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Montag, 8. April 2013

Osterklettern in Sizilien - Teil 3

An dieser Stelle erscheinen in loser Folge die Berichte zu unseren Kletterferien in San Vito lo Capo. Hier geht es weiter mit dem Teil 3, welcher eine veritable Klettersafari durch verschiedene Gebiete beschreibt. Aber so kommt es, wenn es am einen Ort zu feucht und sonnig ist, am anderen eine Altlast erledigt werden muss und man die dritte Wand unbedingt einmal beklettert haben will.


Tag 3: Crown of Aragon, Salinella Pietraia und Never Sleeping Wall

Dass wir uns an diesem Tag auf eine veritable Safari durch Sizilien machen würden, hätten wir auch nicht gedacht. Obwohl unsere Projekte im Sektor Pietraia noch offen waren, wollten wir doch auch mal einen anderen Felsen besuchen und machten uns auf in den hoch gelobten Sektor Crown of Aragorn. Dieser ist sehr sonnig gelegen, bereits um 9.00 Uhr (Winterzeit) treffen die ersten Strahlen den Fels. Ich machte den erfolgreichen Auftakt in der Troppo Duci (7a). Kathrin war nicht so im Strumpf und liess mir bald den Vortritt, damit ich in Mega Dave (8a) noch einen Versuch starten konnte, bevor die Sonne voll reinschien. Irgendwie konnte ich mich mit der dortigen, überaus athletischen Kletterei nicht recht anfreunden. Leider waren auch etliche Sinter noch etwas feucht und damit schmierig. Oft konnte man mit sauberem Umsortieren zwar um diese Stellen herumgreifen, was aber natürlich entsprechende Reserven bedingt. Diese stufte ich bei mir als nicht vorhanden ein, strich die Route von meiner Projektliste und baute sie wieder ab. Als ich wieder am Boden war, schien die Sonne schon dermassen heiss, dass wir uns entschieden, nicht mehr länger an dieser Wand zu verbleiben, sondern unsere Haut und unsere Kräfte besser einzuteilen. 

Stimmungsbild von der Never Sleeping Wall. Das Ambiente in den anderen Gebieten ist ähnlich.

Routenverzeichnis Crown of Aragorn

Troppo Duci (7a, 17m, ***): Schöne, kräftig-ausdauernde Sinterkletterei mit einer Crux nach zwei Dritteln, wo man durchaus zulangen muss und etwas Entschlossenheit braucht. Die Absicherung mit bereits rostigen A2-Bolts die teilweise drehen, und mit aus den Bohrlöchern siffender Feuchtigkeit ist ein bisschen naja. 

Mega Dave (8a, 25m, ***): Auftakt in beinahe dachartiger Kletterei mit an sich recht guten, jedoch aktuell feucht-schmierigen Sinterbobbeln und weiten Zügen. Oben raus dann etwas weniger steil und einfacher, ein wirklich guter Rest folgt jedoch lange keiner. Es mag ja eine leichte 8a sein, mir war sie trotzdem zu schwer… 

Wohin also des Weges? Rüber an den Schatten in den gut besuchten Sektor Cinema Paradiso? Oder an die Never Sleeping Wall? Irgendwie musste ich einfach mein Projekt Red Alert (7c+) beenden, um den Kopf wieder frei zu haben. Und jetzt, bei noch schattig-kühlen Bedingungen, sollte das zu machen sein. Also los, nix wie hin. Da die Linie frei war, bin ich gleich an den Wandfuss hochgesprintet. Hurtig die Finken montiert und angeseilt (Gurt, Exen und Chalkbag waren immer noch auf Mann), locker und mühelos konnte ich den Rotpunkt reüssieren! Da wir nach ein paar wenigen Minuten bereits fertig waren, beschlossen wir, nun doch noch der Never Sleeping Wall bei Custonaci (ca. 15 Autominuten entfernt) einen Besuch abzustatten. 

Die Never Sleeping Wall bei Custonaci bzw. Scurati. Muss man einfach einmal beklettert haben!
Diese war von einer skandinavischen 7-Kopf-Truppe frequentiert, die es aber schaffte, dennoch fast alle der 15 gängigen Routen dieser Wand zu besetzen. Natürlich war in der Mehrzahl der Routen niemand aktiv. Immer wieder löblich, solches Verhalten :-( So blieb uns gar nicht viel anderes übrig, als gleich in die verwaiste Bella Susanna (7a) einzusteigen. Diese wird hoch gelobt, mir hat sie hingegen nicht so gefallen. Lange Zeit ist sie ziemlich einfach (max. 6b) und bietet recht homogene, schöne Kletterei. Für in diesem Grad operierende Leute ist sie im unteren Teil eher weiträumig und vor allem, mit schlecht platzierten Bolts, ziemlich sinnfrei eingebohrt. Als Abschluss folgt dann noch ein kurzer, steiler und nicht besonders hübscher Gegendruck-Sinter. Vom letzten Griff kann man zwar den letzten Zwischenhaken noch bequem klippen, der Stand wurde dann vom Erstbegeher technisch hochgebohrt und ist nun so hoch, dass er von einem schlechten Untergriff gerade noch knapp erreicht werden kann. Aber dieses Einhängen stellt definitiv die Crux dar, ich hatte meine liebe Mühe damit, liess mich aber nicht abschütteln. Wissenswert ist auch, dass in dieser Route schlechtes Material (verzinkt oder A2-Anker) eingesetzt wurde. Im Moment ist der Rost gerade noch am Rande des Tolerierbaren, aber schon bald ist hier eine Sanierung fällig. 

Kathrin in Silent Sleep (6a+) - super Sinterzapfen so weit die Route reicht...
Für mich gab es nun einen Versuch in der Superman (8a). Diese gilt als für den Grad gängig, wobei bald nach dem Einstieg eine harte Bouldercrux (zwei schlechte Untergriffe, keine Tritte) in rutscheligem Fels wartet. Quasi um dies wieder gutzumachen, folgen danach viele schöne, sintrige Meter im 6b-Bereich. Zum Schluss wartet dann eine unschöne, pressige Schlusspassage an Seitgriffen und schlechten, schmierigen Tritten zum Stand hin. Den Einstiegsboulder kriegte ich nur halbbatzig hin, und baute deshalb nach dem Erreichen des Tops wieder mal eine 8a als nicht projektwürdig ab. Zum Ausklettern engagierte ich mich dann noch in den beiden schönen Sinterrouten Fun & Seitenstrang (6c+) und Silent Sleep (6a+), weil die vermeintliche Toptour der Wand, die Tears of Freedom (7a+) während den Stunden meines Daseins von den Skandinaviern trotz Nachfrage (und genügend langer, freier Zeitfenster) nie freigegeben wurde. Der Gipfel war dann noch, dass sie verlangten, wir dürften auch nicht in die Fun & Seitenstrang einsteigen, weil wir sonst auf ihren Fotos das Bild verunstalten würden. Aber hallo, sonst noch Wünsche? Irgendwie fiel mein Fazit zu dieser Wand durchaus gemischt aus: die leichten Touren bieten wirklich sehr schöne Sinterkletterei. In den schweren gibt es typischerweise Zwischenstücke ohne Sinter, die dann harte, unschöne Boulderstellen in rutschigem Fels bieten. Hinweis: am linken Rand der Wand gibt es 4 Neutouren, die im Führer noch nicht verzeichnet sind. Von links: La Rossatua 6c+, Fran Zeta 6c, Ede 7a+, Enoteca Randazzo 7b. 

Routenverzeichnis Never Sleeping Wall

Bella Susanna (7a, 32m, **): Über gut 25m interessante Sinterkletterei im 6b-Bereich. Danach folgt eine etwas gesuchte, kräftige Schlusspassage an einem etwas griff- und trittarmen Sinter. Crux ist das Einhängen der zu hoch steckenden Umlekung. Achtung, im unteren Teil weite Abstände und durchgehend schlechte Haken! 

Superman (8a, 32m, *): Unschöner Auftakt mit harter, zwingender Boulderstelle an extrem rutschigem Fels. Danach über 20m genüssliche 6b-Sinterkletterei, zu einer harten Abschluss-Wandpassage mit kleinen Seitgriffen und schlechten, schmierigen Tritten. 

Fun & Seitenstrang (6c+, 25m, ***): Schöne, kräftige und ausdauernde Sinterkletterei. Die Schlüsselstelle ist das kurze Dacherl, welches aus einer Nische bezwungen werden will. Diese Passage ist scheints etwas grössenabhängig (war für mich problemlos…). 

Silent Sleep (6a+, 27m, ***): Sehr schöne, ziemlich homogene und anhaltende Sinterkletterei. Nie banal, nie mega schwierig, ein richtiger Genuss. Bestimmt um ein vielfaches empfehlenswerteres als die schweren Routen an dieser Wand!


Samstag, 6. April 2013

Osterklettern in Sizilien - Teil 2

An dieser Stelle erscheinen in loser Folge die Berichte zu unsere Kletterferien in San Vito lo Capo. Hier geht es weiter mit dem Teil 2, welcher den zweiten Klettertag beschreibt. Hier konnte ich mit dem Onsight von Pipeline (7c) eines meiner grossen Ziele für diese Kletterferien realisieren. 


Tag 2: Scogliera di Salinella, Sektor Pietraia 

Der gestrige Tag hatte so richtig Lust auf den Sektor Pietraia gemacht, nun wollten wir nicht nur wie gestern zwei Routen machen, sondern die Trüffel ausgiebig geniessen. So machten wir uns zeitig auf den Weg an den Fels, mit dem Vorteil, noch bis in die Gegend von 14.00 Uhr (Winterzeit) im Schatten klettern zu können. Auch heute war es nämlich wieder wolkenlos und 20 Grad warm. Am Schatten waren die Bedingungen aber crisp und perfekt. Das Aufwärmen nahmen wir in der Green Spiders (6a+) vor. Danach wurde nicht lange gefackelt und es folgte der Angriff auf die Pipeline (7c). Mein grosses Onsight-Ziel dieser Ferien konnte ich souverän erreichen. Gut, etwas weniger zögerlich hätte man vielleicht noch klettern können, aber darauf kommt es ja zum Glück nicht an, wenn es aufgeht. Kathrin zeigte in dieser Route auch sehr vielversprechende Ansätze, nach dem dritten Go war aber bei ihr die Kraft komplett weg und der rote Punkt leider noch nicht abgeholt. 


Unbekannter Kletterer in der Pipeline (7c). Links davon im roten Streifen verläuft die Red Alert (7c+).
Mein nächstes Projekt war die Red Alert (7c+). Im Onsight kletterte ich schon gut in die sloprige Crux hinein, scheiterte dann aber doch ohne guten Plan, wie die nächsten guten Griffe zu fassen wären. Bald konnte ich eine passende Lösung identifizieren und war zuversichtlich, dass mir diese Route gelingen würde. Der nächste Versuch fand nun aber schon unter sengender Sonne statt. Bis zur Crux ging es noch gut, aber die Sloper fühlten sich nun bereits rutschig an, und so wurde der zurechtgelegte Plan Makulatur. Es war klar, dass hier heute keine Loorberen mehr zu holen wären, da müsste ich an einem anderen Tag bei frischeren Temperaturen zurückkommen. So liessen wir es für heute gut sein und beschlossen den Tag genusskletternd in der noch schattigen Solo Con Te (6a+) im Sektor Pineta, um dann hurtig zu den Kindern zu eilen. 

Routenverzeichnis

Green Spiders (6a+, 30m, ***): Schöne Route mit einer Stelle unten, wo es Tropflöcher zu sortieren gilt. Nach einfacheren Metern im 5b-Bereich folgt dann am Schluss noch ein cooles Überhänglein. Sehr gut abgesichert. 

Pipeline (7c, 28m, ****): Absolute Toptour! Nach einem einfachen Start leitet eine bouldrige Stelle den schweren Teil ein. Dieser bietet dann fantastische, anhaltende Wandkletterei, die doch immer perfekt aufgeht. Obenraus wird dann auch die Rési noch gefordert, mit den nötigen Reserven kommt aber immer wieder ein Griff, an welchem man das Laktat wieder abbauen kann. 

Red Alert (7c+, 20m, ****): Absolute Toptour! Einfacher Auftakt, dann geniale 7b-Wandkletterei bei welcher man exakt alle vorhandenen Griffe und Tritte benützen muss. Geht aber perfekt auf! Zum Schluss die bouldrige Crux an Slopern, wo man sich ganz ordentlich festhalten muss und crisp-kühle Bedingungen von grossem Vorteil sind. 

Solo Con Te (6a+, 30m, **): Wenig bekletterte Route, die im unteren Teil beinahe einen etwas alpinen Eindruck macht. Teilweise weitere Abstände, scharfer Fels, etwas Gemüse, kein Sturzgelände! Oben raus dann athletischer, in teilweise etwas rutschigem Fels.

Danach ging es zum grossen Sandkasten. Hinten der Monte Monaco, ein weiterer (MSL-)Klettersektor bei San Vito.


Donnerstag, 4. April 2013

Osterklettern in Sizilien - Teil 1

Die letzten Jahre hatten wir Ostern traditionell in Finale verbracht. Das war immer super cool, aber irgendwie kann man doch nicht bis zur Pension immer dieselben Felsen besuchen. Auch waren wir traditionell zu fünft unterwegs, d.h. drei Erwachsene mit den beiden Kindern. Da uns das Osterhasi dieses Mal aber in den Fernen Osten davongehoppelt war, brauchte es eine neue Idee. Als familienfreundliche Destination entdeckten wir San Vito Lo Capo, am Nordwestzipfel von Sizilien an der Küste gelegen. Hier wurden in den letzten Jahren viele neue Klettersektoren erschlossen, von denen eigentlich alle Besucher mit lobenden Worten zurückkommen. So erscheint an dieser Stelle unser Reisebericht in mehreren Teilen. Los geht es mit Folge 1, weitere werden folgen und zum Abschluss gibt es dann ein Fazit mit nützlichen Reisehinweisen.


Tag 1: Scogliera di Salinella, Sektor Pietraia

Die Anreise mit zwei längeren Autofahrten zum und vom Airport, sowie der Flug mit Air Berlin verliefen reibungslos. Nachdem wir uns um 15.00 Uhr komplett im Bungalow auf dem Camping La Pineta installiert hatten, bot sich sogar noch die Gelegenheit für einen ersten Felskontakt. Mit kurzem Zustieg rasch zugänglich ist der Sektor Pietraia am langgezogenen Salinella-Felsband. Mit dem Auto kann man praktisch an den Einstieg fahren, in höchstens zwei Minuten erreicht man den Fels mit der schon von weitem sichtbaren Pipeline - es handelt sich um ein schwarzes PVC-Wasserrohr, für den unmittelbar am Fuss der Felsen gelegenen Camping El Bahira.

Wow, diese Stimmung und Farben! Kathrin hat ersten Sizilien-Felskontakt in Rosso e Nero (6a+).
Im Gegensatz zur Schweiz war hier nicht Winter (auf der Fahrt zum Flughafen passierten wir einen veritablen Schneesturm), sondern praller Sonnenschein und 20 Grad plus! Somit konnte in leichter Kleidung und bei angenehmer Wärme angegriffen werden. Kathrin machte den Anfang in Rosso e Nero (6a+). Sie hängte mir die Exen in die benachbarte Walk the Line (7b), die ich zwar nicht gerade locker, aber doch immerhin onsight steigen konnte – welch ein Start in die Kletterferien, so soll es sein! Zum Abschluss gab ich dann noch einen Go in der Rosso e Nero, bzw. wir tauschten die Routen, damit liessen wir es fürs Erste gut sein. Es galt ja auch noch, dem Strand einen ersten Besuch abzustatten, einen Rundgang durch San Vito zu machen und ein geeignetes Restaurant für den Znacht zu finden.

Routenverzeichnis:

Rosso e Nero (6a+, 30m, ****): 
Sehr schöne, aussergewöhnlich homogene und auch sehr abwechslungsreiche Kletterei. Nie banal, aber auch nie hart. Sehr empfehlenswert, egal ob als Projekt oder als Aufwärmtour!

Walk the Line (7b, 30m, **): 
Über weite Strecken gemässigte Kletterei so +/- im 6b-Bereich, mit zwei kurzen, schweren Einzelstellen: 1x knifflig unten und 1x mit weitem Zug und Stehproblem oben. Durchaus interessant, aber nicht die obergeniale Hammertour.