- -

Montag, 10. August 2020

Gross Bielenhorn - Nolens Volens (6c)

Am Gross Bielenhorn oberhalb der Sidelenhütte am Furkapass findet man mitunter den besten Klettergranit der Schweiz. In früheren Jahren war ich schon in der Niedermann (6a) und der Fandango (6c+) zu Gange, der letzte Besuch lag aber doch schon wieder Jahre zurück. Kein Wunder, den um hier oben mit Genuss zu klettern, muss einiges zusammen passen: warme, wettersichere Tage ohne Wind und Quellbewölkung, sonst macht es keinen Spass. Erst kurz vor Mittag kommt die Sonne an die Wand. Nicht unbedingt ein Spot also für Frühaufsteher, dafür klettert man dann bis am Abend an der wärmenden Sonne. Um sich einen weiteren Punkt auf dem "Moderne Zeiten"-Konto gutschreiben lassen zu können, wählten wir den Remy-Klassiker Nolens Volens (10 SL, 6c) von 1987. Das ist allerdings fast ein wenig despektierlich ausgedrückt, denn diese famose Tour verdient einen Besuch unbesehen von jeglichen Punkten und Listen!

Unterwegs ins Sidelengebiet. Hinter der Kletterin der Hanibalturm und der Galenstock, rechts das Gross Bielenhorn.
Den Zustieg wählten wir vom Refuge Furka (2428m), wo wir um ca. 10.20 Uhr losgingen und nach einer knappen Stunde bei der Sidelenhütte eintrafen, wo wir uns erst einmal mit einem kühlen Getränk auf der Terrasse erfrischten. Wer die Höhenmeter effizient frisst und einen der eher raren Parkplätze ergattert, erreicht die Hütte möglicherweise schneller vom Sidelenbach (P.2279, +150hm, weniger Distanz). Von der Hütte dann etwas absteigend in Richtung der Kamele und Wegspuren folgend in einer Rechtsschleife zur Südecke vom Gross Bielenhorn. Die verlockenden Direktwege durchs Gletschervorfeld zahlen sich eher nicht aus. Nun über Schneefelder bzw. den östlichen Teil vom Sidelengletscher unter der Wand traversieren und zum Schluss steil zu dieser hinauf. An sich ist das Gelände unschwierig, zuletzt aber doch gegen 45 Grad steil. Bergschuhe und Pickel sind wohl fast immer nötig, Steigeisen ein Sicherheitsplus. Auch ich hatte sie an diesem Tag gerne eingesetzt. Spannend ist dann immer die Frage, wie gut sich die Randkluft vom Gletscherhang gegen den Fels hin überwinden lässt. Für uns ging es ganz ordentlich, etwas alpiner Sachverstand und das Bewusstsein um allfällige Gefahren war jedoch durchaus nützlich. Um 12.20 Uhr und damit ziemlich genau 2:00 Stunden nach Aufbruch erreichten wir einen Einzelbolt auf einem etwas abschüssigen Band, wo wir von der Alpin- auf die Kletterausrüstung umsatteln konnten. Eine Viertelstunde später ging es schliesslich mit der Kletterei los.

Ich bin auch eine Alpinistin... Passage der Randkluft.
L1, 10-30m, 5c: Je nach Schneehöhe kürzerer oder längerer Abschnitt entlang von Rissen über Stufen hinweg. Die Orientierung gar nicht so einfach hier, weil man üblicherweise nicht so richtig weiss, auf welcher Höhe man denn nun startet. Wer mit einem 50m-Seil den Stand nach L2 erreichen möchte, muss bei der Markierung (roter Farbpunkt, roter Einzel-BH etwas oberhalb) Halt machen.

L2, 45m, 6a+: Coole Kletterei, die vom roten BH nach links führt. Nach heiklem Auftakt-Move geht's an einigen Piazverschneidungen und breiten Rissen vorwärts, nur relativ spärlich mit BH abgesichert. Hier und da bringt man auch kleines Gear unter, gerade am Ende müssen aber für optimale Absicherung sicher der 3er- wenn nicht sogar der 4er-Cam mit. Wer über der Schwierigkeit steht, kommt ohne aus - die Kletterei dort ist moderat schwierig und der auch neben den Rissen super strukturierte Fels erlaubt kontrolliertes Steigen.

Breite Risse charakterisieren die Kletterei im oberen Teil von L2 (6a+).
L3, 45m, 6c: Die schwierigste, aber auch die beste und abwechslungsreichste Seillänge der Route. An ein paar griffigen Rissen geht's los, über ein erstes Dächli hinweg noch relativ gutmütig zu einem genialen, schräg nach oben ziehenden Riss, den man für die Füsse als Rampe benutzen kann. Dann ist fertig, eine erste Reibungsstelle am Limit bringt einen zu einem Ruhepunkt, bevor es nochmals Vollgas auf Reibung geht. Es ist aber keine reine Schleicherei, die steile Wand ist mit Noppen und Crimps garniert, super! Im unteren Teil gibt's hier durchaus etwas Luft zwischen den Haken, der erste Reibungstest ist ebenfalls noch recht zwingend, nur ganz am Ende stecken die Bolts dann eng.

Erst super Risse, dann fordernde Steilplattenkletterei wartet in der Crux (L2, 6c).
L4, 35m, 5b: Nun soll es deutlich einfacher werden, zuerst merkt man gar nicht mal allzu viel davon. Erstaunlich knifflig geht's hinauf und an einem schönen Quarzband nach links. Eine rissige Verschneidung und später ein paar Stufen bringen einen weiter voran zu einem ersten Grasband (BH). Der Stand liegt aber noch eine Etage höher auf dem nächsten Band.

L5, 35m, 6a: Sieht von unten nicht so überzeugend aus, entpuppt sich aber als Klasse-Länge! Obwohl es linksrum vielleicht einfacher ginge, geht's an Bolts und einer Rissspur in prima strukturiertem Fels gerade hinauf. Man gelangt schliesslich zu einer Rissverschneidung, wo man mobil absichern muss, an dieser Stelle geht's für einmal nicht ganz perfekt und es ist etwas das Auge nötig. Mit einem nochmals kniffligen Schritt gelangt man zum Stand.

Super Kletterei mit einer griffigen Struktur stets in der Nähe wartet in L5 (6a).
L6, 35m, 6b+: Steil und spektakulär! An griffigen Rissen und Schuppen überwindet man eine erste Steilzone mit einem Beinahe-Dach. Auf einem kleinen Band kann man sich schliesslich eine Verschnaupause gönnen und den Weiterweg überlegen. Dieser führt nicht gerade obsig in den cleanen Riss, sondern kurz rechts absteigend den eng steckenden Bolts entlang durch die Wand. Während man erst ob dem Cruising-Gelände frohlockt, kommt dann plötzlich doch noch ein kniffliger Schritt. Zuletzt nochmals piazend an Rissen und Kanten athletisch um die Ecke zu gemeinsamem Stand mit der Niedermann.

Man sieht's am Schlaghaken, am Ende der steil-spektakulären  L6 (6b+) trifft man mit der Niedermann zusammen.
L7, 30m, 6a+: Die Bohrhaken leiten einen hier quasi automatisch auf die richtige Fährte. Es geht nach rechts durch die Wand, welche super strukturiert daherkommt. Auch um die Ecke geht's gut und griffig voran. Zum Schluss gilt es dann, noch eine Art Couloir zu überqueren. Entweder habe ich das saublöd erwischt, oder es ist nicht gänzlich nichttrivial.

L8, 40m, 6a+: Eine anhaltende Super-Seillänge! Gleich vom Stand weg mal parat sein und auf ein paar kleinen Leisten antreten. Nun geht's etwas im Zickzack hinauf, wobei immer mal wieder ein gut sichtbarer Bolt bei der Orientierung hilft. Neben dieser Grundabsicherung wollen aber auch immer mal wieder Cams platziert werden. Das Finish dann nochmals steil und speziell genial mittels Brotlaib-Pinching.

Ich glaube, sie hatte sowas gesagt wie "eigentlich ist die ganze Route ein No-Hand-Rest". Im Vordergrund sieht man sehr schön die Felsstrukturen, welche am Ende von L8 (6a+) sehr schön zum sogenannten Brotlaib-Pinching verwendet werden müssen.
L9, 25m, 5c+: Hier dünkte mich der Verlauf durchaus etwas unlogisch. Vermeintlich könnte man (leichter?!?) direkt oberhalb vom Stand durch die rissige Verschneidung klettern. Aber nein, die Bolts indizieren den Routenverlauf linksherum mit ein paar kräftigen, piazartigen Zügen. Schliesslich wechselt man dann doch gutgriffig in die ursprüngliche Verschneidung zurück und erklettert diese zum bald schon folgenden Stand.

Fantastischer Ausblick auf die letzten beiden Seillängen (L9/L10). Die Route verläuft hier allerdings etwas unlogisch nicht direkt hinauf durch die Verschneidung zu den Kletterern, sondern schlägt eine eine in die linke, untere Bildecke. Wir folgten dieser und den dortigen BH gehorsam, so wundert es mich nun umso mehr, wie schwierig es direkt hoch wohl wäre.
L10, 35m, 6a+: Nochmals ein prima Gerät zum Abschluss: steil, anhaltend, griffig an tollen Rissen! Eine Grundabsicherung mit BH ist vorhanden, mobil Sichern geht fast nach Belieben. Zuletzt dann nochmals extrasteil und henklig auf die bequeme Plattform bei der markanten Felsnadel, welche nicht ganz den Gipfel des Gross Bielenhorn darstellt.

Fantastische, steile und griffige Kletterei bis zuletzt in L10 (6a+).
Um 17.30 Uhr und damit nach rund 5 Stunden absolut genialer Kletterei hatten wir das Top erreicht und konnten an beiden Seilenden eine perfekte Onsight/Flash-Begehung verbuchen. Rein von Wetter und Stimmung her hätten wir nun durchaus eine längere Zeit hier oben chillen können. Allerdings waren neben uns noch 2 weitere Seilschaften zugegen und es stellte sich die Frage, in welcher Reihenfolge das Abseilen angegangen würde. Uns wurde der Vortritt angeboten, somit beschränkten wir unseren Gipfelaufenthalt und fädelten die Seile. Um zügig vom Acker zu kommen und weil ja gleich jemand nachfolgte, "riskierten" wir es, die ersten beiden Teilstrecken (L9/L10) zu kombinieren. Aber wie es im Plaisir steht, der Seilverhänger ist quasi garantiert... ich habe mein Bestes versucht, konnte ihn aber nicht vermeiden. Nun denn, das Malheur war durch die Nachfolger subito korrigiert (Dankeschön!). Mit unserem dritten Abseiler ging's direkt hinunter auf das Grasband zu Stand der Niedermann (Achtung, 50m-Seile knapp!). In 4 weiteren Manövern waren wir zurück bei den Schuhen, von wo wir noch über die Randkluft und den obersten, steilen Schneehang abseilten. Bequem im Schnee absteigend waren wir bald (19.00 Uhr) retour bei der Sidelenhütte, wo wir nochmals eins tranken, bevor wir in 35 Minuten zügig zum Furkapass liefen.

(K)eine Remy-Route ohne Bohrhakenkontroverse?!?

Die Route wurde 1987 von den Remy-Brüdern erschlossen und nach der Jahrtausendwende in mehreren Etappen mit rostfreiem Material saniert. Soweit ich das vor Ort wahrgenommen habe, wurden bei dieser Sanierung die Sicherungspunkte grundsätzlich 1:1 ausgetauscht, wobei die Positionierung manchmal optimiert wurde. Bei unserer Begehung im Juli 2020 war es dann aber so, dass im oberen Routenteil an zahlreichen (ca. ein Dutzend?) sanierten Haken die Laschen fehlten. Das war nicht ganz so tragisch, denn die Kronenbohrhaken der Erstbegehung sind an den jeweiligen Stellen auch noch vorhanden und nutzbar. Überdies kann man an diesen Stellen in unmittelbarer Nähe meist auch gut mobil absichern. So gesehen sind die Bolts "sowieso unnötig". Somit werde ich den Verdacht nicht los, dass die fehlenden Laschen vielleicht doch nicht einfach der Schwerkraft zum Opfer gefallen sind, sondern mutwillig entfernt wurden.

Quarz, Kamele, Schildkröte und der versteinerte Nixen - eine fantastische Gegend!
Ob nun Bolts neben mobil abzusichernden Rissen oder solche Guerilla-Aktionen (wenn es denn eine war...) sinnvoller sind, dürfte Anlass zu manchem Klettertalk sein. Ich würde einfach vorschlagen, dass hier ein klarer Entscheid gefällt wird. Entweder werden die fehlenden Laschen ersetzt (ca. 10-15 Stück, rostfrei inklusive Mutter M10 nötig) und gleichzeitig die alten Bolts entfernt (Hammer, Inbus in allerlei Grössen und/oder Akkuflex nötig). Oder dann entscheidet man sich, überall dort wo mobil gesichert werden kann, die Bolts komplett zu entfernen. Aber wenn, dann bitte in sauberer Arbeit und mit einer offiziellen Kommunikation, so dass man auch weiss, was einen erwartet... aber ich gehe jetzt einmal davon aus, dass bis auf Weiteres alles so bleibt, wie es im Moment ist.

Facts

Gross Bielenhorn - Nolens Volens 6c (6b obl.) - 10 SL, 350m - C. & Y. Remy 1987 - *****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12-14 Express, Cams 0.2-3 plus evtl. 4, evtl. Keile

Fantastische Kletterei durch Gestein, das mitunter zum besten Granit in der Schweiz gehört und definitiv in die gleiche Güteklasse wie jenes im hochgelobten Chamonix gehört. Die Route bietet meist Kletterei an angenehmen und wenig beschwerlichen Rissen, Verschneidungen und griffigen Schuppen. Die Crux spielt sich hingegen an einer recht fordernden Steilplatte ab - mit etwas Einsatz kommt man hier auch ohne absolute Beherrschung der Schwierigkeiten mit A0 wohl noch mehr oder weniger durch. Trotzdem, der in der Literatur verzeichnete obligatorische Grad von 6a+ dünkt mich zu knapp. Generell ist eine gute Grundabsicherung mit BH vorhanden. Wer die Schwierigkeiten gut drauf hat, muss nur punktuell mal einen Cam legen und kommt mit einem abgespeckten Set von 0.3-2 aus. Es wäre aber zumeist durchaus möglich, mit mobilem Material auf eine sportklettermässige Absicherung (xxxx) zu kommen, dafür muss man dann jedoch genügend (auch grosse) Cams und allenfalls Keile mitführen. Ein Topo findet man z.B. im Plaisir West 2019 oder auch (nicht mehr ganz aktuell) im SAC-Führer Urner Alpen 2 oder im Topoguide Band I. Die Bewertungen in meinem Bericht habe ich aus dem Plaisir übernommen, sie sind grösstenteils etwas höher als jene in den älteren Führern, schienen mir aber stimmiger.

Mittwoch, 5. August 2020

Engelhörner - Öxli und Ox (6a)

Der wilde Kessel des Ochsentals in den Engelhörnern ist ein eindrücklicher Ort, welcher mir schon manch tolles Klettererlebnis beschert hat. Trumpfkönig, Silberfinger, Gagelfänger, der klingenden Namen gibt es viele. Mit der im 2017 erschlossenen Route 'Öxli und Ox' am wenig markanten Ochsenspitz gab es nun endlich auch eine gute Gelegenheit, um einmal mit der ganzen Familie diesen magischen Ort zu besuchen. Schliesslich ergab sich ein so tolles Erlebnis wie erhofft - Gegend und Kletterei sagten allen zu und nach über 500 Klettermetern inklusive Zu- und Abstieg hatten wir uns ausgiebig bewegt.

Hinein ins Reich der Engelhörner. Hinter der Hütte geht's in den magischen Felsenkessel vom Ochsental.
Nachdem sich die Familie nach Trainingslagern und Kletterausflügen hierhin und dahin erst gerade wieder vereint hatte, war ein früher Aufbruch am nächsten Morgen utopisch. Nachdem aber sicheres Wetter angesagt war und die Sonne die nach Westen ausgerichtete Flanke des Ochsental-Kessels erst gegen Mittag bescheint, war keine Eile geboten. Mit  letzten Tropfen Sprit (aufgrund der wieder einmal optimistischen Interpretation der Tankanzeige...) erreichten wir die Alp Gross Rychenbach (P.1574, Taxe 15 CHF bei der Alphütte zu bezahlen) und starteten den Zustieg um 12.15 Uhr. Die Engelhornhütte passierten wir 45 Minuten später, flugs gingen wir weiter Richtung Einstieg, wo wir nach total 1:10 Stunden Gehzeit eintrafen. Er befindet sich tatsächlich dort, wo die Felsen am weitesten herabreichen und kann aus dem Boden des Ochsentals praktisch auf ebenem Fuss erreicht werden. Mit den Vorbereitungen hielten wir uns nicht mehr lange auf und bildeten zwei Seilschaften, die nach Möglichkeit gleich parallel steigen würden. Nachdem die Kletterei geneigt-gutmütig aussah und Bolts mit nicht allzu weiten Abständen sichtbar waren, wollten die Kinder den Vorstieg anpacken.

Im Ochsental auf den letzten Metern zum Einstieg.
Die ersten 4 Seillängen bieten unschwierige Kletterei im 3./4. Schwierigkeitsgrad. Sie verlaufen grösstenteils über soliden und ausgewaschenen Fels in bzw. neben einer wenig ausgeprägten Rinne, welche den Kessel unter der Gertrudspitze entwässert. Nachdem alles trocken war, nirgendwo mehr Schnee lag und oberhalb keine Kletterer aktiv waren, schien mir dieser Ort nicht überaus gefährdet. Global befindet man sich da aber schon an einem Platz, wo unter ungünstigen Voraussetzungen Steinschlaggefahr herrschen kann. Zu erwähnen ist auch, dass alle Seillängen nahezu 50m lang sind. Auf den ersten beiden Teilstrecken stecken je 7 BH, was ja doch auch schon Hakenabstände von 6-7m ergibt. In Seillänge 3 sind es dann nur noch 5 Stück und am Ende von L4 gibt es auch einen längeren Runout von ca. 10-15m in zwar einfachem, aber doch etwas schuttig-brüchigem Gelände. Sprich, die Absicherung ist für solches Gelände sicherlich "gut", sauber gehen und sicher stehen muss man aber trotzdem. 

Off he goes... das müsste L4 (4a) sein.
In L5 (5b) erklettert man gar nicht mal so einfach gleich nach dem Stand eine Rippe in abwärts geschichtetem Fels, bevor es dann bald wieder einfacher voran geht. Mit L6 (4a) wartet nochmals ein etwas flaches, grasig-schuttiges Überführungsstück, bevor es im zweiten Routenteil dann steiler zur Sache geht. Man befindet sich an dieser Stelle unmittelbar unterhalb der Fixseil-Traverse, welche ich damals auf dem Weg zur Queen of Desert begangen hatte. Mit L7 (6a) folgt nun die Crux: erst noch flach, klettert man später auf einer Art Rampe in schöner 3d-Manier griffig aufwärts. In der Männerseilschaft übernahm ich ab dieser Stelle die Führung, während Larina sich noch tapfer im Vorstieg weiterkämpfte. Gerade hier ist "Kampf" eine nicht völlig abwegige Bezeichnung, denn aufgrund der Topografie der Seillänge mit dem flachen Start verursachte das Seilgewicht bei ihr trotz strategisch geschickt platzierten Verlängerungen prozentual doch einen erheblichen Aufschlag auf das Körpergewicht.

Da sind die beiden am Ende von L5 (5b), hinten die westliche Engelhornkette. Der Verlauf von L7 (6a) direkt ob den Kids.
L8 (5b) führt nun wieder direkt auf einer Rippe vorerst eng mit BH abgesichert in die Höhe, bevor zum Stand hin wieder einmal ein längerer Runout in schuttig-einfachem Gelände wartet. Vom Stand spähten wir nach Haken, gerade hinauf waren einfach keine auszumachen. Ein Blick ins Topo klärte dann auf, dass die Bolts rechts aussen nicht etwa zu einer anderen Route gehörten, sondern "unsere" L9 (5b) markierten. Es gilt hier wirklich zuerst 10m ohne BH nach rechts zu queren. Die erste Sicherung steckt dann seilzugtechnisch etwas gar weit unten. Nun geht's auf der Rippe aufwärts, es ist die Seillänge mit der schlechtesten Felsqualität. Man bedient meist etwas mürbe Seitgriffe auf Gegendruck - für mich natürlich kein Problem, aber für unsere zweite Vorsteigerin war das eine fordernde und auch etwas nervenaufreibende Sache. Aber ja, auch das Klettern in unsicherem Fels ist ein Skill, den es zu trainieren und zu fördern gilt - das ging hier bestens, dank den regelmässig steckenden BH auch safely. Weiter geht's mit L10 (5c+), wo nochmals kompakte Plattenkletterei in schönem Fels bei eng gehaltener BH-Absicherung wartet, prima! In der für einmal etwas kürzeren L11 (5b) warten auf der etwas gesuchten Linie nicht mehr die grossen Schwierigkeiten.

Die Cruxlänge (L7, 6a): unten flach, oben steil. Gut abgesichert, aber dennoch mit etwas  Luft zum Steigen.
Um 18.40 Uhr und somit nach rund 5:00 Stunden Kletterei waren wir alle am Top of Ochsenspitz. Leider bietet dieser bzw. das Routenende nicht ein richtiges Gipfelerlebnis, das ist doch ein wenig schade und wäre schon das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Aber die gut 500 Klettermeter hatten allen echt Spass gemacht, v.a. hatten die Kinder hier einen wesentlichen Teil der Führungsarbeit übernehmen können, bravo! Schon bald galt es, an den Heimweg zu denken, v.a. für den Teil der Familie, welcher am Montag wieder in den Einsatz musste und nicht einfach auf die nächste MSL-Tour gehen konnte ;-) Zum Abseilen wäre die Route eingerichtet, aber die 11 manchmal etwas schräg verlaufenden Manöver in wenig steilem, bisweilen auch etwas schuttigen Gelände erschienen jetzt nicht gerade verlockend. Somit wollten wir wie empfohlen über die RendOx abseilen. Auch wenn das Gelände hier ein wenig steiler und die Linie etwas direkter ist, so erfordert das doch auch 10 Manöver, welche nicht das grosse Vergnügen darstellen - ist doch das Gelände oft geneigt, teils schrofig und meist mit seilfressenden, scharfkantigen Steinen durchsetzt.

Hoch der Berg, tief das Tal... unterwegs auf der schönen Rippe von L8 (5b).
Anyway, wir taten was zu tun ist, um etwa 20.10 Uhr setzten wir unseren Fuss wieder auf den sicheren Boden. Der Benefit von dieser Abseillinie war definitiv auch, den nicht unbedingt offensichtlichen Startpunkt der Route Rendez-vous nun schon identifiziert zu haben. Denn für diesen Gesamtdurchstieg auf den Ulrichspitz werde ich bestimmt zurückkehren - die Kletterei sieht bis zum Ochsenspitz zwar bisweilen etwas gesucht aus und ist bestimmt nicht in jeder Seillänge top, aber das Terrain verspricht doch manch tollen Klettermove. Und oberhalb vom Ochsenspitz locken dann definitiv die steilen Wände. Nun denn, das ist Zukunftsmusik, für uns hiess es nun die sieben Sachen packen und Abmarsch ins Tal. Noch rechtzeitig vor Ladenschluss konnten wir uns am Bahnhof in Meiringen mit einer kühlen Erfrischung eindecken, bevor die einen nach Hause und die anderen in Richtung des nächsten Kletterabenteuers fuhren.

Geschafft!

Facts

Ochsenspitz - Öxli und Ox 6a (5b obl.) - 11 SL, 500m - Anker/Romang 2017 - **;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express

Hübsche Route auf einen kleinen Gipfel im Kreis der grossen Engelhörner, die ein eindrückliches Ambiente bieten. Der Fels auf der Route ist meist gut, solide und kletterfreundlich, stellenweise liegt in leichteren Abschnitten Schutt herum. Die Route ist üppig mit neustem Inoxmaterial abgesichert, an den schwierigen Kletterstellen auf Stufe "Plaisir gut+" oder sogar "Plaisir super". Im einfacheren und oft auch etwas alpinen Gelände stecken auch regelmässig Bolts, aber am dümmsten Ort einen Griff auszureissen und zu stürzen könnte dann doch schmerzhaft enden. Insgesamt ist es sicher ein Unternehmen, das sich gut für weniger versierte Kletterer eignet. Trotzdem ist die Route rein aufgrund der Länge, der Lage, dem nicht anforderungsfreien Abseilen nicht unbedingt das ideale Terrain für den allerersten MSL-Ausflug. Ein Topo findet man auf den Seiten von ReBolting.

Zurück am Einstieg, in mehr oder weniger direkter Linie geht's zum Fähnli!

Montag, 27. Juli 2020

Zervreilahorn - Maverik (7a, 9 SL, Erstbegehung)

An einem genial schönen Wochenende zum Ende der Sommerferien 2019 hatten wir erst die Nanouk und dann die Braveheart geklettert. Verzaubert vom Bündner Matterhorn, der einsamen, wunderschönen Umgebung und der Kletterei über Risse und Platten in vorzüglichem, orangem Gneis schweiften meine Blicke über die Wand. Verschneidungen, Kanten, Pfeiler, alles reihte sich aneinander. Ja, da war die Gelegenheit für eine Neutour vorhanden. Die Verlockung war so gross, dass ich am liebsten gleich unmittelbar nach dem Abseilen wieder in die Wand eingestiegen wäre. Das war natürlich utopisch, somit war erst eine Woche an Geduld gefragt, bevor es am darauf folgenden Samstag (24.8.2019) losgehen konnte. Entstanden ist schliesslich eine tolle Route mit typischer Zervreila-Kletterei, die im Semi-Trad-Style (nicht absicherbare, plattige Passagen und Stände gut eingebohrt, die Risspassagen clean) konzipiert ist.


Die fantastische SE-Wand des Zervreilahorns mit der Maverik und den Zustiegen (normal von rechts, alternativ direkt).
Erstbegehung

Um den Tag auch wirklich gütlich nutzen zu können, brachen wir bereits um 5.00 Uhr in der Früh von Zervreila auf. Mit 3 Sätzen Cams, 60 Bohrhaken und vielen weiteren Gegenständen schwer bepackt ging's hinauf ans Zervreilahorn zum Einstieg, wo wir bereits um 7.00 Uhr loslegen konnten. Wir kamen zügig voran: der Schwierigkeitsgrad der am Horn üblichen Mischung von Wandstellen und Rissverschneidungen war meist im Bereich 6b, die Linie ergab sich von selbst und dank vielen Möglichkeiten für zuverlässige mobile Sicherungen konnte die Bohrmaschine meist stumm bleiben. Insgesamt weist die Route auf 9 Seillängen nur 18 gebohrte Zwischensicherungen auf, macht im Schnitt genau 2 Stück pro Länge. Trotzdem, der extrem harte Gneis forderte unseren Bohrer, so dass am Ende nicht nur wir, sondern auch die Akkus erschöpft waren und das Setzen der Bolts zur Geduldsprobe wurde. Doch nachdem sich die letzten 2.5 Seillängen clean klettern liessen, erreichten wir um 20.00 Uhr abends nach 13 Stunden Kletterei doch noch überglücklich und hochzufrieden den Klettergipfel des Zervreilahorns. Nach Hause ins Bett war's allerdings noch ein weiter Weg, nach 22 Stunden auf den Beinen konnte ich mich schliesslich in die Federn legen. Ja, durchaus ein wenig eine verrückte Aktion, aber ein Tag der für immer in Erinnerung bleiben wird.

Der Startschuss zu unserem Projekt, just in time mit dem Sonnenaufgang!
Selbstverständlich wollten wir die Route auch Rotpunkt klettern, sowieso mussten wir auch noch einige Verbesserungen vornehmen, insbesondere die Standplätze hatten wir anlässlich der Erstbegehung um Zeit und Wattstunden zu sparen erst sehr spartanisch eingerichtet. Vier Wochen nach der Erstbegehung (21.9.2019) war es schliesslich soweit, angenehmes Wetter und die Verfügbarkeit von beiden Seilpartnern liessen den Ausflug zu. Mit grossem Genuss und Begeisterung konnten wir unsere Linie erfolgreich Punkten und alle Arbeiten abschliessen. Einzig die zweite Seillänge erforderte dabei ein "genaues Hinschauen". Damals, beim Einbohren und mit dem üblichen Pausieren am frisch gesetzten Zwischenhaken war die linke Kante an der fraglichen Stelle rasch erreicht. Doch würde es auch ohne diesen Zwischenhalt gehen? Ja, und wie - mit einem fantastischen New-School-Move konnten wir das Problem lösen. Jeder der behauptet, die modernen Boulder an den Wettkämpfen hätten nichts mit realem Klettern zu tun, der sollte einmal diese Stelle probieren!

Anreise und Zustieg

Per Auto oder öV auf kurvenreicher Strasse von Chur via Ilanz nach Vals und weiter nach Zervreila zum Parkplatz bei der Kapelle (P.1984). Nun der mit Fahrverbot für Motorfahrzeuge belegten Schotterstrasse entlang ca. 2.7km zum Beginn des Wanderwegs nach Furggelti, dabei vernichtet man rund 130 Höhenmeter. Es ist sehr empfehlenswert, für diesen Abschnitt ein Bike zu verwenden. Die Zeitersparnis auf dem Hinweg beträgt ca. 30 Minuten, auf dem Rückweg ca. 15-20 Minuten. Dann zu Fuss dem Wanderweg entlang bis zu dieser Stelle auf ca. 2240m (Steinhaufen, Eisenstange mit weiss-rot-weisser Markierung), wo man diesen nach rechts verlässt.

Der Zustieg ist für sich alleine schon ein Erlebnis, die Gegend ist wunderschön!
Die Pfadspur zum Zervreilahorn ist ganz am Anfang nicht sehr ausgeprägt, wird aber bald deutlicher. Sie verläuft später am Fuss des markanten, diagonal verlaufenden Felsbands - im Zweifel einfach in diese Richtung gehen. Man erreicht schliesslich den flachen Boden (Biwakplatz) auf ca. 2420m und wenig später übers Geröllfeld den Fuss der Wand. Von dort auf Pfadspur links aufwärts und über den Graskegel zur Kraxelstelle, die aufs grasige Einstiegsband leitet. Auf diesem noch ca. 200m nach links, man passiert dabei die Einstiege von Medea, Nanouk und Braveheart. Ca. 25m links der letzteren befindet sich der angeschriebene Einstieg auf ca. 2550m, ein kurzes Fixseil erleichtert die letzten Meter. Alternativ und einen Tick schneller kann man auch unterhalb der Wand gut begehbar übers Geröllfeld queren und erst hinten über die Stufe direkt zum Einstieg der Braveheart hinauf (Fixseil vorhanden). Unser totaler Zeitbedarf von der Kapelle bis zum Start der Route belief sich am Tag der Rotpunktbegehung (mit Bike, zügiges Gehen, inkl. der Bohrausrüstung fürs Nachbessern im Gepäck) auf 1:15 Stunden. In der Literatur steht 2:30h, man kalkuliere also selbst.

Hier geht's los! Der Einstieg befindet sich 25m links der Braveheart und führt direkt oberhalb vom BH in gerade Linie an das System mit Schuppen und Verschneidungen. Die mit BH abgesicherte Linie, welche über die Platte nach links zieht, ist aktuell (Juli 2020) ein noch nicht fertiggestelltes Projekt. Man lasse sich also nicht in falsche Versuchung bringen...
Routenbeschreibung

Zervreilahorn - Maverik 7a (6b obl.) - 9 SL, 230m - Dettling/Wegmayr 2019

L1, 6b, 30m: Achtung, vom Einstiegsband startet nicht nur die Maverik, sondern auch ein zur Zeit noch nicht fertiggestelltes Projekt, welches mit mehreren BH gesichert nach links über die Platte zieht, während die Maverik gerade hinauf an die Schuppe und später Verschneidung zieht. Direkt über den Einstiegsbohrhaken folgt in der Maverik eine plattige Stelle um wach zu werden, bevor man die griffige Schuppe in die Finger kriegt und dieser folgt. Nach einem Absatz geht's los: erst den Riss geschickt nutzen, dann in kräftigen Piaz wechseln um das Dächli athletisch zu überwinden. Über zwei Stufen hinweg gelangt man zum Stand.

In L1 (6b) der Maverik. Kurze Platte, dann griffige Schuppen und eine Piazverschneidung mit Dächli.
L2, 6c 1pa oder 7a, 30m: Schon der Gegendruck-Start aus dem Stand raus hat es in sich. Gute Beinarbeit, etwas Fingerkraft und Vertrauen in die Füsse sind nötig, damit das Scheunentor nicht aufgeht! Dank griffigen Leisten kommt man anschliessend besser zur Cruxzone voran. Dort erst an der feinen, diagonal verlaufenden Rissspur aufwärts, doch irgendwann ist fertig. Man finde die richtige Strategie, um an die offensichtliche Kante links zu gelangen! Ganz einfach geht das mit einem kurzen Pendelquergang am BH (das wäre dann 6c 1pa), doch auch in freier Kletterei ist es möglich. Wir haben uns dafür an einigen Tricks aus der New-School-Boulderszene bedient. Das macht die Stelle unglaublich schwierig zu bewerten. Schlussendlich denken wir aber, dass der Move mehr Kopfsache und knifflig als echt schwierig ist, ja für Spezialisten dieses Genres möglicherweise sogar "einfach". Somit werfen wir eine 7a dafür aus. Gewiss ist da nur eines - der das ganze Valsertal füllende Jauchzer, wenn der Move gelingt!

In L2 (7a oder 6c 1pa) wartet plattige Wandkletterei mit einem kniffligen Bouldermove.
L3, 6b+, 30m: An der Kante der grossen, abgespaltenen Schuppe geht's in die Höhe. Wer gerade Musse hat, könnte sich auch in Rampftechnik durch den Offwidth-Spalt kämpfen ;-) Steht man einmal auf der Schuppe, so geht's ganz logisch nach links und hinauf, bis einen der Crux-BH in die Wand lockt. Eigentlich hat's gute Tritte, nur haben diese nicht unbedingt die korrekte Ausrichtung. Somit ist Vorstellungsvermögen und Bewegungssubilität gefragt, um den kniffligen Move zu bezwingen, New-School-Dynamik ginge wohl auch. Es folgen Rissspuren mit einer nochmals etwas kniffligen Stelle (0.2er-Cam zwingend) zum Stand.

Super Kletterei auch in L3 (6b+). Es hat mehr (nach rechts offene, auf dem Bild nicht sichtbare) Struktur, wie man denkt!
L4, 6b, 25m: Es wartet eine kaminartige Verschneidung bzw. Schuppe, die mit kreativen Techniken erklettert sein will. Mal so und mal anders geht's am besten, zwischendurch hilft aber echt ein kurzer "Squeeze" am besten und es lässt sich alles mobil absichern. Oben dann steil, ja sogar überhängend, supercool! Zuletzt, nach dem BH, geht's dann nicht rechts in die Verschneidung, sondern - an sich der logische Weg - an die Kante und um diese herum.

Die kaminartige Verschneidung bzw. Schuppe in L4 (6b) erfordert vielfältige Techniken!
L5, 6b+, 30m: Absolut fabelhafte Risskletterei an einem perfekt gefrästen Finger Splitter. Unten gibt's einige Verbreiterungen, wo man etwas grösseres Gear platzieren kann, für die erste Crux mit Fingerklemmern und Toe Jams passt dann allerdings nur der 0.3er optimal. Der einfachste Weg führt dann an die Kante und über ein griffiges Dächli, bevor die zweite Episode am Fingerriss folgt. Auch hier sehr schön mit zwingenden Klemmern über die Crux, erneut passt der 0.3er optimal. Auf dem folgenden Podest ist die Seillänge noch nicht zu Ende. In cooler 3d-Kletterei geht's die steile Verschneidung hinauf, der Ausstieg zuletzt erfolgt nach rechts.

Hervorragende Trad-Kletterei wartet in L5 (6b+) mit perfekt gefrästen Finger Cracks und einer Verschneidung am Ende.
L6, 6a+, 30m: Ein gemütliches Zwischenstück mit schöner Wandkletterei führt einen an den Fuss der nächsten, orangen Steilwand. Zwei kniffligere Stellen sind mit je einem BH gesichert, der Rest lässt sich auch hier prima mobil absichern. Ein weiteres Highlight ist dann der Stand auf dem perfekten, topfebenen Bivy-Ledge. Ein prima Platz für eine Pause und um seinen Blick schweifen zu lassen!

Prima Wandkletterei, die man jedoch auch vorwiegend mobil absichern kann wartet in L6 (6a+).
L7, 6c, 35m: Angezogen hat uns auf dieser Seillänge natürlich die markante Schuppe. Doch leider ist sie am Rand dermassen dünn und hohl tönend, dass wir schlussendlich die Finger davon gelassen haben und es auch wenig empfehlenswert scheint, mobile Sicherungen daran zu legen. Das ist nicht weiter störend, weil man unmittelbar rechts in der Wand an Leisten super schön und sogar eher einfacher klettern kann (dafür war halt ein zusätzlicher BH nötig). Bald folgt eine schwierige Wandstelle an einer kniffligen Seitgriffkante. Nein, hier liegt nicht etwa die Bewertung von 6c daneben! Es geht wirklich in diesem Grad, wenn man die Lösung findet. Doch damit nicht genug. Die danach ansetzende, steile Rissverschneidung mit genialem Dächli ist echt super zu klettern und komplett mobil zu sichern.

Ausblick auf L7 (6c), die griffigen Schuppen laden zum Klettern ein!
L8, 6a+, 30m: Über eine Doppelstufe geht's zum markanten Splitter Crack in Faustgrösse. Dieser hat uns bereits bei der Begehung der Braveheart so herzlich aus der Ferne angelacht, dass wir ihn so gut wie zwingend in die Route einbauen mussten. Auch wirklich super zu klettern, nur etwas länger dürfte er noch sein! Anschliessend der Kante entlang auf die liegende Platte, welche entlang von weiteren, breiten Rissen überquert wird.

Über zwei Stufen geht's in L8 (6a+) zum perfekten Faustriss - genial!
L9, 5c, 25m: Gleich oberhalb in der gelben Wand warten ein paar wunderschöne Risse mit genialer Felsstruktur, eine echte Plaisir-Clean-Kletterei. Zuletzt führt der logische Weg nach rechts und mangels weiterem Akkustrom blieb uns bei der Erstbegehung gar nichts anderes übrig, wie zum Abschlussstand der Braveheart zu zielen. Im Zuge der Rotpunktbegehung hätten wir zwar einen eigenen Schlusstand ein paar Meter weiter links setzen können, was uns jedoch schliesslich als unnötige Hakenverschwendung und Zervreilahorn-Perforierung vorgekommen wäre. Somit endet die Maverik am selben Ort wie die Braveheart. Es lässt sich an diesem Punkt auch ideal aufs Gipfelplateau aussteigen, ebenso haben wir das Wandbuch dort platziert (Configlas in der Nische, unverfehlbar).

Zum Schluss wartet noch cleane Plaisir-Risse (L9, 5c). Die Braveheart führt gratartig über die angelehnten Blöcke zu gemeinsamen Endpunkt.
Abseilen

Erfolgt am besten und einfachsten gleich über die Route selber. Es sind 5 Manöver, die nötigen Standplätze (9-7-5-3-2) sind ausgerüstet. Auf den ersten beiden Strecken werden die 2x50m-Seile jeweils gut ausgenutzt, aber es reicht. Alternativ könnte man auf dem Gipfelplateau auch wenig absteigen und die Piste über die Fahnenroute verwenden. Mit 2x50m sind aber auch dort 5 Abseiler nötig und besser/effizienter ist diese Variante nicht. Somit macht's also wenig Sinn bzw. lohnt sich höchstens für einen Einblick in jene Route und die grosse Abschlussplatte, bzw. für jene, die nur mit einem Einfachseil angerückt sind (dann 10x22m abseilen).



Material

Absolut unverzichtbar ein Satz Cams der Grössen 0.2-3. Wer so legt wie im Topo empfohlen und die mobilen Sicherungen nicht üppiger platziert wie man es bei Bohrhaken tun würde, kommt damit gerade knapp aus. Wenn man ein bisschen grosszügiger und weniger taktisch legen möchte, so kann sich ein zweites Set Cams der Grössen 0.3-0.75 als durchaus sehr nützlich zeigen. Allenfalls könnte man auch einen Satz Keile der entsprechenden Grössen mitführen, was uns jedoch als deutlich weniger praktisch erscheint. Als eher optional darf man das doppelte Mitführen der Cam-Grössen 1-3 bezeichnen, es ist jedoch durchaus möglich, auch diese sinnvoll an den Fels zu bringen. An Seilen sind 2x50m nötig, mit einem Einfachseil müsste man die Abseilpiste über die Fahnenroute (10x22m) nutzen. Mit 8 Exen (wovon 4 verlängerbare Alpine Draws) sollte man gut durchkommen, wenn man dort wo durch geraden Seilverlauf möglich/sinnvoll die Cams direkt und ohne Exe klippt. Risshandschuhe sind insgesamt eher optional, es gibt neben dem Fist Splitter in L8 nur wenige Stellen, wo ein Jamming mit dem Handrücken zum Einsatz kommt.

Da kann man nur noch sagen, let's go und viel Spass! Das Bild aus L1 (6b).
Topo

Hier unten als Bild, für die beste Qualität empfiehlt sich ein Download als PDF! Artwork by Viktor, vielen herzlichen Dank!