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Freitag, 8. März 2019

Bye bye Devi

Sicher weit über 100x hatten wir in den vergangenen 5 Jahren das Vergnügen. Bisher war ich noch an keinem Meeting gut genug, doch heute war ich für einmal besser :-) Ob ich es in Zukunft noch einmal mit dir aufnehmen möchte, weiss ich noch nicht so genau. Irgendwie ist es ja trotz der vielen Setbacks zu einem interessanten Spiel geworden... Über die Anzahl meiner Versuche in dieser Route weiss ich ehrlich gesagt nicht einmal genau Bescheid. Irgendwann habe ich nicht mehr weitergezählt, mehr als 100 müssen es jedoch ganz sicher gewesen sein. Wobei ich diese 8a im Waldsektor ob der Galerie nie verzweifelt belagert habe und endlos vergeblich angerannt bin. Aber sie befindet sich im für mich am schnellst erreichbaren Outdoor-Gebiet und stellt im Winter eine der besten Alternativen dar. Und so habe ich sie eben immer wieder als Trainings-Route und als Messlatte benutzt, gerade weil sie für eine lange Zeit gar nicht durchstiegsreif war. 


Vor 2 Wochen war ich nach ein paar Monaten Abwesenheit wieder einmal in der sehr viel Kraftausdauer fordernden Route. Je nach Sequenz und Zählweise sind es 15-20 harte Moves, die ohne Schüttler oder gute Tritte absolviert sein wollen, wobei die Klimax ganz am Ende folgt. Meine letzte Erinnerung datierte auf den Herbst 2018, wo ich aufgrund der Gegebenheiten nicht in ansprechender Form gewesen war. Damals fielen mir schon die einzelnen Moves schwer, ein Durchstieg fühlte sich weit weg an. Doch nun, schon bei meinem ersten Go nach der Winterpause überraschte ich mich, mit welcher (ok, relativen) Leichtigkeit ich die Moves ausführen konnte. So hatte sich das bisher noch gar nie angefühlt... ich hatte die Lunte gerochen. Trotzdem galt es noch, die spezifische Kraftausdauer für den Durchstieg zu erlangen. Einige Male - jeweils knapper und knapper - scheiterte ich noch am letzten richtig harten Move in den vertikalen Schlitz am Abschlussbauch. Eigentlich war ich sicher, dass mit diesem in der Hand der Durchstieg gelänge. Als die Finger dann endlich einmal stecken blieben, wurde es im Anschluss aber doch noch ziemlich spannend...

Mit dem Ziel vor Augen gingen die finalen Moves im "Flucht nach vorne"-Modus gerade auf, aber mit Reserve nullkommanull. Aber echt cool, dieses Projekt mit einem absoluten Limit-Durchstieg beenden zu können und nicht mit dem Gedanken "war ja gar nicht so schwierig, was habe ich da bloss 5 Jahre lang gemacht?!?" :-) Befriedigend und inspirierend ist der Durchstieg für mich vor allem, weil ich die einzelnen Sequenzen zwar schon lange drauf hatte, mir die Route lange Zeit aber doch zu schwierig für den Rotpunkt war. Mir fehlte einfach die nötige Power, um die Moves zügig, effizient und ohne Firlefanz durchziehen zu können - kein Wunder, dass man dann irgendwo rausfault. Und in Sachen Power hat sich etwas getan, wie das Exempel schön demonstriert! Rein vom Grad her wäre 8a jetzt kein extrem exklusives Erlebnis mehr für mich, sind da bisher doch gut 30 Stück und auch noch 10 schwierigere Routen zusammengekommen. Aber wie man so schön sagt, der Challenge liegt immer darin, die Route zu klettern, und nicht einen Schwierigkeitsgrad. Von einem bin ich aber überzeugt: die Devi war die bisher härteste 8a, die ich durchsteigen konnte.


Tipp: zur Beta kann (und will) ich gar nichts sagen. Es ist sowieso höchst individuell, welche der vielen mässig bis schlechten Tritte man benutzt und selbst die gewählte Griffsequenz variiert zwischen verschiedenen Kletterern recht stark. Hingegen: bei Temperaturen >15 Grad bin ich nie eingestiegen und wenn's (luft)feucht war, fiel es mir jeweils auch schwieriger. Das ist umso akuter hier, als dass die Devi ein ziemlicher Fleischwolf ist. Mir hat's am ersten Glied des rechten Zeigfingers reproduzierbar ein Loch reingerissen. Somit waren Versuche nur in homöopathischen Dosen sinnvoll. Zuletzt mein Dank an Frido für's hilfreiche Messinstrument, es wird gerne benutzt! Und erst recht an meine Familie und insbesondere meinen Dad, die hier bei unzähligen Sessions mit dabei waren.

Dienstag, 5. März 2019

Claro: a^n + b^n = c^n, lösbar oder nicht?

Im Schnee wäre es ganz sicher auch toll gewesen, doch an den Felsen von Claro den Frühling zu geniessen schien auch eine gute Devise. So war's dann auch, die Bedingungen waren exzellent und nachdem auch die erst noch bockigen Projekte gelangen, war's endgültig ein genialer Ausflug. Das ist nämlich schon ein wenig das harte Los beim Sportklettern: während bei einem Schneetag der Erfolg bei vernünftiger Planung quasi garantiert ist, so kann man bei einem Kletterprojekt (welches diesen Namen wirklich verdient) auch mit leeren Händen heimgehen. Oder um es mit den Worten von Martin Fourcade auszudrücken: "Sport de merde...mais c’est pour ça qu’on l’aime tant!"

Tolle Bedingungen und viel Volk in Claro. Kletterer in Machintosh (7a) und Te la do io l'arca (7b).
Drei Wochen zuvor war ich schon einmal vor Ort. Damals gelang mir schliesslich der Durchstieg der Direktvariante vom 'Poetic Face' (8a), eine allgemein als "soft" bekannte Route. Diese Einschätzung kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht teilen. Klar, die Route ist kurz und bietet keine Geheimnisse. Wer dem Grad überlegen ist, wird hier vermutlich zügig zum Erfolg kommen. Trotzdem, schon die Bouldermoves vom Boden weg fielen mir richtig schwer. Am meisten Mühe bereitete mir jedoch die Stelle vom dritten zum vierten Bolt. Die Standard-Beta ist mit meiner Grösse einfach nicht durchführbar. Nur mit einer kreativen Lösung ging's hart am Limit - nur musste das dann auch noch nach dem Einstiegsboulder gelingen. Nur nach einigem Effort und mit etwas Glück konnte ich es schliesslich zusammenhängen. Den nachfolgenden Quarzwürfel einmal in der Hand war's dann für mich einfacher, der berühmt-berüchtigte Mantle und der glatte Plattenausstieg lagen mir da deutlich besser.

Frühlingsgefühle... da vermisst man den Schnee gleich nicht mehr.
Noch an diesem Tag schnupperte ich dann auch noch ein wenig in 'L'ultimo teorema di Fermat' (8a+). Als Mathematiker ja eigentlich eine ziemlich logische Wahl. Doch dass beim Klettern nicht alles logisch zu sein braucht, zeigte sich hier wieder einmal bestens. Auf's erste Versuchen hin schien mir die 'Fermat' trotz höherem Schwierigkeitsgrad einiges zugänglicher zu sein als das eben durchstiegene 'Poetic Face'. So brannte ich natürlich darauf, hier möglichst bald eine echte Chance zu kriegen, die dann eben mit dem Weekend-Trip kam. Bei meinem ersten Go war ich erstaunt, wie viel schwieriger mir die Route im Vorstieg als im Toprope fiel und erst musste natürlich auch die Beta einwandfrei sitzen. Mit dem nächsten Go war dann plötzlich die Hoffnung und die Erkenntnis da, dass es wirklich geht. Damit kam auch der Erfolgsdruck und so misslang der nächste Versuch prompt wegen zu fahrig-nervös-unpräziser Kletterei kurz vor dem Rettungsgriff. Eine gütliche Pause später waren es dann die Bedingungen, die mich ausbremsten: an der Nachmittagssonne war es einfach zu schmierig-warm geworden. Somit musste der letzte Versuch kurz vor dem Eindunkeln die Erlösung bringen. Da passten zwar die Bedingungen wieder, nur fehlte mir schliesslich das letzte Quäntchen Kraft. So wird dann simples Sportklettern eben doch zum Mind Game...

Im Winterhalbjahr stellt einem der Zugang oft vor Probleme. Bei diesem Besuch war die Strasse hinauf nach Censo zwar zu 99% schneefrei, aber ein paar Abschnitte in nordexponierten Buchten waren dermassen spiegelglatt vereist, dass an ein Durchkommen mit dem Automobil nicht zu denken war. Aktuell (Anfang März 2019) ist jedoch alles aper und problemlos passierbar. Im Tessin hat's keinen Schnee weit und breit, man könnte wohl schon fast trockenen Fusses bis auf den Pizzo di Claro steigen.
Doch neuer Tag, neues Glück: am Sonntag früh lief's dann nach dem Aufwärmen so wie es sein sollte. Die Bedingungen schön grippy, der Power den Anforderungen genügend und so war plötzlich alles im Fluss. Zumindest bis zu jenem Rastpunkt, wo die Schwierigkeiten beinahe vorbei sind. Ab dort wartet nur noch ein fusstechnisch heikler Dynamo. Man muss sehr plattig und mit höchster Schleudergefahr antreten, doch im Kontrollmodus und ohne richtig Schub aus den Beinen geht der lange Zug nicht. Doch ich konnte meine Nerven im Zaum halten, den Griff schnappen und hinauf zum Umlenker sprinten - genial! Somit war also für n=7 eine Lösung zum Fermat'schen Problem gefunden. Gut auch, dass Klettern nicht Mathematik ist - dort dauerte es nämlich ~350 Jahre um festzustellen, dass das Problem definitiv nicht lösbar ist. Sozusagen als Beigemüse gelangen mir noch die Rechtsvariante der 'Riderstone' (7b+) und die superheikle Platte der 'Zigofolies' (7a+) im Onsight - wenn's läuft, dann läuft's. An der letzteren Begehung freue ich mich auch mega, für mich persönlich war das nämlich deutlich anspruchsvoller und mehr am Limit wie die 7b+. Zuletzt ein Avis aux Amateurs: eine neue Route hat's in Claro auch noch gegeben. Mit dem Namen 'Pachiderma' (7b) führt sie am Cubo zwischen 'Il Questionario' und 'Il Grande Passo' in die Höhe. Ein Platten-Intro um 6c herum führt zum abschliessenden bouldrigen Wulst mit Ausstiegsmantle.

Neben den Mind Games ein weiterer Faktor beim Sportklettern. Da kannst du noch so wollen, so geht's einfach nicht mehr.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Just an ordinary family weekend: Powder am Mieserenstock und mehr...

Jetzt wäre die Zeit da, um die grösseren Skitouren zu reissen. Das lag an diesem Weekend organisatorisch nicht drin, aber ein paar gute Schwünge hat's trotzdem gegeben. So war uns am Samstag ein Ausflug am Vormittag vergönnt, galt es doch am Nachmittag mit den Kindern noch einen Boulderwettkampf zu besuchen. In den Tagen davor hatte ich meine Pre-Work-Touren im Tössbergland bereits bei besten, frühlingshaften Sulzverhältnissen geniessen können. Doch nun stellte sich die Frage, ob wir dies auch für die Samstagmorgentour tun sollten, oder wir doch noch in einem Schattenloch auf die Suche nach etwas Pulver gingen. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns schliesslich fürs Hintere Sihltal und zogen damit voll den Joker.

Skitourenidylle im hinteren Sihltal mit Mieserenstock, Höch Hund und den Chläbdächern.
Ein paar Minuten nach 8.00 Uhr starteten wir beim P.1067, die vereiste Strasse vom Ochsenboden her war mit ausreichend Schwung gerade so bis dahin zu passieren. Nach einigen Minuten konnten wir unseren Blick auf die Eisfälle bei Fläschen richten. Tolle Erlebnisse mit der Begehung dieser Routen kamen wieder auf. Augenscheinlich herrschten noch gute Bedingungen, obwohl es in den Tagen zuvor auch nicht mehr wirklich kalt gewesen war. Wenig später galt es, einen üblen Lawinenkegel zu überqueren - ein klares Indiz, dass der Übergang vom Hochwinter in den Frühling rasch vollzogen worden war und es auf die tageszeitliche Erwärmung Acht zu geben galt. Durch den gut eingeschneiten Sihlwald gelangten wir hinauf auf die Ebene von Feldmoos und hatten uns für ein Tourenziel zu entscheiden. Da eine Vierergruppe bereits weit oben den Höch Hund anspurte und zwei weitere Tourengänger ihnen folgten, entschieden wir uns, den Mieserenstock anzupeilen, wo noch niemand unterwegs war.

Blick auf die Eisfälle bei Fläschen. Da kommen Erinnerungen an unsere Begehungen vor ein paar Jahren auf.
Zu passierender Grundlawinenkegel auf dem Weg zum Gribschli.
Hier war ich vor 7 Jahren das letzte Mal gewesen. Damals war auf den Karten noch der östliche Punkt (2199m) als Gipfel markiert, deswegen steht auch heute noch das Kreuz an diesem Ort. Auf den neusten Karten ist jedoch der 150m weiter westliche gelegene P.2203 als Gipfel bezeichnet. Da höher, macht das jeden Sinn und skifahrerisch ist das auch gleich noch lohnender, weil man von dort in deutlich direkterer Linie abfahren kann. In noch mässig steilem (aber trotzdem nicht harmlosem!) Gelände fellten wir hinauf zum engen Couloir, welches den Durchschlupf in die Gipfelflanke erlaubt. Wie schon letztes Mal waren wieder viele Spitzkehren notwendig. Danach hat man wieder mehr Platz zur Verfügung. Die steilen Hänge erfordern aber gehörig Respekt, die letzten 150hm sind durchgehend >35 Grad mit einer Schlüsselstelle, die sogar über 40 Grad steil ist. Hier müssen bedingungslos sichere Verhältnisse herrschen, welche mit der Gefahrenstufe "gering" jedoch gegeben waren. Auf dem Gipfel herrschte Panorama Grande bei sehr angenehmen Bedingungen, exzellent!

Formvollendete Schönheit :-) Die letzten Meter über den Grat zum Mieserenstock P.2203.
So haben wir's gern! Gipfelpanorama auf dem Mieserenstock mit Blick zur Silberen und in die Glarner bzw. Urner Berge.
Die Abfahrt war dann nicht weniger grandios: sowohl die Gipfelflanke wie auch die langen Hänge ins Chräloch hinunter wiesen noch prima gesetzten, sehr gut drehenden Pulver auf kompakter Unterlage auf. Dank der guten Schneelage konnte ich sogar das Couloir auslassen und die felsige Steilstufe etwas östlich in fast direkter Falllinie des Gipfels durch eine steile Rinne bewältigen. Weiter ging's genussvoll bis ob dem Sihlwald. Im Wald war der Schnee bereits aufgeweicht, doch selbst das machte Spass! Dann noch rasch vom Gribschli retour zum Parkplatz sausen (bis auf die Passage über den Lawinenkegel) und dann ab zum nächsten Programmpunkt. Wie sich zeigen wollte, waren die Zeitreserven bereits ziemlich ausgereizt... also rasch daheim die Kinder aufgeladen und gleich in den Skiklamotten weiter ans Move & Groove im Grindelboulder.  Schon letztes Jahr hatten wir dem Kinder-Wettkampf beigewohnt, dieses Jahr wollten wir es nicht anders machen.

Grandioser Fun auf der Abfahrt in kompaktem, pulvrigem und sehr gut drehendem Schnee!
Auch heuer standen wieder extra für die Kinder geschraubte, interessante Probleme zur Auswahl. Noch dazu ein interessanter Modus, der die Kinder so richtig animierte. Fast ein wenig schade, dass die Teilnehmer hier noch nicht ganz so zahlreich kommen wie z.B. am Sparta Fight. Für unsere Kinder ging's sehr gut aus: Boy auf Rang 1 in der unteren Altersklasse, Girl auf Rang 2 in der oberen. Schliesslich wurden sie auch noch eingeladen, am folgenden Wettkampf für die Erwachsenen in der Easy-Kategorie teilzunehmen. Hier waren die Boulder jetzt logischerweise nicht mehr ganz so kindergerecht geschraubt - aber der Challenge beim Klettern ist ja gerade, mit allem möglichen fertig zu werden und nicht nur mit dem, was einem speziell präpariert wurde. Das Video vom Finalboulder (unbedingt mit Ton anschauen) zeigt wohl, warum die Teilnahme an den Wettkämpfen so richtig Spass macht - Move & Groove eben! Die Efforts wurden schliesslich mit einem weiteren zweiten Rang für die Tochter belohnt.



Doch vor lauter Kämpfen und Mitfiebern war es spät geworden. Irgendwie zu spät, um bei der in diesen frühlingshaften Verhältnissen schnell tickenden Uhr noch auf eine grosse Skitour zu gehen. Somit gab's dann nur ein Morgentüürli an die fabelhaften Sulzhänge im Tössbergland, gefolgt von Sportklettern am Fels. Irgendwie heisst das, die Top-Bedingungen nicht ganz aufs letzte ausgereizt zu haben. Andererseits aber auch egal - mir gelang's, gleich noch ein wenig mit bereits bestehenden Projekten aufzuräumen. Somit wird die Woche klettermässig mit einer 7c+ und einer 8a rotpunkt beschlossen. So könnte es weitergehen :-) Bzw., so (oder noch etwas besser, schliesslich ist ja schon Mitte Februar) müsste es weitergehen, wenn's bis zum Jahresende 100 Routen auf diesem Niveau sein sollen, wie ich in meinem Ausblick davon geträumt hatte. Naja, sehen wir, was die Zukunft bringt!