Ein Bericht vom Juni 2026: nach intensiven Sportklettertagen sollte es zum Genuss und der Abwechslung noch eine chillige MSL geben. An einem heissen Tag mit einer auf den Abend angekündigten Gewitterfront schienen uns die Schächentaler Wände das richtige Ziel. Obwohl wir vom November jahreszeitlich fast nicht weiter entfernt sein könnten, wählten wir die Novämber Sunnä - die neuste und laut dem Topo attraktivste Route in dieser Wand. Sie verspricht homogene und gut abgesicherte 6b-Kletterei im rauen und griffigen Klausenfels.
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| Die Südwand der Läged Windgällen mit Start und Top der Novämber Sunnä. |
Den Zustieg wählten wir vom Mettener Butzli, wofür 20 CHF an Taxe zu bezahlen sind. Der Obulus kann an verschiedenen Orten entrichtet werden. Eine Tafel beim Fahrverbot klärt darüber auf, wir wurden beim ersten Bauernhof gleich nach der Tafel freundlich bedient. Aber Achtung, im Schächental gilt noch: nur Bares ist Wahres, man führe einen Zwanziger mit! Die Strasse hinauf ins Butzli ist am Ende nur geschottert und eher rau, war aber auch mit einem normalen PW befahrbar. Eine optimale Alternative wäre sicherlich das E-Bike: zu öffnende und schliessende Gatter, wiederholtes Kühe von der Strasse treiben und ein paar Kreuzungsmanöver verschieben das Zeitgleichgewicht erheblich in Richtung der Zweirad-Lösung.
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| Hier und jetzt geht's los, dies bei tollem Blick auf Clariden, Chammliberg und Schärhorn. |
Vom Parkplatz kurz vor dem Butzli geht's dann durch die Lawinenverbauungen hinauf, es sind mehrere Pfadspuren vorhanden. Nach deren Ende quert man vom Zaun weg erst noch eine Schuttrunse und steigt dann nach ca. 100-150m in mergeligem Gelände über einen Rücken zur Wand hinauf. Eine kurze Traverse an deren Fuss führt einen schliesslich zum Einstieg. Im Juni 2026 war dieser durch einen rostfreien BH und einen roten Punkt markiert. Die Basler Route war ca. 10m weiter rechts noch mit abblätterndem Lack namentlich angeschrieben. Kurz vor 9.15 Uhr legten wir los, die Sonne hatte den Wandfuss eben erreicht.
L1, 25m, 6a+: Erst gestuft und etwas grasig, dann neben einer teilweise mit in die Sequenz einbezogenen Verschneidung auch noch bei zugänglichen Schwierigkeiten hinauf. Der Hauptteil besteht dann aus griffiger und recht athletischer Wandkletterei. Da darf man durchaus ein bisschen zupacken und ist nachher sicher gut aufgewärmt.
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| Im oberen Teil von L1 (6a+) heisst es zupacken: athletische Kletterei an guten Griffen. |
L2, 25m, 6b: Ein goldiges Wandstück wartet wenig oberhalb vom Stand. Es empfiehlt sich, dieses tolle Stück Fels auch wirklich auszunutzen und auf der angedachten Sequenz rechtsherum zu klettern. Die Griffe sind so gut wie erwünscht und bringen einen zügig in eine raue Steilplattenzone in einem seichten Winkel. Die Crux folgt erst da - ein, zwei Moves waren durchaus tricky und erforderten entschiedenes Antreten. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, diese Passage mit der Brechstange gelöst und nicht die leichteste Beta gefunden zu haben.
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| Lukas folgt in L2 (6b), hier gerade die knifflige Cruxzone im seichten Winkel. |
L3, 35m, 5b: Es geht Richtung 13 Uhr hinauf, auf den ersten Metern kreuzt man hier die Basler Route. Es geht erst an einigen recht gut verankerten Schuppen über den Aufschwung hinweg, nachher legt sich das Gelände zurück und ist etwas durchzogen. Der Fels ist jedoch recht solide und die nächste tolle Sequenz folgt schon bald.
L4, 30m, 6b: Die ersten Meter noch leicht zu einer Steilzone, welche sich dank guten Griffen sorgenlos bewältigen lässt. Ganz ähnlich wie in L2 gelangt man auch hier wieder in eher technisches Gelände in hervorragendem Fels, welches ziemlich überraschend der etwas kniffligen Crux aufwartet. Ein kurzer Move, rasch war's erledigt - ob meine Sequenz die 6b-Lösung war, bin ich mir aber nicht sicher. Zuletzt wieder griffiger, aber mit einem etwas weiteren Abstand zum Stand, der sich links um die Ecke versteckt.
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| Super Kletterei in hervorragendem Fels zum Ende von L4 (6b). |
L5, 25m, 6b: Diese Länge verschiesst ihr Pulver gleich zu Beginn: es geht über eine Dachzone hinweg. Nicht alle Griffe bzw. blockigen Strukturen wirken super solide - dem nützlichsten Griff habe ich nicht getraut, wobei der laut den Spuren zu urteilen regelmässig genutzt wird und wohl standhält (es ging auch ohne gut). Einmal oben, lassen die Schwierigkeiten rasch nach. Der Stand befindet sich vor dem Ausstieg in einfacheres Gelände links und ist einfach zu übersehen.
L6, 20m, 4c: Kurze und wenig attraktive Verbindungslänge nach rechts. Der Fels ist nicht schön, aber doch ausreichend solide und die Absicherung passt auch. Der Stand dann links oben in der Nische unter der markanten Verschneidung.
L7, 40m, 6b: Eindrücklich und alpin sieht diese Passage aus. Die einfachste Sequenz nutzt im unteren Teil die Verschneidung mit. Aber Achtung, die linke Wand ist ziemlich chossy und das Sicherungspersonal befindet sich direkt unterhalb in Schusslinie. Ich bin hier im Nachstieg nur rechts in der Wand geklettert. Vielleicht nicht so logisch, aber absolut empfehlenswert und auch nur ca. 6a/6a+. In der zweiten Hälfte stecken die BH dann etwas kreuz und quer, lange Exen oder Halbseiltechnik zum Vorbeugen von Seilzug sind sinnvoll. Die Crux folgt dann am Schluss mit zwei kräftigen Zügen über ein Dacherl hinweg, eher leichtverdaulich für 6b.
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| Alpines Ambiente in der grosszügigen L7 (6b). |
L8, 40m, 6b: Ein tolles Abschlussbouquet über den steilen Pfeiler. Der Auftakt gemässigt schwer und griffig, wobei es vor der Hälfte 1x einen weiteren Hakenabstand gibt. Die Kletterei ist da einfach, allerdings ist das Gestein nicht so solide. Geht aber schon, einfach aufpassen. Die Crux kommt dann erneut unverhofft mit einer technischen Passage bei kurzer Rechtsquerung und hinterliess wiederum das Gefühl, möglicherweise nicht die beste Option gefunden zu haben. Die Zielgerade bietet dann griffig-tolle Kletterei, der Stand folgt kurz vor dem Pfeilergipfel etwas rechts aussen, die BH sind nicht sofort sichtbar.
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| Yours truly in der stotzigen Schlusslänge am steilen Pfeiler (L8, 6b). |
Etwas nach 12.15 Uhr und damit nach gut 3:00h der Kletterei waren wir am Top. Das war nun eine sehr vergnügliche Sache gewesen. Wie geplant bzw. erhofft, hatten wir den Flow gefunden, waren nicht an unsere Grenzen gelangt und konnten einen stilreinen Durchstieg notieren. Relativ umgehend machten wir uns an den Abstieg. Kurz übers Top hinweg, jenseitig ca. 10m absteigen, bis eine Schlinge an der Kante (nicht sehr offensichtlich) auf den Beginn der Abseilpiste hinweist.
Es sind nun 5 Manöver à 30-45m Länge zurück an den Einstieg. Zu erwähnen ist, dass der (auch im neusten Plaisir Ost von 2026 verzeichnete) Abseilstand nach der ersten Strecke demontiert war - nur die nackten Dübel waren noch im Fels. Wir behalfen uns am Stand der Neuen Südwand, das geht auch. Dann sind es zwei Standplätze der Novämber Sunnä und zuletzt noch einer der Basler Route, siehe Topo. Zu erwähnen ist: ein Abseilen bzw. Seilabziehen komplett ohne Steine zu lösen ist schwierig bis unmöglich. Die Eigengefährdung dadurch ist gut zu handeln, aber andere Seilschaften in der Wand wären dem Risiko von einem Treffer ausgesetzt. Das Szenario "Mehrfachbesuch" scheint jedoch von überschaubarer Wahrscheinlichkeit. Die Novämber Sunnä wird laut Wandbuch ~5x pro Jahr geklettert, die anderen Routen sicher auch nicht häufiger. Auch nicht auf null beläuft sich das Verhängerrisiko bei der Abseilerei. Das Glück war uns in dieser Hinsicht aber hold. So waren wir bald zurück am Einstieg und liefen beglückt über die schöne Kletterei und mit viel Zeitreserve vor Eintreffen der Gewitterfront talwärts.
Facts
Läged Windgällen - Novämber Sunnä 6b (6a obl.) - 8 SL, 240m - Fullin/Rhyner 2011 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Cams/Keile nicht zwingend nötig
Tolle Kletterei in griffig-rauem Klausenfels, welche einer interessanten und luftigen Linie folgt. Schöne und sehr kompakte Passagen mit Premier-Cru-Fels wechseln sich ab mit etwas einfacherem, teils auch etwas blockigem Gelände. Der Fels ist auch dort weitestgehend solide, in einigen Passagen schadet etwas Umsicht bei der Griffauswahl jedoch nicht. Insgesamt dünkt es mich aber trotz allem eine Route, wo man sich gut ans alpine Klettern im 6b-Gelände herantasten kann. Die Hauptschwierigkeiten sind kurz und sehr gut mit rostfreien BH abgesichert. Generell hinterlässt die Absicherung einen freundlichen Eindruck. Mir schien sie klar besser als "Plaisir ok", wie es in der Ausgabe des Band Ost 2026 steht - mindestens "gut", an den Schlüsselstellen sogar zweifellos "super". Wenn man möchte, so könnte man vermutlich schon noch den einen oder anderen Cam unterbringen. Nicht häufig jedoch und mir schien dies (bei solider Reserve auf den geforderten Grad) nirgends nötig.








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