heute, ein wenig Steilturnen links am Techo durfte es dann aber dennoch sein. Henkelzieherei mit (sehr) weiten Zügen lautet das Programm. Die Crux wurde entweder mit einem heftigen Blockierer (Larina) oder einem subtilen Kneebar (Marcel) gelöst, die bei der Besichtigung vom Boden aus angedachte Option mit einem Figure 4 blieb hingegen unerprobt.

Dachkletterei mit weiten Zügen in Lakass (7a+).

La Semilla del Riesgo (7b, os): die deutlich meistgetickte Route im Carcalìn ist diese hier. Die orange-kompakte, überhängende Wand erinnert an die Klettereien in Siurana und diese kriegt man dann auch geboten. Zuerst heisst es Durchbeissen beim kräftig-leistigen Start, dann folgt eine knifflige Wand mit einer seichten Rissspur, bevor henkliges Ausdauergelände zum Top führt - geilo! Ich war da ziemlich am Limit, bei Larina sah es dann eher nach randonné aus...

Man beachte die Wurzel des Baumes im Riss! Durch die Wand links im Bild verläuft die Semilla del Riesgo (7b).

Nun war das Tageslicht schon am schwinden, somit strichen wir die Segel und freuten uns darauf, die Heizung im Auto gleich mal aufs Maximum einzustellen. Das war nun ein richtig gutes Ergebnis für die erste Session mit doch 5 Go's und einigen Punkten gewesen. Rückblickend nach Abschluss des Trips gilt es allerdings auch zu sagen, dass es in diesem Gebiet/Sektor durchaus nette Routen mit Spassfaktor gibt, es jedoch in Sachen Auswahl und Qualität natürlich nicht mit einem Topspot wie Chulilla mithalten kann. Der Vorteil liegt dafür in der tiefen Frequentierung (durch nichtspanische Kletterer) und der Nähe zum Ballungsraum Valencia, bei entsprechenden Bedingungen wären u.U. auch die schattig gelegenen Sektoren vielversprechend. Anschliessend ein paar nützliche Tipps zum Gebiet Buñol.

Topo

Als gedruckter Kletterführer wäre der Levante Climbs North (2019) das Werk der Wahl. Für einen kurzen Besuch kommt man auch mit den frei verfügbaren Online-Topos auf valenciaclimbs.com oder The Crag gut aus. Eine prima Übersichtskarte mit Zustieg und Sektoren gibt es zudem hier.

Sperrung

Die Sektoren im Gebiet El Dique sind vom 1.1. bis am 30.6. jeden Jahres gesperrt. Dies betrifft jedoch die hier im Beitrag beschriebenen Felsen nicht, auch das Verbotsschild am Parkplatz darf in dieser Hinsicht ignoriert werden, wenn man nur im Bereich Carcalìn klettert.

Parkplatz

Befindet sich hier, es hat dort für ca. 5 Autos Platz. Falls es voll sein sollte, so dürfte man in einigen Minuten zusätzlicher Fussdistanz weitere Abstellmöglichkeiten finden. 

Freitag, 19. Dezember 2025

Ruogig / Selezerflue - Sendero Luminoso (7a+)

Im Gebiet des Ruogig war ich zu meinen Anfangszeiten in den 1990er-Jahren oft zugegen für MSL-Klettereien im Winter: Hagelstock, Selezerflue und immer wieder die Ganderflue. Auf diesem Plateau über dem Vorderen Schächental gibt's auch in der kalten Jahreszeit viel Sonne, der Zustieg macht mit einer gemütlichen Skitour keine Mühe und die moderate Länge der Routen passt ideal in die Jahreszeit mit den kurzen Tagen. Nach vielen Jahren wollten wir es wieder einmal dort oben versuchen: sehr bescheidene Schneeverhältnisse und milde Temperaturen in der Vorweihnachtszeit 2025 lockten mehr für MSL-Unternehmungen als für Skitouren.

Hier beim Stall der Alp Gand eröffnet sich ein hervorragender Blick auf die Kletterarena Ruogig.

Ja, da oben schreitet die Zeit nicht ganz so schnell voran, noch immer bringen einen dieselben beiden Sektionen einer 4er- bzw. 6er-Kabinenbahn hinauf auf's Ruogig. Ganz dem Retro-Zeitgeist entsprechend ist der für die Retourfahrt auf 22 CHF angewachsene Obulus noch immer ausschliesslich mit Bargeld zu begleichen. Hier gilt das zeitgenössische Motto "was soll ich mit dem Papier im Hosensack, ich will Geld auf meinem Konto" ganz offenbar noch nicht. Trotz der Schneearmut setzten wir für den Zustieg auf die Ski - auf der Webcam und mit den Schneehöhenkarten hatten wir eine noch geschlossene Decke von der Bergstation bis kurz vor den Einstieg identifiziert. Diese präsentierte sich vor Ort tragend und gefroren, so ging's zügig voran. Der Start der Route ist nicht ganz trivial zu lokalisieren. Angeschrieben ist nichts, die Literatur ist vage und das Material steckt in L1 ebenfalls spärlich - ein charakteristischer, hängender Wacholder und links davon ein weiteres Gebüsch gaben uns aber die Gewissheit, richtig zu sein. Um 10.50 Uhr legten wir los.

Die Wand der Selezerflue mit dem detaillierten Verlauf der Route Sendero Luminoso.

L1, 25m, 6a: Der Anfang ist nicht so das Gelbe vom Ei, eher durchzogenes Gelände und ungenügend abgesichert. Vorsicht ist insbesondere vor dem Klippen des ersten BH in eher lottrigen Terrain angezeigt. Nachher bessert es dann, einer griffigen Kante entlang und zuletzt an schönen Tropflöchern gibt es auch auf diesem Abschnitt noch Klettergenuss.

Der mässig attraktive Start in L1 (6a) wird in der oberen Hälfte mit einer tollen Querung im Tropflochfels versöhnt.

L2, 25m, 7a+/7b: Ich kann nur empfehlen, hier bereits gut aufgewärmt und auch mental parat zu sein (nicht ganz einfach!). Der Weg zum ersten BH ist nicht eben kurz, aber im Vergleich zum Rest ist das noch Nasenwasser. Dann heisst es mittels kräftiger Kletterei in einer Linksquerung schon einmal auf die Tube zu drücken, bevor man sich beim zweiten BH vor der Cruxsequenz nochmals kurz sammeln kann. Zwingende Kletterei an kompakten Tropflochfels steht bevor. Leider fehlen die guten und horizontalen Leisten weitgehend, an seitlichen und diagonalen Strukturen gilt es den Anpressdruck für die Füsse zu generieren. Dies notabene auch zwischen und über den Haken in oft wackligen Positionen, da gilt es durchaus Mut zu beweisen. Ein Verspekulieren bei der Beta beendet meinen Onsight und sorgt für einen etwas ungeschmeidigen Abgang :-/ Im nächsten Anlauf klappt's dann und ich werde auf die etwas einfachere, aber doch auch nochmals kräftige zweite Hälfte der Länge entlassen. Fazit: ich bin mir sicher, dass diese Länge schwieriger als 7a ist, mindestens 7a+ wenn nicht sogar 7b ist hier eine sinnvolle Einstufung.

Kleingriffige, sehr technische Wandkletterei steht in L2 auf dem Programm. Solch gute Griffe, wie Jonas hier in der Hand hält, gibt's über weite Strecken nicht. Die Länge ist ein richtiger Knaller und deutlich anspruchsvoller wie der Rest der Route. Mit 7a ist da unseres Erachtens nix zu holen, mindestens 7a+ wenn nicht 7b wäre eine sinnvolle Einstufung.

L3, 27m, 6b: Den Stand nach L2 bezieht man zusammen mit der historischen Wisis Wäg, auch die ersten Meter in L3 verlaufen gemeinsam. Nach wenigen Metern zieht der leuchtende Pfad dann aber rechts weg, ein kräftiger Move von einem Untergriff hoch an eine kleine Verschneidung stellt die Crux dar. In ganz ordentlicher, wenn auch nicht bestechender Wandkletterei geht's weiter. Nach dem vierten und letzten BH legt sich das Gelände zurück und wird etwas grasig-brüchig. Wohin es gehen soll, bleibt eher unklar, gerade hoch ist aber richtig. Da trifft man dann auch noch auf eine vermoderte SU-Schlinge. Trotzdem, dieser Runout ist trotz tiefer Kletterschwierigkeit eine heikle und nicht ganz harmlose Sache.

L3 ist an beiden Enden nicht so fotogen, darum hier lieber ein Ausblick auf die spektakuläre L4 (6b+).

L4, 30m, 6b+: Eine fantastische Seillänge! Steil geht's los, an Querbänder-Henkeln (fast wie am Ofen!) gewinnt man aber mühelos an Höhe. Auch die folgende, eher plattige Zone ist gut strukturiert. Fordernd wird es erst dort, wo die Wand aufsteilt und ultrascharfer Korallenfels folgt. Sowas schmeckt bekanntlich nicht allen Mündern, mir jedoch sehr: lieber scharf am Fels als im Gaumen, Erinnerungen ans Rothorn oder an den Pic de l'Aigle kommen auf. Man kann jedoch nicht nur in diesen schwelgen, ein wenig Festhalten muss man sich auch noch und v.a. die Linie erkennen. Hier sind übrigens zwei strategisch platzierte Alpinexen durchaus vorteilhaft, um sich nicht an der finalen Kante über Seilzug zu nerven. In der Literatur ist diese Länge mit 6b angegeben. Sie ist gut machbar, aber klar schwieriger wie L3 und L5, deshalb unsere Einstufung von 6b+.

Die Gegenperspektive mit megamässiger Tropflochkletterei in L4 (6b+).

L5, 20m, 6b: Dieser Abschnitt hat sein Pulver recht schnell verschossen. Der Auftakt in steiler Wand fordert aber noch einen zünftigen Blockierer, das folgende Dächli präsentiert sich hingegen griffig, bevor es dann nach der gebohrten SU (für ein wenig Wendenfeeling?!) noch Genusskletterei im wunderbar vom Wasser strukturierten Fels gibt. Ein bequemer Stand auf einem Band beschliesst das Erlebnis, dort wäre auch das Routenbuch. Der Gamellendeckel wurde aber offenbar woanders gebraucht, dementsprechend ist die Büchse leer.

Schade, es wäre spannend gewesen, etwas über die Begehungsfrequenz der Route zu erfahren.

L6, 25m, 6c+/7a: Wow, was für ein Abschluss! Erst hinauf an der Kante, dann in die rechte Wand, welche kurz mit einem Riss aufwartet. Dieser führt hinauf in einen Dachwinkel, unter welchem offenbar oft das Wasser rausdrückt. Der Fels ist da rasch mal ziemlich staubig - der Wulst rechts will geentert werden, was in erster Linie ein Entschlüsselungsproblem ist. Für die folgende Bouldercrux über ein Dächli hinweg ist hingegen viel Kontraktion im Bizeps gefragt - geile Passage! Das gilt auch für das luftige Finish, wo es an Schlitzen, Untergriffen und ein paar Slopern powerig dranbleiben heisst. Alles in allem: kein Geschenk für 6c+, wir meinen eher 7a, der offizielle Grad weicht aber nicht so stark von der Realität ab wie in L2.

Che spettacolo! Marcel packt gerade die entscheidende Sequenz in L6 (6c+/7a) an.

Um 14.20 Uhr hatten wir nach 3:30h der Kletterei das Top erreicht. Während das Klima in der Wand weitgehend angenehm bis sehr angenehm gewesen war, pfiff da oben ein zügiger Föhn. Wir erwogen kurz, ob wir gleich über die Route, oder über die 10m weiter westliche beginnende Piste abseilen sollten. Die letztere war unsere Entscheidung - das bedeutete dann auch, keinen Rotpunkt-Go in L2 mehr zu geben, um noch einen stilreinen Gesamtdurchstieg der Route notieren zu können. Naja, passt schon, da muss ich halt ein anderes Mal wiederkommen ¯\\_(ツ)_/¯ Das Abseilen in 3 Manövern (45m, 45m, 40m) ging zügig, wobei die Standplätze auf dieser Piste aus alter Ware bestehen und auch nicht besser wie jene auf der Route sind. Vermutlich wäre es bequemer, gleich über die Sendero Luminoso in die Tiefe zu gleiten, das sollte ebenfalls in 3 Manövern klappen.

Jonas kurz vor dem Top der Route in L6 (6c+/7a) - Windstopper montieren war definitiv notwendig.

Am Einstieg war es windstill und warm. So konnten wir das Ambiente noch ein wenig geniessen, bevor wir kurz übers Geröll zu den deponierten Brettern abstiegen. Am Südhang hatte der Schnee inzwischen aufgeweicht. Das war aber kein Vorteil, da man so aufpassen musste, um Steinkontakt zu vermeiden. Im flacheren Gelände unterhalb gab's dann für ca. 15 sulzige Schwünge sogar noch etwas Fahrspass, bevor die etwas holprige Schussfahrt retour zur Bergstation folgte. Ja, zu Fuss wäre es an diesem Tag auch gegangen, insgesamt waren die Ski aber bequemer und auch schneller. Mit dieser Erkenntnis konnten wir zusammen mit 3 Bergbauern, 2 Hunden und einer Ladung an Alpkäselaiben zu Tale gondeln. Das war nicht ganz so aussergewöhnlich wie eine frühere Fahrt, wo ein Kalb mit uns in der kleinen Kabine transportiert wurde. Für gute Unterhaltung war aber gesorgt: es sind immer wieder spannende Augenblicke, wenn sich das Leben von uns Touristen und den lokalen Landwirten im Mikrokosmos der Bahn für einen Moment gemeinsam bewegt.

Tolles Ambiente am Einstieg - die Bergstation der Bahn liegt vorne an der Geländekante.

Facts

Ruogig / Selezerflue - Sendero Luminoso 7a+/7b (6c+/7a obl.) - 6 SL, 180m - Bircher/Knechtli/Siegel 1993 - ***,xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Cams/Keile nicht nötig

Eine typische Schächentaler Kletterei, weil sie wie ortsüblich Abschnitte mit erstklassigem, strukturiertem, wasserzerfressenem, tropflochigem Fels bietet. Wie so oft fehlen aber auch ein paar rustikale und weniger schöne Passagen nicht - insgesamt aber eine absolut lohnende Sache, wo kurzfristig sogar etwas Wendenfeeling aufkommen kann. Zur Absicherung: diese ist grundsätzlich ganz ordentlich und vernünftig. Die Crux in L2 ist halt einfach anspruchsvoll und auch zwischen den Bolts richtig taff, die untertriebene Bewertung aus der Literatur ist darüber hinaus zu berücksichtigen. Weiter sind die einfacheren Hälften von L1 und L4 im fünften Grad ungenügend gebohrt und etwas heikel, legen kann man dort auch nix Schlaues. Zu erwähnen ist auch, dass die Galva-Kombo mit goldig verzinkten Bolts und rostfreien Plättli die 32 Jahre seit der Erschliessung recht gut überdauert hat. Man kann die Route noch gut klettern, Sanierungsbedarf besteht trotzdem. Das trifft auch für die Standplätze zu. Die Plättli mit kleiner Öse sind mit alten Schlingen zugemüllt, allenfalls ist noch ein alter Schnapper vorhanden - das ist nicht mehr State of the Art. Leider ist die Führerliteratur zu diesem Gebiet entweder veraltet oder dann unvollständig und schlecht. Am besten sind der Extrem Ost (2013) und der Kletterführer Schächental (2005). Alternativ der Uri Excellence oder das SAC Tourenportal, wo sich ein PDF von Alpine Touren Zentralschweizer Alpen Oberalpstock / Windgällen (2010) auffinden lässt. Darum hier im Anschluss ein präzises, schematisches Topo (PDF-Download).

Das Topo zur Sendero Luminoso an der Selezerflue im Ruogig (hier als PDF).

Freitag, 12. Dezember 2025

Quergang Team Boulder Event 2025

Es ist definitiv besser, seine Erinnerungen kurz zu notieren und im persönlichen Album zu verewigen, anstatt sie in der Mottenkiste verstauben zu lassen. In diesem Sinne ein kurzer Beitrag zum Team Boulder Event in der Boulderhalle Quergang, wo ich nun schon das fünfte Mal de suite am Start war (hier gibt's die früheren Berichte). Dies in derselben Konfiguration wie im Vorjahr, d.h. mit Kathrin und einem vielversprechenden Nachwuchstalent, dem 10-jährigen Bartek. 

Body-Positioning-Boulder in der Quali - vielen Dank an dieser Stelle an Slawek für die Fotos!

Neu war, dass ein grosser Teil des Felds vom Herkulis-Universum gestellt wurde. Sonst blieb eigentlich alles beim Alten: 33 Qualifikationsboulder für welche 3 Stunden zur Verfügung standen, der Wertungsmodus mit 1-3-5 Punkten (für 1-2-3 Tops im Team) und anschliessend ein Final mit 3 Teams, wo jede Person genau 1 Boulder klettern musste und man die Zuordnung nach eigenem Gusto taktisch gestalten durfte.

Bartek in Action in der Quali, bei einem langen Quergang-Boulder durch den grossen Überhang.

Mit der Quali konnte ich persönlich, bzw. wir als Team zufrieden sein: ich musste 5 Boulder unbezwungen lassen, wobei 3 sehr athletische Herausforderungen im steilsten Teil der Wand sich als "next level" entpuppten und von niemandem getoppt wurden. Dass mir der schwierigste Koordinationsboulder nicht gelang (welcher von 2 young guns getoppt wurde) mag wenig erstaunen. Da war die Pille, dass ich ein anderes Problem mit kleinen Leisten nicht hinkriegte, schon ein wenig bitterer. Das hiess nämlich, dass ich im Familien-Ranking nicht auf ex aequo stellen konnte. Aber dieser Climb war einfach zu "small box" für mich.

Larina in einem der schwierigeren (aber noch machbaren) Quali-Boulder. Rein aufgrund vom Foto hätte ich dessen Realisierbarkeit für mich jedoch eher pessimistisch eingeschätzt. Solch kleine Griffe und dann erst noch diese glitschig-runden Cheetah-Slimper, zudem gehört der 3-Finger-Drag auch nicht zu meinen (sowieso beschränkt vorhandenen) Stärken. Aber nix da, dieser Send war mir auch vergönnt.

Das war insofern egal, als dass wir als drittklassiertes Team in den Final schlüpfen konnten. Nach einem Teller mit stärkender Kürbissuppe durften wir zur Verteilung der Aufgaben schreiten. Für Bartek kam rein reichweitenbedingt nur ein einziger Boulder in Frage. So mussten Kathrin und ich nur noch entscheiden, wer im athletisch-überhängenden Problem einen Mangel an Athletik, bzw. im Koordo-Boulder einen Mangel an Souplesse an den Tag legen würde.

Hätte vielleicht besser noch einen zweiten oder dritten Teller davon genommen... ;-)

Nach diversen taktischen Erwägungen schickte ich mich daran, im starken Überhang eine möglichst gute Figur abzugeben. Immerhin, bis zur Zone gelang das (die Reichweite half noch ein wenig mit), ab da war es dann wieder ein wenig zu sehr "small box" und "small holds". Keine Chance für mich, Larina bezeugte aber in der After-Final-Session die Machbarkeit der Sache... Somit gab's auch im fünften Jahr für mich keinen Durchstieg im Finalboulder. Ich werde es aber gerne wieder versuchen und erhalte hoffentlich noch oft die Gelegenheit dazu.

"So far so good" lautet mein Kommentar zum hier abgebildeten Go im Finalboulder. Doch ab hier dann, an miesen Griffen sehr eingezwängt auf Gegendruck... da fehlte es gleich an diversen Stellen im Körper an der nötigen Muskelkraft. Vielleicht besser mehr Kilterboard als Rätikonplatten...?!?

Der Clou ist noch, dass der Koordo-Boulder unerwartet gutmütig war. Auch die dynamische Bewegung wäre nicht allzu schwierig gewesen, noch dazu liess sie sich statisch austricksen. Das stehtechnische Finish konnte dann zwar im Rahmen des Finals niemand toppen, mir gelang der Boulder dann aber nach der Rangverkündigung sogar im Flash. Pff, hätte ich etwas mehr auf meine (nur sehr ansatzweise vorhandenen) Koordo-Fähigkeiten (oder der Beta-Break-Möglichkeit) vertraut, so wäre es für uns eventuell ganz gut herausgekommen.

Aus dieser Optik sieht's wohl tatsächlich so unmöglich aus, um vom Startgriff an den nächsten (Unter)griff zu kommen, wie wir es a priori eingeschätzt hatten. Doch mit (dem auf den Rätikonplatten erlangten...?) Trittgefühl war das Volumen für den rechten Fuss sehr gut zu belasten, so war's dann gar keine so grosse Sache. Tja, falsch taktiert ist schlussendlich auch nicht geklettert.

Jedenfalls belegten wir am Ende im Final den dritten und somit letzten Platz im Final. Das spielte natürlich keine Rolle - es hatte wie üblich sehr viel Spass gemacht und es hatte sich eine geniale Bouldersession in kameradschaftlicher Atmosphäre ergeben. Vielen Dank dem Quergang-Team für diesen tollen Event!

Ranking: 1. Pubertiere, 2. Die 3 Erdnussflips, 3. Erfahrung und Talent.