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Sonntag, 26. Juli 2015

Nissedal / Baremslandfjellet - Spionführe (6a+)

Noch immer waren wir am Nisser-See in der Telemark stationiert (siehe vorheriger Beitrag) und wollten einige weitere MSL-Touren klettern. Im lokalen Telemark-Führer wird die Spionführe von Götz Wiechmann mit dem Maximum von 3 Sternen bewertet und stellt damit einen Klassiker von Nissedal dar. Sie folgt weitgehend einer natürlichen Linie von selbst abzusichernden Risssystemen, mit ein paar Verbindungsstücken über bohrhakengesicherte Platten. Mit sieben Seillängen und gegen 300 Klettermetern ist für einen unterhaltsamen Klettertag gesorgt!

Sicht auf die über 250m hohe Wand des Baremslandfjellet mit der Spionführe, die zentral hochführt.
Vom Nissersee bzw. dem Ort Treungen an dessen südlichem Ende fährt man auf der Route 41 ca. 2.5 Kilometer nach Süden, um dann rechts, wenn die Wand klar sichtbar ist, auf eine Schotterstrasse einzubiegen. Beim Abzweig eines schon recht überwucherten Seitenpfades wird parkiert. Der Weg zum Einstieg nimmt hier tatsächlich nur etwa 15 Minuten in Anspruch. Schwache Pfadspuren sind vorhanden, wenn man sie denn findet. Doch immer der Nase nach wird man dem Einstieg auch näherkommen. Zuletzt muss man noch von rechts her durch Kraxelei in zweiten Grad das Band auf dem Vorbau gewinnen, wo die Route schliesslich beginnt. Um ca. 11.00 Uhr waren wir startbereit, im Gegensatz zum Vortag waren die Temperaturen heute angenehm und die Sonne machte ihre Aufwartung, so dass man problemlos im T-Shirt klettern konnte.

L1, 30m, 5c+: Das erste Reibungs-Testpiece folgt gleich vom Boden weg, meines Erachtens ist es sogar die Crux dieser Länge und zwar noch bevor etwas geklippt werden kann. Es stecken in dieser Länge nur 2 BH, doch in der Mitte gibt es ein sehr gutes Placement für einen kleinen Cam.

Reibung entlang von einer Rissspur in L1 (5c+).
L2, 60m, 6a: Komplett cleane Monster-Seillänge, die mit dem Riss gleich oberhalb vom Stand startet. Nach etwa 20m wechselt man dann an offensichtlicher Stelle 4m nach links zum nächsten, parallel verlaufenden Riss. Das zweite Drittel ist nicht ganz so schwer, die Crux folgt dann erst ganz am Ende zum Stand hin. Dort ist es echt noch knifflig, man muss sauber stehen, spürt schon das Gewicht des Seils und zum Sichern passen nur noch ausgewählte, kleine bis mittlere Cams, die ich auch schon aufgebraucht habe. Mich kostet's ein bisschen Nerven, aber es gelingt.

Der cleane Riss von L2 (6a) - deutlich weniger grasig beim Klettern, wie es hier den Anschein macht.
L3, 45m, 6a+: Geniale Seillänge, die erst weiter entlang dem nun steileren und saubereren Riss führt. Die Crux kommt recht unerwartet noch vor dem zweiten Bolt und muss obligatorisch ca. 1m über dem letzten Cam-Placement geklettert werden. Danach schöne, technische Wandkletterei mit ein paar Leisten und der üblichen Reibung in einer Links-Rechts-Schleife an Bolts - gut abgesichert und auch gar nicht so schwer wie erwartet. Stand hier an nur einem BH, Verstärkungsmöglichkeit mit Cams ist jedoch gegeben.

Blick von unten auf L3 (6a+), welche weiter dem Riss entlang führt und dort die Vorstiegscrux der Route bereithält.
Von oben sieht's dann mehr nach Wandkletterei aus, wobei das für den Schluss von L3 (6a+) auch zutrifft.
L4, 45m, 6a+: Der schönen Rissschuppe entlang zu steiler Wandstelle an etwas instabil wirkenden Schuppen und nach rechts zu drei BH, hier wäre eine alternative Standmöglichkeit. Von der Standleiste wegzumoven ist die Crux (hier aber A0 möglich), dann weiter anhaltend auf Reibung und an Kratzern. Von der nächsten Schuppe dann ein kühner Rechtsquergang und elegant über letzte Dächlein hinauf, affengeil!

Wandkletterei mit komplexer Linienführung in L4 (6a+).
L5, 45m, 5c: Links um die Schuppe rum und dann einfacher die Rampe zurück nach rechts hinauf, an der entsprechenden Stelle die Abzweigung aus diesem System raus nach rechts nichts verpassen. Zuletzt dann noch das Rätsel, wie und wo man die letzte Wandstelle zum bereits sichtbaren Stand klettert. Es gibt wohl mehrere Lösungen... diese Länge ist auch komplett clean, nach meinem Empfinden klar die einfachste der Route.

Zum Schluss von L5 (5c) wartet noch eine Wandstelle ohne Sicherungsmöglichkeit.
L6 & L7, 60m, 6a: Hier gibt's keine Fragezeichen bezüglich der Linie, dem wie mit dem lineal gezogenen geraden Riss geht's entlang. Der Start ist gar nicht so einfach, danach geht's dann immer besser. Absichern kann man hier beinahe à discretion. Nach 45m erreicht man den Abschlussstand mit 2 BH, wer will kann noch weitere 15m auf Reibung im Grad 4a hinauf aufs Band zu Stand am Baum klettern.

Der gerade und cleane Riss von L6 (6a).

Das Top über den Wäldern und Seen von Telemark ist erreicht.
Um 15.30 Uhr erreichen wir nach 4:30 Stunden Kletterei das Top. Die langen, meist selbst abzusichernden Seillängen mit ihren kniffligen Kletterstellen hatten Zeit gefordert, jedoch beste Unterhaltung geboten. Ob die Einstufung als Nissedal-Highlight jetzt wirklich zutrifft, kann ich mangels Erfahrung nicht wirklich beurteilen. Lässig war es aber auf jeden Fall gewesen! Es lohnt sich übrigens, vom Routenende noch aufs Plateau hinaufzusteigen, um einen schönen Blick nach Norden auf den Nisser-See werfen zu können. Wer will, kann hier auch auf dem üppig markierten Wanderweg absteigen. Wir indessen hatten uns fürs Abseilen entschieden. In 5 Manövern erreichten wir mit unseren 60m-Seilen wieder den Boden, im unteren Teil hatten wir dabei die günstiger gelegenen Stände der rechts (nördlich) verlaufenden Neutour verwendet. Nach kurzem Rückmarsch durchs Gebüsch und wenigen Minuten Autofahrt waren wir bald wieder retour auf dem Campground. Während tagsüber tolles Wetter mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen geherrscht hatte, begann es abends schon wieder zu regnen - das norwegische Wetter ist wirklich wechselhaft!

Blick vom Gipfel auf den Nisser-See.
Facts

Baremslandfjellet - Spionführe 6a+ (6a+ obl.) - 7 SL, 275m - Wiechmann et al. 1990 - ****;(xxx)
Material: 2x60m-Seile, 14 Express, Keile, Camalots 0.3-3 plus 1-2 kleinere und evtl. 0.3-0.75 doppelt.

Gebiets-Klassiker durch die zentrale Südwand des Baremlslandfjellet. Die Route verläuft weitgehend entlang von selber abzusichernden Risssystemen, 4 von 7 Seillängen sind komplett clean. Die Verbindungsstücke zwischen den Rissen bieten spannende Wandkletterei und sind recht gut mit Bohrhaken gesichert, die rostigsten Exemplare wurden dabei mit Inoxmaterial saniert. Auch die Risse lassen sich mit dem entsprechenden Material gut absichern, so dass man alles in allem auf eine gefühlte xxx-Bewertung kommt. Zu berücksichtigen ist die 60m-Länge, welche vor allem kleine bis mittlere Cams braucht, hier allenfalls das Set aufstocken bzw. verdoppeln. Zudem ist eine der schwersten Kletterstellen in L3 zwingend ca. 1m über dem letzten, sehr gut liegenden Cam zu meistern.

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Samstag, 25. Juli 2015

Nissedal / Haegefjell - Feuervogel (6a+)

Die Region Telemark ist ein Gebiet im Süden von Norwegen, das durch viele Gewässer und Wälder sowie dünne Besiedlung charakterisiert wird. Felsen gibt es auch allenthalben, auffallend für uns Kletterer sind natürlich vor allem die eindrücklichen Dome und zahlreiche Plattensektoren. Ein bisschen erinnert mich das Gebiet an die Sierra Nevada, bzw. Tuolomne Meadows im Yosemite National Park. Es kommt zwar in punkto Schönheit und Einzigartigkeit nicht zu 100% ans grosse Vorbild heran, dennoch ist ein Besuch hier sehr lohnend.

Nachdem wir von Sandefjord angefahren waren (siehe vorheriger Beitrag), stationierten wir uns auf dem Nysser Hyttegrend Camping. Aufgrund seiner Lage im Zentrum der Klettersektoren ist er die erste Adresse für uns Climber. Er liegt mittig am Westufer vom ca. 40km langen und ca. 3km breiten Nisser-See, der zwar durchaus zum Baden einlädt, aber mit seinen aktuell 17 Grad eine gewisse Abgebrühtheit verlangt. Aber wir waren ja nicht zum Badeplausch gekommen, sondern wollten in erster Linie an den Fels. Die schönste, höchste und bekannteste Struktur hier in Nissedal ist der Haegefjell. Das ist ein 500m hoher Felsdom, der etwas im Hinterland in einer sehr schönen Landschaft liegt. Bilder sagen aber mehr als viele Worte, daher lassen wir doch hier den visuellen Eindruck sprechen.

Der Haegefjell mit seiner rund 3km breiten und 500m hohen Südwand. Ein super Kletterziel!
Also entschieden wir uns, gleich am ersten Tag dort einen Versuch zu geben. Ob das rückblickend die ideale Entscheidung war, darf man durchaus in Frage stellen, denn das Wetter war selbst für nordische Verhältnisse eher auf der unsicheren Seite. Die grossen Wege sind aber meist über 500 Klettermeter lang und nicht überall ist ein Rückzug einfach möglich. Daher wählten wir eine Tour, wo man gut Abseilen kann und die auch nicht zu den allerlängsten am Berg gehört. Unter diesen Kriterien erschien die Feuervogel (6a+) in der glatten Plattenzone links aussen die beste Wahl. Nachdem ihre Schönheit im lokalen Führer mit zwei von maximal drei Sternen (d.h. "exzellente Route") bewertet wird, sollte es sich auch um eine sehr lohnende Unternehmung handeln.

Durch diesen Plattenschuss führt die Route hoch. Sie verläuft wenig links der Bildmitte, ungefähr ob den Stein, der am Seeufer liegt.
Die Anfahrt erfolgt auf einer 13km langen Schotterstrasse vom Ort Fjone. Nach ein paar Kilometern ist eine Maut von 70 Kronen (ca. 8 Euro) fällig, die man selber in einen Umschlag stecken und in einen Kasten einwerfen muss. Daher also entsprechendes Kleingeld bereithalten. Die Piste führt recht nahe an den Haegefjell heran, an deren Ende beim Parkplatz darf man auch halbwild gegen eine kleine Gebühr zelten. Ausser einem WC und ein, zwei Tischen gibt's hier dafür keine Infrastruktur. Wir machten uns auf den Weg zur auserwählten Route. Dieser führt zuerst noch der nun für den Autoverkehr gesperrten Piste entlang. Wir spähten immer nach dem Pfad, der uns von dieser zur Kletterroute führen würde. Doch den gab es nicht. Weglos hauten wir uns schliesslich durchs Buschwerk und gelangten zu den Einstiegen. Das völlige Fehlen eines Pfades deutete schon darauf hin: hier wird nur höchst selten geklettert!

Eine nächste Schwierigkeit stellt dann das Auffinden des Einstiegs dar. Aufschriften am Fels gibt es keine, die Führen sind alle äusserst spärlich bis gar nicht mit fixem Material ausgerüstet und folgen zum grossen Teil auch nicht eindeutig identifizierbaren Strukturen, sondern sind eher von plattiger Natur. Dann kommt auch noch hinzu, dass der Telemark-Führer von Götz Wiechmann eher nur rudimentäre Handskizzen von beschränktem Detailgrad und Genauigkeit aufweist. Nach einer Weile waren wir jedoch fündig geworden, d.h. ich war mir ziemlich sicher, dass die beiden auf 15m und 30m Höhe zu erspähenden Bohrhaken wohl zum Feuervogel gehören würden. Also rüsteten wir uns aus. Die Sonne drückte immer wieder durch die Wolken und es war auch nicht allzu kalt, doch da ein zügiger Wind ging, montierten wir in weiser Voraussicht dennoch eine lange Unterhose. Diese Entscheidung sollte sich noch gut bezahlt machen - notabene an einem Tag, wo in der fernen Schweiz wiederum Rekordtemperaturen von gegen 40 Grad gemessen wurden. Wenige Minuten nach 12.00 Uhr ging es schliesslich los.

Ein gänzlich unspektakuläres Bild, aber hier geht's los. Mag vielleicht einem weiteren Bewerber beim Lokalisieren des Einstiegs helfen. Wer das Bild in voller Auflösung anschaut, vermag den ersten Bohrhaken zu erkennen. Viel Spass bei der Suche, vor Ort ist's in Realität auch nicht wirklich einfacher!
L1, 45m, 6a: Der erste Test wartet bereits auf dem Weg zum ersten Bohrhaken. Wer hier der Reibung nicht voll vertraut, kommt nicht hoch. Stürzen, aus 8-10m Höhe auf das blockige Gelände am Einstieg, wäre sicherlich eher ungeschmeidig. Auch nachher geht es verpflichtend und mit recht anhaltenden Schwierigkeiten weiter. Zwischen den 3 BH (auf 45m!!!) kann man nichts Vernünftiges legen. Wer hier durchkommt, wird wohl auch den Rest der Route packen.

Tolle Gegend, anspruchsvolle Kletterei und weite Abstände in L1 (6a). Das Bild vermittelt es hoffentlich einigermassen.
L2, 48m, 6a+: Nun steigern sich die nominellen Schwierigkeiten sogar noch. Es handelt sich aber eher um eine kurze und mit 2 BH auch gut abgesicherte Stelle auf Reibung mit kleinen Leisten für die Finger gleich nach dem Stand. Der Rest der Länge beinhaltet dann einfachere Meter einer Schuppe entlang. Stecken tut nix mehr, selber legen geht auch nicht allzu gut.

L3, 47m, 5c+: Vom Stand weg eine Wandstufe (Crux, 2 BH), danach ein paar Schuppen und Zacken entlang. Hier kann man für einmal selber gut 2-3 Sicherungen platzieren. Danach noch einfachere Plattenkletterei bei weiten Hakenabständen.

Kathrin in L3 (5c+). Während Mitteleuropa unter 40 Grad Hitze ächzt, klettern wir hier in der Hardshell...
L4, 50m, 5a: Hier dienen die zwei Haken höchstens noch der Orientierung und der Vermeidung vom allerschlimmsten. Der Fels hier sehr schön, quarzig und strukturiert. Wo man hingegen bei 25m Hakenabstand ganz genau durchklettern soll, bleibt der Phantasie von jedem Begeher überlassen. Klar kommt man überall hoch, im Grad 5a jedoch nur, wenn man den recht verschlungenen, einfachsten Pfad findet. Wer falsch geht, klettert dann halt 15m über der letzten Sicherung plötzlich eine 6a auf Reibung.

L5, 50m, 6a+: Die Wandstufe zu Beginn stellt die Crux dar, Wandkletterei auf Reibung für die Füsse, mit Quarz-Minileisten für die Finger. Mit 2 BH gut abgesichert und für eine freie Begehung auch nicht prohibitiv schwer. Der Rest der Seillänge dann wie gehabt: spärlichste Absicherung auf 5b-Platten, man suche den Weg!

Kathrin schleicht über die 5b-Runouts im oberen Teil von L5 (6a+), hinten der klare Bergsee, den wir auf dem An- und Abmarsch umrundet haben. Ich würde für Zu- und Abstieg eher den Weg von hier aus gesehen rechts um den See empfehlen, obwohl der Führer den Weg von links her vorschlägt. Wegspuren sind auf beiden Seiten keine erkennbar.
L6, 45m, 5b: Zuerst links an der Grasinsel vorbei, dann gerade hinauf. Nach etwa 25m kommt die erste und einzige Zwischensicherung dieser Länge, dazulegen kann man nix. Aber inzwischen ist man sich das ja gewöhnt...

L7, 45m, 5a: Nun warten weitere 45 Klettermeter zum Routenende. Am schwersten ist's gleich zu Beginn, danach lässt's etwas nach. Die im Topo versprochenen 3er-Platten kommen aber definitiv nicht, dafür keine einzige Zwischensicherung (zum Legen gibt's auch nix). Gerade die letzten Meter sind nochmals eher glatt und verlaufen zwischen zwei Nässe-/Dreck-/Schlammstreifen, hier bloss keinen Fehler machen.

Die letzte 50m-Länge (5a) ohne jede Zwischensicherung ist gemeistert und das Top erreicht!
Etwas vor 15.15 Uhr und damit nach gut 3:00 Stunden Kletterei hatten wir das Routenende erreicht. Von einem Ausstieg nach oben trennt einen noch ein überhängender Riegel. Kletterbar wäre er wohl, aber da keine Absicherung vorhanden ist, muss man zwingend den Weg in die Tiefe antreten. Das Abseilen über die glatten Platten verläuft problemlos, so dass wir schon eine halbe Stunde später die 7 Manöver erledigt haben und zurück am Einstieg sind. Da der Zustieg (nach Empfehlung des Führers) ja sowieso weglos und auch etwas mühsam war, probieren wir es im Abstieg rechts (d.h. westwärts) um den kleinen See herum. Das funktioniert tatsächlich etwas besser. Bald sind wir zurück auf der Piste und laufen retour zum Parkplatz.

Verzinkte Anker und Inox-Laschen im Granit = am falschen Ort gespart. Leider präsentiert sich ein grosser Teil der Zwischenhaken in dieser Route, ja in ganz Nissedal bzw. ebenso in Setesdal in diesem Zustand. Die grosse Sünde der 90er-Jahre... aktuell ist das gerade noch zu verantworten, doch in Zukunft müssen diese Routen gewartet werden, damit sie noch sicher begangen werden können. Wer erledigt diese Herkulesarbeit, die viel Geld und Aufwand kostet, aber keinen Ruhm und Ehre einbringt?
Bleibt noch, das Fazit zu ziehen. Die Plattenkletterei war lässig gewesen, der Fels ist hier sauber, praktisch ohne Flechten und Gebrösmel. Über recht weite Strecken klettert man an schönen Quarzstrukturen, das ist wirklich prima. Naturgegeben bietet die Route nicht besonders viel Abwechslung, aber das ist im Angesicht dieses riesigen Plattenschusses schon von Weitem so erkennbar. Die zwei von drei Sterne im lokalen Führer sind sicher eher grosszügig bemessen, die Zwei-Sterne-Tour Sunset Boulevard die wir später kletterten, fand ich jedenfalls deutlich spektakulärer und besser.

An den Standplätzen steckt zum Glück immer mindestens einer (meist sogar zwei) gute Inox-Haken. Offenbar kam hier nach der Erstbegehung nochmals jemand mit der Borhmaschine vorbei. Die Fixe-Inox-Plättli mit dem neuen Bächli-Logo (Bergsportladen in der Schweiz) gab es nämlich zu Zeiten der Erstbegehung im 1992 ganz sicher noch nicht. Die waren ca. 2009 aktuell, in der Hanimoon hatte ich auch dieses Fabrikat verwendet.
Am meisten zu denken gibt mir hingegen die Absicherung. Im Führer reicht die Skala von A (Klettergarten) bis D (Harakiri) und die Feuervogel ist mit A+ bewertet, damit sollte es eine der am besten abgesicherten Routen am Haegefjell sein. Auf den jeweils rund 50m langen Seillängen stecken 3/2/4/2/4/1/0 Zwischenhaken, Möglichkeiten zum Dazulegen gibt es so gut wie keine. Unter guter Absicherung verstehe ich definitiv etwas anderes! Natürlich, ich bin hochgekommen und passiert ist auch nichts. Ehrlich gesagt musste ich mich auch kein einziges Mal fürchten. Wenn ich an den Wendenstöcken oder schon nur bei anspruchsvoller Sportkletterei in überhängendem Gelände über der letzten Sicherung vor einer fordernden Stelle stehe, so flattert mir das Herz viel, viel mehr. Doch letzteres ist eine beinahe zu 100% ungefährliche Herausforderung, einfache Plattenkletterei gleich Dutzende Meter über der letzten Sicherung hingegen... naja, hier besteht dann eben so gut wie keine Marge mehr. Zu berücksichtigen ist auch noch, dass es an dieser Wand im Hinterland keinen Handy-Empfang gibt, und man kaum auf eine (schnelle) Bergung zählen kann.

Facts

Haegefjell - Feuervogel 6a+ (6a+ obl.) - 7 SL, 335m - Wiechmann/Fischer 1992 - ***, x-xx
Material: 2x50m-Seile, 6 Express, Camalots 0.3-0.75, Keile kaum einsetzbar

Plattenkletterei über schönen, sauberen Fels mit vielen, quarzigen Strukturen. Die Route bietet nicht allzu viel Abwechslung und offeriert über weiteste Strecken Schwierigkeiten im Bereich 5b/5c. Schwerer als das sind nur ein paar kurze Passagen, die dann auch vernünftig mit Bohrhaken abgesichert sind. Im einfacheren Gelände muss man jedoch sehr weite Abstände vergegenwärtigen, hier sind definitiv lebensgefährliche Stürze möglich, falls man einmal ausrutschen sollte. Möglichkeiten zum Selberlegen gibt es nur ganz wenige, ein kleines Friendset ist trotzdem ratsam.

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Freitag, 24. Juli 2015

Sportklettern am Mokollen bei Sandefjord

Unser Weg sollte uns von Oslo (siehe vorheriger Beitrag) weiter nach Westen führen, wo wir in der Region Telemark im Gebiet Nissedal zum MSL-Klettern gehen wollten. Der nächste Zwischenstopp auf der Reise erfolgte auf dem schönen, am Oslofjord gelegenen Camping Furustrand bei Tonsberg. Von dort war es dann gar nicht weit zum Sportklettergebiet Mokollen bei Sognefjord, um den weiten Weg ins Telemark nochmals etwas aufzulockern. 

Das Gebiet Mokollen bei Sandefjord bietet leicht bis mittelstark überhängende Granit-Wandkletterei.
Beschrieben ist dieses Gebiet wie auch jenes von Hauktjern im Führer "Climb Norway", wobei die Erschliessung hier noch im Gange ist und die neusten Topos auch vor Ort aushängen. Wer hier einen Besuch machen will, ist mit den Koordinaten des Infoboards beim Parkplatz also auch schon relativ gut gerüstet. Nachdem wir uns vom Aussichtspunkt einen Überblick verschafft hatten und die Kletterei an den südwestlich ausgerichteten Wänden unmittelbar darunter identifiziert hatten, brauchte es dann noch etwas Spürsinn, um den mit einem Fixseil eingerichteten Abstieg dort hinunter zu finden. Nach etwas hin und her gelang dies, und wir konnten folgende Routen klettern:

So sieht es aus, wenn man in Richtung Sandefjord Zentrum und dem Meeresarm blickt.
Dani, dra da, 6b, **: Etwas plattige Wandkletterei, die jedoch an entscheidender Stelle ein paar gutgriffige Leisten bereithält und somit eine ideale Aufwärmtour hergibt. Keine besonders schwierige, sondern eine eher gutmütige 6b.

Slipp deg los, 6c, ***: Die Route führt durch eine überhängende Wand ohne viel Struktur. Ohne dass im Topo eine 6c stehen würde, hätte ich das a priori viel schwieriger eingeschätzt. Tatsächlich sind dann sehr weite Züge an durchaus passablen Leisten erforderlich, 6c ist's jedoch höchstens für grossgewachsene Leute bis zum Umlenkkarabiner im letzten Bohri. Bzw., auch bis dahin ist's schon eher 7a/+. Dann folgt noch ein knallharter Boulder und ein paar Züge zum Top, alles zusammen eher 7c wie 6c.

Die ganze Familie klettert Slipp Deg Los. Erst yours truly im Onsight...
Dann die Tochter in der für sie perfekt geeigneten Route... ein paar Mal hiess es "Papi, ufelaa!"
...und schliesslich Mama in der Route und die Tocher am Fotoapparat.
Eggens Overraskelse, 7a, ****: Inzwischen schien die Sonne schon stark und selbst auf dem 60. Breitengrad war es eher mehr als genügend warm zum Klettern. Diese Route verläuft jedoch links (und damit schattig) einer ausgeprägten Kante. Sehr lässige, anhaltende Kletterei mit immer wieder bouldrigen Zügen und Schüttelpunkten dazwischen. Machte mir sehr viel Spass!

Look Around, 7b, **: Von der Sorte kurz, dafür heftig. Überhängende Wand mit diagonal verlaufenden Rissen und schlechten Trittmöglichkeiten, hier ist viel Power aber doch auch Technik erforderlich. Das Einhängen der Haken ist zudem auch ziemlich diffizil, da man kaum eine stabile Position dafür findet. Mein Onsight-Versuch endete am vorletzten Bolt und der Rest der Zeit war von meinen Bemühungen gezeichnet, hier noch den Rotpunkt zu holen.

Topo-Update, das vor Ort am Infoboard um am Wandfuss aushängt. Achtung, die Schwierigkeitsangaben sind norwegische Grade.
Das war es dann gewesen, nun ging es endgültig durch die endlosen Wäldern und an unzähligen Gewässern vorbei nach Westen ins Telemark an den Nisser-See. Das Fazit zum Gebiet Mokollen fällt etwas gemischt aus. Es hat zwar durchaus ein paar gute Touren, das Topgebiet ist es jedoch sicherlich nicht. Wenn, dann bietet es sich für einen Zwischenstopp in dieser ansonsten eher flachen Gegend an. Dank der SW-Exposition kann man hier auch bei kälteren Temperaturen und Sonnenschein gut klettern, im Sommer wird's bei Sonne hingegen auch hier im Norden eher zu heiss. Nichtsdestotrotz, wir hatten hier grossen Spass gehabt und zum Stählen von Bizeps wie Fingern hatte es sehr gut getaugt.

Hier am Furustrand bei Tonsberg am Oslofjord gelegen bezogen wir unser Nachtquartier. Schöne Gegend!
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