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Sonntag, 21. August 2016

Ruchstock - Speck-Kante (7a)

Ich könnte an dieser Stelle von unser idealen Planung berichten, d.h. wie wir es bei widrigen Verhältnissen trotzdem geschafft haben, eine trockene und lohnende Kletterroute zu finden. Das wäre aber dann ein bisschen gelogen. Mit dem Ruchstock ist es nämlich ein bisschen ein Kreuz. Schon lange haben wir die beiden Routen Black Mamba und Dream Team durch die Südwand auf dem Radar. Doch einmal wurde ich in der Nacht vor der Tour plötzlich krank, ein anderes Mal hielt uns die Arbeit kurzfristig von einer Begehung ab und ja dieses Mal, da wurde es auch wieder nichts. Immerhin, so knapp wie dieses Mal sind wir noch nie gescheitert.

Alles wie frisch gewaschen... auf Ristis, bei der Bergstation der Brunnibahn vor dem Aufbruch.
Die Wetterprognose lautet auf einen trocken-sonnig-warmen Tag, ein bisschen Niederschlag am Vortag sollte der Begehung nicht im Wege stehen. Doch spätabends, als wir unser Ziel bereits fixiert haben, geht über Engelberg noch ein heftiges Gewitter nieder und deponiert 45mm Regen, ein Drittel des durchschnittlichen Monatsniederschlags. So erstaunt es dann nicht, dass die sich Wände im ganzen Talkessel am nächsten Morgen schwarz vor Nässe präsentieren. Da wir vor Ort sind und nicht noch in der Weltgeschichte herumfahren wollen, um an den nächsten Orten dasselbe Bild zu sehen, machen wir uns trotzdem auf den Weg. Womöglich würde ja die starke Sonneneinstrahlung der Nässe rassig den Garaus machen. Bei dem rauen Hochgebirgskalk und der Wandkletterei, welche die Routen bieten, ist das ein durchaus realistisches Szenario.

Schön anzusehen, aber einfach nicht ganz ideal für die Felstrocknung, diese Quellwolken.
So gondeln wir mit der Bahn nach Ristis und laden auch das Mountain Bike mit ein. Das kostet nur 4 CHF extra, ist somit günstiger als die Retourfahrt und bildet den Joker für einen bequemen Weg ins Tal, falls man die letzte Fahrt abends verpassen würde. Von Ristis (1599m) radelt man bequem auf nicht allzu steil ansteigender Teerstrasse bis zum Rigidalstafel (1747m) bzw. bis zum Vogelloch wenig oberhalb. Dort steht das Schild "Ende der Bikestrecke", und man müsste dieses auch für rund 100hm bis zum Holzstein schieben oder schultern. Danach wäre der mit etwas Auf und Ab nahezu horizontal verlaufende Pfad bis zum Planggenstafel wieder gut fahrbar, für jene die genügend Saft in den Beinen haben mit wenigen Schiebepassagen sogar der ganze Aufstieg bis zur Rugghubelhütte. Vor allem der Downhill von daselbst würde dann allererste Güteklasse aufweisen. Das alles jedoch im Konjunktiv, denn nebst dem ersten Schild am Rigidalstafel trifft man danach auf drei weitere Schilder, welche das Biken im Jagdbanngebiet untersagen.

Die Südflanke des Ruchstock mit dem besten Wegverlauf hinauf zur Route (ca. T5).
In 1:20 Stunden ab Ristis waren wir in der Hütte, von da wären es noch ca. 20 Minuten an den Einstieg. Leider herrschte aber nicht eitel Sonnenschein, sondern es waberte reichlich Quellbewölkung herum, so dass sich die Situation an der Wand noch nicht zu unseren Gunsten verbessert hatte. Also gingen wir erst mal eins trinken und trafen auf eine weitere Seilschaft, welche auch den Ruchstock auf dem Radar hatte und auf Besserung wartete. Nach einer Weile (bei immer noch unveränderter Lage) beschlossen wir, doch wenigstens mal am Einstieg nachzusehen. Erst noch dem Pfad entlang, dann die Grashänge hinauf und zuletzt die etwas mühsame Querung der labilen Geröllhänge - nur um zu sehen, dass die Wand nicht nur schwarz vor Nässe war, sondern dass ganze Kaskaden über den Routenverlauf tropfen. Da war dann gleich klar, dass dies nicht von einer Stunde Sonne in einwandfreien Zustand kommen würde. Somit war eine gute Alternative gefragt...

Gefunden, irgendwo im nirgendwo. Schon erstaunlich, wie selbst eine ganz einfache Beschreibung ausreicht, um den Einstieg aufzufinden, sofern der Weg dorthin und auch die Route absolut logisch sind.
Unsere Sandwiches verspeisend entschieden wir, einmal rechtsrum im Schrofengelände aufs Band in Wandmitte zu kraxeln. Dort wollten wir entweder die Speck-Kante (5 SL, 7a) anpacken, welche sich an einem Turm rechts aussen befindet, oder dann notfalls einfach den oberen Wandteil einer der langen Südwandrouten klettern. Der Aufstieg ist nicht allzu schwierig (ca. T5), aber doch exponiert und ein Ausrutscher liegt nirgendwo drin. Zusammen mit dem nassen Gras und dem komplett durchweichten Boden war reichlich Aufmerksamkeit nötig. Der beste Weg ist übrigens absolut logisch, und in der Toposkizze von Erstbegeher Sämi Speck (siehe unten) auch nachvollziehbar eingezeichnet. Im Gelände findet man zudem hier und da einen verblassten, roten Pfeil, der einem die Routenwahl bestätigt. Was wir zu Gesicht bekamen, war immerhin erfreulich. Der freistehende Turm der Speck-Kante, ohne jede Vegetation, war augenscheinlich trocken und würde einen Versuch zulassen. Um 11.55 Uhr und damit nach 3:45 Stunden nach unserem Aufbruch in Ristis waren wir (natürlich mit vielen Pausen und Umwegen) startbereit.

L1, 40m, 6a+: Nach den ersten, noch etwas brüchig-einfachen Metern sehr schöne Kletterei in rauem, kompaktem Hochgebirgskalk. Das Gestein ist speziell geschichtet, es gibt viele grosse, runde Griffe und Aufleger, aber kaum positive Henkel. Beim Klettern gab der Fels (zumindest uns) immer ein bisschen das Gefühl, dass wir uns ungeschickt anstellen - liegt wohl daran, dass das raue und nicht allzu steile Gestein den Eindruck vermittelt, hier einfach hochtänzeln zu können. Wegen der anhaltenden Rundheit müssen die Moves aber sorgfältig geplant werden.

Blick vom Einstieg nach oben. Sieht vielversprechend aus, cooles Wolkenbild dazu!
L2, 30m, 6b: Nun geht's nur wenig rechts der Kante steiler aufwärts. Sehr schöne Kletterei an immer noch vorwiegend runden Strukturen, mit ab und zu einem (natürlich ebenfalls abgerundeten) Riss, der einen Seitgriff hergibt. An sich gut abgesichert, mit zwei längeren Runouts in einfacherem Gelände in der Mitte, welche den Rahmen von xxxx-Absicherung sprengen. Der Fels natürlich auch super rau, Speck ist wohl der Name des Erstbegehers, aber ganz und gänzlich nicht die Situation am Fels.

Schöne Kletterei in rauem Hochgebirgskalk mit vielen runden Strukturen (wäre ideal für eine Finger-Reha!): L2, 6b.
L3, 25m, 6a: Es wird noch besser, es kommt die bisher schönste Seillänge. Die Zone unter dem grossen Überhang weist allerbesten, wasserzerfressenen Fels auf. Nun hat's auch einige griffige Tropflöcher und Briefkastengriffe der allerersten Güte. Ein grosser Genuss, hier hochzusteigen.

Sehr schöne Kletterei in fantastischem Fels wartet in L3 (6a).
L4, 35m, 7a: Achtung, hier gibt's zwei Varianten. Direkt ob dem Stand hoch führt die "Direkte Speck-Kante" (7b, siehe Beschreibung unten). Die Route führt aber eigentlich erst in einem Quergang nach rechts, und dann die Wand hinauf. Erst geht's eng abgesichert und noch recht griffig in schönem Fels aufwärts. In der Mitte kommt dann die Crux: der Fels ist irre rau, aber nicht so wirklich griffig. Technisch zaubern in senkrechtem Fels heisst es da für ein paar Meter, vor allem ist die beste Passage ob den unendlich vielen, etwa ähnlich guten oder eben schlechten Griffmöglichkeiten kaum zu erkennen. Pokern heisst es da, meine Variante geht jedenfalls in einem Onsight auf. Trotz der sehr guten Absicherung hatte ich den Eindruck, dass die schwersten Moves recht zwingend sind - aber vielleicht täuscht's auch, und man würde bei Verwendung einer Trittschlinge doch mit 6b A0 durchkommen. Zuletzt dann noch 10 einfachere Meter in plattiger Verschneidungswand zum Stand.

Coole Kletterei und das Ambiente passt: L4, 7a.
L5, 25m, 6b: Nun geht's noch auf den steilen Turm hinauf. Das Gestein sieht etwas nach Klausen-Klötzlifels aus. Allerdings entpuppt es sich als solide und ist auch cool zu beklettern. Eher etwas technisch und fein im ersten Teil, grossgriffiger und leicht überhängend dann zum Abschluss, wirklich lässig.

Klötzlifels in solider Ausprägung, hinauf auf den steilen Turm: L5, 6b.
Etwas vor 14.00 Uhr sind wir nach 2:00 Stunden Kletterei beim Ausstiegsstand. Wir steigen noch die wenigen Meter zum von uns Spitz Speck (oder auf Schweizerdeutsch eben "Schpitz Späck") genannten Gipfel auf. Leider gibt's weder ein Routen- noch ein Gipfelbuch, aber wir vermuten, dass hierhin noch nicht viele Begeher ihren Fuss gesetzt haben. In allen anderen Routen von Sämi, die zur selben Zeit erstbegangen wurden, hatte ich mir in den letzten Jahren eine Wiederholung bei noch einstelliger Besucherzahl buchen können. Somit dürfte hier, bei dieser eher kurzen Route mit sehr langem Zustieg bei ähnlichem Charakter und Schwierigkeit, eher noch weniger bzw. eben gar nicht geklettert worden sein. Wir halten uns eine Weile auf, bauen einen Steinmann und geniessen den Ausblick ins wilde, hintere Rugghubelgebiet. Landschaftlich ist's wirklich schön hier oben, das kriegt man definitiv etwas für den weiten Zustieg entschädigt. 

Oben auf dem Spitz Speck, wie viele waren vorher schon da?!?
Mein Plan ist es, der 7b-Länge an der direkten Kante noch einen Versuch zu geben. Wir seilen also 2x25m ab und stehen wieder am Stand nach L3. Meine Erwartungen und Hoffnungen werden erfüllt, ich kann auch diese Seillänge gleich im ersten Go punkten. Nachdem man direkt darüber abseilt habe ich gleich die Exen platziert und die Augen hatte ich natürlich auch nicht verbunden. Je nach persönlicher Ethik also ein Rotpunkt, Flash oder Onsight ;-) Eigentlich ja egal wie es heisst, das Ziel war hier einfach grad durchzusteigen, und das ist gelungen. So richtig schwer ist eigentlich nur eine kurze Passage, welche ein paar originelle kleine Schlitze und Löcher bei mässigem Trittangebot bietet und kurz entschlossenes Durchziehen verlangt. Der Rest der Seillänge bietet Genusskletterei im 6bc-Bereich in prima rauem Gestein. Wer möchte, kann übrigens (obwohl es im Topo nicht so aussieht) auch vom Stand dieser Variante danach noch L5 klettern.

Jonas folgt in der schönen 7b-Länge der direkten Kante, welche wir uns zum Dessert noch gegönnt haben.
Wir seilen danach zum Einstieg ab und wechseln das Schuhwerk. Sonne sei Dank haben die im Aufstieg komplett durchnässten Socken und Schuhe wieder eine akzeptable Trockenheit erreicht und auch im Gelände ist's nicht mehr so arg nass. Im unteren Wandteil von Black Mamba und Dream Team hat sich die Lage auch gebessert. Es verbleiben aber immer noch ein paar Wasserstreifen, also heute wäre da definitiv nicht zu holen gewesen. So steigen wir an vielen hüttenwandernden Personen (v.a. Familien) vorbei zu unseren Bikes ab, bevor der rasante Downhill nach Engelberg erfolgt. Das Fazit am Schluss ist glasklar: a) die Bike-Abfahrt fägt, das nächste Mal nehmen wir das Bergrad sicher wieder mit und b) auch wenn uns die langen Routen am Ruchstock erneut entgingen, die Speck-Kante war ein ganz nettes Tüürli. Klar, das Verhältnis von Zustieg zu Routenlänge ist leicht suboptimal. Das kümmert uns aber nicht weiter, den Wetterkapriolen zum Trotz gab's doch noch ein ganz gmögiges Tägli mit wirklich lohnender und zudem auch sportlich erfolgreicher Kletterei - a good day out in the mountains!

Facts

Ruchstock - Speck-Kante 7a (6b obl.) - 5 SL, 150m - Sämi Speck 2006 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Keile/Friends nicht nötig

Nette Route an einem einsamen, abgelegenen Turm in der oberen Ruchstock-Südflanke, welche wohl kaum Begeher sieht. Das liegt am langen Zustieg, welcher von Ristis auch bei zügigem Gehen rund 2.5 Stunden in Anspruch nimmt. Das schmälert die Attraktivität der Route, weshalb als Gesamtunternehmung nur ** angebracht sind. Es sei denn, man wandere gerne, sei gerade in einer Phase mit Konditionstraining oder sonstwie motiviert, diesen Ort aufzusuchen. Die Kletterei allerdings ist wirklich lohnend, der raue Hochgebirgskalk von guter Qualität und wie unsere Erfahrung zeigt, auch sehr schnell trocken. Bei der Absicherung hat sich Sämi Speck nicht lumpen lassen. Die BH stecken regelmässig und in freundlichen Abständen, nur im einfacheren Gelände muss man einmal ein paar Meter weiterklettern, Keile/Friends sind nicht nötig. Weil es in der Einstiegslänge sowie in L4 jeweils zwei Varianten gibt, können Motivierte noch zwei Zusatzlängen klettern. Besonders die 7b-Variante an der direkten Kante ist wirklich prima. Weil auf den Bändern reichlich Schutt herumliegt und ein Abseilen ohne Steine in die Tiefe zu schicken kaum möglich ist, verträgt es in dieser Route nur eine Seilschaft aufs Mal. Das dürfte jedoch aufgrund der tiefen Begehungsfrequenz kaum ein Hindernis darstellen, und eine Eigengefährdung ist nicht vorhanden.

Topo

Das Topo vom Erstbegeher Sämi Speck passt hervorragend, da braucht's nichts anderes. Danke Sämi!


Mittwoch, 17. August 2016

Sportklettern in den Dolomiten

In die Dolomiten fährt man doch nicht zum Sportklettern... - so wird wohl mancher denken. Dem stimme ich aus meiner Sicht eigentlich voll und ganz zu. Trotzdem, nicht immer lässt das Wetter lange und alpine Ausflüge zu, Familien sehen sich sowieso mit anderen Herausforderungen konfrontiert und steilen Fels sowie mit BH abgesicherte 1-SL-Touren gibt's auch eine ganze Menge. Hier als Orientierungshilfe eine kurze Übersicht über die Gärten in der Region Gröden - Sella - Alta Badia, welche ich bisher ausprobiert habe.

Ganz und zuallererst: ich sehe die Dolomiten persönlich auch nicht als Sportkletterdestination. Einerseits sind da die langen Touren, die einfach mehr locken und so richtig Eindruck machen. Andererseits empfand ich auch die Qualität der Klettergärten aus sportklettertechnischen Gesichtspunkten nicht als überaus lohnend. Klar gibt's hier und da herausragende Seillängen und für eine gewisse Zeit findet man sicher die entsprechenden Herausforderungen. Insgesamt stufe ich die bisher bekletterten Gärten der Region aber irgendwie doch als Alternative dafür ein, wenn die Umstände das MSL-Klettern nicht zulassen.

Cogoi / Pian Schiavaneis

Ein bequemer Platz in der Nähe vom Sellapass, trotz nur 10 Minuten Zustieg in einer wirklich schönen, ruhigen, alpinen Landschaft zwischen Piz Ciavazes und Sass Pordoi gelegen. Es hat gegen 100 Routen, nebst einigen kurzen Kinderrouten geht's so ab 6b-8b richtig ab. Im Hauptsektor mit seiner steilen Südwand geht am grossen Überhang auch bei Regenwetter noch etwas. Die flache Wiese und die ungefährliche Umgebung machen dieses Gebiet voll kindertauglich, zudem hat's herzige, fast zahme Murmeltiere (das kann man wohl als Attraktion und Gefahr zugleich bezeichnen). Die Kletterei ist steil, athletisch und zeichnet sich im Hauptsektor durch viele geschlagene Griffe, v.a. gebohrte Löcher aus und fühlt sich daher etwas wie eine Outdoor-Kletterhalle an. Vieles ist auch ein bisschen abgetreten und schmierig. Ganz sicher kann man hier also seinen Bizeps strapazieren und allenfalls überschüssige Kräfte effizient loswerden. Weitere Infos inklusive Zustiegsskizze und Routenlisten gibt's bei Planetmountain.

Die steile Kunstgriff-Wand im Hauptsektor von Pian Schiavaneis, hinten der Sass Pordoi.

Cansla / Traumpfeiler

Es ist grenzwertig, dieses westexponierte Gebiet am Sellapass noch als Klettergarten zu bezeichnen, und ein Sportklettergebiet würde ich es schon gar nicht nennen. Es gibt zwar in den Platten rechts vom Traumpfeiler rund 50 meist kurze Einseillängenrouten von 5b-7b als Baseclimbs. Achtung, dort herrscht etwas Steinschlaggefahr und es ist keine geeignete Umgebung für Familien, auch wirken die Routen rein visuell für mich nicht so attraktiv. Das Herzstück des Gebiets ist der Traumpfeiler, dort findet man komplett und eng geboltete MSL-Kletterei mit je nach Route zwischen 3-7 SL. Im Vergleich zu Marmolada und Civetta geht das natürlich als Klettergarten durch, sonst wohl eher nicht. Für mich eine ideale Herausforderung bei nicht ganz idealem Wetter, auch da die Klettereien sehr lohnend sind. Hier mein Bericht zur Route Traumschiff, und der Link zum Gebietstopo bei Planetmountain.

Die Südwand der Meisules della Biesces, mit dem Traumpfeiler im unteren Teil und Baseclimbs am Wandfuss.

Bernardi / Wolkenstein

Dieses kleine Gebiet liegt unweit von Wolkenstein im Grödner Tal bei den ersten Kehren der Strasse zum Sellapass im Wald. Es ist nach NE exponiert, komplett im Wald und daher schattig gelegen. Die Wand ist nur 10-15m hoch, der Zustieg beschränkt sich auf problemlose 10 Minuten und der etwas gestufte, mit Rasenteppichen ausgelegte Einstiegsbereich darf als kinderfreundlich gewertet werden. Der löchrige Dolomit überzeugt mit seinen coolen, athletischen Klettereien, leider hat's nur gerade 12 kurze Routen von 6b-7b. Für 7a-Kletterer ein idealer Zeitvertrieb, wer in der Nähe logiert und das passende Niveau hat, kann hier sicher auch ein Projekt für mehrere Besuche identifizieren. Nach stärkeren Regenfällen muss man unter Umständen mit Restfeuchtigkeit rechnen. Hier gibt's eine Routenliste, welche für einen Besuch durchaus ausreicht: klick!

Bequem mit Rasenteppich ausgelegter Einstiegsbereich im Klettergarten Bernardi, besser als der sonst übliche Staub.

Cava / St. Ulrich

Wer von der Brenner-Autobahn Richtung Gröden fährt, der kommt hier kurz vor St. Ulrich zwingend direkt vorbei, weil der ehemalige Steinbruch unmittelbar an der Hauptstrasse liegt. Einem Erdwall sei Dank ist man von dieser aber doch etwas getrennt und wenn nicht gerade Hauptverkehrszeit herrscht, dann geht's schon vom Ambiente her. Als kindertauglich kann man das Gebiet durchaus auch bezeichnen. In Bezug auf die Kletterei, es gibt hier etwa 35 Routen von 5c-8a+ in rotbraunem Quarzporphyr. Manche Routen spielen sich vorwiegend an (hässlichen) künstlichen Grifflen ab, ein paar natürliche und daher lohnendere Linien gibt's auch. Die Bewertungen sind teils auch etwas komisch, die schweren Touren oft fast unmöglich bouldrig. Insgesamt würde ich diesen Klettergarten eher als Notlösung bezeichnen, der sich gerade mal für einen kurzen Zwischenstopp anbietet. Wegen der sonnigen Südexposition kann man hier sowieso nur in der kalten Jahreszeit, oder dann früh morgens oder abends klettern. Einen Pluspunkt gibt's noch: nach Regen trocknen die Routen sehr schnell, und auch bei leichtem Regen (nicht aber bei anhaltendem Schiff) geht noch etwas. Hier gibt's eine Routenliste, mit welcher man sich zurechtfinden sollte.

Blick auf den Klettergarten La Cava bei St. Ulrich.

Frea / Grödner Joch

Ein alpin anmutendes Gebiet, welches nur wenige Minuten über der Strasse zum Grödner Joch und unweit von diesem liegt. Eigentlich eine schöne Gegend, allerdings ist man dem Verkehrslärm hier ziemlich exponiert. Der Klettergarten hat mehrere Etagen übereinander, man kann/muss so auch mehrere SL am Stück klettern. Daher mit Kindern eher nicht so geeignet, die Sache hat eher den Charakter von kurzen Alpinrouten denn wirklichem Sportklettern. Insgesamt sind's etwa 120 Routen von 4a-7c, nach NW exponiert, darum gibt's nur Abendsonne. Die Kletterei ist schön, teils plattig, teils steiler mit griffigen Aufschwüngen und Löchern. Eigentlich richtig gute Dolomitenkletterei, allerdings gibt's kaum athletisches Dauerpower-Sportkletter-Gelände. Nach Regenfällen und im Frühling bleiben viele Routen längere Zeit nass. Weitere Infos findet man z.B. hier, wobei man im Netz keine vernünftige Übersicht erhält und ein käufliches Topo nützlich ist.


Tridentina / Grödner Joch

Auf der Badia-Seite am Grödner Joch, unmittelbar beim Parkplatz zur Ferrata Tridentina und unter den berühmten MSL-Wänden am Brunecker Turm bzw. Mur del Pisciadu findet man diesen rund 90m hohen Felsriegel. Daher gibt's auch hier Routen von bis zu 3 SL, allerdings sind das meiste Baseclimbs. Meist klettert man in gelbem, löchrigem, überhängendem Gestein, ähnlich z.B. wie in in den Einstiegslängen der Oro e Carbone oder Anton aus Tirol. Die Schwierigkeiten der rund 60, nach Norden exponierten und daher schattigen Routen bewegen sich von 6a-7c. Der Zustieg ist nur wenige Minuten und der Einstiegsbereich meist eben, daher durchaus kindertauglich und im Prinzip ein wirklich gutes Sportklettergebiet. Minuspunkte gibt's vor allem in zweierlei Hinsicht: leider bleiben die Routen sehr lange nass (bzw. zumindest feucht), so macht's an den oft etwas schlammigen Löchern nur so halbwegs Freude. Zudem sind viele Routen mit eingeklebten Billig-Gerüstösen ausgerüstet, welche in diesem Feuchtebiotop leider bereits einen schauderlichen Rostzustand aufweisen. Wer dem ausweichen will, ist auf eine deutlich kleinere Selektion an Routen mit Expansionshaken angewiesen. Eine Routenliste findet man hier, sie sind vor Ort meist angeschrieben.

Hinten die MSL-Wände von Brunecker Turm und Mur del Pisciadu, im Vordergrund der Tridentina-Klettergarten.

Eiszeit / Grödner Joch

Ebenfalls auf der Badia-Seite am Grödner Joch, ebenfalls beim Tridentina-Parkplatz in nordseitiger Exposition findet man dieses Gebiet mit weiteren rund 60 Routen von 6a-8a. Etwas am Hang gelegen mit abschüssigem (aber grundsätzlich ungefährlichem) Einstiegsgelände, daher höchstens mit älteren Kindern geeignet, oder wenn sich diese gleich unten im flacheren Gelände am Parkplatz tummeln wollen. Die Kletterei hier ist v.a. im eindrücklichen Hauptsektor steile Wandkletterei an Leisten und Löchern. Da kann man für einmal sagen, wirklich gute Sportkletterrouten! Wegen der Höhe und der schattigen Lage bleibt's nach Regenfällen auch eine Weile nass/feucht, allerdings nicht ganz so extrem wie im Tridentina-Sektor. Eine Routenliste findet man hier.


Sass Dlacia

Den Sass Dlacia findet man bei St. Kassian an der Strasse zum Passo Valparola. Er wird vom gleichen Parkplatz aus angegangen, wie man auch für das alpine Abenteuer an der Cima Scotoni startet. In etwa 10 Minuten erreicht man eine bequeme, grosse Wiese mit Picknickplatz unterhalb der Felsarena. Über mehrere Sektoren verstreut gibt's hier über 300 Seillängen zu finden. Wir waren an den steilen, bis zu 40m hohen Felsblöcken Sorcini und Sorci Verdi. Hier gäbe es etwa 80 Sportklettertouren in steilem, griffigen und schattigem Gestein, das mehrheitlich gut aussieht. Allerdings waren im Sommer 2016 nach einer durchaus passablen Wetterperiode +/- alle Touren noch nass oder zumindest feucht. Das steile, terrassierte, etwas unwegsame und grob-geröllige Einstiegsgelände ist auch nicht so bequem und (v.a. mit Kindern) etwas suboptimal. So sind wir dann an die Hauptwand gewechselt. Hier von einem Klettergarten zu sprechen, ist relativ - in der 250m hohen Wand gibt's bis zu 7 SL lange Routen, jedoch auch zahlreiche Baseclimbs. Hier sind wir ein paar lässige Touren in senkrechtem, gutem, löchrigem  und weniger feuchteanfälligem Dolomit, gewürzt mit henkligen Dächern geklettert. Da ein bisschen steil am Hang gelegen und am Fuss einer hohen Wand fehlt auch hier etwas das Feeling eines bequemen Klettergartens. Wer sich hier zurechtfinden will, kommt um die Anschaffung eines vernünftigen Topos nicht herum.

Picknickwiese unter dem Sass Dlacia, hinten die 250m hohe Wand, davor gibt's noch diverse Blöcke mit Routen.

Crepa da Valparola

Das ist ein kleiner Felsblock von rund 10m Höhe, direkt an der Strasse zum Passo Valparola gelegen. Der Zustieg beschränkt sich auf wenige Sekunden, da sich die Routen unterhalb der Strasse auf der abgewandten Seite befinden, ist man dem oft üppigen Verkehr aber trotzdem nicht allzu stark ausgesetzt. Hier gibt es 10 Routen von (angeblich) 6b bis 7c, welche nach NW ausgerichtet sind. Es handelt sich um überhängende Wandkletterei an ungriffigen Rissen, Leisten, Auflegern und Löchern. Der grösste Negativpunkt neben dem kleinen Angebot sind die leider komplett unrealistischen Bewertungen. Ich bin beide 6b-Routen geklettert und würde diese beide im Bereich 7ab einordnen, sämtliche Längen bis und mit, welche ich auf Dolomiten-MSL geklettert bin, sind zweifellos einfacher. Die 7a rechts daneben ist dann nochmals ein Stücklein härter, und zum Probieren der schweren Routen bin ich erst gar nicht gekommen. Wer also sein Ego oder seine Fähigkeiten auf die Probe stellen will, der kann hier ohne grossen Zustieg bei kinderfreundlichem Wandfuss angreifen, eine Routenliste findet man hier. Noch besser klettert es sich wahrscheinlich jedoch im 15 Minuten vom selben Ausgangspunkt entfernten Garten Salares mit seinen rund 40 Routen von 6b-8a, diesen habe ich jedoch nicht selber ausprobiert.

Das ist der Block an der Strasse zum Passo Valparola mit seinen hart bewerteten Routen.

Cinque Torri

Über unsere MSL-Klettereien an den Cinque Torri hatte ich ja bereits in einem eigenen Beitrag berichtet. Natürlich gibt's hier noch viele weitere Möglichkeiten, von 1-SL-Baseclimbs zu MSL-Unternehmungen von bis zu 7 SL. Von geneigter Wandkletterei in den unteren Graden bis zum kurzen, bouldrig-überhängenden Sportkletter-Testpiece im Grad 8b gibt's hier fast alles. Zwar in schöner und spannender Umgebung gelegen, aber eben auch ziemlich verzweigt und wenig zusammenhängend. Daher irgendwie auch nicht so ein richtiges Sportklettergebiet erster Güte, sondern mehr ein Trainingsgebiet für alpine Unternehmungen, wo man auch Baseclimbs bis in hohe Schwierigkeiten findet. Ohne einen guten Topoführer ist es hier schwierig, die Übersicht zu behalten.

Sicht auf die Cinque Torri vom Rifugio Scoiattoli.
Natürlich stellen die hier präsentierten Gebiete nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten im weiten Gebiet der Dolomiten (oder gar Südtirol) dar. Insbesondere südlich von Toblach und um Cortina herum gibt's noch viele weitere Möglichkeiten, genauso wie anderswo auch. Vielleicht macht sich ja sonst noch jemand auf Entdeckungsreise und mag von seinen Erkenntnissen berichten.

Freitag, 12. August 2016

Cason di Formin - Buon Compleanno Nat (6c+)

Die immer noch instabile Wetterlage liess leider keine ganz grossen Touren zu, und so sollte es wieder einmal Richtung Passo Giau im Einzugsgebiet von Cortina d'Ampezzo gehen. Da wurde am interessanten Massiv des Cason di Formin im 2012 vom berühmten Massimo Da Pozzo eine 7-SL-Tour in seinem typischen, fordernden Stil in richtig steilem Dolomit eingerichtet, die er seiner Frau zum Geburtstag widmete. Das wäre doch genau das richtige, um einen tollen Halbtagesausflug zu machen!

Die Wände am Cason di Formin, die Route verläuft mehr oder weniger links der Kante entlang. Quelle: planetmountain.com
Den Ausgangspunkt erreicht man, indem man in Pocol die Strasse Richtung Passo Giau wählt und dieser für 4km folgt. Es hat an der Strasse Kilometersteine, somit braucht man sich keine Sorgen zu machen, den entsprechenden Parkplatz zu verpassen. Und sowieso stehen dort, beim Start zum Weg Nr. 437 immer eine Menge Fahrzeuge herum, denn die schöne Gegend ist zum Wandern sehr beliebt. Um 9.00 Uhr machten wir uns auf die Socken und folgten dem gut ausgebauten Weg. Nach 25 Minuten war bei einer Verzweigung der gut ausgeschilderte (und weniger breite) Weg Nr. 435 zu wählen, dem wir für weitere 10 Minuten folgten. Zuletzt gilt es, die Abzweigung des Trampelpfads hinauf zum Einstieg nicht zu verpassen. Allerdings ist diese wirklich sehr offensichtlich, an einer Stelle wo der 435er wieder nach rechts hält und sich von der Wand entfernt. Die Geröllhänge hinauf zum Einstieg lassen sich dank Wegspuren deutlich einfacher begehen wie befürchtet. Der Einstieg ist ziemlich genau dort zu suchen, wo die letzten Schrofen definitiv ins lockere Geröll übergehen und ein weiterer Aufstieg sehr mühsam würde. Es gilt zuletzt, noch einige Meter in leichtem Klettergelände zum ersten Bolt hinaufzusteigen, das Wandbild der Erstbegeher ist sehr präzise und fürs Auffinden des Startpunkts durchaus hilfreich. Ich war um etwa 9.45 Uhr am Einstieg angelangt, Kathrin folgte wenige Minuten später. So hatte ich den Klettergerümpel bereits vorbereiten können, also konnten wir gleich loslegen. Man musste sowieso wieder befürchten, dass das Wetter nicht allzu lange halten würde, obwohl zu der Zeit noch blauer Himmel herrschte.

L1, 40m, 6a: Zum ersten, hoch steckenden Haken ist's noch einfach, danach geht's dann aber gleich los. Steile Wandkletterei an guten Griffen, eigentlich schon richtig schön und fordernd. Insgesamt säumen 5 BH den Weg durch diese Seillänge, bei den recht anhaltenden Schwierigkeiten sind das nicht allzu viele. Aber immer bevor es heikel würde, schnappt der nächste ein. Topoguide bewertet hier mit 6a+, das dürfte vielleicht eher zutreffen. Am Stand steckt übrigens nur ein Bolt, man kann aber mit einer mässigen Zackenschlinge verstärken.

Nur die ersten und letzten Meter in L1 (6a) sind etwas einfacher, dazwischen wartet steile, griffige Wandkletterei.
L2, 20m, III: Querung im Gehgelände nach links und dann in gestuftem Fels leicht aufwärts. Es warten keine Schwierigkeiten und fixe Absicherung gibt's auch nicht. Das ist allerdings auch nicht nötig, es ist wohl eher maximal ein Zweier denn ein Dreier.

Mehr oder weniger Gehgelände in L2, ein paar loste Steine liegen auf diesen Bändern natürlich auch rum.
L3, 35m, 6a: Nun klettert man in der schwarzen Wand links der Kante, d.h. auf der nach ENE ausgerichteten Seite, wir profitierten sogar noch von der Sonne. Dieser Abschnitt ist betont senkrecht, der Fels ist jedoch von wirklich guter Qualität und optimal griffig. Es hat eigentlich durchgehend Henkel. Einzig so richtig abgeklettert ist's nicht, allzu viele Seilschaften sind wohl noch nicht durch. Allerdings völlig problemlos, dieser Sachverhalt! Einen Bohrhaken findet man allerdings nur ca. alle 5m, dazwischen muss man einfach steigen - bei dieser Steilheit ist das immer eindrücklich, aber eben, die Griffe sind da. Topoguide gibt hier 6b, das ist wohl eher einen Tick zu hoch.

Schöne, griffige Kletterei in L3 (6a). Von oben nicht so wirklich fotogen, von unten sieht die Wand schöner aus...
...die Kombination von schwarz und orange gibt farblich einfach mehr her. Hier der weitere, steile Verlauf von L4 & L5.
L4, 30m, 6a: In ähnlichem Stil geht's weiter, wobei im oberen Teil dieser Seillänge sogar ein paar noch athletischere Meter warten, der Fels teils auch schon etwas gelb ist und die Sache beinahe zinnenmässig anmutet. Die Absicherung geht im gleichen Stil weiter wie zuvor, aber eben, wer den Level hat, findet das durchaus gut und sinnvoll eingebohrt. Topoguide gibt hier VII+ (6b+ oder 6c), das ist wohl zu hoch, auch wenn diese Länge schwerer ist wie L1 und L3.

Ausdauernde, griffige Kletterei bei eher etwas weiten Hakenabständen in L4 (6a), jedoch gut kontrollierbar.
Ambiente e arrampicata dolomitica (L4, 6a, oder auch ein bisschen mehr).
L5, 25m, 6c+: Nun folgt das Herzstück der Route und die Überhangzone sieht auch entsprechend eindrücklich aus. Der dolomitenungewohnte Kletterer würde wohl fragen, ist das nicht ein mega Bruch?!? Ist es nicht, auch wenn's wie so oft danach aussieht. Die Dächer überwindet man an ein paar Henkeln, Untergriffen und Leisten ganz passabel, die Bewertung ist nicht überaus hart und die Bolts stecken hier angemessen enger, ja eigentlich fast schon klettergartenmässig. Nach der Crux mit einer Querung rechts raus heisst's in steilem Gelände noch dranbleiben, bis der nächste Stand erreicht ist.

Super Kletterei in luftiger Exposition, hier pfeift's direkt bis in die Geröllhalde runter. Das ist das Finish von L5 (6c+).
L6 & L7, 40m, 6a: Die nicht nur leicht, sondern deutlich überhängende Wand soll tatsächlich nur 6a sein? Viele gute Henkel machen den moderaten Grad möglich, wobei die Wahrheit hier wohl schon eher bei der 6b von Topoguide liegt. An sich gut abgesichert, dennoch ist etwas Entschlossenheit durchaus nötig. Der Stand kommt schon bald, die letzte Länge lässt sich problemlos verbinden, dort passt die 6a dann wieder, einfach die Linie grosszügig um die Bolts herum wählen.

Bis zum letzten Meter genussreiche Kletterei, nach rund 2.5 Stunden Kletterzeit war das Top bereits erreicht.
Um 12.45 Uhr und damit nach nur gut 2.5 Stunden Kletterei war das Top erreicht. Aber gut, es sind eigentlich nur 6 ziemlich kurze Seillängen plus ein kurzes Stück Gehgelände, dazu alles mit BH eingerichtet - die mitgeführten Klemmgeräte dienten eigentlich nur als Ballast, genau 2x hatte ich einen Cam gesetzt, da sich ein Loch so schön angeboten hatte, wirklich nötig wäre das jetzt aber auch nicht unbedingt gewesen. Der Ausstiegsstand liegt etwas zurückversetzt an einem (wohl relativ grossen, aber nicht solide angewachsenen) Block auf einem Plateau und ist meines Erachtens etwas unpraktisch gelegen. Das Abseilen wird so nämlich durchaus etwas erschwert, aber womöglich ist das durchaus im Sinne der Erfinder, denn ein Fussabstieg übers Ringband nach links (Osten) und das Geröllcouloir hinunter wäre auch möglich. Nachdem ich noch etwas auf dem Gipfelplateau herumgekraxelt war, traten wir schliesslich abseilend den Weg in die Tiefe an.

Auf dem Erkundungsgang am Gipfelplateau, Kathrin steht beim letzten Stand am Block, hinten unten Cortina.
Dabei war der Stand nach L6 20m unter der Kante nun durchaus hilfreich. Wir hatten nur an einem Halbseilstrang abgeseilt, so dass kein Knoten nötig war. So liess sich das Seil beim ersten Abseiler gut abziehen. Von dort gingen wir weitere 20m nach unten, an den Stand nach der stark überhängenden und etwas traversierenden Cruxlänge. Mit etwas Aufwand würde es bestimmt gelingen, den Stand vor der Cruxlänge zu erreichen. Diese Müh ist jedoch nicht nötig, auch mit 2x50m-Seil gelangt man freihängend mit etwas Pendeln easy aber sehr eindrücklich gleich zum Stand nach L3. Von dort ist es nur noch ein einziger Abseiler von gestreckten 60m diagonal in die Geröllhalde hinunter und wenig Fussabstieg zum Einstieg und den Schuhen. Wer nicht 2x60m-Seile dabei hat, kann/muss den Stand nach L2 noch benützen. Kaum zu glauben, der bis anhin ständig noch aufgehellte Himmel hat sich nun doch blitzschnell überzogen, ein paar Tropfen fallen und der Himmel grummelt auch etwas. 

Der eindrückliche, freihängende Abseiler über L4 & L5 (Pendeln nötig!), hinten die Tofana bereits in den Wolken.
So halten wir uns nicht länger auf, schnüren die Turnschuhe und surfen ideal das Geröll hinunter. Als wir nach einer Viertelstunde (und damit der Hälfte des Abstiegswegs) noch einmal zurückblicken, können wir kaum glauben, wie weit wir uns schon vom Einstieg entfernt haben. Selbst der oft träge, langsame und schwerfällige Mensch kann unter geeigneten Bedingungen in kurzer Zeit doch erstaunliche Strecken zurücklegen! Ein paar Minuten nach 14 Uhr sind wir zurück beim Auto und nicht allzu viel später retour bei der Familie, der Regen hatte sich zum Glück rasch wieder verzogen und wir waren weitestgehend trocken geblieben. Das war jetzt echt eine lässige Tour gewesen, eines Tages werde ich sicher zurückkommen, um auch die noch etwas schwerer bewertete Nachbarin La Beffa (7b) zu klettern!

Facts

Cason di Formin - Buon Compleanno Nat 6c+ (6b obl.) - 7 SL, 190m - Da Pozzo/Serafini/Alberti 2012 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, evtl. Camalots 0.3-1

Schöne und interessante Dolomiten-Tour in steilem, griffigem Fels und lässigem Ambiente, genau so wie man sich das in diesem Teil der Alpen vorstellt. Zustieg, Route und Abstieg dauern nicht allzu lange, die Kletterei erlaubt zudem ein zügiges vorwärtsmarschieren, so dass man insgesamt eher von einer gemütlichen Halbtagesunternehmung bzw. einem Amuse Bouche sprechen kann. In Bezug auf die Schwierigkeiten kann man sagen, dass sich diese ziemlich durchgehend im 6ab-Bereich bei steiler, henkliger Wandkletterei bewegen. Eine kurze, recht gut abgesicherte Passage von ein paar Metern in der Dachzone von L5 verlangt den Grad 6c+. Generell sind die Routen von Massimo Da Pozzo für ihre weiten Hakenabstände gefürchtet, allerdings beim Könner dennoch auch für meist sinnvoll und fair platzierte Bolts bekannt. In etwa so ist das auch hier: man muss bei 6a-Kletterei doch meist mehrere Meter über die Haken steigen, das Fluggelände ist allerdings ideal und solche Henkel lässt man auch nicht einfach los. Wirklich gefährliche, heikle Stellen gibt's eigentlich keine (abgesehen von den potenziellen Gefahren für beide Seilpartner, die ein 15m-Sturz immer mit sich bringt...) und an den Schlüsselstellen stecken die Bolts zuverlässig und auch etwas enger. Hier und da kann man mit etwas Spürsinn vielleicht noch ein Klemmgerät unterbringen, wer das Niveau für diese Route hat, kann allerdings auch gut darauf verzichten, insbesondere weil sich sowieso nicht alle Abstände entschärfen lassen.

Topo

Die Route wurde auf Planetmountain beschrieben und das unten aufgeführte Topo stammt von dort. Wenn man den Einstieg einmal gefunden hat (trickiest bit), so folgt man danach einfach den BH zum Top. Wer's genauer haben will, findet ein präzises, schematisches Topo im Kletterführer Alpen Band III von Topoguide.

Topo zur Route von Planetmountain.