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Donnerstag, 20. September 2018

Zürcher Klettermeisterschaft 2/2018

Für die Kinder bestand absolut kein Zweifel, am zweiten Wettkampf der Zürcher Klettermeisterschaft 2018 würden wir auf jeden Fall teilnehmen! So wollten sich dann auch die Alten neben ihren Aufgaben als Coach und Betreuer nicht lumpen lassen und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wie erwartet war den einen mehr und den anderen weniger Erfolg beschieden. Unabhängig vom Rang blicken wir jedoch auf einen tollen, spassigen und lehrreichen Event zurück.

3 Moves zum Top im Final (6c+ !!!), da hat nur wenig gefehlt! Foto: Martin Rahn, regionalzentrum.ch
Vorbereitet waren wir nicht sonderlich spezifisch, insbesondere der Autor dieser Zeilen nicht. Das letzte Mal in der Halle am Seil war dieser nämlich 4 Monate zuvor, als es im Griffig um Ruhm und Ehre ging. Aber naja, einerseits zeigt uns selbst ein Spitzencrack wie Jernej Kruder, dass man mit reichlich unkonventioneller Vorbereitung am Fels bei Hallenwettkämpfen performen kann. Andererseits fördert das Sportklettern am persönlichen Limit durchaus Kraft und Ausdauer, somit soll das nicht als Ausrede gelten. Heldin des Tages war die Tochter, welche mit einer souveränen Leistung im Final noch mehrere Plätze gutmachte und nur knapp an der Goldmedaille vorbeischrammte - bravo! Es ist sowieso unglaublich, was bereits in der Kategorie U10 geleistet wird. Die Routen sind alle im Bereich 6c-7a+ und ich kann aus eigener Erfahrung garantieren, alles andere als einfach!

Da läuft etwas - und es macht Spass! Foto: Martin Rahn, regionalzentrum.ch
Für mich selber naja, da wäre etwas mehr Pfupf natürlich durchaus willkommen, respektive sogar vonnöten. Bei der Elite (wo der Sieger Weltcup-Teilnehmer ist) mitzuhalten ist für mich komplett utopisch. Trotzdem findet der Anlass auf einem Niveau statt, wo ich mich an den zu kletternden Routen (Quali 1: 7c, Quali 2: 7c+, Quali 3: 7c+, Final: 8b) sinnvoll messen kann. Im Rahmen meiner Möglichkeiten bin ich mit der Performance zufrieden und mir hat's trotz Rang 12 viel Spass gemacht. Wie immer war's lehrreich: man hat hier genau 1 Shot pro Route und da muss das Maximum herausgeholt werden. In den ultrapumpigen Routen gilt es effizient und zügig zu klettern, taktische Fehler und Fehlinterpretationen werden heftig bestraft. Durch die Versuche der Konkurrenten fällt es einem dann auch wie Schuppen von den Augen, wo man noch ein paar Körner hätte sparen können, die einem schlussendlich noch 2,3 Griffe hätten weiterkommen lassen - nächstes Mal dann vielleicht ;-)

Sonntag, 9. September 2018

Ailefroide - A Tire d'Ailes Froides (5c)

Bevor wir uns an längere und schwierigere MSL-Projekte in Ailefroide wagen wollten, erfolgte der Test in einer der nominell einfacheren 'Grandes Voies' im Gebiet. Während die unmittelbar über dem grossen Zeltplatz aufragende Wand der 'Fissure d'Ailefroide' von Weitem wie von Nahem etwas gemüsig durchzogen aussieht, so wartet in der 'A Tire d'Ailes Froides' (8 SL, 230m, 5c) doch exzellente Plaisirkletterei an sehr schön strukturiertem Fels - sicherlich eine der besten, wenn nicht die beste Route auf diesem Niveau im Gebiet!

Blick auf den Sektor 'Fissure d'Ailefroide'. Die von uns begangene Route verläuft auf den flacheren Platten im linken Teil.
Der Zustieg beschränkt sich auf 10 beinahe ebenerdige Minuten. Gleich beim Büro vom Campingplatz geht's los (Parkplätze an der Strasse vorhanden). Durch diesen hindurch, über eine schöne Wiese, kurz durchs Gebüsch und zuletzt noch etwas im Geröll links aufwärts. Eine Menge Leute waren vor uns, mit uns und nach uns unterwegs - Einsamkeit sollte man in der Ferienzeit nicht erwarten! Wobei wir in diesem Sinne Glück hatten, dass in der von uns angepeilten Route gerade 'Bahn frei' war. Sprich, die Seilschaft am Stand nach L1 war gerade im Begriff, diesen zu räumen. Somit gingen wir als Viererseilschaft davon aus, hier nicht mehr aufgehalten zu werden. Wie sich zeigt, weit gefehlt... da hatte ich unser Können unter- oder dasjenige der Vorausgänger überschätzt. Eine weitere Fehleinschätzung betraf die Besonnung. Zwar ist der Sektor tatsächlich nach N ausgerichtet. Im Sommer klettert man aber bis Mitte Nachmittag trotzdem permanent an der Sonne - es war warm, aber nicht lähmend heiss. Weil später am Tag Gewitter angesagt waren, starteten wir "schon" um 10.00 Uhr mit der Kletterei. Gut, das mag jetzt nicht nach ausserordentlich früh tönen... aber einerseits war es früh genug, andererseits mussten wir uns als im Zelt übernachtende Familie mit 20 Minuten Anfahrtsweg durchaus ranhalten, dass wir bereits um diese Zeit loslassen konnten.

Kathrin folgt als letzte unserer 4er-Seilschaft in L1 (5c). Am Einstieg warten schon die nächsten, hier herrscht Dauerbetrieb!
Einfach eine schöne Gegend! Im Vordergrund der Zeltplatz von Ailefroide, hinten die Wände mit vielen weiteren Routen.
Die ersten beiden Seillängen (L1, 5c und L2, 5c) beginnen gleich ziemlich fulminant (also natürlich im Rahmen dieser Plaisirtour!). Es wartet nicht etwa flache Gletscherschliff-Reibungskletterei, sondern ein abwechslungsreicher, recht steiler Mix aus Wandstellen, Verschneidungen und Aufschwüngen. Der Fels ist stets griffig und bietet (wie überall im Gebiet) eine hervorragende Reibung. Danach wird man über zwei Seillängen etwas flacher und plattiger (L3, 4c und L4, 5a) an die nächste Steilzone herangeführt.

Mami ist wieder die Letzte... hier am Ende von L2 (5c).
Das ist schon das Finish von L5 (5c). Ja, die Wand sieht grasig aus - beim Klettern stört es jedoch kaum.
L5 (5c) startet mit einer nach links ansteigenden, steilen Traverse aus dem Stand raus - die kann man sich definitiv viel schwieriger machen, als sie ist. Insbesondere dann, wenn man vor lauter (eng steckenden) Bohrhaken die vielen guten Griffe und Tritte nicht mehr sieht. Im Ernst: tief halten und links halten hilft, die Hakenlinie zieht hier arg unlogisch direkt hinauf. Danach wird's bald wieder etwas einfacher. In L6 (5c) wartet dann im oberen Teil eine kompakte, ziemlich feine Plattenstelle. Topoguide bewertet hier mit VI+ (d.h. 6a) - ob stimmig oder nicht sei diskutabel, dass es die schwerste Stelle der Route ist, könnte hingegen durchaus korrekt sein. Auch die nächste Länge (L7, 5c) wartet nach einem schönen Riss nochmals mit einer kompakten Platte auf, die in einer Links-/Rechtsschleife gemeistert wird. Der Abschluss (L8, 5c) erfolgt an einer Rissverschneidung, bevor es auf flachen, einfachen Platten in die Bäume hinauf zum Zmittagplatz am Schatten geht.

Ausstieg erreicht! Mama bringt Futter und Getränke...
Um 13.15 Uhr und damit nach 3:15h Kletterei sind wir alle oben. Hätten wir nicht an diversen Standplätzen auf die vorangehenden Seilschaften warten müssen, so wären wir sicher nochmals eine halbe Stunde schneller gewesen. C'est comme ça, es gab ja auch keinen Grund zu pressieren. Ein Punkt fällt mir jedoch immer wieder auf: ich persönlich halte absolut rein gar nichts davon, das Seil auf MSL-Touren am Stand entweder über die Füsse oder die Standschlinge zu legen. Das Chaos ist so programmiert, wenn man nicht im Überschlag klettert erst recht. Offenbar wird diese Methode in MSL-Kursen jedoch als Standard, ja sogar als einzige Option gelehrt. So kommt es dann, dass die Leute an Standplätzen, wo man das Seil problemlos auf den Boden legen kann, ewig lange mit ihrem 'Büscheli' rumfummeln. Oder dann verknotet es sich wieder und der Kletterer bleibt stecken... und so geht's dann halt eben nicht so vorwärts.

Allzu weit ist man hier nicht vom Gletscher entfernt und das merkt man: die Temperatur in diesem Pool ist im einstelligen Grad-Bereich. Rein und raus, mehr lag für Herrn Warmduscher (nicht jener auf dem Foto ;-)) nicht drin. Schon noch ein krasses Gefühl, wie's einem in diesem kalten Wasser sofort das Blut abstellt und man kaum mehr atmen kann. Ich war überzeugt davon, dass man nach 2 Minuten bereits bewusstlos wäre. Doch als wir uns trockneten, liefen einige Teenie-Girls herbei, die sich einen Wettbewerb um den längsten Verbleib im Wasser liefern wollten. Siegerzeit: 2:15 Minuten, ich hätte nicht geglaubt, dass dies möglich ist! Wobei die Köperfarbe der Siegerin danach ziemlich interessant war...
Für den Abstieg gibt's zwei Optionen, zu Fuss oder Abseilpiste. Wir wurden uns als Familie nicht einig und teilten uns auf. Papa und Tochter seilten ab, Mama und Sohn kraxelten durch die Schlucht. Die Abseilpiste führt über separate Stände, trotz dem flachen Gelände kann man die 6 Manöver zügig absolvieren und wir gingen die Sache sehr effizient an. Nichtsdestotrotz hatten wir länger als das Team Fussabstieg, und zwar etwa zehn Minuten. Auf dem gemeinsamen Rückweg lockten dann erst der Pool mit glasklarem, eiskaltem Gletscherwasser und dann das Glacé. Mehr und mehr überzog sich der Himmel und öffnete schliesslich tatsächlich noch seine Schleusen. Noch fast jeder Stand in 'unserer' Route war besetzt, da gab's noch für einige eine Dusche ab.

Facts

Ailefroide - A Tire d'Ailes Froides 5c (5b obl.) - 8 SL, 230m - Cambon/Correard 1994/2016 - **;xxxx
Material: 1x oder 2x50m-Seil, 12 Express

Sehr schöne Plaisirtour mit homogener, stets interessanter und abwechslungsreicher Kletterei. Die Kletterei ist deutlich attraktiver, wie es ob dem vielen Grün von Weitem scheinen mag. Der Fels ist durchgehend von sehr guter Qualität, griffig und mit optimaler Reibung. Die Absicherung mit (leider nur verzinkten) Bolts ist prima, Plaisirstufe 'gut+' oder eben xxxx. Mobile Sicherungen sind  nicht nötig. 

Montag, 3. September 2018

Glärnisch - Ruchen Nordpfeiler (TD, 5c/6a, 1000hm)

'Soll ich, oder soll ich nicht', treffender kann man einen Bericht zum Nordpfeiler am Ruchen (2901m) im Glärnischmassiv nicht beginnen. Unbestritten handelt es sich um eine Kingline in dieser 2000m hohen und 8km breiten Wand. Doch nach einem (bereits sehr alpinen) Zustieg warten noch 1000hm Kletterei am Pfeiler selbst. Diese weisen Schwierigkeiten im 5c/6a-Bereich auf, auf fixe Absicherung kann man nicht zählen, insbesondere gibt es keine eingerichteten Standplätze. Somit ist man bezüglich der Wegfindung herausgefordert, ein Rückzug ist nicht möglich und während es durchaus schöne Kletterstellen gibt, so muss man hier auch mit Bruch, Schotter und Steilgras klarkommen. Wir haben es also mit einer Abenteuerroute durch und durch zu tun, welche in ihren Dimensionen durchaus mit den grossen Nordwänden der Alpen à la Matterhorn, Grandes Jorasses oder Civetta vergleichbar ist. Natürlich ist das nicht etwas für jedermann, trotzdem ist's erstaunlich, dass eine solche Paradetour nur ein paar wenige Male pro Jahrzehnt Besuch erhält!

Die imposante, total 8km breite und 2000m hohe Glärnisch Nordwand mit dem Verlauf des Nordpfeilers am Ruchen. Foto: justus @ hikr.org
Nachdem wir schon seit einem Jahrzehnt in Phasen von höherer oder tieferer Intensität über den Ruchenpfeiler diskutiert hatten, einigten wir uns im 2018 auf einen Versuch nach Ende der Sommerferien. Schliesslich kam der benötigte, warme Schönwettertag mit 0% Gewitterrisiko und mit ihm nochmals die drängende Frage 'soll ich, oder soll ich nicht'. Meine Bedenken lagen weniger an den Schwierigkeiten dieser Route, sondern drehten sich mehr darum, ob die Sache nicht zu heikel-brüchig-gefährlich-haarsträubend sei. Aber irgendwann muss man einfach 'jetzt oder nie' sagen und so einigten wir uns auf einen Treff um 4.00 Uhr am Rhodannenberg. Eine Viertelstunde später schritten wir vom Hinter Saggberg (1040m) bei angenehmen Bedingungen in die dunkle Nacht. Auf der Standardroute geht's ins Chalttäli bis auf 1600m, das konnten wir effizient erledigen. Von dort stellt sich die Frage, wie man zum Einstieg auf Darliegg (bei P.1919) gelangt. Es handelt sich um steilstes Schrofengelände, in welchem es 'die Optimallinie' wohl kaum gibt. Soweit uns bekannt, versuchten die meisten bisher, direkt über die Osthänge zum markanten Gratzug des Darliegg aufzusteigen, mit gewagten Steilgraspassagen bis T6+. Wir wollten uns dagegen viel weiter links über die weniger steilen NE-Hänge versuchen und am Schluss über Bänder zum Einstieg queren. Adrian hatte diesen Weg verdankenswerterweise zuvor rekognosziert, denn um sich auf Experimente einzulassen, wäre es definitiv der falsche Zeitpunkt gewesen. Tatsächlich war's bis hinauf aufs oberste Querband gut machbar, vor der letzten Querung (T6) hatten wir aber beide leer zu schlucken - aber es ging dann doch gut. Nach einer Pause begannen wir um 6.40 Uhr mit der Kletterei, weniger als 2:30 Stunden nach unserem Aufbruch beim Auto.

Kurz vor dem Einstieg in die eigentliche Kletterei muss dieses sehr abschüssige Felsband traversiert werden. Die gute Nachricht: es geht besser,  wie man aufgrund vom Foto befürchten könnte. Die schlechte Nachricht: die deutlich haarigste Stelle ist nicht sichtbar, diese befindet sich im Einschnitt zwischen der Graskanzel im Hintergrund und dem Band. Foto: 3614adrian @ hikr.org
Morgenstund hat Gold im Mund! Wir hatten uns einen wettertechnischen Traumtag ausgesucht (macht absolut Sinn hier!)
Gleich am Einstieg wartet ein erster Test: steiler Fels, mässig solide, schwierig abzusichern, für Vor- und Nachsteiger psychisch fordernd. Doch für uns gab es keine Zweifel, aufwärts sollte es gehen! Danach folgen im Wechsel schwierige und einfachere Passagen, schöne Kletterstellen und brüchiges Gelände, solche die sich gut absichern lassen und andere, wo dies schwieriger ist. Von weitem würde man auch kaum glauben, dass es am Ruchenpfeiler doch auch diverse Abschnitte mit quasi verschärftem Gehgelände gibt (siehe genaue Routenbeschreibung unten!). Dem ganzen Handling von Seil und Absicherung kommt hier eine eminente Bedeutung zu, wenn's ums effiziente Vorwärtskommen geht. Während sich die schwierigen Kletterpassagen entlang von Rissen und Verschneidungen in solidem Fels meist recht gut mobil absichern lassen, so steht man danach in flacheren Zonen oft in schuttigem, wenig solidem Fels, wo es schwierig ist, Standplätze zu bauen. Dasselbe gilt natürlich auch für die einfacheren und oft brüchigen Abschnitte. Es gilt beständig abzuwägen, wann und wo wie gesichert werden soll. Wir haben diverse Teilstücke auch seilfrei begangen, da wir uns so einerseits sicher fühlten, andererseits eine wirklich effektive Sicherung auch nur schwierig machbar gewesen wäre. Schliesslich gelangten wir um Schlag 12.00 Uhr und damit nach 5:20h Kletterei aufs Band, welches den hellen, oft ziemlich soliden Kalk des unteren Wandteils vom oberen, brüchig-braunen Wandteil abgrenzt.

Einfachere und schwierige Abschnitte wechseln sich im unteren Teil des Ruchenpfeilers ab. Eines ist jedoch allen Abschnitten gemeinsam: man klettert in einem grandiosen, wilden Ambiente und der Tiefblick auf den blau-grünen Klöntalersee fehlt nie. 
Ausstieg aus der Seillänge, welche im SAC-Führer als Crux bezeichnet wird. Hier ist der Fels richtig gut und die Kletterei absolut lässig wie auch vernünftig abzusichern. Aus diesem Grund habe ich andere Abschnitte der Route als anspruchsvoller wahrgenommen. Es bietet nämlich schon nicht jeder Meter Plaisir-Kletterei - spannend und interessant ist's jedoch immer.
Vor diesem hatten wir a priori einen grossen Respekt gehabt. Dem Vernehmen nach würden zwar nicht mehr die grossen Kletterschwierigkeiten warten. Dafür aber eben sehr unzuverlässiger Fels und noch schlimmer: es hatte sich aus den bisherigen Begehungen noch keine eindeutige Route herauskristallisieren können. Die einen gingen hier (z.B. alles möglichst dem Grat entlang), die anderen da (z.B. erst in die Schlucht und dann rechts hinaus). Doch eigentlich alle fanden danach, dass es eine bessere Route geben müsse, da ihr Pfad nun doch höchst unangenehm gewesen sei. Man nehme dazu noch die Tatsache, dass es hier oben nun wirklich ein Labyrinth von Schluchten, Graten und brüchigen Felstürmen gibt und fertig ist das Rätsel, wo man nun denn entlangklettern soll. Wir machten uns auf eine Querung nach rechts, um das ominöse Fixseil aufzuspüren. Dieses war schliesslich unschwierig zu finden, er eröffnet den Weg über einen Wulst hinweg zu den Schluchten und Türmen oberhalb. Bei dieser Stelle handelt es sich (freigeklettert) eindeutig um die technische Crux der Route. Es ist schwierig, eine Bewertung für diese Stelle anzugeben. Unter Bedienung aller vorhandenen Griffe wäre es eventuell so im Bereich VI oder VI+. Allerdings bricht das, was am meisten hervorsteht auch am ehesten ab. Weil man an dieser Stelle aber überhaupt nicht absichern kann und ein Sturz nicht drinliegt, beschränkt man sich lieber auf solidere, auflegerige Strukturen. Was dann heisst, dass man vermutlich eher etwas in der Gegend von VII oder VII+ klettert. Oder eben, diese 7-8m am dünnen Fixseil hochhangelt, so lange es noch da und unbeschädigt ist (der Mantel ist an einer Stelle bereits durch und der Kern tritt hervor). Befestigt ist's an einem Profilhaken, das Körpergewicht dürfte es auch weiterhin halten. Ob und wo man diese Stelle umgehen könnte, ist mir nicht restlos klar. Kleinräumig (+/-30m links oder rechts) jedenfalls eher nicht.

Wo geht's weiter?!? Am Sperbern auf dem Band am Ende des hellen Kalks, bevor es in den brüchig-braunen Abschnitt geht. An sich ist die Route durch den Mangel an fixer Absicherung und durch die schieren Dimensionen der Wand kaum vorgegeben und 'die Ideallinie' dürfte hier auch kaum so eindeutig existieren. Trotzdem, für ein geübtes Alpinistenauge (und ein solches ist absolut nötig!) gibt's eben doch einen logischen Verlauf. Foto: 3614adrian @ hikr.org
Unangenehmes Gelände nach dem Wulst mit dem Fixseil. An sich warten keine grossen Schwierigkeiten. Doch der Fels ist brüchig, schuttbedeckt und nur schwierig abzusichern. Konzentriert steigen und keine der seltenen Gelegenheiten auslassen, wo man eine mobile Sicherung oder einen zuverlässigen Haken anbringen kann, heisst die Devise! 
Nach dem Fixseil-Wulst geht's Richtung der Ausstiegsschlucht. Da ja bisher noch niemand in diesem Bereich eine als 'gut' taxierte Linie beschrieben hatte, wollten wir es tatsächlich mitten durch die Schlucht probieren. Dort, wo hin und wieder das Wasser läuft, ist der Fels in der Regel ja eher fester. Trotzdem, es handelt sich immer noch um vogelwildes Gelände, mit einigen höhlenartigen Gufeln und nachfolgendem Steilgelände. Das Gestein auch sehr speziell, da man einer Art Quarz- oder Calcitader folgt. Jedenfalls, nach einer Weile standen wir an einem Geröllplatz und erblickten ein Stück oberhalb von uns die markante Scharte im braunen Grat. Dort mussten wir hin, der Weg schien gangbar, somit hatten wir die Passage durch den oberen Wandteil gefunden. Um etwa 13.45 Uhr hatten wir den Grat schliesslich erreicht. Diesem gegen die Schlusswand hinauf zu folgen war kein grösseres Problem, es handelt sich um einfaches Gelände. Die Schlusswand hingegen sieht aus dieser Perspektive nochmals richtig fordernd aus. Doch wie so oft beim Bergsteigen, was von Weitem abschreckend aussieht, präsentiert aus der Nähe dann doch einen gangbaren Weg. Die ersten 2-3 Seillängen an der Schlusswand sind gutmütig und rasch erledigt. Die letzten 70-80m sind dann aber nochmals fordernd, insbesondere mit einer originellen, athletischen Boulderstelle 30m unter dem Grat. Dann war's aber geschafft, um 15.15 Uhr und damit ziemlich genau 11:00 Stunden nach unserem Aufbruch auf dem Hinter Saggberg konnten wir am Gipfel abklatschen. Das war jetzt wirklich ein grandioses Abenteuer gewesen!

Toller Ausblick aufs Vrenelisgärtli (2904m) auf dem Verbindungsgrat zur Schlusswand.
Daumen hoch, der Gipfel ist erreicht! 11 Stunden nach Aufbruch vom Auto komplettieren wir die letzte Seillänge! Ganz zum Schluss warten nochmals zwei richtige Kletterseillängen mit Schwierigkeiten bis V+, ja sogar ein überhängend-athletischer Boulder stellt sich einem noch in den Weg. Hier in diesem letzten Abschnitt klettert man wieder in hellem und solidem Kalk.  
Nun gut, zu Ende ist die Tour erst, wenn man wieder im Tal ist (oder vielleicht besser, zuhause). Im Falle vom Ruchen ist der Abstieg zwar nicht schwierig, aber dafür ziemlich weit. Ich hatte im Vorfeld hin und her überlegt, ob ich meinen Ultraleicht-Gleitschirm für einen bequemen Abstieg mitführen solle. Bedenken hatte ich einerseits wegen dem Zusatzgewicht - es sind zwar nur 1.7kg für das komplette Flugmaterial, aber für eine solche Kletterei eben doch auch 1.7kg. Andererseits war auch die Windprognose mit der vorherrschenden Richtung aus SW nicht überaus günstig. Ich hoffte darauf, dass der Wind schlussendlich so schwach wäre, dass ich vom Schwander Grat nach NW starten könnte um dann gleich nach rechts übers Chalttäli abzudrehen. So hätte ich retour zum Hinter Saggberg fliegen können. Doch mit den gut 20km/h, die mir am Gipfel aus SW ins Gesicht bliesen wurde dieser Plan zu Makulatur, für diese Windrichtung und -stärke gibt's weder einen geeigneten Startplatz noch Flugweg. So blieb mir nichts andere übrig, als zusammen mit Adrian über den Glärnischfirn bis ins Steintäli auf ca. 2250m abzusteigen. Die Startvorbereitungen dort kosteten mich ob dem steilen Gelände und dem hohen, extrem krautigen Gras wo sich ständig die Leinen darin verhakten zwar auch noch etwas Geduld. Doch schliesslich konnte ich mir doch noch die mühsamen 2/3 des Abstiegs mit einem schönen und bequemen Gleitflug ersparen. Adrian war tüchtig gelaufen, so dauerte es nicht lange, bis wir wieder vereint waren. Nachdem wir uns logistisch gut organisiert hatten, konnten wir uns schon bald auf dem Heimweg machen. Das war jetzt alles wirklich wie am Schnürchen gelaufen - absolut keine Selbstverständlichkeit bei einer solch wilden und anspruchsvollen Tour!

Abstieg über den aperen, im Sterben liegenden Glärnischfirn. Wie dieses Foto zeigt, ist das Ambiente aber auch heute noch super und die Eisfläche nach wie vor gross. Trotzdem, wenn ich es mit meinen Erinnerungen und den Fotos meiner ersten Glärnisch-Besteigung vor 25 Jahren abgleiche, dann ist es erschreckend, wie viel Eis bereits abgeschmolzen ist.
Diese Perspektive auf den Klöntalersee gibt's nur vom Gleitschirm! Nach einigem Abwägen hatte ich mich dazu entschieden, den Ultraleichtschirm (komplett 1.7kg) auf dem Rücken durch die Wand zu tragen. Die Windverhältnisse liessen (nicht unerwartet) einen Start im Gipfelbereich nicht zu. Etwas weiter unten im Steintäli kam ich dann jedoch in die Luft und konnte auf den restlichen zwei Dritteln des Abstiegs bequem die Beine baumeln lassen.

Facts

Glärnisch Ruchen (2901m) - Nordpfeiler (TD, 6a) - ca. 1000hm, 1600 Klettermeter - Fischli/Schindler 1964

Eine reinrassige Abenteuerroute durch die imposante Glärnisch Nordwand. Schon der Zustieg erfordert Können und Mut im Steilgras. Die Kletterei danach weist so gut wie keine fixen Sicherungen auf. Sie bietet einen Mix von stellenweise schönen Passagen in recht gutem Fels mit einfacherer Kletterei an brüchigem Gestein. Ebensowenig fehlen schuttige Abschnitte und Sequenzen im Steilgras. Kurzum eine Tour, bei der man auf alles vorbereitet sein muss.

Rückblick auf die gewaltige Wand. Die Pfeile markieren den Einstieg in den Felsteil und den Gipfel.

Wissenswertes

Seil: mindestens 50m-Seil, damit kommt man durch. Je länger jedoch das Seil ist, desto mehr erhöht man seine Optionen, nach einem geeigneten Standplatz zu suchen, was ja oft nicht einfach ist. Ein Rückzug bzw. Abseilen ist komplett utopisch, daher ist ein Doppelseil kein Muss. Natürlich bietet dieses Vorteile bzgl. Steinschlagsicherheit und Seilverlauf. Andererseits hat das Einfachseil Vorteile im Handling und Gewicht. Also Geschmackssache...

Exen: wie viele Exen man auf solche Trad-Routen mitnimmt ist ja auch immer ein wenig Geschmackssache und hängt davon ab, wie viel man schlussendlich legt und bastelt. Jedenfalls ist die Kletterei selten anhaltend schwierig und sowieso gibt's oft nicht viele Sicherungsmöglichkeiten. So 10-12 Stück sind ausreichend. Alles verlängerbare Alpine Draws, normale Sportkletterexen taugen hier wenig bis nix. Genügend Schlingen o.ä. für den Standplatzbau nicht vergessen!

Der Klettergurt mit allem Material (Exen, Cams, Keile, Hammer, Haken, Schuhe) wog fast 10kg! Das Bild zeigt den Vorstieg an der zweiten Stufe (Schwierigkeit ca. IV). Bild: 3614adrian @ hikr.org
Mobile Sicherungen: wir sind die Route mit 1 Set Camalots von 0.3-4 und einem Satz Keile geklettert. Den Camalot 4 habe ich zwar durchaus ein paar Mal eingesetzt, würde ihn aber im Rückblick nicht mehr mitnehmen. Dafür passt gefühlt der Camalot 1 in jeden Riss an diesem Berg und man könnte ihn ungefähr 27-fach brauchen. Darum die Grössen 0.5-1 auf jeden Fall doppelt, evtl. 0.3, 0.4 und 2 ebenfalls. Die Keile waren immer wieder einmal nützlich.

Hammer und Haken: würde ich auf jeden Fall mitnehmen! Ich habe unterwegs ca. 10-15x einen Haken geschlagen, damit ich an diesen Stellen in weiterem Umkreis überhaupt eine Sicherung anbringen konnte, der Fels akzeptiert bei weitem nicht überall Cams & Keile. Bis auf einen einzigen haben wir alle wieder mitgenommen. Daher hätte es auch die 10 Haken, die ich dabei hatte, nicht zwingend gebraucht, 3-4 Stück wohlsortiert hätten ausgereicht.

Der Standhaken am Fuss des braunen Wulstes mit dem Fixseil ist der einzige, den wir belassen haben. Hier haben wir doch ein paar Minuten und 2 Fehlversuche gebraucht, bis ich einen zuverlässigen Schlaghaken platzieren konnte. Bild: 3614adrian @ hikr.org
Schuhe: total Geschmackssache! Ich bin mit normalen Zustiegsschuhen zum Einstieg gelaufen, war von dort zum Gipfel in Kletterfinken unterwegs. In den schwierigen Seillängen muss man durchaus plattig antreten, was für mich in schweren Schuhen deutlich langsamer, unangenehmer und weniger sicher wäre. Würde ich auf jeden Fall wieder so machen, sonst wird die Route wohl meistens in Bergschuhen geklettert. Für solche habe ich nirgends Bedarf verspürt.

Gletscherausrüstung: braucht es nicht! Der Glärnischfirn hat sich bereits stark zurückgezogen. Im Sommer könnte man an seinem rechten Rand absteigen, ohne das Eis überhaupt betreten zu müssen. Schneller und bequemer geht's jedoch, über das flache und apere Eis zu laufen, was mir jetzt in jeglicher Art von Schuhwerk problemlos scheint. Achtung: einige (problemlos umgehbare) Löcher hat es aber durchaus, wenn noch Schnee liegt herrscht Spaltengefahr!

Blick vom Gipfel auf den ausgeaperten Glärnischfirn. Wenn man wollte, könnte man ihn rechts im felsigen Gelände vermeiden. Bequemer und schneller ist es freilich, wenn man übers flache und apere Eis läuft, was absolut keinerlei Schwierigkeiten bietet. Bild: 3614adrian @ hikr.org
Zeitmanagement: wir brauchten gut 2:00h zum Einstieg und von dort rund 8:30h Kletterzeit zum Gipfel, was mit den Pausen dazwischen 11:00h vom Auto zum Gipfel ergibt. Für den Abstieg ins hintere Klöntal sind dann nochmals 2:30h zu veranschlagen. Man kann sicher sowohl schneller als auch langsamer wie wir sein. Wir haben den Weg überall gut gefunden, uns keine Verhauer geleistet und waren effizient unterwegs. Andererseits haben wir uns auch immer die Zeit genommen, um die Kletterpassagen solide abzusichern und zuverlässige Standplätze zu bauen (was oft einiges an Zeit in Anspruch nimmt!).

Logistik: Start- und Endpunkt der Tour sind nicht identisch! Vom Endpunkt sind es dem See entlang und hinauf zum Hinter Saggberg nochmals 1:30-2:00h Fussmarsch. Es gibt einige wenige öV-Verbindungen (jedoch nicht spät am Abend), man kann evtl. ein Taxi rufen, auf Autostopp vertrauen (spätabends bestimmt nicht mehr so einfach), ein Velo/Auto platzieren oder dann halt doch laufen.

Die Sicht von Vorauen (am hinteren Ende des Klöntalersees) auf den im Profil gut sichtbaren Ruchenpfeiler wirkt fast ein wenig mediterran. Wohl dem, der hier auf die eine oder andere Weise fahrend zurück zum Ausgangspunkt auf dem Hinter Saggberg gelangen kann. Zu Fuss gehend wartet nämlich noch eine ziemlich lange Wanderung. Bild: 3614adrian @ hikr.org
Gleitschirm: auf dem Ruchen zu starten ist eher schwierig, falls kein Schnee mehr liegt, da sehr geröllig. Der beste Startplatz ist bei P.2859 auf dem Schwander Grat, wo man danach rechts ins Chalttäli abbiegen und zum Ausgangspunkt fliegen kann. Das ist jedoch nur bei leichten Wind aus Sektor Nordwest bis Nord möglich. Der Flug über den Glärnischfirn ist vom Gleitwinkel her (zu) knapp. Weiter unten (Steintäli, oberhalb der Glärnischhütte) lässt es sich gut nach SW starten und ins hintere Klöntal fliegen. Zurück zum Ausgangspunkt reicht es so aber nicht.


Routenbeschreibung

Zustieg: vom Hinter Saggberg auf gutem Bergweg via Tschingel und Vorder Schlattalpli nach Mittelstafel. Von hier auf dem horizontal verlaufenden Weg ins Chalttäli queren. Durch dieses weglos hinauf zur Munggenplangge. Zuletzt über Geröll zum Einstieg in den Grasteil, der sich bei den Koordinaten 719'180/208'450 (CH1903) bzw. 47.01639/9.00619 (WGS84) auf 1685m befindet (Kartenlink).

Den Zustieg haben wir noch in dunkler Nacht gemacht. Dank Ortskenntnissen kein grösseres Problem. Unten sind die Lichter im Glarnerland erkennbar. Bild: 3614adrian @ hikr.org
Grasteil: Im Fels hinauf (II), leicht rechtshaltend auf einen ersten, etwas grasigen Rücken (total ca. 30hm). Der folgende Kessel wird deutlich rechtshaltend in felsig-gerölligem Gelände gequert, mit dem Ziel, die markanteste, teils buschbewachsene Grasplangge zu erreichen (ca. 60hm zu Beginn derselben, T5). Über die Plangge hinauf bis ganz an deren oberes Ende (1925m, ca. 150hm, T6). Nun auf dem meist problemlos gangbaren Band horizontal nach rechts (ca. 160m, T5) zu einer markanten Graskanzel. Nun folgt über 40m ein schmales, abschüssiges, schuttig-felsiges Band, das man horizontal traversiert (T6). Dann in Kürze leicht aufsteigend zum Einstieg.

Blick (am 1.8.2018) von kurz vor Mittelstafel auf den Ruchenpfeiler im Morgenlicht. Hier ist auch der von uns gewählte Weg zum Einstieg gut erkennbar und mit den 3 blauen Punkten markiert. Beim Punkt links unten geht's los, über den gut erkennbaren Rücken hinauf zum mittleren Punkt. Dann horizontal nach rechts zum dritten Punkt, wo sich der Einstieg in den Felsteil befindet. Üblicherweise steigt man weiter rechts auf den grasigen Rücken auf und quert dann nach links zum Einstieg. Bild: 3614adrian @ hikr.org 
Eine andere Perspektive auf den Grasteil. Hier erkennt man auch, dass das Gelände weiter rechts noch steiler ist. Bild: 3614adrian @ hikr.org
1. Stufe: vom Einstieg 10m steil und etwas brüchig empor (V, H zu Beginn, dann schlechte Sicherungsmöglichkeiten) zu schwach ausgeprägtem Band mit losen Felsen. Diesem linkshaltend für 40m folgen (I-II), dabei zuletzt eine Rinne überqueren, Stand an der Rippe (schlechte Sicherungsmöglichkeiten). Nun diagonal in einfachem, grasdurchsetztem Gelände nach rechts hinauf an den Fuss der folgenden Steilstufe (ca. 60m, T5-T6, II), zuletzt ein wenig nach rechts queren zu schöner Rissverschneidung.

Kein berauschend gutes Foto. Es zeigt aber den Einstieg in den Felsteil mit der 1. Stufe (hinauf, dann Querung nach links).
Das 'einfache, grasdurchsetzte Gelände (ca. 60m, T5-T6, II)', welches diagonal nach rechts hinauf zur 2. Stufe führt.
2. Stufe: die Rissverschneidung mit guten Sicherungsmöglichkeiten hinauf (IV), bei der Gabelung des Risses nach links und hinauf in schuttbedecktes Gelände und einfach (T5) zur nächsten Felsstufe (ca. 50-55m), Stand an deren Fuss auf bequemem Band.

Adrian folgt im einfachen Gelände nach der 2. Stufe. Es ist oft so, wie es hier ist: man klettert die Stufe in solidem und schön zu bekletterndem Fels und steht dann unvermittelt auf einem grasig-schuttig-brüchigen Hang, wo es schwierig ist, einen Standplatz einzurichten. Hier hat das Seil jedoch bis hinauf zum Beginn der nächsten Stufe gereicht.
3. Stufe: man kann entweder direkt an einem breiten, steilen Riss klettern, oder dann einfacher an der Rissverschneidung, welche 10m weiter rechts ansetzt (IV). An dieser hinauf mit Ausstieg nach links (ca. 30m). Es folgt nun ein einfacherer, teils fast gratartiger Abschnitt, der zum Fuss des nächsten, kompakten Aufschwungs führt (II-III, ca. 70m).

Blick auf die Rissverschneidung der 3. Stufe (ca. IV), die auch gut abzusichern ist.
Das 'einfache, fast gratartige Gelände (II-III, 70m)', das an den Fuss der bereits gut sichtbaren, 4. Stufe führt. Bild: 3614adrian @ hikr.org
4. Stufe: vom bequemen Stand am Fuss in steiler Kletterei an sehr gutem Fels mit athletischen Zügen 20m aufwärts (2H, gute Sicherungsmöglichkeiten, V+). Man gelangt zu einem schwierigen Überhang. Entweder a) diesen direkt an einem Riss erklettern (VI?) oder b) 4m nach links queren und einen etwas weniger ausgeprägten Überhang an Riss ersteigen oder c) 10m nach links queren um dann hinauf auf den Absatz zu steigen, wo man das Frifad erreicht (IV, total 40m).

Ausblick auf die 4. Stufe mit ihrer sehr schönen Kletterei in kompaktem Fels (V+). Die von uns gekletterte Variante c) ist mit den roten Punkten markiert. Man könnte auch schwieriger direkt aufsteigen (Variante a zum blauen Punkt, Variante b zum grünen Punkt). Man landet oberhalb jedoch mit jeder der Varianten wieder am selben Ort.
Steile und kompakte Kletterei an der 4. Stufe (V+). Bild: 3614adrian @ hikr.org
5. Stufe: vom Frifad in einfacherem, gratartigen und grasigem Gelände hinauf (T5, II). Man überklettert eine Stufe aus auffälligen, hellen Felsen (II-III) und gelangt über grasiges Gelände zum Fuss der nächsten Stufe aus dunklem Gestein (total ca. 100m vom Frifad). Entlang einer Verschneidung hinauf (IV), unter der überhängenden Zone über eine kompakte Platte nach links (V, gut absicherbar) und in einfacherem Gelände ans obere Ende der Stufe (50-55m). Erst über Gras, dann über Fels und schliesslich im Schotter an den Fuss der nächsten, eindrücklichen Steilstufe, zuletzt nach rechts querend (total ca. 100m).

Nach der 4. Stufe gelangt man aufs Frifad, ein Band welches die ganze Glärnisch Nordwand durchzieht. Hier folgt zuerst einfacheres Gelände zu den hellen Felsen (II-III), danach die eigentliche 5. Stufe in den dunklen Felsen (V). Weiter oben am Horizont ist auch schon die mächtige 6. Stufe erkennbar.
Die dunklen Felsen der 5. Stufe werden zuerst an der markanten Verschneidung geklettert. Der abschliessende Überhang wird links über die kompakte Platte umgangen, wobei eine feine und luftige Stelle (V) wartet. Bild: 3614adrian @ hikr.org
6. Stufe: dies ist die höchste Stufe, sie wird von rechts nach links auf logischem Weg via eine Art Rampe erklettert. Erst über geneigte, griffige Felsen (IV+, einige Cam-Möglichkeiten), dann kurze Linksquerung in etwas grasiges Gelände und etwas heikel über glatte, ausgewaschene Felsen steil hinauf (V+, schlechter H, bescheidene Sicherungsmöglichkeiten, evtl. besser rechts in kompakterem, auf den ersten Blick schwierigeren Fels klettern?). Man kommt zu einem Band, auf welchem man noch 10-15m nach links zu Stand an 2H quert (total 50-55m). Vom Stand in steiler, schöner und griffiger Kletterei 20m gerade hinauf (V), dann entlang von einem Riss zu einer kleinen Gufel (H), nach links querend plattig aus dieser hinaus (IV+) und über schuttbedecktes Gelände zum Fuss der nächsten Stufe (50-55m).

Ausblick auf das grasige Gelände, das nach der Beschreibung noch zur 5. Stufe gezählt wird, sowie die mächtige 6. Stufe. Man kann den Routenverlauf auf diesem Foto jedoch nicht allzu gut einsehen. Der Einstieg befindet sich ziemlich weit rechts und führt dann diagonal nach links querend empor. Die zweite Seillänge an der 6. Stufe ist hier sichtbar, wenn auch ziemlich stark verzerrt.
In der ersten Seillänge an der 6. Stufe (V+). Zu Beginn kann man noch recht gut für Sicherheit sorgen, bei der Stelle über die letzten 3 roten Punkte hinweg ist dies dann jedoch bei schwieriger Kletterei (V+) in ausgewaschenem Gestein nicht mehr so gut möglich. Dies war für mich definitiv eine der Schlüsselstellen. Eventuell geht's besser, wenn man beim zweiten roten Punkt nach dem Kletterer gerade hinauf steigt. Der Fels ist dort kompakt und steil, dafür aber auch fest, eventuell griffig und möglicherweise besser abzusichern. Bild: 3614adrian @ hikr.org
Nach der 1. Seillänge an der 6. Stufe erreicht man ein bequemes Band, wo sich ein guter Stand einrichten lässt.
7. Stufe: diese nur ca. 10m hohe Stufe wird etwas rechts durch vom Wasser dunkel gefärbtes, griffiges Gestein ersteigen, zuletzt über einen kleinen Überhang hinweg (V, schlechter/alter H, gute Cam-Möglichkeiten). Man gelangt auf ein grosses Schuttband. Darüber hinauf zum Fuss der mächtigen Steilstufe zu Stand an Cams (50-55m, schlechte Kommunikation mit dem Nachsteiger).

Die vergleichsweise niedrige 7. Stufe wartet mit interessanter, griffiger und steiler Kletterei auf (V). Bild: 3614adrian @ hikr.org
8. Stufe: die Überwindung dieser kompakten und mächtigen Steilstufe bildet gemäss den Informationen im SAC-Führer 'den Schlüssel der Besteigung' und erfolgt 'leicht links durch eine abdrängende Rissverschneidung in hellem Gestein'. Während zweiteres absolut zutreffend ist, lässt sich über das erstere diskutieren. Zuerst 15m aufwärts in noch etwas losem, braunem Gestein, dabei einen kleinen Überhang meisternd (H) zu einer Art Höhle (H). Athletisch an guten Griffen im nun hellen Kalk daraus hinaus (H) und dem sich zu einer Verschneidung entwickelnden Riss entlang in sehr schöner Kletterei weiter (gut absicherbar, V+). Standmöglichkeiten nach 40m, 45m oder am besten sehr luftig nach 50m an 2H (wovon 1 mies ist, jedoch gute natürliche Sicherungsmöglichkeiten vorhanden). Weiter in schöner Kletterei der Verschneidung entlang (V, 1 H, gut absicherbar) und zuletzt in graduell einfacher werdendem Gelände hinauf zum Band zu Beginn der braunen, brüchigen Felszone (30m, schlechte Standmöglichkeiten an mobilen Sicherungen, Haken schlagen!).

Unser Weg über die 8. Stufe. Im SAC-Führer wird dieser Abschnitt, insbesondere der Überhang am Off-Width-Riss aus der Höhle nach dem 4. roten Punkt als Schlüsselstelle bezeichnet. Wobei diese Stelle einem kompetenten Sportkletterer vergleichsweise einfach fallen wird. Der Fels ist nämlich gut, die Absicherung in Ordnung und es hat ordentliche Griffe, wo man seine PS auf den Fels bringen kann.
Der Höhlenüberhang mit seinem Off-Width-Riss aus der Nähe gesehen.
Auch die zweite Seillänge an der 6. Stufe wartet zu Beginn mit schöner Kletterei in gutem Fels auf (V).
Mit dem Ausstieg aus der 8. Stufe endet die Herrlichkeit im schönen Fels. In diesem Bruch ist es schwierig, einen guten Stand einzurichten. Ohne Schlaghaken, d.h. nur mit Cams/Keilen hätte ich hier keine Möglichkeit gesehen.
Zum Fixseil am braunen Wulst: auf dem Band quert man 50m gut gangbar nach rechts (T5) und steigt über geneigte Felsen 50m hinauf (II) zum braunen Wulst mit dem ominösen Fixseil, welches sich direkt in Falllinie der Schlucht befindet. Hier haben wir einen Standhaken am Fuss der Steilstufe des braunen Wulsts geschlagen und belassen.

Auf diesem Band quert man nach der 8. Stufe nach rechts. Es ist besser begehbar, wie man aufgrund vom Foto meint (T5).
Brauner Wulst mit Fixseil: die Steilstufe mit dem ca. 8m langen, an einem NH befestigten Fixseil bildet die klettertechnische Crux (VI oder VI+, alternativ A0 am Fixseil). Es bestehen keine weiteren Sicherungsmöglichkeiten, ein Sturz liegt nicht drin und der Fels ist mässig solide. Eine Bewertung ist schwierig, da man sich aus Sicherheitsgründen nicht die besten, sondern die solidesten Griffe auswählen muss (d.h. in freier Kletterei ca. VII obligatorisch!). Oberhalb vom Wulst einfacher in den ausgewaschenen Beginn der Schlucht klettern (IV, keine Sicherungsmöglichkeiten, heikel). Nach 45m Standmöglichkeit an Cams.

Blick vom Ende der Querung nach der 8. Stufe. Zuerst einfache Felsen, die zum braunen Wulst mit dem Fixseil führen. Oberhalb geht es dann in die Schlucht hinein, die vermeintlich zur Scharte zwischen den beiden Türmen leitet. Allerdings hält man sich in einem Kessel dann wieder rechts, der Grat wird erst viel später erreicht.
Der braune Wulst mit dem Fixseil (in voller Auflösung erkennbar) bildet die klettertechnische Crux auf der von uns begangenen Route. Wenn man diese vermeiden möchte, so muss man höchstwahrscheinlich auf dem Band unter dem braunen Wulst nach links queren, bis man über brüchige Felsen (im Profil sichtbar) auf den Turm in der linken Bildhälfte steigen kann.
Durch die Schlucht: nun ca. 100m in einfachem, teils schuttig-brüchigem Gelände durch eine Art Kessel zwischen verschiedenen Türmen durch die hier einfache Schlucht hinaufsteigen (II-III). Zum Schluss steilt sich diese wieder auf und weist mehrere Gufeln und Steilstufen auf (spezieller, kristallhaltiger und einigermassen solider Fels). In einer Seillänge von 50m (V, einige Sicherungsmöglichkeiten) zum Ende dieser Schluchtreihe bei einem Geröllplatz.

Dieses Foto wurde vom im Text erwähnten 'Kessel' aufgenommen. Der braune Streifen mit den dunklen Höhlen markiert den weiteren Aufstieg durch die 'Schlucht'. Hier auf dem Foto sieht's zwar nicht so schluchtmässig aus, in Realität passt der Begriff jedoch schon. Die Steilstufen aus den Höhlen heraus stellen logischerweise die schwierigsten Kletterstellen dar (V). Insgesamt aber schon gut machbar - links und rechts daneben sieht das Gestein schauderlich brüchig aus, einfacher wäre es dort bestimmt nicht.
Am Ende der Schlucht. Hier könnte man über diese Steilstufe nach oben gelangen (wohl ca. IV). Einfacher und vor allem schneller ist es jedoch, diese Stelle rechts zu umgehen. 
Hinauf zum Grat: rechtshaltend 20-30m aufwärts, und a) entweder direkt über die 10m hohe Stufe (V, wenig exponiert aber kaum Sicherungsmöglichkeiten) oder b) diese in einem Rechtsbogen über geneigt-schuttiges Gelände umgehen (III). Nun erst schuttig-lose nach rechts hinauf (I-II), dann rechts der markanten, zur Turmscharte führenden Rinne über eine Art Rippe in braunem Gestein hinauf zum Grat (ca. 100-150m, III).

Hier ist der braune Grat zu sehen. Unsere Aufstiegslinie verläuft über eine Rippe, welche den Grat rechts der Scharte rechts des markanten Doppelturms erreicht (im rechten Bildviertel zu sehen). Wenn man über den Grat geht, so wartet vom Doppelturm entweder eine schlecht eingerichtete Abseilstelle oder eine sehr unangenehm aussehende Abkletterei.
Da, aus dem Schatten, kamen wir her. Andere Seilschaften haben den Grat, der in der Sonne liegt, auch schon komplett begangen. Das ist ganz sicher zeitaufwändiger und wenn man den Beschreibungen glaubt, auf keinen Fall angenehmer oder sicherer wie der von uns gewählte Weg.
Über den Grat: dem Grat folgend in einfacher Kletterei (max. II) und teils in Gehgelände (T5) in 10-15 Minuten (ca. 200-300m) an den Fuss der Gipfelwand, ein etwas schwierigerer Turm wird dabei SE-seitig umgangen.

Das ist der obere, einfachere Teil vom braunen Grat, den wir ebenfalls begangen haben. 
Der letzte Teil vom Grat, der zur Schlusswand führt. Diese haben wir entlang der roten Punkte begangen.
Schlusswand: die wieder aus hellem, solidem Kalk bestehende Gipfelwand wird entlang einer rampenartigen, diagonal nach rechts ziehenden, weniger steilen Zone angepackt. Die ersten ca. 100m ist das Gelände gutmütig (III), geneigt und etwas schuttbedeckt. Man trifft auf einem H, ab diesem folgt eine sehr schöne Seillänge in gutem, rauem Gestein. Zuerst an Rissen und über Wandstellen hinauf (V), zuletzt mit einem Boulder athletisch nach links auf die geneigte Platte (V+, H) zu Stand an Cams (50m). Erneut athletisch über eine Stufe (IV+) und hinauf zum Grat (30m), den man wenig westlich vom Gipfelsteinmann erreicht.

Gutmütiges Gelände zu Beginn der Schlusswand (ca. III).
Gegen oben hin wird das Gelände an der Schlusswand nochmals steil und bietet schöne Kletterei (V).
Der letzte Boulder (IV+) wartet zu Beginn der letzten Seillänge.

Zum Schluss

Diesen Tourenbericht gibt's, was den von mir geschriebenen Text betrifft, identisch auf dem Portal hikr.org (klick!), zusätzlich findet man dort auch noch eine Einschätzung von meinem Tourenpartner Adrian sowie einige zusätzliche Fotos.